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Comic Blog


Freitag, 24. November 2017

SARA LONE 2 – CARCANO GIRL

Filed under: Thriller — Michael um 11:17

SARA LONE 2 - CARCANO GIRLWashington am 26. April 1961. Zwei Männer sitzen völlig unverfänglich auf einer Parkbank und unterhalten sich. Der eine isst einen Hot Dog, lässt ein paar Krümel für die Tauben auf den Boden fallen. So harmlos die Szene ist, so aufgewühlt sind beide Männer, was die politische Situation anbelangt. Kurz zuvor ist die Invasion in der Schweinebucht auf Kuba gescheitert. Aus den Gedanken der Unzufriedenheit mit dem Oberbefehlshaber der Vereinigten Staaten, dem Präsidenten, entstehen dunkle Ideen …

Im Mai 1561 wird vor langer Zeit ein Nährboden für weitere Ereignisse zu Beginn der 1960er Jahre in den Vereinigten Staaten, im Bundesstaat Texas gelegt. Die junge Frau, die beschlossen hat, unter ihrem Künstlernamen SARA LONE zu leben, befindet sich an Bord der PINKY PRINCESS, einem Krabbenkutter. Der Fang ist äußerst mager ausgefallen. Auf dem Schiff beschäftigt sie zwei Schwarze, ein Umstand, der bei der örtlichen Gewerkschaft nicht gut angesehen ist, denn in der Gegend ist nicht nur die allgemeine Stimmung gegen dieses Arrangement, sondern auch die Rassisten des Ku-Klux-Klan machen Front gegen Sara …

Ich mag die Epoche, die 1960er, aus heutiger Sicht. Es war eine hoch politische, sehr emotionale Zeitspanne, in der historisch gesehen, viel geschah. Für jene, die diese Zeit, auch und gerade in den Vereinigten Staaten von Amerika, aktiv erlebten, wird es mitunter eine Spur zu viel der Umwälzungen und der Ereignisse gewesen sein. Die kriegerische und politische Einflussnahme in anderen Ländern, wird auch im zweiten Band von SARA LONE thematisiert, ohne allerdings genau auf die diskutierten Ereignisse einzugehen. Der Untertitel, CARCANO GIRL, bezieht sich auf ein sehr spezielles Gewehr, das im November 1963 von LEE HARVEY OSWALD für das Attentat auf den amerikanischen Präsidenten JOHN F. KENNEDY benutzt worden sein soll (das Vorwort erläutert kurz den Begriff CARCANO).

Die hier geschilderte Geschichte, ein historischer Thriller von ERIK ARNOUX, ergeht sich einerseits in Andeutungen, andererseits fängt sie die Stimmung jener frühen 1960er Jahre in den USA ein, in denen mit einem sehr jungen Präsidenten Aufbruchsstimmung herrschte, allerdings Rassenunruhen und Morde zu einem fortwährend über den Köpfen baumelnden Damoklesschwert wurden. Jederzeit und überall konnte Gewalt ausbrechen. Inmitten dieser Zeit steht SARA LONE mit ganz eigenen Problemen, Geldsorgen vorneweg. Ihrer kleinen Firma geht es nicht gut. In einer von Männern dominierten Region, rassistisch, sexistisch, ungehobelt, ungebildet, brutal, ja unmenschlich, versucht sie gegen die bestehenden Verhältnisse anzukommen. Sie hat Unterstützung, aber diese ist gering. Alles in dieser Handlung ist darauf abgestimmt, sich wie eine Schlinge immer enger um die Hauptfigur zusammenzuziehen.

Der künstlerische Ausdruck von Zeichner und Kolorist DAVID MORANCHO erinnert an den ebenfalls sehr leichten Strich von MICHEL BLANC-DUMONT. Sehr auf Realismus bedacht, strichtechnisch sehr zart, zerbrechlich warten die Bilder von DAVID MORANCHO mit hauptsächlich drei Handlungskreisen auf. Die texanische Küste, das Küstenstädtchen, der Krabbenkutter bilden einen dieser Kreise. Der zweite führt weiter in die Vergangenheit an die mexikanische Küste und auf eine spanische Galeone. Der dritte Handlungsort, viel enger begrenzt, ist ein Park in Washington und bietet ein Stelldichein von menschlichen wie tierischen Begegnungen, fast so als träfe hier eine us-amerikanische heile Welt konzentriert aufeinander.

Während höchst brisante Gespräche geführt werden, gehen Familien spazieren, führen Leute ihre Hunde aus oder genehmigen sich an einem typischen Hot-Dog-Stand eine Mahlzeit. Diese Szenerie wirkt stellvertretend für den gesamten Zeitgeist, den DAVID MORANCHO durch den gesamten Band hinweg perfekt einzufangen vermag. Und es gibt nicht nur diese Heile-Welt-Seiten. Auch die sehr dunklen Kapitel jener Tage werden nicht ausgespart.

Ein gelungener Thriller, die zweite von insgesamt vier Folgen, angesiedelt zu Beginn der 1960er Jahre, mit viel feinem Zeitkolorit, gutem Gespür für jene Epoche erzählt und atmosphärisch illustriert. Für alle Thriller-Fans, Freunde verschachtelter Handlungen, geheimnisvollen Szenarien vor historischer Kulisse. Fein. 🙂

SARA LONE 2, CARCANO GIRL: Bei Amazon bestellen.
Oder bei All Verlag.

Montag, 20. November 2017

DER JANITOR 5 – HÖLLENBRUT

Filed under: Thriller — Michael um 18:58

DER JANITOR 5 – HÖLLENBRUTIn der Erinnerung von BRUDER VINCE alias JANITOR TRIAS hat sich eine merkwürdige Episode eingebrannt. In der fernen Vergangenheit treffen zwei verfeindete Gruppen aufeinander. Beide jagen sie Teufelsanbeter und doch sind sie bei religiös verfeindet. Aber es geschieht das scheinbar Unmögliche. Die beiden Gruppen treffen eine Übereinkunft. BRUDER VINCE kann sich diese Geschehnisse nicht erklären. Noch weniger kann er ahnen, wie groß der Einfluss dieser wiederkehrenden Visionen auf sein reales Leben sein wird.

Südamerika und Mittelamerika haben mit ihren politisch und gesellschaftlich instabilen Verhältnissen schon häufiger als Zufluchtsort für flüchtige Politiker und dubiose Individualisten gedient. Nazis, ehemalige Kommunisten oder Sekten haben für reichliche Negativschlagzeilen gesorgt. Kurzum, oft dienten die weitläufigen, sehr undurchsichtigen Landstriche als perfektes Versteck für jene, denen anderswo in der westlichen Welt wenigstens ein Prozess drohte. YVES SENTE setzt mit DER JANITOR 5, Untertitel HÖLLENBRUT, nach mehreren Jahren Pause seine Thriller-Reihe um den JANITOR TRIAS, alias BRUDER VINCE, fort.

Bei den JANITOREN handelt sich um eine Gruppe von zwölf Personen, die vom VATIKAN in besonderen Fällen als, grob gesagt, spezielle Ermittler und Sicherheitsbeauftragte eingesetzt werden. Vince, der selber nicht dem Status eines Priesters unterliegt, ist als Waise in die Obhut der Kirche gelangt. Ihr dient er treu, nicht immer ohne zu fragen. Denn an seiner Herkunft gibt es ebenfalls einige Aspekte zu lüften, nicht nur in seinem aktuellen Fall, der ihn in der fünften Folge (die nahtlos an die vorherige Episode anschließt) nach CANCUN, MEXIKO führt.

Hier startet YVES SENTE mit einem Abschnitt seiner Geschichte, seltsamen Verschwörungstheorien, wahnwitzigen Ideen im Zusammenhang mit den Forschungen der Nazis, die zum Beispiel von IRA LEVIN mit THE BOYS FROM BRAZIL oder FREDERICK FORSYTH mit THE ODESSA FILE vor Jahrzehnten aufgegriffen wurden. YVES SENTE geht noch einen Schritt weiter und spannt einen weiten historischen Bogen, der bis weit ins Mittelalter reicht, als sich Tempelritter (Christen) mit muslimischen Kriegern zur Erreichung gemeinsamer Ziele verbünden.

In der Gegenwart wandelt sich das Szenario schnell von einer recht detektivischen Geschichte in einen rasanten Thriller, in dem es für den JANITOR TRIAS nur noch ums nackte Überleben geht. Inmitten eines immergrünen Dschungels, geschützt durch einen mit Alligatoren verseuchten Sumpf wartet eine modern gruselige Ruine mit vielen Antworten auf. YVES SENTE vergisst aber auch den kleinen Mystery-Abstecher in seiner Handlung nicht, denn die Herkunft des JANITORS lüftet sich ebenfalls langsam, meist in Form eines kleinen Mädchens, das einige Erklärungen parat hält und dem JANITOR seit der ersten Folge, DER ENGEL AUS VALLETTA, erscheint.

FRANCOIS BOUCQ behält seinen tollen Grafikstil bei. Dem Realismus zugewandt, auf Augenhöhe mit Kollegen wie PHILIPPE FRANCQ (LARGO WINCH) oder COLIN WILSON (WONDERBALL) entspinnt sich trotz eines sehr sonnigen Schauplatzes ein enorm düsteres Szenario. Wohl platzierte Tuschestriche vermitteln den Eindruck alter Schule, wie sie sich schon in den Zeichnungen eines JEAN GIRAUD findet. In der Farbgebung sind die beiden Koloristen ALEXANDRE BOUCQ und ebenfalls FRANCOIS BOUCQ dem Realismus verpflichtet, die alte Schule mit zuweilen psychedelischen Farbfolgen treten hier nicht auf. Die beiden BOUCQS achten darauf, dass die jeweilige Ausleuchtung der tatsächlichen Stimmung entspricht. Das wirkt immer noch gruselig, wenn sich nächtens in bester JAMES-BOND-Manier eine Notbeleuchtung einschaltet und zum Versprechen auf einen heißen Showdown wird.

Noch nicht das Ende: DER JANITOR 5, HÖLLENBRUT, setzt die Thriller-Reihe um den JANITOR TRIAS fort. Fernab seiner Auftraggeber im Vatikan, auf der anderen Seite des Erdballs in Mexiko, löst sich ein lange erwarteter erster Handlungsstrang auf, hinterlässt aber noch offene Fragen. Spannend, flott erzählt von YVES SENTE, gewohnt gut aus den ersten vier Folgen, fein illustriert von Stammzeichner FRANCOIS BOUCQ. So darf es weitergehen. Klasse! 🙂

DER JANITOR 5, HÖLLENBRUT: Bei Amazon bestellen.
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Weitere Infos zu bisherigen Folgen auf comicblog.de:

DER JANITOR 1 – DER ENGEL AUS VALLETTA
DER JANITOR 2 – WOCHENENDE IN DAVOS
DER JANITOR 3 – BEGEGNUNG IN PORTO CERVO
DER JANITOR 4 – SCHATTEN DER VERGANGENHEIT

Mittwoch, 15. November 2017

FIX & FOXI 1 – Das Spukschloss

Filed under: Comics im Hörspiel — Michael um 16:50

FIX UND FOXI 1 - DAS SPUKSCHLOSSAuch ein LUPO braucht mal eine Portion Glück. In einer Testamentseröffnung hofft er auf den großen Wurf, leider besteht das Erbe nur aus der recht verstimmten Wandergitarre seines Onkels Ludwig von Gruselstein. Bevor er allerdings seinen Freunden FIX und FOXI allzu sehr mit seinem ziemlich krummen Gesang zur furchtbar klingenden Gitarre auf den Wecker gehen kann, findet sich im Klangkörper des Erbstücks ein interessantes Schreiben: Die Besitzurkunde von Schloss Gruselstein! Sollte LUPO doch einmal auf der Gewinnerseite stehen?

Da werden Kindheitserinnerungen an eine feine Comic-Familie wach: FIX, FOXI, LUPO, PROFESSOR KNOX, OMA EUSEBIA, ONKEL FAX, LUPINCHEN und einige mehr. Die erste Folge aus der Hörspielserie FIX und FOXI aus dem Jahr 2000 trägt den Untertitel DAS SPUKSCHLOSS und kommt, wie das Titelbild zeigt, mit nur dreien der Charaktere aus FUXHOLZEN aus, nämlich FIX (Sprecher: DAVID TURBA) und FOXI (Sprecher: MICHAEL WIESNER), die ihren Freund LUPO hier tatkräftig unterstützen.

Alles beginnt mit einem geisterhaften Alptraum. Das lässt sich zunächst nur erahnen und setzt sofort einen Spannungsakzent, der den jugendlichen Hörer einfangen soll. Denn danach ist durch den Einsatz von LUPO erst einmal Humor Trumpf. LUPO ist nicht der Schlaueste, er ist etwas naiv, stimmlich von CLAUDIO MANISCALO getragen, vielleicht etwas zu hoch geraten für eine so große Figur, aber vom Charakter der Figur her treffend.

Der Comic-Charakter des Hörspiels insgesamt überträgt sich durch eine sehr komödiantische Darstellung der Figuren, wie eben bei LUPO. Einen Erzähler, der in die Welt von FIX und FOXI einführt, gibt es nicht, weshalb die jugendlichen Hörer mit den Comic-Figuren schon vertraut sein müssen. Wer das nicht ist, kann den Auftakt der Reihe wie jedes andere Kinderhörspiel verfolgen, mit einer klaren Reglementierung, wer die Guten und wer die Bösen sind.

Auf der Seite der Bösewichte, passenderweise VILLAIN genannt, sticht UDO SCHENK heraus, einer der bekanntesten Synchronsprecher Deutschlands (Standardstimme von KEVIN BACON), nicht zuletzt, da er zu jenen Sprechern gehört, die durch ihren häufigen Auftritt im Dauerbrenner IN ALLER FREUNDSCHAFT auch ein Gesicht zur Stimme bieten. Wie gruselig seine Stimme sein kann, werden jene Zuschauer unterschreiben können, die ihn als Interpreten von VOLDEMORT aus den HARRY-POTTER-FILMEN kennen.

Ein lustiges Abenteuer aus der Welt von FIX und FOXI, launige, geisterhafte Szenen inklusive, sehr kurzweilig erzählt, mit darstellerischem Spaß gespielt. Fein. 🙂

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Sonntag, 12. November 2017

ECHO 2 – DESERT RUN

Filed under: SciFi — Michael um 18:46

ECHO 2 - DESERT RUNEine Konfrontation zwischen Julie und dem Vagabunden Cain gibt Aufschluss über einen Teil der Macht, die das seltsame silbrig schimmernde Material an Julies Körper in sich trägt. Zerstörung ist eine Seite der Medaille. Diese Gewalt macht Julie und ihren Gefährten Dillon zum Ziel. Zu ihrem Pech ist sie leicht zu finden. Zu ihrem Glück wird sie auch von der richtigen Person gefunden. Aber deshalb ist sie noch lange nicht in Sicherheit, obwohl sie so eine mit allen Wassern gewaschene Verbündete erhält …

TERRY MOORE könnte, vergleicht man seine Arbeit an ECHO mit Serien wie FRINGE oder LOST, ein Bruder im Geiste von J.J. ABRAMS sein. Wie begnadet TERRY MOORE Geschichten erzählen kann, ist bereits bei seinen Serien RACHEL RISING und STRANGERS IN PARADISE aufgefallen. Mit ECHO wird gleichzeitig deutlich, welche fantasievolle Bandbreite TERRY MOORE zur Verfügung steht. Ein Hoch auf die freie Comicszene, in der solche Geschichten möglich sind und gleichzeitig ihre Leserschaft finden. Man könnte ECHO mit Superheldengeschichten vergleichen, genauer gesagt der Entstehung von Superhelden. Aber der Science-Fiction-Ansatz und die entsprechende Herangehensweise ist bei TERRY MOORE viel stärker. Und sie ist um ein Vielfaches gefühlvoller.

PHI. 1,618: In einer sehr ausschlaggebenden Sequenz stellt TERRY MOORE das physikalische Grundverständnis auf den Kopf. Ich lasse es als mathematischer Laie einmal dahingestellt sein, ob etwas daran stimmt oder nicht oder wie viel. Wichtig ist, wie plausibel die Erklärung ist und wie unterhaltsam. Sie ist es gleichermaßen. Als die Sequenz kippt, dem Sachverhalt wieder das Gefühl folgt, zeigt TERRY MOORE, wie fein, dramatisch und schnell er neue Emotionen beim Leser herauszukitzeln vermag.

Stichwort: Gefühlvoll. Ein starkes Instrument MOORES ist die Überraschung. Sie wird von ihm mit starker Präzision eingesetzt. Die Gefahr für die Hauptfigur wird schrittweise größer, die Gegner mehr und ungewöhnlicher. Dachte der Leser, der seltsame Landstreicher, der ebenfalls etwas von der silbrigen Haut abbekommen hat, könne in diesem Spiel nicht getoppt werden, findet in Bälde neben sonstigen Killern eine echte Kuriosität. Denn ungewöhnliche Helden brauchen noch ungewöhnlichere Gegner. Gleichfalls mit merkwürdigen Entstehungsgeschichten versehen, schaffen sie ein gruseliges Ungleichgewicht. Und wie schon in RACHEL RISING liegt bei der TERRY MOORE der Schwerpunkt auf gruselig.

Grafisch (erzählerisch natürlich auch) beherrscht TERRY MOORE Frauencharaktere aus dem FF. Kreativer fallen Nebenfiguren aus (die eben meist Männer sind). Ist DILLON MURPHY, die langzeitige Begleitperson JULIES, relativ gewöhnlich geraten, ist ein DAN BACKER beispielhaft für eine gewisse sympathische Gemütlichkeit, die TERRY MOORE gerne für die Guten heranzieht. Zugleich ist die Namensgebung auffällig. Würde man die Namen der beiden Figuren tauschen, würde es nicht funktionieren. TERRY MOORE versteht es, seinen Namen ein Gesicht zu geben (vielleicht irritiert mich aber auch die Klangähnlichkeit zu DAN BLOCKER).

Wenn Gewalt unvermeidbar ist (Auftragskiller haben nun mal diese Art und Weise an einen Job heranzugehen), dann findet sich der Leser neben den eindeutig sehr mysteriös angehauchten Auseinandersetzungen in ein paar sehr brachialen Thriller-Schießereien wieder. Gerade im letzten Drittel entstehen einerseits durch diese Anteile nervenzerrende Szenen, aber gelungene Wechsel, wenn es nach echter Action plötzlich wieder höchst mysteriös wird. Hier lässt sich von einem echten Pageturner sprechen.

Superhelden-SciFi-Thriller-Serie mit Suchtfaktor. TERRY MOORE versteht es wie in den aktuellen Serienreißern, Spannung am laufenden Band aufzubauen und einen durchgehenden, hoch interessanten roten Faden zu spinnen, an dem man sich als Leser einfach weiterhangeln muss. Ein Kern von sehr sympathischen Charakteren sollte für viele SciFi-begeisterte Leser einen persönlichen Favoriten bereithalten. In gewohnt perfektem Schwarzweiß illustriert, vorbildlich packend erzählt. Klare Empfehlung! 🙂

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Mittwoch, 01. November 2017

NASH Gesamtausgabe – Band 3

Filed under: SciFi — Michael um 18:34

NASH 3 - Kapitel 5 + 6NASH TULSA weiß seit geraumer Zeit um die Besonderheit seiner Tochter. Er hat sein Leben für sie aufs Spiel gesetzt und ist bis in den Weltraum zu ihrer Rettung vorgedrungen. Jahre sind darüber vergangen. Er verdingte sich mit ebenfalls lebensgefährlichen Sonderaufträgen seinen Lebensunterhalt. Bis eines Tages seine Tochter erneut verschwindet und zur zentralen Figur in einem internationalen Skandal um die DOLLY GIRLS wird. Industriell hergestellte Liebessklavinnen entwickeln ein eigenes Bewusstsein. Sie rebellieren immer häufiger und töten ihre Herren …

Betrachtet man die gegenwärtig aktuellen SciFi-Serien, war JEAN-PIERRE PECAU mit seinen Geschichten DAS KLEINE VOLK (2000) und DREAMLAND (2001) thematisch einige Jahre voraus. (Auf der anderen Seite sicherlich beeinflusst von BLADERUNNER und Konsorten.) Künstliche Lebensformen begehren auf gegen die Herrschaft der Menschen, entziehen sich ihnen und gründen sogar eine eigene, sehr mysteriöse Zivilisation. Der Leser befindet sich plötzlich an der Seite von NASH in einem besonderen Krieg wieder. Zuerst trifft es die Reichen, die sich die neuesten Modelle der DOLLYS leisten können. Dann breitet es sich immer weiter aus.

JEAN-PIERRE PECAU erzählt von einem ungewöhnlichen Aufstand und einem solchen, der alles andere als geradlinig erfolgt. Während einige Dollys sich in die Subkultur der Städte mischen, werden andere zu MÄNADEN, verwildern wie moderne Kannibalen und mutieren zu einer unvorhergesehenen Bedrohung. Aus heutiger Sicht darf man sich als Leser uneingeschränkt auf dieses SciFi-Erlebnis freuen, ist es doch weitaus innovativer und abwechslungsreicher, indem es eben nicht als Remake von irgendetwas daherkommt, sondern viele eigene, vor allem (immer noch) neue (und bislang einmalige) Ideen mitbringt.

Das Titelbild von DAMOUR gibt einen kleinen Eindruck jener MÄNADEN. Der Ausdruck geht auf die griechische Mythologie zurück und bezeichnet eine Art weiblichen BESERKER. Gleich von Beginn an darf DAMOUR eine Mischung aus Science-Fiction-Szenario und Horror-Thriller zeichnen. (Angedeutete) Sexszenen schlagen in Mord und Totschlag um. Der Aufmarsch hochgerüsteter Militärs und Polizeieinheiten wechselt schnell in rabiate Action. Die Vorgaben von JEAN-PIERRE PECAU sind seit den Auftritten der ENGEL in den ersten Folgen alles andere als zimperlich. Mit den MÄNADEN geht er noch ein paar Schritte weiter.

Optisch stehen sich hier HighTech und ungebändigte Natur gegenüber. DAMOUR gelingen hier, filmisch gesprochen, viele tolle Einstellungen. In DAS KLEINE VOLK bietet die typische amerikanische Western-Wüste noch die Kulisse. In der Folge DREAMLAND wartet die Geschichte mit einer grünen Hölle auf. Ein Dschungel mit Eigenleben, einem gewissen Gespür für die Absichten seiner Bewohner und bedrohlicher Eindringlinge. Das hat etwas von einer fiesen AVATAR-Atmosphäre (ebenfalls Jahre bevor der Kinoblockbuster herauskam).

Letzteres ist ein gutes Stichwort, denn gerade die dichte Atmosphäre und die kontinuierliche Entwicklung der Hauptfigur machen NASH zu einer Ausnahmeerscheinung innerhalb des Science-Fiction-Genres, weitaus mehr noch innerhalb des Mediums Comic.

Der Knaller setzt sich fort. Starke Einfälle, sehr einprägsame Szenen und Bilder heben die Reihe unter sonstigen Science-Fiction-Geschichten hervor. Grafisch teils hart in Szene gesetzt, aber grundsätzlich klasse von DAMOUR illustriert und poppig, peppig von den beiden Comic-Künstlern STEPHANE ROSA und PIERRE SCHELLE koloriert. Das passt von der ersten bis zur letzten Seite! 🙂

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Freitag, 27. Oktober 2017

STAR WARS – DOKTOR APHRA

Filed under: SciFi — Michael um 17:27

STAR WARS - DOKTOR APHRAAuf FULAN RO ist es APHRA wieder einmal gelungen, ein begehrtes Artefakt an sich zu bringen. Damit hat sie TRIPLE-ZERO um seinen Gewinn gebracht, hatte er doch gegen seinen Kollegen BEETEE gewettet, die Archäologin werde es diesmal nicht zurück schaffen. Vom gleichen Schlag wie ihre Droiden macht sich die junge Frau weiter keine Gedanken über Todeswetten. In ihrem Leben ist irgendwie alles nur Mord und Totschlag. Mit allem anderen hat sie abgeschlossen. Bis ihr Vater auftaucht und er sie überreden kann, ein höheres Ziel ins Auge zu fassen …

Man denke sich, es wäre etwas anders gelaufen bei der Erschaffung der klassischen STAR-WARS-Helden. HAN SOLO wäre etwas schurkischer geworden. CHEWBACCA wäre ein brutaler und schießwütiger Söldner. Und natürlich C-3PO und R2-D2, die beiden Droiden, wären zu mörderischen Spießgesellen geworden, unabhängige psychopathische Killer. Kaum denkbar. Aber im Universum des Kriegs der Sterne ist vieles möglich. Natürlich auch Verbrecher, Stichwort SCHWARZE SONNE.

DOKTOR APHRA schlägt diesen Bogen zu einer scheinbaren Unsympathin. Sie ist eine Mixtur aus HAN SOLO und LARA CROFT, ihres Zeichens ehemalige Mitarbeitern von DARTH VADER und nun wieder selbstständig tätig als Archäologin. Ihr Wookie-Partner BLACK KRRSANTAN ist eine regelrechte Einmannarmee. Ihre Droiden TRIPLE-ZERO und BEETEE sind skrupellose Mörder. Wer sich diesem Gespann in den Weg stellt, ist praktisch schon tot. Autor KIERON GILLEN hat eigentlich nichts vergessen, um diese Antiheldin in das komplette Gegenteil dessen zu verwandeln, was die Fans an ihren STAR-WARS-Helden von der hellen Seite lieb gewonnen haben. Und klar, natürlich ist DOKTOR APHRA im Zeichen comicaler Modernisierung auch homosexuell und steht auf Frauen.

Anders, aber verdammt gut und innerhalb des STAR-WARS-Universums eine echte Überraschung! Durch HAN SOLO weiß der Fan, dass die Halunken nicht immer ganz schlecht sind. Immerhin zeigte sein allererster Auftritt, wie er sich gegen Kopfgeldjäger durchzusetzen wusste. Ein Blasterschuss und die Sache war erledigt, kaltblütig, mit einem coolen Spruch auf den Lippen. Niemand in der CANTINA in MOS EISLEY nahm von dem Vorfall lange Notiz. In ähnlichen Gefilden bewegt sich auch DOKTOR APHRA, deren Doktortitel übrigens auf wackeligen Füßen steht (nicht wegen eines Plagiats, nein, nein).

Mit DOKTOR APHRA hat Autor KIERON GILLEN eine feine Umkehrung bisheriger Spielregeln geschaffen. Die dunkle Seite war stets stark in den Geschichten, ihre Antihelden sind über kurz oder lang zu Helden der Fans geworden. Kopfgeldjäger, Sith, Auftragsmörder, Halunken, Söldner, Schmuggler … Das STAR-WARS-Universum gestattete den meisten doch noch einen weißen Fleck, der einen Zugang ermöglichte. Hier ist es APHRAS Vater, der einer alten JEDI-Legende, den ORDU ASPECTU hinterher jagt. In Zeiten, in denen der erste TODESSTERN bei YAVIN 4 von den Rebellen zerstört wurde, ist die Hatz nach allem, was mit JEDI zu tun hat, eine verflixt schlechte Idee. Und dieser Konsequenz setzt KIERON GILLEN seine Helden nonstop aus.

APHRAS Gegner ist CAPTAIN TOLVAN. Sie dient einmal mehr als Beweis dafür, wie leicht es ist, in imperiale Ungnade zu fallen. Grafisch gehört sie zu den Paradebeispielen von KEV WALKERS fragiler Gestaltungsweise. Die Strichführung variiert nur zeitweilig, wenn nicht KEV WALKER selbst, sondern MARC DEERING zum Tuschestift greift. Wenn es im letzten Viertel zum Finale und zum Showdown kommt, wird es richtig beeindruckend. Hier herrscht eine regelrechte Geisterbahnatmosphäre. Die Tempelanlage sieht geradezu wie eine Konzeption für eine Spieleumsetzung aus, Löcher, die geradewegs in den Weltraum führen, inklusive.

Überaus spannend, abseits der üblichen Spuren von Rebellion und Schmuggel, eher mit ein wenig SCHATTEN-DES-IMPERIUMS-Atmosphäre. Klasse von KEV WALKER illustriert, mit einer tollen Cover-Galerie von KAMOME SHIRAHAMA. Uneingeschränkt für jeden STAR-WARS-Fan zu empfehlen. 🙂

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Montag, 16. Oktober 2017

BLACK PANTHER – Deutscher Trailer

Filed under: Meldungen — Michael um 17:34

BLACK PANTHER - Deutscher TrailerDer erste deutsche Trailer des BLACK PANTHER zum nächsten MARVEL-Hit am 15. Februar 2018 ist online! Der Superheld aus Afrika, genauer aus dem Fantasiestaat Wakanda, hatte bereits im dritten CAPTAIN-AMERICA-Abenteuer einen Auftritt und bekommt nun seinen Solofilm.

Der Look (schon wieder dieses Wort) ist anders, fremdartiger als die sonstigen MARVEL-Filme, wie ein wildes Science-Fiction-Gegenstück zu ASGARD. CHADWICK BOSEMAN geht als BLACK PANTHER an den Start. Oder in seiner zivilen Persönlichkeit, als Herrscher T’CHALLA. STERLING K.BROWN, der zur Zeit einen guten Lauf mit der Serie THIS IS US hat, ist ebenfalls mit von der Partie, ehe er ebenfalls 2018 mit einem anderen bekannten Franchise, THE PREDATOR, die Leinwand unsicher (oder sicherer) macht.

MICHAEL B. JORDAN hat als JOHNNY STORM, die MENSCHLICHE FACKEL von den FANTASTIC FOUR, Erfahrungen mit dem MARVEL-Universum gesammelt. Offensichtlich hat er die Seiten gewechselt und macht dem BLACK PANTHER nun das Leben schwer. Das dürfte ähnlich wie bei CHRIS EVANS (CAPTAIN AMERICA) ein untrügliches Zeichen dafür sein, dass es keine Rückkehr in die flammende Rolle geben wird.

Darüber hinaus erinnert die Gestaltung ein wenig an eine andere jüngst bunt peppige Comic-Verfilmung: VALERIAN. Neonbunte Farben flittern und von den GUARDIANS OF THE GALAXY aus hat sich das SCIFI-Ambiente deutlich in andere MARVEL-Ereignisse ausgebreitet. Der dritte Film um THOR macht gleichfalls davon Gebrauch. Ein afrikanisches Setting braucht logischerweise schwarze Schauspieler. Das hat HOLLYWOOD erkannt. (Wenn schon der OSCAR-Academy die Bandbreite dieser Schauspieler nicht auffallen will.) Einige sehr bekannte Akteure geben sich hier demnächst die Ehre. ANGELA BASSETT, FOREST WHITAKER, LUPITA NYONG’O, JOHN KANI (DER GEIST UND DIE DUNKELHEIT) und sogar PHYLICIA RASHAD (COSBY SHOW) sind dabei. Da fallen MARTIN FREEMAN (DR. WATSON, HOBBIT) und ANDY SERKIS (GOLLUM, CAESAR, SNOKE) kaum auf.

Ich freue mich auf das Feuerwerk! 🙂 Hier geht’s zum Trailer von BLACK PANTHER: https://www.youtube.com/watch?v=pCIUeUtSJs8

COMICS MACHEN UMSATZ

Filed under: Meldungen — Michael um 10:39

Wer glaubte, dass Comics nur auf der Leinwand für Umsatz sorgen, der täuscht sich. Alte Comics legen auch ein tolles Rennen hin, wenn es darum geht, Einnahmen für ihre jeweiligen (ehemaligen) Besitzer zu erzielen. Dabei ist es ganz gleich, ob es sich um Comics aus dem alten Europa oder der Landmasse jenseits des Atlantiks handelt.

Erst jüngst erzielte eine TIM-UND-STRUPPI-Ausgabe (TINTIN im Original, eine alternative Edition von DIE SCHWARZE INSEL) von 1943 den stolzen Preis von über 68.000 Euro auf der Auktionsplattform Catawiki. 2008 wurde die Titelzeichnung von TIM IN AMERIKA für über 764.000 Euro in Paris versteigert. Das Titelblatt von TOUR DE FRANCE aus der langlebigen ASTERIX-Serie schoss vor ein Tagen den Vogel mit der Rekordsumme von 1,4 Millionen Euro bei einer anderen Versteigerung in Paris ab. Die Originalunterschriften auf dem Bild von RENÉ GOSCINNY und ALBERT UDERZO hatten den Wert sichtlich erhöht.

2010 gingen in den USA Ausgaben von SUPERMAN (das berühmte ACTION COMIC 1 von 1938) und BATMAN für jeweils eine runde Million Dollar über den Auktionstisch. NICOLAS CAGE, der ebenfalls eine Erstausgabe des Stählernen besaß (und die einige Jahre wegen Diebstahls aus seinem Haus verschwunden war), konnte diese später für runde zwei Millionen Dollar verkaufen.

Ein Rezept (wie bei einer ACTION COMIC 1 geschehen): Erstausgaben kaufen, 40 Jahre lang lichtgeschützt und unversehrt, fern von ärgerlichen Gerüchen aufbewahren, hervorholen, verkaufen. So wurden aus 10 amerikanischen Cent mehrere Millionen. Ob sich JERRY SIEGEL, JOE SHUSTER, RENÉ GOSCINNY, HERGÉ oder BOB KANE das hätten träumen lassen? 🙂

GHOST RIDER – Megaband 1 – RACHE AUF RÄDERN

Filed under: Superhelden — Michael um 10:02

GHOST RIDER - Megaband 1 - RACHE AUF RÄDERNDie Droge verwandelt ihre Konsumenten auf bizarre Weise und macht sie zu unberechenbaren Killern. Irgendjemand hat das Zeug versehentlich auf die Straße gebracht. Mr. Hyde ist darüber nicht begeistert. Schlamperei kann er nicht leiden. Versagen wird rigoros geahndet. Pech für den skrupellosen Hyde, dass auch ein neuer Rächer seinen Weg nach East Los Angeles gefunden hat. Monströs, schnell, brennend, so rast der neue GHOST RIDER durch die Stadt, sucht den Drahtzieher und die Konfrontation mit diesem Feind, der anderen die Hölle auf Erden bereitet, diese aber keinesfalls fürchtet.

Ein neuer GHOST RIDER ist in der Stadt. Vorbei sind die Zeiten eines röhrenden Choppers. Der neue PS-Bolide kommt auf vier Rädern daher. Das erfolgreiche Comeback des besessenen Höllenfahrers ist zu einem ordentlichen Teil der Serie MARVEL’S AGENTS OF S.H.I.E.L.D. zu verdanken. ROBBIE REYES hat nicht direkt die Nachfolge von JOHNNY BLAZE angetreten, denn beide existieren parallel zueinander. Und warum auch nicht? In diesem Comic-Universum gibt es genug Halunken und Monster für jeden der beiden. Und noch für ein paar mehr. Kritisch nur wird es, wenn diese beiden ganz speziellen GHOST RIDER plötzlich aufeinander treffen.

FELIPE SMITH erzählt im ersten MEGABAND über den neuen GHOST RIDER eine etwas andere Geschichte als jene, die der Fernsehzuschauer verfolgen darf. Die Konstellationen sind allerdings ähnlich. Der junge ROBBIE REYES muss sich um seinen versehrten Bruder kümmern, versucht ihn und sich im schwierigen Alltag in einer schwierigen Gegend über die Runden zu bringen. Eines Tages erhält er unerwartete Hilfe. Der mörderische Geist des Serienmörders ELI MORROW ist in ROBBIE REYES gefahren und es stellt sich die Frage, ob dieser Geist wirklich nur die Schuldigen bestrafen will? Oder ob es ihm schlicht egal ist, wen er zur Strecke bringt?

Neuer RIDER, neuer Look: Ist der alte GHOST RIDER archaischer, mit Knochenkopf auf einem älteren Chopper, ist der neue GHOST RIDER mit stylischer Lederjacke, einem metallenen Schädel im TERMINATOR-Look und mit einem extra getunten PS-Boliden unterwegs. TRADD MOORE, der grafisch zusammen mit Kolorist VAL STAPLES mehr als das erste Drittel des MEGABANDS grafisch bestreitet, schafft einen tollen Look (schon wieder das Wort, aber es passt hier einfach sehr gut). Ein weiterer passender Ausdruck für den Stil, den TRADD MOORE hier vorlegt, ist filigran (mit einem Hauch Manga). Das Ergebnis ist trotz seiner zarten Linien sehr wuchtig und dürfte mit seiner Farbgebung, der strengen Flächenaufteilung einiges an Arbeit abverlangt haben. Der erste Auftritt des neuen GHOST RIDERS gegen ein paar Gangster ist ein illustrativer Hammer!

DAMION SCOTT übernehmen Sie! Der zweite Zeichner tendiert stilistisch zum Kollegen HUMBERTO RAMOS, den MARVEL-Fans hierzulande mit seinen SPIDER-MAN-Illustrationen kennenlernen durften. DAMION SCOTTS Zeichnungen sind wilder, ungestümer, fetter als die Arbeiten seines Vorgängers TRADD MOORE. Der Gesamteindruck ist stark, aber deutlich unruhiger als MOORE. SCOTT macht sich gar nicht erst die Mühe, den Kollegen der ersten Ausgaben nachzuahmen, sondern kreiert einen eigenen Look (da ist es wieder). Der kommt so richtig deutlich zum Tragen, als der allseits bekannte JOHNNY BLAZE, eben DER GHOST RIDER, das Szenario betritt.

GHOST RIDER, Flammen, Geschwindigkeit, rotierende Ketten, das alles bedeutet Chaos. Und dafür sind die Zeichnungen von DAMION SCOTT wie geschaffen. Kinder spielen in einer Szene auf der Straße eine Prügelei zwischen dem neuen GHOST RIDER und einem mutierten Halunken nach. In Unkenntnis der echten Bezeichnung nennen sie den neuen Helden ROBOT RACER. Der Neue ist deutlich gelackter als der eher abgewrackte ehemalige Stuntman. Aber beide umgeben sich mit Flammen. Deshalb ist das Zusammenspiel der beiden dämonischen Helden ein wirklich krachend feuriges Ereignis, fulminant rasant, wie es aktuelle Kinoblockbuster sattsam vorgemacht haben.

Ein düsterer Auftakt, der den neuen Helden sehr gut beschreibt (FELIPE SMITH) und grafisch erstklassig in Szene setzt (TRADD MOORE, DAMION SCOTT). Für neue Helden muss sich ein Autor stets etwas Besonderes einfallen lassen. Mit dem ersten Gegner und dem späteren Zusammentreffen der alten Variante des GHOST RIDER ist FELIPE SMITH genau das gelungen. 🙂

GHOST RIDER, Megaband 1, RACHE AUF RÄDERN: Bei Amazon bestellen.
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Links: Blog von TRADD MOORE | VAL STAPLES auf Twitter

Freitag, 13. Oktober 2017

Happy Birthday, ONKEL DAGOBERT

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 13:24

Happy Birthday, ONKEL DAGOBERT - 70 goldene JahreDie reichste Ente der Welt verliert das Interesse am Geld? Undenkbar? DIE GROSSE LANGEWEILE ist ausgebrochen? Dagobert Duck kann sich an den Erfolgsmeldungen, die mit der Mehrung seines Reichtums einhergehen, nicht erfreuen. Angeschlagen wandert er zwischen Fenster und Schreibtisch hin und her, bis er zu dem Schluss gelangt, zu seinen Wurzeln zurückzukehren. Als Schuhputzer legte er den Grundstein für sein späteres Imperium. Warum also nicht noch einmal zurück auf die Straße und sich für Geld mal wieder richtig ins Zeug legen? Wie stets leichter gesagt, als getan …

Die Ente mit dem Zylinder ist in ganz Entenhausen wohl bekannt, berüchtigt wegen ihres Geizes, mit Wohlwollen betrachtet, weil sie so reich ist, von den Verwandten mehr als von den restlichen Einwohnern. Geld war und ist ONKEL DAGOBERTS zentrales Thema. Der Jubilar, der nun 70 Jahre alt wird, hat viele Lebenserinnerungen gesammelt. Ein paar davon teilt er mit dem Leser in diesem Jubiläumsband.

Ein Querschnitt aus Geschichten, deren Erstveröffentlichungen in ITALIEN, BRASILIEN, SCHWEDEN, DEUTSCHLAND, INDONESIEN und den USA natürlich stattfanden, zeigt DAGOBERT DUCK um das Geld kreisend. In unterschiedlicher Begleitung und Gesellschaft entstehen immer neue Abenteuer. Manchmal sucht er sich auch die falschen Helfer aus. So einen DUSSEL DUCK, der mehr Unheil im Geldspeicher anrichten kann als ein DONALD DUCK, obwohl am Ende … das wird nicht verraten, aber das Abenteuer um die NUMMER EINS und die Hexe GUNDEL GAUKELEY ist recht turbulent und bietet sogar noch DIDI DUCK einen Auftritt.

Überhaupt haben sich in den Geschichten, deren früheste aus dem Jahr 1961 stammt, DER FALL DES VERSCHWUNDENEN GELDES, zahlreiche Gaststars eingebracht. In erwähnter Handlung agiert OMA DUCK an der Seite des alten Knausers. Das erinnert fast an das Pärchen MISS MARPLE und MISTER STRINGER. In Sachen Scharfsinn hat OMA DUCK dem jüngeren DAGOBERT noch etwas voraus, außerdem ist sie eine der wenigen Personen und Verwandten, vor denen der Milliardär gehörigen Respekt hat.

Interessant ist die Beibehaltung der Erzählweise über die Jahrzehnte. Keine Experimente mit den DUCKS. Jede Figur ist klar umrissen, allenfalls haben sie alle ihre Geburtswehen ein wenig abgeschüttelt. DAGOBERT DUCK war bei seinem allerersten Auftritt (WEIHNACHTEN AUF DEM BÄRENBERG, 1947), über den im Band redaktionell berichtet wird, deutlich brummiger, griesgrämiger und sehr viel weniger weltoffen, deutlich mehr SCROOGED und einsiedlerisch.

Auffällig ist ein Wandel in den Zeichnungen, die in den aus den 1970er Jahren stammenden Abenteuern deutlich wird. Die Figuren, auch der alte ONKEL DAGOBERT, wurden flotter, sportlicher im Ausdruck, etwas gestreckter, etwas weniger knuffig. Dagegen wirken die Interpretationen des (nicht mehr ganz so) neuen Jahrtausends schon wieder nostalgischer (KLEINGELDPROBLEME, INVESTIEREN STATT VERLIEREN).

DER ERSTE GELDSPEICHER ist ein Rückblick in die Kindertage von ONKEL DAGOBERT, als er noch weit entfernt davon war zu jenem fantastisch reichen Magnaten zu werden. Geld häufte er aber damals schon an. Und damit hielt die Frage Einzug, was mit all den Münzen anzustellen sei, denn das Vertrauen in die Sicherheit der Bank schwand. So entwickelte er aus dem traditionellen Baumhaus einen Baumgeldspeicher. Als Rahmenhandlung von PROFESSOR PRIMUS VON QUACK erzählt, ist diese Episode neben ONKEL DAGOBERTS Ausflug ins Filmgeschäft (MARZIPAN, HERR DES DSCHUNGELS) die schönste. Vor allem gefallen mir ihre Auflösungen am besten. Im ersten Fall ist der kleine DAGOBERT äußerst findig, im zweiten Fall in einer sehr ungewöhnlichen Rolle als Akteur, Regisseur und Produzent zu sehen, durch den ein paar Tiere eine neue Chance erhalten.

Unter den elf Geschichten gibt es selbst für den Fan Neues zu entdecken. Sieben an der Zahl sind deutsche Erstveröffentlichungen. Die Episoden über den GELDSPEICHER und MARZIPAN gehören dazu. Bemerkenswert rasant und hierzulande ebenfalls neu ist ONKEL DAGOBERT UND DIE URLAUBSKONSERVEN. Hier wird DONALD DUCK aus seiner Verliererecke gerissen und beweist erstaunlichen Erfindergeist (der natürlich prompt von ONKEL DAGOBERT ausgebeutet wird).

Über die Jahrzehnte zeitlos geblieben, angenehm unterhaltsam und mitunter sehr schlau erzählt. ONKEL DAGOBERT, thematisch als Superreicher in seinem Jahrtausend angekommen, und immer noch so menschlich wie eh und je. Sehr schön! 🙂

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