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Comic Blog


Montag, 09. April 2007

Goethe

Filed under: Klassiker — Michael um 11:55

GoetheWer von Deutschlands großen Denkern spricht, spricht von Goethe. Wer von Literatur spricht, denkt an Goethe. Goethe ist in den Köpfen der Deutschen wie auch der Welt, der Literat Deutschlands. Als Dichter und universaler Denker hat er den Olymp der Kunstfertigen bestiegen. Sein Faust hat ihn unsterblich gemacht.

Es hat der Autor, wenn er schreibt, so was Gewisses, das ihn treibt.
In jungen Jahren ist Goethe noch kein Getriebener. Natürlich wird sein Talent sichtbar, aber er lässt sich auch treiben, was seinem Vater manchmal die Sorgenfalten auf die Stirn treibt.
Nach einer sorgenfreien Jugendzeit zieht es den 16jährigen Goethe zum Studium der Juristerei nach Leipzig. Die Stadt mit ihren Messen und ihrer Weltoffenheit ist eine so ganz andere Welt, als er sie bisher kennengelernt hat. Die Privilegien, die er infolge seiner Abstammung genießt, nützt er weidlich mit seiner Unterkunft aus. Sein Studium hingegen verfolgt er ausreichend, aber bei weitem nicht mit dem gebotenen Ehrgeiz. Die schönen Künste haben es ihm angetan. Er schreibt und dichtet selber, er liebt das Theater und die Musik und natürlich erfreut er sich an den Ausschweifungen des Studentenlebens. In Leipzig hört er die ersten Legenden über den Herrn Doktor Faust.

In der ersten Geschichte über die jungen Jahre Goethes tragen der Autor Friedemann Bedürftig und der Zeichner Christoph Kirsch verschiedene Details über Goethes erste Schritte in der Welt zusammen. Die Erzählung ist ein Mosaik, bruchstückhaft und konzentriert sich in dieser Form auf die Kleinigkeiten, die Goethes späteres Leben maßgeblich beeinflusst haben. Neben den zahlreichen kulturellen Einflüssen waren das freilich auch die Menschen. Allen voran die Mitglieder seiner Familie, aber auch die Frauen, die ihn liebten und zu denen er sich hingezogen fühlte.
Es war eine Zeit einer gewissen Naivität in Goethes Leben, jedenfalls macht es den Anschein und drückt sich auch in den Zeichnungen so aus, die eine heile Welt um Goethe herum abbilden.

Goethe wird Anwalt, doch seine Liebe gilt der Dichtkunst. Sein Vater deutet das juristische Desinteresse als Faulheit und schickt den jungen Mann zur weiteren Ausbildung nach Wetzlar. Dieser Gang wird zum Wendepunkt in Goethes Leben. Die Liebe verleitet ihn zu seinem Roman Die Leiden des jungen Werther, der ihn über Nacht berühmt, aber auch berüchtigt macht. Das Ende der Romanfigur wird zum Vorbild manches lebenden unglücklich Verliebten. Sie erschießen sich. Die Kirche geht mit Goethes Werk hart ins Gericht.
Doch wie es auch heute der Fall ist: Ein Werk, das verdammt wird, macht die Öffentlichkeit erst recht neugierig.
Mit Gefühlen kann er gut umgehen und sie beschreiben. Er selber ist nicht so leicht bereit sich ihnen zu stellen. Eine geplante Hochzeit lässt er platzen. Ein weiterer großer Wendepunkt in seinem Leben führt ihn nach Weimar, wo er von der Obrigkeit mit offenen Armen empfangen wird. Die Weimarer Zeit wird zu einem seiner wichtigsten Abschnitte in seinem Leben.

Bedürftig und Kirsch folgen diesen Tagen, in denen sich Goethe immer weiter entwickelt. Faust, Erlkönig und das dringende Bedürfnis, einmal das klassische Italien zu sehen sowie noch viele weitere Begebenheiten und Einflüsse bereichern Goethes Leben, der vom Treibenden endgültig zu einem Getriebenen wird.
Die inhaltliche Fülle, die alleine diese Lebensbeschreibung des Dichterfürsten und späterem Geheimrats zu bieten reicht nach noch für viel mehr, so dass Goethes zeitweilige Unzufriedenheit, so wie sie sich hier abbildet, kaum nachzuvollziehen ist. Auch lässt sich die mangelnde Reife nicht zur Gänze verstehen. Einzig, dass sie ihn bis zum Schluss antrieb, weil er durch ihre Neugier immer neuen Ansporn erfuhr, lässt sich sehr gut nachvollziehen.
Mit Goethes Heimkehr aus Italien endet die Episode Zum Sehen geboren.

Bedürftig erzählt das Leben Goethes fort mit Zum Schauen bestellt. Hier findet sich mit Thomas von Kummant ein neuer Zeichner, dessen Bilder von Benjamin von Eckartsberg koloriert wurden.
Die Bilder sind sehr viel ernsthafter gestaltet und befassen sich mit dem Leben und Wirken Goethes in dessen zweiter Lebenshälfte. Die Werke wurden schwerer, gewichtiger, die Beziehungen viel wichtiger, hier ganz besonders erwähnenswert die viel zu kurze Freundschaft zu Schiller.

Der zweite Teil beginnt zugleich mit dem Auftakt zu Faust und der verhängnisvollen Wette zwischen Gott und Mephisto. Doch das Leben ist auch so aufregend genug, denn der Krieg gegen Frankreich hält Europa in Atem. Goethe lässt sich nach dieser Erzählung nicht sehr von Ereignissen beirren, obwohl er sie hautnah erlebt.
Viel, viel wichtiger ist seine Beziehung zu Schiller, in dem er endlich einen Seelenverwandten gefunden zu haben scheint. Zwar hat Schiller auch seine Marotten, die dem Dichterfürsten ein merkwürdig vorkommen – so zum Beispiel Schillers Tick, verfaulte Äpfel aufzubewahren, weil er von dem Geruch einen rauschhaften Zustand erlangt. Es ist beeindruckend, wie Schiller gemeinsam mit Goethe den Wilhelm Tell spinnt.
Die Geschichts- und Deutschstunde ist viel spannender und aufschlussreicher, als es der eigentliche Unterricht je fertig gebracht hat. Zwei Dichter, zwei Vollblutkünstler entwickeln den Tell mit all seiner Dramatik und es wird deutlich, dass Theater bei aller Poesie und Tiefsinnigkeit auch immer Unterhaltung gewesen ist.
Das gegenseitige Lob der beiden treibt sie voran in ihrer Arbeit und beflügelt sie regelrecht. Bei einer derartig tiefen Freundschaft, wie sie auch durch diese Biographie deutlich wird, lässt sich der tief empfundene Verlust nachvollziehen, den Goethe bei dem Tode Schillers empfunden haben muss.

Goethe steigt weiter hinauf, in den Dichter-Olymp, wohin ihm nach Schillers Tod keiner zu folgen vermag. Freunde verlassen ihn außerdem, weil der Tod sie abberuft. Goethe wird einsamer als jemals zuvor. Er ist seine eigene Legende geworden, jemand, der mit Schillers Totenschädel spricht.
In seinen spätesten Jahren, 73, verliebt sich Goethe ein letztes Mal – in eine 19jährige. Der Geheimrat ist ein wenig richtungslos geworden und verfällt ein wenig in die Verhaltensweisen seiner Jugend. Tragisch erlebt er den Tod des Sohnes. Mit letzter Kraft schafft er den 2. Teil von Faust und beendet damit sein Lebenswerk.

Das rastlose, schaffensreiche Leben Goethes wird aus den verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet, stets respektvoll, sehr ernsthaft, aber auch unterhaltsam, untermalt von Ausschnitten seines Schaffens. Die einzigartigen Facetten zeigen den Künstler und Menschen. Als Künstler einzigartig, als Mensch gewöhnlich mit allen Wünschen, Ängsten und Sorgen. Wer sich Goethe auf unkonventionelle Art nähern will, sollte diesen Comic lesen. 🙂

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