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Comic Blog


Dienstag, 29. September 2026

GUNG HO – TANAKA

Filed under: SciFi — Michael um 9:18

GUNG HO - TANAKAEin SAMURAI dient zum Schutz der Menschen. Ein SAMURAI schützt die Menschen im Extremfall mit seinem Leben. Bis zum Tod. DAS IST DER WEG DES KRIEGERS. Auf der Leinwand, als Schauspieler hat TANAKA HASEGAWA dieses Schicksal häufiger verkörpert. Aber obwohl er ein sogenannter Actionheld des Kinos ist, sind seine Fertigkeiten nicht vorgetäuscht. Im aufsteigenden Tohuwabohu angesichts einer unbekannten und landesweiten (schließlich weltweiten) Bedrohung nützt ihm jedoch etwas anderes: Disziplin. Diese lässt ihn die Ruhe bewahren. Und sein Status als Prominenter ist zunächst auch ganz hilfreich. Aber nicht alles ist mit Geld lösbar, wenn das Chaos zu groß wird und die Gesellschaft die Kontrolle verliert…

Zum Comic-Megaklopper GUNG HO gibt es nun eine Vorgeschichte, genauer zu einer der interessantesten Figuren: TANAKA HASEGAWA. Hat er sich als militärischer Ausbilder und Schauspieler im Actionfach hervorgetan, steht er mit seiner Familie nun einer Bedrohung gegenüber, die kaum zu fassen ist. Nein, keine Zombies! Weltuntergang, ja, doch die Angreifer sind Kreaturen, von denen gemutmaßt wird, dass sie einem experimentellen Programm entstammen. Eindeutig handelt es sich um Tiere, ausgestattet mit einer Schwarmintelligenz und einzig und allein darauf aus, Menschen zu töten (na, und zu fressen). Weshalb die Theorie einer aus dem Ruder gelaufenen Biowaffe entsteht. Aber: Niemand weiß genaues, jeder wiegelt ab. Der Untergang klopft an, und keiner will es gewesen sein.

Die erste Hälfte der Geschichte befasst sich mit der Flucht aus Paris, wo TANAKA HASEGAWAS letzter Film anscheinend eine Art Premiere feiert. Plötzlich wird aus der Gewalt auf der Leinwand Realität und überfordert nicht nur TANAKAS Familie, sondern auch das komplette Umfeld. Der Ansturm der weißen affenähnlichen Monster kommt zu schnell, aus zu vielen Verstecken. Selbst das Militär ist dem nicht gewachsen. In der zweiten Hälfte kann nicht unbedingt von einer Normalisierung des Zustandes gesprochen werden, allerdings arrangieren sich Menschen häufig mit einer Situation. Lösungsansätze, Verteidigung, Organisation gewinnen mehr Raum. Zu den Überlebenden in diesem Konglomerat recht unterschiedlicher Figuren gehören auch TANAKA und seine Tochter. Zum Besten bestellt ist das Leben trotzdem nicht. Die weißen Bestien sind zur immerwährenden Gefahr geworden.

Damit erzählt BENJAMIN VON ECKARTSBERG, der auch für die Hauptserie GUNG HO als Autor zur Verfügung stand, kehrt mit TANAKA in dieses unheilvolle Universum zurück, an einen Anfang. Eine Erklärung zur genauen Entstehung der Ungeheuer bleibt er dem Leser hier aber schuldig. Die Sichtweise ist jene des normalen Menschen von der Straße, die auch das meiste Grauen trifft. (Wer hier mit dieser Vorgeschichte Blut geleckt hat, dem sei das Haupt-Event als Gesamtausgabe im Hardcover-Format wärmstens empfohlen: GUNG HO.)

Mit Illustrator CHAÏKO verbindet BENJAMIN VON ECKARTSBERG bereits eine Zusammenarbeit, nämlich jene zu einer Comic-Adaption eines weltbekannten AGATHA-CHRISTIE-KRIMIS. Stilistisch finden sich die Bilder von CHAÏKO durchaus im Manga wieder, aber durch Farbe, Leserichtung und einem, wie ich finde, europäischen Einschlag ist hier etwas sehr Eigenes entstanden.

Der Beginn ist mitreißend und steht konträr zur Hintergrunderzählung, die sich mit den aktuellen Ereignissen im Pariser Umfeld befasst. Derweil sieht der Leser das Finale von TANAKAS jüngstem Film, einem historischen SAMURAI-Abenteuer, dramatisch, gewalttätig, tragisch. Das ist derart gut, dass es wie eine Empfehlung für derlei Geschichten wirkt (und man würde sich als LeserIn, sofern Interesse an solchen Geschichten besteht, wirklich wünschen, dieses Comic-Duo würde sich einer japanischen Saga dieser Art annehmen).

Die Illustrationen sind skizzenhaft, auch wie für ein Storyboard geschaffen, passend zu Action-Szenen, jedoch ohne Experimente. Hier wird klar gearbeitet, hier wird alles erkannt, hier wird die Leserschaft punktgenau geführt; hier passiert’s, schau da hin, da geht die Luzy ab. Der Effekt ist der berühmte Page-Turner. Man muss einfach wissen, wie es weitergeht. Die klare Linie der Grafiken ist ein eindeutiges Plus für die spannende Geschichte (die es wirklich verdient, in einem Rutsch verschlungen zu werden).

Ja, top! So dürfen dystopische Science-Fiction-Geschichten und apokalyptischer Horror ablaufen. Grafisch sehr genau, flott, ohne sich zu sehr in Details zu verlieren, strikt erzählt, nah an den Charakteren, düster, spannend. BENJAMIN VON ECKARTSBERG und CHAÏKO sind ein Comic-Duo, das sich die Leserschaft getrost für weitere Veröffentlichungen vormerken darf! 🙂

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