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Comic Blog


Montag, 03. Juli 2017

WONDERBALL 3 – SHERIFF

Filed under: Thriller — Michael um 10:57

WONDERBALL 3 - SHERIFFAuf der Flucht. Inspektor Spadaccini, Spitzname WONDERBALL, hat sich seine Zukunft bei der Polizei auch anders vorgestellt. Er ist ein Mordverdächtiger. Aber immerhin verfolgt er eine Spur. Vieles an dem Fall war bislang merkwürdig. Erklärungen mussten seinen Kollegen unweigerlich Spanisch vorkommen, doch die Zeichen, denen auch sie nach und nach über den Weg laufen, können sie nicht ignorieren. Etwas sehr Krankes ist in den letzten Jahrzehnten geschehen? Jemand hat einen ungeheuerlichen Plan gesponnen, der nun nach so langer Zeit in sich zusammenzubrechen droht und eine Vielzahl von Leuten mit in die Tiefe reißt …

Zitat: Warum sollte jemand im Gehen Kassetten hören?

Zurück in die Vergangenheit. Wir befinden uns in den 1980er Jahren. Der Walkman ist auf dem Markt und beunruhigt, die Kassettenrekorder kennen, denen das Konzept, seine Musik nach draußen mitzunehmen, unsinnig erscheint. Ein Gerät, das außerdem nicht in der Lage ist, aufzunehmen und nur abspielen kann, ergibt noch weniger Sinn. Es ist eine Anekdote am Rande, die von den beiden Autoren, FRED DUVAL und JEAN-PIERRE PECAU, hier eingeflochten wird. Aus einer Zeit stammend, in der noch Begriffe wie Telex verwendet wurden und Filmarchive der besseren Witterung wegen in der Wüste gebaut wurden.

Darüber hinaus vermischen FRED DUVAL und JEAN-PIERRE PECAU geschickt verschiedene Genres: Thriller (getragen durch die Handlung mit der Hauptfigur WONDERBALL), Splatterhorror (ein Blick auf die Figur auf dem Titelbild genügt, um zu sehen, wer hier federführend ist), CSI (Tatort-Investigation und neuartige Ermittlungstechniken geben Anlass zu weiteren Anekdoten). Maggie Osterberg, eine FBI-Agentin, bildet das weibliche Gegengewicht zu WONDERBALL. Die Puzzleteile des Falls, die sie zutage fördert, lassen den Leser letztendlich mehr Hintergrundwissen ansammeln, als den einzelnen Beteiligten jeweils zur Verfügung steht.

COLIN WILSON, Zeichner von WONDERBALL, darf sich mit seiner Paradedisziplin, dem Western, in einem Bild selbst zitieren, als ein kleiner Trupp indianischer Ureinwohner seitlich vorüber reitet und doch noch ein wenig mehr ausdrückt als das. In der Ferne fährt die Hauptfigur vorbei, vor der Kulisse orangeroter Felsengebilde, die so oft den amerikanischen Heimatfilmen als Hintergrund dienten, auf der Suche nach dem Ursprung eines seltsamen Kults. An vielen Stellen der Handlung wird eine Zeitenwende zelebriert, nicht selten mit einem Augenzwinkern, wie oben beschriebene Szene andeutet.

Der Zeichner wird in der dritten Folge von WONDERBALL gefordert, denn viele Szenen kommen ohne Text aus und selbst in Dialogen dürfen Gesichtsausdrücke ihren eigenen Subtext erzählen. Wenn sich Gäste eines Diners darüber beschweren, dass durch das häufige Auftreten von Serienmördern die Anzahl weiblicher Anhalterinnen abgenommen hat, stellt man sich unwillkürlich die Frage, ob es selbst ohne die angesprochene Dezimierung angeraten wäre, zu diesen wenig vertrauenswürdig aussehenden Gestalten in einen Lastwagen zu steigen.

SHERIFF lautet der Untertitel dieser Episode. Diese Figur ist selbstverständlich zur absoluten Spannungssteigerung angetreten. Aber so merkwürdig es auch klingen mag, haben er und WONDERBALL eine wichtige Gemeinsamkeit, über die sich der Leser einmal Gedanken machen sollte. Mehr soll dazu nicht gesagt sein, nur, dass es sich um einen schönen Trick handelt, den sich FRED DUVAL und JEAN-PIERRE PECAU hier haben einfallen lassen, um ein wichtiges Merkmal von WONDERBALL zu entzaubern.

Eine toller, verschachtelt erzählter, sehr mysteriöser Fall, der in Teilen auch in Serien wie AKTE X hätte funktionieren können – wäre nicht MULDER, sondern DIRTY HARRY der Partner von SCULLY gewesen. Die Autoren FRED DUVAL und JEAN-PIERRE PECAU haben ihre Genrehausaufgaben gemacht: Cop der alten Schule muss sich seiner fast vergessenen Vergangenheit und seiner Herkunft stellen. Die Bilder von COLIN WILSON machen in dieser Perfektion den vorliegenden Band zu einem Comic-Thriller-Fest. Sehr gut! 🙂

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Sonntag, 02. Juli 2017

NASH 2 – KAPITEL 3 + 4

Filed under: SciFi — Michael um 18:04

NASH 2 - KAPITEL 3 + 4Ausgerechnet ein kleines Mädchen namens Audrey hat Macht über Monster. Monster, denen ein kranker Geist die Bezeichnung ENGEL verliehen hat. Aber in der Welt von NASH, der nichts anderes beabsichtigt, als seine Tochter Audrey zu schützen, wimmelt es in der letzten Zeit von Monstern. Und nicht jedes ist sofort als solches zu erkennen. Das Abenteuer begann auf der Erde. Zuerst hatte NASH nur seine Tochter retten wollen. Nun muss er feststellen, dass seine Tochter Fähigkeiten besitzt, die ausreichen, um die gesamte Erde zu retten. Obwohl sich NASH erst beharrlich weigert, kann er einen SHOWDOWN IM WELTRAUM nicht verhindern.

JEAN-PIERRE PECAU schließt mit KAPITEL 3, DIE KÖNIGIN DER ENGEL, die erste Trilogie von NASH, dem ehemaligen Soldaten und nun aktiven Privatdetektiven, Söldner und, obwohl eher unfreiwillig, Personenschützer ab. DIE KÖNIGIN DER ENGEL ist niemand anderes als NASHS Tochter AUDREY. Mit ihr gestaltet JEAN-PIERRE PECAU einen dritten Akt, der in seiner Erzählweise auch einem Sci-Fi-Blockbuster gerecht würde. In einer Zukunft, in der man sich gerne an DAS FÜNFTE ELEMENT erinnert fühlt (nur ist die Welt hier noch nicht ganz so voll), strebt die Menschheit zu den Sternen, hat Mode zu den Akten gelegt und das Militär sucht immer noch nach ganz eigenen Lösungen aus dem Schlamassel.

Die ENGEL, eine spezielle Züchtung, annähernd menschlich, aber doch so weit entfernt, dass sie den Experimenten aus RESIDENT EVIL entsprungen sein könnten, treffen auf eine soldatische Eliteeinheit. Diese wiederum scheinen auf einen Abstecher von den STARSHIP TROOPERS herübergekommen zu sein. Heißt im Klartext: JEAN-PIERRE PECAU hat mit dieser Geschichte das Genre perfekt im Griff, kennt seine Elemente, treibt das Tempo mit der nötigen Tiefe dank familiärer Zwistigkeiten voran.

DAMOUR, der hier mit den Designvorgaben von VINCENT RUEDA arbeitet, setzt hier seinen harten, eindringlichen Zeichenstil fort. Bei wirken die Figuren stets ein wenig gemeiner, als sie wahrscheinlich sein sollen, aber im Prinzip hat hier so gut wie jeder einen Grund, sich irgendwie, ja, angepisst zu fühlen. Hinzu kommt eine sehr nüchterne, kühle Atmosphäre dieser Dystopie, einer wenig verheißungsvollen Zukunft, die optisch auf Funktionalität ausgelegt ist und allenfalls rein instinktive Freuden unterstützt und ansonsten keine Banalitäten mehr zulässt.

Dass diese Welt es bei aller Kälte noch etwas freundlicher zu sein vermag, beweist KAPITEL 4, der Auftakt eines weiteren Mehrteilers, mit dem Titel DIE WEISSE BRUDERSCHAFT. Georgien, Nordkaukasus, heißt NASHS neues Ziel. Von einer technisierten Umgebung geht es mitten hinein in eine nicht zu bändigende Wildnis. Kein Beton hält hier Einzug. Die Menschen leben in Blockhütten mitten in meterhohem Schnee und noch höheren Baumbeständen. Einsame Landstraßen durchschneiden schier endlose dunkle Wälder. NASH geht kaltschnäuzig und brutal in den nächsten Auftrag hinein.

Der vierte Teil gewinnt dieser Erde eine neue Facette ab. Science Fiction bietet diese Umgebung in Kleinigkeiten. Für NASH erscheinen diese Zukunftsergebnisse in Form von CHIMÄREN, Ergebnissen genetischer Experimente und Kreuzungen aus PITBULL und SCHWARZEM PANTHER. Darüber hinaus überspitzt die Ordnung dieser von JEAN-PIERRE PECAU erzählten Zukunft unsere derzeitige Gegenwart. Russische Spezialkräfte greifen einheimische Rebellen an. NASH gerät mit seiner Beute, einer jungen Frau, die er aus all dem rausschaffen soll, zwischen die Fronten. Was JEAN-PIERRE PECAU hier inszeniert, funktioniert in anderen Epochen versetzt ebenso, zum Beispiel als Western oder aber als einfacher Thriller. NASH ist hier beinahe eine Art TRANSPORTER.

Zwei Charaktere werden wider Willen zusammengeschweißt. DAMOUR darf sich in vielen Szenen auf die beiden unfreiwilligen Verbündeten, NASH und sein ursprüngliches Ziel SONIA, konzentrieren. DAMOUR gibt seinen Frauenbildern gerne sehr magere Gesichter, ein wenig ausgemergelt. Bei SONIA gibt er eine Portion Härte hinzu. In der Schneewüste kann DAMOUR keine grafischen Fehler begehen, nachdem er zuvor so viel Perfektion gezeigt hat. Gegen Ende des vierten Kapitels wird es noch einmal technischer und es gibt einen interessanten Ausblick auf den künftigen Luftverkehr, der gar nicht so leicht von der Hand zu weisen ist.

NASH ist kein einfacher Actionheld. Obwohl er sich bemüht, einer dieser harten Knochen zu sein, kommen immer wieder seine guten Seiten zum Vorschein. JEAN-PIERRE PECAU und DAMOUR haben einem sehr gut gestalteten Charakter, durchaus auch widersprüchlichen Figur das Comicleben geschenkt. Zusammen mit einer gut durchdachten Zukunftserde sind die beiden Folgekapitel im zweiten Band der Gesamtausgabe eine sehr feine Science-Fiction-Unterhaltung. 🙂

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Dienstag, 27. Juni 2017

JUGURTHA – GESAMTAUSGABE 1

Filed under: Klassiker — Michael um 17:20

JUGURTHA GESAMTAUSGABE 1Numidien im 2. Jahrhundert vor Christus. Das römische Reich ist übermächtig und hat sich Herrn des Mittelmeeres aufgeschwungen. Überall, wo es nicht herrscht, hat es sich zum Aufpasser ernannt und kleinere Länder zu Vasallen degradiert. König Micipsa steht zu seinen römischen Freunden. Während seine Söhne Adherbal und der jüngere Hiempsal dem Müßiggang frönen, ist der Neffe des Königs, Jugurtha, in Spanien und kämpft an der Seite der römischen Truppen gegen die Feinde der römischen Republik. Die Erfolge Jugurthas und die damit einhergehende Bewunderung der Römer wecken ersten Neid unter den wahren Thronfolgern …

Die Vergangenheit, besonders die Antike, ist reich an Dramen rund um Könige und Fürsten. JEAN-LUC VERNAL hat sich einer historischen Figur angenommen, die durch ihren Machtanspruch und Geltungsdrang eigentlich alles andere als ein Sympathieträger war und ist. Denn in jenen Tagen gingen Machtwechsel oft mit Intrigen und Mord und Totschlag einher. JEAN-LUC VERNAL arbeitet in seiner Comic-Aufbereitung Gründe für JUGURTHAS Streben heraus, zeigt, dass der junge Numidier, der den Thron für sich selbst wünscht, nichts anderes macht, als Gleiches mit Gleichem zu vergelten. JUGURTHA ist ein Sohn seiner Zeit und derartiges Vorgehen ist so gewöhnlich wie das Atmen.

Es kommt also, wie es kommen muss, der König stirbt und gleich drei Anwärter auf den Thron stehen Schlange. Darüber hinaus verfolgt Rom seine eigenen Interessen in Numidien. Im ersten Zyklus über JUGURTHA beschreibt JEAN-LUC VERNAL die stetig wachsenden Auseinandersetzungen JUGURTHAS mit seinen Vettern. Die Einmischungen Roms kippen nur zusätzlich Öl ins Feuer und erbringen kaum den gewünschten Frieden. Das Leben des jungen Numidiers ist Kampf, gekrönt von kurzen Erfolgen, schweren Niederlagen und Enttäuschungen. JEAN-LUC VERNAL ließ das Ende des ersten Lebensabschnitts seines Helden offen. Drama lautet das Ergebnis. Das Ende sieht kaum nach einer Wende zum Besseren aus.

Der bekannte Comic-Künstler HERMANN (Huppen) hat sich selbst mit COMANCHE und natürlich ANDY MORGAN sehr früh ein eigenes Comic-Denkmal gesetzt. Unzählige weitere Veröffentlichungen untermauerten seinen Erfolgsweg, der bereits in der 1960er Jahren seinen Anfang nahm. Die Arbeit an JUGURTHA entstammt jenem Karrierestart. HERMANN zeigt seine Vielseitigkeit, indem er hier in diesem antiken Historienepos alle Register seines frühen Könnens zieht, denn er entwickelte sich weiter. Hier finden sich noch seine ursprünglichen Gesichtsformen, später hielt eine weitaus größere Variabilität in die Züge der unterschiedlichen Charaktere Einzug.

An der szenischen Gestaltung ist, natürlich auch immer ein Kind der jeweiligen Zeit, in der sie entstanden ist, ein gutes Einfühlungsvermögen für die jeweilige Atmosphäre abzulesen. Wo HERMANN stets brilliert, sei es hier in JUGURTHA oder auch in anderen Szenarien, ist die komplexe dramatische Sequenz. Und dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Action handelt oder eine intrigante Zuspitzung von shakespeareschen Ausmaßen. Getümmel, aufgebrachte Menschen, flehende Blicke und mehr werden ausgewogen auf die Bilder verteilt, teils in Collagen zerkleinert. Das ergibt fast eine Miniaturgeschichte und ein Erzählmerkmal, das selbstverständlich der damals häufigen Erscheinungsform in Comicmagazinen geschuldet ist.

FRANZ (Drappier) war HERMANNS Nachfolger am Zeichenstift. Als Leser merkt man nichts von der Schwere des Erbes, das FRANZ bei der Übernahme des Szenarios gefühlt haben soll. Dem ehemaligen Jockey gelingen großartige Charakterköpfe, die weitaus unterschiedlicher ausfallen als bei seinem Vorgänger HERMANN. Die Wirkung seiner Bilder ist etwas kräftiger. Die illustratorische Verwandtschaft ist zu Kollegen wie JEAN GIRAUD oder GREGORZ ROSINSKI weitaus größer als zu HERMANN.

Nachdem mit den Episoden DER LÖWE DER WÜSTE und DIE MASKE DES KRIEGES der rein historische Teil abgeschlossen ist, lässt JEAN-LUC VERNAL die Vorlage fallen. Die wahrscheinliche Hinrichtung JUGURTHAS durch die römische Republik umgeht JEAN-LUC VERNAL geschickt und schickt den einstigen Thronfolger mit DIE NACHT DER SCORPIONE und DIE VERGESSENE INSEL auf eine Reise ins Ungewisse. Und je weiter die Reise geht, zusammen mit vielen anderen, die abseits des römischen Einflusses ein neues Leben beginnen wollen, umso fantastischer wird es. Hier bieten sich schleichende Vergleiche zur Serie THORGAL an.

Zuerst ein historischer Klassiker, dann zunehmend ein fantastisches Abenteuer. Fast scheint es, als habe JEAN-LUC VERNAL nur darauf gewartet, die historische Fessel abzuwerfen, um seiner Fantasie völlig freien Lauf zu lassen. Gerade durch die sehr ausgefeilte Illustration von FRANZ (Drappier), seinem Hang zu penibler Kleinarbeit (perfekte Pferdeansichten, Kostümentwürfe) ist die zweite Hälfte der ersten Gesamtausgabe hervorragend. 🙂

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Montag, 19. Juni 2017

ELYA – DIE NEBEL VON ASCELTIS 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:10

ELYA - DIE NEBEL VON ASCELTIS 1 - GEBURTHochzeiten unter Fürstenhäusern und königlichen Dynastien haben schon oft den Frieden zwischen Ländern schützen sollen. Nicht immer waren derlei Bemühungen vom sprichwörtlichen Erfolg gekrönt. Lyenn, Tochter des Königs Corween, sollte einst den verfeindeten Druidenherrscher Nordjj ehelichen. Yslain, jüngste Sohn des Königs, hätte sich zähneknirschend mit der Situation abgefunden. Erwal jedoch, der älteste Sohn, wollte seine Schwester schützen und stellte sich gegen den Pakt. Die Heirat wurde durch einen brutalen Verrat abgewendet. Erwal wurde mit seinen Gefolgsleuten zur Strafe in die Verbannung geschickt. Doch nun ist König Corween verstorben und das Schicksal nimmt seinen Lauf …

NICOLAS JARRY hat sich in seiner Autorenkarriere ganz der historischen Szenarien und der Fantasy-Abenteuer gewidmet. In klassischen Sagen findet er seine Inspiration. Andere Figuren und Kreaturen könnten geradewegs dem Universum eines J.R.R. TOLKIEN entsprungen sein. Mit ELYA – DIE NEBEL VON ASCELTIS entfaltet sich eine keltische Atmosphäre. Es könnte auch ein Einblick in die Welt der Pikten sein, gäbe es nicht eindeutige Fantasy-Aspekte, die weit über ein rein historisches Abenteuer hinausgehen.

Die Geburt einer SYLVE markiert den zentralen Höhepunkt und wechselt die Begehrlichkeiten, die zuvor in der Geschichte noch eine wichtige Rolle spielten. NICOLAS JARRY hat sich eine sehr bedeutsame Geburtszeremonie einfallen lassen. Das besitzt einen gruseligen Effekt, macht sehr neugierig und erklärt auch die spätere Funktion eines HERRN FUSHU. Die Entwicklung der SYLVE zeigt bereits in der zweiten Hälfte der ersten Folge von ELYA – DIE NEBEL VON ASCELTIS, welchen erzählerischen Spielraum NICOLAS JARRY durch diese Figur erhält.

GIANLUCA MACONIS Zeichenstil werden alle jene mögen, die mit Comics von Illustratoren wie dem kanadischen Comic-Künstler DJIEF oder dem Mexikaner HUMBERTO RAMOS vertraut sind. Der leicht überzogene Realismus passt zur Fantasy sehr gut. Männer sind oft kernig, kantig, breit, muskulös. Frauen als Hauptakteure sind hübsch, sportlich, Pin-up-tauglich. Auch bei den anderen Charakteristika fahren die Künstler ähnliche Verfahren auf, insbesondere den gestandenen bärtigen Männern, die sofort als erfahren, weise, durchsetzungsstark zu klassifizieren sind. Zwerge sind klassisch rundlich, klein, kompakt, doch besonders interessant wird es bei einer Kreatur wie HERRN FUSHU.

FUSHU ist eine optische Mixtur aus einem Jedi-Lehrer und einem vampirischen Meister, wie er von HUMBERTO RAMOS im Comic CRIMSON zu Papier gebracht wurde. Und ähnlich wie diese erwähnten Figuren tritt auch FUSHU auf. Außerdem entzieht er sich durch dieses Auftreten auch von der ansonsten sehr klassisch bekannten Konstellation der eingesetzten Charaktere. Man könnte sagen, dass mit dem Auftritt dieses einen Charakters ein Wendepunkt einsetzt. Betrachtet man das Bild auf der Rückseite des Albums, auf der FUSHU und die SYLVE gemeinsam abgebildet sind, darf man sich getrost in dieser These bestätigt fühlen.

OLIVIER HEBAN darf als Kolorist nicht unerwähnt bleiben. Mit seiner sehr feinen Farbgebung trägt er sehr stark zum qualitativen Gesamteindruck der Seiten bei. Die Handlung spielt sich hauptsächlich in der freien Natur ab, gewährt Einsichten, die sofort den Gedanken an verzauberte Landschaften entstehen lassen. Hier haben sich GIANLUCA MACONI und NICOLAS JARRY mit ihrer Vorarbeit nicht lumpen lassen. Malerische Brücken, weite Gebirgszüge, heilige Kreise, mystische Wurzelgebilde, düstere Schluchten oder ein hungriges Wolfsrudel sind detailliert koloriert und sorgen für eine Atmosphäre, die keiner weiteren Erzähleruntermalung bedarf.

Spannend, klassisch, mit tollen Wendungen, die mit den Erwartungen der Leser spielen und diese durchkreuzen. Durch das Grafikduo GIANLUCA MACONI (Zeichner) und OLIVIER HEBAN (Kolorist) wird ein fantastisch illustriertes, sehr schönes Leseerlebnis aus dem Fantasy-Auftakt von ELYA. 🙂

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Sonntag, 11. Juni 2017

YIYA 1 – DER SORGENFRESSER

Filed under: Mystery — Michael um 21:36

YIYA 1 - DER SORGENFRESSERDas Mädchen und der junge Mann waren ein gutes Team. Es schien, als habe die kleine Waise vor Jahren den Schiffer und Taucher Rogo selbst ausgewählt. Zuerst fand er sie, dann lief sie ihm nach. ROGO, der selbst keine Familie besaß, sich gelegentliche Zuneigung bei Prostituierten holte, wenn das Geld reichte, nahm das Mädchen und zog sie wie eine Tochter auf. YIYA, so der Name des Mädchens, und Rogo wurden unzertrennlich. Trotz des harten Lebens, immer am Existenzminimum, ging es immer irgendwie vorwärts. Bis eines Tages, während eines Schneesturms, der alte Mann namens SHUN auftauchte und ihr beider Leben eine ungeahnte und unerwartete Wendung nahm.

DANIEL PECQEUR, der Comic-Spezialist für verschiedenste Science-Fiction-Szenarien, tritt dem Leser hier zuerst mit einer teils fast gegenwärtigen (2020), teils dystopischen Sequenz entgegen. Eine Küstenstadt wird von einem Schneesturm heimgesucht. Die Welt erstickt in Schneeflocken, das Meer tost, dennoch haben sich die Menschen mit dem Wetter arrangiert. Das ist wie alles andere, um es gleich vorweg zu nehmen, von VUKASIN GAJIC fantastisch illustriert.

ROGOS Aufgabe besteht im weiteren Verlauf darin, genau bei diesen gezeigten eisigen Temperaturen zu tauchen. Bis dahin wird der Leser von der Atmosphäre derart eingefangen, dass es einen unwillkürlich fröstelt, wenn ROGO in einem klassischen Helmtauchgerät in die immer dunkler werdende Tiefe gleitet. Und dieses finstere Meer ist der Vorbote dessen, was da bald auf YIYA und ROGO zukommt. Dies ist sozusagen der Moment, in dem DANIEL PECQEUR mit seiner Fantasie zuschlägt und der Geschichte einen völlig neuen Dreh gibt. Mehr soll dazu nicht gesagt werden, einzig eine Empfehlung an interessierte Leser, sich das Titelbild genauer anzuschauen.

DER SORGENFRESSER, so der Untertitel des ersten Bands von YIYA, bezeichnet ein Armband, das von dem Mädchen getragen wird. Sieben Figürchen, eines für jeden Tag der Woche, wachen darüber, dass die Sorgen von YIYA über Nacht verschwinden. ROGO hat es ihr geschenkt. Inwieweit dieses Schmuckstück noch eine Rolle spielt, wird der Leser im Verlauf der Handlung entdecken. VUKASIN GAJIC illustriert bis in solche kleinen Kleinigkeiten einen wunderbaren Realismus. Er schafft tolle Individuen. YIYA, ROGO und SHUN besitzen eine schöne Leinwandpräsenz, sofern man in einem Comic von derlei Attributen sprechen kann.

VUKASIN GAJIC übernimmt neben der reinen Zeichnung auch die Kolorierung. Die Farbgebung ist butterweich geraten und findet gerade in nicht alltäglichen Comicszenen ihre Höhepunkte. Die Unterwasserwelt wie auch die Meeresoberfläche bieten eine tolle Stimmung. Die Eindrücke des Winters zur ohnehin schäumenden Oberfläche, später unter Wasser mit einem nahebei kreuzenden Wal vermitteln neben all der Lebensfeindlichkeit auch bedrückende Momente. Das Händchen, das VUKASIN GAJIC hier beweist, findet auch im Verlauf der zunehmend fantastischer werdenden Atmosphäre immer den richtigen Blick, das passende Licht, Farbgebungen und Oberflächen, die von ihm sehr gern sehr fein aufgelöst werden.

Toller Auftakt. Selbst, wenn das Eingangsszenario weiterverfolgt worden wäre und DANIEL PECQUEUR und VUKASIN GAJIC es bei einem herkömmlichen Abenteuer oder auch Drama belassen hätten, stäche es aus der Vielfalt der Comicserien heraus. So kommt mit der weiteren Erzählung, dem mysteriösen Einschlag, noch ein I-Tüpfelchen hinzu. 🙂

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Donnerstag, 08. Juni 2017

CREEPER CREEK 1 – DUNKLE ERINNERUNGEN

Filed under: Horror — Michael um 18:00

CREEPER CREEK 1 - DUNKLE ERINNERUNGENDas ist so eine Sache mit amerikanischen Kleinstädten. Jeder kennt jeden. Geschichten bleiben lange im Gedächtnis der Gemeinde. Dunkle Erinnerungen bei Einzelpersonen hingegen werden gerne verdrängt, ganz weit weg in eine finstere Ecke des Gehirns. Betsy Mahorn besitzt ein solches Verlies, aus dem in Zeiten der Bewusstlosigkeit, im Schlaf grauenhafte Erinnerungen ihren Weg an die Oberfläche suchen. Onkel Chester verspricht ihr, dass sie keine Angst zu haben braucht. Doch instinktiv weiß sie, dass Onkel Chester lügt.

Zitat: Eine Fremde, eine kleine Stadt … Halloween … He, He, alles, was man für einen guten Horrorfilm braucht.

JOEL CALLEDE, Autor von CREEPERS CREEK, kennt besagte Stoffe aus Hollywood. Er wendet die Rezepte solcher Filme wie ein versierter Regisseur an. Denn natürlich genügt eine Fremde allein nicht, Halloween auch nicht, es müssen Tote her, die auf das Konto eines düsteren Mörders gehen. Wie in Slasher-Filmen üblich sterben die Menschen hier scheinbar erste einmal wahllos. Langsam wird dem Leser klar, dass es Geheimnisse in dieser Stadt gibt, die nicht nur Betsy Mahorn betreffen. Die junge Schauspielerin, die in B-Movies auf sich aufmerksam machte, mit Filmen, die einfach nur Klassiker des Horror-Genres nachahmten, wird durch die echte Gefahr an den Rand des Wahnsinns getrieben.

PIETER DENYS illustriert sehr exakt, dokumentarisch, wenn es um die Kulissen, die Gerätschaften aller Art geht, während er bei den Figuren etwas verspielter, runder zu Werke geht, irgendwo zwischen RICHARD CORBEN und TERRY MOORE. PIETER DENYS und HUBERT (Kolorist) gestalten ein CREEPER CREEK, in dem Sonne Mangelware ist und selbst am Tage das Licht vom strömenden Regen verschluckt wird. Ist es zur Tageszeit grünlich schummrig, setzen bei Nacht dunkle Rottöne ein, Lila und die Erinnerungen werden gar von einem kalten blau begleitet. Atmosphärisch ist es also sehr düster. Ein Ausflug in ein Kinoabenteuer von Betsy Mahorn ist geradezu eine heitere Stippvisite, obwohl sehr bald Reißzähne von der Kinoleinwand herableuchten.

Die Geschichte wird auf mehreren Ebenen erzählt. Die Ereignisse, die Betsy Mahorn selbst erlebt, sind nur ein Aspekt. Ihre Alpträume, von den eigenen Erinnerungen gefüttert, sind eine weitere Seite. Die Ereignisse, die ihr Erscheinen in Gang setzt, ohne selbst daran beteiligt zu sein, sind die nächste Sicht auf das Geschehen. So ist es höchst interessant und auch sehr mysteriös, was sich hinter den Kulissen dieses Horrordramas abspielt. Wer verschweigt etwas, wer fordert andere zum Schweigen auf, wer hat etwas gesehen und natürlich, wer ist wie gestorben.

Mörder in Slasher-Szenarien sind oft brutal und auf grausame Weise einfallsreich. Das macht die Anziehungskraft des Genres aus. Die Handlung ausgerechnet an Halloween spielen zu lassen, weckt natürlich Vorahnungen, denn welche Genre-Fans kennen den Klassiker oder wenigstens das Remake dieses Horrorfilms um eines der beliebtesten Feste in den USA nicht? JOEL CALLEDE belässt es jedoch bei dieser einzigen Parallele. Jemanden wie MICHAEL MYERS sucht man hier vergebens. Dafür finden sich eher Anlehnungen in Richtung ICH WEISS, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST.

JOEL CALLEDE spinnt ein weites Netz aus Geheimnissen rund um die Hauptfigur der Betsy Mahorn. Hier kann jeder der Täter sein. Betsys Erinnerungen und auch ihre Visionen sind gruselig und verstörend. Mit passendem Realismus illustriert reiht sich CREEPY CREEK in die Genrekette seiner Leinwandgeschwister nahtlos ein. Wer es düster mag, spannend, mit Schockmomenten, liegt hier goldrichtig. 🙂

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Montag, 05. Juni 2017

DIE SEUCHE 1 – VALNES

Filed under: Abenteuer — Michael um 15:13

DIE SEUCHE 1 - VALNESEine Krankheit greift um sich und bedroht das Leben. Die Krankheit macht vor keinem Volk Halt. Oldis sterben, Borun holt der Tod und selbst Albinth, noch größere Humanoide, sind betroffen. Von den Brohm, denen alle wohlweißlich aus dem Weg gehen, ist nichts über Todesfälle bekannt. DIE SEUCHE ist ein Mysterium. Obwohl Oldis und Borun einander nur bedingt freundlich gesinnt sind, macht sich ein kleiner Trupp aus beiden Völkern auf die Reise, um eine Lösung zu finden. Dabei gestaltet sich der Anfang des ungewöhnlichen Bündnisses bereits schwierig. Und unterschiedliche Lebensarten helfen kaum, die Abneigungen gegeneinander zu senken.

JEAN-CHARLES GAUDIN macht sich daran, in DIE SEUCHE eine sehr ernsthafte Fantasy-Welt zu gestalten. Einfache Volksgruppen, keine Fürstenhäuser bestimmen das Szenario. Fans des HERRN DER RINGE oder von GAME OF TRHONES werden die großen Intrigen hier vergeblich suchen. Vielmehr versuchen hier die bäuerlich lebenden OLDIS (menschenähnlich) und die BORUN (elfenartig) ein gemeinsames Auskommen zu finden. Abgesehen von einer groben äußerlichen Ähnlichkeit haben die Volksgruppen hier wenig mit den weitaus bekannteren Fantasy-Szenarien gemein.

Die OLDIS leben infolge eines deutlichen Frauenüberschusses in einer Art Matriarchat. Die BORUN sind kriegerischer ausgerichtet. Natürlich findet sich einem ländlichen Szenario auch die Pracht von Burgen oder gar königlichen Höfen nicht. FREDERIC PEYNET, Zeichner und Kolorist in einer Person, arbeitet entsprechend an einer der unseren ausgerichteten Flora und einer teils fremdartigeren Tierwelt, um die Unterschiede zur echten Welt zu verdeutlichen. Die bevorzugten Reittiere, Telnaks, pferdeähnlich, mit wölfischen Einflüssen, scheinen bewusst an reale Vorbilder angelehnt. Genauso hält es JEAN-CHARLES GAUDIN mit der Beschreibung unterschiedlicher Kulturen und ihrer Eigenarten, die sich in der einen oder anderen Form tatsächlich finden lässt, nur nicht in dieser Mixtur.

Es lässt den Leser schnell nah an die Kulturen und die einzelnen Charaktere heran. Zuallererst natürlich an VALNES, die ihren Namen auch gleich als Untertitel der ersten Folge dieser Trilogie hergibt und auf dem Titelbild abgebildet ist. Stellvertretend für den Leser, der diese Welt mit unwissenden Augen betritt, begleitet der Junge JAUTRY die Reisenden. JAUTRY hat bereits zwei Brüder durch DIE SEUCHE verloren. Er besitzt jugendliches Ungestüm, Neugier und zweifelsohne auch ein gewisses Maß an Naivität und Unvorsichtigkeit. Traurigkeit und Zorn gerade über den Verlust des jüngsten Bruders treiben ihn an, eine Antwort nach dem Ursprung der mysteriösen Krankheit zu finden.

Der kleinwüchsige und alte KALIAM, ein Borun, ist für den Leser eine weitere wichtige Identifikationsfigur. Er ist die Stimme der Vernunft, wenngleich er nicht alles weiß, ist er jedoch stets bemüht, alles zu verstehen und einer unvoreingenommenen Neugier eine Chance zu geben. FREDERIC PEYNET arbeitet die Besonderheiten einer jeden Figur, auch jeder Volksgruppe einfach und leicht heraus, erinnert so ein wenig an LEO. Die Kolorierung ist sehr natürlich, ebenfalls leicht und weich, aquarellartig und sehr plastisch. Blau, grüne Farbtöne, Ocker oder Braun, teils herbstliche Farbtöne dominieren eine sehr feine, einladend gemalte Landschaft. PEYNET schafft mit seinen Bildern eine tolle Atmosphäre.

Ein Rätsel buchstäblich um Leben und Tod gilt es hier von einer Gruppe zu lösen, die sich zwangweise zusammenfindet und sehr bald zusammenraufen muss, will sie dieses Abenteuer überleben, ehe die Antwort parat ist. Ein schönes Fantasy-Szenario, in seiner Gesamtheit, aber auch auf jeder Seite stimmig erzählt und illustriert. Leser, die Fantasy mit mittelalterlichem Ambiente mögen, werden hier fündig. 🙂

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Mittwoch, 31. Mai 2017

ASTERX balinat

Filed under: Cartoon — Michael um 22:15

ASTERX balinat - Der große Sammelband auf BerlinerischMit DIE TRABANTENSTADT und ASTERIX UND KLEOPATRA finden sich in dieser Ausgabe gleich zwei klassische Abenteuer, die noch aus den Federn von RENÉ GOSCINNY und ALBERT UDERZO entschlüpften, in diesem Sammelband auf BERLINERISCH übersetzt. Allen voran hat sich DIETER HALLERVORDEN der Übersetzung gewidmet, gefolgt von KALLE SCHERFLING, SILKE LOCKE und SVEN KUGLER. Hintergründig geht es in beiden Geschichten um Bauszenarien. Ein Schelm, wer angesichts der Komödie um den Bau des Berliner Flughafens Böses dabei denkt.

Im damals 17. Band der hierzulande erschienen ASTERIX-Reihe, DIE TRABANTENSTADT, versuchte CÄSAR dem Dorf der UNBEUGSAMEN GALLIER einmal nicht kriegerisch beizukommen, sondern wählte das Mittel der römischen Zivilisation zur Ausrottung gallischer Lebensart. Der ASTERIX-Fan weiß, dass ein früher Versuch in KAMPF DER HÄUPTLINGE scheiterte. Nachdem es ein römisch gesinnter Häuptling nicht geschafft hat, soll es eine Wohnsiedlung, neudeutsch eine TRABANTENSTADT, richten. Plötzlich überfluten römische Mieter das Dorf. Widerstand wird zur Folklore, die von oben herab mit einem Augenzwinkern bedacht wird.

Vor diesem Hintergrund passt hier die berühmte BERLINER SCHNAUZE wie die ebenso berühmte Faust aufs Auge. Die TRABANTENSTADT wird zur BLADDE und schnell wird klar, dass es nicht nur um Dialekt, sondern insgesamt um eine etwas andere Sprachkultur geht, die außerdem ihre ganz eigenen Sprüche klopft. Da wird der Dorfplatz zur FUSSJÄNGAZONE, Sklaven werden kurzerhand zu HIWIS. Und natürlich singt TROUBADIX von Kreuzberger Nächten. Ein Glossar zu beiden Geschichten klärt den Leser über die wichtigen, benutzten Berliner Slangausdrücke auf, so dass am Ende keine Fragen offen bleiben.

Nun wirkt das römische Mietshaus in DIE TRABANTENSTADT tatsächlich ein wenig wie ein Plattenbau. Ob ein ägyptischer Palast wie in ASTERIX UND KLEOPATRA diesem Vergleich standhält? Eher nicht, obwohl NUMEROBIS, der ägyptische Baumeister keine architektonischen Meisterleistungen zu vollbringen imstande ist. Das beweist besonders eine kleine Szene, in der Idefix eine Villa einfach auf berlinerisch umschifft. Natürlich bleiben die Witze um das Nieseneeschen Kleopatras erhalten. Wenn die drei Helden auf Ägyptenausflug, ASTERIX, OBELIX und MIRACULIX (na, und IDEFIX), balinern zünden manche Witze anders, einige sogar besser.

An ICKE kommt man auf Berlinerisch nicht vorbei. Der DUDEN musste das in diesem Jahr ebenfalls einsehen und hat die Aufnahme in das deutsche Wörterbuch schlechthin geschafft. ICK, WA, WIA, das ist kein Refrain, vielmehr Personalpronomen, die das I-Tüpfelchen einer sehr direkten Sprache sind. TUT SE DEN KROKODILEN IN FRESSNAPF! Wenn Kleopatra so manchen Befehl ausspricht, fällt die Aussage noch deutlich bildhafter aus als im Original, eine weitere Eigenart dieser SYNCHRONISATION (ein Thema auch hier, da ebenso wie im Original der ägyptische Text aus Hieroglyphen ins Berlinerische übersetzt wird).

DENN HOLN WA DE KICKA UND DU BIST DER BALL! Beim Teutates, sogar Drohungen sind hart am echten Leben. Wer die Berliner Schnauze mag, eine richtige Haudruffsprache, der ist bei diesem Sammelband goldrichtig. Natürlich spricht man die Texte automatisch mit, so dass die Geschichten lebendiger als sonst werden. Macht im Original Spaß, macht hier noch ein bisschen mehr Spaß. 🙂

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Sonntag, 28. Mai 2017

DANGER GIRL – MAYDAY

Filed under: Thriller — Michael um 11:55

DANGER GIRL - MAYDAYEs war einmal ein Team von Geheimagentinnen namens DANGER GIRL. Sie waren eine eingeschworene Gemeinschaft, in der sich jede auf jede verlassen konnte. Bis eines Tages eine die anderen verriet! NATALIA KASSLE arbeitete in Wahrheit für eine Militärorganisation, die sich DER HAMMER nannte. Diese Organisation, die an nichts Geringerem als der Weltherrschaft arbeitete, bekam die ganze Wut der DANGER GIRLS zu spüren. Dem Tode näher als dem Leben wird NATALIA KASSLE nun aufgespürt von einer anderen kleinen Organisation unter der Leitung von APRIL MAYDAY. Der Fund der gefährlichen Frau ist ein Glücksfall für MAYDAY, die ihre ganz eigenen Ziele verfolgt.

Mit NATALIA KASSLE erschuf ANDY HARTNELL eine knallharte Doppelagentin in einem Szenario, das einen Agenten wie JAMES BOND alt und blass aussehen ließ. Aber KASSLE wurde besiegt und die DANGER GIRLS gingen ihrer Wege. Im Comic wie auch in der erwähnten Serie um einen britischen Geheimagentin lässt man einen verdienten Feind nicht so leicht untergehen. BLOFELD war ein Stehaufmännchen. Warum sollte es nicht auch einer NATALIA KASSLE gelingen, von den Toten aufzuerstehen?

Eine Auferstehung mit Gedächtnisverlust. Die Rückkehr dieser brandgefährlichen Amazone wäre zu zielbewusst, wüsste die Killerin gleich, wem sie ihr Vertrauen schenken kann und wem nicht. Ihre Rückkehr ins Leben ist von einer langen Genesung begleitet. Körperlich wieder bei voller Leistungsfähigkeit angelangt, folgen die Erinnerungen noch lange nicht, einzig ihre Kampferfahrung ist ihr geblieben. ANDY HARTNELL lässt seiner Killerikone genügend Anlaufzeit, um wieder in die Action zurückzukehren.

J. SCOTT CAMPBELL war der DANGER-GIRL-Zeichner der ersten Stunde. Seine ausdrucksstarken Bilder haben die Serie sehr geprägt. Zwischenzeitlich haben sich verschiedene Comic-Künstler an dem schnellen Thrillerszenario versucht. Mit JOHN ROYLE ist ein würdiger Nachfolger auf der Bildfläche erschienen. ROYLE ist es hervorragend gelungen, die Stilistik von CAMPBELL aufzugreifen. Die Frauen in DANGER GIRL sind allesamt, so das Konzept der Serie, körperliche Pin-up-Models, sehr athletisch gebaut. Und das müssen sie sein, denn JOHN ROYLE hat sie, und nahezu jeden anderen Charakter in dieser Geschichte außerdem, in Situationen zu zeichnen, die jedem MI-Kinostreifen gut zu Gesicht stehen würden. Wer Action sucht, ist hier weiterhin goldrichtig.

Großformatig, teils ganzseitig, in besonderen Fällen doppelseitig, entfaltet sich ein rasantes Blockbusterfeeling. Da werden Menschen von Explosionen durch die Luft gewirbelt und Fahrzeuge liefern sich wilde Verfolgungsjagden. Zweikämpfe sind halsbrecherisch auf wackeligem Untergrund, Frauen agieren verführerisch und tödlich und eine Menge Filmzitate geben sich die Klinke in die Hand. Wer sie erkennt, darf sich ein wenig mehr freuen, wer nicht, hat dennoch eine Menge Spaß an diesem Actionthriller. Zwar gibt es Humor, aber längst ist die Parodie im Kino von Knallern wie den FAST-AND-FURIOUS-Streifen eingeholt worden.

Wer schon Fan der Serie ist, kommt hier voll auf seine Kosten. ABBEY CHASE und ihre Freundinnen müssen hier zugunsten einer Rückkehrerin, nämlich NATALIA KASSLE, zurückstecken. ANDY HARTNELL und JOHN ROYLE lassen sich Zeit, die ehemalige Agentin und Verräterin mit Karacho zurückzuholen. Ist sie aber erst einmal auf dem Schirm, wird auf Höchstgeschwindigkeit geschaltet. Toll illustriert von JOHN ROYLE, der dem Szenario hoffentlich erhalten bleibt! 🙂

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Freitag, 19. Mai 2017

STAR WARS – POE DAMERON – SCHWARZE STAFFEL

Filed under: SciFi — Michael um 10:14

STAR WARS - POE DAMERON - SCHWARZE STAFFELDas IMPERIUM ist vernichtet. Seit 30 Jahren, seit der Zerstörung des zweiten Todessterns, herrscht ein relativer Friede in der Galaxis. Aber aus der Asche einer vergangenen Macht erhebt sich die ERSTE ORDNUNG. Bislang wird seitens der NEUEN REPUBLIK eine direkte Konfrontation vermieden. Aus diesem Grund organisiert Prinzessin Leia einen geheimen Widerstand, der abseits der offiziellen Kanäle. Poe Dameron, einer der besten zur Verfügung stehenden Piloten, gründet das Jagdgeschwader SCHWARZE STAFFEL und erhält fortan die extra gefährlichen Einsätze.

Bevor es zu den Ereignissen in DAS ERWACHEN DER MACHT kam, war es PRINZESSIN LEIAS großes Ziel, ihren Bruder LUKE SKYWALKER wiederzufinden. Helfen sollte ihr dabei der Forscher LOR SAN TEKKA. Angeblich verstorben, ist der alte Wissenschaftler nun lebendig in aktuellen Aufzeichnungen aufgetaucht. Sein Aufenthaltsort ist jedoch weiter unbekannt, allerdings hat man einen Teil seiner Reiseroute herausfinden können. Ein Ansatz und besser als nichts. POE DAMERON macht sich mit seinen eigens ausgewählten Staffelkameraden auf den Weg.

Die Geschichte, hier eine Zusammenfassung der ersten sechs US-Hefte aus der POE-DAMERON-Reihe unter dem Titel SCHWARZE STAFFEL, fügt sich gut ins bestehende STAR-WARS-Universum ein. Auf die Figur des LOR SAN TEKKA, im Film von MAX VON SYDOW dargestellt, wird hier nur ein kurzer Hinweis abgesetzt. Der sollte dem STAR-WARS-Fan aber genügen. Denn daraus entstehen Einsätze, die es in sich haben. Der erste Einsatz ist etwas merkwürdig. Natürlich kennt der Fan seltsame Kreaturen innerhalb des STAR-WARS-Universums, sehr seltsame sogar, aber hier entfaltet sich eine Art TWILIGHT-ZONE-Atmosphäre.

Etwas geerdeter geht es in der nachfolgenden Episode in einem Gefängnis zur Sache. Helden müssen sich an ihren Feinden messen lassen, entsprechend wurde POE DAMERON ein Agent der ERSTEN ORDNUNG gegenüber gestellt. TEREX, so der Name des Bösewichts, berichtet in erster Linie an CAPTAIN PHASMA, die Kommandantin in silberner Rüstung, die ihren kleinen Auftritt in DAS ERWACHEN DER MACHT hatte. Nimmt man das Auftreten von TEREX und sein Aussehen könnte ein junger VINCENT PRICE eine gute Wahl als Darsteller gewesen sein (schlägt man einmal das Pendel in die andere Richtung, von Comic in Richtung Film).

PHIL NOTO, der überaus exakt arbeitet, mit einer Mischung aus architektonischer Genauigkeit und der Verspieltheit eines Jugendstils, liefert hier außerdem ein klassisches Cover ab, indem er den Filmplakatstil von DREW STRUZAN aufgreift. Die sehr sauberen, sehr plastischen Grafiken von PHIL NOTO erinnern an die Technik von Kollege TONY HARRIS, der sich mit EX MACHINA in die Herzen der SciFi-Comic-Fans zeichnete. Präzise gesetzte Linien werden von einer Kolorierung unterstützt, die einen markerähnlichen Auftrag imitiert.

Nebenschauplätze: Die Droiden als solche sind die heimlichen Helden von STAR WARS und eines ihrer wichtigsten Merkmale. BB-8, eine der jüngeren Droidenkreationen, tritt hier im Team eher herkömmlicher Astromechs auf und meistert sein eigenes kleines Abenteuer. Und beweist gleichzeitig, wie gut Szenen (fast) ohne Dialoge funktionieren können.

Ein toller Einstand einer neuen STAR-WARS-Serie, auf der Figur des POE DAMERON fußend, der seinen ersten Auftritt in DAS ERWACHEN DER MACHT hatte. Ungeheuer präzise illustriert von PHIL NOTO, flott erzählt von CHARLES SOULE. Für Stammfans und erst für die neue STAR-WARS-Generation. Sehr schön. 🙂

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