Freitag, 14. Juli 2006
Doktor Octopus erwacht. Seine Augen sind abgeschirmt, er weiß nicht, wo er ist und was um ihn herum geschieht. Gesundheitlich schwer angeschlagen wundert er sich allerdings darüber, wie die Menschen ihn ansprechen: Doktor Octopus. Es passiert wohl das, was mit jedem passieren würde, der mit vier stählernen Tentakeln aufwacht, die mit seinem Körper verschmolzen sind. Der Doktor dreht durch.
Peter Parker hat unterdessen ganz andere Probleme. Immerhin ist er ein ganz normaler Schüler – na, beinahe jedenfalls. Er ist ein Junge, der dem Unterricht folgt, auf Mary Jane steht und der mit großen Augen mit ansieht, wie Gwen Stacy neu an die Schule kommt und erst einmal Unruhe stiftet.
Zu allem Überfluss macht sich ausgerechnet einer der Rabauken der Schule Gedanken über Spider-Mans Geheimidentität. Und zum ersten Mal in seinem Leben hat dieser Einfaltspinsel eine vernünftige Idee. Ein Glück für Peter, dass diese Ideen nicht auf fruchtbaren Boden fallen.
Doktor Octopus leidet derweil unter einer schweren Identitätskrise. Nicht nur, dass ihn seine neuen Extremitäten in den Wahnsinn treiben, er ist auch auf der Suche nach dem Schuldigen, oder besser demjenigen, dem er die Schuld zuschieben kann. Dafür geht der gute Doktor sogar über Leichen. Die Polizei, allen voran Gwens Vater, hat alle Hände voll zu tun, um mit dem irren Wissenschaftler Schritt zu halten.
Unterdessen geht der Ärger für Peter Parker noch weiter. Vom anderen Ende der Welt reist ein selbsternannter großer Jäger in die USA ein. Sein Ziel: Die Jagd auf ein gefährliches Wild, wie es gefährlicher kaum sein kann und zwar der überaus gefährliche Kriminelle Spider-Man. Im Stil einer Daily Soap versucht Kraven, der Jäger, seinen medialen Marktwert zu steigern.
Spider-Man hat wirklich Double Trouble. Peters Pech ist es, dass der Sturm, der sich über seinem Kopf zusammenbraut, auch losbricht. Doktor Octopus erweist sich als Furcht einflössender Feind, der Peter alles abverlangt. Oder ist es am Ende Peters Privatleben, was Spider-Man zu Fall bringen wird?
Die Sorgen und Nöte eines Jugendlichen mischen sich mit denen eines Superhelden, der seine Geheimidentität auf jeden Fall schützen muss. Zusätzlich hat Peter Parker mit jenen Verbrechern und Möchtegerns zu tun, die ihm so gern das Leben schwer machen.
Die Zusammenfassung der acht Ultimativen Spider-Man Ausgaben bringt dem Leser die Geschichte des Ultimativen Doktor Octopus nahe. Der gute Doktor hat noch sehr viel Ähnlichkeit mit dem Original, wenngleich die Figur weitaus ernsthafter geworden ist. So ist sie dem Ultimativen Universum auch angemessener. Der Doktor ist ein sehr verzweifeltes Geschöpf geworden, natürlich auch wahnsinnig, damit kommt er der Version des Kinofilms Spider-Man 2 recht nahe. Technisch bringt er ein paar Finessen mit, die ein wenig an die Fähigkeiten des T-1000 erinnern. Auch dieser konnte mit einer Art flüssiger Metalllegierung aufwarten.
Autor Brian Michael Bendis hat Doc Ock deutlich brutaler angelegt als das Original des normalen Marvel-Universums. Entsprechend lädiert sieht Spider-Man nach einem Kampf mit ihm aus. (Verschiedene Begegnungen zwischen den beiden Erzfeinden sind nachzulesen in der Spider-Man Monster Edition Spider-Man gegen Doktor Octopus, die einige der klassischen Kämpfe chronologisch zusammenbringt.)
Doch Bendis versteht es auch die Intensität der Kämpfe zu entschärfen – mit einer wirklich sehr gesunden Portion Humor.
Wann sah man den Doktor schon mal in Unterhosen während eines Kampfes? Außerdem ist die Artistik, mit der Spider-Man dem Kampf mit Kraven ausweicht, fein anzuschauen. (Die Blamage für Kraven dürfte eine der Ursachen sein, warum der Jäger sich später etwas verbessern lässt. – Nachzulesen in Die Ultimativen Sechs, Die Ultimativen 10-12.)
Zeichner Mark Bagley hat seinen ganz eigenen Stil, um den ultimativen Wandkrabbler in Szene zu setzen. Verspielt, ausdrucksstark, teilweise auch spektakulär sind diese Bilder zu nennen. Er geht mit einem Auge zu Werke, das auf Großaufnahmen setzt und die Emotionen der Akteure auch ohne Worte toll vermittelt. (Hier besonders zu erwähnen die Bilder eines sehr verwirrten Doktors.) Ähnlich filmhaft ist auch der restliche Aufbau. Das Auge folgt Spidey in den Himmel, an einem Helikopter hängend. Die Action bedient sich einiger sehr waghalsiger Perspektiven, die die Rasanz der Bewegungen und der Kämpfe unterstreichen.
Die zwar muskulöse aber sehr schmale Gestaltung von Spider-Man bildet einen ziemlichen Kontrast zwischen ihm und seinen Gegner, die deutlich größere Muskelpakete mit sich herumtragen. Der Teenager Peter Parker tritt hier weitaus stärker zutage als im normalen Marvel-Universum.
Letzteres wird durch den Schluss noch viel klarer: Am Ende steht ein Superheld mit Hausarrest. Fazit: Ein Spider-Man so nah an der Realität, wie das in einem Superhelden-Comic nur eben möglich ist. Klasse!
Stichwörter: spider-man, brian michael bendis, mark bagley, ultimativ
Dienstag, 13. Dezember 2005
Thor – eine Bedrohung?
Während die Ultimativen bei Terroristen und kleineren Verbrechern ordentlich hinlangen, sind auch andere Staaten nicht faul und treiben ihr Supersoldatenprogramm ohne die Vereinigten Staaten voran.
Captain Espana, Captain France, Captain Britain und andere folgen dem Beispiel des weitaus bekannteren Captain America. Aber dieses Programm steckt noch in den Kinderschuhen. Was die Helden bislang nicht wussten: Thor ist ein Ergebnis dieser Bemühungen. Ein Wissenschaftler erläutert, sein Halbbruder habe die erforderliche Technik gestohlen und Thor sei alles andere als der Sohn Odins.
Thor selbst sieht das jedoch nach wie vor ganz anders. Für ihn ist es nur ein weiterer Schachzug seines Widersachers Loki.
Ultimatives Treffen
Reed Richards von den Fantastischen Vier hat ein Zahlenproblem. Auch Susan kann den jungen Wissenschaftler nicht davon ablenken, dass anscheinend etwas sehr merkwürdiges im Gange ist, von dem sie noch nichts wissen.
Sollte er Zahlen und Fakten richtig deuten, müsste die Menschheit bereits viel häufiger fremden intelligenten Wesen begegnet sein. Tatsächlich hat es aber erst eine signifikante Begegnung mit Außerirdischen gegeben. (Der Hulk räumte dabei ordentlich auf.)
Das Supersoldatenprogramm nimmt Kontakt zu ihnen auf. Und endlich kommt es zu einer Begegnung, die schon lange fällig war: die Ultimativen Fantastischen Vier treffen die Ultimativen!
Wo soll der Fan beginnen?
Bryan Hitch, Zeichner der ersten Episode des vorliegenden Bandes 18, schafft eine tolle, sehr realistische Atmosphäre. Er stützt den Anspruch, den das Ultimative Universum an sich stellt, aufs trefflichste. Massenszenen, städtisches Innenleben, Einsatzzentralen, ländliche Szenerien oder Großaufnahmen, wie hier die Jagd auf Thor eröffnet wird, ist wie ein schleichendes Gift. Als Leser wird man infiziert und dann?
Cliffhanger! Seitenfüllend erscheint das Gesicht von Captain America und dieser kleine Hinweis: Weiter in Heft … Das ist so grauenhaft!
Na, grauenhaft gut! 
Interessant ist der Aufbau der Geschichte. Es wurde ja schon länger mit den Hinweisen gespielt, dass Thor nur vorgibt, ein Gott zu sein und möglicherweise nicht ganz dicht ist (obwohl er Taten vollbracht hat, die nicht so recht erklärbar waren). Am Ende dieser Episode lässt es sich immer noch nicht sagen, ob Thor doch ein Gott ist. Autor Mark Millar hat seine Hausaufgaben gemacht und versteht es, wie Spannung aufgebaut werden muss.
Und da sind sie!
Na, da begegnen die Ultimativen Fantastischen Vier doch endlich den Ultimativen. Das wurde aber auch Zeit. Natürlich sind die Ultimativen (Rächer) ein Erlebnis geworden, aber die Fantastischen Vier gefallen mir persönlich noch viel besser.
Sie fangen eine jugendliche Richtung ein, die gelungener als so manche andere Umsetzung dieser Art ist. Die Verjugendlichung und Portierung in ein neues Jahrzehnt klappte hier besonders gut. Bei den alten F4 (den ganz alten) war Susan Storm immer eine Art Anhängsel von Reed Richards. Hier hat sie ganz eindeutig die Hosen an. Ben und Johnny sind, was sie immer waren: große Kinder. Das hätte auch nicht geändert werden dürfen.
Auf alle Fälle macht es auch Spaß, dieses Universum gemeinsam mit ihnen zu entdecken. Die Überraschung, trotz all ihrer Fähigkeiten, die sie trifft, als Iron Man und Thor über ihnen schweben, kann ultraleicht nachvollzogen werden. Der zweite Zeichner dieses Bandes, Steve McNiven, hat diese Bilder aber auch mit beinahe architektonischer Präzision umgesetzt. Doch es passt. Szenen dieser Art taugen fast als Storyboard für eine mögliche Verfilmung (bitte, bitte, bitte).
Nee, da bin ich doch wieder begeistert!
Zweifelsohne ist das Ultimative Universum eines der besten Marvel-Konzepte der letzten Jahre.
Stichwörter: die ultimativen, ultimative fantastische vier, bryan hitch, steve mcniven, mark millar
Samstag, 20. August 2005
Die dunkle Seite des amerikanischen Traums untertitelt der Vierteiler Der neue Patriot. Superhelden, genetisch gezüchtet, wandeln sich vom Traum zum amerikanischen Alptraum. Die Götter werden zu Vorboten des nahenden Untergangs.
Die Menschen erwarteten einen Aufschrei der Empörung, als England 51ster Staat der USA wurde. Aber wir hatten es schon so lange in unserer Tasche, dass es wohl keiner so richtig merkte.
Die Welt befindet sich im Wandel. Unbemerkt sind die gezüchteten Helden zu einer Eingreiftruppe rund um den Globus geworden. Als die Geschichte auffliegt, wird die neue amerikanische königliche Familie, so die Yellow Press Bezeichnung für die Optimen, die Übermenschen, in Krisenherden zur Befriedung eingesetzt.
Die Psi-begabten Übermenschen gehen ihrer Aufgabe auch zuerst zur Zufriedenheit der Oberen nach. Doch es gärt, nicht nur weltweit, sondern auch im Volk. Fanatiker, rechts wie religiös, rotten sich gegen die Optimen zusammen. Die Proteste gegen die neuen Patrioten werden immer schlimmer.
Wenn man eine Patriotin ist, befindet man sich in einer merkwürdigen Situation. Ich meine, wenn man heiratet – wer trägt dann wen über die Schwelle?
Zusätzlich zur künstlichen Evolution sind Übermenschen auch sexuell nicht mehr einzuordnen. Als ein Homosexuellentreff von Fanatikern gesprengt wird, nimmt einer der Optimen furchtbare Rache. Der Niedergang des Projekts ist eingeläutet.
Die Konzeption dieser Geschichte ist herausragend, weil sie die Thematik des (Comic-)Helden auf sehr ernsthafte Weise aufgreift. Es greift die Frage auf: Ist jemand zum Helden geboren?
Die Antwort lautet: Nein. In dem 1989 erschienenen Comic wird das gängige Superheldentum auf sehr drastische Art entzaubert. Edelmut wurde nur bei wenigen Helden noch hochgehalten, sogar Superman hatte seine finsteren Momente, aber nur ganz, ganz selten waren die Helden so menschlich wie hier.
Eine ähnliche Atmosphäre findet sich aktuell bei den Ultimativen, ebenfalls eine staatlich kontrollierte Gruppe.
Während dort der Hulk wegen vielfachen Mordes (und weil er schon mal jemanden auffrisst) angeklagt wird, leiten die Optimen den kompletten Niedergang der USA ein.
Autor John Smith hat hier eine Geschichte geschaffen, die wirklich universell einsetzbar gewesen wäre. Sie hätte auf der Leinwand wie auch als Roman funktioniert, zumal der Comic mit Zeitungsartikeln und Interviews angereichert wird. So entsteht hier zeitweilig eine erzählerische Mischform.
Zeichner Jim Baikie arbeitete an Batman, Teen Titans und Judge Dredd. Der zeichnerische Stil ist skizzenhaft, hingeworfen wie mit Tusche und Farbmarker. Aber das genügt. Für den dokumentarischen Aufbau der Geschichte braucht es nicht mehr und es ist manchmal gut, dass sich ein Zeichner auch zurückzunehmen weiß.
Ich glaube an unser Land und unseren Staatenbund. Ich glaube, dass der Heilige Geist gleichzeitig der amerikanische Geist ist.
Die Geschichte geht mit den USA hart ins Gericht. Die politische Einstellung wird in dieser Science Fiction Geschichte (zw. 2047 und 2064) unverblümt kritisiert. Vor dem Hintergrund des letzten Golfkrieges und des gemeinsam geführten Angriffs der USA und England beweist das Szenario eine gewisse Weitsicht.
Unter dem Strich bleibt eine sehr vielschichtige Handlung mit sehr echten Helden, deren Geburt beinahe in einer Art weiteren Vietnam-Tragödie für die USA mündet. Daumen hoch.
Stichwörter: der neue patriot, john smith, jim baikie, die ultimativen
Sonntag, 24. Juli 2005
Es soll Leute geben, die haben sich schon geärgert, dass sie so lange auf einen Band warten mussten, der von Bryan Hitch gezeichnet. Andere Fans harrten eher geduldig aus, weil sie wussten, was sie an Hitch haben. Wie es auch um die Fans bestellt sein mag, in den Bildern von Bryan Hitch gibt es vieles zu entdecken.
Nick Fury wird in der vorliegenden 16. Ausgabe von Die Ultimativen zweifellos wieder von Samuel L. Jackson gespielt, so zu sagen ein Shaft mit Augenklappe und Vernarbungen im Gesicht. (Und nicht zuletzt als Jedi-Meister Mace Windu unterwegs gewesen.) Aber damit nicht genug. Professor Charles X. Xavier wird in der abschließenden Episode der Handlung von Patrick Stewart dargestellt (eine Rolle, die ihm so fremd in Wahrheit dank X-Men 1 und 2 nicht ist).
Und ich möchte behaupten, dass Mr. Hitch eine besondere Beziehung zu Science Fiction hat. Hatten wir schon Star Wars und Star Trek, so möchte ich behaupten, dass der schmächtige Bruce Banner des Ultimativen Universums kein geringerer als Ewan McGregor ist, den viele als Obi-Wan Kenobi kennen und der in diesen Tagen von der Insel flüchtet. (In Ausgabe 4, ebenfalls von Hitch gezeichnet, könnte es sich bei Banner aber auch um eine junge Version von Peter O’Toole handeln.)
Aber ich möchte weiterhin behaupten, noch mehr gefunden zu haben. Ich glaube, dass Thor von Richard Tyson gespielt wird. Tyson war bereits häufig der fiese Möp, so auch in Kindergarten Cop. Sollte er für den Donnergott nicht Modell gestanden haben, kann er sich auf jeden Fall beim nächsten Casting dafür empfehlen. Die blonden Haare sollten ja kein Problem sein.
Bei den Frauen bin ich mir nicht ganz sicher. Die Betty Ross in dieser Ausgabe hat entfernte Ähnlichkeit mit Kirsten Dunst. Aber das ist nun wirklich pure Spekulation.
Ich grübele ja noch, wer der Darsteller von Captain America sein könnte.
Stichwörter: samuel l. jackson, patrick stewart, ewan mcgregor, richard tyson, kirsten dunst, die ultimativen