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Comic Blog


Donnerstag, 01. August 2019

STAR WARS – DOKTOR APHRA 4

Filed under: SciFi — Michael um 13:49

STAR WARS – DOKTOR APHRA 4 – LIEBE IN ZEITEN DES CHAOSDREI FRAUEN: Die eine ist gefangen in einem der gefährlichsten und lausigsten Gefängnisse des IMPERIUMS und will nichts sehnlicher, als von dort zu verschwinden. Aber DOKTOR APHRA steht diesmal vor der schwierigsten Aufgabe ihres jungen Lebens. Ohne Hilfe scheint eine Flucht nicht machbar. MAGNA TOLVAN, eine IMPERIALE OFFIZIERIN, ist in DOKTOR APHRA verliebt. Sie könnte der Schlüssel zur Befreiung sein und darüber hinaus den Schneid besitzen, dieses tollkühne Unterfangen erfolgreich zu bewältigen. Wäre da nicht SANA STARROS, die Ex-Freundin von DOKTOR APHRA und mit einem eigenen Auftrag versehen. Persönlich beauftragt von der REBELLEN-GENERALIN SYNDULLA macht sich SANA STARROS auf den Weg in eine vom IMPERIUM geschaffene Hölle. Und sie ist nicht die einzige außerplanmäßige Besucherin!

Ein Knast in STAR WARS! Und was für einer! Das ACCRESKER GEFÄNGNIS setzt sich zusammen aus diversen schrottreifen Raumschiffen, mit einer Atmosphäre versehen und von einem weiteren Schiff durch den Weltraum gezogen. Eine Flucht ist undenkbar! Drinnen ist es fast noch gefährlicher als draußen auf der Schrottoberfläche. Hierhin hat es die junge DOKTOR APHRA verschlagen. Bislang hat sie sich aus jeder Situation herauswinden können, auch über das Leben und Leid anderer Menschen und sonstiger Kreaturen. Sie hat einiges auf dem Kerbholz und viele wollen ihr ans Leben. Aber eine Existenz im ACCRESKER GEFÄNGNIS wünscht man seinem schlimmsten Feind nicht.

SIMON SPURRIER setzt die Geschichte um eine Heldin fort, die sich im besten Sinn ins Universum von STAR WARS einfügt. Gastauftritte sind ebenfalls inklusive. DARTH VADER gibt sich höchstselbst die Ehre. Aber auch eine GENERALIN SYNDULLA, die der STAR-WARS-FAN natürlich aus der sehr zu empfehlenen Animationsserie REBELS her kennt. (Klasse, dass solche Querverweise geschaffen werden.) Doch damit nicht genug. Aber genug gespoilert. Der FAN darf sich auf jeden Fall auf einen recht alten Bekannten freuen, den man darüber hinaus ziemlich selten antrifft. So ist sein Auftauchen umso überraschender zu nennen und SIMON SPURRIER als Autor sehr zu loben, wie er die Einzelteile verschiedener zeitlicher Ebenen miteinander verwebt.

TRIPLE-ZERO! Für alle, die diesen DROIDEN nicht kennen: Stellt auch einen pechschwarzen Protokolldroiden vor (wie C-3PO gebaut), der Spaß an der Folter lebendiger Kreaturen hat, einem Verbrechersyndikat vorstand und sich nun gerne, weil er diese Rolle einbüßen musste, an DOKTOR APHRA rächen möchte. Die in DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK vorgestellten KOPFGELDJÄGER (BOBA FETT eingeschlossen) sind wahre Lachnummern gegen diese psychopathischen DROIDEN. Man wünscht sich, es hätte einen Auftritt, gerne auch eine größere Nebenrolle dieser Figur auf der Kinoleinwand gegeben. In der Comic-Reihe um DOKTOR APHRA finden sich viele mutige erzählerische Ansätze und TRIPLE-ZERO ist einer davon.

Die Serie um DOKTOR APHRA beschäftigt sich nicht mit den ehrenhaften Zielen von REBELLEN noch mit den fehlgeleiteten Idealen von IMPERIALEN KARRIERISTEN. Hier geht es schlicht um VERBRECHER, mal schwerer, mal minderschwerer Natur. Und DOKTOR APHRA ist eine davon. Überleben ist das oberste Ziel. Allianzen sind flüchtig. Liebschaften ebenfalls. LIEBE IN ZEITEN DES CHAOS lautet der Untertitel des vierten Bandes der Reihe um DOKTOR APHRA (vermutlich in Anspielung auf das berühmte Werk DIE LIEBE IN ZEITEN DER CHOLERA). Die Liebe ist hier ein sehr zartes Pflänzchen, das sich kaum gegen die Widrigkeiten der Umstände zu behaupten mag. Immerhin, es gibt sie. Ob sie eine Chance hat, muss der Leser selbst herausfinden.

KNAST: Das vermittelt ein für Geschichten und Dramen besonderes Ambiente und sehr sehr seltsamen (wie brutalen) Mikrokosmos. FLUCHT VON ALCATRAZ, PRISON BREAK oder DIE VERURTEILTEN (nach einer Geschichte von STEPHEN KING) haben Bilder insbesondere von amerikanischen Gefängnissen gezeigt. Entsprechend muss die Situation in einem Science-Fiction-Setting (auch das gab es schon z.B. mit WEDLOCK oder LOCKOUT) und erst recht bei STAR WARS extrem anders sein. Mit KEV WALKER ist ein Zeichner am Start, der nicht nur ganz wunderbar illustrieren kann, er arbeitet auch den Kern dieses speziellen Knastes heraus, der sich als Mischung aus MÜLLHALDE und LABYRINTH skizzieren lässt.

Technisch, dreckig, heruntergekommen. Jeder Schritt kann in einer Todesfalle enden. Und ähnlich wie in WEDLOCK lässt einem implantierter Sprengstoff den Schädel (und mehr) wegfliegen, wenn sich ein Häftling zu weit von seinem Arbeitstrupp entfernt. KEV WALKER darf sich austoben, teils ganzseitig (was ich seit den Zeiten des SILVER SURFERS sehr mag), teils in halbseitigen Bildern. Das gibt dem Leser selbstverständlich tolle, sehr starke Eindrücke dieser für STAR-WARS-Verhältnisse außergewöhnlichen Kulisse.

WOW! DOKTOR APHRA kann als Serie immer mehr, setzt mit jeder Folge einen drauf. Ein ganz neues Setting bietet ein Szenario, das sich von Seite zu Seite steigert. Eine Halde von Schrottraumschiffen als Gefängnis, eine geplante Flucht, die Liebe dreier Frauen, Darth Vader und ein gnadenlos nahendes Inferno. Mehr muss man zu dieser grandiosen Mischung kaum sagen. Das knallt und ist ein echter Pageturner! TOP! 🙂

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Mittwoch, 31. Juli 2019

Interview mit ASTERIX-Übersetzer KLAUS JÖKEN auf DLF

Filed under: Meldungen — Michael um 14:27

Ein schönes, informatives Interview mit ASTERIX-Übersetzer KLAUS JÖKEN auf DEUTSCHLANDFUNK KULTUR: ÜBERSETZUNGEN MIT DREIFACHEM BODEN. (Im Zuge der Ankündigung auf den neuen Band im Oktober 2019, DIE TOCHTER DES VERCINGETORIX.) 🙂

Dienstag, 30. Juli 2019

STAR WARS – POE DAMERON 4 – DIE WEGE DER MACHT

Filed under: SciFi — Michael um 16:54

STAR WARS - POE DAMERON 4 – DIE WEGE DER MACHTLOR SAN TEKKA ist ein sehr neugieriger Wissenschaftler. Die MACHT interessiert ihn. Aber wichtiger für ihn ist noch die MACHT DES WISSENS. Er strebt weder nach körperlicher Macht, noch finanzieller oder politischer und noch weniger spiritueller. Auf seinen Wegen der Wissenserweiterung ist er allerdings oft sehr naiv unterwegs. Ein Einbruch, der letztlich nur dem Lernen dient, kann so schlimm nicht sein. Eigentlich muss er sogar verzeihbar sein. Auf dem Planeten Cato Neimoidia hält man von dieser Einstellung nicht viel. Sie gar als Entschuldigung anzuführen, ist eine Unverschämtheit. LOR SAN TEKKA hätte sich vorsehen sollen. In einer Welt, in der jeder Unternehmer seine eigene Gerichtsbarkeit unterhält, kann es zu unvorhersehbaren Härten kommen. Und so lautet das Urteil auf SCHULDIG und die Bestrafung ist der TOD.

CHARLES SOULE springt mit diesem vierten Band um den Piloten POE DAMERON vor (!) DAS ERWACHEN DER MACHT, denn wie der STAR-WARS-FAN erkannt hat, ist LOR SAN TEKKA hier noch wunderbar am Leben und ist zwar ein findiger Wissenschaftler, aber zugleich auch ein sehr leichtsinniger. CHARLES SOULE gibt dem Gelehrten (hier wie im Film in bildlicher Form eines MAX VON SYDOW) ein recht unabenteuerliches Profil. Schnell wird klar, dass LOR SAN TEKKA das Risiko des Einbruchs nur sehr ungern eingeht. Sehr schön, wie hier eine Nebenfigur etwas mehr Raum zur Entfaltung bekommt. (Dieser Raum hätte der Figur auch im Film sehr gut getan, weil sie dem Thema der Macht auch zusätzliche Tiefe und Aufklärung verleiht. Denn die Macht, allen JEDI und SITH, die da kreuchen und fleuchen, wird doch sehr stiefmütterlich thematisiert.)

Ich finde die grafische Umsetzung des STAR-WARS-COMICS um POE DAMERON von ANGEL UNZUETA (wie auch in Vorgängerbänden um den X-WING-PILOTEN) nicht nur sehr gelungen und schön, die sehr akribisch genaue, ultra-exakte Darstellung passt hervorragend. Jeder SCHAUSPIELER ist wiederzuerkennen, vorneweg natürlich OSCAR ISAAC (als POE DAMERON) und CARRIE FISHER (als PRINZESSIN LEIA oder, glasklar hier Jahrzehnte nach der Ur-Trilogie, GENERAL ORGANA). Es gibt ein Wiedersehen mit Kampfdroiden, am Boden und in der Luft. Und es macht einfach Spaß, moderne X-WINGS gegen die antiquierten (aber sehr wacker auftretenden) Modelle kämpfen zu sehen.

Die Kolorierung durch ARIF PRIANTO ist erstklassig, filmreif und plastisch. Die Plastizität verhilft insbesondere die Gesichter der Figuren zum Fotoromaneffekt der Bilder. Wie in den Vorgängerbänden kreiert ARIF PRIANTO im vierten Band der Reihe, mit dem Untertitel DIE WEGE DER MACHT, in Actionszenen farblich tolle Sequenzen. Herausragend, zeichnerisch natürlich ebenso, ist hier eine Schlachtszene, in der STORMTROOPER einen Einsatz im WELTRAUM unter Zuhilfenahme von Raketenrucksäcken absolvieren. Ganz großartig!

Teils ist die Geschichte nicht nur eine einer klassischen Rettungsmission, teils ist es auch ein so genannter HEIST. LEIA inmitten eines solchen Plans zu erleben, ist ungewohnt, aber davon hätte es ruhig mehr geben können. Es passt zu abenteuerlichen Stimmung von STAR WARS allgemein, aber auch zu jener Atmosphäre, wie sie in CLONE WARS und REBELS gepflegt wurde. Wie mancherorts in anderen Ablegerserien (wie z.B. in der von mir sehr gelobten DOKTOR APHRA) freut man sich auch über gelungene Widerlinge. Einer, der dem Widerstand das Leben schwer machte und kurz von der Bildfläche verschwand, war AGENT TEREX. Der Schuft kehrt zurück, etwas angeschlagen, verbittert, voller Hass, allerdings immer noch sehr schlau, sehr hartnäckig und mittlerweile ist keine Seite mehr vor ihm sicher. Der Motivationsschwenk macht das Handeln der Figur unvorhersehbar und treibt die Geschichte ab einem gewissen Punkt gehörig voran.

ERSTKLASSIG! Eine tolles grafisches Feuerwerk dank der beiden Comic-Künstler ANGEL UNZUETA und ARIF PRIANTO. Abenteuerlich von Anfang bis Ende (das kleine Annual im Anhang eingeschlossen). Alles, was man als Fan von STAR WARS erwarten darf, wird hier bravourös erfüllt! 🙂

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Freitag, 19. Juli 2019

A WALK THROUGH HELL 1 – DAS VERLASSENE LAGERHAUS

Filed under: Horror — Michael um 11:53

A WALK THROUGH HELL 1 - DAS VERLASSENE LAGERHAUSZwei FBI-AGENTEN sind im LAGERHAUS verschwunden. Es ist anscheinend leer, es ist finster, es ist riesig, fast ein Labyrinth. Ein angefordertes Einsatzteam, toughe Kerle, sind entsetzt. Keiner traut sich mehr ins VERLASSENE LAGERHAUS. Die FBI-AGENTEN SHAW und McGREGOR marschieren, ohne auch nur im Geringsten zu ahnen, was sie dort drin erwarten wird, hinein und machen sehr bald schon eine Erfahrung, die sie an den Rand des geistig Erfassbaren bringt. Und darüber hinaus.

Wie sieht die HÖLLE aus? Brennt sie lichterloh? Oder peinigt sie die Menschen mit immerwährenden Ängsten, mit Panik, Unsicherheit? Lässt sie den Wahnsinn Gestalt annehmen? Vielleicht haben sich GARTH ENNIS (Autor) und GORAN SUDŽUKA (Zeichner) diese oder ähnliche Fragen gestellt, als sie sich A WALK THROUGH HELL ausgedacht haben. Es beginnt ungeheuer harmlos. Zwei FBI-AGENTEN verschwinden scheinbar spurlos in einem VERLASSENEN LAGERHAUS. Innen sieht es zunächst genau danach aus, nach einem Lagerhaus nämlich. Aber es wird zu einem Gang in die finstersten Untiefen der menschlichen Emotionen und des Verstandes.

Gleich zu Beginn machen GARTH ENNIS und GORAN SUDŽUKA aber zudem klar, dass die HÖLLE bei weitem nicht auf das Lagerhaus beschränkt ist. Es ist WEIHNACHTSZEIT, die Menschen treiben sich in einer geschmückten SHOPPING MALL herum und plötzlich fallen Schüsse, gezielt, ungezielt. Der alltägliche Wahnsinn aus den Nachrichten, irgendwo in den Vereinigten Staaten, bricht mit all seiner Brutalität und Konsequenz unter Menschen aus, die gerade nichts weiter als Kunden sein wollten. Menschen aller Alterstufen sterben im Kugelhagel.

Die Geschichte wird auf zwei Ebenen erzählt. Erstere, der Alltag eines FBI-Ermittlerduos, schwankt anfangs zwischen bürokratischen und privaten Aspekten und es dauert ein wenig, bis diese zeitliche Ebene den Leser einzufangen versteht. Aber wenn sie es schafft (und das schafft sie, keine Bange!), dann gibt es nicht nur den großen AHA-EFFEKT, dann werden auch Erinnerungen an besondere Folgen von den X-FILES (AKTE X) wach. Das Duo SHAW und McGREGOR hat keine Ähnlichkeit mit MULDER und SCULLY (weder optisch noch konzeptionell), die beiden hatten zuvor (vor ihren Eintritt in die Lagerhalle) keine Berührung mit dem Übernatürlichen, dafür aber umso heftiger mit dem Bösen. Und hier wären eher Parallelen zu DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER heranzuziehen, eine Geschichte (Roman wie Film) um eine FBI-Agentin, die sich dem ultimativen Bösen in zweierlei Form stellt.

DAS ULTIMATIVE BÖSE löscht Menschenleben mit jener Gleichgültigkeit aus, mit der so mancher ein Insekt zertritt. GARTH ENNIS schafft in seiner HORROR-MÄHR ein solches Individuum, bar jeden Mitgefühls, eine Oberfläche, die perfide parodistisch widerzuspiegeln scheint, was sein Gegenüber sehen und hören will, kurz der perfekte Psychopath. Darüber hinaus zeichnet GORAN SUDŽUKA dieses Monstrum wie den völlig harmlosen Nachbarn von nebenan, der, um im Bild von vorhin zu bleiben, keiner Fliege etwas zuleide tun kann.

GARTH ENNIS ist hier der Erzähler mit dem EINBILDWENDEKNALLER. Ganz anders als in seinen verfilmten Comic-Krachern wie PREACHER oder THE BOYS, in denen es von Kuriositäten vergleichsweise wimmelt, wird hier Schrittchen für Schrittchen die Spannung aufgebaut, um den Leser schließlich mit einem Bild die Haare zu Berge stehen zu lassen. Das sind Eindrücke, die auf dem Bildschirm vielleicht 10-15 Sekunden zur besseren SCHOCKVERINNERLICHUNG stehen bleiben würden. Im Comic soll/muss sich der Leser selber zwingen weiterzublättern. Bevor er die Seiten zurückschlägt, um sich zu vergewissern, ob er da gerade gesehen hat, was er gesehen hat. Stellvertretend für den Leser ist es die FBI-AGENTIN SHAW, die dem Ganzen mit ähnlichem Unglauben begegnet.

GORAN SUDŽUKA zeichnet sehr exakte Figuren, ist technisch bei Kollegen wie COLIN WILSON oder PIA GUERRA (an deren Seite er mit an Y – THE LAST MAN arbeitete) angesiedelt. Das ist ein kühler, nüchterner, zugleich schöner Stil, der dem Leser aber etwas Abstand gönnt. Das ist gut, weil der HORROR hier nicht mit SPLATTER angreifen will, sondern unterschwellig, mit NUANCEN, die sorgsam gesetzt, umso stärker packen.

Psychologischer HORROR mit einigen gemeinen Effekten, eingesetzt mit sehr viel Fingerspitzengefühl. GARTH ENNIS verteilt den HORROR hier nicht wie sonst üblich mit der groben Kelle, sondern mit der Pinzette, als gelte es Salz in offene Wunden zu streuen. GORAN SUDŽUKA illustriert die Geschichte mit seiner kühlen, perfekten Technik, als gelte es, ein Storyboard möglichst genau für ein kommendes TV-Event abzuliefern. Klasse gemacht, passt in die Zeit. Top! 🙂

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Mittwoch, 17. Juli 2019

MOONSHINE – BAND 1

Filed under: Horror — Michael um 17:32

MOONSHINE - BAND 1Amerika verlangt nach Alkohol. Die Regierung hat dem Konsum einen Riegel vorgeschoben. Die harten Sachen sind allesamt verboten. Aber Amerika will trinken und diejenigen, die den Durstigen des Landes den Whiskey besorgen können, tragen ihre Streitigkeiten häufig lautstark mit der Maschinenpistole aus. Ausgerechnet ein staatliches Verbot hat der in Familien, Clans und Banden organisierten Kriminalität das beste Geschäft aller Zeiten beschert. Das will verteidigt, neue Quellen und Märkte erschlossen werden.

Eine dieser Quellen liegt fernab der Großstadt im Land der Hinterwäldler, poetisch gesprochen. In den Vereinigten Staaten von Amerika mit seinen Weiten, den unendlichen Wäldern, im Korngürtel, den Prärien und einigen endlosen grünen Ecken mehr darf noch Hinterwälder sein, wer will. Und zur großen Zeit der Prohibition erst recht. LOU PRILO, ein gestandener Gangster, reist in die Appalachen, um dort den Schwarzbrenner HIRAM HOLT zu treffen. Denn HIRAMS Schnaps soll der beste sein, der zu bekommen ist und Qualität könnte selbst unter Gangstern das Zünglein an der Waage im Sinne neuer Kundengewinnung werden.

Das Künstlerduo BRIAN AZZARELLO und EDUARDO RISSO ist zurück! Beide haben sich mit der langjährigen Thriller-Serie 100 BULLETS hervorgetan. Die beiden stellten zusammen die Miniserie JOHNNY DOUBLE auf die Beine. EDUARDO RISSO als Zeichner hat einen Hang zu düsteren Stoffen. Hierzulande trat er außerdem mit VAMPIRE BOY in Erscheinung. Außerdem gestaltete er eine eindrucksvolle Graphic Novel über WOLVERINES Japan-Vergangenheit. Nun also beide vereint mit MOONSHINE. Die Künstler nehmen sich ein sehr eigenes Kapitel der amerikanischen Geschichte vor. Wir schreiben das Jahr 1920 und es herrscht PROHIBITION.

Das Titelbild verrät eigentlich nichts über die Handlung, aber die Atmosphäre wird gleich richtig vorgestellt. Drei Gangster, in Schattenrissen dargestellt, bewaffnet mit einer Pumpgun und zwei Äxten marschieren vor einem VOLLMOND auf den Betrachter zu. Die führen nichts Gutes im Schilde. Gleichzeitig ist dieses Szenario auch der Beginn der Geschichte. BRIAN AZZARELLO und EDUARDO RISSO wissen auf erprobte Weise den Leser sofort einzufangen und an die Seiten zu fesseln.

EDUARDO RISSO ist auf zweierlei Weise ein meisterlicher Illustrator. Einerseits versteht er es perfekt auch ohne Kolorierung auszukommen. Seine schwarzweißen Grundzeichnungen funktionieren in den meisten Fällen ohne weitere Farbe. (Hierzu sei VAMPIRE BOY empfohlen.) Und selbst wenn Kolorierungen angesagt sind, verlässt er sich nicht auf das farbgebende Element, das durchaus einen Teil der Erzählung bilden kann (nicht muss). So könnte MOONSHINE ebenfalls in weiten Teilen ohne Kolorierung funktionieren.

Aber noch ein Wort zur Kolorierung. Hier assistiert CHRISTIAN ROSSI. Beide Künstler, er und EDUARDO RISSO, setzen nicht die übliche Farbgebung ein, peinlichst genaue und realistische Wiedergabe. Es ist eher ein Schritt zurück in die Nostalgie mit modernen Mitteln. Es wird auf Stimmungen gesetzt, die sich entweder auf einer kompletten Seite, einer Doppelseite oder auch einer mehrseitigen Szene durchzieht. Gelblich, grüne Farbstimmungen in den (hinterwäldlerischen) Sümpfen, blaugraue, türkisfarbene Nachtfarben, gelb und rot von Licht und Blut unterbrochen. Diese und andere feine Farbkombinationen schaffen ein regelrechtes TWILIGHT-ZONE-ERLEBNIS.

EDUARDO RISSO versteht sich darüber hinaus hervorragend auf die Konzeption von Charakteren. Wie er es schon in 100 BULLETS unter Beweis stellte, bieten Gangster und Verbrecher genau das richtige Umfeld für die Darstellung von Visagen im besten Sinne. Hier kann sich EDUARDO RISSO nach Lust und Laune austoben. Und was für Ganoven er hier zu Papier bringt. Die 1920er Jahre Optik mit Anzügen, Maschinengewehren und Oldtimer-Fahrzeugen kommt seiner Zeichentechnik sehr entgegen.

Und da war da noch: HORROR! Das sollte nicht vergessen werden. Denn inmitten der Mafiamänner und Schwarzbrenner treibt noch ein spezielles Monster sein Unwesen, ebenso speziell gestaltet, ohne sich an den klassischen Vorgaben zu orientieren. Das ist nicht zu gruselig, aber gewalttätig und nicht zuletzt auch ein wenig traurig.

GANGSTER und MONSTER! Das passt! Das Künstlerduo BRIAN AZZARELLO und EDUARDO RISSO setzt die richtigen Akzente, etwas mehr Mafia, punktuell eingestreuter Horror gegenüber echter Gangstergewalt. Gruselig gut von Anfang bis Ende! 🙂

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Dienstag, 16. Juli 2019

DIE BLAUEN PANTHER 9 – EINE FALLE FÜR SPIONE

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 17:24

DIE BLAUEN PANTHER 9 – ABENTEUER DER VERSCHWORENEN FÜNF – EINE FALLE FÜR SPIONEDIE BLAUEN PANTHER sind eine Gruppe aus fünf Jungen. Blau gekleidet wegen ihrer Pfadfinderuniformen sind sie jederzeit zu Abenteuer bereit. Und ist gerade keines in Sicht, dann wird eben eines auf die Beine gestellt. Kurzerhand steigen fünf Ballons in die Luft. An jeden hängt eine Postkarte mit der Adresse eines der BLAUEN PANTHER. Wessen Karte zuerst gefunden und zurückgeschickt wird, dessen Absender fern der Heimat wird zum nächsten Reiseziel der Jungen auserkoren. Aber es geht noch besser. Die Jungen sind PFADFINDER. Deshalb wird selbst die Reise zu einer Art Test für sie. Alle machen sich getrennt voneinander auf den Weg. In drei Tagen sollen sie spätestens am Ziel ankommen. Wer es als erster schafft, der erhält einen Preis. Zur Aufregung aller stößt einer der Jungen auf seiner Wanderung in einer abgelegenen Gegend auf Spione …

ABENTEUER DER VERSCHWORENEN FÜNF lautet der Serienuntertitel und der Titel dieser speziellen Folge sehr passend auf EINE FALLE FÜR SPIONE. Der Belgier MITACQ (MICHEL TACQ) zeichnete die erste Folge von LA PATROUILLE DES CASTORS (DIE BLAUEN PANTHER) bereits 1954, im Verlauf geschrieben von Comic-Urgestein JEAN-MICHEL CHARLIER. DIE BLAUEN PANTHER waren eine belgische Albenreihe. Hierzulande erschienen sie im BASTEI VERLAG, in der großen Comic-Zeit des Verlages, Seite an Seite mit Serien wie BESSY, BIENE MAJA, FELIX, LASSO, PHANTOM, BUFFALO BILL, KUNG-FU und noch anderen. Interessanterweise hob der Ursprung der Reihe DIE BLAUEN PANTHER die Geschichten über die Pfadfinder über die sonstigen Erscheinungen heraus.

Denn die Qualität der Zeichnungen von MITACQ war deutlich besser als die Serien, die mehr einen Massenmarkt bedienten und sich teils auch an den Erfolg von Fernsehserien anhingen. Ganz klassisch von JEAN-MICHEL CHARLIER aufgebaut, erschienen die Folgen im Original von 1954 bis 1989. Wer nur ein wenig in Serien wie FÜNF FREUNDE, DIE DREI FRAGEZEICHEN, DIE JUNGEN VON BURG SCHRECKENSTEIN oder TKKG hineingeschnuppert hat, wird das grundlegende Konzept sofort wiedererkennen. Die Jungen haben allesamt Spitznamen gemäß ihrer Eigenschaften: MUSTANG (Chef der Truppe, der erwachsene Junge), KATER (Schlitzohr und Draufgänger), BÜFFEL (dick, faul, gefräßig, Tolpatsch), FALKE (scharfsinnig, ausdauernd, gleichmütig) und schließlich MÜCKE (vorlaut, quirlig, Nesthäkchen der Truppe).

Äußerlich klar charakterisiert treten die Jungen auf. Kulissen und technische Details, wie kleine Ortschaften oder Fahrzeuge, sind in jeder Hinsicht exakt ausgeführt. Technisch erinnert der Strich von MITACQ an ein anderes Comic-Urgestein, nämlich VICTOR HUBINON (dem wir BUCK DANNY und DER ROTE KORSAR verdanken). Die alten Geschichten werden aus heutiger Sicht natürlich schön vom Zeitkolorit getragen. Sehr nostalgisch anmutend gegenüber unserer Gegenwart. Ohne besondere Hilfsmittel suchen die Jungen sich ihren Weg und ihre Mitfahrgelegenheiten. Wenn BÜFFEL dazu einen dreirädrigen Fahrrad-Eiswagen bedienen muss und schließlich auf der Startbahn eines Militärflughafens landet, dann ist das nur eine von mehreren humorvollen Stellen, die heute noch funktionieren. Und wer sich Kinderfernsehserien wie DIE PFEFFERKÖRNER (mittlerweile 15 Staffeln) im direkten Vergleich betrachtet, stellt fest, wie gut JEAN-MICHEL CHARLIERS Spannungskonzept selbst heute noch trägt.

Ein klein wenig altmodisch, aber generell funktionieren die Geschichten auch heute noch. DIE BLAUEN PANTHER ermitteln gut gezeichnet (MITACQ) mit einer ausgewogenen Mischung aus Spannung und Humor (erzählt von JEAN-MICHEL CHARLIER). Fein, ein Klassiker der Jugendunterhaltung. 🙂

MICKY MAUS MAGAZIN 15 / 2019

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 17:15

MICKY MAUS MAGAZIN 15 / 201950 JAHRE MONDLANDUNG! Das klingt so unglaublich, aber ist natürlich neben der Besonderheit des Jahrestages auch eine Gelegenheit, diese Tatsache ausgiebig und auf mehreren Eben zu feiern. So eben auch im Comic.

In der diesjährigen 15. Ausgabe des MICKY MAUS MAGAZINS werden Mond, Weltall und Sonnensystem gleich mehrfach thematisiert. DONALD DUCK steht in GEFAHR VOM MOND in der ersten Geschichte im Mittelpunkt. Ein uralter zauberischer Fluch wurde freigesetzt. Der VOLLMOND ist über ENTENHAUSEN angehalten worden. Die feststehende Postition, davon ist ein Wissenschaftler überzeugt, wird ENTENHAUSEN ins Chaos stürzen. Mit der Hilfe von DANIEL DÜSENTRIEB müssen DONALD und DAGOBERT DUCK schnellstens eingreifen, umd das Schlimmste zu verhindern. Bald brechen die drei Freunde per Rakete zum MOND auf.

Reichlich Begegnungen mit außerirdischen Wesen würzen die Abenteuer nicht nur auf dem MOND. MICKY MAUS, MINNIE MAUS und GOOFY verschlägt es gar aus den MARS, das nächste große Menschheitsziel. Mit KOSMISCHE KUNST geht es nicht nur einmal mehr ins Weltall, durch ein Schwarzes Loch auf der Jagd nach ONKEL DAGOBERTS GOLDTALERN, sondern es gibt auch gleich einen netten Auftritt von DUSSEL DUCK, nicht der beste Co-Pilot für einen derart gefährlichen Einsatz.

Damit erschöpfen sich die extraterrestrischen Abenteuer. Der Rest ist irdischer Natur, gibt DONALD DUCk etwas mehr Gelegenheit Chaos zu verbreiten. Einseiter bieten Kurzweil, ein paar Hinweise, so z. B. unter TIPPS UND TRICKS greifen das Titelthema auf. DANIEL DÜSENTRIEB verrät, wie man zu Hause eine MONDKRATERSIMULATION hinbekommt.

Prall gefüllt, eine Reihe von Geschichten rund ums Weltall bringen das Thema ins Kinderzimmer. Knackig erzählter Spaß, von einer Reihe von feinen Illustratoren in Szene gesetzt (u. a. auch von DON ROSA). 🙂

Montag, 01. Juli 2019

SHOOTING RAMIREZ – 1. AKT

Filed under: Thriller — Michael um 16:23

SHOOTING RAMIREZ - 1. AKTMit verbundenen Augen! JACK RAMIREZ repariert einen Staubsauger mit einer Stoffbinde vor dem Gesicht und raucht dabei auch noch eine Zigarette. Seine Kollegen können es nicht fassen, ist doch der Filter bei Modell AV 700 nur von einem Experten mit Fingerspitzengefühl zu wechseln. HENRY JACKSON ist sprachlos, aber nur kurz. Denn dann ist ein heftiges Lob an den Kollegen JACK RAMIREZ fällig. Dieser sei ein Hexer! JACK nimmt das Lob ebenso sprachlos entgegen. Er ist stumm. Später, als HENRY JACKSON von der Polizei verhört wird, kann dieser es nicht fassen, dass dieser kreuzbrave Mechaniker ein gefährlicher Mann sein soll …

Wer BREAKING BAD mochte, wird SHOOTING RAMIREZ lieben. Wer filmreife Wendungen, überraschende Kniffe, geschliffene Dialoge im TARANTINO-STIL mag, kann hier einsteigen und sich wohlfühlen. Fans der fünfteiligen Comic-Serie WONDERBALL sind hier ebenfalls goldrichtig. Wer sich für Krimis und Thriller vor dem Hintergrund der 1980er begeistern kann, ob nun original oder retrostyle, ist hier gleich zuhause. Die Figuren sind erstklassig aufgebaut, sogar jene, die keine lange Lebensdauer haben. Was in einem Krimi oder Thriller eine nicht unübliche Vorgehensweise ist. Die Optik ist State of the Art, die Titelbild-Technik zieht sich durch den gesamten Band mit seinen 144 Seiten. Die Kolorierung generiert eine FALCON CITY im Bundesstaat ARIZONA an den heißesten Tagen des Jahres. Hier brennt die Luft. Die Charaktere sind allesamt perfekt durchdesigned, in einer Mischung aus mexikanisch-südamerikanischer Abstammung und amerikanischem Durchschnittsbürger (was in den meisten Fällen einen Haufen Schnittmengen ergibt).

Also, viel Begeisterung von meiner Seite für SHOOTING RAMIREZ, der für mich ein echter Überraschungshit ist und nicht nur wegen seiner Geschichte, seiner tollen Erzähltechnik und den Illustrationen. NICOLAS PETRIMAUX (und ein Team, das im Anhang aufgeführt ist) hat hier ein echt liebevolles Gesamtpaket geschnürt. Die Hauptfigur JACK RAMIREZ arbeitet bei ROBOTOP, einem Hersteller von Staubsaugern. (Und JACK RAMIREZ dürfte eine der wenigen Comic-Figuren sein, die stumm sind.) Darüber hinaus lernt der Leser noch den Aufbau des neuen Vorzeigemodells kennen, den VACUUMIZER 2000. Fiktive Nachrichten senden Fakten zur Markteinführung des Gerätes. Werbeanzeigen von weiteren Gegenständen, Fahrzeuge, Kleidungsstücke, Bier, Banken, natürlich dem neuen Staubsauer selbst schaffen eine dichte Atmosphäre und machen wegen ihrer augenzwinkernden Gestaltung richtig Spaß.

Alles sehr amerikanisch! Wer genau hinsieht, wird einige Muscle-Cars in den Straßen entdecken, die mit überdimensionierten Außmaßen daher kommen (im Vergleich zur europäischen Enge). Gleich zu Beginn springt einem der legendäre AC COBRA Sportwagen ins Auge. NICOLAS PETRIMAUX lässt sich den Spaß nicht nehmen, seinen Helden JACK RAMIREZ in einem quietschgelben RENAULT-5-Klon durch die Gegend tuckern zu lassen. Ein Kleinwagen dieser Art fällt im Amerika der 1980er mit seinen riesigen Benzinschleudern natürlich auf wie ein bunter (winziger) Hund. Darüber hinaus hat JACKS Auto ähnliches zu erdulden wie damals der qietschgelbe 2CV (ENTE) unter den lenkenden Händen von JAMES BOND (IN TÖDLICHER MISSION). Eine Hommage? Wer weiß? Das mag natürlich nur für Automobilliebhaber interessant sein. Alle anderen können viele Details in der 1980er Jahre Actionfilmoptik entdecken, nebst ganzseitig oder doppelseitig aufgezogenen Plakaten.

Bildgewaltig im Großen wie im Kleinen! Das reißt es schon an. Ob es collageartige Bildanordnungen sind, halbseitige, ganzseitige Stimmungsbilder (z. B. JACK RAMIREZ mutterseelenallein vor seiner Erinnerungswand; man mag sich so seine eigenen Gedanken über das machen, was da so alles aufgehängt und gesammelt worden ist) oder doppelseitige Kracher, die einen nach dem Umblättern anspringen, die Rasanz einer Actionszene, über die Seite hinweg choreografiert oder in einem etwas größeren Bild konzentriert, einprägsam und mitziehend sind sie alle. NICOLAS PETRIMAUX gestaltet Typen, ein wenig überspitzt vielleicht, dafür umso eingängiger, bis hin zu einem Frauenpärchen, das sein Schicksal wie einst THELMA UND LOUISE in die eigenen gewalttätigen Hände nimmt.

Ein Comic, wo alles stimmt. NICOLAS PETRIMAUX hat sein gesammeltes Können aus vier Jahren Studium Angewandter Kunst, Konzeptdesign für Videogames und vielen künstlerischen Erfahrungen mehr gebündelt und hier konzentriert zu Papier gebracht. Hier kennt jemand sein Genre und weiß, was das Medium Comic alles zu transportieren vermag, nämlich verdammt viel. Hier werden Möglichkeiten ausgereizt, hier wird erzählt und fabuliert, mit perfektem Timing. Wer einmal bewiesen haben will, dass sich Comic hinter keinem anderen erzählerischen Medium verstecken muss, sollte sich SHOOTING RAMIREZ reinzieh’n (ein bisserl Slang passend zur Gangsterballade). TOP! 🙂

SHOOTING RAMIREZ, 1. AKT: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Schreiber und Leser.

LINK: http://www.shooting-ramirez.de/ (Vorstellung von Story, Figuren etc. inkl. eines bewegten Comic-Trailers.)

Sonntag, 30. Juni 2019

DAS DING UND DIE FACKEL 2 – FAMILIENTREFFEN

Filed under: Superhelden — Michael um 17:41

DAS DING UND DIE FACKEL 2 - FAMILIENTREFFENImmer noch auf der Suche nach der Familie! REED RICHARDS, SUSAN STORM-RICHARDS und die beiden Kinder, allesamt Angehörige der FANTASTIC FOUR, sind im MULTIVERSE verschollen. Für die Zurückgebliebenen, JOHNNY STORM alias FACKEL und BEN GRIMM alias DING, ist der Zustand kaum zu ertragen. Außerdem schwinden mit der Abwesenheit der anderen die Kräfte von DING und FACKEL. Als sich die Möglichkeit ergibt, nach den verschollenen Familienmitgliedern zu suchen, greifen die beiden Superhelden zu. JOHNNY STORM, ermutigt von einer Notlüge, und BEN GRIMM begeben sich auf die Suche. Doch die Ergebnisse ihrer Reise sind mehr als nur ernüchternd. Und dann kommt der Tag, als sie fern ihrer Erde im MULTIVERSE stranden …

CHIP ZDARSKY hat viele schöne Ideen in der zweiten Folge um DAS DING UND DIE FACKEL untergebracht. Ohne das Multiverse wären diese nicht umzusetzen gewesen. (Seit wann wird die Idee eines MULTIVERSE in der Populärliteratur eigentlich so überschwänglich gefeiert?) Ein verbesserter DOOM, leidlich menschenfreundlicher, trifft auf eine wissenschaftliche Versammlung von REED RICHARDSen. Das Spiel mit unterschiedlichen Inkarnationen hat in den letzten Jahren die Fantasie der Autoren ordentlich befeuert. Herausragend waren sicherlich die MARVEL ZOMBIES oder jüngst das SPIDER-VERSE, von dem es hier auch einen Ableger zu bestaunen gibt. Sehr zum Verdruss von BEN GRIMM und JOHNNY STORM, die sich in der Welt, in der sie gestrandet sind, mit der SPIDER-BATTLEWORLD herumschlagen müssen.

Da werden natürlich Erinnerungen an die Gladiatorenerfahrungen eines HULK wach (PLANET HULK), zuletzt auch in THOR 3 auf der großen Leinwand zu bewundern. Große fette böse Viecher machen den Kämpfern das Leben schwer. Ein irrer PETER PARKER, hier eine Mischung aus Spinnenmann, CAPTAIN AMERICA und MAD MAX, ist keine Figur, die sich von zwei Helden von außerhalb vorführen lassen will. ACTION ist vorprogrammiert, von einer leichten Brise Wahnsinn angehaucht.

Die beiden agierenden Zeichner haben einen unterschiedlichen Strich. Dieser unterscheidet sich auf dem ersten Blick in der Schwere der Ausführung. RAMÓN K. PÉREZ führt eine leichtere, dünnere Feder, stilistisch fast schon europäisch zu nennen, treffsicher. DECLAN SHALVEY ist das gewichtige Kaliber, härter, teils punkiger, für die deftigen Action-Szenen, in denen es kracht, der richtige Mann. In den eher tänzerischen Szenen (wie in einer Fechtszene zwischen zwei DOOMs aus alternativen Realitäten) ist RAMÓN K. PÉREZ derjenige, der die passende Atmosphäre auf das Papier bringt.

Eine Reihe von finsteren Gestalten hatten über die Jahrzehnte hinweg ihren Händel mit den FANTASTIC FOUR. Diverse Male hat es auch dunklere Varianten gegeben (die beste sicherlich in HOUSE OF M mit DR. DOOM an der Spitze). Manchmal denkt sich auch ein Freak wie der THINKER seine eigenes Team aus. Was dank des Einfallsreichtums von CHIP ZDARSKY dabei herauskommt, ist kurios, gruselig, fast schon ein Experiment, wie es die ULTIMATES in einer Imitation aus der östlichen Hemisphäre herausforderte. Immerhin hat der THINKER seine grauen Zellen stark angestrengt, um seinen Traum, nämlich einmal REED RICHARDS alias MR. FANTASTIC zu sein, wahr werden zu lassen. Aber das ist nur ein Übergang zu einem Finale, dessen Endergebnis gewünscht ist, aber so in dieser Form nicht vorherzusehen war.

CHIP ZDARSKY gehört zu den Comic-Autoren, deren Erzählungen ziemlich über die Erwartungen der Leser hinauswachsen. Dank des MULTIVERSE-Spielfelds stehen ihm dazu alle Möglichkeiten offen und man gewinnt den Eindruck, hätte er mehr Seiten zur Verfügung gehabt, wären diese noch ein ganzes Stück mehr ausgeschöpft worden. Grafisch anders als im ersten Teil, stilistisch eigen und wiedererkennbar von RAMÓN K. PÉREZ und DECLAN SHALVEY sehr schön illustriert. Die FANTASTIC FOUR sind wieder am Start! 🙂

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Freitag, 28. Juni 2019

SLHOKA 8 – DIE NADEL DER VERGÄNGLICHEN

Filed under: SciFi — Michael um 14:02

SLHOKA - Band 8 - DIE NADEL DER VERGÄNGLICHENGleißende Blitze zucken in die Höhe, ganze Bauwerke, gigantische Tempel entstehen und fallen, durch den Willen des Schöpfers verursacht, sogleich wieder in sich zusammen. SLHOKA vermag alles zu erschaffen und einzureißen, aber er ist allein in dieser abgeschiedenen Welt, dem JAIPURNA. Hier gibt es niemanden zu beherrschen oder zu beeindrucken. Niemand muss bekämpft werden, denn den letzten Kampf gewann SLHOKA und damit auch eine leere Welt. SLHOKA, der so mannigfaltige Gefahren überstand, muss sich seine eigene Kapitulation vor einer ausweglosen Situation schweren Herzens eingestehen.

LIVING IN A BOX: SLHOKA hat sich seit seinem letzten Abenteuer verändert (siehe Titelbild). Weiße Haarpracht, glühende Augen, blaue Haut. Weiße Ornamente verzieren die Muskeln. Sein Äußeres ist martialischer als zuvor. Charakterlich hat sich nichts geändert. SLHOKA ist ein Heißsporn, durch und durch. Das nützt ihm hier nur herzlich wenig. Die ihm nun inne wohnende Macht hält ihn gleichzeitig gefangen. Innerhalb der magischen Welt vermag er gänzlich alles zu gestalten. ULRIG GODDERIDGE hat seinem Helden ein großes Geschenk gemacht. Trotzdem lässt er SLHOKA handlungsunfähig am ausgestreckten Arm verhungern. Aber, wie es so schön heißt, Not macht erfinderisch.

DIE NADEL DER VERGÄNGLICHEN. Der Untertitel des 8. Bandes der Folge aus der Reihe SLHOKA gibt einen kleinen Hinweis auf einen Lösungsansatz für den Helden. Den eigentlichen Clou der Geschichte verrät es nicht. Und dahingehend soll es hier auch keine Spoiler geben. Unter dem Strich gibt es in diesem Band eine Suche und auf der anderen Seite einen recht besonderen Roadtrip. Die Kulisse ist ein dichter Dschungel, wild bewohnt, und so mancher Überrest steht für die Geschichte des Planeten (und ist Relikt der bisherigen Abenteuer).

CEYLES, dem Zeichner, und VINCENT, dem Koloristen, kommt die Aufgabe zu, die grüne Hölle zu gestalten, eindeutig asiatisch ausgerichtet, sehr abweisend, lebensfeindlich, feucht, von Flüssen durchzogen, gigantischen Baumkronen beschattet. Das ist nächtens wie tagsüber stimmungsvoll ausgeleuchtet. So gewinnt ein Weltenabschnitt in SLHOKA an ziemlicher Tiefe. ULRIG GODDERIDGE zeigt dieses Universum in einem neuen, recht intensiven Licht, indem die Strecke, die hier (voller Frauenpower) durchwandert wird, viel mehr Details als bislang erhält. So setzt sich dieses Kapitel stark von den vorhergehenden ab.

FRAUENPOWER: Gegensätzlicher könnten die beiden Frauen in dieser Erzählung nicht sein. Sie reißen hier das Heft an sich und stellen SLHOKA die Show (verdientermaßen). Da ist einerseits die sehr lebenserfahrene M’MA BAY, eine alte Schamanin, die bis hin zum Tod schon alles erlebt zu haben scheint. Auf der anderen Seite steht ECKRE, jung, agil, Kämpferin, Überlebenskünstlerin, mit ein paar mittelgroßen Gedächtnislücken versehen. Plötzlich werden diese beiden Frauen für den weiteren Weg zusammengeschweißt, mehr oder weniger gut oder gern. Das ist ein klassischer Stoff, der schon häufig funktioniert hat und es jetzt erneut (klasse) schafft.

Die Reise geht weiter, ganz anders als Stammleser hätten annehmen können. Mit Band 8 der Reihe SLHOKA, DIE NADEL DER VERGÄNGLICHEN, ist natürlich längst der Punkt erreicht, an dem Vorwissen für das weitere Verständnis der Handlung vonnöten ist. Dennoch gelingt es dem Erzähler ULRIG GODDERIDGE ein Abenteuer zu schaffen, das einen Einstieg mit relativ frischen Figuren darstellt, weil diese selbst in eine Situation geraten, die vollkommen neu für sie ist. Mit gruseligen und starken Momenten und Wendungen. Prima! 🙂

SLHOKA 8, DIE NADEL DER VERGÄNGLICHEN: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Finix Comics.

LINKS im COMICBLOG:

http://www.comicblog.de/2007/05/21/slhoka-die-vergessene-insel/ (SLHOKA Band 1)
http://www.comicblog.de/2007/07/10/slhoka-die-gaerten-von-sangali/ (SLHOKA Band 2)
http://www.comicblog.de/2007/11/08/slhoka-die-weisse-welt/ (SLHOKA Band 3)
http://www.comicblog.de/2010/09/26/slhoka-4-die-blutboegen/ (SLHOKA Band 4)
http://www.comicblog.de/2019/06/22/slhoka-7-das-andere-ufer/ (SLHOKA Band 7)