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Comic Blog


Sonntag, 25. Juli 2021

VENOM VS. CARNAGE

Filed under: Superhelden — Michael um 22:57

VENOM VS. CARNAGEVENOM war und ist in seinem Umfeld lange Zeit nicht als friedensstiftendes Element bekannt gewesen. Seine Feindschaft mit SPIDER-MAN ist legendär. Als sich ein Abkömmling des Symbionten mit dem SERIENMÖRDER CLETUS KASADY verbindet und so das Monster CARNAGE entsteht, fällt all das ebenfalls irgendwie auf VENOM zurück. Doch nun vermehrt sich selbst CARNAGE. Das rote Monster hat nichts besseres im Sinn als seinen Ableger umbringen zu wollen. VENOM beschließt, nicht mehr nur zuzusehen und den neuen Symbionten zu beschützen.

NEW YORK ist das Revier von SPIDER-MAN und so manchem Gauner. Einer dieser Gauner, im weitesten Sinne und nicht immer auf einer Seite zu verorten, ist BLACK CAT. Athletisch, schlau, ladylike turnt sie ebenso wie SPIDER-MAN durch die Straßen. Und sie ist die erste, die auf PAT trifft, einen echten NEW YORKER COP. Und der neue Träger eines Symbionten. Der Polizist, gerade erst selbst frisch gebackener Vater, erlebt eine Veränderung, die ihn überrascht, abstößt und verängstigt. Doch schließlich muss er sich eingestehen, wer er nun ist: TOXIN.

2004 kam der Vierteiler VENOM VS. CARNAGE in den Handel, der hier in einem Sammelband neu aufgelegt worden ist, pünktlich zum Erscheinen des Trailers zum 2. VENOM-Kinofilm. Denn in der Fortsetzung, die den passenden Untertitel LET THERE BE CARNAGE trägt, bekommt der Zuschauer jenen grauenhaften Symbiontenverbund mit CLETUS KASADY präsentiert. In der vorliegenden Comic-Geschichte sind VENOM und CARNAGE im MARVEL-UNIVERSUM bereits etabliert. Wie das Titelbild es sofort verrät, können sich die beiden Kreaturen auf den Tod nicht ausstehen. Ähnliche Auseinandersetzungen finden sich ebenfalls in der Storyline, kurzum, es geht hier richtig zur Sache!

Aber Autor PETER MILLIGAN hat es nicht bei grober ACTION belassen. Wichtiger ist die Entwicklung von TOXIN, die menschliche Figur des PAT, der hin- und hergerissen ist von dem, was mit ihm passiert. EDDIE BROCK als Wirt für VENOM war etwas zwielichtig, CLETUS KASADY war komplett wahnsinnig, aber PAT als COP und junger VATER ist ein grundanständiger Typ. Kein Wunder, dass CARNAGE seinen Nachwuchs loswerden will. Und kein Wunder, dass er Hilfe von Helden wie SPIDER-MAN und BLACK CAT erhält. PETER MILLIGAN nimmt sich der verzweifelten Seite von PAT an, gibt der Figur Tiefe, orientiert sich ein wenig auch an SPIDER-MAN, denn auch hier gilt der Spruch: AUS GROSSER KRAFT FOLGT GROSSE VERANTWORTUNG.

Das Besondere an VENOM VS. CARNAGE, damals im Jahre 2004 (und auch durchaus heute noch), ist die Gestaltung von CLAYTON CRAIN. Rein digital erstellt (keine 3D-Figuren), gezeichnet, gemalt. Nah am Realismus, was Farben und Schatten anbelangt, stellt sich ein beträchtlicher Filmcharakter der Bilder ein. In Außenszenen, Inneneinrichtungen ist alles ein wenig düsterer. Es regnet in den Straßenschluchten NEW YORKS. Die Beleuchtung ist innen heimelig, außen bedrohlich. In letzterem Ambiente findet sich die richtige Umgebung für Symbiontenträger wie VENOM und CARNAGE.

Das sind Plätze für dunkles Gesindel und für Diebe. Zu letzteren gehört BLACK CAT. SPIDER-MAN ist solchen lichtscheuen Typen auf der Spur. CLAYTON CRAIN hat in Sachen Stimmung alles richtig gemacht, geradezu perfekt möchte man sagen. Mit den menschlichen Figuren muss man sich als Leser anfreunden. Da wirken optische Aspekte der Karikatur mit, leicht überzogen menschliche Züge. Das gerät in eine optische Nähe zu VENOM-Comics von HUMBERTO RAMOS, aber CLAYTON RAIN fühlt sich dann am Ende doch noch ein wenig mehr den Realdarstellungen menschlicher Figuren und Gesichter verpflichtet.

Absolut gigantisch illustriert sind im jedem Fall seine Variaten von VENOM, CARNAGE und selbstverständlich später auch TOXIN. SPIDER-MAN passt sich ebenfalls stark ins Gesamtbild ein. Hier braucht er sich von der Umsetzung nicht hinter den aktuellen Bildern des genannten Kino-Trailers zu verstecken.

Eine Symbiontenhatz der besonderen Art. Bevor VENOM sich aus der Ecke der Superbösewichte und Monster ins Licht von Marvel-EVENTS kämpfte, prallen hier gleich drei Symbionten aufeinander. Starkres Gesamtdesign, tolle Grundstimmung, düster, gruselig, abgründig. WOW! 🙂

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Montag, 19. Juli 2021

DAS SCHICKSAL DER WINCZLAV 1 – VANKO 1848

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:37

DAS SCHICKSAL DER WINCZLAV 1 – VANKO 1848MONTENEGRO im Jahre 1848. VANKO WINCZLAV hat sich in einem kleinen Dorf versteckt, wo er Verletzte versorgte. Solche, die Widerstand gegen die türkischen Besatzer geleistet haben. VANKO wird verraten. Die Häscher sind bereits vor Ort und gefährlich. Doch das Blatt wendet sich. Die Dorfbewohner wehren sich. Eine Tragödie folgt, und Flucht bleibt weiterhin der einzige Ausweg. Mit einer neuen Reisebegleiterin kommt die Gefahr plötzlich von einer anderen Seite, überraschend und ungeplant …

Eine der erfolgreichsten und langlebigsten Comic-Serien im Genre THRILLER der letzten Jahre ist sicherlich LARGO WINCH. Jener junge Mann, der zum Erbe eines Milliardenimperiums wird und fortan auf der großen Bühne der Hochfinanz mitspielt. LARGO WINCH hat seine ganz eigene Vorgeschichte. Seine Familienchronik war bislang ein Geheimnis. Dieses wird nun von JEAN VAN HAMME und PHILIPPE BERTHET gelüftet. Alles beginnt im Jahre 1848 und mit einer Flucht in die Vereinigten Staaten von Amerika. Zu jener Zeit nannte sich der Osten der USA zivilisiert, und der Westen war noch wild.

VANKO WINCZLAV, seines Zeichens ausgebildeter Arzt, kommt mit Nichts in dieses Land. Selbst sein Studium der Medizin wird dort nicht anerkannt. JEAN VAN HAMME beginnt seine SAGA um die Familie WINCZLAV am Nullpunkt einer Existenz. Er nimmt den Leser mit auf die Reise und begleitet ihn bis in die nächste Generation, in der ein VANKO WINCZLAV fast schon wieder in Vergessenheit gerät. Die Familienchronik ist reich an Begebenheiten und Begegnungen. Das liegt allein schon an den vielen Gegensätzen, die in diese Lebensgeschichten einfließen.

Die Geschichte beginnt 1848. In Europa sind bedeutende Umwälzungen im Gange. Im kleinen Montenegro, auf dem Balkan, haben die türkischen Besatzer das Heft in der Hand. Der Titelheld macht sich auf in das, in jenen Tagen, für viele Menschen gelobte Land. Ohne zu ahnen, dass selbst diesem Staat noch ein Bürgerkrieg bevorsteht. Zu Beginn lässt sich JEAN VAN HAMME mit der Erzählung noch Zeit, springt ins Leben seiner Figuren, mitten hinein in einen wichtigen Wendepunkt. Bald wird es etwas sprunghafter, nachdem die Charakterzeichnung sich gefestigt haben. Andernfalls wäre dieser Lebensabschnitt von VANKO WINCZLAV, seinen Söhnen SANDY und MILAN , seiner Frau JENNY und seiner anfänglichen Reisebegleiterin VESKA STOJANOVA in einem (ersten) Band nicht zu erzählen.

Nicht alle Figuren sind die großen strahlenden Helden. Nicht jeder ist mit Stärke und Optimismus bedacht wie vielleicht ein LARGO WINCH. Manche stehen nach Schicksalsschlägen wieder auf (wie ein VANKO WINCZLAV), andere haben Glück und lernen im richtigen Moment die richtigen Leute kennen (wie eine VESKA STOJANOVA). JEAN VAN HAMME verbindet das Schicksal oder den Lebensweg dieser Menschen mit dem Schicksal und dem Weg der Vereinigten Staaten. Namentlich bekannte Unternehmer freuen sich auf den Bürgerkrieg, weil zu diesem Zweck viele Uniformen verkauft werden können. Geld ist der Motor. Nicht nur, aber die stärkste Antriebsfeder der Entwicklung.

Während jedoch später im Osten schon der WILDE WESTEN von gestern ist und ein WILLIAM F. CODY alias BUFFALO BILL mit seiner legendären SHOW tourt und das ÖL im Süden zu enormem Reichtum verhilft, sind den Regierenden und Gierigen im Westen die Indianerstämme immer noch ein Dorn im Auge. Es läuft eine (tiefe) Spaltung durch das Land, ebenso wie durch die Familie WINCZLAV ein Spalt läuft. JEAN VAN HAMME pickt sich anschauliche Stationen aus den diversen Leben heraus. Das ist durchweg spannend, dramatisch, teilweise drastisch. An manchen Stellen anrührend, immer wieder interessant und gut in den historischen Zusammenhang eingebettet, darüber hinaus sehr oft (hat man seine Lieblingsfigur für sich entdeckt) mitreißend.

GRAFIK: Da darf einer nicht vergessen werden (der zu meinen Lieblings-Comiczeichnern gehört, zugegeben)! PHILIPPE BERTHET liefert klare Linien, klare Charakterzeichnungen. Thriller, Krimis und historischen Abenteuergeschichten (2. Weltkrieg) von ihm gab es hierzulande bereits zu lesen. Die Zeichnungen unterstützen den Lesefluss und besitzen eine gewisse Eleganz. Klare Linie ist nicht klare Linie, und PHILIPPE BERTHET ist stilistisch durchaus eigen, sein Wiedererkennungswert eindeutig. Seine Figuren sind etwas verspielt, vielleicht auch leicht lieblich zu nennen. Das Häßliche (sogar wenn es das optisch und charakterlich ist) wird man hier nicht wirklich finden. Besonders wichtig: Seine Bilder ermöglichen einen schnellen Zugang zur Geschichte. JEAN VAN HAMME hat einen tollen Illustratoren für seine Erzählung gefunden.

Der Auftakt einer tollen Familiensaga. DAS SCHICKSAL DER WINCZLAV ist hier eng mit der Geschichte der Vereinigten Staaten verbunden. 13 Jahre vor dem BÜRGERKRIEG erreicht VANK WINCZLAV die USA. Er, seine Familie, ein paar Weggefährten werden dem Land Impulse geben. Besonders in der zweiten Generation. Das ist von JEAN VAN HAMME gut mit den wahren Geschehnissen (und historischen Figuren) in den USA vermischt. Gewohnt fein von PHILIPPE BERTHET illustriert (der hierzulande bereits mit MOTOR CITY, PERICO oder POISON IVY aufgefallen ist). Ein abwechslungsreicher Ritt durch die Jahrzehnte. Filmreif. Klasse! 🙂

DAS SCHICKSAL DER WINCZLAV 1, VANKO 1848: Bei Amazon bestellen.
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Donnerstag, 01. Juli 2021

WÜSTENSKORPIONE 2

Filed under: Abenteuer — Michael um 10:16

WÜSTENSKORPIONE 2Lufthoheit bedeutet, die Macht am Himmel zu besitzen. Ein großes Flugzeug ist noch lange kein Garant für das Überleben, denn grundsätzlich sind viele Jäger des Hasen Tod. In diesem Fall sind es gleich drei Doppeldeckerjagdflugzeuge, die CAPTAIN KOINSKY und seinen Kameraden in ihrer behäbigen Maschine das Leben schwer machen. Ohne Möglichkeit einer realistischen Gegenwehr – einer mit Aussicht auf Erfolg – werden sie zur Landung und in Gefangenschaft gezwungen.

DIE WÜSTE: Diese unwirkliche Landschaft, deren Horizont sich immer weiter zurückzuziehen scheint, je energischer man darauf zuhält, spielt mit ihren Figuren. Sie hält sie gefangen. Sie reduziert sie auf das Wesentliche. Sie legt den Charakter frei. Sie zwingt ihn geradezu, sich zu stellen. DAS FORT IN DANAKIL fordert zum Abenteuer heraus. Waghalsig muss man sein, will man seinen Feinden entkommen, um dann doch am Ende zu realisieren, dass die WÜSTE nur ihre Spielchen mit einem treibt. HUGO PRATT zeigt, wie Männer den letzten Ausweg nutzen. Er zeigt, wie der Wahnsinn umgeht, die einen packt, die anderen zwangsläufig mit sich zieht.

DAS FORT IN DANAKIL ist beinahe eine philosophische Geschichte. Man könnte es leichten Tiefsinn nennen, den HUGO PRATT hier anwendet. Lebenserfahrung, Mitgefühl mit seinen Charakteren, das Wissen um KRIEG und WÜSTE vermengt sich zu einer kuriosen Handlung, die einen CAPTAIN KOINSKY (vormals LEUTNANT) mal zu einem Akteur, mal zu einem wissenden Beobachter macht. Wer die klare Front in diesem KRIEG vermisst, wird als Leser sehr schnell feststellen (ebenso wie CAPTAIN KOINSKY), dass es innerhalb der geschilderten Gemeinschaft des Forts von Minifronten nur so wimmelt. Der KRIEG tobt und fordert auch hier seine Opfer.

DRY MARTIN PARLOR, ein Kammerspiel. HUGO PRATT verengt die Räume und lässt dort die Maskerade seiner Figuren fallen. In diesem Fall ist das sogar wörtlich zu verstehen, denn der spätere GASTGEBER von CAPTAIN KOINSKY, KOMMANDANT FANFULLA, ist an LEPRA erkrankt. Als Charakter ist FANFULLA von einem verzweifelten Humor umgeben, eine traurige Gestalt, die den Leser mitnimmt – immer vorausgesetzt, man lässt sich als Leser auf die Geschichte ein. Und wie so oft bei den WÜSTENSKORPIONEN ist der Tod von KOMMANDANT FANFULLA nur eine der traurigen Absurditäten.

Eine andere, außerordentliche Kuriosität betrifft die Darstellung des KRIEGSGERÄTS. HUGO PRATT orientiert sich hier selbstverständlich ebenfalls an der Realität und präsentiert einen ANSALDO-Panzer. CAPTAIN KOINSKYS Begleiter DE LA MOTTE nennt es einen lustigen Panzer. Als sich das Feuer eines im Fahrzeug installierten FLAMMENWERFERS über ihnen zu ergießen droht, ist das Fahrzeug alles andere als komisch anzuschauen. Und szenisch bekommt es die besondere erzählerische Note, wenn HUGO PRATT andere Figuren sich an der Zerstörungskraft des Feuers ergötzen lässt.

FRAUENGESCHICHTEN. Männer in KRIEGEN haben so etwas. In der Literatur und im Film vermischen sich Romanzen und die Auswüchse des Krieges häufiger mal. Mehrere dieser Geschichten hier drehen sich um ADRIENNE. Der Leser sieht sie nicht, dennoch ist sie ein Angelpunkt der Handlung. Sie verkörpert Sehnsüchte, eine glücklichere Vergangenheit, auch Kriegsmüdigkeit. ADRIENNE hat sich mehreren Männern ins Herz und Hirn gebrannt. Nach einer Weile kommt man als Leser nicht umhin, sich seine eigenen Gedanken um ADRIENNE zu machen. Ein schöner erzählerischer Effekt, den HUGO PRATT hier einsetzt.

Wendungen machen die WÜSTENSKORPIONE interessant und abwechslungsreich. Andere Autoren würden sich mit einer erzwungenen Landung und einer Gefangennahme, dem sich daraus entwickelnden Fluchtwunsch begnügen. Bei HUGO PRATT mündet das Szenario in eine Handlung, die unvorhersehbar abläuft, sich an menschlichen Abgründen und Wahnsinn entlanghangelt. Der Krieg, der schlussendlich doch noch ins Spiel zurückkehrt, reißt DAS FORT IN DANAKIL in die Realität zurück. Träumerischer ist DRY MARTINI PARLOR. Wann wurde zuletzt ein Panzer erschossen? Hier geschieht es und als Leser wundert man sich nicht einmal darüber. Hier lässt es sich mehr als nur zwischen den Zeilen lesen. HUGO PRATTs Geschichten, so auch diese beiden hier, inspirieren, unterhalten, machen nachdenklich. War gut, ist gut! 🙂

WÜSTENSKORPIONE 2, Das Fort in Danakil, Dry Martini Parlor: Bei Amazon bestellen.
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Dienstag, 15. Juni 2021

FEAR AGENT 2

Filed under: SciFi — Michael um 18:48

FEAR AGENT 2Wie konnte ein Mann Welten ins Chaos stürzen? Wie groß müssen Hass und Verzweiflung sein, um aus Rache einen Völkermord zu gehen? HEATH HUSTON war nicht immer der volltrunkene, zynische FEAR AGENT, der zwischen den Planeten unterwegs ist, mit losem Mundwerk und lockerer Knarre. Es gab eine Zeit, da war er nichts weiter als ein irdischer TRUCKER. Er war mit einer Frau verheiratet. Er hatte einen kleinen Sohn. Die Ehe war glücklich. Er verstand sich mit seinem Vater. Und dann kamen die AUSSERIRDISCHEN. Sie machten die Erde zum Schlachtfeld. Sie kämpften gegeneinander und, wie nebenbei, löschten die Menschheit beinahe aus…

Die wenigen Überlebenden rebellieren. Sie suchen einen Weg des Widerstands. Sie suchen Waffen, die dem technisch überlegenen Feind schaden können. Und sie werden fündig. Das vereinfacht den Kampf keineswegs. Es erfordert Mut und Opferbereitschaft, sich dem Gegner zu stellen. Diese Wesen haben nichts menschliches an sich. Während des Kampfes hat HEATH HUSTON Freunde gewonnen und diese sterben sehen. Jegliche Gnade ist aufgebraucht. Und so kommt es, wie es kommen muss…

RICK REMENDER nimmt uns, die LESER, mit zurück zu dem Punkt, an dem alles begann. Der WERDEGANG des späteren FEAR AGENT ist eine HÖLLENFAHRT. Es ist brutal. Lange Zeit scheint jede Gegenwehr aussichtslos. RICK REMENDER erzählt außerst dicht. Aus dem TRUCKER wird ein knallharter GI. Der Autor baut hier keinen einfachen Charakter auf, keinen toughen Cop JOHN MCCLANE, der schon von Berufs wegen für Recht und Ordnung sorgen will. Nein, hier wird ein Mann gänzlich demontiert, bis es nur noch um Selbsterhaltung und die Erhaltung der eigenen Spezies geht. Da alles sonst den Bach runtergegangen ist, fällt die Konzentration auf diesen Kern eines ansonsten zerstörten Lebens einigermaßen leicht.

Und was der Leser an der Seite von HEATH HUSTON (und anderer Charaktere) nicht alles erlebt! Hier greifen natürlich die Comic-Künstler auf gesamter Breite an, mit Zeichnung, Tusche und Farbe. TONY MOORE bestreitet die erste Hälfte von FEAR AGENT 2, JEROME OPENA zeichnet die zweite Hälfte. Beide Künstler kommen technisch einander nahe (macht Sinn, wenn sie mit denselben Figuren arbeiten). Allerdings gibt es Unterschiede. Hier vielleicht sogar mehr als im ersten Band. Als kleineres Fazit lässt sich vorweg nehmen, TONY MOORE zeichnet den cooleren HEATH HUSTON, aber JEROME OPENA hat einen besseren Strich für Monster und Action.

Insgesamt ist die Szenerie reich an Action, Alien-Kontakten, SciFi-Technik. Außerdem kommen im zweiten Teil noch Piraten hinzu. Und man könnte sagen, dass es etwas übernatürlich wird. Das bedeutet für den Leser eine Achterbahnfahrt, die von einem 1950er-JAHRE-HORROR in immer ernstere Schichten gleitet. Hier wird gesplattert, gerast, geschossen. Die Umsetzung von TONY MOORE ist nicht selten schwarzhumorig, wenn es Außerirdischen oder Menschen an den Kragen geht. Hingegen ist bei JEROME OPENA das Endzeit-Feeling größer, der Look düsterer, gruseliger.

FEAR AGENT 2 einfach nur dystopisch zu nennen, wäre untertrieben. Die Story von RICK REMENDER fügt sich in die klassischen SciFi-Szenarien der fünfziger Jahre ein. Damals lockten Filme wie METALUNA VIER ANTWORTET NICHT, KAMPF DER WELTEN, ALARM IM WELTALL oder DIE DÄMONISCHEN die Menschen ins Kino. In späterer Zeit wurden diese Themen, die Menschen im Kampf gegen Außerirdische oder Roboter zeigten, wieder aufgenommen. Teils ernst, satirisch wie in der Romanverfilmung STARSHIP TROOPERS oder ziemlich humoristisch wie in TIM BURTONs MARS ATTACKS! Mit letzterem lässt sich FEAR AGENT 2 am ehesten vergleichen.

Die außerirdischen Kreationen sind abgefahren. Der mit Reißzähnen bewehrte Kopf auf der Titelseite des vorliegenden Sammelbandes gibt einen minimalen Eindruck. Wahre Giganten greifen hier an, SCHLEIMSUPPEN (ähnlich wie der BLOB), riesige Pflanzen, ROBOTER mit organischen Gehirnen… RICK REMENDER macht vor nichts Halt. Und seine beiden Co-Künstler, die Top-Zeichner TONY MOORE und JEROME OPENA, machen ein rasant ablaufendes Fest daraus.

Kultmäßig gestaltet. Nimmt einen stark mit und Band 2 ist sogar ein echter Einsteigerband, da er mit der bislang nicht erzählten (nur angedeuteten) Vorgeschichte des FEAR AGENTS HEATH HUSTON daherkommt. Zwei verschiedene Storylines, die beide prall, dicht erzählt sind. RICK REMENDER ist in großer Erzählerlaune. TONY MOORE und JEROME OPENA sind die perfekten Künstler für die Umsetzung. Gigantisch! 🙂

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Montag, 24. Mai 2021

STRANGE ACADEMY 1 – SCHULE DER MAGIE

Filed under: Superhelden — Michael um 18:18

STRANGE ACADEMY 1 - SCHULE DER MAGIEEMILY BRIGHT hat magische Kräfte. Bereits als Säugling lässt sie Püppchen, Rasseln und Milchfläschchen über ihrem Bettchen schweben. Sehr zur Überraschung ihrer Eltern, die leicht überfordert sind von den zur Schau gestellten Fähigkeiten. Das Mädchen wächst heran und bringt ihren Hundewelpen zum Schweben. Sie wird älter und die Kräfte erhalten eine neue Qualität, werden unberechenbarer, stärker. Etwas muss geschehen. Eine Ausbildung muss her. Möglichkeiten dazu gibt es nur wenige. Und eine davon ist eine Schule namens STRANGE ACADEMY.

Wenn XAVIERS SCHULE FÜR BEGABTE JUGENDLICHE und die HOGWARTS-SCHULE FÜR HEXEREI UND ZAUBEREI ein Kind hätten, dann wäre es die STRANGE ACADEMY, die SCHULE DER MAGIE. Klingt komisch, ist es aber nicht. Eher stellt sich die Frage, warum bisher niemand auf die Idee kam, etwas derartiges im MARVEL-UNIVERSUM zu etablieren, lagen doch alle Möglichkeiten auf der Hand. Autor SCOTTIE YOUNG hat sie jetzt genutzt. DOKTOR STRANGE steht nun einer besonderen Schule vor, in der ganz außerwöhnliche Schüler (noch außergewöhnlicher als sie jemals in XAVIERS SCHULE waren) ihr Handwerk von der Pike an lernen.

Das MARVEL-UNIVERSUM ist in Sachen Magie, Hexerei und Zauberei nicht unbeleckt. Entsprechend finden sich unter den Lehrern der STRANGE ACADEMY auch bekannte Gesichter wie DR. VOODOO, die SCARLET WITCH, HELLSTROM und MAGIK (und mehr). Die Schüler sind illustre Gestalten. DÄMONEN, FEEN, ein FROSTRIESE, ASGARDIANER, ein ZOMBIE, ach ja, und MENSCHLICH sind sie natürlich auch. Und ganz EHRLICH? SO MUSS MAGIE DAHERKOMMEN!!! SCOTTIE YOUNG misst sich auch nicht mit bereits vorhandenen Szenarien. Alles hier ist eigenständig und keinerlei Abklatsch, nicht einmal von XAVIERS SCHULE FÜR BEGABTE JUGENDLICHE.

Als ZEICHNER UND INKER der STRANGE ACADEMY konnte der (nach meiner Ansicht) geniale Comic-Künstler HUMBERTO RAMOS gewonnen werden. Er machte sich hierzulande mit seinen Arbeiten zu SPIDER-MAN (hat hier einen MINI-MINI-GASTAUFTRITT), DIE OFFENBARUNG und ganz besonders mit seiner VAMPIR-SERIE CRIMSON (Großartig!) einen Namen. HUMBERTO RAMOS überzeichnet gerne, obwohl in seinen Bildern auch Realismus zu finden ist. Er hält sich an Perspektiven (macht noch lange nicht jeder Comic-Künstler), liebt es ganz offensichtlich voll und belebt in seinen Grafiken (macht erst recht nicht jeder Comic-Künstler). Er lässt sich auf eine Vielzahl von Figuren inklusive toll ausgearbeiteter Charaktere und Mienenspiel in unterschiedlichsten Situationen ein. Die Bewegungs-Action ist stark, jede Seitenaufteilung toll… KURZUM: HUMBERTO RAMOS IST EIN ECHTER MEISTER SEINES FACHS.

Und was für eine Geschichte dieses Kalibers noch besonders wichtig ist: HUMBERTO RAMOS kann fantastische Kreaturen gestalten. Eingefleischte MARVELIANER sollten nach seiner Interpretation des VENOM Ausschau halten. Denn die ist bloß ein Vorgeschmack auf das, was den Leser hier erwartet. Manchmal braucht es ein Szenario, um einen Zeichner so richtig zu entfesseln. Für HUMBERTO RAMOS ist das die STRANGE ACADEMY.

Der Einstieg in die Serie ist klasse. Die Schüler kommen an ihre neue Schule, der Leser lernt sie allesamt kennen. Das ist gut, das ist schön und ist wirklich nur die Einleitung zu einer Handlung, deren Optik von Seite zu Seite bombastischer wird. Denn natürlich ist die Schule ein magisches Experimentierfeld. Und natürlich bleibt es nicht auf die Schule beschränkt. Da wird es groß, da wird es finster. Käme STRANGE ACADEMY als Streaming-Serie oder Kinofilm daher, hätte ein Heer von Special-Effects-Experten alle Hände voll zu tun. Wer also auf einen überbordenden Look steht, liegt hier genau richtig.

Das hat aber noch einen zweiten Grund (neben HUMBERTO RAMOS) und der heißt EDGAR DELGADO. Der Kolorist liefert nicht einfach nur ein paar Farben ab, er veredelt die ohnehin guten Zeichnungen, so dass aus nahezu jeder Seite ein echter Hingucker wird. Plastisch, tolle Übergänge und gänzlich strahlend. Das Auge kann, darf und soll sich ruhig an jeder Seite festbeißen. Nur keine Eile. Diese Kolorierung will genossen werden!

STRANGE ACADEMY dürfte eine der MARVEL-Serien sein, die sich prima für Kids und Teens eignen. Losgelöst vom sonstigen Drumherum steht die Handlung trotz einiger MARVEL-Prominenz sehr für sich allein. Vorkenntnisse werden keine benötigt. Die Grafik ist dank HUMBERTO RAMOS und EDGAR DELGADO überragend gut, die Story ist dank SCOTTIE YOUNG erfrischend neu, anders, spannend und humorvoll. Das passt alles von der ersten bis zur letzten Seite! TOP!!! (mit drei Ausrufezeichen!) 🙂

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SUPERMAN ACTION COMICS 5 – DAS HAUS VON KENT

Filed under: Superhelden — Michael um 18:10

SUPERMAN ACTION COMICS 5 – DAS HAUS VON KENTCONNER KENT stammt von woanders, ist nicht von hier. Trotzdem erkennen ihn MARTHA und JONATHAN KENT, obwohl er ihnen fremd sein müsste. Das Gefühl ist da, die Freude ist da und CONNER, an den sich selbst SUPERMAN erst einmal gewöhnen muss, ist zweifelsfrei daheim. Es ist ein glücklicher Moment, der genossen werden will, denn die Gefahren warten nur auf die Mitglieder des HAUSES KENT. Bald geraten LOIS LANE und JIMMY OLSEN in LEBENSGEFAHR, für die gleich drei SUPERMEN zu Hilfe eilen…

Endlich hat auch das DC-UNIVERSUM eine FIRST FAMILY! Mit den Jahrzehnten, in denen die Comic-Figuren in den unterschiedlichen Superhelden-Universen Tiefgang und Charakter erhielten, weiteten sich auch familiäre Beziehungen aus. BATMANS verschiedene ROBINS (sowie BATGIRL und andere) wuchsen sich zu einem regelrehten FLEDERMAUS-CLAN aus. SHAZAM konnte Familie und Freunde um sich scharen. Unterschiedliche SUPERMAN-Versionen trafen längst aufeinander, aber ein Familientreffen mit SUPERMAN, zwei verschiedenen SUPERBOY-Varianten und SUPERGIRL (plus Gastauftritt von BRAINIAC 5 und natürlich KRYPTO) das bringt ganz eigene Energien innerhalb des DC-UNIVERSUMS mit sich.

Das große Abenteuer, geschrieben von BRIAN MICHAEL BENDIS, nähert sich seinem Ende mit einem furiosen FINALE. DIE UNSICHTBARE MAFIA setzt dem HAUS VON KENT ziemlich zu. SUPERMAN, dessen Geheimidentität längst kein Geheimnis mehr ist, hat sich nicht nur um einen neuen SUPERBOY zu kümmern (der offensichtlich aus einer anderen Realität stammt), sein eigener Sohn ist außerdem auf Stippvisite (ZURÜCK AUS DER ZUKUNFT). Und weil die Auseinandersetzung mit einem Feind, der nichts unversucht lässt SUPERMAN als Superheld und privat anzugreifen (Das beinhaltet auch den DAILY PLANET.), kommt mit SUPERGRIL Verstärkung zur rechten Zeit.

RED CLOUD, Mitglied der UNSICHTBAREN MAFIA, dürfte eine der Feindinnen sein, die SUPERMAN es richtig, richtig schwer machen. Ein allmächtiger Held muss schon geschwächt sein oder einen ebenbürtigen Gegner präsentiert bekommen, will die Dramatik den Leser packen. RED CLOUD erfüllt letzteres (fast, denn ganz ebenbürtig geht schließlich doch nicht, aber viel will nicht fehlen). Eine Gestalt, die wie eine Variante von CARNAGE (der nette kerl aus dem MARVEL-UNIVERSUM) daherkommt, ist zunächst durch ihre Kräfte schon schwer zu fassen. Selbst das gesamte HAUS VON KENT hat da seine Schwierigkeiten. BRIAN MICHAEL BENDIS schaukelt die verschiedenen Begegnungen und Auftritte mit und von RED CLOUD sehr stark auf, bis die Lage komplett eskaliert.

Dabei handelt es sich nur um einen der Erzählstränge in DAS HAUS VON KENT. Wer hätte gedacht, dass der DAILY PLANET vor dem Untergang stehen könnte. Involviert ist eine Verbrechensorganisation, später das FBI und noch einen Schritt weiter, betritt ein Retter der Zeitung die Bühne, den aus dieser Ecke keiner hat kommen sehen. Das ist eine augenzwinkernde Überraschung von BRIAN MICHAEL BENDIS (und von der auftretenden Figur selbst mit einem einigem Unglauben vorgebracht).

Zeichnerlegenden gibt es einige, doch nur wenige haben zugleich eine Zeichnerlegende zum Vater. JOHN ROMITA JR. ist einer dieser Wenigen. Sohn von JOHN ROMITA (einem der Urgesteine der glorreichen MARVEL-Zeiten), selbst lange Jahre bei MARVEL (in diversen Serien und mit verschiedensten Charakteren aktiv), erfolgreich mit KICK-ASS, zeichnet hier für DC und verleiht dem STÄHLERNEN und dessen Umfeld eine ganz neue Optik und Dynamik. JOHN ROMITA JR. steht für einen Comic-Realismus. Er zeichnet stilistisch eigen, und seine häufige Zusammenarbeit mit INKER KLAUS JANSON haben seinen Arbeiten einen hohen Wiedererkennungswert eingebracht. Zeichnungen von JOHN ROMITA JR. erkennt man sofort.

JOHN ROMITA JR.s Zeichnungen darf man eigentlich nicht reduziert nennen, denn sie sind konzentriert auf den Kern. Abschweifungen gibt es nicht, kein Verlieren in unnötigen Nebenschauplätzen oder Hintergründen. Skizzenhaft einerseits, klar andererseits. Seine Gesichter sind für Figuren durchaus austauschbar, etwas puppenhaft, aber wenn man einmal einen Narren an den Bildern gefressen hat (habe ich!), dann stört das nicht, im Gegenteil. Die Bilder gehören zu der Sorte, die den Leser mitziehen. Wer mag, kann verweilen, aber eher laden sie ein, dem Strom der Bilder filmisch zu folgen.

Ja, man kann den 5. und letzten Teil der SUPERMAN-SAGA von BRIAN MICHAEL BENDIS für sich alleine lesen. Besser ist es allerdings den Weg bis hierhin verfolgt zu haben. Neben starker SUPERHELDEN-ACTION finden sich MYSTERY- und THRILLER-ELEMENTE in DAS HAUS VON KENT. So darf SUPERMAN öfter auftreten! Pralles Abenteuer auf über 180 Seiten! Top!🙂

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Montag, 03. Mai 2021

ISOLA – BAND 2

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:04

ISOLA - BAND 2Die magische Reise von KÖNIGIN OLWYN und CAPTAIN ROOK geht weiter. ROOK betrachtet es weiterhin als ihre Aufgabe, die verzauberte KÖNIGON OLWYN zu beschützen. OLWYN hat sich in einen dunklen TIGER mit leuchtend blauen Streifen verwandelt. So weit, so verwunschen. Die Welt von ISOLA meint es nicht gut mit seinen Bewohnern, am wenigsten mit solchen, die heimatlos und besitzlos umherstreifen. OLWYN und ROOK finden kurzzeitig freundliche Aufnahme, machen sich jedoch bald wieder auf die Reise.

So ließe sich annehmen, dass den beiden ungleichen Gefährten auch ein weiteres Mal Glück beschieden ist. Weit gefehlt. Damit ist die Strähne vorüber. OLWYN und ROOK (insbesondere sie) machen einen großen Schritt Richtung Verderben. Denn sie haben eine Begegnung mit einer Frau, die nur vordergründig helfen will. Zu diesem Zeitpunkt verändert sich der Lauf der Handlung völlig. Aus einer furchtsamen Reise voller Entbehrungen wird ein Psychodrama, Magie inklusive, aber teilweise aus einer Perspektive, die zumindest für CAPTAIN ROOK ein wenig Sicherheit verspricht.

BRENDEN FLETCHER und KARL KERSCHL, die beiden Autoren von ISOLA, wandeln auf den Spuren von HÄNSEL UND GRETEL (Märchen allgemein) sowie CONAN. Im Kern geht es um die Hexenbegegnungen der Geschwister sowie des Barbaren. Beides wirkt zunächst einladend, friedlich und ist doch nichts anderes als eine geschickt eingefädelte Falle von jemandem, der sein einmal eingewickeltes Opfer nicht mehr ziehen lassen will. Aus unterschiedlichsten Gründen. Hier kommt das Psychodrama ins Spiel. Denn nicht jede HEXE hat schlichte Motive wie einen abartigen Hunger am Start. BRENDEN FLETCHER und KARL KERSCHL haben das Grundthema für ihre Zwecke konsequent weiterentwickelt, es dichter gesponnen, noch packender und, aus Sicht der Akteure, auswegloser.

In der ersten Hälfte, die übrigens auch den Neueinsteiger in die Geschichte mitnimmt, lernt man als Leser die Welt von ISOLA etwas besser kennen. Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung sind verbreitete Gefühle und werden nicht nur von KÖNIGIN OLWYN und CAPTAIN ROOK verinnerlicht. Verwandlungen sorgen für Leid (somit ist die KÖNIGIN als verzauberter TIGER nicht alleine mit ihrem Schicksal). Lebensfreundliche Gefilde sind schwer zu finden in einem Umfeld aus Halluzinationen und Lügen.

KARL KERSCHL ist nicht nur Autor, er ist auch als Zeichner an Bord. Im Verbund mit MSASSYK ist außerdem die Kolorierung entstanden. Neben einer ungewöhnlich aufgebauten Fantasy-Geschichte, die sich zwar einiger gängiger Bruchstücke des Genres bedient, darüber hinaus andere Wege beschreitet, ist der andere herausragende Aspekt die grafische Gestaltung von ISOLA.

Die Optik bietet Stimmungen, die sich toll auf den Leser übertragen und so wortlos Teile der Geschichte beisteuern. Dazu gehören selbstverständlich die Gefühle der beiden HELDINNEN, die Einsamkeit verschiedener Gegenden, sogar der Wahnsinn der GEGENSPIELERIN. Stilistisch ist KARL KERSCHLS Strich zwischen Anime und Disney-Look einzuordnen. Er beherrscht den Trick, etwas putzig aussehen zu lassen, ebenso wie einen starken Realismus mit höchst individuellen Zügen seiner Charaktere. All das lässt er in CAPTAIN ROOK wirken. Eine junge Frau, die tough und verletzlich gleichermaßen über die gesamte Länge daher kommt. Situationen für unterschiedlichste Gefühle gibt es reichlich.

Eine überaus plastische Kolorierung macht aus ISOLA ein regelrechtes Kinoerlebnis. Outlines werden weitestgehend vorne klassisch in schwarz gesetzt. In den Hintergründen sind sie meist Ton in Ton ausgeführt. So entsteht ein Kulisseneindruck. Unschärfe hier und dort, natürlich eine deutliche Reduzierung von Details verstärken die Plastizität. ROOK und OLWYN bewegen sich hauptsächlich durch die Natur: Felsenkulissen, Wald, einfache Landschaften, eine Hütte, ein Schuppen. Sonstige Umgebungen, wie sie aus der klassischen High-Fantasy her bekannt sein mögen, gibt es hier nicht. (Und man vermisst sie auch nicht.) Die Blickführung des Lesers ist ruhig und konzentriert auf ein jeweils bestimmtes Bild. Je gewichtiger eine Szene, umso größer das Bild, manchmal sogar eine komplette Seite.

Frauen haben hier das Sagen. Männer sind in dieser Geschichte nebensächlich, austauschbar. Man vermisst in dieser Fantasy den typischen Haudrauf oder Zauberer nicht. Gewalt existiert, wird aber nicht ausgewalzt. Nicht selten wird es der Fantasie des Lesers überlassen, darüber, was geschehen könnte (oder geschehen wird). Statt es zu sehen, erlebt der Leser, wie ROOK oder OLWYN darauf regieren.

Starke Fortsetzung. Ein Fantasy-Abenteuer mit Fokus auf zwei Frauen in einer Fluchtsituation. Immer nah dran, gefühlvoll und gleichzeitig spannend erzählt. Überragend illustriert von KARL KERSCHL und MSASSYK, ein Fest fürs Auge! Sahne! 🙂

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Donnerstag, 22. April 2021

PARKER MARTINI EDITION 1

Filed under: Thriller — Michael um 17:30

PARKER MARTINI EDITION 1In seinem Herzen ist PARKER ein Einzelgänger. Von einer Frau betrogen worden zu sein, kratzt kaum an seinem Ego, mehr an seinem Selbstverständnis als Profi. Er ist ein Profiverbrecher. Er lebt davon. Er raubt, stiehlt, hin und wieder tötet er. Um sein Leben zu bestreiten. Mehr nicht. Keine überflüssigen Gewissensbisse. Nur die oder ich. Dazwischen gibt es nichts anderes. Mit ein paar Leuten kann er gut zusammenarbeiten. Mit anderen überhaupt nicht. Wer ihn als Einzelgänger für einen unbedeutenden, leicht zu beseitigenden Typ hält, kann sehr leicht einen gefährlichen Irrtum aufsitzen. PARKER agiert wie eine Maschine, geduldig, unaufhaltsam, diszipliniert und gelangt über kurz oder lang an sein Ziel …

Da ist sie also sie also, die 1. Ausgabe der PARKER MARTINI EDITION. Das bedeutet für echte Thrillerfans großformatige satte 364 Seiten Spannung, nach den Romanvorlagen von Bestsellerautor RICHARD STARK (Pseudonym von DONALD WESTLAKE), für den Comic konzipiert und inszeniert von Comic-Star DARWYN COOKE. Der leider zu früh verstorbene Künstler erlangte durch seine Storyboard-Arbeiten zu den Animationsserien BATMAN, SUPERMAN und BATMAN OF THE FUTURE (in den 1990ern) viel Know-how für seine späteren Arbeiten im Medium Comic. Entsprechend fällt sein Stil aus. Angelehnt an den Strich jener Animationsserien und von höchstem Wiedererkennungswert gestaltete er seine Comicumsetzungen, so auch von der berühmten Romanfigur des Gangsters PARKER.

Von den 24 Romanen, in denen PARKER die Hauptrolle spielt, hat sich DARWYN COOKE ein paar ausgesucht und adaptiert. Darunter natürlich auch den ersten und berühmtesten Auftritt des Gangsters in der Geschichte THE HUNTER. Und wie beginnt PARKERS Geschichte? Er wurde hereingelegt und zu Beginn sieht er so gar nicht nach einem Profi aus, der sich nicht aufs Kreuz legen lässt.

DARWYN COOKE begibt sich mit PARKER in die frühen 1960er Jahre, mitten hinein in die VEREINIGTEN STAATEN. Noch lassen sich Raubdelikte mit kleinen Teams durchziehen. Über allem zieht ein Syndikat landesweit die Fäden. Die Umsetzung der Geschichten THE HUNTER, PARKERS RACHE, DIE GORILLAS und DER AMATEUR atmet Atmosphäre. Das hängt zu weiten Teilen mit der Stilistik zusammen, die DARWYN COOKE für die Adaption der Thriller gewählt hat.

Wer schon einmal einen Blick in jene erwähnten Animationsserien geworfen hat, kennt den etwas puppenhaften Stil der Figuren. Harte Kerle sind kantig (meist mit markantem Kinn), Frauen wirken wie eine verzwergte Comic-Ausgabe von MARYLIN MONROE und andere Figuren wiederum entsprechen meist ihren charakterlichen Merkmalen. Zum Beispiel wird ein wieseliger Halunke ohne Rückgrat leicht erkennbar sein. Der Strich ist skizzenhaft, flüchtig. Zum schwarzen Strich gesellt sich bloß eine Kontrastfarbe, die je nach Story variiert. DARWYN COOKE arbeitet mit Eindrücken, im besten Sinne einer Graphic Novel, versetzt den Betrachter in eine Zeugenfunktion, der eine Szene schnell erfassen muss und präsentiert auch nur das, was er unbedingt sehen soll.

Helles Blaugrau, blasses Ocker, kräftigeres Orange oder kühles, dunkles Blau setzen Akzente. In Rückblicken, sofern vorhanden (nicht oft), wird die verwendete Farbe gerastert. Technisch scheinbar einfach, aber stets mit einem Blick für eine filmische Umsetzung inszeniert (hier kommt zweifellos DARWYN COOKES Erfahrung als Storyboard-Artist zum Einsatz). Darüber hinaus stellt sich die Wirkung eines TV-Movies ein. Die Seitenverhältnisse der Bilder variieren zwar stark, dennoch mag man, ist man als Leser einmal in den Sog der Story geraten, glauben, einem Thriller in klassischem 4:3 gegenüber zu stehen.

PARKERS LEBEN: Ein Leitfaden für Gangster. Allerdings in einem vergangenen Jahrzehnt. Heute agieren Gangster mit digitalen Mitteln, um ihre Aktivitäten zu verschleiern (zumindest in Thrillern), damals ließ sich das System einfacher umgehen (wie PARKER zeigt). Und mehr noch. Einer der nettesten Nebenschauplätze ist der WÖCHENTLICHE KRIMINALANZEIGER, in dem, in wechselnden Techniken, gezeigt und erzählt wird, wie PARKERS KUMPEL das SYNDIKAT leimen. Geschichten in der Geschichte, sehr unterhaltsam, sehr kurzweilig, eine gelungene Überleitung, ehe es wieder knallhart zur Sache geht. Frei nach dem Motto LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG.

DARWYN COOKE, der, das darf nicht vergessen werden, nach der Vorlage von RICHARD STARK arbeitet, muss sich dem Tempo der Romane und Stories anpassen. Dieses Tempo ist exzellent, mit stoischer Präzision wie seine Hauptfigur, obwohl diese nicht immer präsent ist. Manchmal schweift die Handlung von PARKERS Spuren ab und verweilt bei seinen Gegnern (die alles daran setzen, diesen Quälgeist loszuwerden). DARWYN COOKES Bilder sind stilistisch eigen einerseits, aber andererseits auch dazu gemacht, die Düsternis der us-amerikanischen Unterwelt einzufangen, die so gar nichts von den berühmten SWINGING SIXTIES hat. Diese Anspannung einer überaus gewalttätigen Welt unter einer Oberfläche einer sich wandelnden Zeit wächst über die gesamte Länge des vorliegenden Bandes stetig an.

THRILLER-GRAPHIC-NOVELS von zwei Meistern ihres Fachs. DARWYN COOKE hat sich ein paar Geschichten über den Gangster PARKER von Bestseller-Autor RICHARD STARK (Pseudonym von DONALD WESTLAKE) ausgesucht und diese in seinem ganz eigenen Stil ins Medium Comic transportiert. Niemand sollte sich von DARWYN COOKES Werdegang (vom Animationsfilm her zum Comic-Profi gelangt) täuschen lassen. PARKER, hier in der besonderen MARTINI EDITION, ist für Erwachsene geschrieben und ebenfalls gezeichnet. Das Ergebnis ist von großer Intensität, bildhaft und erzählerisch. Ein Wortspiel zum Schluss: STARK! 🙂

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Dienstag, 30. März 2021

BOUNCER – GESAMTAUSGABE 4

Filed under: Abenteuer — Michael um 12:04

BOUNCER GESAMTAUSGABE 4Rache und Gerechtigkeit sind schwierige Geschäfte. BOUNCER hat allen Grund, beides zu wollen. Aber er lässt seine dunklere Seite nicht übernehmen und setzt auf Gerechtigkeit. Er muss einen Mörder festnehmen. SAKAJAWEA wurde umgebracht. PRETTY JOHN tötete sie vor Zeugen. Aus reiner Wut über ihre Worte zog er einen Degen und stach sie nieder. BOUNCER, ein guter Freund, war nicht zur Stelle, um SAKAJAWEA zu beschützen. Der einarmige Mann saß stockbesoffen bei einem Pokerspiel, als ihn die Nachricht vom Tod SAKAJAWEAS erreichte. Und er war immer noch stockbesoffen, als er es schließlich zum Tatort, im ehemals belebten Saloon, schaffte. Dann entschied er sich dazu, den Mörder dingfest zu machen. Diese Entscheidung führt BOUNCER einmal mehr TO HELL … AND BACK!

Die 4. GESAMTAUSGABE von BOUNCER hat es in sich. Die hier vereinten beiden Alben, TO HELL… und …AND BACK (so die Titel), führen BOUNCER tatsächlich in einen Höllenpfuhl und, zur Freude der Fans der Reihe, auch wieder zurück. Doch dazwischen hat Erzähler ALEJANDRO JODOROWSKY ein Szenario kreiert, das wieder (muss man sagen) in die finstersten menschlichen Abgründe hinab rutscht. ALEJANDRO JODOROWSKY hat sich mit vielen Abgründen beschäftigt. Darin hat er, was den Einfallseichtum solcher Szenarien angeht, sogar eine gewisse Meisterschaft entwickelt. Geschichten von ihm gibt es reichlich und so ist es nicht gerade leicht, die eigenen Schauermärchen noch zu toppen. Aber es gelingt ihm.

Darüber hinaus existieren kleine Nebenhandlungen. Diese sind nicht kaum weniger beeindruckend. ALEJANDRO JODOROWSKY beginnt die Handlung mit einem Nebenstrang, der, zuerst fast nicht erkennbar, eine ansonsten im wahrsten Sinne mitlaufende Figur in den verdienten Mittelpunkt rückt. MOCHO, BOUNCERS dreibeiniger Hund, rettet seinem Herrchen das Leben. Die ausgezehrte Figur des Hundes tauchte bereits öfter in den WESTERNABENTEUERN auf und erinnert manchmal an ALEJANDRO JOROWSKYS Realversion eines RANTANPLAN. MOCHO wird zum Helden eines Abenteuers im Gebirgsschnee. Höchst spannend und könnte auch so von einem klassischen WESTERNAUTOREN (wie LOUIS L’AMOUR oder ZANE GREY) erzählt worden sein. Angesichts von MOCHOS Konstitution fehlt auch hier der satirische Biss von ALEJANDRO JODOROWSKY nicht.

Diese Episode ist allenfalls eine VORHÖLLE, bevor der eigentliche Trip beginnt. Das eigentliche Ziel ist ein GEFÄNGNIS im Nirgendwo. Längst haben Finsterlinge die Regie über die Haftanstalt übernommen. Längst ist dies ein Platz, der die Bezeichnung HÖLLE AUF ERDEN redlich verdient hat. Und genau aus diesem Pfuhl will BOUNCER einen Mörder abholen und seiner gerechten Strafe zuführen. Aber die Geschichten von ALEJANDRO JODOROWSKY und FRANCOIS BOUCQ sind nicht dafür bekannt, dass sie es ihrem HELDEN leicht machen. Und diesmal erst recht nicht.

Gewalt zum Vergnügen, sexuelle Ausschweifungen (manchmal geht beides Hand in Hand) gehören nicht selten zum Repertoire von ALEJANDRO JODOROWSKY. Wer das vom Autor kennt, erlebt keine Überraschungen. Allerdings variiert die Form, die Art und Weise, wie damit umgegangen wird. PRETTY JOHN, derjenige, der einer gerechten Strafe zugeführt werden soll, ist ein Vertreter der Sorte, in der sich solche Kernthemen ALEJANDRO JODOROWSKYS vereinen. Obwohl er gefährlich ist, hat er nicht die erforderliche Macht, sich selbst zu schützen. Die eigentlich Mächtigen sind ganz woanders zu finden. ALEJANDRO JODOROWSKY baut dieses Hindernis für BOUNCER besonders in der zweiten Hälfte des vorliegenden Abenteuers stark aus.

Verschiedene Settings geben FRANCOIS BOUCQ allerhand zu tun. Ist es in der ersten Hälfte die typische Westernstadt mit ihrem Saloon und ein verschneites Gebirge, dominiert in der zweiten Hälfte das Gefängnis wie eine mittelalterliche Trutzburg (Kerker inklusive) und eine von der glühenden Sonne überflutete Steinwüste. Das Licht ist so grell, dass BOUNCER und Konsorten mit einem Lichtschutz agieren müssen, ehe mit nächtlichen Szenen sich die Augen der Protagonisten entspannen und die Spannung einer Fluchtsequenz für den Leser noch weiter getrieben wird.

ALEJANDRO JODOROWSKY und FRANCOIS BOUCQ beherrschen ihr Metier einfach. Mit ihnen kann der WILDE WESTEN absurd sein oder total ernsthaft das wahre Leben jener entbehrungsreichen Zeit nach dem amerikanischen Bürgerkrieg. Ein Funken Wahnsinn (oder mehr) beherrscht die Feinde von BOUNCER auch in diesem Band. Bei allem Widerstand finden sich Freunde in einer grausamen Auseinandersetzung, die im Ergebnis nur eines kennt: den Tod der einen oder anderen Seite. In bester Westernmanier erzählt, wie stets genial von FRANCOIS BOUCQ illustriert! Klasse! 🙂

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Dienstag, 23. März 2021

DER KILLER – SECRET AGENDA – 2. DIRETTISSIMA

Filed under: Thriller — Michael um 12:28

DER KILLER – SECRET AGENDA – 2. DIRETTISSIMADie Zeiten ändern sich. Der Weg des KILLERS führte aus Frankreich heraus in die weite Welt, wo sich der Auftragsmörder in wärmeren Regionen des Erdballs einnistete und die damit einhergehende Exotik genoss. Nun ist er wieder zurück im alten Frankreich. Unfreiwillig. In einer Art legalem Auftrag. Unter einer Tarnidentität lebt er wie ein ganz normaler Bürger und erledigt in einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter kleine Fische des organisierten Verbrechens. DER KILLER ist zu einem Laufburschen geworden. Er hat keine andere Wahl. Die Strategie trägt unerwartete Früchte. Plötzlich geht es nicht mehr nur um Drogenhandel …

Autor MATZ und sein Kollege, der Zeichner LUC JACAMON, treiben den neuen Zyklus SECRET AGENDA aus der Reihe DER KILLER voran. Geradlinig, deutlich düsterer als der letzte Mehrteiler präsentiert sich SECRET AGENDA. Hochfinanz und Antipathien unter Geheimdiensten und Kartellen spielen hier keine Rolle. Die Handlung ist handfest, auf realen Hintergründen aufgebaut und zeichnen ein gruseliges Bild des modernen Frankreich.

Unter einer oberflächlichen Kruste gärt es, stets sinnig vom KILLER kommentiert. Diejenigen in den Schatten beobachten beiden Seiten, weit über und unter der Oberfläche und registrieren, wie sehr sich diese (eigentlich) Gegensätze vor den blinden Augen und der Machtlosigkeit der Öffentlichkeit einander annähern. MATZ beschreibt seine (ANTI-)Helden in einer wankenden Position. Zum Zusehen befohlen, hat zumindest einer von ihnen bereits eine andere Idee, wie einer Lösung des Problems Herr zu werden wäre. Das kommt nur leider nicht in Frage.

DER KILLER verfolgt das Geschehen auf seine philosophierende Art und man kann ebenso behaupten, dass er einigermaßen amüsiert ist. Unterschwellig schwingt der Wunsch mit, nach Ablauf seiner Arbeit schnellstens wieder nach Hause zurückzukehren. Zumindest in exotische Gefilde, die ihm lieber geworden sind, als das düstere Frankreich. MATZ arbeitet mit einem Trick, vergleicht man die bisherigen Ereignisse im Zyklus SECRET AGENDA mit den Rest der Reihe. DER KILLER muss Zuschauen. Verantwortung wird ihm abgenommen, Entscheidungen sowieso. Und zum guten Schluss (wahrscheinlich aus seiner Sicht) sind jene, deren Aktionen er beobachten muss, nicht einmal in seiner Liga. Der Killer bewegte sich international, tötete teils mit chirurgischer Präzision. Hier morden die Leute brachial, gebärdet sich besonders eine Figur (aus Sicht des Lesers) fast komödiantisch (so wie es nachträglich immer ist, wenn dunkle Machenschaften ans Licht kommen).

Weil alles so normal ist, gestaltet Zeichner LUC JACAMON viele normale Alltagsszenen, die sich einem freundlichen Tageslicht abspielen. Szenen bei der Büroarbeit, in einer Fußgängerzone. Bei der After-Work-Party wird das Licht rötlich. Normale Menschen lassen sich gehen, feiern. Demgegenüber steht das mörderische Treiben in der düsterer, blaugrauer Nacht und der Übergang zu einem Massaker in der Dämmerung. Bis beides aufeinandertrifft. Dunkle Welt und lichte Welt. Und die Schießereien und Lügen auch bei Tageslicht zu hören und zu sehen sind. Ob es absichtlich so durchkomponiert ist oder nicht, es wirkt und es hat den Anschein, als ob sich das Unheil langsam einen Weg in Richtung KILLER bahnt und eine Konfrontation in naher Zukunft unausweichlich ist.

LUC JACAMON ist ein Comic-Künstler, der eindeutig identifizierbare Charaktere kreiert (nein, das ist nicht selbstverständlich). Es macht Spaß, diese kennenzulernen und zu sehen, wie sie in Szenen aufeinandertreffen (mehr soll nicht verraten werden). Interessant auch zu sehen, wie sich DER KILLER in seine Doppelrolle einfügt, Auftragskiller und Tarnidentität, und sich in beiden ein Lächeln abringen kann. In einem Gesicht, das sich fortwährend hinter einer getönten Brille versteckt und ernst bleibt, fällt das sofort auf.

Ein französischer Thriller (siehe auch Rezension zu Teil 1), das ist fast schon eine Genre-Bezeichnung. Die Handlung, angesiedelt in ihrem Mutterland, ist mit einer schönen Kühle erzählt, trotzdem ist der Leser nah an den Figuren. Die Zeichnungen von LUC JACAMON sind mit reichlich Realismus versehen und gewohnt versiert zu Papier gebracht. Prima (aber die Kenntnis des ersten Teils ist Pflicht). 🙂

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