Freitag, 10. Oktober 2008
Die Frau soll ihm nicht entkommen. Das wäre ja auch gelacht. Auf dem Pier haben die Gangster und ihre Anführerin keine Fluchtmöglichkeiten. Aber Madame X will gar nicht entkommen. Ihr Plan ist nicht sehr ausgefeilt. Sie will ledglich ganz Gotham City vergiften. Wenn dabei auch noch Batman eine Dosis abbekommt, umso besser. Eben konnten die Leser noch die neue Spirit-Variante von Darwyn Cooke ins Auge fassen und schon kehrt er unter der Regie von Paul Grist zu seinen Wurzeln zurück. Wie schon in anderen Situationen muss Batman den Einfluss von Drogen auf sein Gehirn bekämpfen.
Gleich in der zweiten Geschichte, Schauermärchen, begegnet der Leser einem Zeichner, der besonders als Zeichner der Fantastischen Vier viel geleistet hat und in der Lage war, sehr sympathische Figuren zu schaffen: Mike Wieringo, leider 2007 viel zu früh verstorben, arbeitet hier mit dem sehr guten Inker Karl Story zusammen. Todd Dezago schrieb eine Geschichte, in der Batman noch eine Legende ist, ein dunkles Schemen, ein Gerücht – und dies auch bleiben will.
Gleich darauf geht Alan Davis, ebenfalls ein Veteran aus dem Marvel-Universum, mit seinen Bildern zu Batman an den Start. Auf das Feinster getuscht von Mark Farmer erleben wir eine alte Geheimidentität von Batman in Aktion. Dies ist ein Batman, der stark an die alten Klassiker von Neal Adams erinnert.
Nach zwei eher mit sehr feinen Linien gezeichneten Geschichten wird auch wieder gröber. Manchmal scheint mit dicken Strichen gearbeitet worden zu sein, unter der Zuhilfenahme von Rasterfolien. Ein anderes Mal, wie im Falle von Denys Cowan, scheint der Leser es mit einer künstlerischen Mischung aus Frank Miller und Eduardo Risso zu tun zu haben.
Teilweise, wie im Falle von Zeichner Danijel Zezelj, sind die Bilder wie in Stein gemeißelt. Auch sind solche Geschichten düsterer und härter. Wenn vor Batman eine skelettierte Hand aus dem Boden ragt und Gotham wie eine verschachtelt wirkende Katakombe von oben betrachtet werden kann, dann kommt hier die Atmosphäre eines Batmans der aktuell letzten beiden Verfilmungen heraus.
Alles ist möglich. So facettenreich wie die erste Sammlung der Schwarzweißgeschichten um Batman präsentiert sich auch der zweite Band. Spätestens bei Bildern von Scott Morse, dessen Grafiken an Gregory erinnern, wird dies allzu deutlich. Brent Anderson erweckt mit seinen Bildern die 50er Jahre zum Leben. Die nostalgischen Gefühle eines Superhelden könnten kaum besser in Szene gesetzt werden.
Die Vielfältigkeit der Geschichten und somit die Vielzahl der Seiten einer einzigen Figur ist erstaunlich. Es ist auch im Verlassen von alten Bahnen begründet, dass diese viele Interpretationen so gut funktionieren und als Detektiv- wie auch Rächergeschichten für jedermann funktionieren – besonders auch für jene, die keinerlei Ahnung von Batman haben. Auf den Einsatz altbekannter Gegner wird weitestgehend verzichtet. Die Auftritte von Riddler, Scarecrow oder Harley Quinn fallen kaum ins Gewicht.
Ein heimlicher Nebendarsteller, ohne den hier nichts geht, ist Gotham City. Wie sehr diese Stadt in den Mittelpunkt rücken kann – ähnlich wie das allseits beliebte Metropolis – zeigt hier die Gotham Sonntagsreportage, die aus illustriertem Text besteht, der wie ein Wegweiser durch Gotham gelesen werden möchte. Wer einmal ganz genau durch den Band blättert und sich die verschiedenen Interpretationen dieser Stadt ansieht, erhält gleichzeitig auch einen guten Eindruck, wie künstlerisch auch ein Mainstream-Comic sein kann.
Ein einziges Mal ist hier Farbe im Spiel. Rot wie Blut natürlich. In der Geschichte Das Gaswerk hat Hellboy-Vater Mike Mignola den Text geschrieben. Troy Nixey imitiert den grafischen Stil des ebenfalls bekannten Grafikers derart, dass man sich als Mignola-Fan direkt zuhause fühlt. Die hier eingeschlagene Horrorlinie wird auch sogleich in der folgenden Geschichte Furcht ist der Schlüssel fortgesetzt, so dass auch dieses Genre abgehandelt wird.
Ein weiterer Querschnitt durch das Batman-Universum – das locker ohne all die anderen Helden bestehen kann – mit vielen Gesichtspunkten, die auch über die Interpretationen des ersten Sammelbandes hinausgehen. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf der Spannungserzeugung. Wer auch einmal lachen möchte, liegt hier falsch. Batman ist ein Detektiv mit zum Teil wahnsinnigen Fällen, wie er hier eindrucksvoll unter Beweis stellt – textlich wie optisch. 🙂
Batman – Schwarz-Weiß Collection 2: Bei Amazon bestellen
Kommentare deaktiviert für Batman – Schwarz-Weiss Collection 2
Donnerstag, 09. Oktober 2008
Präsentation der Comicadaption Seide und Schwert, erster Teil der Bestseller-Trilogie Das Wolkenvolk von Kai Meyer! Am 15. Oktober präsentieren die Autoren Kai Meyer, Yann Krehl und Ralf Schlüter ihr neues Werk im Splitter Verlag. Die Präsentation findet im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 2008 am Mittwoch um 13.45 Uhr im Comiczentrum, Halle 3.0 statt.
Die Präsentation beinhaltet eine Vorstellung der Geschichte, eine Lesung sowie ein Gespräch mit dem Autoren und den Künstlern der Comic-Adaption. Natürlich darf auch eine anschließende Signieraktion nicht fehlen.
Quelle: Newsletter Splitter Verlag, 9.10.2008
Mittwoch, 08. Oktober 2008
Booster Gold gehört nicht zu den beliebtesten Helden im Universum. Ihm haftet ein schlechtes Image an, weil er stets etwas egoistisch an diverse Angelegenheiten herangegangen ist. Der Mietheld aus der Zukunft konnte mit seinem strahlenden Lächeln nie so recht landen – bei den anderen, echten Helden nicht und bei den normalen Menschen auch nicht. Das soll nun anders werden. Booster ist kein schlechter Kerl. Immerhin stürzt er sich ohne ein Zögern auf Gauner und Halunken. Allerdings auch ohne großartig über sein Handeln nachzudenken. Aber auch ein neuerlicher Sieg über die Royal Flush Gang kann die JLA nicht davon überzeugen, ihn in ihre Reihen aufzunehmen.
Nach einer weiteren Auseinandersetzung, die eher freundschaftlicher Natur ist, bringt ein Lichtblitz eine neue und gleichzeitig bekannte Figur ins Spiel: Rip Hunter, den Zeitmeister. Nachdem das Multiversum einigermaßen gerettet worden ist, sind einige Restbestände dieser Rettung noch in Unordnung. Kurz: So manches historische Detail ist nicht so, wie es Kenntnis der Geschichte sein sollte. Booster soll helfen, diese Angelegenheiten wieder ins Lot zu bringen.
Deshalb bist du der perfekte Mann für diese Mission. Jeder glaubt bereits, du seiest ein Idiot.
Booster Gold ist mit eigener Serie unterwegs in der Zeit, hin zu den größten DC-Events. Sein Schöpfer, Dan Jurgens, hat den Zeichenstift übernommen und überlässt die Handlung den beiden Autoren Geoff Johns und Jeff Katz.
Geoff Johns und Jeff Katz reihen sich mit ihren Geschichten über alternative Realitäten innerhalb des DC-Universums in eine längere Reihe von Handlungen dieser Art ein. Beide nutzen die Gelegenheit, damit ein paar Charaktere sich in neue Situationen einfinden können, von denen bestimmte Varianten sogar recht reizvoll sind.
Sinestro hat in der letzten Zeit recht viele Schwierigkeiten bereitet, das Green Lantern Corps kann ein Lied davon singen. Booster muss verhindern, dass sich ausgerechnet jene Ereignisse allzu früh in der Geschichte abspielen. Das Ergebnis ist … Sagen wir, es ist mit einer Lösung verknüpft, wie sie nur einem Booster einfallen kann. Immerhin, und das ist ausgesprochen löblich, ist Gewalt hier einmal nicht der Weg.
Und was hätte geschehen können, wenn nicht ein Ehepaar namens Kent den kleinen Superman gefunden hätten, sondern ein Geschäftsmann namens Lionel Luthor? Was wäre, wenn der Joker nicht auf Barbara Gordon geschossen hätte? Was wäre, würde der Blue Beetle, Boosters bester Freund, noch leben würde?
Johns und Katz belassen es nicht einfach nur bei der Problemlösung dieser (comic-)historischen Ereignisse. Das wäre wahrscheinlich für jeden Helden zu einfach – müssen sie geglaubt haben, aber das ist schwer vorstellbar, denn durch zusätzliche Eingriffe von dritter Seite geraten Booster und Rip Hunter zusätzlich unter Druck, sogar unter Zeitdruck, obwohl sie durch die Zeitmaschine hin und her springen können. Aber sie lassen ihre Helden auch nicht allein, sehr zur Freude der Leser, denn dieser kann sich so auf Verstärkung in Form von Barry Allen (Flash) und Wally West (Kid Flash) freuen.
Bei aller Action, die auch in den erwähnten Situationen unvermeidlich ist, setzen Johns und Katz auf Humor. Booster Gold ist als Spaßvogel konzipiert. Szenen, in denen sich Booster mit Jonah Hex, einem Revolverhelden aus der Vergangenheit, betrinkt, sind ein Beispiel für diverse komödiantische Einschübe. Im Gegensatz fehlt es nicht an Dramatik, wenn Booster einen Anschlag nicht verhindern kann und es trotzdem immer und immer wieder versucht.
Bei all dem darf Dan Jurgens nicht vergessen werden, der durch viele, viele gute Bilder schon aufgefallen ist. Qualitativ bewegt er sich auf Augenhöhe mit einem Alan Davis und arbeitete schon an manchen Projekten mit, deren Bekanntheitsgrad größer als gewöhnlich ausfiel. Der Tod von Superman oder Superman vs. Aliens seien hierzu genannt. Dank dem für die Tusche verantwortlichen Norm Rapmund bleiben die klaren feinen Linien und die aufwändige Skizzierung der Bilder von Jurgens erhalten. Immer wieder verschiedene Seitenaufbauten erhöhen die dramatischen Effekte und fordern das Leseverhalten stets neu, so dass rein optisch jeder Langeweile entgegengewirkt wird. Ob in sehr aufgeteilten Seiten oder in ganzseitigen Bildern, Jurgens vernachlässigt nichts und arbeitet so detailreich wie möglich.
Schwächen scheinen seine Werke auch nicht zu kennen. Ob Gesichter, Körperhaltungen, Perspektive oder Ausstattung, alles ist gleich gut gelungen. Da auch die Farbgebung durch Hi-Fi und Lee Loughridge optimal mitspielt, gibt es hier rundum klasse Bilder.
Spaß, Dramatik, Action in Text und Bild, alles passt hier toll zusammen und bietet einen prima Ausflug in das DC-Universum. Obwohl einige Ereignisse aus diesem Universum angeschnitten werden, sind Vorkenntnisse nicht erforderlich. Beste Superhelden-Unterhaltung. 🙂
Die Veranstaltungen von EGMONT Manga & Anime und der Ehapa Comic Collection auf der Frankfurter Buchmesse vom 15.10. bis 19.10. 2008 am Stand Halle 3.0 F 174 und im Comic-Zentrum Halle 3.0 J 807:
Mittwoch, 15.10.08
15:00 Uhr: Präsentation „80 Jahre Micky Maus“, Comic-Zentrum
Freitag, 17.10.08
11:00 Uhr: Zeichenworkshop mit EMA-Mangaka Alexandra Völker (Catwalk, Paris), Comic-Zentrum
12:00 Uhr: Signieraktion mit Alexandra Völker, Comic-Zentrum
13:00 Uhr: Signieraktion mit Alexandra Völker am EGMONT-Stand
14:00 Uhr: Signieraktion mit Pierre Seron (Minimenschen) am EGMONT-Stand
Samstag, 18.10.08
14:30 Uhr: Künstlergespräch mit Pierre Seron, Comic-Zentrum
16:00 Uhr: Signieraktion mit Don Rosa (Hall of Fame) am EGMONT-Stand
Sonntag, 19.10.08
10:00 Uhr: Signierstunde mit Don Rosa am EGMONT-Stand
13:30 Uhr: Signierstunde mit Don Rosa am EGMONT-Stand
16:00 Uhr: Signieraktion mit Don Rosa am EGMONT-Stand
Quelle: Presseinformation Ehapa Comic Collection, 8.10.2008
Dienstag, 07. Oktober 2008
Selbst auf den Krankenbett kann der Papst nicht anders, als seinen Pflichten nachzukommen. Von der Krankheit auf das Schwerste gezeichnet, ist es auch hier noch der unselige Papierkram, der den Heiligen Vater nicht zur Ruhe kommen lässt. Es gibt noch viel zu tun. Kardinal De Guillio will den Papst aber nicht sterben lassen. Es geht um die Zukunft der Kirche. – Andere glauben, dass die Kirche ohne den gegenwärtigen Papst besser dran wäre. Hinter verschlossenen Türen ist der Mord bereits beschlossene Sache. Auch Kardinal De Guillio soll nichts dagegen ausrichten können. Ein paar Tropfen Gift nur sollen den Lauf der Welt wieder einmal verändern.
Anderswo, in Frankreich, kehren die Freunde nach Pfarrer Jacques’ Beerdigung an den Schauplatz der Tragödie zurück, bei der Jacques sein Leben ließ – für ein uraltes Manuskript. Die Freunde betrachten das halb verbrannte Buch und müssen sich eingestehen, wie sinnlos seine Tat doch gewesen ist. Die Hoffnungen, es werde sich noch die eine oder andere Informationen aus den verkohlten Seiten gewinnen lassen, sind äußerst gering. Didier, Martin und Josiane begehen einen fatalen Fehler. Da das in unleserlichem Zustand ist, werden sie unvorsichtig. Aber der unbekannte Feind hat noch nicht aufgegeben.
Mit einem Komplott und einem Mordanschlag beginnt Didier Convard die fünfte Folge um das geheime Dreieck. Der Papst wird getötet. Dieser grausame Akt, der sich bereits andeutete, da hinter den besagten verschlossenen Türen die Intrigen nur so brodelten, hat sich nun bewahrheitet. Und nicht genug: Convard entführt seine Leser wieder in die Vergangenheit, stellt längst vergangene Ereignisse den aktuellen Geschehnissen gegenüber und zeigt, dass sich die Strolche und Halunken zu keinen Zeiten voreinander zu verstecken brauchen.
VITRIOL, der geheime Wahlspruch erlebt hier seine Enthüllung. Zusammengesetzt aus den Anfangsbuchstaben diverser Pflanzennamen wird von Convard äußerst drastisch vor Augen geführt, wie gefährlich die Jagd nach Geheimnissen sein kann. Vier Schauplätze und Zeitabschnitte sind es diesmal, an die der Leser mitgenommen wird. Der interessanteste dürfte jener sein, der weit ins Mittelalter zurückführt und einen tragischen Wendepunkt erzählt. Er berichtet über die Abscheulichkeiten jener Tage, die Macht der Kirche, thematisiert die Ausgrenzung der Juden, ihre Verfolgung, aber auch die Hoffnung und Gegenwehr gegen jene, die glaubten sich alles straffrei im Namen ihres Herrn erlauben zu können.
Obwohl dieser Rückblick bei weitem nicht so ausführlich ausfällt wie der hauptsächliche Erzählstrang, ist er doch der anrührendste des vorliegenden fünften Bandes.
Grafisch wird der bisher eingeführte Trick weitergeführt. Um jeden einzelnen Zeitabschnitt oder auch Schauplatz optisch besser voneinander abzugrenzen, haben sich jeweils unterschiedliche Künstler diesen Passagen gewidmet. Allen ist ein ähnlicher grafischer Stil zueigen. Es gibt Abweichungen in Strichstärken, in der Häufigkeit von Strichen, insgesamt geht aber jeder mit sehr sparsamen Mitteln zu Werke. Die optisch schönsten Passagen sind jene in Rom und in der Vergangenheit. Sie sind kräftiger, etwas strenger, technischer, während die Handlung in der Gegenwart eher skizzenhaft, fast zerbrechlich gezeichnet ist.
Convard spielt mit den Erwartungen und der Vorstellungskraft des Lesers. Convard lässt ihn atemlos zuschauen, wie sich die Schlinge im Hintergrund immer weiter um die drei Hauptfiguren zusammenzieht. Die Unvorhersehbarkeit der Ereignisse, die Convard diesem Rezept hinzufügt, schafft ihr Übriges, um eine außerordentliche Spannung zu kreieren. 🙂
Das geheime Dreieck 5 – Die teuflische Lüge: Bei Amazon bestellen
Batman wollte sich genau in diesem Augenblick einen Verbrecher schnappen – als es ihn schnappte. Auch Superman hatte eigentlich etwas ganz anderes im Sinn, aber plötzlich steht er vor einer Versammlung von Superhelden und seltsamerweise sind viele darunter gleich mehrfach vorhanden – und auch irgendwie nicht. Alle, wie sie da sind, sind Entführungsopfer. Bei manchen der anwesenden Helden ist dies kaum begreiflich, stellen sie doch die mächtigsten Lebewesen dar, die ihre jeweilige Erde zu bieten hat. So ist Superman nicht das einzige Superwesen. Auch Batman ist nicht der einzige dunkle Ritter – und auch er hat sich seine alternativen Identitäten aus Paralleluniversen sicherlich anders vorgestellt.
Kurz darauf stellt sich ihnen auch ihr Gastgeber vor: Monarch. Diese überaus mächtige Kreatur – mächtiger als alle Supermänner des Multiversums zusammen, so gibt er es jedenfalls eindeutig zu verstehen – braucht Verstärkung, denn Monarch hat einen Plan gefasst, der ihm alleine dann doch unlösbar erscheint. Er will die Monitors angreifen. Dazu sollen sich die Helden gegen ihre Alter Egos beweisen und zum Kampf gegen sie antreten. Je zu dritt treffen sie in der Arena aufeinander. Wer siegt, ist im Team, wer verliert, hat sein Leben verwirkt – so oder so.
Vampire sind auch im Superhelden-Genre nichts Neues. Schon Superman hatte mit ihnen zu tun, aber ein vampirischer Batman gibt dem Mitternachts-Detektiv einen ganz neuen Sinn. Willkommen in einer Ansammlung von einigen höchst skurrilen Abwandlungen unserer allseits bekannten und beliebten Superhelden. Wonder-Women, Green Lanterns, Batmen, Supermen …
Keith Champagne hat augenscheinlich seinen Spaß an dieser Arena-Show, wie sie immer wieder einmal in Comics, Zeichentrickfilmen oder SciFi-Geschichten thematisiert wird. Die verschiedenen Identitäten werden von ihm gnadenlos ausgeschlachtet. Die Helden sind einander zumeist sehr unähnlich. Genosse Superman wurde hervorgeholt und tritt einem eher handelsüblichen Superman entgegen. Flashes und Blue Beetles sind manchmal recht merkwürdig. Die Atom-Varianten halten noch einen dusseligen Nazi bereit, der beständig blödes Zeug quatscht und nicht nur den mitspielenden Figuren auf die Nerven geht. Immerhin hat Champagne ein Einsehen und lässt ihn zügig das Spielfeld verlassen.
Die Kämpfe sind martialisch und gemäß neuer Richtlinien – ob nun festgelegt oder nicht – gnadenlos und mörderisch. Hier wird die neue Härte (nun, es gibt sie schon seit einigen Jahren) heftig praktiziert. Wer alleine die Auseinandersetzung der Flash-Varianten liest, erlebt einen Kampf mit Charakteren, die eine ziemliche Menschenverachtung zur Schau tragen. Ach, wie muss das fein sein, einmal richtig Schwein sein, mag sich Champagne gedacht haben und sorgt dafür, dass diese abgedrehten Helden so richtig die Sau rauslassen.
Optisch ist hier Scott McDaniel am Werk, der schon recht viele Erfahrungen mit Batman sammeln konnte und einen eher spartanischen Zeichenstil bevorzugt. Hierzulande sind auch seine Arbeiten zu Superman bei einem Neustart der Reihe schon aufgefallen. Zu jener Zeit – in der auch ein neues Supergirl namens Cir-El auftauchte – wirkten die Zeichnungen im Vergleich zu Arbeiten anderer Künstler manchmal etwas zu einfach. Hier, im vorliegenden Band, hat noch einmal eine Reduktion dieses Zeichenstils stattgefunden, was aber auch am verantwortlichen Inker liegen kann. Die Tendenz geht eindeutig in eine zeichentrickartige Fassung auf Papier, letztlich spricht auch die Rasanz mancher Szene genau dafür. Eine gewisse grafische Verwandtschaft zu Batman Beyond (dt.: Batman of the future) kann nicht geleugnet werden.
Ein langer Prolog in Form vieler Zwei- und Dreikämpfe. Hier geht es um Kampf und Stärke. Ersteres findet fortwährend statt, letzteres wird beständig unter den Akteuren ausgelotet. Wer sich mit der grafischen Form anfreunden mag, wird in der Geschichte von Keith Champagne viele Überraschungen entdecken. 🙂
Montag, 06. Oktober 2008
Oben auf dem Lookout-Mountain, weit über dem Tennessee-River befinden sich die Konföderierten in einer nahezu uneinnehmbaren Stellung. Nur ein Narr würde gegen sie anrennen, ein Narr, dem das Leben seiner ihm anvertrauten Soldaten egal ist. General Hooker ist solch ein Narr. Allerdings weiß er auch, was sich gehört. Da sind diese beiden, die ihm die Hiobsbotschaft brachten, dass er keine Verstärkung zu erwarten hat. Dann sollen doch diese beiden als Späher dienen. Die gehören schließlich nicht zu seiner Truppe. Wenn sie zurückkommen, gut, wenn nicht – auch gut.
Chester gefällt der Auftrag zwar nicht, aber Befehl ist natürlich Befehl, auch wenn er von einem Choleriker wie General Hooker kommt. Blutch muss nicht überredet werden wie sonst, doch begeistert ist er nicht. Außerdem, dieser Trick, den Chester so toll findet, ist doch wohl ein großer Witz! Die Konföderierten mögen dumm sein, aber nicht so dumm. Das finden auch die Wachen am anderen Ufer, die das alte Boot kieloben über den Fluss auf sich zu schwimmen sehen. Binnen kurzer Zeit haben ihre Kugeln den alten Kahn vollends zerlöchert. Doch dann …
Tja, du wolltest doch eine Heldentat vollbringen. Das ist der passende Moment dafür! Die blauen Boys sind wieder einmal mitten im Geschehen. Chester gleich vorneweg, Blutch will eigentlich nicht, aber er kann nicht anders. Stammleser der blauen Boys können sofort mit den beiden leiden, denn ihr neuester Auftrag ist wirklich ein Himmelfahrtskommando.
Raoul Cauvin hat sich einen der ganz furchtbaren Aufträge für die beiden Helden ausgedacht – als hätte es davon bisher noch genug gegeben. Ein kleiner Berg – einer dieser berüchtigten Hügel – muss gestürmt werden. Das Absurde dieses Bürgerkrieges, eine vollkommen ernste Kulisse und Hintergrundgeschichte für dieses Szenario stellt Cauvin immer wieder heraus, in Szenen, in denen man manchmal nicht genau weiß, ob man als Leser jetzt lachen oder weinen soll.
General Hooker erhält von General Grant keine weiteren Truppen. Die Figur verlangt von seinen Männern alles und noch mehr – mehr, als er selber bereit scheint, zu geben. So jedenfalls hat es den Anschein, wenn der Leser den eigenen Eindrücken glauben darf. Als wenig später bei der Schlacht im Nebel Hooker in der vordersten Reihe dabei ist, mag man es kaum glauben. Nichtsdestotrotz gerät die Schlacht, wie vorauszusehen, zum Debakel.
Der Angriff im Nebel erinnert an jene unsägliche Situation, die bereits in Der längste Tag in sehr tragische Ereignisse mündete. Hier wie dort wird ein Erkennungszeichen vereinbart, damit schneller – und überhaupt – zwischen Freund und Feind in den widrigen Sichtverhältnissen unterschieden werden kann. Hier wie dort ist das Ergebnis lebensgefährlich. Hier wie dort endet es in einem ganz bösen Witz. Hookers Verzweiflungstat stützt diese äußerst schwarzhumorige Erzählweise noch.
Demgegenüber steht diese Ruhe und gelangweilte Art von Blutch, dem das alles fürchterlich auf die Nerven geht und der die Dummheit hinter den ganzen Manövern allzu schnell durchschaut, ganz besonders dann, wenn sie dazu angetan sind, sein Leben drastisch zu verkürzen. Es ist der Kunstfertigkeit von Willy Lambil zu verdanken, dass eine karikaturhafte Erhöhung des Krieges ein wenig die Ernsthaftigkeit aus dem Hauen, Schießen und Stechen herausgenommen wird. Die Einfachheit der Darstellung von Chester und Blutch mit ihren Knollennasen steht im Gegensatz zu so manch feiner gezeichneten Gesicht. Vorgesetze sind in diesem Band ganz besonders davon betroffen.
So kann sich Lambil beim cholerischen Hooker so richtig austoben und viele, viele kleine Wutsymbole erfinden, die einem Leser sicherlich hin und wieder seltsam erscheinen. (Was könnten ein Schweinekopf und eine Kartoffel zusammen bedeuten? Oder ein Amboss und eine Steckrübe?) Viel exakter in der Darstellung fällt das Drumherum aus. Feld, Wald und Wiese, Ausrüstung, Kleidung und Tiere sind realistischer gezeichnet, so dass die Figuren ein wenig wie Puppen agieren. Auch hierdurch wird der scharfe Unterton des Humors gemildert.
Darüber hinaus sind die natürlichen Tuschestriche in diesem Band ein Fest. Das Organische einer Zeichnung geht heuer viel zu oft verloren, weshalb die klassische Technik hier – abgesehen von der Kolorierung – nur gelobt werden kann.
Wer die blauen Boys schon kennt, kommt sowieso nicht an diesem Band vorbei. Wer nicht, sollte einen Blick wagen. Ein Einstieg ist jederzeit möglich, obwohl es sich hier schon um Band 35 handelt. Die Langlebigkeit dieser Serie spricht für sich. Klamauk und bitterböser Humor wechseln sich hier in ganz tollen Cartoon-Zeichnungen ab. 🙂
Die blauen Boys 35 – Die Schlacht im Nebel: Bei Amazon bestellen
Wenn Cubitus, der kleine weiße Knubbelhund, ein Steinzeitmensch gewesen wäre, dann hätte ein richtiger Erfinder aus ihm werden können. Seine Erfindung wäre revolutionär gewesen. So allerdings, in der Gegenwart, baut er nur das Häuschen einer kleinen Schnecke um. In der findet er sowieso einen dankbaren Fan, Freund und Zuhörer. Den hat er auch manchmal bitter nötig, denn auch ein Hund hat es nicht leicht. Ein Knochen ist umso schmackhafter, wenn er mit ein wenig Liebe verpackt aufgetischt wird. Wenn einer dieser Knochen ein Schlabberlätzchen trägt, fühlt sich Cubitus plötzlich an das andere Ende der Nahrungskette gedrängt.
Am wohlsten jedoch fühlt sich Cubitus, wenn er sich über sein Herrschen lustig machen kann. Dazu gehört nicht viel, denn Herr Bojenberg bringt sich nur allzu oft selber in Schwierigkeiten. So artet seine Bestellung eines Dampfers für den Eigenbau in einer fortdauernden Katastrophe aus, die nicht nur Cubitus völlig fertig macht, sondern auch den armen Briefträger ziemlich fordert.
Gib schön Pfötchen, so lautet der Titel des 17. Bandes über den flauschig weißen Kuschelhund mit der frechen Schnauze, immer ein wenig verfressen und vorlaut. Dupa reiht sich mit seiner Figur in eine traditionelle Cartoon-Idee ein. Hunde waren schon von jeher stimmungsvolle Charaktere, sei es, um andere zu ärgern, oder – wahrscheinlich weitaus öfter – um nach allen Regeln der Kunst geärgert zu werden. Cubitus kann beides: Einstecken und austeilen.
In Deutschland ist er ein alter Bekannter. In vielen Publikationen tauchte er über die Jahre hinweg immer wieder auf. Einseiter sind seine bevorzugte Erzählweise. Sein Humor ist mitunter trocken, ironisch, auch albern – manchmal sogar sehr albern – ein wenig mit Schadenfreude durchsetzt, auf seine Kosten oder auf Kosten anderer. Insgesamt ist sein Humor harmlos, kindgerecht, für jedermann, vielleicht nicht für jeden gleich komisch, dafür probiert sich Cubitus immer neu aus, setzt auch mal einen Gag vor die Wand und probiert sich am Gag in Serie.
Eine erwähnte Serie – und wunderbar gelungen – ist die Geschichte um die Bestellung des Dampfers. Damit werden jene Magazinreihen verulkt, mit denen man sich im Laufe der Zeit mit den beigelegten Bauteilen dieses oder jenes zusammenbauen kann – auf alle Fälle nichts, was Originalausmaße besitzt. Dort wie hier wird mit kleinen aussagekräftigen Bauteilen begonnen. Hier ist es ein Rettungsring. Wie heißt es so schön: Safety first. So folgen noch einige Gegenstände, die für den Bau eines Dampfers eher von fragwürdiger Natur sind. An der Seite von Cubitus kann sich der Leser hier über die Not von Herrn Bojenberg amüsieren, dessen Vorfreude über den Bau immer weiter in den sprichwörtlichen Keller geht.
Dupa arbeitet für den Ausdruck seiner Figuren gerne mit Augen, aber damit steht er innerhalb der Cartoon-Welt nicht alleine da. Doch bei Dupa gelingt dies ganz besonders gut. Schwarze Äuglein, aufgerissene Augen, leere weiße Augen, zusammengekniffene Augen, traurige, müde, entsetzte, grimmige Augen. An diesen Beispielen wird sehr schnell deutlich, wie viel sich mit sehr wenig ausdrücken lässt. Kommt dann noch eine entsprechende Unterstützung durch Gesichtsausdrücke und Körperhaltungen hinzu, so zünden diese stillen Aussagen teilweise noch besser als die unterlegten Texte.
Der weiße Knubbelhund mit dem gelben Puschelschwanz ist wieder zurück. Mit einem herzlich menschlichen Humor zeigt Dupa seinen Helden in allen möglichen Situationen, in denen für jeden Humorgeschmack etwas dabei ist. Betet Cubitus nur die Karte einer Pizzeria herunter und gibt eine Bestellung auf oder lernt er Italienisch? Solche und viele andere Fragen beantwortet das mopsigste Cartoon-Tier – wenn man einmal von dieser filophischen Katze absieht – mit einem gelungenen Gag nach dem anderen. 🙂
Cubitus 17 – Gib schön Pfötchen: Bei Amazon bestellen
Freitag, 03. Oktober 2008
Der Heilige der Killer – ein Mythos oder alptraumhafte Realität? Wie konnte ein Mensch in den Besitz dieser furchtbaren Macht kommen? Der Mann hat immer nur getötet. Im Bürgerkrieg. Im Kampf gegen Indianer. Im Duell gegen mieses Gesindel. Aber nie tötete er einen Unschuldigen. Eines Tages rettet er eine junge Frau vor Indianern. Sein Leben scheint eine Wende zu nehmen. Die junge Frau sieht als einzige etwas in ihm, was nichts mit Tod und Zerstörung zu tun hat. Er lässt sich auf dieses andere – bessere – Leben ein, liebt, lebt, wird Vater. Alles ist gut, bis zu dem Tag, als seine Frau und sein Kind am Fieber erkranken. Um Medizin zu holen, muss er nach langer Zeit wieder in eine Stadt.
Es ist der Schmerz über den Verlust, der den Wunsch nach Rache gebiert, ein Gefühl, das so stark wird, dass neben ihm nichts anderes mehr Platz hat.
Garth Ennis erzählt im Vorwort von seiner Liebe zum Western, zu all den Abenteuern, die er im Fernsehen erlebte, in denen John Wayne eine große Rolle spielte. Von John Wayne zum Heiligen der Killer ist es jedoch ein weiter Weg. Denn wo für manchen Revolverhelden die Geschichte endet, geht es für den Heiligen der Killer erst richtig los.
Ennis schickt seinen Antihelden in die Hölle. Hier treffen wir, typisch Ennis, den Teufel und den Engel des Todes bei einer Partie Poker. Während der Revolverheld an der Spitze all der Seelen, die er ins Jenseits geschickt hat, in die Hölle einreitet, geschieht etwas völlig Unerwartetes in der Hölle: Ein Sprichwort geht in Erfüllung. – Welches das ist, kann der Leser sicher schnell herausfinden. So mancher verwendet es, um die Unmöglichkeit eines Zustands herauszustreichen.
Garth Ennis bastelt sich seine ganz eigene höllische Legende, voller Brutalität, Freaks, verzweifelten Gestalten – den Teufel eingeschlossen – und mit viel schwarzem Humor.
Dieser Humor wird in den beiden folgenden Episoden Denn er wusste nicht, was er tat und Good Old Boys noch einmal in luftige höhen getrieben. Wenn Ennis die Geschichte über das Arschgesicht anstimmt, entsteht eine Handlung, die jedem Nullbock-Kid eine Warnung sein sollte. Es ist für Ennis recht ungewöhnlich, dass als Lösung einer Geschichte ein vergleichsweise ernsthaftes Ziel in Betracht gezogen wird. Denn sogleich mit den guten alten Jungs kehrt Ennis zum gewohnten Hinterwäldlerhorror zurück.
Jody und T.C., die beiden, die dem Preacher das Leben schwer machten, zeigen einmal mehr aus welchem Holz sie geschnitzt sind. Die Hinterwäldler führen einigen Gangstern aus der Stadt vor, wie man in den Sümpfen seinen Gegner fertig macht. Mit allen Mitteln. Das ist ein Ennis, der mit dem Spaßfaktor Gewalt spielt und einen Sinn in der Handlung vollkommen außer Acht lässt.
Wo ist der Preacher? – Keine Spur von ihm. Garth Ennis beschränkt sich auf Geschichten aus dem Preacher-Universum. Ohne den Preacher vermisst man als Leser auch Steve Dillon nicht, den Stammzeichner, der den maßgeblichen Figuren ein Gesicht gegeben hat.
Zum Einsatz kommen Gastzeichner, die auf ihre Art überzeugen, aber nicht an Steve Dillon heranreichen. Steve Pugh versucht sich an einer Imitation des Dillon-Stilsm skizziert aber aufwändiger, etwas unsicherer auch, ufert mehr aus, häufig auch in Karikative. Sind die Waffen auf den Covern von Glenn Fabry (genial wie immer) schon regelrechte Wummen, sind sie im Comic selbst Kanonen mit ebensolcher Durchschlagskraft. Mit der Figur des McCready ist eine Abart eines Kindergesichts geschaffen worden, ein dreckiger Billy the Kid mit einhundertprozentig psychopathischen Tendenzen. Der Ekelfaktor ist durch die Erzählung von Ennis bereits hoch, durch die Bilder von Steve Pugh wird er um einige Faktoren gesteigert.
Die Bilder von Carlos Ezquerra, die die Episode um den Heiligen der Killer abschließen, müssen sich auch optisch hinter der Umsetzung von Steve Pugh anstellen. Die gruseligen Effekte von Pugh werden von Ezquerra ein wenig ins Lächerliche gezogen.
Richard Case, der sich grafisch der Geschichte des Arschgesichts annimmt, ist ein Vertreter von harten, wie gemeißelten Linien. Es ist gewöhnungsbedürftig, modern zwar, aber auch ausdrucksstärker als Ezquerra, der in der letzten Geschichte um die guten alten Jungs wieder federführend ist. Hier werden Ezquerras Zeichnungen wieder besser, da er ganz offensichtlich Dillons Bildern und Vorlagen nacheifert.
Ennis bleibt Ennis. Wenn man sein eigenes Vorbild ist, kann einem niemand etwas vormachen. Ein interessanter Einblick in die Hintergründe des Preaecher-Universums. Die Auswahl der Gastzeichner trübt das Vergnügen ein wenig, aber nur ein wenig, denn die Geschichten sind stark genug, um die Optik zu überwiegen. 🙂
Preacher 4 – Für ein paar Leichen mehr: Bei Amazon bestellen
Das Dritte Reich sieht seinem Ende entgegen. Aber aufgeben will es nicht. Zu diesem Zweck hat Rasputin dem Führer ein Wunder versprochen. Auf einer kleinen Insel startet das Experiment, für das unglaubliche Energien benötigt werden. Schließlich ist es soweit, es passiert – nichts. So glauben es jedenfalls die anwesenden deutschen Soldaten. Für die später eintreffende amerikanische Spezialeinheit ergibt sich ein völlig anderes Bild. Professor Broom, den alliierten Soldaten als Berater zugeteilt, versucht das Vertrauen des roten Jungen zu gewinnen. Und es gelingt: Broom wird für Hellboy zum Vater.
Als Hellboy seinen Vater viele Jahre später wieder trifft, ist er zutiefst erschüttert. Der alte Mann ist nicht mehr er selbst. Die Expedition, mit der er lange unterwegs war und während derer er sogar als verschollen galt, hat einen verwirrten, ängstlichen Menschen aus ihm gemacht. Kurz darauf greift eine unheimliche Kreatur an. Hellboy verteidigt seinen menschlichen Mentor, aber zu spät.
Pünktlich zum Kinostart des zweiten Hellboy-Films startet die Reihe der Hörspielumsetzungen zu den weltbekannten Comics von Mike Mignola um den paranormalen Ermittler der besonderen Art. Hier sind die Jäger selber Freaks, die sich jedoch für die gute Seite entschieden haben. Wie es sich gehört, startet die Reihe mit der ersten Erzählung über Hellboy, genauer über seine Entstehung und seinen ersten großen Einsatz. Aufgeteilt in zwei Folgen ist die Saat der Zerstörung …
Wer es noch nicht weiß, dem soll die Spannung nicht verdorben werden.
Bekannte Sprecher – natürlich auch aus der Verfilmung – machen das Hörspiel zu einem Hör-Comic-Erlebnis. Besonders dominierend wegen seiner markanten Röhre ist natürlich Hellboy selbst, gesprochen von Tilo Schmitz, der Synchronstimme von Ron Perlman (Hellboy) oder auch Ving Rhames. Kernig, tief, brummig, kurz, als hätte er ein Reibeisen verschluckt, erzählt Hellboy hier aus der Vergangenheit, von seiner Ankunft. Nach diversen einstimmenden Szenen – so der deutschen und alliierten Soldaten und des sympathischen Professor Broom – ist er also da, der kleine rote Junge, auf den zunächst geschossen wird, obwohl gerade einmal 40 Zentimeter groß ist.
Professor Broom, gesprochen von Gerd Samariter, gibt einen akustisch knuffigen Professor ab, der leider viel zu schnell das Zeitliche segnet. So kommt denn zügig das komplette Team zum Einsatz, denn Brooms Tod steht in Verbindung zu einer missglückten Expedition der Cavendish-Brüder. Neben Hellboy greifen nun auch Abe Sapien und Liz Sherman ins Geschehen ein. Star Wars Fans dürfen sich auf Joachim Tennstedt freuen, der Anthony Daniels die Stimme lieh (oder auch Billy Crystal, John Malkovich oder …) und auch für die Figur des Abe Sapien zur Verfügung stand. Neben dem alten Synchronexperten steht eine nicht minder erfahrene Expertin für die Figur der Liz Sherman zur Verfügung. Genre-Fans kennen sie als Stimme von Shannon Doherty (Charmed), ein breiteres Publikum brachte sie als Stimme von Renee Zellweger in Bridget Jones 1 +2 zum Lachen.
Michael Prelle sorgt mit seiner russisch eingefärbten Stimme für einen sehr gruselig klingenden Rasputin, der sich stimmlich auf dem gleich hohen Niveau seiner Kollegen befindet. Doch nicht nur die Stimmen sorgen für die dringend benötigte Atmosphäre eines gruseligen und abenteuerlichen Hörspiels. Effektreich und mit schönen musikalischen Einspielern entsteht hier ein feines Kino im Kopf, ganz so wie es sich der Hörspiel-Fan generell wünscht und der Fan von Hellboy es selbstverständlich verlangt.
Robert Schlunze, Autor der Hörspieladaption, outet sich selbst als Hellboy-Fan, beste Voraussetzungen für ein gelungenes Spielbuch, dem hier eine besondere Aufgabe zukommt, nämlich, die Augen zu ersetzen. Jenen, die bislang die Comics nicht gelesen haben, wird nichts fehlen, jene, die sie gelesen haben, werden ihre eigenen Bilder automatisch ergänzen. Der Aufbau, mit diversen Rückblenden, Einschüben und Erinnerungsstücken, im Comic leicht lös- und einfügbar, da Mignola weiß, dass seine Leser auch einmal zurückblättern können, ist im Hörspiel schwieriger umsetzbar, gerade bei Passagen, die sich durch erhöhte Aktion ausweisen. Schlunze beschränkt sich auf das Nötigste, um im gegenwärtigen Handlungsstrom den Fluss aufrecht zu erhalten. Das Ergebnis ist ein in seiner Dramatik immer weiter steigendes Hörvergnügen.
Eine Fan-Umsetzung, was will der Comic-Leser mehr. Dank originaler Stimmen, einer kinoähnlichen Atmosphäre hat Hellboy nun einen weiteren Weg gefunden, um neue Fans zu gewinnen – angesichts dieser tollen Umsetzung kann das nicht ausbleiben. 🙂
Hellboy – Saat der Zerstörung 1: Bei Amazon bestellen