Zum Inhalt springen


Comic Blog


Samstag, 09. September 2017

SPYNEST – MISSION 1: BIRDWATCHERS

Filed under: Thriller — Michael um 17:37

SPYNEST - MISSION 1: BIRDWATCHERSGefangen, aber auf angenehme Art. IAN FLEMING wartet auf sein Verhör. Die Agentin TERRYIONA CROW hat eher zufällig die Gelegenheit, seine Befreiung zu arrangieren. Zuvor jedoch gibt es noch eine Kleinigkeit zu erledigen. Sehr zur Freude von IAN FLEMING, der daraufhin einer ungewöhnlichen Schlägerei beiwohnt. Das aus männlicher Sicht amüsante Zwischenspiel währt nicht lange, denn die Zeit drängt und die Nacht läuft den Beteiligten, Freund wie Feind, davon. Wenn der Auftrag erfüllt werden soll, dann bald. Ansonsten wird es zu spät sein …

Bevor es den berühmten Geheimagenten seiner Majestät gab, gab es einen ehemaligen Mann des englischen Marine-Nachrichtendienstes namens IAN FLEMING. Dieser Gentleman war nicht gleich zu Beginn seines Lebens ein berühmter Schriftsteller. Zuvor hatte er eine Karriere, die ihn mit ihren Erlebnissen erst dazu befähigte, sich entsprechende geheimdienstliche Abenteuer auszudenken. JEAN-LUC SALA nimmt sich die wahre Geschichte eines der berühmtesten Autoren weltweit vor und setzt ihn in ein etwas fiktiveres und fantastischeres Szenario.

1952, der Krieg ist seit einigen Jahren vorüber und IAN FLEMING ist auf Jamaica im Ruhestand. Und es ist zu ruhig! Zwangsläufig kommen die Erinnerungen an alte Zeiten hoch, als das Leben noch aufregend war. MISSION 1: BIRDWATCHERS führt IAN FLEMING zurück ins Jahr 1940 ins von Deutschland besetzte Frankreich, genauer nach Paris. Dieses Szenario könnte einem QUENTIN TARANTINO eingefallen sein, weil er eine Mixtur aus DAS DRECKIGE DUTZEND und GOLDFINGER drehen wollte.

Der Wahnsinn auf deutscher Seite hat Methode, ist überdreht, monströs, ähnlich wie in frühen DANGER-GIRLS-Episoden oder wie in HELLBOY in Form eines KARL RUPRECHT KROENEN. Eindrücke gibt es auf dem Titelbild im Hintergrund zu sehen. Maskiert, halb Mensch, halb Maschine, außerdem optisch ungefähr zwei Meter groß, also eine typische BOND-Gegner-Figur der verrückteren BOND-Jahre mit ROGER MOORE in der Rolle des 007. Es geht um geheime Waffen. Alle wollen sie haben. Briten, Amerikaner und natürlich die Russen.

Neben IAN FLEMING agiert TERRYIONA CROW im Mittelpunkt, amerikanische Agentin und deutlich versierter als ihr britischer Kollege. Wie es sich gehört, ist Agentin CROW eine Sexbombe in bester BOND-Manier, Marke BARBARA BACH, um in den ROGER-MOORE-Jahren zu bleiben. Allerdings hat sich aus moderneren Zeiten noch eine Prise LARA CROFT beigemengt, eben als Frauen richtig zuzuschlagen lernten. CHRISTOPHE ALLIEL zeichnet mit exaktem Realismus Figuren und Technik, übertreibt hier und dort etwas bei den Gesichtern. IAN FLEMING selbst besitzt nicht das markante Äußere aus Riege der BOND-Darsteller. Hier folgt CHRISTOPHE ALLIEL dem realen Vorbild in Teilen.

JEAN-LUC SALA erzählt eine schnelle Geschichte. Eine Nacht lang macht sich ein sehr ungleiches Agententeam auf die Hatz nach WUNDERWAFFEN, jenen legendären Fantastereien, die heute noch die die Fantasie mancher Autoren beflügeln und den Alliierten im II. Weltkrieg Sorgen bereiteten. Das nächtliche Paris, im zweiten Teil eine lange finale Action-Sequenz werden von CHRISTOPHE ALLIEL und dem Koloristen SIMON CHAMPELOVIER wirklich großartig in Szene gesetzt. Hier kennt jemand sein Genrekino, seine Bildeinstellungen und Perspektiven. Das ist perfekt inszeniert und es macht Spaß, ein paar kleine, originelle Gadgets zu entdecken.

Deutlich mehr Humor, als IAN FLEMING seinem späteren Geheimagenten erlaubte, mindestens ebenso viel Action, Frauen sowieso, im II. Weltkrieg angesiedelt und wie an einer Perlenschnur rasant erzählt. Zeichner CHRISTOPHE ALLIEL arbeitet technisch perfekt und illustriert eine knallende Finalsequenz, wie sie natürlich auch dem weitaus bekannteren Agenten gut zu Gesicht stehen würde. Thriller mit Augenzwinkern! 🙂

SPYNEST, MISSION 1, BIRDWATCHERS: Bei Amazon bestellen.

Mittwoch, 06. September 2017

NOVA – MEGABAND 1 – FAMILIENZUSAMMENFÜHRUNG

Filed under: Superhelden — Michael um 17:22

NOVA - MEGABAND 1 - FamilienzusammenführungWie der Vater, so der Sohn. Der Vater ist ein bekannter Held. Als NOVA sorgte JESSE im Weltall für Ordnung, rettete so manches Lebewesen. Sein Markenzeichen ist sein goldener Helm. SAM allerdings, sein Sohn und ebenfalls ein Nova, trägt den weitaus selteneren schwarzen Helm der NOVAS. Gegenstände mit Seltenheitswert, besonders, wenn sie darüber hinaus ziemlich einzigartig in der Galaxis sind, wecken Begehrlichkeiten. Es dauert nicht lange und Sam hat neben seinem normalen Alltag als Highschool-Schüler und Superheld noch viel ernstere Schwierigkeiten zu bewältigen …

NOVA ist für das MARVEL-Universum eines der Bindeglieder von Erdabenteuern zum Weltraumgeschehen neben so legendären Gestalten wie dem SILVER SURFER oder auch dem BEOBACHTER. MARVEL-Helden hat es oft ins Wetall verschlagen, aber nur wenige sind dort wirklich zuhause, wie eben NOVA. Doch diese Zeit scheint nun erst einmal zu den Akten gelegt, denn im vorliegenden MEGABAND lautet die Überschrift FAMILIENZUSAMMENFÜHRUNG.

SEAN RYAN führt als Autor mit dieser mehrteiligen, hier zusammengefassten Geschichte die Verjüngung und die fortwährenden Veränderungen des MARVEL-Universums fort. Galt SPIDER-MAN einst als Standardjugendlicher und ewiger Schüler (der dann doch irgendwann erwachsen werden musste und auf die Lehrerseite wechselte), haben sich die Kids deutlich in den Superheldenabenteuern vermehrt, nicht zuletzt durch Superheldenschulen wie bei den X-MEN. Und was läge näher, als einen neuen Helden an die Seite eines anderen zu stellen, der bereits über etwas mehr Erfahrung auf dem Gebiet verfügt und doch irgendwie von außerhalb kommt?

So gelangt der Leser in den Genuss eines TEAM-UPS von NOVA, MS. MARVEL und dem neuen SPIDER-MAN alias MILES MORALES. Mehr noch: In einer tollen Episode wird an ein denkwürdiges Ereignis des MARVEL-Universums erinnert. Die FANTASTIC 4 schufen mit dem ersten Aufeinandertreffen mit dem MOLE MAN für einen gerne zitierten Meilenstein der MARVEL-Titelbilder. NOVA und seine jungen Kollegen gehen noch näher als andere zuvor in diese Situation hinein. SEAN RYAN bricht die Situation im unerwarteten Moment ab. Gleich darauf wartet er mit einer Überraschung auf. Der MEGABAND ist nicht umsonst mit FAMILIENZUSAMMENFÜHRUNG betitelt. Auch andere Väter haben Söhne …

CORY SMITH ist der geniale Zeichner, der hier in der kompletten US-Serienzusammenfassung die ersten Abenteuer grafisch umsetzt. Er gehört zu einer Riege von Perfektionisten. Wer MARVEL-Zeichner wie STUART IMMONEN oder MARK BAGLEY mag und kennt, wird feststellen, dass CORY SMITH zu den Künstlern gehört, die besonders gut Teenager-Szenarien zu gestalten vermögen. In gewissem Sinne ist NOVA ein Szenario, das zurück zu den Wurzeln führt. Ähnlich wie es MARK BAGLEY mit dem ULTIMATIVEN SPIDER-MAN erging, nämlich einen jugendlichen Neustart hinzulegen, schafft es auch CORY SMITH in Actionszenen wie auch in familiären und schulischen Sequenzen den amerikanischen Teenager ins beste Licht zu setzen.

Schule als Actionspielplatz, der Weltraum für das große Abenteuer: Hier lassen sich natürlich Parallelen zu SPIDER-MAN finden. Auch muss der neue Held herausfinden, wo die Kräfte herstammen, ob es sich lohnt ein Held zu sein, noch dazu dort, wo anscheinend an jeder Ecke einer existiert. In einem schönen Dialog mit einem anderen NOVA werden einige Fragen beantwortet. Der inzwischen stattgefundene Zeichnerwechsel, nämlich die Stiftübergabe von CORY SMITH an R. B. SILVA fällt technisch betrachtet kaum auf. Man könnte einzig behaupten, dass SILVA grafisch ein wenig mehr zum Kollegen STUART IMMONEN tendiert (vergleicht man seine Arbeit mit IMMONENS Einsätzen bei den ULTIMATIVEN X-MEN). Bei NOVA wurde sehr auf eine Kontinuität im Erscheinungsbild der Serie geachtet.

SEAN RYAN gibt NOVA ein feines, episodenübergreifendes Rätsel zu knacken. Gleichzeitig wirbeln kurzweilige Abenteuer das Leben des Highschool-Schülers und seiner kleinen Familie durcheinander. Zwei Top-Zeichner, CORY SMITH und R. B. SILVA, gestalten den abwechslungsreichen Comic-Knaller um einen Nachwuchshelden, der mit kaum weniger Problemen umgehen muss, als der damalige junge SPIDER-MAN. 🙂

NOVA, MEGABAND 1, Familienzusammenführung: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Panini Comics.

Dienstag, 29. August 2017

DIE EISENDIVISIONEN 1 – DAS ROTE KOMMANDO

Filed under: SciFi — Michael um 14:58

DIE EISENDIVISIONEN 1 - DAS ROTE KOMMANDOLeutnant Tanja Jakwolewa stellt sich ihrem neuen Vorgesetzten gleich richtig vor. Ihr perfekter Flug manövriert die deutschen Abfangjäger aus. Ihre Zielgenauigkeit holt den Feind vom Himmel. Politkommissar Kirigin ist begeistert. Mit dieser Pilotin ist nicht nur ein neues Aushängeschild der Hoffnung gefunden, gleichzeitig wäre diese Frau tatsächlich fähig, eine der letzten Kampfmaschinen ans Ziel zu führen, dem Meka-Panzer Wilhelm Gustloff …

Die Weltgeschichte hat sich verändert. Der II. Weltkrieg endet nicht 1945, sondern die Kriegsparteien stehen sich weiter gegenüber. Die Techniken haben sich sogar radikal verändert. Der Leser verfolgt das Geschehen aus russischer Sicht. Die Rote Armee kämpft gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner. Deutschland bläst zum letzten Sturm auf Moskau. Das technische Drumherum hat verschiedene Anknüpfungspunkte.

Einerseits dürften sich Fans der MASCHINEN KRIEGER, einem japanischen Franchise aus den 1980ern, mit diesem Szenario anfreunden können. Andererseits dürften Science-Fiction-Fans und Freunde alternativer Szenarien hier einiges für sich entdecken. Mit THE RED STAR war die Rote Armee schon einmal im Zentrum einer fantastischen Zeitlinie. Und mit BATTLETECH finden sich zu DIE EISENDIVISIONEN ebenfalls Vorbilder aus den 1980ern, dort allerdings streng in der Zukunft platziert. Die Ähnlichkeiten zu mechanisierten Kampfläufern und entsprechenden Kampfanzügen sind nicht wegzudiskutieren.

Das Szenario funktioniert. Medial anders und früher haben sich schon Autoren wie PHILIP K. DICK (Buchvorlage zur Serie THE MAN IN THE HIGH CASTLE) oder ROBERT HARRIS (VATERLAND) mit alternativen Realitäten basierend auf Abweichungen des II. Weltkriegs beschäftigt. JEAN-LUC SALA, der Autor von DIE EISENDIVISIONEN ist mit der Zeitlinie (insgesamt bis 1948), die er sozusagen im Vorspann des Albums entwirft, in bester Gesellschaft. Durch die technischen Errungenschaften, natürlich der Zeit von 1946 weit voraus, dem Jahr der hier vorliegenden Handlung, fügt sich ein deutlicher Science-Fiction-Aspekt der Geschichte hinzu. JEAN-LUC SALA beschreitet so einen etwas leichteren, unterhaltsameren Weg als seine Romankollegen.

RONAN TOULHOAT, verantwortlich für die Zeichnungen und die Kolorierung, macht aus dem ersten Band von DIE EISENDIVISIONEN ein düsteres Geschehen. Es herrscht Winter, die Umgebung ist streng militärisch, mit grauen, ockerfarbenen Uniformen, eisengrauen Einheiten, auf metallischen zwei Beinen, teil sogar noch mehr. Blendende Farbtupfer bestehen aus martialischem Rot, Explosionen leuchten, Tageslicht strahlt aus Deckenluken in Hangars hinein, weiße schnurgerade Striche simulieren in Actionszenen hohe Geschwindigkeiten. Unschärfen und ungewöhnliche Blickwinkel sorgen für Moviefeeling.

Die Figuren sind leicht karikiert, etwas überzeichnet, so dass ihre jeweilige Charakteristik sich im Gesicht, in der Haltung, der grundsätzlichen Mimik abmalt. Jede Figur ist einprägsam dargestellt. Atmosphärisch ist die Mitte der 1940er Jahre im Kriegszustand sehr gut eingefangen. Hier wurde an alles gedacht, von der Mode, über Haarschnitte, bis hin zur Technik. Selbst die erdachten Weiterentwicklungen gliedern sich optimal in das Szenario ein: Soldaten in gepanzerten Kampfanzügen auf dafür eigens konstruierten Motorrädern. Das geht weit über einfache Speederbikes hinaus.

Finsteres Szenario, auf Augenhöhe mit den herausragenden Alternativweltszenarien aus Comic, Roman und Film. Wer das Genre mag, wird von den Ideen von JEAN-LUC SALA begeistert sein. Der finale Lauf ist beeindruckend rasant geraten, sehr tragisch. Hervorragend illustriert von RONAN TOULHOAT, der mit tollem Auge und Fingerspitzengefühl für die Kolorierung aufwarten kann. 🙂

DIE EISENDIVISIONEN 1, DAS ROTE KOMMANDO: Bei Amazon bestellen.

Montag, 28. August 2017

SUPERMAN – Sonderband 2 – SUPER-SÖHNE

Filed under: Superhelden — Michael um 18:01

SUPERMAN - Sonderband 2 - SUPER-SÖHNEEin neuer Superman ist auf der Erde. Sein Vorgänger ist tot. Es ist ein Heldenvakuum entstanden. Dem neuen Superman, der lange Zeit mit seiner Familie im Geheimen lebte, bleibt nichts anderes übrig, als an das Licht der Öffentlichkeit zu treten. Ein neuer Clark, eine weitere Lois und ein echter Superboy, denn dieses vorbestimmte Pärchen hat einen Sohn namens Jonathan. Jonathan geht zur Schule, ist noch recht jung und Geheimniskrämerei ist für ihn nicht gerade leicht …

Während dieser neue SUPERMAN bei vielen Helden gut ankommt, seine Hilfe gern gesehen wird, reißt sich BATMAN natürlich nicht um den für ihn fremden Kryptonier. Es bleibt zunächst bei einem kleinen Intermezzo, denn SUPERVATER und SUPERSOHN haben noch eigene Abenteuer zu bestehen. Fernab in der Vergangenheit mit soldatischen Helden und Dinosauriern, vorher gibt es noch einen kleinen Trip zur Kirmes. Aber dann: Das Titelbild kündigt es bereits an. Nicht nur SUPERMAN und BATMAN treffen aufeinander. Die Supersöhne, DAMIAN WAYNE und JONATHAN KENT alias ROBIN und (naja, nicht ganz) SUPERBOY, treffen sich ebenfalls. DAMIAN kann, höflich ausgedrückt, mit dem eher fröhlich eingestellten JONATHAN nicht viel anfangen.

Zusammentreffen zwischen SUPERMAN und SUPERBOY gab es schon, nicht immer waren diese sehr freundlich. Eine verwandtschaftliche Beziehung wie hier, als Vater und Sohn, war eigentlich lange fällig. Als Zeichner macht JORGE JIMENEZ hier den Anfang. Nach einem ordentlichen Superheldeneinsatz wird es familiär. Clark Kent geht mit Frau und Sohn zum Rummel. Die Kirmesatmosphäre ist dank der tollen Illustrationen von JORGE JIMENEZ zeitweilig recht düster. Wegen einer Nebengeschichte entsteht der Eindruck, gleich verwandele sich das Ganze in den schaurigen Kirmesplatz eines PSYCHO CIRCUS. PETER J. TOMASI und PATRICK GLEASON übernehmen es, die Handlung zu erzählen und bleiben auch für den Rest des Bandes in dieser Funktion erhalten.

Dieser gestaltet sich sehr abwechslungsreich und dank verschiedener Zeichner (den Part übernimmt PATRICK GLEASON ebenfalls einmal) bleibt es auf jeder Seite stilistisch und technisch sehr anspruchsvoll. DOUG MAHNKE darf SUPERVATER, SUPERSOHN und KRYPTO in einem gemeinsamen Abenteuer, sogar eine Doppelepisode, angesiedelt in der Vergangenheit, zeichnen. DIE VERGESSENE WELT von SIR ARTHUR CONAN DOYLE lässt grüßen. Urwaldliches Flair, ein einbeiniger US-Soldat und eine Begegnung, die KING KONG blass aussehen lässt, machen aus FLUCHT VON DER DINOSAURIER-INSEL einen abgefahrenen Spaß.

PATRICK GLEASON übernimmt als Zeichner die Doppelepisode um die SUPER-SÖHNE. Wenn Beinahe-Teenager sich zuerst in die Haare kriegen, sich später zusammenraufen und ein Team-Up bilden, wackeln natürlich die Wände. Klar, dass hier nicht alles bierernst zugeht. PATRICK GLEASON führt einen zarten, sehr exakten Strich und erinnert im Endergebnis stilistisch an die Kollegin FIONA STAPLES (SAGA), die allerdings noch deutlich reduzierter zeichnet. Würde JOHN KALISZ (Farben) auf Verläufe, Texturen etc. verzichtet und eine rein flächige Kolorierung gewählt haben, wäre die Ähnlichkeit der Arbeitsweise der beiden Zeichner noch größer.

Dr. ALEC HOLLAND alias SWAMP THING: Wenn diese mysteriöse Kreatur auftaucht, sogar wortwörtlich, geraten selbst die Stärksten in Schwierigkeiten. Ein SUPERMAN, gewohnt, dass ein rechter Haken genügt, um für Klartext zu sorgen, wird hier ordentlich in seine Schranken gewiesen. JORGE JIMENEZ zeigt hier die TWILIGHT-ZONE-Seite des DC-Universums, teils ganzseitig, sehr opulent, teils gruselig, auf jeder Seite eindrucksvoll.

Ein breit gefächertes SUPERMAN-Angebot aus dem neuen REBIRTH des DC-Universums. Der Supersohn JONATHAN KENT bringt eine schöne, feine Facette mit ins Spiel, die bereits jetzt für allerlei Aufregung sorgt. Top-Illustratoren wie DOUG MAHNKE, JORGE JIMENEZ und natürlich PATRICK GLEASON machen den zweiten Sonderband von SUPERMAN zu einem Fest für Fans. 🙂

SUPERMAN 2, SUPER-SÖHNE: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Panini Comics.

Donnerstag, 24. August 2017

JACKIE KOTTWITZ – Gesamtausgabe Band 6

Filed under: Thriller — Michael um 13:56

JACKIE KOTTWITZ - Gesamtausgabe Band 6Die junge Frau vermisst ihren … Verlobten. Etwas in der Art ist er für sie. Sie kennt nur seinen Vornamen. Sie kennt seinen Nachnamen nicht. Sie weiß nicht, welchen Beruf er ausübt, noch weiß sie, wo er wohnt. Die Frau, die JACKIE KOTTWITZ da so verloren gegenüber sitzt, wirkt wie aus der Welt gefallen. Immerhin kennt sie das Alter … ihres Freundes. Er reise viel, berichtet sie. Auch das ist ihr bekannt. Wohin? Diese Informationen fehlen ihr. Jackie stützt seine Ermittlungen normalerweise auf diesen oder jenen Hinweis. Hier ist er erst einmal vollkommen ratlos.

ALAIN DODIER beherrscht die harmlose Ausgangssituation meisterhaft. JACKIE KOTTWITZ will nur eben etwas aus dem kleinen Laden holen. Er will einer unbekannten jungen Frau helfen, die so verloren und unschuldig wirkt. Er will nur Urlaub machen, auf einem beschaulichen Bauernhof in der Provinz. JACKIE KOTTWITZ treibt sich mit seinen Fällen nicht in der Hochfinanz herum, nicht in der Politik, noch nicht einmal ist immer ein Auftrag vonnöten, um ihn so richtig in Schwierigkeiten zu bringen.

EIN RAUBTIER IM KÄFIG, der erste von drei hier versammelten albenlangen Kriminalfällen, lässt den jungen Privatdetektiven die Bekanntschaft einer ebenfalls jungen Frau machen, die kurz danach ihr Gedächtnis verliert und nicht mehr weiß, wer sie ist. Leider wissen andere über sie Bescheid. Hier fügen sich mehrere Bausteinchen sehr geschickt ineinander. ALAIN DODIER lässt den Leser hier etwas mehr wissen als unseren Helden. So fiebert man mit, wenn JACKIE KOTTWITZ in seinem Unwissen immer weiter auf die Gefahr zustolpert.

Ist der Beginn von DIE MARIONETTE für einen Fall schon außergewöhnlich, ist es der Einstieg in EIN KLEINES STÜCK VOM PARADIES erst recht. Von JACKIE KOTTWITZ ist zunächst keine Spur zu sehen. Und auch nachdem sich die Handlung nach vorn bewegt, der Ermittler sozusagen vor Ort angelangt ist, weiß er nichts von der dunklen Wolke, die da über ihm schwebt. Der Leser kennt diese Wolke und darf nur hoffen, dass JACKIE KOTTWITZ rechtzeitig hinter das Geheimnis kommt, denn er ist alles andere als in einem PARADIES gelandet. Ohne zu viel zu verraten, darf hier angemerkt werden, dass ihm ein verschlagener, leicht wahnsinniger und in gewisser Weise skurriler Gegner gegenüber steht.

Die Fälle von JACKIE KOTTWITZ scheuen einen Vergleich mit deutschen Gegenübern, denen in neuerer Zeit ebenso wie jenen, aus den großen TV-Krimitagen. Die Atmosphäre erinnert mehr an MAIGRET. ALAIN DODIER findet das Provinzielle, das Kleine, sogar in den Szenarien, die in der französischen Hauptstadt handeln. Obwohl die Geschichten in dieser 6. Gesamtausgabe zwischen 2000-2005 erschienen sind, leben die Menschen in den Geschichten ein Stück weit rückwärts gewandt, wie in einer konsequenten Verweigerung modernen Lebens. Neuerer Technik wird eher hinterher gerannt. JACKIE KOTTWITZ knattert auf seiner SOLEX durch die Lande, seine Freundin fährt ENTE. Nostalgie zählt zu den Kernelementen der Reihe und findet in jeder Folge eine Betonung.

ALAIN DODIER lässt Einblicke in seine Arbeitsweise zu. Im Interview berichtet er von seinem Herangehen an den Aufbau einer Seite, dem Feilen an Bildern und Bildfolgen. Deutlich einsehbar wird seine Technik in den jeweiligen Anhängen zu seinen drei Geschichten. Teils wird an einem Bild gefeilt, ein anderer Ausschnitt gewählt, Bildfolgen in einer Zeile für den dramatischen Effekt noch feiner ausgetüftelt oder ALAIN DODIER probiert zuvor aus, wie eine Nebenfigur noch aussehen kann. So verfährt er für die Geschichte DIE MARIONETTE, in der ROSELINE, der titelgebende Charakter durch sein Äußeres bestimmt einen völlig anderen, etwas unnahbareren Eindruck vermittelt hätte.

JACKIE KOTTWITZ entführt den Leser in dieser 6. Gesamtausgabe hinein in die zwischenmenschlichen Abgründe. Der Tod ereilt die jeweiligen Opfer unerwartet, nicht immer schnell. Ungewöhnlich, spannend, leichtfüßig erzählt, toll illustriert. Unvorhersehbare Krimis, sympathische Hauptfigur. 🙂

JACKIE KOTTWITZ, Gesamtausgabe Band 6: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Finix Comics.

Montag, 07. August 2017

ISNOGUD: WIE DER VATER, SO DER SOHN!

Filed under: Cartoon — Michael um 9:42

DIE NEUEN ABENTEUER DES GROSSWESIRS ISNOGUD - BAND 2 - WIE DER VATER, SO DER SOHN!Wenn der Kalif dem Wahnsinn verfällt, das Reich ohne Herrscher antriebslos darniederliegt, muss ein Ersatz her. Vorzugsweise sollte dieser Ersatz aus der Familie des Kalifen stammen. Nur leider, leider hat HARUN AL-PUSSAH keinen Sohn und auch sonstige Verwandte sind in seinem Stammbaum schwer auszumachen. Großwesir ISNOGUD wähnt sich schon an seinem Lebensziel angekommen, nämlich Kalif zu werden anstelle des Kalifs, als ihm das Schicksal ein völlig unerwarteten Knüppel zwischen die Beine wirft …

Zurück in Bagdad der Prächtigen. Die Hochpolitik ist in die Welt von ISNOGUD eingezogen. Die Reichen und Mächtigen treffen sich auf einem G20, amüsieren sich prächtig, aber insgeheim läuft etwas gewaltig schief, sehr zum Nachteil von HARUN AL-PUSSAH. LAURENT VASSILIAN hat sich im zweiten neuen Abenteuer um den Großwesir, der so gerne Kalif anstelle des Kalifen werden möchte, einiges einfallen lassen. Und das ist weit untertrieben. Wenigstens zeilenweise, wenn nicht sogar bildweise geht es hier Schlag auf Schlag, Gag für Gag voran. Wäre die Episode, WIE DER VATER, SO DER SOHN!, eine Filmkomödie, bliebe zwischen den einzelnen Lachern, mal laut, mal leiser, kaum Zeit zum Luftholen.

Hier trifft Comic auf seit Jahren immer wiederkehrenden Zeitgeist, Popkultur, den politischen Krawall, die Irrungen und Wirrungen von Kunst und Familie. LAURENT VASSILIAN führt die Geschichte(n) um ISNOGUD mit all jenem notwendigen Wahnsinn weiter, dessen Grundstein von RENÉ GOSCINNY und JEAN TABARY gelegt wurde. Und was das für ein Wahnsinn ist! Nicht nur der Fund eines sehr außergewöhnlichen Thronanwärters erregt Aufsehen (KING RALPH lässt grüßen), sondern auch ISNOGUDS ungewöhnlicher Versuch, den neuen Machtsinhaber zu verhindern.

WIE DER VATER, SO DER SOHN! Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, so heißt es. Wie mag dann erst der Vater von ISNOGUD gewesen sein? Einen kleinen Vorgeschmack gibt das Titelbild. NICOLAS TABARY, der Sohn von JEAN TABARY, hat die Stilistik seines Vaters perfekt aufgegriffen und geht sogar so weit, in dieser Geschichte weit zu den Wurzeln von ISNOGUD zurückzugehen und einen Großwesir zu zeichnen, als dieser noch nicht so ausdrucksstark gewesen ist. ISNOGUD lebt vom Chaos. LAURENT VASSILIAN schafft durch seine Handlung eine tolle Grundlage für einen grandiosen Zickzackkurs, in dem ISNOGUD nicht nur seinem Vater, sondern auch sich selbst begegnet.

Der schmissige Cartoonstil von ISNOGUD ist eines der Erfolgsgeheimnisse der langlebigen Serie, die 1968 debütierte. Da darf sich der Leser nicht nur über den kleinen gestalterischen Rückblick ISNOGUDS freuen, auch DER KLEINE NICK wird angespielt, in Verbeugung vor dessen Erfinder RENÉ GOSCINNY. Wenn Elefanten fallen, erinnert dies an fliegende Hinkelsteine und ihre Folgen. Knackig fette Striche zaubern einen LAGERFELD als Modeberater des Kalifen aufs Papier. NICOLAS TABARY baut geschickt Werbung für weitere Veröffentlichungen ISNOGUDS in die Geschichte ein. Und in all dem Tohuwabohu gibt es unzählige Gesichter ISNOGUDS, allesamt Ausdrücke seiner Achterbahnfahrt der Emotionen, denn er wird von LAURENT VASSILIAN kurz vor dem Erfolg auf Null zurückgeworfen.

Ein Stehaufmännchen, aber ein böses. Kein Mitleid mit ISNOGUD. Der kleine Großwesir mit dem irren Blick ist eine Art früher Vorläufer von Frank Underwood, nur mit mäßigem Erfolg. Zum Glück für den Leser, denn mit erreichtem Ziel wäre die Serie zu Ende. Aber solange ISNOGUD nicht Kalif wird, so lange können NICOLAS TABARY und LAURENT VASSILIAN die tolle Komödie fortführen, gefüttert mit Sticheleien über tatsächliche Ereignisse und Gags am laufenden Band. Knallend prall illustriert von NICOLAS TABARY, ist Band 2 der neuen Abenteuer perfekt in die Tradition der Reihe eingegliedert. Fans dürfen sich freuen. 🙂

DIE NEUEN ABENTEUER DES GROSSWESIRS ISNOGUD, BAND 2, WIE DER VATER, SO DER SOHN!: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Dani Books.

Mittwoch, 02. August 2017

MOTOR CITY

Filed under: Thriller — Michael um 16:20

MOTORCITYLaut, schnell, dreckig, gefährlich, röhrende Motoren, konzentrierte Biker. Speedway-Rennen machen LISA FORSBERG seit ihrer Kindheit Spaß. Ihr Vater nimmt sie nach ihrer Rückkehr in die Heimatstadt zu diesem harmlosen Vergnügen mit. Dabei ist sie mit den Gedanken längst woanders. Erst seit kurzer Zeit im Dienst, hat sie der Alltag bei der Polizei komplett eingefangen. Es dauert nicht lange und schon klingelt das Mobiltelefon. Die Arbeit ruft, das Familientreffen ist vorbei. Ein Großeinsatz wartet …

Die guten alten Zeiten, die 1950er Jahre, fangen gleich hinter Linköping, in Schweden, an. SYLVAIN RUNBERG begibt sich auf skandinavische Krimispuren und bringt das Mordsland Schweden hinein ins Medium Comic. Schwedische Rocker haben Spaß am Lifestyle der 1950er mit Hillbilly und Rockabilly. Sie fahren alte amerikanische Straßenkreuzer, kopieren Südstaatenflair, trinken Bier, prügeln sich und mögen an ihren Frauen Jeans und Petticoats. SYLVAIN RUNBERG stellt sich mit dieser Nischenatmosphäre bewusst gegen das schwedische Saubermannimage und lässt in der Provinz regelrecht Welten aufeinanderprallen.

Das allein wäre schon reichlich Stoff für ein starkes Drama, aber der Leser hat es hier mit einem handfesten Krimi zu tun und so lässt sich SYLVAIN RUNBERG auch noch einen perfiden Mord einfallen, ganz im Sinne der skandinavischen Erfolgstradition der letzten Jahre. Im Mittelpunkt steht eine starke junge Frau, LISA FORSBERG, in Linköping aufgewachsen, die nun aus Stockholm zurückkehrt, um ihren Dienst bei der örtlichen Polizei anzutreten. LISA FORSBERG kann ihre Vergangenheit nicht so einfach abstreifen, deshalb ist der Kampf um Anerkennung in einem von Männern dominierten Umfeld doppelt schwer.

Es ist schön, wie SYLVAIN RUNBERG die Vorstellungen des Lesers von einem gleichgeschalteten Europa oder Skandinavien kippt, von denen man als Leser annahm, die Verhältnisse seien einander doch irgendwie recht ähnlich. Plötzlich tauchen Gestalten auf, die ebenso in einen modernen Südstaatenkrimi passen würden, Gewalt und Auftreten inklusive. Und schließlich der Mord: Hier braucht SYLVAIN RUNBERG sich nicht hinter reinen Autorenkollegen wie JOE NESBØ, JUSSI ADLER-OLSEN und anderen echten Skandinaviern zu verstecken. Wie der Mörder zu Werke geht, das kribbelt in Mark und Bein.

PHILIPPE BERTHET begeistert mich mit seiner sehr klaren Linie jedes Mal. Der Stil ist vielseitig einsetzbar, wie er hierzulande mit POISON IVY, PERICO und DEIN VERBRECHEN fabelhaft gezeigt hat. Die sehr exakte Stilistik erzeugt kühl aussehende Bilder, die das Grauen des Mordes, wie hier in diesem Fall, erträglicher macht. LISA FORSBERG wird von PHILIPPE BERTHET als Prototyp der neuen starken, modernen jungen Frau gestaltet. Groß, sportlich, schwarze Haare, praktikabel und frech kurz geschnitten. Tätowierungen aus der Jugendzeit sind bei einer späteren Karriere, nachdem genügend über die Stränge geschlagen wurde, kein Problem mehr.

Schweden ist atmosphärisch hier provinziell, sehr sauber, sogar bei den Halunken gibt es einige sehr aufgeräumte Ecken. Profit geht mit Professionalität einher. PHILIPPE BERTHET bleibt sich treu, denn die sehr feinen Linien, der klare Bildaufbau, benötigen keine tiefer führende Farbgebung. DOMINIQUE DAVID kann bei der Kolorierung weitestgehend auf Schattierungen verzichten.

Der gestandene Polizist ROBERT WETTER und LISAS Kollege ERIK sind Gegengewichte zur weiblichen Hauptfigur. ERIK ist eine Art schwedischer KEN, fast zu gut aussehend für den Job. Dafür macht ROBERT diesen kleinen Ausrutscher wieder gut, erinnert er doch an BULLOCK aus dem BATMAN-Universum, was nicht unbedingt ein Zufall sein mag, stellt es sich doch heraus, dass der maskierte Privatdetektiv zu LISAS Comic-Lieblingen zählt. Und ganz nebenbei freut es mich persönlich, das Gesicht des Bassisten Gene Simmons (von der Rockgruppe KISS) auf einem T-Shirt zu entdecken.

SYLVAIN RUNBERG transportiert den Schwedenkrimi, den skandinavischen Krimi allgemein gekonnt und mit Raffinesse in ein anderes Medium (mal eben nicht in einen Film). Der Leser begleitet die Hauptfigur in eine Nische schwedischen Miteinanders, das aus ferner Sicht so nicht zu erwarten gewesen wäre, als Subkultur hier mit dem Titel MOTOR CITY skizziert. Ist spannend, interessant, wirkt authentisch. TOP von PHILIPPE BERTHET illustriert! 🙂

MOTOR CITY: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Schreiber & Leser.

Samstag, 29. Juli 2017

ANDY MORGAN – GESAMTAUSGABE 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:05

ANDY MORGAN - GESAMTAUSGABE 1Eine Erbschaft steht für die Wende eines Lebens. Der Polizist ANDY MORGAN erbt von einem Onkel, den er nie gesehen hat, ein Schiff mit dem stolzen Namen CORMORAN. Die Kollegen verabschieden ANDY MORGAN mit einer kleinen Feier, wehmütig und mit einer Spur Neid befangen. Leider verläuft der Abschied für ANDY MORGAN nicht reibungslos. Als er mit seinem Mündel ALI das neue Schiff inspiziert, hat sich an Bord bereits ein flüchtiger Verbrecher einquartiert …

Es war einmal ein Interpol-Beamter namens BERNARD PRINCE. Für den deutschen Markt setzte man auf den Namen ANDY MORGAN. Aber ob PRINCE oder MORGAN, den Geschichten tat die Änderung keinen Abbruch. Anfänglich in den Kurzgeschichten, von GREG geschrieben und von HERMANN gezeichnet, kam ANDY MORGAN noch in üblicher Krimimanier daher. Obwohl das Duo der beiden Hauptfiguren von Anfang an ungewöhnlich war. Neben dem Kriminalbeamten von Interpol, der ANDY MORGAN ursprünglich war, trat ALI auf (im Original DJINN), ein Mündel, quasi Adoptivsohn.

ANDY MORGAN stand für den vernünftigen Erwachsenen, ALI für den nicht ganz so vernünftigen, manchmal draufgängerischen Jugendlichen. Nach den im Jahre 1966 erschienenen Kurzgeschichten von ANDY MORGAN konnte GREG mit der Neuausrichtung der Figur als Abenteurer in der albenlangen Handlung DIE PIRATEN VON LOKANGA alle Register ziehen. Aber das war noch lange nicht alles. GREG und sein Zeichnerkollege HERMANN komplettierten das Team zum Trio, indem sie ANDY und ALI den Seebären BARNEY JORDAN zur Seite stellten.

Afrika, Fernost, Südamerika (als vorübergehende Ausflugsküste) boten die nötige Exotik weitab der französischen Straßen (in den Kurzgeschichten), die Kriminalität geradezu atmeten und sich sehr an den Kinokrimis der 1960er Jahre orientierten. Nun aber wurde es klassisch abenteuerlich. DIE PIRATEN VON LOKONGA bot eine schwierige Flussfahrt, Waffenschmuggel und Angriffe schwarzer Stämme in eher folklorer Ausstattung, bewaffnet mit Speeren, während die Polizei des Landes schon moderner den Fluss mit Motorbooten befährt. GREG spielte hier zweifellos mit Klischees und scherte sich mit einem eigens erfundenen afrikanischen Staat nicht um tatsächliche Gegebenheiten.

GENERAL SATAN leitete eine endgültige Wende ein, die im übernächsten Album mit DIE GRENZE ZUR HÖLLE fortgesetzt wurde. Erst einmal entdeckte GREG den Fernen Osten für die Serie. Böse, undurchsichtig dreinblickende Asiaten, in ihrer Anlage durch GREG vielleicht beeinflusst von den Nachrichten und Ereignissen rund um INDOCHINA und VIETNAM, brachten das Fremdartige in die Geschichten, das mit Gangstern in Trechcoats nicht gepackt werden konnte. ANDY MORGAN tat aber noch einen weiteren Sprung. In GENERAL SATAN werden die Zeichnungen von HERMANN geschmeidiger, deutlich versierter. Hier erreicht er einen ersten Höhepunkt seines Schaffens, das sich erst im Laufe von COMANCHE verändern sollte.

GREG und HERMANN verleihen im zweiten Album um ANDY MORGAN jeglicher Figur deutlich mehr Charakter. Haupt- und Nebendarsteller werden flott vorgestellt, hart und genau umrissen, GENERAL SATAN als neuer Erzfeind vorgestellt. Wasser lautete zuvor noch das Kernelement. Die CORMORAN, ANDY MORGANS Schiff, fuhr einen gefährlichen Fluss entlang. Nun geht die Hatz über das Meer und wechselt hiernach auf geniale Weise auf eine alte Lokomotive. Das ist optisch toll inszeniert, zündete damals mit feiner Action, die gleichfalls heute noch funktioniert.

Anschließend versuchten sich die beiden Comic-Macher mit DIE REBELLEN VON CORONADO an einer Mixtur aus modernem Abenteuer und Western. Herausragend hier ist ein Running-Gag. BARNEY JORDAN gelangt im Verlauf der Handlung an ein Kissen, das er die ganze Zeit über mitschleppt, letztlich eine Idee von HERMANN, der sich diesem Spaß über die reinen Anweisungen von GREG hinwegsetzte. Es blieb zunächst bei diesem Ausflug nach Südamerika. Mit DIE GRENZE ZUR HÖLLE ging es zurück nach Asien. HERMANN schuf die bislang am bedrohlichsten wirkende Episode, indem er das Trio durch eine wirkliche Hölle aus Monsunregen, Schlamm und Alligatoren hetzte. Alles in allem steigerte sich das Duo GREG/HERMANN von Episode zu Episode. Auch war es aus jugendlicher Lesersicht schön zu sehen, dass insbesondere ALI eine immer größere und wichtigere Rolle zufiel.

Von HERMANNS frühen Gehversuchen hin zu einem gestandenen Illustratoren, von den Kurzgeschichten über ANDY MORGAN hin zu den zeitlos tollen Abenteuern des ehemaligen Polizisten und seiner beiden Freunde: Die optisch hervorragende Evolution eines Helden, ständig besser erzählt von GREG, einem der Comic-Urgesteine, gehört zu den immer noch aktuellen Vorbildern eines ganzen Mediums. Spitze! 🙂

ANDY MORGAN, GESAMTAUSGABE 1: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Carlsen Comics.

Dienstag, 25. Juli 2017

TEEN TITANS – MEGABAND 2 – TITANEN-BLUT

Filed under: Superhelden — Michael um 17:05

TEEN TITANS - MEGABAND 2 - TITANEN-BLUTDas Leben ist als Teenager nicht einfach. Als Teenager in Kombination mit einer Identität als Superheld ist es unendlich schwieriger. Und irre Gangster wie PROFESSOR PYG helfen nicht gerade dabei, den Alltag zu beruhigen. Ganz im Gegenteil, denn diesmal geht es den TEEN TITANS richtig an den Kragen. Sie müssen bluten. Irgend jemand hat es auf die vielfältigen Möglichkeiten abgesehen, die sich aus ihren Fähigkeiten ergeben. Wenig später, eigentlich auf einem Erholungsausflug, sind einfachere Wilderer, die Scherereien machen, geradezu ein Kinderspiel …

SCOTT LOBDELL, WILL PFEIFER, GREG PAK, TONY BEDARD etablieren die Kids, indem sie allerhand bekannte Details und Charaktere einfließen lassen. Prominentestes Mitglied dieser Riege ist zweifellos WONDER WOMAN. Da ein TITAN zufällig WONDER GIRL ist, kommt dieser Begegnung besondere Bedeutung bei. Kurzum, es wird mythologisch und Herkunft wird erneut ein großes Thema. Die TEEN TITANS schlagen sich tapfer und einmal mehr gewinnt ein Charakter an Kontur, indem endlich mehr zur Abstammung beigetragen wird. RED ROBIN hat das nicht mehr nötig. Seine Zeit an der Seite von BATMAN (der ab und zu mal über die Schulter blickt) hat das Fundament für einen fast manisch peniblen Helden gelegt.

Mit BUNKER, RAVEN, BEAST BOY, POWER GIRL, das erwähnte WONDER GIRL verhält es sich nicht ganz so. Keine der Heldinnen, niemand der Helden wurde in seine Rolle hineingeboren. BEAST BOY, der sich in eine unmögliche Anzahl von Tieren verwandeln kann, besitzt gleichsam auch eine gewisse Variabilität, was seine Persönlichkeit anbelangt. Nutzt die Gestalt einer kleiner Katze oder eines kräftigen Gorillas, ändert sich damit zwangsläufig sein Auftreten. Das neue POWER GIRL ist mit der weiß und rot gewandeten, erwachsenen Variante von SUPERGIRL nicht zu vergleichen. Dieses POWER GIRL erinnert durch seine Kräfte mehr an den Legionär COLOSSAL BOY.

Offenbar wird aber ihr aller Potential erkannt, denn AMANDA WALLER betritt die Bühne, um die TEEN TITANS für ihre Zwecke anzuwerben. Wenig später allerdings haben die TITANS mit sich selbst genug zu tun, weil es auch zwanghaftere Anwerbungen gibt, eben solche, gegen die eine Gegenwehr fast unmöglich ist. TONY BEDARD erzählt die Episode SCHACHMATT FÜR DIE KÖNIGIN, gezeichnet von MIGUEL MENDONCA, der mit seinem klaren Realismus ebenso gut für das STAR WARS Universum zeichnen könnte. In der Episode VON HELDEN UND SCHURKEN fällt seine Arbeit deutlich actionlastiger aus, durch den Auftritt eines gegnerischen Duos aus lebendem Gehirn und Gorilla zudem weitaus komischer.

Weiter vorne, sozusagen in umgekehrter Reihenfolge aufgelistet, schafft Inker DEXTER VINES mit seiner Arbeit noch mehr Feinheiten aus MIGUEL MENDONCAS Vorarbeit in der Folge DIE SUMME SEINER TEILE herauszuholen. Es zeigt sich an diesem Beispiel perfekt, wie unterschiedlich (aber immer noch gut) das Endergebnis ausfallen kann, wenn in weiteren Arbeitsschritten andere Kollegen des Zeichners am Rechner sitzen.

IAN CHURCHILL ist der zweite sehr gute Zeichner in diesem zweiten Megaband der TEEN TITANS, der das Geschehen vor dem DC-Event REBIRTH abschließt. CHURCHILL gehört zu jener Illustratorgarde, die sozusagen hochauflösend zeichnen. Gemeint sind damit ungemein feine Striche, teils sogar sehr zahlreich über das gewöhnliche Maß hinaus. Andere Vertreter dieses Stils sind z.B. GREG CAPULLO (SPAWN) oder der noch bekanntere JIM LEE (BATMAN, SUPERMAN). Inker wie DEXTER VINES oder NORM RAPMUND haben bei IAN CHURCHILL weitaus mehr zu tun als bei Zeichnerkollegen, die sich mit weniger Vorarbeit zufrieden geben. Aber ohne entsprechendes Tuschen sind die Stilistiken von CHURCHILL & Co. kaum vernünftig einzufangen.

Eine Gruppe wächst zusammen. Ein Team test sich gegenseitig aus, lernt zu vertrauen und reift an seinen zahlreichen Herausforderungen. Dank eines tollen Autorenteams und einiger Top-Zeichner liegen hier im abschließenden zweiten MEGABAND der TEEN TITANS moderne, perfekte Superheldenabenteuer vor. Klasse! 🙂

TEEN TITANS, MEGANBAND 2, TITANEN-BLUT: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Panini Comics.

Samstag, 22. Juli 2017

ARCTICA 2

Filed under: SciFi — Michael um 16:07

ARCTICA 2 – DAS GEHEIMNIS AUF DEM MEERESGRUNDEs spricht plötzlich französisch. Binnen kürzester Zeit hat es sich die Sprache mittels einer Lernsoftware beigebracht. Körperlich betrachtet ist das kleine Mädchen ungefähr zwölf Jahre alt. Der technisch seiner Zeit überlegene Sarkophag, in dem sie gefunden wurde, wird auf 10.000 Jahre geschätzt. Aber das ist längst nicht alles. Das Mädchen hat eine Aufgabe. Nachdem sie zunächst ihre Umgebung beobachtet und herausgefunden hat, wem sie trauen kann, macht sie sich mit den beiden Erwachsenen, Mismy Renoir und dem Piloten Dakota, auf einen nicht gerade leichten Weg, ihre Mission zu erfüllen.

Was geschah vor 10.000 Jahren auf der Erde? Wie konnte eine derart hoch technisierte Zivilisation bislang unentdeckt bleiben? Warum wurde nicht bereits früher etwas gefunden? DANIEL PECQUEUR beantwortet diese Fragen nicht, noch nicht, aber er gibt Hinweise, denn die bisherigen Fundorte sind äußerst schwierig zu erreichen und angesichts ihrer Größe in großflächigen Räumen gleichzeitig die berühmte Nadel im Heuhaufen. Der Fund des kleinen Mädchens hätte ebenso gut nicht stattfinden können, besäße Dakota als Pilot nicht ein überaus scharfes Auge. Der zweite Teil von ARCTICA, mit dem Untertitel DAS GEHEIMNIS AUF DEM MEERESGRUND, ist ein durchweg abenteuerlicher Action-Science-Fiction-Reißer, der all das auf Papier bringt, was der Kino-, vielleicht auch der Serienfan filmisch seit langem vermisst.

Die konsequente Weiterentwicklung gegenwärtiger Strukturen und Techniken lässt das Szenario von ARCTICA sehr lebendig erscheinen. Technisch eindeutig weiter als bis zum heutigen Tag haben sich immer noch reichliche Errungenschaften, Vehikel und Abläufe erhalten, damit die Kluft zur Realität nicht zu groß und der Einstieg in diese Zukunftswelt leicht ist. Wie es das Kintopp häufig vormacht, bietet DANIEL PECQUEUR einen ständigen Wechsel der Schauplätze und so eine Menge Abwechslung und Möglichkeiten, die Geschichte auf sehr unterhaltsame Weise weiterzuführen. Von der Großstadt auf das Land, auf ein malerisches Hausboot, weiter auf das Mittelmeer und schließlich unter Wasser. Titelbild und Episodentitel verraten es schon.

Die Handlung startet nahtlos dort, wo sie in der ersten Folge endete, auf dem Land. Das mag dem Koloristen PIERRE SCHELLE farblich vielleicht etwas hausbacken gewesen sein, denn nur wenige Seiten später präsentiert er Szenen in prächtigen Sonnenuntergangsfarben. Plötzlich wird aus dem Urlaubsambiente ein fast brennendes Land. Das vermittelt einerseits ein friedliches Gefühl, andererseits auch Gefahr, wenn sich Dakota vor diesem flammenden Licht nach Westernart in den Sattel schwingt.

Die technischen Spielereien werden als Selbstverständlichkeit eingebaut und sind jedes Mal ein großartiger Hingucker, da jedes dieser Schmuckstücke ausgefeilt wie aus einem Magazin für technische Illustrationen dargestellt wird. Die Ausstattung in dieser Hinsicht ist preiswürdig, erinnert an andere Comic-Künstler auf diesem Niveau, an Vorgänger wie ROGER LELOUP oder VICTOR HUBINON, hinter denen sich BOYAN KOVACEVIC durch seine Präzision nahtlos einreiht. In der Unterwassersequenz kreiert er ein kleines Schmuckstück, organisch anmutend, ein wenig unheimlich, fast im Sinne von Gebrauchsdesignern, denen abgerundete Formen über alles gehen.

Dem Sonnenuntergang folgt die Nacht, die Geschwindigkeit steigt, BOYAN KOVACEVIC und PIERRE SCHELLE gestalten eine ausgefallene Verfolgungsjagd und wenig später vor der Kulisse eines strahlenden Mittelmeers einen bis dahin nie gesehenen Angriff aus der Luft. Einmal mehr zeigt sich, wie sehr die Künstler im Comic kreativ gleichauf mit den Machern des Kinos sind. Einmal mehr zeigt sich auch, dass hier auf Materialkosten keine Rücksicht genommen werden muss, Stuntmen werden nicht benötigt, so dass es hier richtig zünftig knallen kann. Artistisch, kurios, packend.

Auch der zweite Teil von ARCTICA vermag auf ganzer Länge überzeugen. Eine spannende Fortsetzung, besser noch als der Auftakt, mit Figuren, die langsam an Tiefe gewinnen und dadurch noch interessanter werden. Grafisch Top! Ein klasse Illustratorenduo aus Zeichner und Kolorist schaffen eine optisch echt wirkende Zukunft. Gleichauf mit Serien wie GOLDEN CITY oder TRAVIS. Für SciFi-Fans und Leser, die auf flotte technische Blockbuster stehen! 🙂

ARCTICA 2, DAS GEHEIMNIS AUF DEM MEERESGRUND: Bei Amazon bestellen.