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Comic Blog


Donnerstag, 02. Oktober 2008

Hellboy 9 – Ruf der Finsternis

Filed under: Mystery — Michael um 15:34

Hellboy 9 - Ruf der FinsternisRache! Die Baba Jaga kann und will Hellboy nicht verzeihen. – Aber das interessiert Hellboy sowieso nicht. Eine Hexe ist wie die andere. Und dieser ganze Haufen, der ihn zu sich gelockt hat, kann sich den Mund fusselig reden, niemals wird er sein so genanntes Erbe als König der Hexen antreten. Deshalb dreht er ihnen den Rücken zu und marschiert zur Tür heraus. – Wo kommt der ganze Schnee auf einmal her? Oh! Kacke! Hellboy steckt wieder in Schwierigkeiten, großen Schwierigkeiten sogar, denn diesmal hat es ihn weitab in die Fremde verschlagen, fern der Heimat. Fern der irdischen Dimension.

Während sich die Hexen überlegen müssen, wer denn nun ihr neuer Herrscher oder ihre neue Herrscherin wird, hat Hellboy ganz andere Probleme. In seiner Vergangenheit hat er viele Feinde kennen gelernt. Sie waren unheimlich, brutal, auch zahlreich, aber so zahlreich? Vor ihm steht, von den eisigen Winden gepackt und umweht, ein Heer von untoten Kriegern, die nur ein Ziel haben: Hellboys Tod.
Hellboy lässt sich nicht beirren. Dumm ist er auch nicht. Eine Übermacht vermag er zu erkennen, also flieht er. – Geradewegs in ein Wolfsrudel hinein, deren einzelne graue Gesellen weitaus größer sind als gewöhnliche Wölfe.

Hellboy ist in der Welt der Baba Jaga angekommen und dort kann sie mit machen, was sie will. Das glaubt sie jedenfalls. Nicht jeder ist mit den Plänen der Baba Jaga einverstanden, auch nicht in ihrer Welt. Das ist letztlich nur ein kleines Glück für Hellboy, der daraus nur eine Verschnaufpause ziehen kann. Mike Mignola nutzt hier eine offene Rechnung aus, um Hellboy mal wieder so richtig in die Bedrouille zu schicken. Mignolas Held muss sich verdammt anstrengen, damit er dieser Falle entgeht.

Thematisch schafft Mignola eine ähnliche Grundlage wie im neuen Kinofilm um den roten Ermittler. Die Hexen müssen sich es auf den Kopf zusagen lassen, dass sie verblassen, wie alle Kinder der Erde langsam verblassen. Als ein Teil der mythologischen Figuren besitzen sie zwar noch Macht, doch sie nutzen sie nicht. Gruagach, auch ein alter Bekannter, will den Hexen eine Königin verschaffen, ein Wesen, das so mächtig ist, dass sich sogar die Hexen vor ihr fürchten. Hier entspinnt sich eine Handlung, von der Hellboy nichts erfährt, da er alle Hände voll zu tun hat.

Zu diesem Zweck hat sich Mignola ein Duell ausgedacht, wie es lange nicht zu sehen war – ich möchte es gerne mit jener scheinbar ausweglosen Auseinandersetzung zwischen Spider-Man und Morlun vergleichen. Auch Hellboy begegnet hier einem Gegner, den er aus eigener Kraft nicht zu besiegen vermag. Mit Koschej ist Mignola eine ungemein kraftvolle und ausdrucksstarke Figur gelungen. Dieser Feind ist jemand, der tötet, damit er selber sterben kann. So erhofft es sich jedenfalls durch die Hand der Baba Jaga, die ihn als Handlanger gegen seinen Willen am Leben erhält.

Was für ein schönes, was für ein schreckliches Ding du bist.

Besser lässt sich diese Figur nicht umschreiben als mit den Worten der Baba Jaga. Ein Komödiant würde als Titel vielleicht Apokalypse für zwei wählen. Obwohl es ein beständig hin und her wogender Kampf ist, verliert er zu keiner Zeit seine Dramatik. Mignola, so scheint es, hat sich an ähnlichen Kämpfen aus der Mythologie orientiert, in der Auseinandersetzungen bis an das Ende aller Tage nicht selten sind.

Die Inszenierung dieser und der parallel laufenden Handlung obliegt Duncan Fegredo, der hier das Kunststück vollbringt, sich grafisch Mignola anzunähern, aber dennoch eine eigenständige Handschrift behält. Die Technik erinnert auch hier an einen äußerst feinen Holzschnitt, eckig, gebrochen, immer etwas abstrahiert. Und er passt gekonnt zu der unheimlichen Atmosphäre, in der ein optischer Höhepunkt den nächsten jagt. Ob der wieder auferstandene Hexenjäger, die Hexen selbst, das Heer der Untoten, Peruns Auftritt, der Kampf gegen Koschej, das kleine helfende Mädchen … Die Liste der interessanten und fesselnden Szenen in diesem Band ist lang.
Die Action ist hier auch maßgeblicher als zuvor in anderen Ausgaben. Die Menge all der Wendungen, in denen sich Hellboy seiner Haut erwehren muss, oder in denen die Baba Jaga mit ihrer Bösartigkeit auch vor Göttern nicht Halt macht, erweckt jedenfalls diesen Eindruck.

Die Details, mit denen Fegredo aufwartet, sind mannigfaltiger als bei Mignola, allerdings kann sich Fegredo auch über viele verschiedene Sets dank der erzählerischen Vorlage von Mignola freuen. Die Farben von Dave Stewart geben jeder Szene das richtige Licht. Stewart ein Topprofi auf diesem Gebiet, kennt die B.U.A.P. und andere phantastische Szenarien schon länger und versteht sich mit hoher Eleganz auf kontrastierende Farbgebungen, die Plastizität verleihen, aber keine drei dreidimensionale Form imitieren wollen.

Hellboy muss sich einer seiner größten Herausforderungen stellen. Mike Mignola ist ein tolles Szenario in einer Mischung aus Märchen, Mythos und Endzeit gelungen – fast ein wenig japanisch. Duncan Fegredo zeichnet teuflisch gut. Seine düsteren Ansichten aus dieser und der jenseitigen Welt gefallen ungeheuer gut und sind hoffentlich nur ein Vorgeschmack auf weitere Arbeiten. 🙂

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Mittwoch, 01. Oktober 2008

Justice Society of America 2 – KINGDOM COME II

Filed under: Superhelden — Michael um 18:22

Justice Society of America 2 - KINGDOM COME IINathan hatte einen furchtbaren Alptraum. Wieder musste miterleben, wie seine Familie getötet wurde. Eines Tages jedoch erhält er die Chance zur Rache. Als er im Krankenhausbett erwacht, ist sein amputiertes Bein wieder da. Aber dennoch: Etwas ist anders. Früher hat ein ganz normales Auftreten auf den Boden keine Fußabdrücke im Beton hinterlassen. Aus einer anfänglichen Panik erwächst sehr bald Gewissheit dank der Hilfe der Justice Society of America. Nathan hat eine flüssige Metalllegierung in seinem Körper aufgenommen, die ihn schützt und neue Kräfte verleiht. Leider hat er diese noch ganz und gar nicht unter Kontrolle. Die JSA schafft mit einem neuen – sehr ungewöhnlichen – Kostüm Abhilfe. Und ob er es will oder nicht: Citizen Steel ist geboren.

Die JSA sucht neue Mitglieder. Die Stammbesatzung kann zwar prächtig aufräumen, wie sie in einem Einsatz gegen Neonazis beweist, die ihren Captain Nazi freipressen wollen. Derweil macht sich Superman immer noch so seine Gedanken darüber, warum Starman hier ist. Der Held aus der Legion der Zukunft ist in der Gegenwart gestrandet. Nach eigener Aussage hat er eine Aufgabe, leider ist er auch geistig verwirrt, was weder seine Aufgabe vereinfacht, noch das Zusammenleben mit Starman.

Starman ist nicht das größte Problem. Damage droht seine Beherrschung zu verlieren, als er Zoom begegnet, der ihn vor einiger Zeit entstellte. Nur ein sehr beherztes und vorsichtiges Eingreifen von Liberty Belle kann schlimmeres verhindern. Und dann ist da noch …

Viel los in der zweiten Ausgabe der JSA mit dem Untertitel KINGDOM COME II! Wer sie, die JSA, noch nicht kennt, der hat jetzt die Gelegenheit dazu. Die Einführung ist recht gelungen. Ein paar Neulinge kommen zu Wort, Liberty Belle und ihr Ehemann Hourman werden genauer vorgestellt. Und schließlich erscheint derjenige, auf den man sich als Leser natürlich freut, wird er doch gleich auf dem Cover gezeigt: Der Superman von Erde 22.

Hört sich merkwürdig an, ist aber so. Das Multiversum ist in sich zusammengebrochen. Auf der übrig gebliebenen Erde kehrt man nun die Reste zusammen. In all den Jahren kann man als Leser sehr gut den Überblick verlieren über all die Ereignisse, die mal dieses oder jenes bewirkt haben. Flash, mit einer Suppenschüssel auf dem Kopf, Green Lantern, frisch beim Fasching eingekleidet oder auch Power Girl, die wohl mit den meisten Muckies gesegnete Helding unter den kryptonischen Frauen. Da ist ein Starman, der aus der Zukunft kam, noch der am wenigsten verwirrende Charakter, denn er ist selbst vollkommen verwirrt. – Harmlos ist er deshalb noch lange nicht.

Verharmlost werden hier mal wieder leichtfertig die Nazis mit ihren Auftritten als Captain Nazi oder auch Reichsmark (dürfte die blödeste Namensgebung für einen Bösewicht in Comics sein). Aber amerikanische, auch frankobelgische Autoren nehmen’s mitunter recht locker, was dieses Thema anbelangt.
Und trotzdem fällt der vorliegende Band nicht durch. Warum? Es sind Ausrutscher, denn die Geschichte fängt sich – nach der Einführung von Citizen Steel – mit einem unheimlichen Feind und einem neuen Freund. Geoff Johns hätte mit diesem Teil eher beginnen sollen und der vorliegende Band wäre perfekt gewesen.

Die Halbgötter sind dran. Nicht solche in weiß, auch nicht Ottonormalheld, sondern jene, die sich den Anschein einer Verwandtschaft zu bekannten Mythologien geben. Der Gegner ist von einer solchen Stärke, dass er in Nullkommanichts mit diesen Möchtegerns aufräumt. Wie in einem Krimi kann sich die JSA nur mit den Funden der Leichen begnügen, bevor sie auch nur einen Schritt hin zur Lösung machen kann. Daneben kommt dieser Besuch eines alten Superman, eines gebrochenen Mannes, der nicht nur seine Familie, seine Freunde, vielmehr eine ganze Welt verloren hat – noch eine. Er ist ein Mann, der mit Neid auf diese Welt schaut, in der alles besser ist, wenigstens die Helden, vielleicht sogar die Bösewichter. Dieser Superman ist zurückhaltend, gebrochen. Geoff Johns lässt diese Figur schnell zwischen den anderen Charakteren aufgehen, bevor er die berühmte Bombe platzen lässt.

Als Zeichner liegen die beiden Dale Eaglesham und Fernando Pasarin auf Augenhöhe zueinander. Zuerst hat Eaglesham eine kleine Schwäche, so wirken seine Bilder gröber als die des später einsetzenden Pasarin, aber das scheint eine Folge der Tuschearbeit zu sein. Im ersten Kapitel noch teilen sich Ruy José und Rodney Ramos diese Arbeit, während sie später jeder für sich allein an den jeweiligen Kapiteln arbeiten. Insgesamt sind die Zeichnungen sehr fein und ausdrucksstark geraten, fast so, als würden Nachfolger von Alan Davis hier am Werk sein. Optisch darf sich der Leser auf eine absolut tolle Arbeit freuen.

Ein Knaller, nicht zuletzt wegen der eingestreuten Cover von Alex Ross, der Superhelden anziehen kann wie kein zweiter. Geoff Johns hat schon mehrfach bewiesen, dass er mit alternativen Heldenwelten umzugehen versteht. Hier setzt er diesen Beweis fort (bis auf den einen Tritt in den Fettnapf). Hinter dem Alltag der Superhelden wächst langsam eine Mischung aus Krimi und Tragödie heran.