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Comic Blog


Montag, 01. Juli 2019

SHOOTING RAMIREZ – 1. AKT

Filed under: Thriller — Michael um 16:23

SHOOTING RAMIREZ - 1. AKTMit verbundenen Augen! JACK RAMIREZ repariert einen Staubsauger mit einer Stoffbinde vor dem Gesicht und raucht dabei auch noch eine Zigarette. Seine Kollegen können es nicht fassen, ist doch der Filter bei Modell AV 700 nur von einem Experten mit Fingerspitzengefühl zu wechseln. HENRY JACKSON ist sprachlos, aber nur kurz. Denn dann ist ein heftiges Lob an den Kollegen JACK RAMIREZ fällig. Dieser sei ein Hexer! JACK nimmt das Lob ebenso sprachlos entgegen. Er ist stumm. Später, als HENRY JACKSON von der Polizei verhört wird, kann dieser es nicht fassen, dass dieser kreuzbrave Mechaniker ein gefährlicher Mann sein soll …

Wer BREAKING BAD mochte, wird SHOOTING RAMIREZ lieben. Wer filmreife Wendungen, überraschende Kniffe, geschliffene Dialoge im TARANTINO-STIL mag, kann hier einsteigen und sich wohlfühlen. Fans der fünfteiligen Comic-Serie WONDERBALL sind hier ebenfalls goldrichtig. Wer sich für Krimis und Thriller vor dem Hintergrund der 1980er begeistern kann, ob nun original oder retrostyle, ist hier gleich zuhause. Die Figuren sind erstklassig aufgebaut, sogar jene, die keine lange Lebensdauer haben. Was in einem Krimi oder Thriller eine nicht unübliche Vorgehensweise ist. Die Optik ist State of the Art, die Titelbild-Technik zieht sich durch den gesamten Band mit seinen 144 Seiten. Die Kolorierung generiert eine FALCON CITY im Bundesstaat ARIZONA an den heißesten Tagen des Jahres. Hier brennt die Luft. Die Charaktere sind allesamt perfekt durchdesigned, in einer Mischung aus mexikanisch-südamerikanischer Abstammung und amerikanischem Durchschnittsbürger (was in den meisten Fällen einen Haufen Schnittmengen ergibt).

Also, viel Begeisterung von meiner Seite für SHOOTING RAMIREZ, der für mich ein echter Überraschungshit ist und nicht nur wegen seiner Geschichte, seiner tollen Erzähltechnik und den Illustrationen. NICOLAS PETRIMAUX (und ein Team, das im Anhang aufgeführt ist) hat hier ein echt liebevolles Gesamtpaket geschnürt. Die Hauptfigur JACK RAMIREZ arbeitet bei ROBOTOP, einem Hersteller von Staubsaugern. (Und JACK RAMIREZ dürfte eine der wenigen Comic-Figuren sein, die stumm sind.) Darüber hinaus lernt der Leser noch den Aufbau des neuen Vorzeigemodells kennen, den VACUUMIZER 2000. Fiktive Nachrichten senden Fakten zur Markteinführung des Gerätes. Werbeanzeigen von weiteren Gegenständen, Fahrzeuge, Kleidungsstücke, Bier, Banken, natürlich dem neuen Staubsauer selbst schaffen eine dichte Atmosphäre und machen wegen ihrer augenzwinkernden Gestaltung richtig Spaß.

Alles sehr amerikanisch! Wer genau hinsieht, wird einige Muscle-Cars in den Straßen entdecken, die mit überdimensionierten Außmaßen daher kommen (im Vergleich zur europäischen Enge). Gleich zu Beginn springt einem der legendäre AC COBRA Sportwagen ins Auge. NICOLAS PETRIMAUX lässt sich den Spaß nicht nehmen, seinen Helden JACK RAMIREZ in einem quietschgelben RENAULT-5-Klon durch die Gegend tuckern zu lassen. Ein Kleinwagen dieser Art fällt im Amerika der 1980er mit seinen riesigen Benzinschleudern natürlich auf wie ein bunter (winziger) Hund. Darüber hinaus hat JACKS Auto ähnliches zu erdulden wie damals der qietschgelbe 2CV (ENTE) unter den lenkenden Händen von JAMES BOND (IN TÖDLICHER MISSION). Eine Hommage? Wer weiß? Das mag natürlich nur für Automobilliebhaber interessant sein. Alle anderen können viele Details in der 1980er Jahre Actionfilmoptik entdecken, nebst ganzseitig oder doppelseitig aufgezogenen Plakaten.

Bildgewaltig im Großen wie im Kleinen! Das reißt es schon an. Ob es collageartige Bildanordnungen sind, halbseitige, ganzseitige Stimmungsbilder (z. B. JACK RAMIREZ mutterseelenallein vor seiner Erinnerungswand; man mag sich so seine eigenen Gedanken über das machen, was da so alles aufgehängt und gesammelt worden ist) oder doppelseitige Kracher, die einen nach dem Umblättern anspringen, die Rasanz einer Actionszene, über die Seite hinweg choreografiert oder in einem etwas größeren Bild konzentriert, einprägsam und mitziehend sind sie alle. NICOLAS PETRIMAUX gestaltet Typen, ein wenig überspitzt vielleicht, dafür umso eingängiger, bis hin zu einem Frauenpärchen, das sein Schicksal wie einst THELMA UND LOUISE in die eigenen gewalttätigen Hände nimmt.

Ein Comic, wo alles stimmt. NICOLAS PETRIMAUX hat sein gesammeltes Können aus vier Jahren Studium Angewandter Kunst, Konzeptdesign für Videogames und vielen künstlerischen Erfahrungen mehr gebündelt und hier konzentriert zu Papier gebracht. Hier kennt jemand sein Genre und weiß, was das Medium Comic alles zu transportieren vermag, nämlich verdammt viel. Hier werden Möglichkeiten ausgereizt, hier wird erzählt und fabuliert, mit perfektem Timing. Wer einmal bewiesen haben will, dass sich Comic hinter keinem anderen erzählerischen Medium verstecken muss, sollte sich SHOOTING RAMIREZ reinzieh’n (ein bisserl Slang passend zur Gangsterballade). TOP! 🙂

SHOOTING RAMIREZ, 1. AKT: Bei Amazon bestellen.
Oder bei Schreiber und Leser.

LINK: http://www.shooting-ramirez.de/ (Vorstellung von Story, Figuren etc. inkl. eines bewegten Comic-Trailers.)

Sonntag, 30. Juni 2019

DAS DING UND DIE FACKEL 2 – FAMILIENTREFFEN

Filed under: Superhelden — Michael um 17:41

DAS DING UND DIE FACKEL 2 - FAMILIENTREFFENImmer noch auf der Suche nach der Familie! REED RICHARDS, SUSAN STORM-RICHARDS und die beiden Kinder, allesamt Angehörige der FANTASTIC FOUR, sind im MULTIVERSE verschollen. Für die Zurückgebliebenen, JOHNNY STORM alias FACKEL und BEN GRIMM alias DING, ist der Zustand kaum zu ertragen. Außerdem schwinden mit der Abwesenheit der anderen die Kräfte von DING und FACKEL. Als sich die Möglichkeit ergibt, nach den verschollenen Familienmitgliedern zu suchen, greifen die beiden Superhelden zu. JOHNNY STORM, ermutigt von einer Notlüge, und BEN GRIMM begeben sich auf die Suche. Doch die Ergebnisse ihrer Reise sind mehr als nur ernüchternd. Und dann kommt der Tag, als sie fern ihrer Erde im MULTIVERSE stranden …

CHIP ZDARSKY hat viele schöne Ideen in der zweiten Folge um DAS DING UND DIE FACKEL untergebracht. Ohne das Multiverse wären diese nicht umzusetzen gewesen. (Seit wann wird die Idee eines MULTIVERSE in der Populärliteratur eigentlich so überschwänglich gefeiert?) Ein verbesserter DOOM, leidlich menschenfreundlicher, trifft auf eine wissenschaftliche Versammlung von REED RICHARDSen. Das Spiel mit unterschiedlichen Inkarnationen hat in den letzten Jahren die Fantasie der Autoren ordentlich befeuert. Herausragend waren sicherlich die MARVEL ZOMBIES oder jüngst das SPIDER-VERSE, von dem es hier auch einen Ableger zu bestaunen gibt. Sehr zum Verdruss von BEN GRIMM und JOHNNY STORM, die sich in der Welt, in der sie gestrandet sind, mit der SPIDER-BATTLEWORLD herumschlagen müssen.

Da werden natürlich Erinnerungen an die Gladiatorenerfahrungen eines HULK wach (PLANET HULK), zuletzt auch in THOR 3 auf der großen Leinwand zu bewundern. Große fette böse Viecher machen den Kämpfern das Leben schwer. Ein irrer PETER PARKER, hier eine Mischung aus Spinnenmann, CAPTAIN AMERICA und MAD MAX, ist keine Figur, die sich von zwei Helden von außerhalb vorführen lassen will. ACTION ist vorprogrammiert, von einer leichten Brise Wahnsinn angehaucht.

Die beiden agierenden Zeichner haben einen unterschiedlichen Strich. Dieser unterscheidet sich auf dem ersten Blick in der Schwere der Ausführung. RAMÓN K. PÉREZ führt eine leichtere, dünnere Feder, stilistisch fast schon europäisch zu nennen, treffsicher. DECLAN SHALVEY ist das gewichtige Kaliber, härter, teils punkiger, für die deftigen Action-Szenen, in denen es kracht, der richtige Mann. In den eher tänzerischen Szenen (wie in einer Fechtszene zwischen zwei DOOMs aus alternativen Realitäten) ist RAMÓN K. PÉREZ derjenige, der die passende Atmosphäre auf das Papier bringt.

Eine Reihe von finsteren Gestalten hatten über die Jahrzehnte hinweg ihren Händel mit den FANTASTIC FOUR. Diverse Male hat es auch dunklere Varianten gegeben (die beste sicherlich in HOUSE OF M mit DR. DOOM an der Spitze). Manchmal denkt sich auch ein Freak wie der THINKER seine eigenes Team aus. Was dank des Einfallsreichtums von CHIP ZDARSKY dabei herauskommt, ist kurios, gruselig, fast schon ein Experiment, wie es die ULTIMATES in einer Imitation aus der östlichen Hemisphäre herausforderte. Immerhin hat der THINKER seine grauen Zellen stark angestrengt, um seinen Traum, nämlich einmal REED RICHARDS alias MR. FANTASTIC zu sein, wahr werden zu lassen. Aber das ist nur ein Übergang zu einem Finale, dessen Endergebnis gewünscht ist, aber so in dieser Form nicht vorherzusehen war.

CHIP ZDARSKY gehört zu den Comic-Autoren, deren Erzählungen ziemlich über die Erwartungen der Leser hinauswachsen. Dank des MULTIVERSE-Spielfelds stehen ihm dazu alle Möglichkeiten offen und man gewinnt den Eindruck, hätte er mehr Seiten zur Verfügung gehabt, wären diese noch ein ganzes Stück mehr ausgeschöpft worden. Grafisch anders als im ersten Teil, stilistisch eigen und wiedererkennbar von RAMÓN K. PÉREZ und DECLAN SHALVEY sehr schön illustriert. Die FANTASTIC FOUR sind wieder am Start! 🙂

DAS DING UND DIE FACKEL 2, FAMILIENTREFFEN: Bei Amazon bestellen.
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Freitag, 28. Juni 2019

SLHOKA 8 – DIE NADEL DER VERGÄNGLICHEN

Filed under: SciFi — Michael um 14:02

SLHOKA - Band 8 - DIE NADEL DER VERGÄNGLICHENGleißende Blitze zucken in die Höhe, ganze Bauwerke, gigantische Tempel entstehen und fallen, durch den Willen des Schöpfers verursacht, sogleich wieder in sich zusammen. SLHOKA vermag alles zu erschaffen und einzureißen, aber er ist allein in dieser abgeschiedenen Welt, dem JAIPURNA. Hier gibt es niemanden zu beherrschen oder zu beeindrucken. Niemand muss bekämpft werden, denn den letzten Kampf gewann SLHOKA und damit auch eine leere Welt. SLHOKA, der so mannigfaltige Gefahren überstand, muss sich seine eigene Kapitulation vor einer ausweglosen Situation schweren Herzens eingestehen.

LIVING IN A BOX: SLHOKA hat sich seit seinem letzten Abenteuer verändert (siehe Titelbild). Weiße Haarpracht, glühende Augen, blaue Haut. Weiße Ornamente verzieren die Muskeln. Sein Äußeres ist martialischer als zuvor. Charakterlich hat sich nichts geändert. SLHOKA ist ein Heißsporn, durch und durch. Das nützt ihm hier nur herzlich wenig. Die ihm nun inne wohnende Macht hält ihn gleichzeitig gefangen. Innerhalb der magischen Welt vermag er gänzlich alles zu gestalten. ULRIG GODDERIDGE hat seinem Helden ein großes Geschenk gemacht. Trotzdem lässt er SLHOKA handlungsunfähig am ausgestreckten Arm verhungern. Aber, wie es so schön heißt, Not macht erfinderisch.

DIE NADEL DER VERGÄNGLICHEN. Der Untertitel des 8. Bandes der Folge aus der Reihe SLHOKA gibt einen kleinen Hinweis auf einen Lösungsansatz für den Helden. Den eigentlichen Clou der Geschichte verrät es nicht. Und dahingehend soll es hier auch keine Spoiler geben. Unter dem Strich gibt es in diesem Band eine Suche und auf der anderen Seite einen recht besonderen Roadtrip. Die Kulisse ist ein dichter Dschungel, wild bewohnt, und so mancher Überrest steht für die Geschichte des Planeten (und ist Relikt der bisherigen Abenteuer).

CEYLES, dem Zeichner, und VINCENT, dem Koloristen, kommt die Aufgabe zu, die grüne Hölle zu gestalten, eindeutig asiatisch ausgerichtet, sehr abweisend, lebensfeindlich, feucht, von Flüssen durchzogen, gigantischen Baumkronen beschattet. Das ist nächtens wie tagsüber stimmungsvoll ausgeleuchtet. So gewinnt ein Weltenabschnitt in SLHOKA an ziemlicher Tiefe. ULRIG GODDERIDGE zeigt dieses Universum in einem neuen, recht intensiven Licht, indem die Strecke, die hier (voller Frauenpower) durchwandert wird, viel mehr Details als bislang erhält. So setzt sich dieses Kapitel stark von den vorhergehenden ab.

FRAUENPOWER: Gegensätzlicher könnten die beiden Frauen in dieser Erzählung nicht sein. Sie reißen hier das Heft an sich und stellen SLHOKA die Show (verdientermaßen). Da ist einerseits die sehr lebenserfahrene M’MA BAY, eine alte Schamanin, die bis hin zum Tod schon alles erlebt zu haben scheint. Auf der anderen Seite steht ECKRE, jung, agil, Kämpferin, Überlebenskünstlerin, mit ein paar mittelgroßen Gedächtnislücken versehen. Plötzlich werden diese beiden Frauen für den weiteren Weg zusammengeschweißt, mehr oder weniger gut oder gern. Das ist ein klassischer Stoff, der schon häufig funktioniert hat und es jetzt erneut (klasse) schafft.

Die Reise geht weiter, ganz anders als Stammleser hätten annehmen können. Mit Band 8 der Reihe SLHOKA, DIE NADEL DER VERGÄNGLICHEN, ist natürlich längst der Punkt erreicht, an dem Vorwissen für das weitere Verständnis der Handlung vonnöten ist. Dennoch gelingt es dem Erzähler ULRIG GODDERIDGE ein Abenteuer zu schaffen, das einen Einstieg mit relativ frischen Figuren darstellt, weil diese selbst in eine Situation geraten, die vollkommen neu für sie ist. Mit gruseligen und starken Momenten und Wendungen. Prima! 🙂

SLHOKA 8, DIE NADEL DER VERGÄNGLICHEN: Bei Amazon bestellen.
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LINKS im COMICBLOG:

http://www.comicblog.de/2007/05/21/slhoka-die-vergessene-insel/ (SLHOKA Band 1)
http://www.comicblog.de/2007/07/10/slhoka-die-gaerten-von-sangali/ (SLHOKA Band 2)
http://www.comicblog.de/2007/11/08/slhoka-die-weisse-welt/ (SLHOKA Band 3)
http://www.comicblog.de/2010/09/26/slhoka-4-die-blutboegen/ (SLHOKA Band 4)
http://www.comicblog.de/2019/06/22/slhoka-7-das-andere-ufer/ (SLHOKA Band 7)

Mittwoch, 26. Juni 2019

NIKLOS KODA 13 – NO SONG

Filed under: Mystery — Michael um 21:55

NIKLOS KODA 13 - NO SONGZwei Widersacher beschreiten einen Dschungelweg. Der eine hat vom Spielleiter einen Revolver erhalten, der andere eine Schachtel Patronen. Am Ziel ankommen soll nur einer der beiden. Erschwerend für die Männer ist die Verfolgung durch eingeborene Kopfjäger, die ihr Opfer wahllos töten. Hier hat keiner der Männer einen Vorteil. Außerdem ist das Land für in gemäßigten Breiten aufgewachsene Westeuropäer sehr lebensfeindlich. Das tödliche Spiel nimmt seinen Lauf.

Der 13. Band der Reihe NIKLOS KODA, mit dem Untertitel NO SONG, beschert dem Leser deutlich aktionsreichere Sequenzen als im Vorgängerabenteuer. SELENI, die Tochter von NIKLOS KODA, wird gleich zu Beginn herausgefordert und stellt ihre kämpferischen Talente unter Beweis. Will sie am Leben bleiben, muss sie ihren magischen Fähigkeiten alles abverlangen und das gegen einen KUMDURKA, einen Magier der Finsternis. Die von JEAN DUFAUX einleitend geschriebene Action lässt den Leser nach ihrem Abschluss nicht viel Zeit zum Luftholen. Der Leser verlässt die Szenerie von NIKLOS KODAS Tochter, um sich daraufhin dem Vater selbst zuzuwenden. Wenig später taucht das Abenteuer im Dschungel ab.

An Abwechslung mangelt es also nicht. Magische Auseinandersetzungen allererster Güte zwischen unterschiedlichsten zauberischen Kreaturen. Über Wasser, auf dem Land, unter Wasser. OLIVIER GRENSON (Zeichner) und BEKAERT (Farben) haben eindeutig ein breiteres Spektrum abzuliefern als im Abenteuer zuvor. Besonders BEKAERT kann sich in den spannenden Zweikämpfen austoben.

JEAN DUFAUX führt hier so manchen Faden zusammen. NIKLOS KODA selbst stellt sich seiner Vergangenheit, seinen Beziehungen und der Erforschung seiner Grenzen. Wie stark ist er geworden? Welche Kämpfe kann er gewinnen? Die Antworten darauf sind fesselnde Szenen, leinwandwürdig inszeniert. Auffallend hierbei ist die Auseinandersetzung zwischen NIKLOS KODA und MRS BLATCHEFF, eine ältliche Frau, die eine Schwester der Sekretärin von LARGO WINCH sein könnte. Weißhaarig, hager, mit heller Haut, straff über das Gesicht gespannt, wirkt sie nicht wie eine ernsthafte Gegnerin. Gegenüber NIKLOS KODA lässt sie von Beginn an keinen Zweifel an ihrer Skrupellosigkeit aufkommen. Ein langsam sich steigerndes Duell findet so unter anderen Waffenbedingungen auch schon mal im Wilden Westen statt.

NO SONG, der Magier, der im Vorläuferband eingeführt wurde, ist hier ein Strippenzieher hinter den Kulissen. Mehr noch: Er ist auch eine Art Wegbereiter für den Namensgeber der nächsten Folge: SPIBORG. NO SONG steht zwar mit dieser geheimnisvollen hier bislang nur erwähnten Figur nicht in Kontakt, aber für alle Beteiligten scheint klar zu sein, dass sich dem SPIBORG ein Magier stellen wird und auch nur der, der die Macht besitzt, den SPIBORG zu schlagen. JEAN DUFAUX strickt also ganz schön an diesem ENDGEGNER.

Ein bewusst gewähltes Wort, denn diese Folge hat sehr viel von einem Computerspiel. Verschiedene zu bewältigende Aufgaben, Gegner von unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad, darüber hinaus auch von sehr voneinander abweichendem Design. JEAN DUFAUX, der sich in seiner Vergangenheit durch seine Affinität zum Kino durchaus hat inspirieren lassen, mag im Aufbau der Action auch kreative Anleihen bei Computergames gefunden haben.

OLIVIER GRENSON und BEKAERT stellen die Bedrohung, sei es in Aktionsszenen oder in Gesprächsszenen, über die Charaktere dar. Es gilt die Gefahr aus den Gesichtern herauszulesen. Die FEINDE von NIKLOS KODA scheinen immer entschlossen, ihrem Feind das Leben zu nehmen. Der Bildaufbau hebt sich teils sehr schön von den üblichen Choreografien ab. Teils wird der Betrachter in die Handlung einbezogen, an die Stelle von NIKLOS KODA gestellt, fast so wie in frühen 3D-Filmen, um den Effekt auf den Zuschauer zu verstärken.

Perfekte Fortsetzung mit erheblich mehr Fahrt als in der Vorgängerepisode. Die Dramatik ist entsprechend angezogen, mehrere Schicksale entscheiden sich, NIKLOS KODA ist zwar der Hauptakteur, aber er ist nicht gerade derjenige, der die Handlung voranbringt. Er ist auch nicht der alles überragende Held. Manchmal hilft ihm Können, manchmal nur pures Glück. Mit feinem Strich illustriert, gekonnt koloriert. 🙂

NIKLOS KODA 13, NO SONG: Bei Amazon bestellen.
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Samstag, 22. Juni 2019

SLHOKA 7 – DAS ANDERE UFER

Filed under: SciFi — Michael um 22:16

SLHOKA 7 - DAS ANDERE UFERSPONGROPUSZUNGE ist eine richtige Delikatesse. Das Problem ist nur die Größe des SPONGROPUS, der so gigantisch ist, dass er mehr andere verspeist und kaum Gegner zu fürchten hat. Menschen jedenfalls nicht. Und kleine BAYANER wie dieser, der SLHOKA gerade einmal zur Hüfte reicht, schon gar nicht. Dennoch hat der SPONGROPUS die Rechnung ohne SLHOKA gemacht. Der Mensch ist kein einfacher Wanderer mehr. Unter Aufbietung seiner besonderen Zauberkraft bezwingt er die Kreatur. Das Abendessen ist angerichtet.

SLHOKA kam als Fremder in diese Welt (siehe SLHOKA-Rezis Band 1-4 unten) und nun ist er ein Teil von ihr. Verbunden mit der Rachegöttin SHANI, die in der Gestalt einer geflügelten Raubkatze in Erscheinung tritt, bereist er eine Welt, in der Magie weitaus mehr zählt, als die Technikhörigkeit, auf die er bei zu Beginn noch schwor. Mit dem 7. Band, DAS ANDERE UFER, wird eine Reihe fortgesetzt, die bereits 2007 hierzulande erschien. ULRIG GODDERIDGE kreierte eine sehr eigenständige Welt. Vergleiche zum Zeitpunkt dieser Ausgabe anzustellen, fällt schwer. Wer sich also auf einen neuen, spannend erzählten Mix aus SCIENCE FICTION und FANTASY einlassen will, liegt hier goldrichtig.

Ein menschlicher Krieger im Kampf gegen eine Göttin. SLHOKA ist nicht der erste Ersatzkämpfer einer göttlichen Macht. ULRIG GODDERIDGE spinnt den Faden aber ordentlich monumental. Dank des Grafikduos CEYLES (Zeichner) und VINCENT (Farben) wird im Verlauf der Auseinandersetzung im Refugium der Götter ein wahrhaftiges Feuerwerk abgebrannt. SLHOKA trifft gleich auf mehrere mystische Gestalten, jede mit unterschiedlichen Kräften versehen, unterschiedliche äußere Erscheinungen inklusive.

Das JAIPURNA, die Wohnstatt, der Götterhimmel (wenn man ihn so nennen will), erlaubt seinen Bewohnern (und Besuchern wie SLHOKA) die üblichen physikalischen Eigenschaften auf den Kopf zu stellen. Hier wird geflogen, geschwebt, werden Strahlen abgeschossen, schleimiger Glibber verwandelt sich, Steine ballen sich, nahezu alles scheint jederzeit in andere Zustände übergehen zu können. Hier hat sich das Dreierteam nicht lumpen lassen und bis zum fulminanten Finale aufgefahren. Der Cliffhanger überrascht (Und als Leser ist es erst einmal nicht vorstellbar, wie diese verfahrene Situation noch aufgelöst werden könnte. Aber sie wird, denn die Fortsetzung steht bereits in den Startlöchern.)

Doch zuvor gilt es noch auf eine längere Sequenz einzugehen. Vor dem mythologischen Showdown geht es zu einer spektakulären Jagd in ein Sumpfgebiet. Hier werden Erinnerungen an JAMES BOND wach (MOONRAKER). Hier brennt der Busch, kracht, scheppert und explodiert es. Es ist gleichzeitig eine düstere Sequenz, nicht zuletzt durch eine sehr charismatische Schamanin mit einem sehr wichtigen Auftritt. Außerdem ist sie eine tragische Figur, fast eine kleine Hommage an den guten alten SHAKESPEARE (wer die eine oder andere Szene im späteren Verlauf betrachtet, wird verstehen).

Ein feines, durchweg aufregend erzähltes Abenteuer in einer Reihe, die einen deutlich fantastischeren Schwerpunkt erhalten hat. ULRIG GODDERIDGE verschiebt außerdem bisherige Beziehungen und schafft neue Fronten. Für SLHOKA, einen Helden, der in diese Rolle gezwungen wurde, eröffnen sich hier viele ungemein schwere Aufgaben. Wer die Serie bereits kennt, kann hier bedenkenlos dran bleiben. Stark. 🙂

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Oder bei Finix Comics.

LINKS im COMICBLOG:

http://www.comicblog.de/2007/05/21/slhoka-die-vergessene-insel/ (SLHOKA Band 1)
http://www.comicblog.de/2007/07/10/slhoka-die-gaerten-von-sangali/ (SLHOKA Band 2)
http://www.comicblog.de/2007/11/08/slhoka-die-weisse-welt/ (SLHOKA Band 3)
http://www.comicblog.de/2010/09/26/slhoka-4-die-blutboegen/ (SLHOKA Band 4)

Freitag, 21. Juni 2019

NIKLOS KODA 12 – DER OZEAN

Filed under: Mystery — Michael um 17:56

NIKLOS KODA 12 - DER OZEANNIKLOS KODA ist verschwunden. Seine Tochter SELENI sucht verzweifelt nach ihm. So verzweifelt, dass sie gewillt ist, einen Alleingang zur Aufklärung seines Untertauchens zu unternehmen. Auf einen Hinweis des Magiers SEKO sucht sie den geheimnisumwitterten Magier NO SONG auf. Dieser entdeckt sogleich das ererbte Talent ihres Vaters und unterzieht das Mädchen dem TEST DER 10 ZAHLEN. SELENIS Ergebnis fällt über alle Maßen beeindruckend aus.

Über viele Jahre hat die Magie eines HARRY POTTER das Genre Zauberei geprägt. Manch einer kennt das Reboot von CHARMED oder sogar das Original. Natürlich gibt es im Romansektor noch unendlich viel mehr Literatur innerhalb des Genres zu entdecken. Zauberei ist im Comic eher rarer. Da füllt NIKLOS KODA eine Nische, denn hier findet sich eine Art romantische Zauberei oder Magie. NIKLOS KODA steht im Zentrum einer Halbwelt inmitten der realen Welt. Inmitten von Menschen, von denen sich schlecht auf den ersten Blick sagen lässt, ob sie nur tricksen oder tatsächlich ein magisches Talent besitzen.

JEAN DUFAUX, hierzulande durch Comic-Veröffentlichungen wie JESSICA BLANDY, MURENA oder DJINN bekannt, erweiterte mit NIKLOS KODA sein erzählerisches Spektrum. Zweifellos gibt es hier ein starkes romantisches Element. Das sehr verspielte, fast in einer Art Jugendstil-Optik angefertigte Titelbild weist genau in diese Richtung. Abgebildet ist DER OZEAN, namensgebend für den Untertitel der 12. Folge der Serie. Dieser opulent auftretende Magier, in jeder Beziehung, fordert NIKLOS KODA auf seine ganz eigene Weise heraus, nämlich mit den Elementen, dem Ozean selbst heraus. In einer Gefangenensituation, wie sie auch Piraten eingefallen sein könnten, wird NIKLOS KODA auf einen Selbstfindungstrip geschickt.

Blick zurück nach vorn: Diese Selbstfindung bietet gleichzeitig genügend Material, um dem Leser selbst zu dieser späten Folge noch einen Einstieg in den Charakter von NIKLOS KODA zu ermöglichen. In sehr zart gezeichneten, farblich weichen Bildern gestaltet und komplettiert das Grafikduo OLIVIER GRENSON (Zeichnungen) und BEKAERT (Farben) den romantischen Eindruck. Die Figuren stehen nicht einfach nur im Raum, sondern sie posieren regelrecht für den Betrachter. Oft befindet sich der Leser von Angesicht zu Angesicht mit den Charakteren.

HO SAN SEKO, ein Magier, gibt eine seiner Shows zu Beginn der Geschichte. So wird für den Leser gleich die andersartige Stimmung zu den üblichen Magiegeschichten deutlich. Eine deutlich asiatische Stimmung entsteht durch eine Illusion eines fliegenden Drachens, äußerst fein gestaltet von OLIVIER GRENSON und BEKAERT. Neben der tendenziellen Romantik ist dieser Auftakt sogar märchenhaft zu nennen, farblich wie auch figürlich. Darüber hinaus findet sich diese Grundstimmung auch in der Begegnung mit dem OZEAN wieder. Daneben, sozusagen als Gegentendenz, ist der Rückblick um NIKLOS KODA sehr französisch, recht geheimnisvoll, so wie häufig französischen (oder auch belgischen) Erzählern die Darstellung des Magie des Alltags oder einer Beziehung gelingt, ohne in Kitsch zu verfallen. Damit dies gelingt, kommt OLIVIER GRENSON und BEKAERT erneut eine gewichtige Rolle zu. Denn ohne ihren künstlerischen Beitrag würde dies nicht gelingen.

Eine gemächliche, eindringliche Erzählung, abseits der üblichen magischen Abenteuer und Figuren. Erwachsener, etwas femininer berichtet, auch in seiner grafischen Linie, romantisch, märchenhaft. Das Titelbild verrät es auf seine Weise, ein alternatives Cover im Anhang eigentlich noch viel deutlicher. NIKLOS KODA zieht den Leser langsam, aber fest in seinen Bann. Am Ende muss man wissen, wie es weiter um sein Schicksal und das seiner Tochter SELENI bestellt ist. Schön. 🙂

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Montag, 10. Juni 2019

MIT MANTEL UND DEGEN – AKT III & IV

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:01

MIT MANTEL UND DEGEN – AKT III & IVEine geheimnisvolle Insel. Die beiden Abenteurer, der Fuchs ARMAND RAYNAL DE MAUPERTUIS und der Wolf DON LOPE DE VILLALOBOS Y SANGRÍN, sind nach turbulenten Ereignissen auf ihr gestrandet. Auf einem Piratenschiff auf der Suche nach den TANGERINENINSELN brachte ein Sturm und das unerwartete Auftauchen eines mysteriösen anderen Schiffes die Mannschaft derart in Gefahr, so dass die beiden sonst so standhaften Helden über Bord gingen. Zunächst scheint es sich um ein von Menschen verlassenes Eiland zu handeln. Aber bald schon machen sie die Bekanntschaft eines Einsiedlers, erzwungenermaßen ebenfalls durch Schiffbruch. Und ebenso bald, als sie die findige Experimentierfreude des alten Mannes kennenlernen, wünschen sie sich, sie hätten ihn nie getroffen …

Weiter geht es mit AKT III und AKT IV des groß angelegten, klassischen, romantischen Abenteuers im Stile einer längst vergangenen Ära. So dürfen auch die beiden Helden verstanden werden, die sich hier den Widrigkeiten des Lebens stellen. In einer Welt, in der ein Mann ein Mann zu sein hat, was auch kämpferische Fertigkeiten anbelangt, sind diese beiden noch Besonderheiten, denn Ehre steht weit vorne in der Liste der charakterlichen Grundfesten. Tapferkeit folgt gleich hinterher, selbst angesichts der Aussicht von Kannibalen in den Kochtopf geworfen zu werden.

MIT MANTEL UND DEGEN folgt hier gleich zwei Handlungssträngen, einmal jenen der beiden erwähnten Abenteurer, kurz ARMAND und DON LOPE, zum anderen den Spuren der Piraten und einer starken Frau, Doña HERMINE, deren Stolz einem verliebten DON LOPE schwer zu schaffen macht. Und diese starke Frau zeigt den Piraten später, wo der Hase langläuft. Apropos Hase! EUSEBIUS, das weiße Kaninchen, ist die knuffigste Heldenfigur, die jemals das Licht einer Comicseite erblickte! Punkt!

Spaß beiseite. Was macht die besondere Qualität dieser Comicserie aus? Hier gibt es nicht nur ein Feuerwerk der Schauplätze, darüber hinaus ist auch keine Wendung vorhersehbar. Nicht einmal der in Comics am besten bewanderte (oder überhaupt in Geschichten aller Art und Medien), wird zu Beginn eines Abenteuers vorhersehen können, wohin die Reise geht. JEAN-LUC MASBOU versteht es, den Lesern mit diesen Schauplätzen zu überraschen. Hauptfiguren und Nebencharaktere spielen einander die Bälle zu.

Und von neuen Figuren wie dem Gelehrten BOMBASTUS JOHANNES THEOPHRASTUS ALMAGESTUS WERNHER VON ULM ist man als Leser gleich fasziniert, weil das Spektrum sogleich um ein Vielfaches erweitert wird. Jede Figur bringt neue Energie, neue Fertigkeiten. Mit BOMBASTUS, wie er kurz genannt werden will, gar jemand, dem es in seiner Einsamkeit nach jemandem verlangt hat, dessen Fähigkeiten anerkannt und gewürdigt werden wollen. Deshalb geht kurz darauf schon zu einem Testflug in die Luft.

Bislang bin ich nur auf den AKT III eingegangen. In AKT IV tun sich wieder komplett neue Möglichkeiten auf. Die Theatralik des Abenteuers, so fantastisch wie das wunderbare Buch DIE BRAUTPRINZESSIN von WILLIAM GOLDMAN oder WILLIAM SHAKESPEARES SOMMERNACHTSTRAUM, eine regelrechte Sammlung von Anekdoten, muss letztlich in ein richtiges Theaterstück münden. Dann wird es erst richtig turbulent. Oder wie HERMINE sagt: Meine Herren, wir müssen nur eines sein: Komisch!

Das gelingt sowieso durchweg. Getragen von den tollen Illustrationen, weiterhin märchenhaft bunt und detailverliebt, die sich einem gängigen Strich verweigern, ist auch die vorliegende Zusammenfassung von AKT III und AKT IV ein Abenteuer, das optisch genossen werden will. Die Bilder wollen einzeln erfasst werden, mit aufmerksamem Auge. Es gibt viel zu entdecken, sozusagen ein grafischer Blockbuster.

Kann man ein Werk zu viel loben? Falls ja, dann hat es die zweite Gesamtausgabe von MANTEL UND DEGEN mehr als verdient. Für alle Freunde des überbordend Abenteuerlichen, des Märchenhaften und der grenzenlosen Einfälle ist MANTEL UND DEGEN genau das richtige Lesevergnügen. Top! 🙂

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Sonntag, 19. Mai 2019

X-MEN BLUE 4 – ZU DEN WAFFEN!

Filed under: Superhelden — Michael um 18:14

X-MEN BLUE 4 - ZU DEN WAFFEN!Sekundäre Mutationen treffen die X-MEN unvorbereitet. BEAK, ein junger Mutant, der lange unter seinem vogelähnlichen Aussehen gelitten hat, sogar eine Verbesserung erlebte, muss mit regelrechtem Entsetzen miterleben, wie sich seine Gestalt wieder von der eines normal aussehenden Menschen entfernt. Die X-MEN an seiner Seite stehen den Veränderungen hilflos gegenüber. Jegliche Schlagkraft hat dem scheinbar unkontrollierten Wachstum nichts entgegenzusetzen. Alles, was den X-MEN bleibt, ist, jene zu schützen, die den menschlichen Angriffen oder solchen von SENTINELS hilflos ausgesetzt sind.

Autor CULLEN BUNN stützt sich auf vergangene Ereignisse, die es wieder einmal schafften, die Welt der X-MEN gehörig aus den Angeln zu heben, alles kräftig durchzuschütteln und ein riesiges Chaos zu hinterlassen. Ein Tanztee, in dem die MUTANTEN mächtig mit sich selbst beschäftigt sind und den Rest der Welt vergessen.

Nehmen wir ERIK LEHNSHERR alias MAGNETO, der sich hier auf eine gerechtere Seite als sonst schlägt, weil seine geliebten MUTANTEN zugunsten einer groß angelegten Veränderung derselben als Versuchskaninchen benutzt werden. Das Zauberwort lautet MOTHERVINE. Eine sekundäre Mutation wird bei MUTANTEN zutage gefördert. Leider klappt dieser Prozess nicht immer reibungslos und manchmal auch zum gesundheitlichen Nachteil des jeweiligen Individuums. In einem Zweikampf muss MAGNETO erfahren, wie gewaltig die Macht eines MUTANTEN mit einer sekundären Veränderung werden kann. Fast gelingt es SEBASTIAN SHAW den sonst so allgewaltigen MAGNETO im HELLFIRE CLUB zu besiegen.

Nicht mehr alles schwarz oder weiß! Es gab eine Zeit, da war bei den X-MEN alles strikt getrennt. Wer wo stand und mit wem, an wessen Seite, das war klar wie Kloßbrühe. Das hat sich in X-MEN BLUE 4, Untertitel ZU DEN WAFFEN!, gehörig geändert. Das Titelbild gibt schon einen kleinen Hinweis, denn die dort abgebildete Truppe ist außergewöhnlich. POLARIS (mit den grünen Haaren), die Tochter von MAGNETO, mittig vorneweg. Links flankiert von WOLVERINES SOHN JAMES HUDSON (von einer alternativen Erde), rechts flankiert DAKEN, WOLVERINES SOHN (von dieser Erde), links oben XORN, rechts oben BLOODSTORM (die vampirisierte STORM einer alternativen Erde). Und zum guten Schluss im Hintergrund die blinde GAZING NIGHTSHADE.

CULLEN BUNN verlässt alte Pfade völlig. Die neue Mischung macht letztlich alles möglich. Überraschungen warten an jeder Ecke, so zum Beispiel ein HAVOK, CYCLOPS BRUDER, auf der Seite der bösen MUTANTEN oder auch ein VENOM, der Seite an Seite mit CYCLOPS, ANGEL und anderen in einem Raumschiff durchs Alle treibt. Es ist eine komplexe Geschichte mit vielen Sequenzsprüngen und vielen, vielen mit SUPERKRÄFTEN ausgestatteten Figuren. Das macht umso mehr Spaß, da sich hier ein paar großartige Illustratoren an die Umsetzung gemacht haben.

Gleich vier Zeichner, nämlich JORGE MOLINA, MIKE PERKINS, R.B. SILVA und MARCUS TO, treiben die action-reiche Handlung voran. Versiert sind sie alle, technisch perfekt, so dass jeder Fan für sich seinen persönlichen Favoriten ausfindig machen kann. Die Bilder, die mir am besten gefallen, stammen von JORGE MOLINA (eröffnet den Reigen von Beginn an) und MARCUS TO, dessen Grafiken und Darstellung ist einfach nur elegant finde. Die Dynamik in Bewegungsabläufen und Haltungen seiner Figuren ist ungeheuer organisch und variantenreich. Er hat ein paar Action-Szenen zu bewältigen, die nicht nur in sich sehr komplex sind, sondern auch sein sehr gutes Auge für den Aufbau einer Seite offenbaren.

Eine gelungene Mischung von Teams, vorgegeben selbstveständlich von CULLEN BUNN, wird von den Künstlern in Stimmungen gezeichnet, die zeitweise an die tollen Finale beispielsweise auf X-MEN oder X-MEN: DER LETZTE WIDERSTAND. Zugute kommen dem Ganzen das Quartett aus Schurken, HAVOK, BASTON, MISS SINISTER und EMMA FROST. Wenn diese gegen MAGNETO antreten, wird für den Leser ein Comic-Fest daraus.

MOTHERVINE, eine neue Bedrohung der MUTANTEN, steht im Zentrum des vierten Bandes um die X-MEN BLUE (eine der Reihen u.a. neben GOLD und RED). Obwohl seitens der sogenannten Bösen eingesetzt, kann niemand MOTHERVINE kontrollieren. Ein feiner roter Faden zeiht sich durch das von CULLEN BUNN orchestrierte und vorzüglich illustrierte (scheinbare) Chaos. Beste X-MEN-Action! 🙂

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Dienstag, 14. Mai 2019

STAR WARS – LANDO – DOPPELT ODER NICHTS

Filed under: SciFi — Michael um 17:14

STAR WARS - LANDO - DOPPELT ODER NICHTSLange bevor LANDO CALRISSIAN die TIBANNA-GASMINE auf BESPIN betrieb und seine persönlichen Erfahrungen mit dem IMPERIUM erweiterte, war er Spieler, Schmuggler und Glücksritter. Gemeinsam mit dem Droiden L3-37 begibt er sich für reichlich Credits in gefährliche Situationen, schreibt ganz nebenbei an seinen Memoiren. Er tritt gerne arrogant und mit einer Spur Größenwahn auf, hält sich für den Ladykiller schlechthin, obwohl es eigentlich in seinem Leben nur eine wirklich große Liebe gibt. Eines Tages macht er die Bekanntschaft von KRISTISS, einer petrusianischen Händlerin, die nichts weniger von ihm verlangt, als (gegen reichlich Credits, versteht sich) den imperialen Sklaven auf PETRUSIA Waffen zu liefern, so dass sie sich gegen die dortige Besatzung erheben können.

LANDO CALRISSIAN ist zurück! 2016 erschien bereits einmal ein Sammelband einer Miniserie mit dem sympathischen Schurken. Damals, vor der Verflimung der Jugendabenteuer von HAN SOLO, nahm sich der ALEX MALEEV noch den Schauspieler des Originals, BILLY DEE WILLIAMS, zum Vorbild (der auch wieder in STAR WARS EPISODE IX: DER AUFSTIEG SKYWALKERS dabei ist). Hier übernimmt PAOLO VILLANELLI den Zeichenstift und hält sich grafisch an den Darsteller der jüngeren Version LANDOS, nämlich DONALD GLOVER (man sieht es gleich auf dem Titelbild).

STAR WARS bedeutet Sternenkrieg. Davon findet sich hier reichlich. Denn LANDO CALRISSIAN legt sich gleich zuhauf mit den berüchtigten STORMTROOPERS an. Auf das andere Markenzeichen, außerirdische Rassen, trifft er vergleichsweise wenig und wenn doch, ist die Gestaltung derselben recht konventionell geraten, sehr humanoid und aus heutiger Sicht vielseitig einsetzbar. Denn diese Kreaturen könnten mittlerweile auch die Universen von HARRY POTTER und anderer Franchises bevölkern. Aber PAOLO VILLANELLI und Kolorist ANDRES MOSSA verwöhnen den Leser dafür mit jeder Menge High-Tech-Action, zu Fuß, in der Luft und im Weltraum.

LANDO CALRISSIAN besaß den MILLENIUM FALCON früher als HAN SOLO und verlor diesen in einem ehrlichen Spiel an den späteren Ehemann von PRINZESSIN LEIA. Demzufolge gibt es hier (wie auch im Film SOLO zu sehen) noch ein paar Modifikationen, die in der ursprünglichen Filmtrilogie nicht mehr existieren. Ehrlicherweise muss man sagen, dass der FALKE hier mehr an einen Rennwagen erinnert als an den späteren (zumindest äußerlich) eher gemütlichen YT-1300-FRACHTER. Die technische Optik stimmt vollkommen. Wer die Comics rund um STAR WARS verfolgt, weiß, dass gerade auf diesen Aspekt von jeher sehr viel Wert gelegt wird. Seit sich die Computer in den letzten beiden Jahrzehnten bei der Bearbeitung der Comics durchgesetzt haben, ist die Anmutung meist so, als seien sie einem nicht existenten Film entnommen worden.

Eine schöne Sequenz innerhalb der vorliegenden Geschichte, DOPPEL ODER NICHTS, ist fast als Hommage an die eigene Saga zu verstehen. Als sich L3-37 zur Anführerin eines Aufstandes aufschwingt und Verstärkung für ihren menschlichen Freund herbeiholt, erinnert das stark an andere Momente, in denen DROIDEN sich anschickten, das Joch ihrer organischen Besitzer abzuwerfen. (Sogar DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK spielt damit, siehe DROIDENKOPFGELDJÄGER. Oder jüngst in der Comicstrecke DOKTOR APHRA, in der sich zwei DROIDEN zu Anführern eines Gangstersyndikats küren.)

Perfekt illustriert. PAOLO VILLANELLI zeichnet das Abenteuer von LANDO CALRISSIAN technisch klasse, brilliert mit Actionszenen und gestaltet mit KRISTISS eine starke Frauenfigur mit genügend Format, um das STAR-WARS-UNIVERSUM noch mehrmals zu bereichern. DOPPELT ODER NICHTS fügt sich toll in LANDOS Vorgeschichte ein. Sehr schön! 🙂

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LINKS (hier im Comicblog): http://www.comicblog.de/2016/06/20/star-wars-lando/ (frühere Abenteuer von LANDO CALRISSIAN)

Donnerstag, 09. Mai 2019

PARIS 2119

Filed under: SciFi — Michael um 17:42

PARIS 2119PARIS im Jahre 2119. Die Welt hat sich in eine Richtung entwickelt, die einst von vielen Menschen, Wissenschaftlern, Intellektuellen befürchtet worden ist. Es regnet. Es ist schmutzig. Es herrscht totale Überwachung mittels implantierter Chips. Kleine Drohnen fliegen überall herum und beobachten das Geschehen. Echtes Reisen ist verpönt. Man reist per TRANSCORE. Körper werden übermittelt. Das geht rasend schnell. Es ist sicher. Es wird benutzt, ohne einen einzigen Gedanken an irgendwelche Risiken zu verschwenden. TRISTAN sieht es nicht gern, wenn seine Freundin CHLOÉ das System benutzt …

Eine Dystopie. Was mag geschehen, wenn Menschen und ihre millionenhaften Reisen tagtäglich quer über den Erdball das System Natur an den Rand des Zusammenbruchs und darüber hinaus treiben? ZEP, verantwortlich für Szenario und Storyboard, hat den Faden weitergesponnen und mit TRANSCORE eine Abhilfe kreiert, die durchaus an das gute alte BEAMEN erinnert. Aber wie es genau funktioniert, scheint niemand zu wissen. Zu sehen, wie in der guten alten Fernsehserie mit CAPTAIN KIRK, ist es jedenfalls nicht. TRANSCORE ist Reisen in einer BLACKBOX.

ZEP hat die Gegenwart konsequent weitergesponnen. Lässt man außen vor, wie die TRANSCORE-Technik funktionieren soll, ob es jemals solch leistungsstarke Rechner geben wird, die ein derartiges technisches Wunderwerk ermöglichen, ist der Rest der gezeigten Gesellschaft nicht sehr unrealistisch. Die Vereinzelung, Individualisierung ist auf die Spitze getrieben. Kleine trockene Zonen ragen wie Lichtungen aus den Schlechtwetterstadtteilen inmitten von Paris heraus. Die Stadt selbst ist nach einhundert Jahren erkennbar. Wahrzeichen stehen noch zwischen modernen, neueren Segmenten, riesig und, zieht man Rückschlüsse aus den beleuchteten Fassaden, augenscheinlich übervölkert.

Modisch, das dürfte entsprechenden Enthusiasten sauer aufstoßen, hat sich nicht viel getan. TRISTAN, der Held der Geschichte, ist kleidungstechnisch der Vergangenheit verfallen, und alle anderen dürften heutzutage kaum anders von einem JEAN PAUL GAUTIER eingekleidet werden (wenn er einen vergleichsweise modetechnisch mutlosen Tag hat). Interessanter sind da schon die kleinen Helferlein, die eindeutig unterseeisch inspiriert daher kommen, beziehungsweise fliegen. Teils schwirren sie großartig herum, teils finden sich tatsächlich simulierte Fische in der Luft. Ein HAI wirkt gar wie eine Hommage ein ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT 2. Und so wie ZEP diese Zukunft konstruiert, wirkt sie wie eingefroren. Der Menschheit scheinen neue Ideen abhanden gekommen. Denn dort, wo es sich nicht als relativ SCHÖNE NEUE WELT präsentiert, dominieren die SLUMS die Szene.

ZEP zeichnet sich neben der Handlung für das STORYBOARD verantwortlich. Die Geschichte driftet aus der Enge, dem persönlichen Eindruck immer mehr in die Weite, auf das große Ganze. Mochte man sich zu Beginn noch mit dieser Welt im Kleinen anfreunden, verliert sich dieser Wunsch zusehends, je mehr sich die Sequenzen außerhalb des schönen Scheins abspielen. DOMINIQUE BERTAIL (Zeichner) und GAETAN GEORGES (Farben) gestalten diese Welt in einem Stil, dem ein wenig der alte MOEBIUS anhaftet. Ein wenig ätherisch, etwas MATRIXHAFT anzuschauen sind die Menschen, die etwas auf sich halten.

Wird es in den Slums düster, verliert sich das gute Aussehen. Wo Drogen das Leben bestimmen, versacken die Menschen unter einem geistigen Leichentuch. Das PARIS der Zukunft ahmt asiatische Zustände kleiner Schlafboxen nach. Der Dauerregen wirkt wie ein Trauerflor über dieser Welt im Stillstand. Die HANDARBEIT mit TUSCHE und AQUARELLFARBEN steht der durchweg stimmigen Atmosphäre von Anfang bis Ende sehr gut zu Gesicht. Man ist als Leser bereits nach den ersten fünf Seiten eingefangen (und froh, wenn die Düsternis, wenn auch nur kurz, durch eine aseptische Helligkeit abgelöst wird).

Stimmungsvoll, manchmal märchenhaft, verwunschen bildet PARIS 2119 keine wünschenswerte (aber sehr gut konstruierte) Zukunft ab. Es ist eine, die abschreckt, erschreckt, erschreckend konsequent weitergesponnen wurde. Sehr schöne Illustrationen gehen mit einer fein erzählten, leicht tragischen Geschichte Hand in Hand. Klasse! 🙂

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Oder bei Schreiber und Leser.