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Comic Blog


Dienstag, 31. Juli 2007

Die Blueberry Chroniken 6

Abgelegt unter: Klassiker, Abenteuer — Michael um 15:34

Die Blueberry Chroniken 6 - Prosit Luckner und die vergessene GoldmineBlueberry hat sich mit seiner Arbeit als Sheriff vorübergehend abgefunden. Gemeinsam mit seinem Freund Jimmy vertreibt er sich die Zeit mit Poker. Doch Ruhe währt nicht lange in Blueberrys Leben. Plötzlich fällt ein Schuss. Ein Anschlag auf das Leben des Sheriffs?
Blueberry geht in Ausübung seines Amtes in den gegenüber liegenden Saloon. Von dort kam der Schuss. Nur eine kleine Kneipenauseinandersetzung, kein Anschlag, war der Auslöser der Kugel, die versehentlich im Sheriffbüro einschlug. Bei dieser Gelegenheit lernt Mike S. Blueberry einen der schlimmsten Betrüger seines Lebens kennen: Baron Werner Amadeus von Luckner. Rein äußerlich ist von Adel bei dieser zerlumpten Gestalt nichts mehr zu erkennen. In Wahrheit unterscheidet er sich nur durch sein beständiges Gebrabbel über eine Goldmine von den anderen Säufern, die sich im Saloon herumtreiben.

Blueberry nimmt den unsympathischen Kerl sicherheitshalber in Schutzhaft. Der Sheriff kann nicht ahnen, wie groß der Ärger, den er mit diesem Prosit Luckner bereits hat, einmal werden wird.

Prosit scheint noch viel mehr auf dem Kerbholz zu haben, als nur sein loses Mundwerk. In seinem Gepäck findet sich ein alter Revolver, der jemand anderem gehört hat und der vor gar nicht langer Zeit mit einer Kugel im Rücken aufgefunden wurde. Gaunern wird im Wilden Westen schnell der Prozess gemacht. So machen sich die versammelten Menschen aus dem Saloon auf den Weg, um den alten Luckner aufzuhängen. Blueberry locken sie unter einem Vorwand weg.

Eigentlich sollte Jimmy auf Prosit aufpassen. Aber Jimmy trinkt nicht nur gerne einen Schluck zu viel, er ist auch viel zu vertrauensselig. Die Aussicht auf die Hälfte einer Goldmine und das Auftauchen zweier seltsamer Kopfgeldjäger lassen ihn mit Prosit einen Handel abschließen. Jimmy verhilft dem Gauner zur Flucht. Blueberry bleibt nichts anderes übrig, als die beiden zu verfolgen und zu hoffen, dass er sie vor den beiden professionellen Pistoleros findet.

Mit der 6. Folge der Blueberry Chroniken wird eine der spannendsten Doppelfolgen aus den Blueberry-Erzählungen neu aufgelegt. Prosit Luckner und die vergessene Goldmine fasst Die vergessene Goldmine und Das Gespenst mit den goldenen Kugeln zusammen. Obendrein findet der Leser die etwas kürzere Episode Donner über der Sierra, in der sich Blueberry gegen einen gemeinen Überfall zur Wehr setzen muss.

In der ersten Geschichte, in der Blueberry sich plötzlich in einem unerwarteten Kugelhagel wieder findet, stößt der Leser auf Zeichnungen, in denen Giraud einen weitaus leichteren Strich als sonst führt. In der Ausführung ist Giraud erkennbar, aber auf den ersten Blick könnte auch Hugo Pratt den Zeichenstift geschwungen haben. Der Blueberry-Fan, der skeptisch sein mag, ob ihm die Geschichte gefällt, kann ganz beruhigt sein. Die Handlung ist straff durcherzählt, sie hat Action und sie mündet in einer gelungenen Pointe.

Weitaus aufwendiger ist das Abenteuer, für das Prosit Luckner der Auslöser ist. Aus einer völligen Routineszene entwickelt sich ein handfestes Abenteuer. Erzähler Jean-Michel Charlier belässt es nicht bei der Jagd, bei der Blueberry, aber auch sein Freund Jimmy, an seine Grenzen gehen muss. Ein Prise Grusel durch das Gespenst mit den goldenen Kugeln, indianische Verfolger und Auseinandersetzungen unter Gangstern machen aus der Titelgebenden Doppelfolge ein Western-Ereignis, das sich mit den ganz großen Western, die der Fan von der Leinwand her kennen mag, messen kann. Spätestens in der Abgeschiedenheit der Mesa, einem Felslabyrinth, das von den Apachen gemieden wird, herrschen eine fesselnde Spannung und eine unheimliche Stimmung vor, die jeden Leser an die Geschichte bannen wird.

Der Tausendsassa Blueberry ist ganz bestimmt ein sympathischer Held. Aber es ist sehr erfreulich, dass sein Sidekick Jimmy McClure eine größere Rolle in dieser Geschichte inne hat, sogar maßgeblich daran beteiligt ist. Es zeigt auch ein besonders enges Verhältnis zwischen Blueberry und Jimmy. Anders lässt sich Blueberrys verzeihendes Verhalten nicht erklären. Dank Jimmy hat er nicht nur seine Arbeit als Sheriff nicht zur vollsten Zufriedenheit ausführen können, ihm fällt auch noch ein halber Berg auf den Kopf, unter dem er sich erst einmal frei graben muss. Von seinen Problemen, die sich ergeben, als die beiden Freunde wieder zusammen agieren können, soll gar nicht gesprochen werden.
Was die Strapazen anbelangt, die Blueberry zu überstehen hat, gehört diese Geschichte sicher zu den besonders schwierigen Abenteuern.

Das mag daher kommen, dass Prosit Luckner zwar auf den ersten Blick nicht zu den furchtbarsten Verbrechern gehört, aber letztlich zu denen zählt, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit über Leichen gehen. Trotzdem gelingt es Charlier und Giraud aus ihm einen Charakter zu formen, dessen eigene Erfahrungen während der Handlung mitfiebern lassen. Nicht selten wird aus der Sicht Prosits erzählt. Besonders in den Momenten, wenn er sich gegen das Gespenst behaupten muss, ist der Leser gezwungen, weiter zu blättern. Das abschließende Kapitel in der alten Pueblo-Höhle, in der es von Gängen und Kammern nur so wimmelt, in der jederzeit etwas aus den Schatten kommen kann, gehört ganz bestimmt zu den ungewöhnlichsten, aber auch zu den präzisesten Showdowns im Western.

Eine Hommage von Giraud an Morris (Lucky Luke auf Gir-Art) und eine Gegenhommage im Vorwort der Geschichten bieten hervorragend zeichnerisches Anschauungsmaterial und sind für mehr als einen Lacher gut.

Western pur und konzentriert: Prosit Luckner und die vergessene Goldmine gehört zu einer der besonders guten Abschnitte innerhalb einer bereits herausragenden Comic-Reihe. Besser geht’s kaum! :-D

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Dienstag, 29. Mai 2007

Die Blueberry Chroniken 5 - Marshal Blueberry

Abgelegt unter: Klassiker, Abenteuer — Michael um 19:18

Die Blueberry Chroniken 5 - Marshal BlueberryDie Indianer verbreiten Terror unter den weißen Siedlern. Die Übergriffe gefährden den dünn besiegelten Frieden. Blueberry gelingt es dank seiner guten Kontakte zu den Indianern, den Anführer der Aufrührer gefangen zu nehmen.
Aber es formieren sich auch Stimmen in den Reihen der Soldaten und der Siedler, die Blueberry wegen seiner Kontakte als Verräter bezeichnen. Die Tatsache, dass sich Blueberrys Rückkehr in der winterlich verschneiten Steppe verzögert, verschlimmern diese Mutmaßungen zusätzlich. Außerdem verhärten sich die Ahnungen über die Herkunft der Waffen, die von den Indianern bei ihren Überfällen benutzt wurden.
Die Waffen müssen aus Fort Navajo stammen.

Blueberry hat in der Zwischenzeit ganz andere Probleme. Er birgt den Überlebenden eines Postkutschenüberfalls, der ihn dringend sucht. Blueberrys Fähigkeiten als Problemlöser sind gefragt. Von höchster Stelle erhält er den Auftrag einer Bande von Waffenschiebern auf die Spur zu kommen.

Die Spur führt weg von Fort Navajo, nachdem Blueberry bei der Klärung einer gefährlichen Situation geholfen hat. Die Indianer, die ihm freundschaftlich verbunden sind, tun ihr Übriges, um die Bedrohung durch ihr Volk abzuwenden. Bisher konnte Blueberry den Waffenschieberring nicht ausheben. Einer der Verantwortlichen ist flüchtig. Blueberry hängt sich an seine Fersen.
Blueberry wird der neue Polizist im Himmel, der Marshal von Heaven. Begeistert ist er von dieser Aufgabe nicht, aber der Befehl kommt von ganz oben, geradewegs aus Washington.

Diese Stadt ist auf dem besten Weg, eine Kloake zu werden.
Dieser Meinung ist nicht nur die junge Tess Bonaventura, die auf ihrer Ranch andere Frauen aufgenommen hat, um sie aus der Prostitution und der täglichen Erniedrigung zu befreien. Auch an anderer Stelle macht die städtische Obrigkeit sich Sorgen. Allerdings denkt sie dabei auch an die Horde von Sünderinnen, die gemeinsam auf einer Ranch lebt. Blueberry versucht, sich aus all dem herauszuhalten und einzig seinen Auftrag zu verfolgen. Das fällt ihm jedoch zunehmend schwerer.

Bald gibt es noch einige Rechnungen zu begleichen. Doch zuvor muss Blueberry wieder auf die Beine kommen. Da trifft es sich, dass er die Herzen einiger Menschen erwärmt hat, die sich nun fürsorglich um ihn kümmern.
Hinter jedem mutigen oder mächtigen Mann, steht eine Frau, für die es sich lohnt, mutig zu sein oder für die es sich lohnt, die Spitze zu kommen. Blueberry kann sich der Liebe seiner neuen Freundin gewiss sein. Ebenso kann auch sein Gegenspieler auf die Unterstützung seiner Frau zählen. Die Tragödie nimmt ihren Lauf.

In den Geschichten Auf Befehl Washingtons, Mission Sherman und Blutige Grenze hat Jean Giraud den Zeichenstift mit der Schreibmaschine vertauscht. An seiner Stelle zeichnen William Vance (Episode 1 + 2) und Michel Rouge, der die dritte abschließende Geschichte zeichnet.

Wer sich ein wenig mit Comic-Thrillern beschäftigt hat, wird vielleicht Vance’ Arbeiten von Bob Morane, Bruno Brazil und der Langzeitserie XIII her kennen. Von jemandem, der 1964 seinen Einstieg ins Comicgeschäft schaffte, kann man mit Fug und Recht behaupten, ein Comic-Veteran zu sein. Seine Männer sind harte und toughe Kerle, seine Fieslinge sind finstere Burschen mit zerfurchten Gesichtern. Seine Frauen sind jung und schlank, verführerisch und mutig. Vance’ Figuren sind stets wieder erkennbar. Seine Frauen sind stets identisch anzuschauen, sieht man einmal von Haar- und Hautfarben ab. Ähnlich wie bei Zeichnern vom Kaliber eines Hermann oder Romero ist das aber egal. Hier geht es nicht um Realismus, sondern um Unterhaltung. Wie in einem guten Thriller oder wie hier in einem guten Western sollen die Frauen schön sein.

Der genaue Gegensatz zur Weiblichkeit ist die knallharte Action, die auch vor den Frauen keinen Halt macht. Direkt in der Eingangsszene zeigt sich, was Vance unter Western versteht. Beim Betrachten der Bilder drängt sich einem weniger der Eindruck eines amerikanischen Westerns auf, sondern vielmehr der eines Spaghetti-Westerns, der unter den Fittichen eines Sergie Leone entstanden ist. Sehr oft blicken die Akteure den Leser direkt an und beziehen ihn scheinbar in die Handlung mit ein. Es ist viel Wut, mitunter auch Verzweiflung in diesen Gesichtern. Bei den Männern findet sich außerdem die Entschlossenheit, das Schicksal in die eigene Hand zu nehmen – so, wie es Blueberrys Art im Besonderen und die des Westmannes im Allgemeinen ist.

Ähnlich und doch weicher ist der Zeichenstil von Michel Rouge. Er tendiert mehr zur Visualisierung seines Vorgängers Jean Giraud. Blueberry sieht hier wieder mehr nach Belmondo aus. Schatten und Strichführung erinnern in weiten Teilen an Giraud.
Beeindruckend an der letzten Episode ist der Showdown, an dem Blueberry überhaupt nicht beteiligt ist. Mag der eine oder andere Leser kritisieren, dass Girauds Erzählweise nicht so komplex wie die eines Charlier ist, weiß er doch mit diesem Abschnitt sehr zu überraschen. Es ist schlüssig, wie der Wahnsinn und die Gier um sich greifen. Am Ende lässt dieser Schluss sogar Mitleid zu, denn irgendwie waren die Akteure gezwungen, so zu handeln.
Der tolle Eindruck dieses Abschnitts ist natürlich auch Rouge zu verdanken, dem es durch ein einzelnes Bild gelingt, den Irrsinn dieser Menschen auf den Punkt zu bringen. Vor der Kulisse einer grandiosen und scheinbar ewigen Landschaft ist es gleichgültig, wie sich der Mensch benimmt.

Abseits von Jean-Michel Charlier weiß auch Jean Giraud als Erzähler dieser in sich geschlossenen drei Episoden zu überzeugen. Vance und Rouge vermitteln als Zeichner einen deutlich härteren Eindruck als in bisherigen Geschichten. Ein knallhartes Western-Erlebnis in bester Italo-Tradition.

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Mittwoch, 29. November 2006

Marshal Blueberry

Abgelegt unter: Klassiker, Abenteuer — Michael um 18:33

Marshal BlueberryAn der mexikanischen Grenze herrscht das Chaos. Immer häufiger werden weiße Siedler von indianischen Banden überfallen und getötet. Die Übergriffe sind brutal und machen vor nichts halt: Männer, Frauen und Kinder. Fort Navajo füllt sich mit Flüchtlingen.
Wieder einmal wird Mike Blueberry ausgeschickt, um mit den Indianern zu verhandeln. Wieder einmal muss Blueberry sich beeilen, denn ihm wurde von seinen Vorgesetzten ein Ultimatum gesetzt. Doch dass es inzwischen Stimmen gibt, die Blueberry wegen seiner guten Kontakte zu den Indianern als Verräter bezeichnen, ist neu.

Die Verhandlungen gestalten sich äußerst zäh, obwohl Blueberry höchstmögliche Geduld an den Tag legt. Er hat Glück. Seine indianischen Freunde zeigen sich verständig.
Was nützt uns die Tapferkeit in einer Welt, die verrückt geworden ist?! So lautet das Fazit des Häuptlings, der gerade noch von Blueberry für die Tapferkeit seines Volkes gerühmt worden ist. Blueberry wähnt sich in einer glücklichen Position. Mit seiner kleinen Truppe macht er sich auf den Rückweg durch die dicht verschneite Landschaft.

Daheim sehen die Zurückgebliebenen die Angelegenheit ganz anders. Argwöhnisch werfen alle immer wieder einen Blick auf die Uhr, aber Blueberry ist noch nicht wie versprochen zurück.
Außerdem haben sie noch ganz andere Probleme. Die Waffen, mit denen die Indianer ausgerüstet wurden, stammen aus Fort Navajo. Leider konnte es dem verdächtigen Mr. Newman nie nachgewiesen werden. All dies stört die Indianer nicht. Für sie ist es eine willkommene Situation, dass die meisten Soldaten zu einer Strafaktion ausgerückt sind. So besteht die Verteidigung des Forts aus einer kleinen Stammbesatzung, alten Männern, Frauen und Kindern – Menschen, die sich verbissen wehren, aber kaum Aussichten auf Erfolg haben.

Unterdessen klärt die Blueberry die Angelegenheit auf seine Weise: durchgreifend, hart und wie immer ein wenig ungestüm, ohne Rücksicht auf sich selbst.

Marshal Blueberry schickt den Zeichner Jean Giraud an die Autorenfront. Wir schreiben das Jahr 1868. Chronologisch angesiedelt sind die Ereignisse zwischen den Blueberry-Alben 10 und 13. Die Zeichnungen hat der Künstler William Vance übernommen.

William Vance kennen Fans von Serien wie Bob Morane, Bruno Brazil oder auch XIII. Nach solchen Thrillern, in denen Vance bewiesen hat, dass er knallharte Geschichten zu zeichnen vermag, hat es ihn mit Blueberry auch in den Wilden Westen verschlagen. Man kaum wohl mit Recht behaupten, dass seine Strichführung er dem Westernhelden, der von Charlier und Giraud erschaffen wurde, einen ganz eigenen Charakter verleiht.
Girauds Zeichenstil in den früheren Jahren war schnell geführt, zuweilen skizzenhaft auf das Papier geworfen.
Im Gegensatz dazu ist Vance’ Zeichenstil eher dokumentarisch, wie der eines Gerichtszeichners, exakt in jedem Strich. Die Figuren wirken härter, besitzen aber einen ähnlichen Realismus wie seinerzeit die Zeichnungen von Giraud. Vance hat sich sehr auf Gesichter konzentriert. Wer die Szenen genau beachtet, wird sehen, dass er Gesichter häufig in den Mittelpunkt der Szene setzt. Die Mimik unterstreicht die Handlung. Bei den Belagerten im Fort lässt sich Verzweiflung ablesen, bei Blueberry ist es Durchsetzungsvermögen und Entschlossenheit.

Aus anderen Geschichten weiß der Leser, dass Vance auch ein Könner von Landschaft und Technik ist. Hier kann dies Talent nicht voll einsetzen, denn es herrscht Winter in Arizona, entsprechend liegt eine dicke Schneedecke über der Landschaft und es schneit zwischendurch immer wieder. Ein Blick auf das spannende Intro und die Bilder, in denen Pferde zu sehen sind, lässt erahnen, zu wieviel mehr Vance noch fähig ist.

Jean Giraud schreibt nun den Plot und hat die Aufgabe seines langjährigen Kollegen Jean-Michel Charlier übernommen. Auffällig ist die Humorlosigkeit der Geschichte. Es fehlt die Belmondo-Schnauze, eine gewisse Schnoddrigkeit, weshalb der Blueberry-Fan einfach nur einen harten Western zu lesen bekommt, ganz im Stile italienischer Spaghetti-Western der besseren Art. Aus Belmondo wurde ein Eastwood. Jeder mag für sich entscheiden, ob er diese Linie bei Blueberry mag.
Spannend wie seine Vorgänger ist es allemal.

Ein Blueberry aus einer neuen Sichtweise, härter als gewohnt. Western pur! :-D

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Montag, 20. November 2006

Blueberry Chroniken 3 - Der verlorene Reiter

Abgelegt unter: Klassiker, Abenteuer — Michael um 13:52

Blueberry Chroniken 3 - Der verlorene ReiterDas Halbblut: Die Auseinandersetzung zwischen den Apachen und den weißen Kolonisten in Texas droht in einen neuen offenen Konflikt auszuarten. Ein Reiter ist in dringender Mission unterwegs. Seine Nachricht kann einen weiteren Krieg verhindern. Doch nicht alle sind an der Verhinderung eines bewaffneten Konflikts interessiert. Während man in Camp Bowie die Rückkehr des Reiters erwartet, haben sich bereits Apachen an dessen Fersen geheftet, um die Nachricht in die Hände zu bekommen.

Die Mission würde auch kläglich scheitern, gäbe es da nicht einen Heißsporn namens Blueberry, seines Zeichens inzwischen Leutnant. Er erklärt sich bereit, Leutnant Craig zu retten, obwohl die Hoffnung nicht mehr sehr groß ist. Blueberrys Vorhaben wird zusätzlich durch ein Ultimatum erschwert. Ist er nicht rechtzeitig mit der Antwort zurück, die Craig überbringen sollte, setzt sich die Armee in Bewegung.

Die Spur der Navajos: Das zweite Abenteuer führt Blueberry und seinen neuen Freund, den alten Vagabunden Jim Mac Clure, geradewegs in die Höhle des Löwen. Der Präsident hat sich zu Verhandlungen mit den Apachen unter der Führung unter Cochise bereit erklärt. Blueberry will diese Nachricht an den Häuptling überbringen, der sich mit seinem Volk auf mexikanischen Boden zurückgezogen hat. Crowe, Blueberrys Blustbruder, führt die beiden Freunde immer tiefer auf mexikanisches Territorium.
Nach einiger Zeit reitet Crowe voraus. Er überzeugt Cochise davon, mit Gebrochener Nase zu sprechen. Der Häuptlingsstab von Cochise soll Blueberry freies Geleit gewähren. Leider sind nicht alle Indianer von diesen Gesprächen begeistert und wollen lieber mit den von den Mexikanern zugesagten Waffen in den Krieg ziehen. Einsamer Adler und seine Getreuen, die Blueberry unlängst Schwierigkeiten machten, wollen Crowe mit allen Mitteln aufhalten.

Der Sheriff: Ein kleiner Ort namens Silver Creek. Hier Sheriff zu sein, bedeutet, in sein eigenes Todesurteil eingewilligt zu haben. Die Gebrüder Bass haben Silver Creek fest in der Hand und beherrschen es mit der nötigen Gewalt. Der Stadtrat fasst einen Plan. Ein neuer Sheriff muss her. Wenn sich schon keiner aus dem Ort bereit erklärt, muss die Armee einen Sheriff stellen.
Jim Mac Clure, der gerade in Silver Creek weilt und bereits eigene Erfahrungen mit den Revolverhelden gemacht hat, die dort ihr Unwesen treiben, kennt den richtigen Mann für diesen Job: Blueberry.
Auch Blueberry hat nichts dagegen, diese Arbeit zu übernehmen. Aber er hat auch eine Bedingung. Jim, der ihm diese Arbeit aufgehalst hat, soll ihn als Hilfssheriff begleiten. Bald finden sich die beiden in Silver Creek wieder und der Ärger geht erst so richtig los.

Die dritte Folge der Blueberry Chroniken erzählt von einigen Geschehnissen, die sich während Blueberrys Dienstzeit als Leutnant zutragen. Der Bürgerkrieg ist vorüber, aber der Friede ist nicht stabil, denn die Konflikte mit den Indianern schwelen ständig.
Wer nach den Episoden Das Halbblut, Die Spur der Navajos und Der Sheriff noch daran zweifelt, dass Jean-Paul Belmondo die bildliche Vorlage für Gebrochene Nase Blueberry war, dem kann nicht mehr geholfen werden. Wer diverse Filme von Belmondo gesehen hat, kann eigentlich auch nicht daran zweifeln, dass der Abenteurer, den Belmondo häufig verkörpert hat, auch ein charakterliches Vorbild für Blueberry war.

Die ersten beiden Episoden sind ganz tolle Wild-West-Geschichten, die sich des Themas Indianer-Konflikt annehmen. Autor Jean-Michel Charlier kennt sich nicht nur in der Geschichte des Wilden Westens aus, sondern er hat auch in filmischen Western eifrig seine Hausaufgaben gemacht. Die Figur des Jim Mac Clure erinnert an die Fuzzys, die kauzigen Alten, die dem Genre-Fan in Western immer wieder begegneten. Besonders deutlich wird das in der abschließenden Episode Der Sheriff.
Hier finden sich starke Parallelen zum Klassiker Rio Bravo. Wie John Wayne muss auch Blueberry sich gegen eine Übermacht an Revolverhelden durchsetzen. Es fehlen auch nicht das Revolverwunderkind, damals gespielt von Ricky Nelson, und der Säufer und der Alte. Die letzteren beiden werden von Jim MacClure in Personalunion dargestellt, lassen aber den tragischen Aspekt der filmischen Vorlage vermissen.
Es sei Jean-Michel Charlier aus heutiger Sicht verziehen, denn er wusste damals auch, wie man aus all diesen Zutaten etwas eigenständiges, teilweise etwas Neues und ganz wichtig, etwas Gutes macht.

Charlier ist ein toller Erzähler. Das Halbblut und Die Spur der Navajos ist ein spannender Zweiteiler, in denen Charlier so richtig zeigt, was er kann. Blueberry wird während der gesamten Dauer der Geschichte gejagt, muss sich verstecken, kämpfen und die eine oder andere bittere Pille zu schlucken. Blueberry hat den Vorteil, nicht nur als Charakter, sondern auch als Geschichte, sehr menschlich bleibt. Hinzu kommt, dass auch Nebenfiguren mit genügend Details ausgestattet werden, um jederzeit nachvollziehbar zu sein.

Es ist schwierig noch etwas über Zeichner Jean Giraud, was noch nie gesagt wurde. Viele mögen Giraud seinen späteren Minimalismus nicht verziehen haben oder ihn gerade dort auf der Höhe seines Schaffens sehen.
Unabhängig davon lässt sich nur sagen, dass Giraud auch mit diesen drei enthaltenen Geschichten zeitlos gute Comics gezeichnet hat. Inzwischen lässt sich sogar behaupten, dass Girauds Zeichenstil von einst wieder topmodern ist.
Schön ist der Vergleich der einzelnen Geschichten anzuschauen. Es mag ein subjektiver Eindruck sein, aber ich meine eine deutliche Verbesserung des Tuschestrichs von der ersten bis zur letzten Geschichte festgestellt zu haben.
In Das Halbblut findet sich eine eher dickere Strichführung. In Der Sheriff finden sich sehr viele feinere Linienführungen.

Was die ersten beiden Episoden vermissen lassen, weil sie sehr ernsthaft angelegt sind, findet sich in Der Sheriff vermehrt: Humor. Besonders nett ist der kleine Abschnitt des Westpoint-Absolventen, der zuerst anstelle von Blueberry nach Silver Creek geschickt werden soll. Humor, der ohne Worte funktioniert, ist ohnehin der beste.

Informationen rund um den Wilden Westen, die Apachenkriege und Gesetzlose runden diese vorzügliche Ausgabe ab. Für Western- und Comic-Fans ein absolutes Muss und Highlight. :-D

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Mittwoch, 09. August 2006

Die Blueberry Chroniken - Die Jugend von Blueberry

Abgelegt unter: Klassiker, Abenteuer — Michael um 14:41

Die Blueberry Chroniken 1 - Die Jugend von BlueberryMike Donovan hat den Sklaven Long Sam wieder eingefangen. Diesen will er nun zurückbringen und an ihm ein Exempel statuieren lassen. Sein Plan stößt bei Tucker, dem Vater seiner angebeteten Harriet, auf keine Zustimmung. Tucker gefallen die Ideen des Nordens, die Abschaffung der Sklaverei nicht, doch er meint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Diese Idee wird sich nicht aufhalten lassen. Er möchte Mike Donovan den Sklaven abkaufen, um dessen Auspeitschung zu verhindern. Mike weigert sich, und es kommt zu einem erbitterten Streit.
Die Umstände sind gegen Mike. Den wertvollen Säbel lehnt er im Tausch gegen Long Sam ab. Leider wird der Säbel zur Mordwaffe und Mike ist gezwungen, ein Leben zu führen, das er nie vorher geahnt hätte.

Mike flieht. Eben noch ein Südstaatler wird aus ihm auf der Seite der Yankees Mike Steve Blueberry. Der Krieg ist für Blueberry etwas völlig anderes als sein bisheriges Leben. Aber er ist bereit alles zu riskieren und setzt ständig alles auf eine Karte. Zwar kann Blueberry sein Leben aus den bedrohlichsten Situationen retten, doch das bedeutet nicht, dass er ein Glückskind ist.

Den Dank für die Zerstörung einer Brücke erntet ein anderer. Hinter den feindlichen Linien entgeht er zwar den Kugeln der Nordstaatler, für die er kämpft, dafür wollen ihm die Konförderierten ans Leben – eine ironische Situation, da er bei seinem Eintritt in die Nordarmee betonte, er werde nicht auf Südstaatler schießen. Sein häufiges Tauschen der Uniformen lässt ihn zwar nicht seine Loyalität vergessen, aber es wird von denjenigen, denen er Treue geschworen hat, falsch gedeutet. Eine Anklage gibt dem Verdacht zusätzliche Nahrung: Blueberry wird als Doppelagent zum Tode verurteilt.
Wieder überlebt er durch Glück und muss feststellen, dass nur der Hass auf seine Person der Auslöser für seine Befreiung war. Bis er seinen Namen endgültig – wenn auch nur teilweise – reinwaschen kann, vergeht noch einige Zeit.

Endlich erscheinen die Anfänge von Blueberry mit diesem ersten Band der Blueberry Chroniken – Die Jugend von Blueberry in einer gesammelten Ausgabe.
(Ich habe mich besonders über diese Ausgabe gefreut, da es auch ein Ausflug in vergangene Comic-Tage ist, als Blueberry hierzulande noch in Schwarzweiß Seite an Seite mit vielen anderen Helden erschien. Siehe: Mit Vollgas ins Abenteuer.)
Als Western und als Comic ist der Name Blueberry legendär. Er steht für Spannung, Abenteuer und einen außergewöhnlichen Helden, nicht immer sympathisch, nicht immer erfolgreich, sehr realistisch angelegt und im Laufe seines Comic-Lebens mit vielen aufregenden Episoden seitens seiner Macher Jean-Michel Charlier und Jean Giraud gesegnet. Charlier ist ein Comic-Autor, der sehr viel bewegt hat und an so manchem Klassiker beteiligt war, die heute immer noch Vorbildfunktion haben (Buck Danny, Mick Tangy, Der Rote Korsar). Giraud hat sich unter den Comic-Zeichnern zu einer lebenden Legende entwickelt. Als Moebius setzte er neue Maßstäbe, als Giraud zeigt er mit Blueberrys Jugendtagen noch einen anderen Zeichenstil, bodenständiger, nicht so experimentierfreudig, wie man es als Leser später von ihm geradezu gewohnt ist.

Interessant ist es, wie eine Figur, die dem Leser zuerst als gemeiner Schnösel nahe gebracht wird, einem mehr und mehr ans Herz wächst. Blueberry, oder besser Mike Donovan, entwickelt sich, nicht zuletzt, da sich in all den Miseren, die er durchlebt, plötzlich Menschen für ihn einsetzen, von denen er das nie angenommen hätte. Diesen Überraschungen stehen ebenso viele Enttäuschungen gegenüber (wenn nicht sogar mehr). Es lässt sich mit Fug und Recht behaupten, dass Charlier seinen Helden regelrecht durch die Hölle schickt und ihm nur selten eine Verschnaufpause gönnt. (Außerdem erfährt der Leser, woher Blueberry seine Boxernase hat.)

Die Kolorierung der Episoden ist mit gleich lockerem Strich geführt wie die Tuschestriche. (Es ist immer wieder faszinierend, wie einige wirklich simple Striche von Giraud umfassende Bilder ergeben.) Die Farben sind eindringlich gewählt, mal erdig, mal grell, immer der jeweiligen Stimmung angepasst und treffend.

Was eigentlich ein Ausflug in die Comic-Geschichte ist, kann sich mit aktuellen Produktionen jederzeit messen – man könnte auch sagen, aktuelle Produktionen müssen sich immer noch an diesen Werken messen lassen. Wer Western zugeneigt ist (oder wenigstens starkes Interesse an Comics hat), kommt an dieser Werkausgabe, die mit gut aufbereiteten zusätzlichen Informationen über Charlier, Giraud und den amerikanischen Bürgerkrieg angereichert ist, nicht vorbei. :-D

Bereits berichtet: Blueberry 42 – Der Schlächter von Cincinnati

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Donnerstag, 17. November 2005

Tief im Westen

Abgelegt unter: Klassiker — Michael um 20:54

Western… wo die Sonne verstaubt, da muss der Westen ganz wild sein!

Zuerst dachte ich, Western-Comics wären mir nie begegnet. Bei genauerer Betrachtung war das aber ganz anders. Irgendwie hatte es mit Bessy angefangen. Ich erinnere mich an ein Cover, auf dem Bessy, ein Collie, zu sehen war, die einen Indianerhäuptling angriff. In der Konsequenz war Bessy eine Art Lassie-Kopie.
Ebenso spannend, wenigstens damals empfand ich das so, war Buffalo Bill. Die Figur dieses Westernhelden ist zwar ein Mythos geworden, aber weniger wegen seines tatsächlichen Lebens, eher wegen seiner legendären Wildwest-Shows. Die Comics allerdings enthielten alles, was Western für Kinder bringen müssen. (Und die außerdem gerade durch Fernsehserien wie Western von gestern so richtig Feuer an dem Thema gefangen haben.)
Bessy und Buffalo Bill gehören zu großen Ausflügen des Bastei Verlages in die Welt des Comics.

Später gehörte ich dann zu denen, die in Yps weitere Bekanntschaft mit dem Thema machten: Buddy Longway.
Darauf habe ich mich immer tierisch gefreut. Die Geschichte Allein erzählt von Buddy, der sich in der Wildnis ein Bein bricht und versucht, nach Hause zu kommen. Schließlich hat er das Glück, freundlichen Siedlern zu begegnen. Die junge Frau, die ihn pflegt, verliebt sich sogar in ihn, aber Buddy muss sie enttäuschen: Er will nur zurück zu Chinook, seiner Frau, und Jeremias, seinem Sohn.
Es ist eine Geschichte (wie auch in anderen Episoden von Buddy Longway), die nach heutigen Maßstäben völlig unspektakulär daher kommt. Vielleicht mag ich diese Geschichten deshalb so, weil sich die Dramatik ganz zwanglos entfaltet, denn dramatisch ist es zweifellos.

So infiziert konnte ich gar nicht anders, ich musste zugreifen, als Ehapa Die großen Edel-Western ins Rennen schickte. Blueberry, Mac Coy, Jonathan Cartland und natürlich Comanche.
Red Dust war so cool! Da steht dieser Herumtreiber mitten in der Prärie. Eine nahende Postkutsche hält und plötzlich findet sich der Rothaarige im Duell mit dem großmäuligen Revolverhelden Hondo. Red Dust geht als Gewinner aus diesem Duell hervor. Was Hermann und Greg hier zu Papier bringen, ist eine richtige Männergeschichte. Red duelliert sich schließlich mit Kentucky Kid, einem Freund aus guten alten Tagen. Es geht nicht anders. Hier wird deutlich, dass vieles in einem Western auch etwas Ritterliches hat, sofern sich die Protagonisten an einen Ehrenkodex halten.
In vielen Western ist am Ende dieser Kodex entscheidend. Er findet sich in den Filmen von Sergio Leone oder mit John Wayne ebenso wie bei Comanche.
Ich weiß gar nicht, warum mich gerade Comanche so begeisterte. Ich denke, es war diese schöne Mischung der Charaktere, die sich am Ende von Red Dust präsentieren: Ein weißer und ein schwarzer Cowboy, ein Greenhorn, ein alter Mann (ein Oldtimer) und Comanche, die Chefin. Später, in Krieg ohne Hoffnung, gesellte sich auch noch ein Indianer hinzu, der eine ganz eigene Methode zum Fangen von Kälbern entwickelt.

Blueberry ist natürlich ein ebensolcher Klassiker, der jüngst auch in der FAZ Reihe der Comic-Literatur einen gebührenden Band erhielt. (Eine Schande, dass Comanche nicht dabei sein wird!)
Im Blueberry-Band wird die fünfteilige Saga um den Südstaatenschatz in Höhe einer halben Million Dollar geschildert. Blueberry ist eher ein Einzelgänger, obwohl sich immer wieder Freunde finden, die ihm helfen. Blueberry finde ich deutlich raubeiniger angelegt als die Charaktere in Comanche und ich finde ihn auch nicht so sympathisch.
Jean-Paul Belmondo soll äußerlich inspirierend bei seiner Entstehung gewirkt haben. Das mag sein. Aber ich habe nie so recht mit Blueberry gefiebert, wie ich es mit Belmondo tat. Ein wenig mehr von Belmondos schnoddriger Art hätte Blueberry gut getan. Blueberry ist eher wie der Duke (John Wayne), eher unnahbar und zeitweilig mit einer riesigen Portion Glück gesegnet, weil er immer wieder mit (halbwegs) heiler Haut davon kommt.
Das bedeutet nicht, dass ich diesen Klassiker schlecht finde. Nur hat mir Comanche besser gefallen.

Cowboys, Indianer, Kavallerie, windige Halunken und verlotterte Saloons: Comic-Herz, was willst du mehr? :-D

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Mittwoch, 21. September 2005

Mit Vollgas ins Abenteuer

Abgelegt unter: SciFi, Cartoon, Klassiker — Michael um 20:09

Zack Parade 1Über 30 Jahre (1973) ist dieses kleine Taschenbuch bereits alt. Vor so vielen Jahren waren die Comic-Inhalte gängige Unterhaltung, heute sind es Klassiker.
Hier eine Auflistung der Namen, die in diesem Taschenbuch vereint sind:
Michel Vallaint, Dan Cooper, Mick Tangy, Leutnant Blueberry, Lucky Luke, Luc Orient, Rick Master, Andy Morgan, Red Dust, Cubitus, Sven Janssen und Boogie & Woogie.

Unter diesen doch ziemlich ernsthaften Abenteuercomics sprengen Cubitus, Lucky Luke und Boogie & Woogie ein wenig den Rahmen.
Der gute Cubitus macht hier Bekanntschaft mit einer Katze, die sich als Marsbewohner ausgibt. Als er den Schwindel durchschaut, schießt er sie tatsächlich ins All.

Wer die 212 Seiten voller Spaß, Spannung und Abenteuer durchblättert, wird feststellen, dass der Band nicht durchgängig farbig ist, sondern nur Teile davon. Auch innerhalb der einzelnen Geschichten kommt es auch zu einem Farbwechsel.
Ich glaube, Farbe war damals noch etwas Besonderes.

Für Michel Vallaint habe ich mich nie so recht begeistern können. Obwohl ich mich dunkel an eine Episode erinnere, in der es um ein Phantom in einem Rennwagen ging. Die fand ich seinerzeit ziemlich spannend.

Wirklich schöne Folgen finden sich mit den beiden Blueberry-Episoden Das Geheimnis des Mike Donovan und Die Brücke vonChattanooga. Gerade letztere ist sehr gelungen, da am Ende jemand anderes den Lohn für Blueberrys selbstmörderische Arbeit einheimst.

Die allerbeste Geschichte ist für mich unbestritten die Andy Morgan-Folge Die Rote Sonne. Während des Zweiten Weltkriegs wird der australische Matrose Jordan in das Rettungsboot eines japanischen Leutnants verschlagen. Das Szenario erinnert ein wenig an die legendäre Sequenz aus Ben Hur. Auch dort sind zwei gegensätzliche Charaktere gezwungen miteinander auszukommen. Ist es dort der Feldherr, der es nicht ertragen kann, gerettet zu werden, weil er dann seine Niederlage eingestehen muss, ist es hier der Japaner, der lieber Selbstmord begehen will, als sich gefangen nehmen zu lassen.
Die kleine Geschichte um den Australier, der einem Japaner im Krieg das Leben rettet, habe ich nachhaltig in Erinnerung behalten.

Natürlich haben Serien wie Lucky Luke locker die Zeiten überstanden. Aber auch Helden wie Sven Janssen lassen sich immer noch auftreiben. Erstaunlich (meiner Meinung nach), dass auch Cubitus immer noch am Markt zu finden ist.

Ich glaube, Comics entziehen sich jeder Mode und viele Themen sind einfach zeitlos. Humor wird immer gemocht und dem Charme eines Abenteurers kann ein Leser nicht entgehen. :-)

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