Freitag, 17. Oktober 2008
Iron Man, Black Bolt, Dr. Strange, Reed Richards, Prinz Namor und Professor X alias Charles Francis Xavier beschützen aus dem Hintergrund die Erde vor Gefahren. Sechs der mächtigsten und intelligensten Menschen der Welt haben sich vereint, damit Katastrophen gar nicht erst entstehen. Diese sechs Menschen, so machtvoll sie auch sein mögen, sind doch nicht so schlau, wie sie es gerne hätten. Selbst mit ihren Kräften ist die Herausforderung eines ganzen Imperiums zu ehrgeizig – um es vorsichtig zu formulieren. Eigentlich ist es waghalsig und dumm. Die selbsternannten Illuminati geraten hierbei gefährlich an ihre Grenzen und bekommen dies ziemlich drastisch vor Augen geführt.
Diese mittlere Katastrophe, die sie erledigt glauben, hält die Illuminati nicht davon ab, sich noch gefährlicheren Dingen zuzuwenden: den Machtsteinen. Sechs gibt es an der Zahl und Schwierigkeiten haben sie bereits gemacht. Während des Infinity Gauntlet nutzte Thanos genau diese Machtsteine, um das Universum ins Chaos zu stürzen. Sechs Steine, sechs Illuminati, allesamt menschlich. Auch hier nehmen sie sich wieder allzu viel vor. Reed Richards glaubt – entgegen der Einwände seiner Mitverschwörer – die Steine beherrschen zu können. Wie es sich bald herausstellt, sind all die bisherigen Probleme nur Geplänkel, ein Vorspiel zu den wirklich großen Schwierigkeiten, die nicht nur die Illuminati, sondern die ganze Welt bedrohen.
Wenn Brian Michael Bendis sich eine Geschichte vornimmt, dann kleckert er nicht, nein, er klotzt. (Natürlich darf auch die Mitarbeit von Brian Reed in diesem Zusammenhang nicht geschmälert werden.) In den letzten Großereignissen haben diverse Charaktere stets eine große Rolle gespielt. Der Civil War und der World War Hulk haben das Image der Helden ziemlich angekratzt. Es findet eine Drehung im Kreis statt. Jede Initiative scheint dazu angetan, diesen Kreislauf nur zu beschleunigen, denn am Ende jeder Verbesserungsmaßnahme steht eine noch größere Herausforderung oder es kündigt sich eine Katastrophe unbekannten Ausmaßes an.
Secret Invasion lautet das Zauberwort. Wer ist echt? Wer ist ein Skrull? Seit wann wird die Menschheit unterwandert? Seit wann werden sie manipuliert? Wer ist für all die Desaster und die daraus folgende Instabilität wirklich verantwortlich?
Diese Fragen werden auch hier noch nicht beantwortet. Das hieße auch, einem neuerlichen Großereignis die Luft herauszulassen. Bis dahin sind die Abenteuer der sechs Helden eher klassisch. Natürlich widmen sie sich keinen leichten Aufgaben. Das Zusammentreffen mit dem Beyonder, einem Inhuman mit beinahe göttlicher Macht, die selbst die Stimmgewalt eines Black Bolt in den Schatten stellt, wird eher beiläufig gelöst. Die kleine Überredungsprozedur des Kree, der die Nachfolge von Captain Marvel antreten könnte, ist ungewöhnlich inszeniert und auf ihre Art sehr spannend.
Was dann kommt …
Darf hier noch nicht verraten werden.
Grafisch werden die losen Episoden von Jim Cheung miteinander verknüpft. Cheung zeichnet meisterlich und gehört sicherlich zu den ganz Großen seines Fachs. Er rangiert sicher auf einer Ebene mit Yanick Paquette (Die Ultimativen X-Men) oder auch Ausnahmekünstlern wie Bryan Hitch (Die Ultimativen) und Jim Lee (All Star Batman). Die sehr fein ausgeführten Zeichnungen werden von Mark Morales geradezu zerbrechlich getuscht.
Wenn sich Cheung einseitig, mit einem großartigen Namor-Bild, oder auch doppelseitig, mit einem Auftritt einer großen Ansammlung von Marvel-Helden, austoben kann, wünscht man sich eine Zoom-Funktion.
Die Plastizität der Bilder ist Justin Ponsor zu verdanken, der genau die richtigen Abstimmungen hinbekommt und einen außerordentlichen Sinn für Farbkompositionen zu besitzen scheint.
Ein in sich geschlossenes Marvel-Erlebnis, gleichzeitig das Fundament für ein weiteres Marvel-Ereignis. Spannend, auch am goldenen Sockel der erwähnten Helden sägend, grafisch beeindruckend – so hat man diese Helden noch nicht gesehen. Top. 🙂
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Donnerstag, 16. Oktober 2008
Eine Dokumentation als Animationsfilm, oder auch Zeichentrickfilm, kann das funktionieren? Glaubt man den begeisterten Stimmen zu dem Film Waltz with Bashir, der am 6. November 2008 anläuft, funktioniert es sogar prächtig, da die Art der Umsetzung das Thema auf eine neue Ebene hievt und so dem emotionalen Hintergrund noch mehr Gewicht gibt.
Der Eindruck, den der Trailer vermittelt, ist ziemlich genial, fast ein wenig asiatisch, wenn man Filme wie Jin-Roh zum Vergleich heranzieht. Hier wie dort sollte man sich von der Machart nicht täuschen lassen. Hintergrund von Waltz with Bashir ist der erste Libanon Krieg. Ari, ein Regisseur, reist in die eigene Vergangenheit und die seiner Freunde zurück, um zu erfahren, was damals geschehen ist und warum er die Erinnerungen an diese Zeit so sehr verdrängt hat.
Man darf gespannt sein, ob auf diesem Wege ein neues Genre, ein zartes Pflänzchen in der Filmecke entsteht. Wie im Trailer zu hören ist, machen Profisprecher wie Christian Brückner (dt. Stimme u.a. von Robert de Niro, Martin Sheen) und andere den Film zu einem echten Erlebnis.
Mehr Informationen (und Trailer) unter www.waltz-with-bashir.de
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Einst gab es Drachen. Sie wurden verehrt und gefürchtet. Die Menschen schrieben ihnen besondere Kräfte und Fähigkeiten zu. Wenn die Zeiten schlecht waren, insbesondere die Ernten, opferten sie auch mal einen Menschen, in der Hoffnung, die Drachen würden alles zum Guten wenden. So kam Nugua zu den Drachen. Welche Einfalt? Die Drachen verstanden die Absichten der Menschen, konnten diese aber nur belächeln. Wie sollte ein Drache denn bloß von so einem Haps wie der kleinen Nugua satt werden?
Yaozi, der Drachenkönig des Südens, nahm sich der Kleinen an. Wie können sie glauben, meine kleine Nugua sei aufgefressen mehr wert als lebendig? Drachen sind sanftere Geschöpfe, als die Menschen sich vorstellen können. Aber ihre Zeit auf Erden ist endlich. Yaozi bereitet Nugua nicht auf diese schreckliche Erkenntnis vor. Eines Tages erwacht Nugua morgens und die Drachen – sind fort.
Hoch oben in den Lüften existiert der Aether. Aether, so behauptet es das Wolkenvolk, ist der Atem der Drachen. Seit 250 Jahren saugen Aetherpumpen dieses Luftgemisch in die Wolken und verleihen ihnen so Festigkeit. Seither treibt das Wolkenvolk durch die Lüfte, hoch oben und verweigert sich dem Fortschritt und dem Kontakt zu anderen Völkern, aus sturer Arroganz und Angst vor dem Neuen. Doch in Zeiten von Schwierigkeiten und Problemen bedient man sich gerne derer, die sonst unliebsam sind und – wie hier – ihr Leben am Rande der Gesellschaft führen. Als die Pumpen nicht mehr genügend Aether fördern, senkt sich das Wolkenland ab. Nun muss Niccolo, fast noch ein Knabe, die Drachen finden. Er ist die einzige Hoffnung, die das Wolkenvolk in diesem Augenblick hat.
Dies ist nur der Auftakt zu der inhaltlich sehr dichten Geschichte von Kai Meyer, die nun als Comic-Umsetzung erscheint. Deutsche Comic-Veröffentlichungen sind selten. Ähnlich wie der Film sich einer literarischen Vorlage bedient, wurde auch hier ein Bestseller von Kai Meyer adaptiert. Vor einer phantastischen Kulisse entfaltet sich das große Abenteuer von Niccolo im alten China, einem Land voller Mystik und Magie.
Sorgsam gesetzte Akzente in Form von originellen Einfällen machen aus dem Land eine stets gefährliche Umgebung.
Niccolo, dessen Landung auf der Erde ihm beinahe das Leben gekostet hat – die Wolkeninsel befindet sich inzwischen nahe an den Bergen, aber so nahe nun auch wieder nicht – trifft am Boden auf Wisperwind, eine mutige und ausgezeichnete Kriegerin. Sie begleitet ihn ein Stück. Bald darauf ist Niccolo wieder allein auf dem Weg. Zusammen mit dem Jungen erforscht der Leser eine unbekannte und brutale Welt, in der nicht nur die Mongolen eine Gefahr sind.
Wie in einem Road-Movie bestimmt die Suche die Reise, bringen neue Weggefährten neue Erkenntnisse und für den Leser viele Überraschungen, die zu keiner Zeit Langeweile aufkommen lassen. Gerade noch sind sie zu zweit, da sind sie auch schon dritt – eine merkwürdige, aber auch sehr interessante Wandergemeinschaft. Und nicht zuletzt mehren sich die Schwierigkeiten daheim auf der Wolkeninsel.
Man muss die Handlung genießen können, ohne die Vorlage von Kai Meyer zu kennen. Yann Krehl gelingt die Umsetzung sehr schön, kurzweilig. Es ist eine Handlung, die sich während des Lesens gut anfühlt, in der man als Leser schnell heimisch wird. Mit sympathischen, auch komischen Charakteren wie dem Drachen, der keiner ist, und einer Landschaft, die stets irgendwie verwunschen scheint, handelt es sich genau um jene Art von Geschichten, bei denen man als Leser stetig umblättert und die Zeit vergisst.
Kai Meyer persönlich äußert sich bewundernd über Krehls Fähigkeit, 1200 Seiten Roman auf 400 Seiten Comic herunterzubrechen, doch, wie der Leser schnell feststellen kann, ohne ihn zu verbiegen.
Die Künstler Ralf Schlüter, Horst Gotta und Dirk Schulz gestalten diese aufwändige Welt und ihre Figuren. Allen voran gibt Zeichner Ralf Schlüter dem Szenario ein Gesicht. Niccolo ist eine jener klassischen Jungenfiguren – auch optisch – die jedem begeisterten Leser immer wieder in der Literatur begegnen. Schlank, sportlich, mit schwarzen Haaren, forsch, etwas unruhig wirkend, wie das überaus schmalen Menschen zueigen ist, fügt er sich mehr und mehr in seine Umgebung ein, verschmilzt mit ihr. Schlüter entwirft ein eigenes China und begeht nicht den Fehler die klassischen chinesischen Zeichnungen zu kopieren. Er parodiert sie auch nicht, wie es in Disney-Produktionen geschieht, in denen kulturelle Anleihen europäisiert oder amerikanisiert werden. So ist etwas ganz eigenständiges und schönes entstanden.
Eine saubere Tuschearbeit (Horst Gotta) und eine verschwenderische Kolorierung (Dirk Schulz) machen aus dem vorliegenden Werk sozusagen einen abendfüllenden Film. Jedenfalls kann man sich bei der Lektüre des Bandes dieses Eindrucks nicht verschließen.
Eine prachtvolle Geschichte braucht eine prachtvolle Inszenierung. Dies ist den versammelten Künstlern und Machern auf das Beste gelungen. Für junge Leser und jung gebliebene Leser ist Kinoabenteuer auf Papier entstanden. Und das allerbeste: Es wird fortgesetzt. 🙂
Das Wolkenvolk – Seide und Schwert 1 – Wisperwind: Bei Amazon bestellen
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Mittwoch, 15. Oktober 2008
Folgende Termine gibt es für Manga-Fans auf der Buchmesse 2008 in Frankfurt a. M. zu beachten:
Samstag, 18.10.08:
16:00 – 17:00 Uhr: Signierstunde Anna Hollmann (Stupid Story)
Sonntag, 19.10.08:
11:00 – 12:00 Uhr: Signierstunde Anna Hollmann (Stupid Story)
11:00 – 13:00 Uhr: Signierstunde Christina Plaka (Yonen Buzz)
12:45 – 13:30 Uhr: Gespräch: Freche Mädchen – Freche Manga! – Vom Jugendbuch-Bestseller in die Manga-Welt
13:30 – 15:00 Uhr: Signierstunde Bianka Minte König (Freche Mädchen – Freche Manga!)
13:30 – 15:00 Uhr: Signierstunde Inga Steinmetz (Freche Mädchen – Freche Manga!)
Die Signierstunden finden im Comiczentrum in Halle 3.0 / J 807 statt.
Für Nachwuchszeichner gibt es auch noch einen wichtigen Termin zu vermelden, denn natürlich findet wie jedes Jahr auch eine Mappensichtung statt.
Samstag, 19.10.08:
16:00 – 17:00 Uhr: Mappensichtung am TOKYOPOP-Stand 3.0 J 828
Quelle: Tokyopop Newsletter, 15.10.2008
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Herk Mondo ist ein Held. Er muss einer sein, wenn er sich derart heroisch auf die Aliens, – die Wanzen, wie er sie nennt – stürzt. Geld spielt zwar auch eine Rolle, denn ein Held muss auch leben können, aber der Spaß an der Sache darf nicht unterschätzt werden. Hätte Mondo allerdings gewusst, dass ihn auf dem Hinterwäldlerplaneten nicht nur Hinterwäldler, sondern auch mittellose Hinterwäldler erwarten, hätte er sich das mit der Landung noch einmal überlegt. So aber steckt er dank einer übermütig abgeschossenen Rakete mitten im Schlamassel und muss das Beste daraus machen.
Irgendwie hat Mondo auch ein Händchen für miese Aufträge. Nachdem er eher leidlich aus dieser Sache herausgekommen ist, sieht es beim nächsten Mal schon besser für ihn aus. Zwei Mädchen sind verschwunden. Wanzen sind im Spiel. Möglicherweise haben die Biester die beiden entführt. Mondo wirft sich ins Zeug und landet fürchterlich auf der Nase – genauer auf dem Gesicht, ist kurz bewusstlos. Die Mädchen sind schnell gefunden, aber damit geht auch das Schlamassel mal wieder so richtig los.
Herk Mondo zeigt dem Leser in zwei unmissverständlichen Einsätzen, wo der Action-Hammer hängt. Vergesst Arnie, Vin & Co, Herk Mondo ist der Held der Stunde. Mit den beiden Geschichten Mondo Pest und Mondo Heat schickt Autor Henry Gilroy einen Action-Helden ins Rennen, von dem man sich als Freund solcher großspuriger Macker direkt mehrere Fortsetzungen wünscht. Immerhin ist wenigstens eine entstanden.
Das Schöne ist, bei aller Großmäuligkeit, dass Mondo mit der gleichen Sympathie werden kann wie ein Last Action Hero. Man muss ihm einfach die große Klappe verzeihen, da er sich derart einsetzt und auch noch dieses Geheimnis hat. Wer ist Sally? Wer war diese Frau, wegen der sich Mondo das typische Herz mit Pfeil eintätowieren ließ? Er selber will nicht darüber sprechen. Vielleicht, so könnte der Leser vermuten, weil ihn die Erinnerung zu sehr trifft. Vielleicht hat es auch etwas mit den Wanzen zu tun?
Ronnie del Carmen zeichnet kräftig, etwas cartoony, aber nicht wie es ein Darwyn Cooke macht. Del Carmen geht aufwändiger vor. Man könnte es einen prallen, sehr beweglichen, organischen Zeichenstil nennen. Der Künstler versteht sich auf einen stets der Szene gut angepassten Seitenaufbau. Geschwindigkeit darzustellen ist eine Leichtigkeit für ihn, wie es ausschaut, denn gerade die zweite von ihm illustrierte Geschichte, die hauptsächlich aus einer Verfolgungsjagd besteht, ist Dynamik pur.
Während sich der Humor in den ersten beiden Episoden von Gilroy und Del Carmen in der ersten Reihe abspielt, kommt dieser in der dritten Episode Das Nest von Jerry Prosser (Text) und Kelley Jones (Zeichnungen) so gut wie gar nicht vor. Fans der Aliens werden die Geschichte in ähnlich erzählter Form als Roman unter dem Titel Blutige Ernte kennen.
Prosser schickt einen schwer kranken Wissenschaftler auf die Reise zum Planeten der Aliens, auf der Suche nach dem Gelee Royale, dem Stoff der Alien-Königin, der schon mehrmals in Alien-Geschichten vorkam. In diesem Fall hat man sich einen Roboter geschaffen, keinen menschlich aussehenden Androiden, sondern einen Alien-Nachbau, dem es gelingen soll, in den Bau einzudringen, das gewünschte Material beschaffen und wieder fliehen soll.
Die Handlung ist sehr düster, verloren. Beinahe gewinnt man den Eindruck eines Kammerspiels, der durch jeglichen Handlungsort in der Geschichte gefestigt wird. Die Enge der Raumschiffe, die karge Oberfläche des Alien-Planeten, das Innere des Baus und irgendwie auch die Enge der Figuren, ihre innere Verschlossenheit, ihr leicht dümpelnder Wahnsinn, all das trägt zur sehr morbiden – und gelungenen – Atmosphäre der Geschichte bei.
Fans schauriger Comics werden ihren Kelley Jones von Batman Knightfall her kennen, vielleicht auch von Der Hammer oder Zombie World. Jones kann die Gemüter spalten. Sein grafischer Stil ist kalt, eiskalt, emotionslos zu nennen. Er erinnert ein wenig an die Gestaltungsformen eines Paul Gulacy, der hierzulande mit dem James Bond Comic Serpent’s Tooth auffiel, wie auch mit einer Conan-Geschichte.
Andererseits scheint Jones auch nur an Stoffen zu arbeiten, die seinem grafischen Geschick entgegenkommen. Sandman, Zombies und Aliens sind nun einmal keine Gutenachtgeschichten. Jones schraffiert, pointiliert, rastert, arbeitet gerne mit Gegenlichtschatten und ist mit seinen Grafiken über die Maßen exakt in seinen Bildern. Wer mit der Kälte klar kommt – die Menschenverachtung, der Wahnsinn, den er in die Gesichter zu legen weiß, ist genial gut – findet mit Das Nest einen regelrechten Klassiker aus dem Aliens-Universum.
Eine tolle Mischung. Hier sollte für jeden Aliens-Fan etwas dabei sein. Nach der Humor-Kanonade der ersten beiden Episoden mit Zeichner Ronnie del Carmen, lässt Kelley Jones mit der dritten Episode das Lachen im Gesicht erfrieren. Top!
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Die Sandwürmer haben auch die Zukunft erreicht und ganz gleich in welcher sie daherkommen, verträglich sind sie niemals. Diese Erfahrung muss auch Fry machen, der sich im Wartezimmer des Tierarztes in der Umklammerung eines solchen Monsters wieder findet. Fry holt tief Luft. Sogleich wird er von Leela zurechtgewiesen. Es geht schließlich um den kleinen Nibbler, denn dieser hat ganz gegen seine Gewohnheiten sein morgendliches Nilpferd nicht aufgegessen. Also muss der Tierarzt ran. Die Diagnose ist einfach: Nibbler hat Würmer. Ganz besondere Würmer.
Gerade noch brütet die Welt darüber, ob bei den Experimenten in der Schweiz, durch CERN in der Nähe von Genf, ein schwarzes Loch entstehen könnte, das die gesamte Welt verschlingt, da sind die Löcher längst in der Zukunft bei den Futuramas angekommen. Genauer gesagt: Wurmlöcher. Und nicht nur eines, sondern viele. Sehr viele. Loch an Loch – und es hält doch betitelt sich die Geschichte und beschreibt, wie sich ein Wurmloch nach dem anderen im Büro ausbreitet und Tore zu entfernten Planeten schafft. Nibbler hat Würmer und jeder Rülpser lässt ein neues Wurmloch entstehen.
So weit, so phantastisch – so irre wie immer. Jedes BÖRP! mehr bringt auch die Möglichkeit sehr kostengünstiger Postzustellungen. Schließlich wird auch sehr viel Treibstoff eingespart und viel schneller geht es auch. Nach einiger Zeit allerdings nehmen die Löcher überhand. Fry, Leela und die anderen müssen sich bemühen, nicht geradewegs in eines hineinzustolpern. Mehr noch: Die Touristen kommen! Die Praktikanten! Außerirdische Arbeiter! Und Supermodels!
Ian Boothby lässt es sich nicht nehmen, einen weiteren lustigen Charakter in dieses Chaos eintauchen zu lassen: Richard Nixon persönlich (immerhin Kopf und Körper getrennt voneinander) greift ein und bestimmt einen Verantwortlichen für jegliche Grenzübertretungen. Einreiseformalitäten, wie von MIB her bekannt, werden abgehalten. Schließlich blüht die Korruption. Für schnellere Einreiseabwicklungen genügt eine bestimmte Summe, Bender sei Dank.
Gastauftritte, der erwähnte Präsident Nixon, aber auch Cyborg und Seven Of Nine, finden sich hier mit schöner Regelmäßigkeit. Für den Fan stellt sich hier einzig die Frage, ob er auch alle erkennt. Die Datenbank im Anschluss an die Geschichte gibt Aufschluss darüber, wie gut die Suche gelungen ist.
Boothy lässt auch so manchen bitteren Schuss los. Schnell etablieren sich die Demonstrationen gegen die Immigranten – die schlagartig aufhören, als die Besucher vom Planeten der Supermodels auf der Erde einreisen. Zweierlei Maß gibt es auch in der Zukunft von Futurama.
Halt, ich hab eine Idee! Mein Kopf tut weh, also könnte es eine gute sein! Es ist eine gute Idee, um es mit den Worten von Fry zu sagen. All das Chaos macht Sinn und es bleibt dem Leser überlassen, ob er es mit viel Humor liest oder auch die kleine bitterböse Kritik daran zulässt. Hier ist für jeden etwas dabei. Für die jungen Leser genügend Slapstick und Spaß, für die älteren jungen Leser gibt es auch hintergründigen Tiefgang zu entdecken. – Aber auch der kommt mit einem Augenzwinkern. 🙂
Nachtrag: Die Bilder sind gut wie immer. Seufz, bei diesen Vorgaben schaut einfach alles aus wie immer. Kommt einem von den Simpsons her bekannt vor.
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Dienstag, 14. Oktober 2008
Nicht nur die Engländer haben etwas für gepflegte Gärten übrig. Auch die Amerikaner, insbesondere Ned Flanders, sind Freunde einer schönen Grünfläche. Leider sieht der Rasen von Homer aus wie ein Miniatururwald. Wie gut, dass es Söhne gibt, die dem Vater mit dem Mähen eine Freude machen. – Oder wenigstens solange sie glauben, für diesen kleinen Dienst bezahlt zu werden. Armer Bart. Ihm hätte klar sein müssen, dass er von seinem Vater nichts zu erwarten hat. Wie gut, dass sich die Nachbarn viel spendabler zeigen. Und wie gut, dass man auch andere für sich arbeiten lassen kann.
Aus dem einfachen Rasenmäher aus der Nachbarschaft wird Barts Rasenpflege. Gelegenheit macht Geschäfte. Das ist nur eine der vielen Aussagen, die die vorliegende Ausgabe der Simpsons Comics über das amerikanische Miteinander macht. Selbstverständlich kommt es noch viel schlimmer. Geschäft und Geld mögen gut sein, aber der Amerikaner muss sich stets mit allen Mitteln messen – mit allen Mitteln.
Wie unlängst der gute alte Heimwerkerkönig so sieht auch Bart bald einem Rasenmäherrennen entgegen. Doch nicht nur das. Chuck Dixon, der Autor der Geschichte Spaß mit Gras, nutzt die Gelegenheit, ein anderes Rennen auf diese Weise zu parodieren. Zwar sind es keine Podracer, die um Bart herum an den Start gehen, dafür sind ihre Fahrer nicht minder gefährlich als Sebulba, wie sie Bart schon sehr bald spüren lassen.
Nun gut, manche der hier vorgeführten Eigenarten sind nicht rein amerikanisch. Längst sind die Zeiten vorbei, als überbordende Werbung ein amerikanisches Phänomen war. Welche Blüten ein falsch verstandener Ehrgeiz oder auch die Gier nach Geld (in diesen Tagen sehr schön zu beobachten) treiben kann, ist ebenfalls lange bekannt, aber wie ein Bart Simpson diese Blüten zu den neuen Höhen führen kann, ist ein Riesenspaß.
Da war doch was? Richtig, Rock’n’Roll! Gott weiß, was Rock’n’Roll ist und hat sich extra eine kleine Auswahl dafür in den Himmel geholt. Heißt es nicht Sex, Drugs & Rock’n’Roll? Nun, es gibt wohl nicht viele Musiker, die sich tatsächlich nur auf diese Musikrichtung beschränkt haben und die anderen beiden Auswüchse keines Blickes würdigten. Aus diesem Grunde ist wohl nur Buddy Holly im von Homer beschworenen Rock’n’Roll-Himmel.
YOUUU GAAAVE MEE UHHH LOVVVE LIIKE NOOO UHHHTHERRR! singen die Towels, eine Band, die schon seit der Steinzeit im Geschäft zu sein scheint. Dixon karikiert damit jene Bands, die immer wieder auf Tour gehen – obwohl es gerade mal ein Originalmitglied aus diesen Steinzeiten noch auf die Bühne schafft und die anderen Musiker längst ausgetauscht wurden.
Viel Spaßkritik also, auch viel Action diesmal, in der gewohnten glasklaren Simpsons-Optik, die keine Kritik zulässt und auch nicht nötig hat. Spaß auf gewohnt gutem Niveau. 🙂
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Eine total verrückte Geschichte, Onko! Ich werde diese Humanos wohl nie begreifen. – Dieses Fazit ziehen die kleinen Roboter, die sich ihre Zeit zwischen den Arbeiten mit dem Erzählen von Geschichten vertreiben, die nur von einem handeln: Den Meta-Baronen. Incal-Leser werden den Einweihungsritus gleich zu Beginn wieder erkennen. Moebius zeichnete ihn damals, Juan Gimenez hat das Motiv nach einer beschreibenden Vorlage von Alexandro Jodorowsky, dem Autor des Incal, wieder aufgegriffen. Ein Mann verliert alles. Aber er hat auch Glück im Unglück. Er hat einen Sohn, der ein furchtbares Schicksal, den Verlust seiner Beine, meistern muss. Für diesen erbittet er sich für seine herausragenden Leistungen ein Geschenk – ein großes Geschenk. Othon, dem Vater, wird die Bitte gewährt.
Eigentlich beginnt die Tragödie damit erst recht. Denn das erbetene – und trotzdem vollkommen unerwartete – Geschenk ist derartig wertvoll, dass es Begehrlichkeiten geradezu anziehen muss. So lassen die Diebe nicht lange auf sich warten. Bari, Othons Sohn, ist ein Krieger. Seine Behinderung hat nicht seinen Tatendrang gelähmt. Er jagt den Dieben hinterher. Ebenso macht sich auch sein Vater an die Verfolgung. Das Unheil nimmt seinen Lauf.
Onko mag aus der Sicht seines Roboterkollegen eine verrückte Geschichte erzählen – aus der Sicht des an Science Fiction Geschichten interessierten Lesers ist sie es ganz bestimmt nicht!
Ganz selten nur entsteht eine richtige Saga, eine Handlung über einen langen Zeitraum, die auch noch Figuren mit großer Tiefe hervorzubringen vermag. Seit längerer Zeit kursieren die Szenarien von gebrauchten, auch verruchten Welten. Alexandro Jodorowsky schafft gleich ein Universum dieser Art. Furchtbar, korrumpiert, dreckig, eigentlich ist jegliche Existenz in diesem weiten Raum verloren. Ausgerechnet jener, der sich dem Kampf, dem Dasein als absoluter Krieger verschrieben hat, bildet eine Art Hoffnungsfunken – der allerdings immer wieder ausgetreten werden soll. Jodorowsky entwirft ein eigenständiges Helden-Epos, in dem sich vieles vereint, was über die Jahrhunderte hinweg an Legenden entstanden ist.
Schöne und ungewöhnliche Ideen (natürlich auch schreckliche) erzeugen Spannung, spielen mit den Emotionen des Lesers. Jodorowsky wiegt seine Leser gerne in Sicherheit, gewöhnt ihn gerne an Figuren, weckt Sympathien, nur um dann umso grausamer zuzuschlagen. Das kostbare Geschenk, ein Pferd, welches seit 20.000 Jahren ausgestorben ist, ein fahles Pferd, wird zu Richtungsweiser in die Tragödie nach bester Tradition. Obwohl es zu diesem Zeitpunkt absehbar ist, dass es nicht gut mit Bari enden wird, ist die Spannung derart quälend, dass man einfach weiter lesen muss. Am Ende des ersten Teils in der Sammlung, lässt sich die Wartezeit bis zur nächsten Geschichte (hier einmal umblättern nur, aber damals muss es grausam gewesen sein, wenn bis zur nächsten Ausgabe gewartet werden musste) tatsächlich nur mit dem Wort des kleinen Roboters Lothar beschreiben: Gemeinheit!
Jodorowsky zeigt sogleich mit der Fortsetzung die Voraussicht seiner Handlung. Nachdem Othon als tragischer Held sehr sorgsam eingeführt worden ist, erzählt er nun über Honorata, die seinem eine neue Richtung geben soll – und entgegen aller Erwartungen dies auch schafft. Die folgende Handlung macht einen noch strukturierteren Eindruck als im ersten Abschnitt. Die Einteilung in drei verschiedene Akte mit allen klassischen Erzählmerkmalen tritt hier deutlich zutage. Jodorowsky hat nicht nur eine außerordentliche Phantasie, er versteht seine Arbeit auch als Handwerk, das er perfekt beherrscht.
Juan Gimenez ist der andere Zauberer, ohne den die Meta-Barone schwer vorstellbar wären. Prachtvoll ist ein Wort, das perfekt als Überschrift zu Gimenez’ Arbeiten passt. Sein Verständnis von technischen Ansichten und seine Design-Ideen schaffen den nötigen Raum. Seine Entwicklung von Welten, tageszeitlichen Stimmungen geben den Geschichte von Jodorowsky eine ungeheure Stofflichkeit. Die Detailfülle kann immer nur wieder begeistern.
Die Gesichter sind manchmal ein wenig puppenhaft. Wer schnell blättert, wird die für eine Schwäche halten können, wer jedoch genau hinschaut und die Vielfalt der Gesichter gerade in den Nebencharakteren erblickt, stellt fest, dass es sich bei dem Design der Hauptfiguren um Absicht handelt. Gerade in Othons Fall verschwindet die puppenhafte Glätte im Verlauf der Handlung – bei Frauen ist Gimenez allerdings immer etwas nachsichtiger.
Gimenez’ Technik ist aufwändig und jede Seite ist ein kleines Kunstwerk. Mehr muss und kann man als Leser diese Arbeit, die tatsächliches Artwork ist, nicht loben.
Nicht nur ein Comic, sondern auch ein Kunstband. Wer Jodorowsky, Gimenez, den Incal, die Meta-Barone mag, der wird auch den vorliegenden Sammlungsauftakt lieben. Wer einen neuen SciFi-Saga-Ansatz sucht, blättere einfach mal durch die ersten Seiten. Wer dann gefangen ist, kommt am Rest der Geschichte nicht mehr vorbei. Es lohnt sich.
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Montag, 13. Oktober 2008
Hellboy steckt in Schwierigkeiten – und das ist noch ziemlich untertrieben. Lange Zeit wusste er nicht genau, wie er in diese Welt gekommen war, noch warum es ihn zu den Menschen verschlagen hatte. Nun steht ein Mann vor ihm, der Antworten auf viele Fragen über Hellboys Existenz hat. Aber will Hellboy diese Antworten überhaupt wissen? Zu erfahren, man sei einzig zu dem Zweck des Weltuntergangs, für Ragnarök, aus einer anderen Dimension hergebracht worden, kann nicht jedermanns Sache sein. Auch Hellboy gefällt diese Vorstellung überhaupt nicht. Ein Freak zu sein, gut, das sind seine Freunde auch. Aber Weltuntergangshelfer, das ist, um es mit Hellboys Worten zu sagen: Kacke!
Michael Prelle hat als Rasputin einen recht langen Monolog, der seine Lebensgeschichte wiedergibt, eine Lebensgeschichte, die Hellboy nur Langeweile entlockt, der man als Hörer allerdings noch länger zuhören möchte. Prelle erzeugt allein mit seiner Stimme ungeheuer viel Atmosphäre.
Etwas störend hierbei, weil ablenkend, wirken die akustischen Rückblicke, die der Hörer bereits aus dem ersten Teil von Saat der Zerstörung kennt.
Interessant sind die Stellungnahmen Hellboys, der sich wie der Zuhörer auch an den Erklärungen Rasputins weiden soll. Mike Mignola, Erfinder von Hellboy, veralbert hier all jene Mörder, Unholde und sonstige Monströsitäten, die vor der Tötung eines Opfers erst ihre gesamte Lebensgeschichte und ihre Motivation über das Opfer ergießen müssen – als sei die Situation schon nicht schlimm genug.
Im Gegensatz zu Hellboy, der sich äußerst gelangweilt zeigt, fasziniert Rasputin mit seinem Vortrag den Hörer. Es fällt schwer, sich diesem leicht hypnotischen Unterton zu entziehen. Der Wechsel zur bedächtigen Beschreibung von Joachim Tennstedt, nicht weniger spannend, ist auffällig, so auffällig, dass man tatsächlich durchatmen muss. Tennstedt beruhigt, obwohl die Ereignisse, mit denen er befasst ist, später zum großen Finale hinführen.
Ein wenig seltsam – und daraus kann dem Hörspiel kein Vorwurf gemacht werden, denn Mike Mignola persönlich hat es in der Vorlage so angelegt – ist die Szene an Bord des Raumschiffs. So verwirrend es sich für jene anhören mag, die Hellboy gar nicht kennen und es für eine reine Horror-Show gehalten haben, so merkwürdig hört es sich selbst für die Fans an. Der Einschub kommt überraschend, wie aus der Luft gegriffen. Er erklärt zwar ein wenig, erläutert die Konsequenzen von Rasputins Handeln – aber das wäre dem Leser oder hier dem Zuhörer sowieso klar gewesen, denn ohne den kompletten Weltuntergang – oder wenigstens der Planung hierfür – gehen solche Szenarien selten ab.
Das Finale ist sehr dramatisch geworden und die Wirkung ist deutlich stärker als in der ursprünglichen Comic-Version. Die Geräuschkulisse – oder besser die Soundeffekte – und der Klang zusammen mit den Stimmen, ganz besonders in jenem Augenblick, als Abe Sapien doch noch eingreift, erzeugen perfektes Kino im Kopf. Die Art und Weise, wie der Hörer durch vertonte Akteneinträge – die gut platziert sind – die Akteure nahegebracht bekommt, ist sehr stimmig und fügt sich gut in die fortlaufende Handlung ein, ohne einen Bruch zu erzeugen.
Ein sehr guter zweiter Teil, in dem alles zusammenpasst und wie aus einem Guss wirkt. Der Gegensatz zwischen den Stimmen von Hellboy (Tilo Schmitz) und Rasputin (Michael Prelle) macht aus der Saat der Zerstörung ein tolles Horror-Hörerlebnis. 🙂
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Sonntag, 12. Oktober 2008
Dieser untote Army Sergeant ist nun wirklich nicht der Rede wert. Man öffnet sein Grab, wirft einen Sprengsatz hinein, postiert sich in sicherer Entfernung und den Rest erledigt eine wohl ausgewogene Explosion. Fertig. Cassie und Vlad haben inzwischen sehr viel Routine bei der Beseitigung von Slashern entwickelt. Aber gruselige Serienmörder, die sich in der normalen Welt bewegen, sind auch leicht zu fassen. Killer, die in den Träumen der Menschen angreifen, sind schon ganz anders zu fassen. – Oder auch nicht?
Im Land der verlorenen Spielsachen kann der Killer zuschlagen, wie es ihm beliebt. Schlimmer noch für die Beteiligten ist wohl das Alter des Mörders: Es handelt sich um ein Kind. Aber es ist auch böse. Manchmal gibt es ein menschliches Wesen, das sich nicht um die Vorgaben anderer schert. Ashley wollte nie teilen. Es tötete die Jungen seiner Katze, weil er die volle Aufmerksamkeit des Tieres haben wollte. Ashley ist von Grund auf schlecht. Inzwischen sind einige Kinder im Schlaf gestorben. Jason, ein Jugendlicher und Spielzeugsammler, hat die Fälle beobachtet und für sich festgestellt, dass hier nur zwei helfen können: Cassie und Vlad, die Slasher-Jäger.
Tim Seeley schickt seine Kreation Cassie ins Land der Träume. Wie es sich für eine Serie gehört, die sich mit dem Slasher-Genre beschäftigt, werden auch bekannte Themen aufgegriffen. Freddy Krueger ist jener Kindermörder, der nach seinem Feuertod in den Träumen der Kinder zurückkehrt und sich rächt. Seeley hat dieses Thema noch ein wenig auf die Spitze getrieben, indem er eine Prise Teufelskind hinzugemischt hat.
Die Bilder zeigen eine andere Seite von Hack/Slash, als es der Leser aus dem ersten Band gewohnt sein mag und wieder erwartet hat. Es ist rauer, kantiger, abstrakter, auch trashiger. Die Bilder haben Witz, auch einen gewissen Charme und arbeiten mit einem erzählerischen Effekt zur Charakterisierung der Figuren, den auch ein Guy Davis hervorbringt. Da die Handlungen hier ebenso überspitzt sind, wie man es in der Zombie-Parodie Als die Zombies die Welt auffraßen lesen konnten, passen die Bilder. Ähnlich wie sich so manche Fortsetzung selbst parodiert, passiert dies mit dem zweiten Band der Horror-Saga um die Slasher-Jäger mit dem Titel Tödliche Fortsetzung sogar bravourös.
Neben einem Ausflug in das Reich der Spielzeugsammler, genauer in das Reich der Sammler von Action-Figuren, der allerhand grauenhafter Slasher-Szenen beschert – nein, keine Bange, es bleibt weiterhin spaßig – kann sich der Leser auf die Herkunftsgeschichte von Vlad freuen. So wie jeder Slasher unbedingt seine Abstammung oder Motivation erläutern muss, darf auch Vlad nun erzählen, wer ihn unter seine Fittiche nahm und aufzog. Obwohl, ein kleiner Rest Geheimnis bleibt, denn wer Vlad auf die Welt brachte, wer seine wahren Eltern sind, bleibt im Dunkeln.
Stich langsam!
Den Auftakt der Fortsetzung in der Fortsetzung teilen sich verschiedene Zeichner. Grafisch höchst perfekt kann der Leser verfolgen, wie Cassie in eine Falle gelockt wird. In der Folge werden die Bilder freakiger, passend zu den Gestalten, mit denen sich der Leser alsbald konfrontiert. Wer die Fernsehserie Buffy gesehen hat, wird sich an jene Organisation erinnern, die sich die Jagd auf Monster auf die Fahne geschrieben hatte. Oder er wird sich vielleicht an die Motivation der Konzerne und Militärs in Aliens erinnern, die versuchten, aus diesen Kreaturen eine Art Waffe zu machen. Hier wird etwas Ähnliches mit Slashern versucht. Bei der Präsentation dieser Geschichte muss man als Leser einfach grinsen, besonders bei der Darstellung der Killer, die einige bekannte Gestalten des Genres karikieren.
Der Leser mag Pinhead erkennen, auch den guten alten Chucky, der es ebenfalls auf einige Fortsetzungen brachte. Natürlich darf auch ein Freak mit Latex- oder Ledermaske nicht fehlen.
Als besonderes Schmankerl bietet der vorliegende Band abschließend einige Horror-Trailer, die so manche wirkliche Vorschau richtiggehend durch den sprichwörtlichen Kakao ziehen und deren Humor nicht ganz drastisch ist, wie Tarantino und Rodriguez es mit den Einspielern in Grind House praktizierten.
Viele Zeichnerwechsel wie hier mögen vielleicht nicht jedermanns Sache sein, passen aber zu Thema, zementieren die B-Movie-Aussage der Geschichten. Spaß macht es allemal, in jeder grafischen Lösung, die für jeden Geschmack etwas bereit halten sollten. Die Handlung ist für viele (gewollte) Lacher gut, die beiden Hauptfiguren, Cassie und Vlad, dürften wohl zu den bestcharakterisierten im Slasher-Genre gehören, weshalb es nicht ausbleibt, mit den beiden zu fiebern. 🙂
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