Zum Inhalt springen


Comic Blog


Mittwoch, 24. Februar 2010

Carthago 1 – Die Lagune auf Fortuna

Filed under: Thriller — Michael um 21:35

Carthago 1 - Die Lagune auf FortunaDie beiden Taucher freuen sich über ihre Entdeckung. Jedenfalls so lange, bis sie die Hand ihres dritten Kameraden an sich vorüber schweben sehen. Hinter ihnen wird ein riesiger schwarzer Schatten sichtbar. Kurz darauf bricht die Kommunikation mit dem Team ab. Andernorts ist die Stimmung wesentlich gelöster. Die Erkundung eines Bergsees hat erstaunliche Ergebnisse zutage gefördert. Abgeschieden von allen Einflüssen haben sich die Tiere in einer Form entwickelt, die niemand für möglich gehalten hätte. Ein Meter große Krebse, Hechte, von denen das größte Exemplar fast 3,50 Meter lang geworden ist. Wenn derlei evolutionäre Sprünge möglich sind, warum nicht noch mehr? Wo es vorwärts geht, kann auf dem Weg auch etwas stabil geblieben sein.

Etwas hat überlebt! Darf es auch ein wenig mehr sein? Christophe Bec hat die Tiefsee als Thema für sich entdeckt. Der Ozean ist nicht erst seit einem Schwarm im Mittelpunkt von Öko-Horror-Thrillern. Peter Benchley schickte den den weißen Hai auf die Jagd. Sein Beast folgte als Schrecken aus der Tiefe. Viel näher an der vorliegenden Thematik lag bereits Steve Alten mit seinen Romanen MEG und der Fortsetzung Höllenschlund. (Erschienen 1999 und 2001. Der dritte und vierte Band der MEG-Reihe liegen leider nicht auf Deutsch vor.)

MEG! Genauer gesagt: Carcharodon Megalodon. Ein Ur-Hai, neben dem sich der Große Weiße ausnimmt wie ein Schmusetier, treibt mit seinen 25 Metern Länge jedem Meeresbiologen Tränen in die Augen. Christophe Bec lässt die Entdeckung des MEG zunächst unter Verschluss halten. Ein mächtiger Konzern namens Carthago macht die Entdeckung einer bis dahin sehr abgeschlossen existierenden Unterwasserwelt. Die Betonung liegt auf sehr, denn sie ist eben nicht komplett abgeschlossen. So werden weitere Zugänge gefunden. Die Forscher, die sich einer radikalen Umweltgruppe anschließen, geraten sehr bald in Gefahr.

Christophe Bec hat einen Thriller geschrieben, der sehr geradlinig verläuft, aber auch Wendungen und Überraschungen parat hält. Der Gegner ist nicht nur menschlich, er ist tierisch und somit (auch wegen seiner Eigenschaft als Relikt einer fernen Vergangenheit) nicht berechenbar. Sicherlich hat ein MEG nur ein Ziel: Fressen. Zumindest sieht es hier danach aus. Und wenn er nicht frisst, beißt er etwas gelangweilt zu, ohne sich alles zu Gemüte zu führen. Ein Wal aus dem Prolog dieser Geschichte ist der beste Beweis für diese Verhaltensweise.

Wissenschaftler müssen forschen. Aber sie gehen dabei nicht besonders klug zu Werke. Sie mögen intelligent sein, doch die Neugier und der Forscherdrang schieben zuweilen die Vorsicht zur Seite. Selbst, wenn es darum geht, das eigene Leben zu schützen. Angesichts der Vermutungen, die zu Beginn kursieren (auch angesichts eigener Erfahrungen), agieren die Wissenschaftler zwar versiert, aber relativ unbedacht. Das darf Christophe Bec aber nicht angekreidet werden. In anderen Szenarien gibt es ähnliche Verhaltensweisen, außerdem (ein Trick, der das Vorgehen der Charaktere rechtfertigt) sind die Ressourcen der Wissenschaftler begrenzt.

Mit Eric Henninot wurde neben einem geradlinigen Erzähler ein ebensolcher Künstler gefunden, im wahrsten Sinne des Wortes. Dieser Zeichner beschränkt sich auf schlichte Linienführung, die sitzt. Es ist nicht zu wenig, detailgetreu und möglichst realistisch. Das ist stilistisch vergleichbar mit einem Thierry Labrosse (Morea), vielleicht auch mit einem Colin Wilson (Point Blank). Nur gehört Eric Henninot zur künstlerischen Sorte der Architekten, Künstler, die nichts dem Zufall überlassen und eine sehr feine Ausdrucksweise haben. So wie hier ergeben sich tolle Bilder, die wunderbar zu einem Wissenschaftsthriller wie auch zu einer Monsterhatz in der Tiefsee passen.

Aufgefallen: In einem Prolog, 2300 vor Christus, kann der Leser einen Vorzeitmenschen beobachten, der eine Art Schneebrille trägt. Jedoch nur einige Bilder lang. Es ist fraglich, ob derlei Ideenreichtum damals schon existierte. Die restliche Bekleidung des Jägers ist längst nicht so innovativ.

Ein sehr spannender Auftakt: Eine Jagd auf die überlebenden Zeugen der Vergangenheit. Ebenso gut gelungen wie MEG. Wer Thriller im Stile des angesprochenen Romans mag, oder auch Szenarien wie Jurassic Park, der liegt mit dem in schönen Bildern erzählten Auftakt genau richtig. 🙂

Carthago 1, Die Lagune auf Fortuna: Bei Amazon bestellen

Montag, 22. Februar 2010

Star Trek – Tor zur Apokalypse

Filed under: SciFi — Michael um 20:16

Star Trek - Tor zur ApokalypseKann ein Techniker mehr herausfinden als alle anderen Techniker an Bord eines Raumschiffes? Sollte ihm nicht Paranoia vorgeworfen werden, wenn er gegen alle erfolgten Diagnosen argumentiert? Ja, wenn er sich sogar gegen den Befehl seines Captains wendet und einen Notruf ausschickt? Der Chefingenieur der USS Jackson ist zwar kein Lieutenant Barclay, aber ebenso hartnäckig, wenn es darum geht auf seinen Entdeckungen zu beharren, obwohl ihm niemand zustimmt. Geordi La Forge und Chief OBrien werden von der Enterprise herübergebeamt. Auch sie tappen einige Zeit im Dunkeln. Bis …

Ein Wiedersehen mit der nächsten Generation. Bevor die Crew unter Captain Picard den Sprung auf die Leinwand wagte (und erst einmal die Enterprise zerstört werden musste) schaffte sie sieben erfolgreiche TV-Staffeln. In der 5. Staffel kam Fähnrich Ro Laren an Bord. Im Zeitfenster zwischen 5. und 7. Staffel (hier wurde Fähnrich Ro auf eine Undercover-Mission geschickt und kehrte dem Dienst bei der Sternenflotte den Rücken) sind die vorliegenden Episoden angesiedelt.

Das Autorenduo Scott und David Tipton bringt uns alte Bekannte zurück, die zwar Startschwierigkeiten hatten, aber letztlich eine Lücke auf dem Fernsehschirm hinterlassen haben, als sie so richtig gut waren. Aus mehreren Episoden wird ein großes Rätsel. Ganz im Stile der interplanetaren Karte gibt es ein gigantisches Wissensarchiv zu erkunden, es gibt ein kleines Wiedersehen mit den Binären (bekannt aus der Folge 11001001). Worf darf seine Fähigkeiten als Diplomat zeigen. Einem Chefingenieur wird nicht geglaubt, so dass Geordi und der Chief Detektivarbeit leisten müssen.

Wer die Serie verfolgt hat, wird sich gleich daheim fühlen. Wer Fan ist, erkennt die Muster einer Fernsehfolge sofort wieder. Und nicht nur das: Die beiden Tiptons kennen ihre Charaktere sehr genau. Der Aufbau ist so, als wären verschollene Drehbücher zur Comic-Umsetzung gekommen. Auf der anderen Seite werden Erinnerungen an PC-Spiele wach (wie etwa Star Trek: A Final Unity), denn der Aufbau ist auch einem Rätsel-Abenteuer nicht unähnlich.

Romulaner! Seit die fernen Verwandten der Vulkanier wieder auf dem Bildschirm auftauchten, haben sie zahlreiche Wendungen und Wandlungen durchlaufen. An diesem Punkt der Star-Trek-Ära sind Föderation und Imperium noch strenge Feinde, eine Zusammenarbeit ist eine Utopie. Tomalak, der romulanische Commander, eine Figur, die es immerhin auch in die Abschlussdoppelfolge der Serie geschafft hat, gibt sich sehr früh als Strippenzieher zu erkennen. Seine wahren Ziele indes weiß er gut zu verbergen.

David Messina zeichnet mit seiner unverkennbaren kantigen Art, aber er schafft es stets den Kern der jeweiligen gezeichneten Figur zu treffen. Zwar hat er zeitweilig die Mithilfe dreier weiterer Zeichner, einen optischen Unterschied bemerkt man als Leser nicht. Die Qualität ist gleichbleibend gut. Messina zeichnet einprägsam, er verwendet starke Außenlinien und arrangiert seine Bilder regelrecht in der Art, wie sie auch auf einem Fernsehschirm erscheinen würden. Manchmal entsteht der Eindruck eines Zeichentrickfilms, vor allem, da der Fan auch einen Edosianer entdecken darf. Lieutenant Arex, der Navigator der alten Enterprise war ein Endosianer. Ganz offensichtlich hat sich Messina mit seiner Gestaltung an den Bildern jener vergangenen Serie orientiert.

Die Farbgebung ist recht einfach gehalten. Unschärfe im Hintergrund sorgt für Tiefe in den Bildern. In den Szenen, die in der gigantischen Speichereinheit spielen, wird schon mehr gezaubert. Auch die Weltraumhintergründe gestaltet Koloristin Ilaria Traversi aufwendiger, obwohl die relativ wenig Gelegenheit dazu erhält. Im Finale hingegen gibt es ein paar kleine Herausforderungen, als der echte Gegner sich endlich zeigt.

Ein richtig schönes Widersehen mit der Crew um Captain Picard: Im Geist der Serie erzählt und optisch stimmig umgesetzt, bringen die Brüder Tipton und David Messina den Leser dahin zurück, wo er als Fan einmal war und nun neue Abenteuer miterleben kann. 🙂

Star Trek, Tor zur Apokalypse: Bei Amazon bestellen

Samstag, 20. Februar 2010

Cubitus 22 – Ein Kumpel kehrt zurück

Filed under: Cartoon — Michael um 11:16

Cubitus 22 - Ein Kumpel kehrt zurückRache! Die kleinen Roboter haben ihn angegriffen! Na, gut, so schlimm wäre das nicht. Aber hier geht es um Fleisch. Frisches, neues und saftiges Fleisch, gerade beim Metzger erstanden. Und nun liegt es auf der Straße, platt gefahren, vernichtet, unbrauchbar … Und alles nur wegen dieser gemeinen … Cubitus ist ratlos. Im Notfall: Glas einschlagen. Ein kleiner Hinweis nur bringt Cubitus auf eine Idee. Vielleicht nicht die beste Idee, aber immerhin eine Idee. Ohne in Betracht zu ziehen, welche Ereignisse er damit in Gang setzen wird.

Ein Kumpel kehrt zurück! Und was für einer! Dupa, Autor und Zeichner, zeigt hier wie wenig es bedarf, um eine putzige, knuffige und die Geschichte vorantreibende Figur zu schaffen. Ein Kumpel namens Viktor hatte bereits in Band 8 seinen Auftritt. Der chaotische kleine Roboter verbrachte seine Zeit seither unter einer Glasglocke. Aber warum wird er wieder hervorgeholt?

Stein des Anstoßes ist ein anderer, genauer gesagt, zwei andere Roboter. Rocky Star und Raupe können, in den falschen Händen, schon mehr als nur den letzten Nerv rauben. Und wie kann es anders sein? Sie sind in den falschen Händen!

Dupa erzählt diesmal eine albumlange Geschichte, in der ein Ereignis das nächste jagt. Wie der sprichwörtliche Dominoeffekt entsteht durch Aktion eine Reaktion und so weiter und so fort. Durch den geschickten Einsatz verschiedener Nebenfiguren (die kleinen Roboter wollen auch gesteuert werden), die mal Täter mal Opfer sind (ein Mädchen wird von den Robotern angebaggert und ersinnt einen Racheplan), entsteht eine immer komplexer werdende Geschichte.

Deshalb muss der Leser noch lange nicht auf schnell aufeinander folgende Gags verzichten. Diese erfolgen immer noch mindestens im Seitentakt (wenn nicht öfter), aber Dupa hat so die Gelegenheit Running-Gags zu etablieren und längerfristig Pointen vorzubereiten. Einer dieser Running-Gags wird gleich auf Seite 1 eingeführt: Steuern! Es gibt Worte, die unter den Menschen Angst verbreiten. Cubitus, den diese Erkenntnis unverhofft trifft, verwendet diese sofort auf der zweiten Seite wieder, um die Wirksamkeit zu testen. Doch das ist nur der Auftakt. Sehr bald schon schlägt die Geschichte die Erzählrichtung um den Kumpel ein. Dupa verwendet dazu eine kapitelweise Einteilung, ohne diese konkret zu bezeichnen.

In dieser Geschichte müssen alle wichtigen Charaktere ran. Neben Cubitus und Boje darf auch Paustian mit an einem Strang ziehen. Cubitus, herzerfrischend knuddelig von Dupa gezeichnet, wird einiges abverlangt. Er läuft, hetzt, fliegt durch die Luft, rollt, wird gestoßen, geschleudert … Kurzum, hier purzelt der Hund. Der Leser darf sich davon überzeugen, dass der weiße Knuddelhund auch Taschen in seinem Fell hat. Paustian hingegen beweist, dass er echte Duo-Qualitäten besitzt und weit mehr ist als nur der ewige Sidekick (im wahrsten Sinne des Wortes). Ganz nebenbei wird die Frage geklärt, warum Cubitus eigentlich Cubitus heißt.

Ein ganzes Album lang erlebt Cubitus ein außergewöhnliches Abenteuer mit seinen Freunden (und belebt einen alten Kumpel). Das ist Chaos, Situationskomik, in bester Cartoon-Manier gezeichnet mit einer liebenswerten Hauptfigur. Dupa in Höchstform! 🙂

Cubitus 22, Ein Kumpel kehrt zurück: Bei Amazon bestellen

Freitag, 19. Februar 2010

Im Netz von Spider-Man 22

Filed under: Superhelden — Michael um 11:30

Im Netz von Spider-Man 22Es braucht schon etwas mehr, um Wolverine unter den Tisch zu trinken als eine Flasche Whisky. Und es braucht auch etwas mehr, um ihn zu töten. Ein Gewehr hilft da wenig. Das haben schon ganz andere versucht, mit deutlich höherem Aufwand. So bleibt auch dieser Versuch im Ansatz stecken. Das heißt aber nicht, dass es nicht ausreicht, um den X-Man wütend zu machen. Eigentlich ist Wolverine grundsätzlich wütend, mal mehr, mal weniger. Doch wenn er so richtig ausrastet, dann bedarf es eines Superhelden, um ihn wieder auf den Boden zu bringen. Auch wenn es schwer fällt. Selbst einem Spider-Man.

Peter Parker ist auch nur ein Mensch. Eigentlich ist dies ein Umstand, der nur allzu bekannt ist, da es zum Grundkonzept der gesamten Figur gehört. Hier wird in den Geschichten Platonisch und Geburtstagskind ein Spidey gezeigt, der abseits von Superschurken ein halbwegs normales Leben hat. Es gibt Privatheit mit Freunden auf beiden Seiten der Identitäten, als Peter Parker wie auch als Spider-Man.

Er ist nicht oft da. Aber immer, wenn sonst keiner da ist. Und das zählt. Betty, eine Freundin von Parker, bringt die Qualitäten des jungen Mannes auf den Punkt. Nach den ganzen Umwälzungen im Marvel-Universum der letzten Zeit versucht Peter Parker im Privaten so gut wie möglich zurecht zu kommen. Ein neuer Tag brachte auch eine neue Chance. Mark Waid erzählt seine Geschichte abseits der Kloppereien und Helden und Schurken unterhaltsam und bringt die üblichen Schwierigkeiten des modernen Singles ein, der sich in seiner Verzweiflung auch mal auf ein Speed-Dating einlässt.

Eine Beziehung zu Wolverine, gleich welcher Art, ist schwierig. So ist Spider-Man der einzige, der mit einer gesunden Portion Gutmütigkeit, Geduld und auch Naivität an Wolverines Geburtstag da ist. Hier, vollkommen entgegengesetzt zur Geschichte mit Peters Freundin Betty, die auch in einem Geburtstag mündet, werden auch völlig andere Spaßfaktoren in den Mittelpunkt gestellt. Für Wolvie gehört eine zünftige Keilerei zu einem gelungenen Abend. Grafisch begleitet Paolo Rivera die Geschichte von Zeb Wells in sehr klaren, sauberen Linien, einem Stil, der auch für eine längere Handlungslinie passen würde. Geschichte, Bilder und Erzählgeschwindigkeit ergänzen sich hervorragend.

Eine schöne Überraschung ist die Episode um Man-Thing. Sicher können nicht viele etwas mit einem Wesen anfangen, dass keinen Ton von sich gibt und nicht einmal den holprigen Charme eines Dings besitzt. Die Marvel-Variante des Sumpf-Dings tritt hier in einer Erzählung von Stuart Moore auf. Eindringlich wird verdeutlicht, dass Man-Thing weder vollkommen dumm oder gefühllos ist. Joe Suitor arbeitet stilistisch ein wenig wie Pat Lee (Warlands, Wolverine, Cyber-Force). Die Bilder wirken an Mangatechniken angelehnt. Eine reduzierte Farbpalette, vornehmlich blasse Grautöne, entsprechendes Rot, Blau, Grün und Beige und das Spiel mit Unschärfen imitiert einen statischen Trickfilm. Das Ergebnis ist plastisch und auch elegant zu nennen.

Chris Bachalo ist mit seinem originellen und einprägsamen Zeichenstil ebenso vertreten. Der Anti-Venom, eine Figur, an die sich der Leser bestimmt erst gewöhnen muss, hat seinen Auftritt. Wer die Serie verfolgte, findet sich besser in die Geschichte ein. Dank der expressiven Zeichentechnik ist allemal lesenswert. Ein Bachalo rangiert auf Augenhöhe mit einem John Romita Jr.. Beide sind gewöhnungsbedürftig, aber wer ihre Bilder mag, kommt hier voll auf seine Kosten.

Feine Episoden, durchweg gut gezeichnet und erzählt, zeigen viele Facetten einer Figur wie Spider-Man und erklären den Erfolg dieses Comic-Helden, der stramm auf die 50 zugeht. 🙂

Donnerstag, 18. Februar 2010

100 Bullets 9

Filed under: Thriller — Michael um 20:08

100 Bullets 9 - Neun Leben hat die KatzeFür den einen ist sie die Frau seines Lebens. Für den anderen ist sie nur eine Spielerei, ein Zeitvertreib. Und für die Frau bleibt nur die Antwort, dass sie einen Mann braucht, um in dieser Welt zu überleben. Will sie nicht ihr Leben verlieren. Der Mann, mit dem sie sich abgab, vielleicht für die Aussichten auf ein besseres Leben, vielleicht auch einfach für die Aussicht auf einen besseren Mann als den, der ihr mit großer Leidenschaft hinterher trauert, lässt sie ohne mit der Wimper zu zucken zurück. Der Mann, der sie liebt, kann den Vertrauensbruch nicht ertragen und droht damit, sie zu töten. Am Ende fällt ein Schuss. Wen es trifft, bleibt optisch verborgen. Schlussfolgerungen werden dem Leser überlassen.

Wo die Kleinen sich streiten, toben die Großen sich aus. In Miami Beach werden neue Pläne ausgetüftelt. Müßiggang ist rein äußerlich, stets schwingt das Geschäft mit, wenn es sich auch nicht um astreine Geschäfte handelt. Andere sinnieren über Frauen, trinken einen über den Durst. Wieder andere gehen auf einen furchtbaren Trip, essen vielleicht auch einen Hund auf. Und das sind nur die harmloseren Auswüchse in 100 Bullets.

In der 9. Runde der Gangstergeschichten im weiteren Umfeld um Agent Graves, tummeln sich bekannte und neue Gesichter zu einem schaurigen Verbrecherstelldichein. Von Autor Brian Azarello ist der Stammleser einiges gewohnt. In seinem Erfindungsreichtum, auch in der ausführlichen Darstellung von Gewalt steht er einem Frank Miller oder einem Garth Ennis in nichts nach. Neben der Verzweiflung einer Figur steht Unschlüssige einer anderen. Daneben winkt der Killer, dem es nichts ausmacht, einen anderen Mann zur Erlangung von Informationen zu foltern.

Eduardo Risso bannt diese Geschichten mit seiner gewohnt feinen, hier auch sezierenden Weise auf das Papier. Manches wird in gnädige Schatten getaucht und der Fantasie des Lesers überlassen. Scherenschnitte genügen, um zu wissen, was gerade passiert ist. Mit einem Schaudern möchte man sich vielleicht abwenden. Hier werden Szenen aus vergleichbaren Szenarien wie Der Pate locker übertroffen. Ein Pferdekopf ist hier gar nichts. Die Darstellung Rissos überträgt aber noch etwas anderes als Spannung und Gewalt: Bitterbösen und rabenschwarzen Humor.

Hier offenbart sich in der verschachtelten Handlungen ein weiteres Talent Azzarellos, nämlich auf ähnliche Weise erzählen zu können, wie es ein Quentin Tarantino seit längerer Zeit erfolgreich auf der Kinoleinwand praktiziert. Die manchmal parodierende Zeichnung eines Risso trägt zur stilistischen Ähnlichkeit mit Werken von Tarantino bei, der auch gerne eine Figur überspitzt darstellen lässt.

Spain, ein Gangster, der augenscheinlich durchdreht, weil sein Freund und Anwalt seinen kleinen Schoßhund wegen der folgen eines schlimmen Drogentrips einfach verspeist hat, ist ein gutes Beispiel für diese Technik. Mit Bosco, einem Dealer aus Miami, trifft er außerdem auf einen gleichwertigen Gegner (soll heißen: ebenso durchgeknallt). Wenn am Ende ein unschuldiges Kleinkind mit großen Augen auf das blickt, was die Erwachsenen angerichtet haben und eine Hand nach der erschossenen Mutter ausstreckt, dann blitzt das Wörtchen Zynismus mehr als deutlich auf.

Für Freunde des harten Thrillers und Krimis bestens geeignet, allerdings ist die Vorkenntnis der bisherigen Handlung erforderlich. Darüber hinaus heißt es: Am Ball bleiben. Diese Krimireihe ist nichts für den Lesegenuss zwischendurch und will ein wenig aufmerksamer gelesen werden. 🙂

100 Bullets 9, Neun Leben hat die Katze: Bei Amazon bestellen

Dienstag, 16. Februar 2010

Batman – Gotham Knight

Filed under: Comics im Film — Michael um 15:58

Batman - Gotham KnightDie Kinder haben Batman gesehen. Jeder auf seine Art. Einer war gerade an den Docks unterwegs, als es passierte. Ein maskierter Mann war auf der Flucht. Plötzlich tauchte eine Art Phantom auf. Wie Nebel kroch es aus dem Asphalt, materialisierte sich und griff den Verbrecher an. Nebel? Mehr noch: Batman benimmt sich wie ein Geist, schaut leer in die Gegend, wirkt verwirrt. Das Mädchen, das den Kampf Batmans mit einem Verbrecher mit Raketenrucksack beobachtet hat, sah etwas vollkommen anderes. Dieser Batman konnte fliegen wie eine Fledermaus. Er hatte etwas von einem Monster an sich. Der nächste Junge, der von seinen Erlebnissen mit Batman berichtet, kann über diese Beschreibung nur den Kopf schütteln. Er befand sich auf der Aussichtsplattform eines Wolkenkratzers, als ein maskierter Ganove alle Besucher ausrauben wollte. Als Batman eingriff, den Verbrecher in die Flucht schlug, sah der maskierte Rächer für den Jungen wie ein Roboter aus. Wer oder was ist Batman wirklich?

Die erste Episode des Trickfilms um den dunklen Ritter erinnert an eine Geschichte von Frank Robbins. (Veröffentlicht in Batman Superband 9. Das liegt also schon ein wenig zurück.) In der ebenfalls sehr kurzen Handlung geht es darum, wie sich Kinder den Mitternachtsdetektiv vorstellen. Der echte Batman der Filmepisode wird schließlich auf die Hilfe eines der Kinder zurückgreifen müssen.

Nach dem Einstand wird klar: Dieser Episodenfilm ist nichts für Leute, die mal ein wenig Batman schauen möchten. Vorkenntnisse sind erwünscht, um in diese Abenteuer so richtig eintauchen zu können. So gesehen hat Gotham Knight etwas mit Animatrix gemeinsam, der als reiner Zeichentrickspaß außerhalb der Matrix-Reihe auch nicht perfekt funktioniert. Fans der neuen Filmreihe von Batman werden schon besser der Handlung folgen können. Leute, die sich einigermaßen in den Comics auskennen, haben keinerlei Schwierigkeiten.

Wie in den neuen Filmen, Batman Begins, The Dark Knight, wird Batman/Bruce Wayne von David Nathan gesprochen (die dt. Stimme von Christian Bale). In einer Episode ist Engelbert von Nordhausen (die dt. Stimme von Samuel L. Jackson) als Butler Alfred zu hören. Dank dieser beiden und einer ganzen Reihe weiterer guter Sprecher entsteht eine sehr gute Atmosphäre. Auf die extrem heisere Stimme von Batman, wie in den Kinofilmen, wurde hier verzichtet.

Grafisch wird einiges geboten. Die Grundrichtung tendiert immer hin zum Anime, allerdings sind die Ausprägungen sehr verschieden. Abgesehen von der ersten Episode, die einen sehr starken Freestyle hat, schwanken die Grafiken zwischen sehr leicht ausgeführt und sehr schwer getuscht. In der leichten Ausführungen, mit sehr schmalen Außenlinien und weichen Farbtönen, ist der Anime-Charakter sehr groß. Für den Freund dieser Zeichentrickgattung werden die typischen Gesichtsproportionen direkt wiedererkennbar sein. Die schweren Varianten wirken mitunter wie eine sanft animierte Comiczeichnung und könnten in dieser Form sofort abgedruckt werden.

Dieser Batman hat einige Tricks auf Lager. Mitten in einem Bandenkrieg zwischen Russen und Italienern muss sich der Fledermausmann behaupten. Das ist gewalttätig, aber auch findig. Ein neuer Abwehrschild gegen Pistolenmunition entpuppt sich als gar nicht so guter Einfall. Nachforschungen lassen ihn beinahe den kannibalischen Tendenzen eines Killer-Croc zum Opfer fallen. Und mit einem Dead Shot hat er auch so seine Probleme. Batman braucht alle Tricks. Mehr als einmal lassen die Geschichtenerzähler sein Leben auf des Messers Schneide stehen. Das ist, wenn man als Zuschauer einmal den Einstieg gefunden hat, optisch sehr gelungen, auch ein wenig experimentell, aber in jedem Fall ziemlich spannend, da sich ein roter Faden durch alle Geschichten zieht.

Für Fans eine sehr gute Zwischenmahlzeit und nette Ergänzung zu den neueren Kinofilmen. Optisch gut (und anders als in den neueren Zeichentrickserien) gelöst, durchweg unterhaltsam und kurzweilig umgesetzt. 🙂

Batman Gotham Knight: Bei Amazon bestellen

Samstag, 13. Februar 2010

Storm 10 – Die Piraten von Pandarve

Filed under: SciFi — Michael um 12:20

Storm 10 - Die Piraten von PandarveEs sollte ein simpler Einkauf auf einem Basar werden. So wie andere Leute auch einkaufen. Schauen, was gefällt, beraten, feilschen. Die rote Lichtsäule, die sich plötzlich um Storm schließt, gehört nicht zu einem nromalen Einkauf. Rothaar, Storms Freundin, reagiert blitzschnell. Durch viele Abenteuer geschult springt sie dem ehemaligen Astronauten hinterher. Kurz darauf ist die Lichtsäule verschwunden. Verblüfft bleiben ein paar Passanten übrig, die dem Schauspiel mit großen Augen zugeschaut haben. Aber Storm und Rothaar sind nicht einfach weg! Sie reisen. Ein Augenzwinkern später befinden sie sich in einer vollkommen anderen Welt. Sie schweben im Weltraum über einem gigantischen Planeten. Aber was ist das? Sie können atmen!

Pandarve: Ein neues Universum voller Möglichkeiten, die auf Erde nach den vorherigen Entwicklungen absurd gewesen wären. Im Universum ist Absurdität ein Grundgesetz. Und mit ihm der Humor. Nachdem die irdischen Grenzen der Erzählung um den Astronauten Storm gesprengt wurden, kann Martin Lodewijk endlich aus der noch so tiefsten Tiefe seiner Fantasie schöpfen.

Storm und Rothaar schweben im Weltraum zwischen den Planeten. Wale werden im Weltraum gejagt. Schiffe segeln durch diese Weite, in der Menschen atmen können. Aber warum ist Storm hier gelandet?

Er ist die Anomalie. Ein Wesen, das nicht in dieser Zeit existieren dürfte. Diese Voraussetzung schafft es, den urigsten Potentaten in eine Geschichte einzuführen, seit Michael Palin den Pontius Pilatus gab. Marduk, äußerlich von Zeichner Don Lawrence wie ein schräger Clark Gable angelegt, kommt nicht allein daher. Zunächst ist der Theokrat nur abgebrüht und seltsam, deshalb muss sein Sidekick Visfil für den Humor, meist basierend auf Schadenfreude, sorgen. Die Figuren darüber hinaus sind alle samt und sonders ähnlich liebevoll und mit einem Augenzwinkern angelegt.

Der Jäger, der Storm im Weltall rettet, könnte auch sofort als Zeus in einer Komödie einspringen. Sein Bart ist einer Mode unterworfen, die man so noch nie gesehen hat, die aber durchaus möglich sein könnte, betrachtet man sich wahrhaftige modische Einfälle. Ist der Leser über das erste Schmunzeln hinaus, bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich über diese Figur zu begeistern, die im Gegensatz zum Äußeren vollkommen ernsthaft agiert.

Die Ernsthaftigkeit im Merkwürdigen schlägt sich auch in den Bildern von Don Lawrence nieder, der hier endgültig seine Serie findet. Ob es ein Hafen voller fliegender Schiffe ist (der Leser darf im Anhang eine vergrößerte Ansicht dieses Bildes bewundern) oder ein Sklavenmarkt, die Arbeit in den Minen oder der Anflug auf den kleinen Asteroiden Kyrte: Lawrence läuft ab diesem Album so richtig zur Hochform auf.

Gewisse Anleihen kann dieses Storm-Abenteuer nicht verleugnen. Der Hafen von Vertiga Bas mit seinen Piraten, seiner Kneipe voller Aliens erinnert an den legendären Raumhafen von Tatooine. In den Bildern lassen sich kleine Entdeckungen machen: Jeder Fremdartige ist ein Unikat. Eine kleine Straßenszene mit verschiedenen Passanten ist nur ein Vorgeschmack auf die immer größer werdenden Ansichten dieser Art, die es in nachfolgenden Alben zu sehen gibt.

Ein wegweisender Klassiker: Don Lawrence und Martin Lodewijk lassen alles, was bisher mit Storm geschah, vergessen und starten vollkommen neu. Die Welt von Pandarve glänzt hier bereits mit ersten tollen Ideen und gibt eine Vorahnung auf das, was noch kommen wird. 🙂

Storm 10, Die Piraten von Pandarve: Bei Amazon bestellen

Mittwoch, 10. Februar 2010

Blood Bowl – Blut und Spiele

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:32

Blood Bowl - Blut und SpieleBlut und Spiele: Das wollen sie! Das Publikum giert danach. Punkte, der Sieg, das ist Nebensache. Fairness gibt es nicht. Eigentlich ist das sogar ein Fremdwort. Stoppen, plätten, töten! Darum geht es bei Blood Bowl. Und das will das Publikum sehen. Unbedingt. Niemand darf sich als Spieler sicher wähnen. Selbst dann nicht, wenn er einen Punkt landet. Es kann nämlich sein, dass kurz darauf sämtliche gegnerischen Spieler auf ihm landen. Oder auch nur eine Handvoll. Wenn es Orks sind, dann fällt das Gewicht dieser Spieler schon schwerer aus. Da kann einem Spieler auch der Kopf abhanden kommen … Blöd gelaufen.

Der neue Spieler, Mr. Mörder, weiß sich zu wehren. Und er versteht es auch, im rechten Augenblick die Beine unter den Arm zu nehmen. Aber wie lange kann das gut gehen? Nicht sehr lange, denn das Spielfeld ist begrenzt und viele Jäger sind bekanntlich des Hasen Tod. Aber zum Trübsalblasen bleibt keine Zeit. Denn wie es so schön heißt: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Der nächste Gegner wartet bereits.

Blood Bowl ist eigentlich eine Merkwürdigkeit im Bereich der Tabletops. Angelehnt an das beliebte Warhammer und den allseits beliebten (hierzulande nicht unbedingt verstandenen) American Football stehen sich Mannschaften aus Fantasy-Gestalten hier in einem brutalen Match gegenüber. Da fliegen Köpfe, brechen Gliedmaßen, da randaliert mal ein Spieler mit einer Art prähistorischer Kettensäge. Es versteht sich von selbst, dass dieses Szenario alles andere als ernst zu nehmen ist.

Matt Forbeck hat die Handlung des vorliegenden Bandes verfasst. Fans des Spiels ist sein Name ein Begriff. Eine große Tiefe darf der Leser in der Handlung nicht erwarten. Und das ist nicht einmal ein Vorwurf. Bei Blood Bowl geht es nicht um Handlung, sondern um ein überraschendes und möglichst spannendes (nebenbei auch witziges) Spiel. Es treten Menschen, Orks, Zwerge und Chaoskämpfer gegeneinander an. Ein paar Zombies sind auch dabei. Ein Vampir enttäuscht, während Zwerge einen Sinn für Dramatik zu haben scheinen …

Als Zeichner steigt Lads Helloven in die Arena. Die Bilder haben ein gewisses Punk-Element, strahlen eine gewisse Anarchie aus und verweigern sich (wie das Spiel selbst) gängigen Gestaltungsregeln. Kein Zeichner würde es sich trauen, eine Geschichte über einen Drizzt DoUrden in dieser Form zu zeichnen. Bei Blood Bowl funktioniert es. Hellovens Bilder besitzen die Ausstrahlung eines Witzes ohne Worte. In der Tat ist der Text auf dem Spielfeld oftmals überflüssig. Sicher gibt es Anweisungen unter den Spielern, die Kommentatoren erledigen ihren Teil, aber vieles lässt einen schon durch die bildliche Darstellung grinsen, falls …

… falls man als Leser auf beinharte Splatter-Fantasy steht. Das ist die absolute Grundvoraussetzung. Wer diese nicht mitbringt, braucht den Band Blut und Spiele (der Titel sagt alles) gar nicht erst aufzuschlagen. Die Zeichnungen sind allesamt ein wenig krakelig und wackelig, alles ist irgendwie überproportioniert, gewinnt aber durch die Kolorierung von Helloven, Pak, Dalhouse und Atkinson an Volumen und Tiefe.

Hier fliegen die Fetzen und mehr: Blood Bowl nimmt den Leser mit in ein Team von knochenharten Spielern (zumindest jene, die überleben). Hier wird gekickt und gekloppt, dass sich Fans des Spiels sofort zurecht finden und ihre helle Freude haben werden. Alle anderen riskieren zuvor noch einen vorsichtigen Blick. 🙂

Blood Bowl, Blut und Spiele: Bei Amazon bestellen

Reisende im Wind 3

Filed under: Abenteuer — Michael um 12:03

Reisende im Wind 3 - Handel mit schwarzer WareDer Wendekreis des Krebses ist erreicht. Für jene, die ihn zum ersten Mal auf Poseidons weiter See überqueren, ist eine Taufe fällig. Der Herr des Meeres, natürlich ein verkleideter Matrose, sorgt für die hochoffizielle, in jedem Fall aber traditionelle Zeremonie, in der es heiter zugeht. Überhaupt verläuft die Fahrt ruhig und ohne besondere Ereignisse. Einige Informationen sorgen für Unmut, auch Besorgnis. Der Sklavenhandel blüht. Tabak wird gegen Menschen eingetauscht. Ein Sklavenhändler beruhigt sich selbst und seine Passagierin Isabeau: Ein Sklave habe es in Gefangenschaft besser als ein freier Mann in Afrika. Die ersten Eindrücke der Landgänger scheinen diese These bald zu bestätigen.

Die Reisenden im Wind sind in Afrika angekommen. Francois Bourgeon zeichnet das Bild (im übertragenen Sinne) einer Endstation. Das Land ist wild, vieles unerforscht, es ist heiß, es herrschen ganz eigene Regeln. Eigentlich haben Weiße nichts in diesem Land verloren. Letztlich sind sie doch wegen der Sklaven hier, die auch mit Hilfe der Schwarzen im Land eifrig gehandelt werden. Die Lebensumstände sind spartanisch. Die Weißen üben sich im Müßiggang, denken sich Schwachheiten aus und besitzen angesichts der Umstände vor Ort eine ungesunde Portion Naivität. Francois Bourgeon lässt hier auch seine eigenen Helden nicht außen vor. Es dauert eine Weile, bevor selbst die junge Isabeau die wahre Tragweite der Geschehnisse begreift.

Das Leben ist derart üppig in diesem Land, dass es seinen Wert verloren zu haben scheint. Wahnsinn entsteht leicht, der Tod geschieht beiläufig. Angst regiert, ein Mittel, dessen sich gerade auch die Weißen bedienen. Aber am Ende, ab einem bestimmten Punkt, wenn der Aberglaube und der Wahn sich die Hand geben, bleibt auch ihnen nur der Rückzug.

Das Album beginnt nicht, wie man es als Leser gewohnt ist, sogleich mit der Geschichte. Wer die ersten Seiten aufschlägt, entdeckt einen Schriftsatz und eine Grundrisszeichnung aus dem Jahr 1776. Diese hat sich Bourgeon nicht ausgedacht. Sie stammt von Pater Bullet, der das im Comic vorkommende Fort vor langer Zeit dokumentierte. Heute liegen seine Aufzeichnungen im Nationalarchiv. Es folgen fünf Seiten, auf denen Bourgeon genau den Aufbau der Marie Caroline, des Segelschiffs, dessen sich die Reisenden bedienen, in Seitenansichten und Draufsichten dokumentiert.

So akribisch vorbereitet, wie diese Beispiele zeigen, ist der echte Eindruck des Szenarios kein Wunder. Im Vergleich zum Rest der Geschichte sind die Ereignisse an Bord relativ kurz geschildert. Die Zeit, die Bourgeon seinen Hauptcharakteren dort gönnt, ist vergleichsweise heiter, milde, für die Personen selber auch ein Stück weit langweilig (nicht für den Leser). Und nichts bereitet sie auf das vor, was an Land auf sie zukommen wird. Francois Bourgeon beschwört die Katastrophe langsam, fast schon heimlich herauf. Für die Weißen wird in diesem Land beinahe alles zum Feind, auch sie selbst.

Grafisch könnte Bourgeon als Dokumentarmaler dabei gewesen sein. Nach der Enge des Schiffes besticht die Weite Afrikas mit seinen hohen Gräsern und den spärlich wachsenden ausladenden Baumkronen. Dramaturgisch setzt Bourgeon die Weite dieses scheinbaren Paradieses wieder der Enge einer Gefangenenzelle gegenüber. Ob Frau, ob Kind, menschenunwürdig angekettet, von Fliegen umschwirrt hocken die Sklaven im Halbdunkel und harren ihrem Schicksal. Schlank, manchmal ausgezerrt, agieren die meisten Schwarzen hier wortlos, da nur die wenigsten der (oder irgendeiner) Sprache der Weißen mächtig sind. Augen, Gesten, Haltungen sagen letztlich mehr als Worte: Verzweiflung, Wut, auch Unverständnis. Hier treffen Welten aufeinander, die nicht zueinanderpassen.

Die Farbgebung ist zart, aquarellartig. Die Abgrenzungen, Außenlinien, getuschte Trennlinien sind extrem dünn, fast unauffällig, wie notgedrungen gezeichnet. So ergibt sich ein insgesamt filigraner Eindruck. Bourgeon arbeitet gerne mit vielen kleinen kurzen Strichen und versteht es, etwas anzudeuten und ihm so Form zu verleihen. Weniger ist hier mehr, viel mehr sogar. In den Gesichtern seiner von ihm erfundenen Charaktere finden sich zwar wiederkehrende Elemente, doch wirken die Figuren eher wie portraitiert als konstruiert.

Ein strenges, fast anstrengendes Abenteuer, das auf den zweiten Blick zwischen den Zeilen sehr düster ist, kompromisslos und exzellent in Bilder verwandelt wurde. Eine Graphic Novel im besten Sinne des Wortes. Wer realistische historische Szenarien mag, sollte einen Blick in diesen modernen Klassiker werfen. 🙂

Reisende im Wind 3, Handel mit schwarzer Ware: Bei Amazon bestellen

Montag, 08. Februar 2010

Hack/Slash 4 – Blutige Balladen

Filed under: Mystery — Michael um 17:29

Hack/Slash 4 - Blutige BalladenSchön, aber tot. Besser gesagt: Sie war einmal schön, ans Sterben denkt sie trotzdem nicht. Emily Christy, die ehemalige Miss November hat schon besser ausgesehen. Außerdem war sie in besseren Situationen. Ihr Körper und ihr Gesicht besitzen nicht mehr die Attraktivität, die ihnen zu Lebzeiten zueigen waren. Das hält aber einen aus dem Team der Wissenschaftler nicht auf, in alte Schwärmereien auszubrechen und nach einem Weg zu suchen, diese Frau, die er schon als kleiner Junge verehrte (höflich ausgedrückt), wieder ins Leben zurückzurufen.

Angriff der Zeichnerinnen! Natürlich auch der Slasherinnen, aber auffallend ist der Einsatz von gleich zwei Künstlerinnen hier schon, sind weibliche Zeichner im Comic-Metier eher selten. Und in derlei Thematik sowieso. Emily Stone und Rebekah Isaacs folgen der Erzählung von Tim Seeley und schicken Cassie und ihren Freund Vlad auf die nächste Jagd nach brutalen Slashern.

Die Geschichte beginnt in den 80er Jahren. Ein Junge schwindelt seiner Mutter vor, er sei krank. Vom Regal her schauen Spielfiguren von He-Man und Battlecat in den Raum. Kaum ist die Mutter zur Arbeit gefahren, werden die Männermagazine des Vaters geplündert. Miss November bleibt dem Jungen für immer im Gedächtnis. Emily Stone übernimmt die Auftaktepisode wie auch das Finale des vorliegenden Bandes. Beide Zeichnerinnen arbeiten schnörkellos, ungekünstelt und sind technisch versiert. Emily Stones Bilder besitzen mehr Ausdruck. Ihre Figuren sehen aus, als seien sie von Mangas beeinflusst. Dank der milchig cremigen Farbgebung von Courtney Via entstehen so sehr plastische Bilder, obwohl sparsam mit den eingesetzten Farben umgegangen und auf Experimente verzichtet wird.

Während Stones Bilder einen deutlichen Skizzencharakter besitzen, sind die Grafiken von Rebekah Isaacs sehr fein, mit dünnen Linien ausgeführt. Die ebenso fein (per Computer) gebrushten Kolorierungen sorgen für das nötige Volumen der Figuren und die Tiefe der Bilder. Isaacs darf sich mit einer leicht erotisch angehauchten Geschichte auseinandersetzen, in Horrorfilmen immer gern genommen. Ein alter Kult wird wiederbelebt, junge Studentinnen tappen die Falle gleichgeschlechtlicher Liebe (auch das noch!). Das ist optisch eher ironisch inszeniert, wie natürlich die gesamte Handlung von Hack/Slash. Das Finale gipfelt in einem Kampf der Unterwasserszenen beinhaltet, ein Schlangenmonster … Kurzum es wird so richtig aus der Fantasie geschöpft. Der Endgegner darf mit einem Körper aufwarten, der auch einem Freddy Krueger gut zu Gesicht stehen würde.

Die gelungenste Episode, erzählerisch wie optisch, findet sich zum Schluss mit Kleine Kinder. Hier ist wieder Emily Stone am Werk. Cassie und Vlad geraten an das Ergebnis eines furchtbaren Experiments. Wieder einmal versucht jemand mit Slashern zu hantieren, wieder einmal will die Wissenschaft einen Nutzen aus Monstern ziehen. Ein beliebtes Thema, doch diesmal sind die Monster Kinder. Der Spuk kommt hier auf leisen Sohlen. Humor findet sich in der von Tim Seeley geschriebenen Handlung überhaupt nicht. Und das ist auch gut so, denn die Atmosphäre bleibt so von Anfang bis Ende in jeder Beziehung stimmig.

Einen Ausreißer hat die vorliegende Ausgabe natürlich auch zu bieten. Vollkommen cartoony kommt Doppel-Date daher. Gefakte Rasterpunkte imitieren ein altes Comic-Design. Die Nasen der Mädels sind mit einem einfachen gebogenen Strich nach oben gerichtet. Man könnte auch sagen: Es sieht so aus, als habe die Zeichentrick-Schmiede von Hanna-Barbera einen Ausflug ins Slasher-Genre unternommen. Das wirkt eine Episode lang, sollte aber ein einmaliger Ausflug bleiben (obwohl es ein wenig als winzige Verbeugung vor einem Film wie Pleasantville verstanden werden kann).

Die Fortsetzung des Horror-Knallers von Tim Seeley gibt sich deutlich ernsthafter als die Vorgängerbände. Seeley ist im echten Slasher-Genre angekommen. Echte Monster, echte Probleme, aber am Horror mangelt es nicht. Immer noch gut, immer noch unterhaltend, nur eben nicht mehr so komisch. 🙂

Hack/Slash 4, Blutige Balladen: Bei Amazon bestellen