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Comic Blog


Dienstag, 13. Dezember 2011

Zeit der Asche

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:29

Zeit der AscheFirfin ist nicht gerade derjenige, der einem Reisenden in den gefährlichen Gefilden des Landes Vertrauen einflößen kann. Dennoch sind die drei Zwerge auf Unterstützung angewiesen, so gaunerhaft sie auch daherkommen mag. Firfin kennt sich ein wenig auf dem Gebiet der Heilung aus. Damit kann er nicht nur sich selbst zum Vorteil gereichen, auch die drei Zwerge, die doch bloß einen königlichen Nachfolger nach Hause geleiten sollen, werden sehr auf seine Dienste angewiesen sein. Denn dieses Land wimmelt nur so von furchtbaren Überraschungen: Donnerritter! Und dann auch noch dieses Getier, das an jeder Ecke, in der Luft, auf dem Boden und im Wasser lauert, um zu töten und zu fressen. So hatten sich die ansonsten tapferen Krieger ihre Reise nicht vorgestellt! Dabei fängt sie gerade erst so richtig an.

Fantasy einmal ganz anders: Hier ist schon die Landschaft monströs und lebensfeindlich. Der Leser begegnet in dieser Welt nicht den feinen (natürlich auch unheimlichen) Gegenden, Kerkern und Schlachtfeldern. In dieser von Bruno Chevalier beschriebenen und von Thierry Segur gezeichneten düsteren Weite wirkt es, als habe sich ein H.R. Giger zusammen mit einem Terry Pratchett zusammen getan. Letzterer hätte jedoch seinen Humor vergessen. Firfin, der Gauner, der Zwerg Noren und Morkai, ein Akei (aus dem Süden, von denen man nicht mehr viele findet) sind ein Trio sehr unterschiedlicher Charaktere, die nur selten komische Momente vorfinden (und diese halten auch nicht lange vor). Chevalier und Segur schicken ihre Helden lieber in (scheinbar) auswegslose Situationen.

Ausweglos wirkt bereits die Landschaft: Mit Sumpfgelände mag der Fantasy-Fan vertraut sein, doch dieses vervollständigt einen Gesamteindruck, der sich mit einem Gelände fortsetzt, das wie ein gigantisches Knochengebilde aussieht. Steinerne, geradezu zerrissene Formationen wechseln sich ab mit einer üppigen Grünlandschaft, in der die Natur schier aus allen Nähten platzen will. Und sind es nicht Schnee, Eis und Meer, die weitere Kulissen bilden, so entführen die beiden Macher den Leser in traumartige Sequenzen, die, so könnte man sagen, jeden noch so phantastischen Einfall ausschöpfen, der für eine dramatische Fortführung der Handlung notwendig ist.

Der Einfallsreichtum, der hier gezeigt wird, legt sich keinerlei Grenzen auf. Zwar gibt es Zwerge zu sehen, der Akei mag so etwas wie ein Riese sein auf seine Art, aber darüber hinaus könnten sich für dieses hier geschilderte märchenhafte Reich neben den erwähnten Künstlern auch Lewis Carroll (allerdings mit einer noch abgedrehteren Phantasie als in Alice im Wunderland) und die Erfinder von Jason Vorhees eingefunden haben. Das mag sich merkwürdig und unvereinbar anhören. Wer aber den Donnerritter im Zweikampf mit Ewandor gesehen hat, der an eine ungewöhnliche Mischung aus Yoda und Raupe Absolem erinnert, wird sich vielleicht überzeugen lassen.

Grafisch setzt Thierry Segur auf sehr fein strukturierte Bilder: Zarte Linien, treffsicher gezogen und bereits nach wenigen Seiten zeigt sich, wie es ihm gelingt die Seiten mit unterschiedlichen Perspektiven zu komponieren. So vollführt er den Wechsel vom Beobachter, der heimlich zuschaut, zum Akteur, der sich mitten im Geschehen wiederfindet. Das Design ist sehr eigen und entzieht sich den gängigen Zeichnungen. Segur mag die märchenhafte Ansicht, Ansichten kleiner Wesen, die plötzlich in Massenszenen zu explodieren scheinen. Er setzt die Niedlichkeit der Figuren Ausbrüchen von Gewalt entgegen, die denen im Fantasy-Standard von HdR nicht nachstehen. Die Aquarelltechnik, mit der die Farben aufgetragen sind, in feinen Verläufen und nie wirklich richtig dunkel (selbst wenn es düster ist) verstärkt den Eindruck eines schönen Alptraums, dem man sich als Leser binnen kurzem nicht entziehen kann.

Ganz, ganz anders: Fantasy kann sich auch von gängigen Werken und Beschreibungen lösen. Bruno Chevalier und Thierry Segur machen es vor. Aufregend anders, phantastisch im wahrsten und besten Sinne des Wortes in dieser Gesamtausgabe. Fantasy-Fans sei der Band ans Herz gelegt. 🙂

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Sonntag, 11. Dezember 2011

Der kleine Spirou 15 – Halt dich gerade!

Filed under: Cartoon — Michael um 20:01

Der kleine Spirou 15 - Halt dich gerade!Quasigrodo sieht nicht so aus, aber er ist ein ganz schlauer Kerl. Er versteckt sich mit Eleganz und Wonne hinter seiner äußeren Erscheinung und gibt seinem Pfarrer den Quasigrodo, den dieser in der verirrten Seele sehen möchte. In Wahrheit aber nutzt Quasigrodo seine Situation gehörig aus und überrascht damit den kleinen Spirou, der ansonsten nie um eine Antwort verlegen ist und hier nun sprachlos auf das Ergebnis von Quaisgrodos Schläue blicken kann. Andere würden es vielleicht Durchtriebenheit nennen oder notwendiges Durchsetzungsvermögen. Gerade von letzterem herrscht in Spirous Familie allgemein kein Mangel. Der kleine Spirou selbst ist findig und seine Oma … nun, der kommt man besser nicht in die Quere, sollte man anderer Meinung als sie sein. Bei ihr gehen Tatkraft und Schlagkraft Hand in Hand.

Mit Zeichnern macht man keine Späße: Besonders dann nicht, wenn man als gezeichnete Figur in einer gewissen Abhängigkeit zu diesem Berufsstand steht. Für diese Kindereien, wie es im Vorfeld tatsächlich heißt, ist außer Janry (Autor) und Tome (Zeichner) noch Dan mitverantwortlich. Es macht schon einen großen Unterschied, auf welchem Papier eine Figur gezeichnet wird, wie sicher die Striche sitzen, wie gut getuscht und koloriert wird. Wenn die Figuren sich allerdings beschweren, wird ihnen kurzerhand das Wort entzogen. Doch der 15. Band der Reihe Der kleine Spirou bewegt sich mit seinen Geschichten meistens in der wirklichen Welt und weitaus weniger abstrakt.

Der kleine Spirou hält Charaktere bereit humorvoll sind, auch cholerisch wie Turnlehrer Jahn, skurril wie Quasigrodo, senil, aber vor allem in vielerlei Hinsicht auch herrlich normal. Zuletzt genannte Figur, Quasigrodo, leitet mit der Beschreibung seines Lebenslaufes den Band ein. Von der Schule bis zu seiner letzten Anstellung als Gehilfe in einer Kirchengemeinde begegnet der Leser der an die dramatische Figur des Quaismodo angelehnten Quasigrodo als Spross eines überaus kapitalistischen Systems, der schließlich zu Fall gebracht wird. Janry flechtet frech aktuelle Probleme der Weltwirtschaft ein, vermischt es mit Klamauk, während Tome es mit einem doppelten Augenzwinkern serviert.

Bereits der kleine Spirou hat Probleme oder auch Leidenschaften, die sich bis ins Erwachsenenalter fortsetzen. Frauen sind bereits ein Thema. Ehrgeiz und Leistungsdruck, auch das Mogeln werden auf besondere Weise thematisiert und sei es nur, wenn das Geschäft auf dem Töpfchen zu ganz besonderen Höhenflügen reizt. Hier kommen der formulierte Witz von Janry wie auch die von Tome gezeichneten Ausdrücke zu einer hinreißenden Mixtur zusammen. All dies bewegt sich auch innerhalb der Pagenfamilie, so dass der Leser einen zusätzlichen Einblick in den Stammbaum des kleinen Spirou erlangt. Sofern er neben Lachen und Schmunzeln dazu kommt.

Tome gelingt in scheinbar gestauchten, verzerrten Figuren Ausdruck und Haltung zu vereinen, so dass bereits hier viel an Humor herauszulesen ist, ohne auch nur ein Wort aufgenommen zu haben. Gerade bei den Kinderfiguren zeigt sich Tomes Talent mit kleinen, präzisen wie intuitiven Strichen seinen Sketchaufbau Papier zu bringen. In manchen Sequenzen beweist er so auch den sehr menschlichen, sprachübergreifenden Humor, wenn Janry auf Dialoge oder Erklärungen verzichtet.

Als Antipathieträger sticht einmal mehr Turnlehrer Jahn hervor, eine Lehrerfigur, die sicherlich jeder einst (oder noch) in einer verwandten Form vorweisen kann. Großmäulig, der geborene Besserwisser, mehr Forderer als Förderer und neben seiner Tätigkeit als Lehrer kulinarischen Genüssen nicht abgeneigt. Das äußerst sich jedoch meistens in übermäßigem Trinken und Essen und wirkt alles andere als genießerisch. Janry verwendet Jahn gerne in slapstickhaften Situationen, so auch hier im Zoo, als übereifrigen Helfer (Thema: Besserwisser) oder als hilflosen Autofahrer vor einem Garagentor (Thema: Choleriker).

Ein Feuerwerk der Späße, ein besonders schönes diesmal, mit neuen Ideen, mit großer Spielfreude der Darsteller vorgeführt (was natürlich Tome zu verdanken ist, der hier zur Hochform aufläuft). Wer an trüben Wintertagen lachen will, liegt hier richtig. 🙂

Der kleine Spirou 15, Halt dich gerade: Bei Amazon bestellen

Freitag, 09. Dezember 2011

Kleines Wunder

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:05

Kleines WunderDer Erzbischof ist zu Besuch. Die Nonnen haben alles vorbereitet. Das Kloster sollte den gestrengen Blicken des Kirchenoberen standhalten. Die Nonnen haben sogar daran gedacht, ihr kleines Geheimnis gut zu verstecken. Allerdings hat dieses kleine Geheimnis, ein kleiner Junge, seinen eigenen Kopf und so verschafft er sich einen Ausblick auf das Geschehen und plant außerdem seine Flucht. Derlei Pläne kleiner Kinder können in eine Katastrophe münden, hier geraten sie völlig außer Kontrolle. Aus der Flucht wird ein Leben, wie es Frankreich nie erlebt hat, ein wahrer Mühlstein der Geschichte.

Die französische Revolution: Aus heutiger Sicht stand sie unter dem Motto Runter mit dem Kopf! Autorin Valerie Mangin lässt mit ihrem Zweiteiler Kleines Wunder, der hier in einem Band zusammengefasst ist, diese Zeitspanne wieder aufleben. Es ist ein Blick in eine Zeit, in der Hinrichtungen mit größtmöglicher Effektivität durchgeführt werden sollten. Bedeutet: Schneller, denn es gab viel zu tun.

Wer in der Französischen Revolution etwas bewandert ist, wird einiges entdecken können. Wer sich nicht auskennt, wird nicht weniger Spaß haben: Eine Nonne bereitet einen durch ein normales Beil hingerichteten Mann auf sein Begräbnis vor und erfährt dabei eine Art außereheliche Erfahrung. Ist dieser Akt schon höchst bemerkenswert, ist das folgende Ereignis, nämlich die Schwangerschaft der Guten, nicht weniger beeindruckend unter diesen Umständen. Das Kind, von dem man zunächst glaubt, es sei tot, lebt, obwohl der Kopf vom restlichen Körper getrennt ist. Beide Körperteile funktionieren dennoch gemeinsam, eben ein Kleines Wunder. Aber hatte hier wirklich Gott seine gnädige Hand im Spiel?

Ein kopfloses Kind: Schwer zu behaupten, es habe den Schalk im Nacken, aber tatsächlich ist der kleine Denis, so sein Name, ein aufgeweckter Junge, intelligent und vorwitzig. Der Zustand, bei Nonnen im Kloster aufzuwachsen, erweist sich für ihn zwar zunächst sinnvoll, ist für den Heranwachsenden jedoch äußerst langweilig. Widrige Umstände setzen dieser Langeweile bald ein Ende. Die Bekanntschaft mit Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord (der den Spitznamen der hinkende Teufel trägt) und Joseph-Ignace Guillotin lenkt sein Leben in unvorhersehbare Bahnen.

Valerie Mangin lässt das Kind nicht nur wachsen, sie lässt es vor Rache und Zorn entbrennen. Plötzlich gibt es nur noch einen Gedanken: Sie sollen bezahlen! Wer? Alle! Nicht weniger als die Auslöschung der Menschen hat dieses Kleine Wunder im Sinn und obwohl es später unverhohlen diesen Weg beschreitet, findet es dennoch reichlich Anhänger, um zunächst Frankreich einen Kopf kürzer zu machen. Und später? Das soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

Griffo (Werner Goelen) karikiert dieses Frankreich, führt es auf die Theaterbühne und zeichnet wunderbare Figuren, in dieser Geschichte, die auf einer Grenze zwischen der Komödie Molieres und den Dramen eines Shakespeares balanciert. Lediglich die Gesichter sind etwas überzeichnet. Alles andere wird akribisch dargestellt und sorgt für eine phantastische Atmosphäre, ein wahrhaftige Kostümparade und gleichzeitig ein Sittenbild einer Epoche, in der die Auslöschung des politischen Gegners eine schaurige Systematik erreichte.

Feine Linien, ein lasierender, aquarellartiger Farbauftrag lassen die Handlung auf den ersten Blick märchenhaft erscheinen. Griffo zeichnet mit dieser Geschichte den Blick hinter die Kulissen der Kulissen, die wahren Drahtzieher. Erwähnter Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord, der Wendehals, dem es gelang die Revolution zu überleben, ist der heimliche Chronist dieser Geschichte. Der Leser darf den schlanken und schmalgesichtigen Büßer alt werden sehen. Das Lachen des jungen Talleyrand verschwindet schließlich für immer. Der hinkende Teufel wird zum wahrhaftigen Helfershelfer desselben. Und er weiß es. Nicht nur in dieser Figur beweist Griffo sein starkes Können für Mimiken und Charaktere.

Eine grandiose Geschichte, erzählt von Valerie Mangin, mit sicherer Hand und gutem Gespür für Figuren von Griffo illustriert. Was war der wahre Antrieb hinter den Umtrieben der Französischen Revolution? Hier findet sich eine spannende Antwort, toll mit den Fakten verwoben, sehr unterhaltsam und voll schwarzen Humors. 🙂

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Oder bei Finix Comics.

Donnerstag, 08. Dezember 2011

Kaplan & Masson 1 – Die Chaostheorie

Filed under: Thriller — Michael um 18:06

Kaplan & Masson 1 - Die ChaostheorieAls die Enola Gay, das amerikanische Bomberflugzeug, seine Atombome über der japanischen Stadt Hiroshima abwarf, war man sich der Zerstörung bewusst. Die Folgen dieser Explosion, auch jener des nachfolgenden Abwurfs über Nagasaki, haben einige wichtige Wissenschaftler auf dem Gebiet der Kernphysik nachhaltig erschüttert. Niemals wollten sie Menschen durch ihre Arbeiten töten. So bildet sich ein Kern aus Wissenschaftlern heraus, die eine Initiative gegen diesen Wahnsinn ins Leben rufen wollen. Der Gedanke: Wenn sich einige der intelligentesten Köpfe zusammenfinden und ihre Standpunkte vor den politischen Vertretern dieser Welt darlegen, diese vielleicht sogar überzeugen können, könnte eine Wende eingeleitet werden, die aus dem Kalten Krieg herausführt.

Nathan Masson, selbst Physiker, erkennt die Brisanz dieses Plans erst, als ein Bekannter ihn nach dem Selbstmord des führenden Kopfes der Initiative, Alfred Bernstein, bittet, ihm zu helfen. Kurz darauf schaltet sich auch Etienne Kaplan, Colonel des französischen Geheimdienstes, in den Fall ein, denn als ein weiterer Anschlag geschieht, steht es außer Frage, dass im Falle Bernsteins von Selbstmord keine Rede mehr sein kann.

Didier Convard kennt sich als Autor mit kniffligen und rätselhaften Thrillern aus (Das geheime Dreieck). Zusammen mit Jean-Christophe Thibert (Zeichner) erzählt er eine Geschichte aus der Frühphase des Kalten Krieges. Convard bedient sich hierbei der realen Kulisse. Die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges werden übernommen. Ehemals real existierende Wissenschaftler werden nachgeahmt und sind durch ihre jeweilige Beschreibung erkennbar. So steht Alfred Bernstein für Albert Einstein (der allerdings ein vollkommen anderes Schicksal erlitt, als der hier gezeigte Atomphysiker).

Die 50er Jahre erwachen zu neuem Leben: Didier Convard bringt die Entschleunigung in den Thriller zurück. Ganz gleich ob Roman, Film, auch Comic, moderne Thriller nutzen die Geschwindigkeit der heutigen Zeit. Informationen jagen voran, Fahrzeuge brechen Geschwindigkeitsrekorde. Hoch spezialisierte Technik stellt den menschlichen Akteur zuweilen ins Abseits. Nathan Masson und Etienne Kaplan müssen planen, nachdenken, vorausschauen, manchmal sind sie auch den Ereignissen ausgeliefert. Es ist eine andere Zeit, in der Convard den Thriller wie ein Schachspiel anlegen und Zug um Zug erzählen kann.

Feine Hauptfiguren: Kaplan und Masson haben sicherlich ihren Charme, werden von Convard aber in der Balance zum Rest der Handlung gehalten. Schön ist die Herausarbeitung von Masson, dem es nicht gelingt, seiner Sekretärin zu widerstehen. Kaplan ist hingegen ein Lino Ventura in seiner Rolle als Polizist, sehr professionell, vielleicht besser aussehend. Jean-Christophe Thibert spielt als Illustrator mit dieser Epoche, mit all den wunderschönen Dingen, die diese Zeit zu bieten hatte.

Das Paris jener Tage ist bis heute beinahe zeitlos, die Ausstattung von Räumen (sehr liebevoll inszeniert), der Verkehr auf den Straßen: Polizisten, die mit der Isetta anrücken, eine halsbrecherische Fahrt auf einer Vespa mit Beiwagen. Ein Unternehmer mit Hypochondrie nimmt optisch eine Figur wie Dr. No vorweg (nur in einem anderem Zusammenhang). Thibert zeichnet mit einer exakten Linie, ahmt nichts nach. Wenn er einen Gegenstand zeichnet, dann hat dieser auch genauso ausgesehen. Mit dieser klaren Linie gelingen ihm sogar glänzende Charakterköpfe. Die Kolorierung kommt mit einer Schattierung aus, aber mehr braucht es für diesen haargenauen Aufbau auch nicht.

Ein richtig toller Thriller-Blick in die 50er Jahre: Eine spannende Geschichte, in der Didier Convard den Leser manchesmal etwas mehr wissen lässt als die Hauptfiguren. Eine phantastisch gelungene Illustration, sehr präzise, fast ein kleines Fenster in die Vergangenheit von Jean-Christophe Thibert. Aufregung und Charme, eine kleine Hommage an die Thriller eines großen französischen Kinos, eine große Hommage an eine Welt im Wandel. 🙂

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Montag, 05. Dezember 2011

Luc Orient Gesamtausgabe 4

Filed under: SciFi — Michael um 13:42

Luc Orient Gesamtausgabe 4Die Jabrakk durchkreuzt das All. Innerhalb des Sternenschiffes herrschen eigene Gesetze. Die Zeit verläuft anders. Für die Besatzung, darunter auch einige Menschen, ist der gigantische durchs All jagende Komplex wie ein Kokon. Leider haben sich die Dartz, jene humanoiden Raumfahrer aus einer weit entfernten Galaxis, allzu sehr auf ihre Computer verlassen. Eines Tages macht Professor Kala, der zusammen mit seinen Assistenten Luc Orient und Lora Jordan an Bord ist, die fürchterliche Entdeckung, dass sich die Wasservorräte dem Ende zuneigen. Neu produzierte Getränke entpuppen sich als pures Gift. Die Maschinen wehren sich gegen ihre Programmierer. Eine Ursache ist nicht erkennbar.

Damit das Problem zunächst umgangen werden kann, suchen die Raumfahrer fieberhaft nach einer Zwischenstation im All, wo sie gewissermaßen auftanken können. Doch das ist leichter gesagt, als getan, denn obwohl das Weltall eine unvorstellbare Weite besitzt, ist der Fund von Wasser doch nicht leicht. Der nächstgelegene Planet, der Abhilfe schaffen könnte, besitzt eine absolut lebensfeindliche Atmosphäre. Schlimmer noch: Die gewaltigen Stürme, die auf ihm toben, könnten auch die Jabrakk zerstören.

Zurück ins All mit neuen Freunden: Freunde? Kala, Orient und den anderen wird schnell bewusst, dass sie immer noch Gäste sind. Die Dartz haben das Sagen und verschleiern diesen Aspekt der Zusammenarbeit keineswegs. Mit über drei Millionen Dartz an Bord besteht allerdings auch kein Zweifel, wie die Gewichtung auf der Jabrakk aussieht. Die anderen menschlichen Begleiter, aus ihrer Zeit entführt, zwei Franzosen aus dem 18. und 19. Jahrhundert sowie zwei römische Legionäre, sehen in der Reise ein großes Abenteuer. Eine Rückkehr gibt es für sie nicht. In der Folge stellen sie sich jedoch als nicht unwichtige Begleiter heraus.

Ziel Terango: Zurück zu den Wurzeln. Obwohl sich mittlerweile andere, erdgebundene Abenteuer um Luc Orient abgespielt haben, konnten die beiden Comic-Macher Greg (Autor) und Eddy Paape (Zeichner und durchaus Mitautor) nicht ganz von den Wurzeln der Serie, dem Ort, wo sich das große Abenteuer herausbildete, lassen. Der Planet Terango, wo unter menschlicher Mithilfe ein Diktator besiegt worden war, soll eine Heimat für einen Neuanfang der Dartz werden.

Als die Frauen noch Schwänze hatten: Mag es jener Trash-Klassiker mit Senta Berger gewesen sein, der Eddy Paape zur Gestaltung der Amazonen inspirierte, die sich auf dem Titelbild des vierten Bandes der Gesamtausgabe befinden? Das kann nicht beantwortet werden. Zeitlich würde es hinkommen. Darüber hinaus allerdings hat die Handlung nichts jenem Film gemein. Vielmehr tobt sich Paape auf Terango aus und gestaltet einen neuen Teil jener wundersamen Welt. In seiner geradlinigen und einfallsreichen Art zu zeichnen könnte er sich nahtlos in die moderne Comic-Veröffentlichungen einreihen, obwohl die vorliegenden Arbeiten teilweise über 30 Jahre zurückliegen.

Ein alter Feind ermöglicht den Brückenschlag: Julius Argos, eine Art kriminelles Genie, entpuppt sich ausgerechnet als derjenige, der zur Rettung der Menschen beitragen könnte. In jedem Band ist es immer wieder faszinierend, wie Greg und Paape Haken schlagen und ihre Geschichten erzählen. Nichts ist unmöglich, ließe sich sagen vor den Eindrücken dieser bunten, prallen Science-Fiction-Opera, die nicht mit Einfällen geizt, sondern auch von Geschichte zu Geschichte zu überraschen versteht. So kann es sogar vorkommen, dass die Guten auch zu Bösen werden.

Erzählen mit Freude an den Charakteren, am Genre und am Medium: Das war Greg einerseits und das leistete Eddy Paape mit Luc Orient optisch. Ein pralles Lesevergnügen mit neuen außerirdischen Freunden, den Dartz, spannend und unterhaltsam von Anfang bis Ende. 🙂

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Alef-Thau Gesamtausgabe 2

Filed under: Abenteuer — Michael um 10:40

Alef-Thau Gesamtausgabe 2Einiges hat sich für Alef-Thau verbessert. Für jemanden, der ohne Gliedmaßen auf die Welt kam, stellt die Situation, nur ein Bein und ein Auge zu vermissen, eine gehörige Verbesserung dar. Mehr noch, die Frau, die er liebt, ist endlich an seiner Seite. Nur der Weg für ein normales Zusammenleben ist immer noch nicht gefunden. Ein Problem ist zum Beispiel seine Angebetete selbst: Diamantha. Die junge Frau, die erneut erwachsen wird, ist unangreifbar. Leider wird jegliche Person, jeglicher Gegenstand, jegliches Element, das sie konkret bedroht, neutralisiert. Die Gefährten, die eben noch in einem Fluss schwimmen, in dem Diamantha zu ertrinken droht, müssen erleben wie das Wasser von einem Augenblick auf den anderen verschwindet.

Alejandro Jodorowsky erzählt mit der Legende um Alef-Thau seine märchenhafteste Geschichte. Und nicht nur das: Nach vielen anderen Publikationen dürfte es sich bei dem Abenteuer um Alef-Thau auch um die Geschichte Jodorowskys handeln, in der er die meiste Güte walten lässt. Viele Figuren sind liebenswert, selbst jene, die eigentlich notorische Quertreiber sind, wie der kleine Holibanum, dersich selbst als notwendiges Übel bezeichnet.

Anders betrachtet könnte man Alef-Thau auch als märchenhaftes Road-Movie bezeichnen. Das Ziel ist die Befreiung der Welt. Eine Wanderung von Abschnittsziel zu Abschnittsziel ist nötig und obwohl die beiden Hauptcharaktere Alef-Thau und seine Angebetete Diamantha über große Kräfte verfügen, kommen sie nicht ohne Hilfe aus. Im Gegenteil: Ihre starke Macht auf der einen Seite ist auch ihre Schwäche auf der anderen Seite. Also benötigt es Charaktere, die zur Komplettierung beitragen und diese finden sich später ausgerechnet in drei kleinen Männlein (ausgerechnet Holibanum ist einer davon).

Alejandro Jodorowsky lässt sich über acht Bände hin Zeit (auf zwei Gesamtausgaben aufgeteilt), seine Geschichte regelrecht zu entfalten. Zu keiner Zeit spürt man als Leser irgendwo einen Zeitdruck. Man merkt nicht, dass die Geschichte voranschreiten muss. So gibt es sogar Rückschritte, die zeigen, dass ein erreichtes Ziel doch nur eine Etappe markiert, mehr nicht. Am Ende übersteigert Jodorowsky die Handlung einmal mehr. Er kann eben nicht so einfach aus seiner Haut. In der Welt der Unsterblichen gipfelt die Suche in einem letzten Abenteuer.

Dort übernahm Covial den Zeichenstift, da der Zeichner der ersten sieben Abenteuer, Arno, im Alter von 35 Jahren verstarb und die Arbeit an der Reihe nicht vollenden konnte. Arno zeichnet auf den Punkt mit dünnen Außenlinien, die gerade so viel Halt geben, wie es nötig ist. So erinnern seine Strichführungen an einen Moebius, aber ohne ihn zu kopieren. Innerhalb der Abgrenzungen werden einfache Farbflächen gesetzt. Dennoch entsteht ein räumlicher Effekt durch die sorgsame Anlage der Ansichten. Hier stechen besonders die eher cineastisch wirkenden Bilder hervor, die dem Leser die Planetenoberfläche und ihre Bewohner zeigen.

Covial gelingt es beinahe gänzlich Arnos Zeichenstil zu kopieren, ist aber ein wenig härter, kantiger und wirkt nicht so leicht. Das Ende ist versöhnlich, sehr schön, auch da Covial nicht nur zeigt, mit welcher Brillanz er selbst stilistisch zu arbeiten vermag (mit Unterstützung der Koloristen), sondern auch da er seinem Freund Arno abschließend die Ehre erweist.

Eine der schönsten Arbeiten von Alejandro Jodorowsky, fein und liebevoll weiterhin erzählt, von der Leichtigkeit her vielleicht vergleichbar mit Die Braut des Prinzen: Eine Gute-Nacht-Geschichte, die eigentlich niemals enden darf. Einfach nur schön von Arno illustriert und zum guten Schluss hin von Covial. Traumhaft, im wahrsten Sinne des Wortes. 🙂

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Samstag, 03. Dezember 2011

BLACKJACK 2 – Laura

Filed under: Thriller — Michael um 16:23

BLACKJACK 2 - LauraDas Geld ist weg. Geklaut. Für ein paar kleine Jungen war es auch nicht die richtige Aufgabe. Kleine Jungen sollten kein Geld transportieren. Kein Wunder also, dass es geklaut wurde. Aber die kleinen Jungen in diesen Tagen, in den 1930er Jahren, wollen sich ihren Platz in dieser Welt auch erobern. Und so fassen sie einen Plan. Wenn dieses Geld verschwunden ist, dann müssen sie es sich woanders zurückholen, im Austausch sozusagen, damit ihnen Toto Moreno, der Gangster, der ihnen eine Chance gab, vergibt. Alfonso, der heimlich Anführer der kleinen Gruppe, beschafft sich sogar eine Pistole und bringt alle damit in Teufelsküche.

Steve Cuzor erzählt die Geschichte um Alfonso, Peanuts, Vitto und Kröte fort. Die Vereinigten Staaten sind im Wandel, Chicago ist ein Hort des Verbrechens. Der neue Präsident Herbert Hoover gibt seinem Chefermittler J. Edgar Hoover, dem Direktor des FBI, den Auftrag, Scarface zu schnappen. Der berüchtigte Gangster Al Capone wird zur Chefsache. Die Übersicht über diese Gangsterjagd haben die Jungen nicht. Sie wissen, dass die Welt, in der sie leben, gefährlich ist. Für ihr Problem suchen sie eine einfache Lösung. Leider schlittern sie dadurch noch tiefer in den Schlamassel.

Cuzor, der hier Autor und Zeichner gleichermaßen ist, zieht die unsichtbare Schlinge um seine vier kleinen Helden immer enger. Als Leser, der über alle Details Bescheid weiß, fühlt man mit, möchte zeitweilig warnen und natürlich entwickelt man eine Vorliebe für die eine oder andere Figur, allen voran Peanuts, der durch Ängstlichkeit und Ungeschicklichkeit stets vom Regen in die Traufe taumelt. In Cuzors Bildern werden die schwarzweißen Ansichten jener Tage lebendig, ein wenig mit dem Flair der Geschichten um Huckleberry Finn und Tom Sawyer..

Ovale Kindergesichter mit großen Augen und ausdrucksstarken Schneidezähnen, gekleidet wie kleine Erwachsene: Schwungvolle Striche bilden diese Figuren nach, sparsam gestrichelt in den Schattenflächen. Pausbäckig stehen sie vor dem Betrachter, mal ängstlich, mal energisch, mal nachdenklich. Die Erwachsenen, sicherlich individueller gestaltet, verblassen vor diesen Akteuren, von denen Steve Cuzor nicht nur mit viel Herz erzählt, sondern sie auch mit ebenso viel Energie zeichnet. Laura, der Untertitel der zweiten der vier Folgen der kleinen Reihe, ist die gleichaltrige Herzdame Alfonsos. Ihr Blick ist längst erwachsen. Als Charakter wird sie immer wieder getroffen, bis nichts, so scheint es, ihren über Jahre gewachsenen Panzer noch aufbrechen oder erschüttern kann.

BLACKJACK hat in keiner Weise etwas von einer lustigen Abenteuergeschichte. Da die Erwachsenen mit so großer Leichtigkeit in dieser Zeit sterben, die Polizei bei der Aufklärung der Morde machtlos zu sein scheint (oder bei entsprechender Bezahlung wegschaut), wissen die Jungen ganz genau, dass ihr Leben erst recht nichts gilt. Atmosphärisch finden sich Cineasten hier auf den Spuren eines Es war einmal in Amerika wieder. Einige Gangster stechen optisch hervor und fesseln den Leser, manche Szenen sind sehr dicht inszeniert und fast surreal ausgeleuchtet. Von Szene zu Szene entkernt Cuzor dieses alte Chicago, bis am Ende kein Erwachsener mehr schuldlos dasteht.

Wer Kriminalgeschichten mag, Jugendabenteuergeschichten, die sich nicht mit falscher Heiterkeit aufhalten oder suggerieren, dass doch noch alles gut wird, vor allem aber einen spannenden Blick in die Ära vor rund 80 Jahren werfen möchte, könnte hier mit dieser liebevoll erzählten und illustrierten Geschichte richtig liegen. 🙂

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Dein letztes Leben 1

Filed under: Mystery — Michael um 14:44

Dein letztes Leben 1Mit der Diskette stimmt etwas nicht. Obwohl Fito den Speicherträger nach der Benutzung in dutzende kleine Einzelteile zerhackt, lässt ihn der Gedanke in dieses merkwürdige Ereignis nicht los. Als Clara, das Mädchen, das alle für Fitos Freundin halten, ins Koma fällt, hat der Junge ein Verdacht. Langsam kommt er dem Geheimnis dieser seltsamen Diskette auf die Spur, aber viel schneller ist klar, dass er Hilfe braucht. Gemeinsam mit Rafael, einem Spieletester, taucht er in eine Welt ein, von der er niemals geglaubt hätte, sie auf diese Weise zu erfahren.

Spieler, komm‘ rüber! Was wäre, wenn ein Spiel Realität würde. In TRON wurde diese Frage gestellt und optisch sehr futuristisch aufbereitet. Für den normalen Spieler, heute und vor Jahren ebenfalls, ist die Spielelandschaft weitaus vielschichtiger. Das hat auch Juan Gimenez erkannt und schickt seine Helden auf unterschiedliche Missionen, die nicht immer etwas mit Kampf zu tun haben. Juan Gimenez, der sich mit Publikationen wie Die Kaste der Meta-Barone und Die vierte Macht einen Namen gemacht hat, schreibt und zeichnet mit Dein letztes Leben eine Art Action-Komödie.

Fito ist ein ganz normaler Computerspieler. Gimenez stürzt seinen jugendlichen Helden gleich auf der ersten Seite ins Abenteuer. Keine lange Einleitung: Eine neue Spielediskette (die Konzeption der Geschichte liegt wohl etwas länger zurück) wird in den Rechner geschoben und schon geschieht das Wunder. Die Welt um den Spieler herum verflüchtigt sich, der eigene Körper scheint sich aufzulösen (siehe auch das Motiv des Titelbildes), um sich im nächsten Augenblick in einer anderen Realität zusammenzusetzen. Fito findet sich vor einem riesigen Panzer wieder, viel zu groß und überladen, um echt zu sein. Die darauffolgende Begrüßung und die dargebotenen Möglichkeiten der verschiedenen Spiele überfordern ihn vollends und treiben ihn beinahe in den Wahnsinn.

Der Beginn ist von Juan Gimenez mit viel Ironie gestaltet. Fito erlebt die gesamte Vielfalt eines Spielerlebens auf einen Schlag: Den Aufmarsch von Computergegnern aller möglichen Genres, die ultimative Ansammlung von Geländeformationen und Fahrzeugen. Ironie ist eines, doch Gimenez ist natürlich vor allem für eines bekannt: Für seine grafische Meisterschaft. Diese kann er hier nach allen Regeln der Kunst ausleben. Die Geschichte, genauer die Spielwelten kennen keine Grenzen und als Leser ertappt man sich dabei, Fito möge doch bitte ganz schnell wieder die Realität verlassen und auf das Spieleraster wechseln.

Die Aquarelltechnik von Juan Gimenez lässt die Bilder leuchten, die Farben sind auf jeder Seite kräftig und der Künstler scheint es auch zu lieben, sich nach Science Fiction und Fantasy in der realen Welt austoben zu können. In dieser spielt Gimenez mit der Komödie, setzt ein wenig Drama hinzu, immerhin geht es auch um Leben und Tod. Leben, davon gibt es in der Spielewelt wenigstens drei Stück, aber mehr nicht. Gimenez setzt Fito und dessen neuem Freund Rafael, einem professionellen Spieletester, eine Hürde: Ist das letzte Spieleleben vertan, erwartet einen in der realen Welt das Koma. Das letzte Leben, so der Titel des Zweiteilers, will also gut verteidigt werden.

Und wie: Es beginnt mit Strip-Poker und endet bei einem Szenario, in dem sich Spiele wie Delta Force und Halo kreuzen. Selbst für hartgesottene Spieler sollte dieses von Gimenez erfundene Level eine schwer zu knackende Nuss sein. Grafisch hingegen schließt es sich den anderen Einsatzszenen und Kämpfen an, die mitunter auch recht blutig ausfallen. In der anderen Welt muss selbst der Tod noch eine makabre Inszenierung sein.

Dramatisch, auch lustig, sehr kurzweilig, toll illustriert von einer Comic-Ikone, garniert mit überraschenden Wendungen, wie es sich für Computerspiele gehört. Das Ende lässt einen mit Spannung den abschließenden zweiten Teil erwarten. 🙂

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Freitag, 02. Dezember 2011

Der Engel und der Drache 2

Filed under: Mystery — Michael um 20:56

Der Engel und der Drache 2 - Und das Leben wird voller Gift seinLeiden. Liebe bedeutet Leiden. Für die junge Frau, Hana, vergeht die Zeit quälend langsam, denn sie sieht ihren Geliebten nur einmal im Jahr: Für ganze sechs Minuten. Hana vergeht vor Schmerz, vor Sorge, aber vor allem vor Liebe. Und dann ist es soweit. Licomte erscheint. Plötzlich fliegt die Zeit nur so dahin. Hana möchte einen Ausweg finden. Aber gibt es überhaupt einen? Der Fluch, der Hana-Rose und Licomte trennt, kann er gebrochen werden? Die verrückte Alte, diese Hexe, gibt Hana einen Rat. Obwohl der Weg beschwerlich ist, reist sie in die große Stadt. Sie verdient das Geld für die Reise mit ihrem Körper, allein, um das Wissen derer zu lüften, die helfen könnte: Die finstere Drachenkönigin.

Tehy und Lalie schließen mit diesem zweiten Teil die Geschichte um den Engel und den Drachen ab. Entgegen der üblichen Darstellungsweise bedienen die beiden Comic-Macher sich hier der 3D-Technik. In dieser Form ist das Ergebnis sehr comic-haft geworden und hinterlässt nur in den seltensten Fällen jenen puppenhaften Eindruck früher 3D-Tage. Individualität und kinoartige Inszenierung werden, so weit es möglich scheint, ausgeschöpft.

Perfekte Nebenrolle: Hexen haben seit jeher eine besondere Rolle in Geschichten. Vielleicht waren sie sogar die Vampire ihrer Zeitalter. In diesem Band kommt der alten Schachtel Hortensia Iguanabella die Rolle der Ratgeberin, auch der Stimme des Gewissens zu. Sie schaut in die Zukunft, sie feiert, sie lacht, empfindet Trauer und stets, so wirkt es, mit der größtmöglichen Intensität. Neben der hauptsächlich leidenden, wie auch von Hass erfüllten Hana-Rose, ist sie ein vielschichtiger und auch liebenswerter, weil aufrichtiger und geradliniger Charakter. Hortensia spricht, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Sie kann Trost sein oder auch Ankläger.

Tehy und Lalie haben für sie das Äußere einer Gouvernante gewählt. Manchesmal mag sie auch an eine Matrone erinnern. Mit ihrer Frisur erinnert sie auch an den alten Dracula aus der Filmvariante von Francis Ford Coppola. Ihr erstes Auftreten ist entsprechend, nicht beißend, dafür im Ausdruck überaus bissig und gemein. Letztlich ist sie ein Mahner in der Wüste. Verzweifelt kann sie nur den Geschehnissen folgen. Bremsen kann sie diese nicht.

Drachen: Hana-Rose ist kein wirklicher Engel. Zu zerstört ist das Gemüt, zu verzweifelt die Seele. Aber die Drachen, die hier auftreten, besitzen jene urtümliche Kraft, jenes klassische Äußere, bei dem sich schon die Macher von Die Herrschaft des Feuers bedienten und es so einem breiteren Publikum zugänglich machten. Schlanke, stachelbewehrte Kreaturen mit ledrigen Schwingen, die Feuer speien und Hana-Rose beschützen, indem sie allzu aufdringliche Verehrer auffressen. Die zweite Hälfte des vorliegenden Bandes gerät so zu einer hoch dramatischen Handlung, grafisch opulent, leinwandtauglich (man meint hier und da typisch bombastische Musik zu hören, es kann nicht schaden, einen entsprechenden Soundtrack dazu einzulegen).

Ein sehr ansprechender zweiter und abschließender Teil: Märchenhaft, gruselig, grafisch ein kleiner Höhepunkt in dieser von They und Lalie in 3D ausgearbeiteten Form. Freunde klassisch gezeichneter Comic-Werke, die dennoch an Fantasy interessiert sind, sollten einen Blick riskieren. 🙂

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Dienstag, 29. November 2011

Der Schwur des Ambers 5

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:23

Der Schwur des Ambers 5 - TichitAmojar brennt. Die einst prächtigen Gebäude haben längst ihre beste Zeit hinter sich. In den Ruinen halten sich nicht mehr viele Menschen auf und selbst ihnen haftet nichts von der früheren Pracht an. Als Amojar brennt, gehen sie und niemand blickt zurück. Die Zauberer von Tichit suchen immer noch die beiden Zwillinge Emba und Senga, die sie verdächtigen, den Amber gestohlen zu haben. Penon, einer der Zauberer, mag angesichts der vielen Flüchtlinge und Heimatlosen nicht mehr so weitermachen wie bisher. Er weiß, dass sie den Menschen helfen können, eine neue Heimat aufzubauen. Unter den skeptischen Blicken seiner Gefährten beschwört er die Menschen, sich helfen zu lassen. Obwohl der Ruf der Zauberer von Tichit alles andere als ein menschenfreundlicher ist.

Die Suche, die Jagd, die Flucht, sie alle sind an ihrem Ende angelangt. Und es endet dort, wo es begann: Auf Tichit, der Insel der Zauberer. Dieter beschreibt auf der Vorgabe des von Frederic Contremarche erzählten Universums eine zerstörte Welt. Nicht nur Amojar und Tichit sind nur noch ein Abglanz einer Zivilisation. Die Natur hat sich gegen die Menschen verschworen. Alles ist nur noch Wüste, Einöde und störrisches Meer. Aber es ist auch eine gute Grundlage für eine spannende Geschichte, die hier im fünften Band von Der Schwur des Ambers ein fulminantes Finale erfährt.

Da waren sie nur noch zu dritt. Die Anzahl der Zauberer ist kontinuierlich geschrumpft. Acht waren es zu Beginn. Die verbliebenen drei Männer können nicht von der Jagd auf den Amber lassen, den sie gestohlen glauben, dabei sollten sie es eigentlich besser wissen. Aber Dieter zeigt die Beteiligten dieses Szenarios, Männer und Frauen, für die die Jagd und das Verstecken vor ihren Verfolgern längst zum Selbstzweck geworden ist. Erst als einer von ihnen richtig nachdenkt, fasst er die richtige Schlussfolgerung und findet somit die Lösung. Aber Dieter lässt keine Milde walten.

Der Abschlussband besticht durch grafische Wucht. Zeichner Etienne le Roux und Kolorist Axel Gonzalbo nutzen die Gelegenheit um den (vorläufigen) Untergang zu zelebrieren. Apokalyptisch anzusehen ist die Vernichtung Amojars. Stürme über dem Meer und der Insel Tichit tun ihr Übriges, um eine endzeitliche Stimmung zu schaffen, in der es tatsächlich dem Ende entgegen geht. Das ist zwar mit aller nötigen Theatralik inszeniert, tragisch, kämpferisch, aber hat dem Augen dafür umso mehr zu bieten und weiß entsprechend zu fesseln.

Starke Tuschestriche, kräftige Farben, mit einem imitierten breiten Pinsel aufgetragen und mit immer dem richtigen Blick für das Umgebungslicht präsentieren sich feine Bilder, die aufregender werden, wenn das kalte Grau und Blau des Sturmes und das feurige Licht innerhalb der Mauern von Tichit zuschlagen. In einem Rückblick des Dieners Chum wird aus der grafischen Linie ausgebrochen und ein eher leichter, aquarellartiger Farbauftrag gewählt. Auch Outlines finden sich in dieser traumartigen Sequenz nicht.

Ein tolles Finale: Eine düstere Fantasy-Geschichte findet ihren Abschluss. Schnörkellos und geradlinig erzählt. Dieter beweist einen starken Sinn für die Tragödie, das Ende ist voller Dramatik. Ausdrucksstarke Bilder eines sehr guten Teams aus Zeichner und Kolorist setzen dem Finale das I-Tüpfelchen auf. Für Freunde insbesondere von reiner Schwert-Fantasy sicherlich ein Tipp. Die Kenntnis der bisherigen vier Bände vorausgesetzt. 🙂

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