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Comic Blog


Freitag, 01. Januar 2010

Jeff Jordan – Gesamtausgabe 2

Filed under: Cartoon — Michael um 16:05

Jeff Jordan - Gesamtausgabe 2Die Kuh ist nicht das größte Ärgernis, obwohl sie alles frisst, was grün und nicht angenagelt ist. Ein Geist geht um in den Ruinen, weiß, gruselig, leise. Leider auch mit einem Hang zum Schnupfen. Kein Wunder bei diesem Wetter, bei dem noch nicht einmal ein Hund vor die Tür geschickt wird. Jeff Jordan nimmt sich des ungewöhnlichen Falles an. Ausgerüstet mit einer Infrarotkamera macht er Jagd auf den Unheimlichen, nur um am Ende nicht dem Geist, sondern einem roten Mönchen gegenüberzustehen, der nicht minder geheimnisvoll, dafür aber umso schlagkräftiger ist und Jordan erst einmal bewusstlos zurücklässt.

Durch die Hölle von Massacara heißt es gleich zu Beginn der 2. Gesamtausgabe der Jeff Jordan Klassiker. Ein kleiner Staat in Südamerika, mit großen Anteilen einer riesigen Wüste und der Melone als Hauptnahrungsmittel, hat es sich vorgenommen, seine Macht zu vergrößern: Natürlich mit Waffen. Ein Erfinder wurde entführt. Jeff Jordan reist mit seinem Assistenten Teddy geradewegs in die Höhle des Löwen, um den Mann zu retten.

Maurice Tillieux hat seine Hausaufgaben gemacht. Ab einem gewissen Punkt lässt sich nicht mehr sagen, wer Vorreiter, Wegbereiter oder Nachahmer ist. Fakt ist allerdings, dass diktatorische Regime ein gern gesehenes Zielobjekt von lustigen Geschichten und Cartoons sind. Da nehmen sich Spirou und Fantasio ebenso wenig aus wie in gewisser Weise auch ein Isnogud. In diesem beschriebenen Land mit seiner leicht trotteligen Geheimpolizei mag einiges drunter und drüber gehen, in Sachen Gefängnis sind sie beinahe so professionell wie ein echtes Regime. Ein Gefängnis inmitten einer hunderte von Kilometern staubtrockenen Wüste braucht keine Zäune.

So ist nach anfänglichem Spaß, nachdem das Regime und seine Gefolgsmänner so richtig durch den Kakao gezogen worden ist, auch die Spannung Trumpf. Mit einem alten Lkw geht es tags wie nachts durch eine absolut lebensfeindliche Umgebung, während sich die Verfolger bereits an ihre Fersen geheftet haben. Das wird zeitweilig durch Humor aufgelockert, wie es einer Fantomas-Verfilmung zueigen ist. Bereits nach der Lektüre dieses Abenteuers lässt es sich nicht leugnen, dass eine kindliche Leserschaft ihren Spaß an Jeff Jordan haben kann. Tillieux erzählt und zeichnet zeitlos, vor allem zeitlos gut.

Wo es einerseits sehr französisch zugeht, dürfen Verbeugungen vor anderen Klassikern des Detektiv-Genres nicht fehlen. Der Titel Die Nacht des schwarzen Hundes deutet es fast schon zur Genüge an. Wenn ein Hausherr dann noch Barney Basker heißt, ihm ein Hund nach dem Leben trachten soll, werden Erinnerungen an den Hund von Baskerville wach. Zwar spricht Teddy hier auch Edgar Wallace an, nach dessen Motiven auch ein Hund von Blackwood Castle ins Rennen geschickt wurde, aber andere Indizien lassen eher auf eine Verbeugung vor Arthur Conan Doyle schließen. Wie in Die Liga der Rothaarigen dient eine einfallsreiche Mär nur als Ablenkungsmanöver.

Die nächste Verbeugung lässt nicht lange auf sich warten. Der rote Mönch ist fast mehr als nur eine Verbeugung vor dem Schwarzen Abt oder dem Unheimlichen Mönch eines Edgar Wallace. In anderer Hinsicht ist es aber auch ein charmanter Knicks vor dem Landleben und liebevollen Komödien, die sich mit dem doch sehr eigenen Charakter mancher Landbevölkerung beschäftigen. Mit einem feinen Blick zeigt Tillieux, was sich einer einfallen lassen kann, wenn es um die Ankurbelung des Tourismus und die Erschließung neuer Einnahmequellen geht.

Grafisch geht Maurice Tillieux etwas routinierter und kräftiger, vielleicht sogar sicherer zu Werke. Jeff Jordan ist der erzählerische und optische Leitwolf der Reihe, aber Teddy Bär hat sich zu einem heimlichen Star entwickelt. Die Figur des stets zu Späßen aufgelegten Assistenten, der am meisten über seine eigenen Scherze lachen kann, ist einfach und doch schlicht großartig. Zuerst kann man als Leser nur über diesen Charakter schmunzeln. Bis es einen packt. In stilsicheren Strichen gestaltet Tillieux seine Figuren, treffsicher und sauber wird die Realität abgebildet, eine perfekte Kulisse für die Komödie, die Tillieux hier aus Versatzstücken wie auch eigenen Ideen schafft.

Schlicht gesagt: Bestens. So machten es die Funnys einstmals vor und so funktioniert es immer noch. Humor und Spannung kennen eben kein Alter. Wer auf feinem Niveau lachen und spannend unterhalten sein will, liegt mit dem Jungspund Jeff Jordan genau richtig. 🙂

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