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Comic Blog


Samstag, 27. Oktober 2012

Hellboy 12 – Der Sturm

Filed under: Mystery — Michael um 16:59

Hellboy 12 - Der SturmMitten auf der Landstraße werden Hellboy und seine Freundin Alice plötzlich attackiert. Hellboy wusste bislang, dass seine äußere Erscheinung mitunter befremdlich auf anderer Leute Augen wirken kann. Doch von einem mutierten Igel Monster genannt zu werden, ist für Hellboy neu. Schlimmer noch, will ihm das zum Krieger gewordene Tier doch an den Kragen, in der festen Überzeugung, richtig zu handeln. Hellboy wehrt sich, zunächst chancenlos, wie es scheint. Als er das ihm als Vermächtnis übergebene Schwert des Königs Arthur endlich zur Verteidigung schwingen kann, wendet sich das Blatt.

Das Ende der Welt? Oder doch nicht? Einst verhieß die Ankunft des kleinen roten Jungen auch das Ende der Welt. Doch Hellboy stand gegen sein Schicksal auf, wollte Mensch sein, halbwegs wenigstens. Er gewann Freunde, die ihn auf seinem Weg begleiteten, bis er von diesem Weg abwich und die Beörde zur Untersuchung paranormaler Angelgenheiten verließ. Eine Prophezeiung, nicht weniger groß als jene, die er in der Vergangenheit gehört hatte, brachte ihn erneut in die vorderste Front gegen dämonische Mächte.

Nachdem Mike Mignola diese Geschichte langfristig verfolgt hat, diverse Gegenspieler aufbaute und die Handlung immer dichter spann, spitzt sich die vorliegende 12. Ausgabe der Reihe von Anfang bis Ende zu, von Mythen durchwoben, mit gespenstischen Aufmärschen, Tragödien und natürlich den grandiosen Endkämpfen eines Hellboy, der bei seinen Auseinandersetzungen die Erde stets in den Grundfesten erschüttert.

Versuchen die einen, Hellboy aufzuhalten, aus ehrlicher Überzeugung sogar und geben dafür ihr Leben, versuchen wiederum andere, sich Hellboy anzuschließen und sehen ihn in ihm den verheißenen Anführer einer großen Armee im Kampf gegen das Böse, in einer ultimativen Schlacht. Duncan Fegredo, der den Zeichenstift von Mike Mignola vor einiger Zeit übernahm, hat sich stilistisch in das Hellboy-Universum eingefügt, obwohl er weniger minimalistisch ist als der Erfinder der roten Comic-Figur. Die Entwürfe von seltsamen Kreaturen, die Verwandlungen, Massenszenen, stimmungsvolle Kulissen, derer es im guten alten England nicht wenige gibt, diverse Einflüsse mystischer Sets reihen sich wirkungsvoll aneinander. Spätestens, wenn der Drache erwacht, muss es dem Leser bewusst sein, dass er von den drei Comic-Machern Mignola, Fegredo und Dave Stewart (Farben) eine moderne Sage präsentiert bekommt.

Mignolas Geschichten leben von mythischer Energie, abgeschöpft aus realen Legenden unterschiedlicher Völker und den eigenen Einfällen, kurios und spannend zugleich. Wenn unter der Führung von Arthur die längst verstorbenen Ritter wieder zu alter Form finden und in den Kampf ziehen, vermischt mit einem Weltuntergang, einem kampfesmüden Hellboy, der noch einmal alles gibt, dann erreichen die Erzählung und Optik epische Ausmaße.

Comic und ikonenhafte Darstellungen fließen ineinander, manchmal stehen letztere tatsächlich für eine Zwischenerzählung oder Erläuterung einer Legende. Derlei Technik findet sich hin und wieder in diesen oder auch Erzählungen anderer Autoren, bremst die Handlung leicht und streut innerhalb kürzester Lesezeit benötigtes Wissen. Hier geht Mike Mignola noch eine Stufe darüber hinaus, indem er die Handlung selbst zur Legende werden lässt, wenn alle anderen zum Zuschauen degradiert worden sind und der einzig aktiv gegen den Untergang aufstehende Teilnehmer nur noch Hellboy ist.

Sind die ersten drei Kapitel eine fast schon so zu nennende behutsame Einleitung, wollen die Seiten ab dem 4. Kapitel immer schneller gelesen werden, wenn die Handlung einen regelrechten Wirbel entfaltet. Das ist dank Duncan Fegredo großartiges fantastisches Comic-Kino.

Wer die Hellboy-Reihe mag, wird diesen Band lieben, der in der Tat so erscheint, als habe Mike Mignola jahrelang nur auf diese Krönung seines Comic-Universums hingearbeitet. Für Fans ein Muss, ohne Vorkenntnisse von Figuren und Ereignissen ist der Spaß nur halb so groß. 🙂

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Donnerstag, 25. Oktober 2012

Valerian & Veronique Gesamtausgabe 4

Filed under: SciFi — Michael um 20:50

Valerian & Veronique Gesamtausgabe 4Als Agent durch Raum und Zeit: Valerian befindet sich auf der Erde in der Vergangenheit, während Veronique weit draußen im Weltall einem Rätsel auf der Spur ist. Valerian, der mit ihr telepathischen Kontakt hält, ist mysteriösen Erscheinungen auf der Spur. Veronique hingegen gelangt bei ihren Nachforschungen immer tiefer in fremde Welten hinein. Wortwörtlich. Valerian, abgeschnitten von seiner Zeit und seiner Veronique, immerhin behütet durch einen Kontaktmann der Epoche, in der er sich befindet, sucht Trost bei einer anderen Frau. Veronique ist professionell genug, ihre weibliche Eifersucht so lange zügeln, bis sie ihrem Valerian wieder Auge in Auge gegenüber stehen kann. Derweil lüftet sich das Geheimnis um die Erscheinungen, doch die Kenntnis über die Ursache macht die Bekämpfung der Wirkungen weder einfacher noch ungefährlicher.

Ein außergewöhnliches Rätsel für die beiden Agenten in Raum und Zeit und dennoch so spannend beschrieben, dass der Leser am Ball bleibt, schrittweise mit neuen Lösungsansätzen versorgt und bis kurz vor Schluss auch mit neuen Hindernissen. Das Geheimnis um die Faszination, die aus der Lektüre der Reihe entsteht, lässt sich nicht nur mit dem Ideenreichtum der Serie erklären. Es ist vielmehr die Fähigkeit, die Reihe beständig neu zu erfinden. Die ersten beiden Episoden in der vorliegenden 4. Gesamtausgabe, Das Monster in der Metro und Endtsation Brooklyn, sind ein Zweiteiler, der beispielhaft genau diese Stärke von Valerian und Veronique beweist.

Jean-Claude Mezieres: Vor uns hatte niemand Abenteuer wie diese erzählt. Aus heutiger Sicht muss man sagen, dass es auch währenddessen und danach niemand getan hat. Eine große Vermischung von vielen Welten und Kreaturen und wahnwitziger Technik macht noch lange nicht das Geheimnis der Serie aus, wie es sich auf dem Stand der hier zusammengefassten vier Episoden darstellt. Die Geister von Inverloch und Die Blitze von Hypsis stehen für eine ganz eigene Form der Science Fantasy Opera.

Anspielungen auf andere Vertreter der SciFi-Unterhaltung gibt es (E.T.), auf Klassiker des Comics schlechthin (Snoopy), gleichzeitig spielen die beiden Macher Pierre Christin (Autor) und Jean-Claude Mezieres (Zeichner) mit ihren ureigenen Figuren und verwenden in ihren Geschichten und grafischen Darstellungen einen ungemein sympathischen Humor, der mit zum Erfolgsrezept der Reihe geworden ist.

Neben den häufiger wiederkehrenden Shinguz tritt ein Glapum’Tianer, der Valerian zunächst das Leben schwer macht, weil er sich verständlicherweise einfach nicht fangen lassen will. Die Integration dieses Wesens nicht nur in die Handlung insgesamt, auch in den Rahmen einer realen Erde der Gegenwart und später in eine äußerst fantastische Jagd auf ein Geisterschiff. Es sind Szenen, in denen Außerirdische in edler englischer Landadelatmosphäre am Tisch sitzen und mit den Menschen speisen, die von einer wunderbar mutigen Durchmischung von Stimmungen und auch Genres zeugen.

Das Finale, und damit das gesamte vierte Abenteuer in diesem Band, ist eine Folge von Überraschungen und ungewöhnlichen Ideen, die im Zusammentreffen mit der Heiligen Dreifaltigkeit gipfelt. Vielleicht ein wahnwitziger Einfall, vielleicht ein wenig satirisch, aber mit einem Augenzwinkern erzählt und einem Gottessohn, der in dieser Aufmachung auch den maßgeblichen Song der Blumenkinder gesungen haben könnte.

Immer wieder gut, immer wieder vorbildlich, hier sehr liebenswert erzählt, mit neuen ungewöhnlichen Einfällen und einer toll verschachtelt strukturierten Handlung. Weiter sehr schön intuitiv illustriert. Toll! 🙂

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Samstag, 20. Oktober 2012

Unter schwarzer Flagge 2 – Über die Weltmeere

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:20

Unter schwarzer Flagge 2 - Über die WeltmeereKeine Gnade! Der Piratenkapitän, der bei seiner Mannschaft in Ungnade fällt, muss um sein Leben fürchten. Wenige Getreue allein können wenig gegen eine Übermacht ausrichten. Sollte der neutrale Beobachter glauben. In Wahrheit kann berserkerhaftes Verhalten und wahnsinnige Brutalität so manches Ungleichgewicht der Kräfte ausgleichen. Kapitän Dan Dark kann von Glück reden, zwei getreue Gefolgsleute zu haben, die dergleichen Qualitäten in sich vereinen und eine Meuterei mit Stumpf und Stiel ersticken.

Die Piratin Bonnie und der Hüne Killing Howie können diesen Kampf nur gewinnen, da sie ihr eigenes Leben in die Waagschale werfen, gleichzeitig aber mit einer wahren Begeisterung für das Gefecht bei der Sache sind. Da wird nicht gejammert, nur getobt. Einzig Kapitän Dan Dark wird noch von anderen Motiven als nur Gold und Kampf angetrieben. Und das könnte sein Ende bedeuten.

Eric Corbeyran hat die aus Erzählweise der Piraten der Karibik aufgegriffen und vermischt klassische Piraterie mit fantastischen Elementen. Flüche, Riesenmonster, betörende Frauen, sogar Wesen, die fröschelnd der Fantasie eines Mike Mignola entsprungen sein könnten, treiben die Piraten um, bringen sie nicht um den Verstand, aber geben ihnen einen Haufen Piratenarbeit zu tun.

Die Mischung macht es. Seit Maureen O’Hara hat es wohl nicht mehr einen solch energischen Rotschopf unter den Piraten gegeben, obwohl die weibliche Hauptfigur aus Gegen alle Flaggen es bei weitem nicht mit der Brutalität und Gemeinheit einer Bonnie aus Unter schwarzer Flagge aufnehmen kann. Die Zeiten und die Darstellung von Kämpfen ändern sich eben. Vergleicht man die Farbenpracht, sicherlich übertrieben, alter Filme, auch neuerer Leinwandepen, die das Genre maßgeblich geprägt haben, mit dieser Reihe, so gibt sich Unter schwarzer Flagge hier noch düsterer als im ersten Teil, als vergleichbare Szenarien überhaupt.

Ist die Passage über das Geschehen in der Vergangenheit erst einmal in die Geschichte integriert und Bonnie mit ihrem zwischenzeitlichen Gefolge wieder auf der Suche nach ihrem Kapitän und Killing Howie, so wird aus der Piraterie eine Dschungelhatz und eine gruselige Odyssee in einem Dungeon. Autor Eric Corbeyran kann nicht verbergen, dass er sich bereits mit dem Rollenspielgenre beschäftigt hat (Assassin’s Creed) und auch Horrorszenarien zugeneigt ist (Zwielicht).

Der skizzenhafte Stil des Zeichners Brice Bingono zusammen mit der sanften, gedeckten Farbgebung von Nicolas Bastide ergibt ein natürliches Erscheinungsbild, wie es auch ohne moderne Techniken bewerkstelligt hätte werden können. Das Endergebnis passt stilistisch sehr gut zur anvisierten Atmosphäre. Bingono ist nicht nur mit flottem Strich bei seinen Figuren, er vermag es auch den zeitlichen Gegebenheiten Leben einzuhauchen. Die Szenen zur See atmen Salzwasser, unter Tage und in der grünen Hölle sind stimmig inszeniert und für ein lockeres sowie flüssiges Lesevergnügen platziert. Bei vielen Bildern lohnt sich dennoch das Innehalten, einfach, um zu genießen.

Ein Rundumpiratenvergnügen, modern erzählt, sehr schön gezeichnet und koloriert, die Kenntnis des ersten Teils ist zum Verständnis dieses Bandes ein Muss. 🙂

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Orbital 3.1 – Gerechtigkeit

Filed under: SciFi — Michael um 16:13

Orbital 3.1 - GerechtigkeitDie Agentin Mezoke Izzua hat alles gegeben und sieht sich nun einem Tribunal gegenüber, das alles andere als zufrieden mit ihren Leistungen ist. Es wird ein Sündenbock gesucht. Mezoke Izzua ist auf dem besten Wege dahin, an den Pranger gestellt zu werden. Die Agentin muss sich entscheiden. Für ihre Lebensaufgabe oder für ihren menschlichen Partner Kaleb Swany, der seit dem letzten Fall schwer erkrankt ist und sogar ins künstliche Koma versetzt wurde. Mezoke entscheidet sich richtig. Zu diesem Zeitpunkt können die beiden Agenten nicht einmal im Entferntesten ahnen, wie weit gespannt die Intrigen im Hintergrund ablaufen, einzig mit dem Zweck, einen großen Friedensprozess zu unterlaufen.

Für Neueinsteiger wird es nicht einfach, der Geschichte uneingeschränkt zu folgen. Zu viel ist in den ersten Handlungsbögen geschehen, das ändert jedoch nichts daran, dass Sylvain Runberg hier eine sehr schöne Space Opera vorlegt, die sehr lebendig von Serge Pelle illustriert wird. Die Erde ist ein hoch technisierter Planet, die Menschheit befinden sich mitten im Geschehen, doch beileibe nicht jeder Erdling ist von der Stellung des Planeten innerhalb der intergalaktischen Gemeinschaft begeistert. Mit den Außerirdischen folgten neue Probleme, isolationistische Tendenzen sind die Folge.

Ausgerechnet ein Agentenduo, bestehend aus einem Menschen und einer Sandjaren, wird damit betraut, sich diesen Aufgaben zu stellen. Diese beiden überwinden die gemeinsame Geschichte ihrer Völker, kriegerische Auseinandersetzungen, und werden von Agenten und Aufklärern zu Gejagten und Flüchtlingen. Gleichzeitig erfährt der Leser mehr und mehr über das geheimnisvolle Volk der Sandjaren, insbesondere von Mezokes Lebensgeschichte.

Der andere Handlungsstrang ist weniger politisch als geheimnisvoll und beschäftigt sich mit einer Besonderheit dieses Comic-Universums. Das lebende Raumschiff Angus, in enger Verbindung zu seiner Pilotin stehend, muss auf die Intensivstation, bildlich formuliert. Das bietet nicht die längste Sequenz in dieser Geschichte, aber aus Sicht der Science Fiction ist es eine Passage, die deutlich ernsthafter ausfällt und in entsprechenden Romanen von klassischen SciFi-Autoren Platz finden könnte.

Orbital lebt wie vergleichbare Comic-Universen aus SciFi und Fantasy von der Vielfalt und ihrer Darstellung. Serge Pelle darf hier aus dem Vollen schöpfen, ein riesiger Reigen an Technik und Kreaturen, die sich in der Farbgebung zurücknehmen. Richtig bunt ist selten, die Mode gestaltet sich zweckmäßig. Stahl, Beton bilden eine graue Welt, der sich die Kleidung anschließt. Die Erde ist kein heimeliger Ort mehr. Erst später gibt sich die Natur die Ehre, taucht eine andere Welt mit herbstlichen Farben auf, ungleich lebendiger, auch freundlicher anmutend.

Sehr dicht gewoben, auf Augenhöhe mit anderen vergleichbaren SciFi-Universen, breitet sich die Handlung immer mehr aus, entstehen größere Sympathien und Spannungsbögen, die, wie es sich für eine gute Serie gehört, den Leser am roten Faden packen und mitziehen. Doch man muss als Leser am Ball bleiben. 🙂

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Freitag, 19. Oktober 2012

Der Vampir von Benares 3

Filed under: Horror — Michael um 12:31

Der Vampir von Benares 3 - Das Herz der FinsternisKrieg der Vampire. Will der Schwächere sich dem Krieg entziehen, muss er zwei Starke auf das Schlachtfeld locken, damit er sich nur noch mit dem Sieger befassen muss. Vampire, Dämonen, finstere Götter, all diese Mythen scheinen sich in den Wesen, die über Benares herfallen, konzentriert zu haben. Mircea gehört nun zu ihnen. Aber mit der Aufnahme dieses Menschen in ihre Reihen haben die Vampire zum ersten Mal seit langer Zeit einen Fehler gemacht. Denn Mircea hat sein altes Leben nicht vergessen, das Mitgefühl, die Liebe, die Sorge um einen geliebten Menschen. Als die Gamoosh, die Wachhunde der Vampire, über ein Lager mit Pilgern herfallen, stellt sich ihnen Mircea in außergewöhnlicher Gestalt entgegen.

Georges Bess driftet in eine Schlacht der Kreaturen, wie sie noch niemand gesehen hat. War Beginn Indien der geheimnisvolle Höhepunkt, der schon bald vom Nest der Vampire überflügelt wurde, entwickelt sich im dritten und letzten Teil eine epische Auseinandersetzung, hinter den Kulissen geführt, fast eine Art Götterdämmerung der anderen Art.

Die dritte Folge verlässt schnell die relativ heimelige Atmosphäre der Stadt Benares, exotisch zwar für westliche Augen, aber immer noch gewöhnlicher als das surreale Umfeld der Vampire, die sich in einer Umgebung bewegen, die der Fantasie eines Hieronymus Bosch entsprungen sein könnten. Georges Bess besitzt einen sehr realistisch wirkenden grafischen Stil. Seine Bilder aus Benares könnten von der Realität entlehnt sein, bei den Bildern aus einem dämonischen Universum indes funktioniert das nicht. Stilistisch gehen beide Universen, Erde und Hölle ineinander über, ohne Bruch, so dass eine sehr dichte und dunkle Handlung entsteht.

Der Leser begegnet keinen schnuckeligen Hollywoodmonstern, sondern sieht Kreaturen, die wild gewachsen scheinen und hier noch ausdrucksstärker auftreten als in den beiden Bänden zuvor. Georges Bess wirbelt bekannte Tiere, Säugetiere und Insekten, wild durcheinander, schafft absonderliche Kreaturen, gekreuzt mit menschlichen Strukturen und Kriegsmoden. Das ist fantastisch und im späteren Verlauf mit Bildern gekrönt, die aus einem Rauschzustand heraus entstanden sein könnten. In seiner perfektionierten Schwarzweißtechnik, die mit sachten, aber eindringlichen Farben koloriert wird, ähnelt die Handlung des dritten Teils einem einzigen großen Alptraumzustand.

Es blitzt die Realität durch, das Wissen, dass hier nichts stimmt und doch können die Hauptfiguren, Mircea und seine Freundin Anji, sich nicht der Bedrohung entziehen, die mit Reißzähnen bewaffnet ist und geifernd Jagd auf sie macht. Im Bereich von Horror finden sich selten solche Szenarien, die konsequent eine ungewöhnliche Bedrohung aufbauen und diese auch mit entsprechenden Grafiken zu unterlegen wissen. So rückt Der Vampir von Benares atmosphärisch in die Nähe der Erzählungen eines H. P. Lovecraft oder befindet sich in seiner Intensität auch nahe den Geschichten eines Edgar Allen Poe, ohne auch nur einen Moment ein Stück ihrer Welten für sich in Anspruch zu nehmen.

Ein überaus fantastischer dritter Teil, in jeder Beziehung, für Freunde außergewöhnlichen Horrors oder besonderer Dark Fantasy. Stark und eindrucksvoll illustriert. 🙂

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Dienstag, 16. Oktober 2012

Jerry Spring Gesamtausgabe 5

Filed under: Abenteuer — Michael um 20:07

Jerry Spring Gesamtausgabe 5Jerry Spring macht keinen Unterschied zwischen Schwarz und Weiß, Amerikaner und Mexikaner, Mann oder Frau. Gerechtigkeit und der Schutz der Schwachen sind für ihn oberste Gebote. Als Jerry und sein Freund Pancho auf der kleinen Farm einer schwarzen Familie Obdach und Gastfreundschaft erhalten, werden sie nachts Zeuge eines Überfalls des Ku-Klux-Klan. Jerry und Pancho schlagen die Angreifer in die Flucht. Doch in Sicherheit befindet sich die Familie noch lange nicht. In der kleinen, angrenzenden Stadt stehen Wahlen an. Beide Kandidaten haben sehr unterschiedliche Interessen und der rassistische Pederson setzt alles daran, diese Wahl zu gewinnen. Sein Herausforderer Goodman entgeht nur knapp einem Anschlag. Auch Jerry und Pancho haben es schnell auf die schwarze Liste des Verbrechers geschafft.

Western vom Feinsten. Im letzten und fünften Band der Gesamtausgabe der Jerry-Spring-Reihe zieht Jije noch einmal alle Register seine Könnens und legt vor, wie eine spannende Geschichte erzählt und gleichzeitig eindrucksvolle Schwarzweißzeichnungen die perfekte Wildwest-Atmosphäre erzeugen. Es ist gleichzeitig eine Reihe, an der sich auch neuere Westernabenteuer messen lassen müssen. Jije ist hier auf Augenhöhe mit Jean-Michel Charlier und Jean Giraud, zieht aber seine Abenteuer nicht ganz so episch auf, weniger in einen historischen Zusammenhang integriert. Allerdings fehlt es nicht an Auseinandersetzungen, so mit dem erwähnten Ku-Klux-Klan, Apachen, Banditen, Soldaten. Und betrachtet man ein Abenteuer wie Das Mädchen aus dem Canyon, so leistet sich Jije ein ums andere Mal ein Kabinettstückchen, mitten im Western und doch so ganz anders als gewohnt.

Westernreihen sind nicht ganz Kino, sie sind aber auch nicht ganz Fernsehen, sie sind nicht der große Roman, aber trotzdem ist auch ein gutes Westernalbum nur mit echten Charakteren entsprechend gut. Jije hat seinen Jerry Spring und seinen Pancho immer ernst genommen. Aufrecht, freundlich und wacker der eine, herzlich und raufend der andere. Zusammen sind sie unschlagbar. Am Ende jedenfalls, denn zuvor verlangt Jije seinen Helden einiges ab, so auch in besagtem Abenteuer um Das Mädchen aus dem Canyon.

Die beiden Helden finden sich in einem Canyon wieder, aus dem es zunächst kein Entkommen zu geben scheint. Überall bilden die Felswände nur ein unerklimmbares Gefängnis. In dieser Situation treffen Jerry und Pancho auf eine junge Frau, die sie am Ufer des vorüber fließenden Flusses zum Tee einlädt. Mit ihrer scheinbar großen Naivität und ihrer städtischen Art ist die junge Frau vollkommen fehl am Platz, ein Grund mehr für die beiden galanten Abenteurer, sich zu ihrem Beschützer aufzuschwingen. Gleichzeitig führt Pancho eine äußerst ungewöhnliche Methode vor, einen Bären zu jagen. In einem anderen Abenteuer wird ein Alphorn zur Friedenspfeife und eine weitaus bodenständigere Dame zeigt in Eine Lady im Wilden Westen, wie frau sich in dieser Männerwelt behaupten kann.

Neben diesem letzten albenlangen Ausflug liebt Jije auch den großen Auftritt. Viele unterschiedliche Reiter, Verfolgungsjagden, eine Stampede, Schießereien (wie es sich für einen ordentlichen Western auch gehört) und Einblicke ins schlichte Leben draußen Richtung Westen, in der Stadt, Forts, der Prärie sorgen für ungeheuer viel optische Abwechslung. Als Leser vermisst man die Farbe nicht, wird aber über den Verlust den Zeichners, Künstlers ein wenig wehmütig, betrachtet man die feinen Titelbildzeichnungen, teils so schön aquarelliert, als habe man alte Filmplakate vor sich. Mit kleinen Cartoon-Abenteuern, hauptsächlich über und mit Pancho, schließt der Sammelband ab. Diese geben im ersten Szenario sehr anschaulich darüber Auskunft, wer für den Pfundskerl grafisch Pate gestanden haben könnte.

Vorbei, sehr schade, aber leider ist die Gesamtausgabe nun abgeschlossen. Jije hat bis zum Schluss die Qualität seiner Arbeit hoch gehalten und ein wirklich wunderbares Gesamtwerk geschaffen. Für Western-Freunde im Medium Comic immer noch eine der besten Reihen, auch ein guter Einstieg ins Genre überhaupt. 🙂

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Sonntag, 14. Oktober 2012

Horologiom 6 – Das Ministerium der Angst

Filed under: SciFi — Michael um 17:59

Horologiom 6 - Das Ministerium der AngstMord gibt es in dieser Welt, die jeden Schritt regelt und Ausgangssperren verhängt. Ein Kopf, und nur ein Kopf, der vom Kinn her aus dem frisch gefallenen Schnee ragt, als einziger Beweis für die Tat, ist selten und lässt selbst die versierten Ermittler rätseln. Nun gilt es sehr altmodisch Spuren zu verfolgen. Aber die Erkenntnisse sind spärlich und selbst diese fallen bei manchen offiziellen Stellen nicht gerade auf Gegenliebe. Im Dschungel der Behörden und Ministerien wird mehr gemauert als geholfen, teils aus Bosheit, Missgunst oder schlicht, weil es auf seine Art der einzige Spaß seit langem ist.

Die Reihe, die hier nach vielen Jahren endlich auch auf den deutschen Markt vollständig vorliegt, dürfte zu den bemerkenswertesten gehören, die das Comic-Universum zu bieten hat. Fernab der üblichen Erscheinungen, gegen den berühmten Mainstream legt Fabrice Lebeault eine Welt vor, die wie eine Kreuzung aus Langs Metropolis und Baums Der Zauberer von Oz wirkt. In dieser Welt, die so streng reglementiert ist, dass ihre Bewohner sogar über Schlüssel in den Köpfen aufgezogen werden (und durch unterschiedliche Umdrehungszahlen eine Mehrklassengesellschaft entsteht), sieht mancher Einfall natürlich skurril aus, entpuppt sich aber bei genauem Hinsehen als perfekte Grundlage für einen Comic mit Alleinstellungsmerkmal.

Wer mag, kann auch eine verrückte Variante von Orwells 1984 hier entdecken, gewürzt mit Langs M, denn wie auch in vielen anderen ideenreichen Ländern, die aus der Fantasie eines Menschen entsprungen sind, kommt auch Horologiom nicht ohne Gesetzeshüter aus. Es beginnt mit einem Mordfall, der sogleich zeigt, wie schnell die Aufklärung eines Verbrechens kann (kann, nicht zwangsläufig muss) und wie zügig die Aburteilung erfolgt. In der verspielten, sehr technisierten wie auch oberflächlich sehr vornehmen Welt ist Mitgefühl ein selten gebrauchtes Wort. Spaß muss sein, aber bitte nicht, wenn der Vorgesetzte in der Nähe ist. Nun wird in dieser Welt ausgerechnet jener Polizeibeamte umgebracht, der über seine Tätigkeit als Ermittler hinaus auch noch als Henker arbeitet.

In einer Welt, in der alles wie eine einzige große Theaterbühne wirkt, mit Holzbauklötzen erbaut, von merkwürdigen Robotern durchschritten, wo jeder einen Hut trägt oder eine andersgeartete Kopfbedeckung, ist ein Mord nicht nur ein Mord, sondern er ist eine Störung der bekannten und allgemein anerkannten Ordnung. Außenseiter sind ein Phänomen. Ein eigener Wille, der sich allzu sehr abseits der Karriere anstrengt, ist unerwünscht. Denn abseits des Berufes gibt es ohnehin nicht mehr viel.

Fabrice Lebeault zeichnet seine Welt mit sehr feinen Strichen. Diese Welt ist so glatt und sauber, dass der Comic-Fan vielleicht Parallelen zur von Moebius skizzierten Welt in Die Sternenwanderer 3 sehr, ebenso steril wirkend, noch steriler eigentlich, da sie sogar gesichtslos daherkommt. Absolut reglementiert sind sie beide, aber beide verzichten auch nicht auf eine verspielte Buntheit. Es entsteht der Eindruck eines Art deco, wilder zwanziger Jahre mit Robotern, ein Spielzeugland für Erwachsene, denn selbst bei genauester Betrachtung finden sich nirgendwo Kinder. Der Strenge des Systems steht ein die Seele auffangendes Klötzchenuniversum gegenüber.

Auch ist diese Welt Luft, nicht überladen, jedes Gebäude, auch der architektonische Zusammenhang, kann sich so richtig entfalten, ohne eine Ablenkung nahebei. Die beiden Hauptermittler, der Chef eine optische Mischung aus Charles De Gaulle und Louis De Funes, der andere ein wenig wie eine Mixtur aus Charlie Chaplin und W. C. Fields sind zusammen genommen der typische französische Polizist, wie ihn ein Jean Gabin in Personalunion als Maigret spielte. Beide verstehen sie ihre Fälle zu sezieren, nur Mitgefühl geht ihnen vollkommen ab. Bei Fabrice Lebeault ist jeder Charakter eine Bühnenfigur, jede Szene ist, wie die Storyboards im Anhang zeigen, auf die Spitze hochstilisiert.

Ungewöhnlich, aber auch gerade deshalb ungewöhnlich gut. Der 6. und abschließende Band der Reihe kann durchaus für sich allein gelesen werden, ein faszinierendes Kabinettstückchen innerhalb des Mediums Comic, sehr intelligent erzählt und schön gestaltet. 🙂

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Samstag, 13. Oktober 2012

Winzling 2 – Das Geheimnis

Filed under: SciFi — Michael um 17:58

Winzling 2 - Das GeheimnisIn einer Welt, in der Männer keine leeren Drohungen verbreiten, wenn sie eine Vergewaltigung ankündigen und anschließend den Rest auffressen wollen, hat Baghira früh gelernt, sich zu wehren. Die Männer überleben ihren Angriff nicht. Für den Winzling ist dieses Ereignis ein Wendepunkt. Bisher fühlte er sich zusehends daheim. Nun sucht er einen neuen Weg. Nur sein Hund Rudyard darf ihn begleiten. Der Winzling findet zu seinem alten Leben zurück, das er auch ohne Erwachsene meistern konnte. Eines Tages gelangt er zur großen Stadt, die die Erwachsenen in seiner Umgebung bislang gemieden haben. Schnell begreift der Winzling, der nun auch auf den Namen Mowgli hört, warum.

Der Winzling fühlt sich im Dschungel nicht mehr daheim. War es zu Beginn noch ein Problem, den Jungen überhaupt in menschliche Gesellschaft zu integrieren und seine Wildheit zu zähmen, sucht er nun eine noch viel größere Nähe. Doch jemand wie Baghira, eine Frau, die vieles erleiden musste, ist weit davon entfernt, eine Mutter sein zu wollen. Die geschichte verlagert sich aus dem Dschungel in die Reste einer großen Stadt, die Reste der Zivilisation und Crisse, der Autor, dem der Fingerkniff gelungen ist, das Dschungelbuch in eine postapokalyptische Zukunft zu transportieren, diesem häufig thematisierten Untergang neue Seiten abzugewinnen.

Die Erwachsenen haben eigentlich schon aufgegeben. Gefangen zwischen der Trauer über das Vergangene und den Wünschen, es möge besser werden, finden sich immer mehr Kinder zusammen, die kaum etwas von dieser Vergangenheit wissen und nur noch eine neue, tatsächlich bessere Zukunft wollen, in der sie nicht durch die Erwachsenen gepeinigt werden. Aus dem Winzling wird langsam eine Führungspersönlichkeit.

Das schlechte Gewissen und die Vergangenheit treibt Winzlings bisherige Bezugspersonen Baghira und Balu um. Aus dem schwarzen Panther des ursprünglichen Abenteuers wurde eine schwarze junge Frau, mehr als fähig sich zu verteidigen. Aus dem Bär wurde ein gescheiterter Wissenschaftler, der in seiner Vergangenheit maßgeblich am Untergang mitbeteiligt war. Der Winzling, ein bemerkenswerter Aspekt seiner Persönlichkeit, kennt die Ängste einer Vergangenheit kaum. Es gibt so gut wie keine Baustellen aufzuarbeiten. Der Winzling lebt sein Leben jetzt aus der aktuellen Situation heraus.

In der allgemeinen Situation, auf die Stadt bezogen, die streng regiert wird, nur eine begrenzte Anzahl Menschen hinein lässt, wirkt das Szenario nicht sehr realitätsfern, mischt man einige tatsächlich existierende Gegebenheiten weltweit zusammen in einen Topf, auch solche aus der jüngeren Vergangenheit. Gemessen an der Realität hält sich die zweite Folge von Winzling mit dem Untertitel Das Geheimnis noch zurück. Gewalt wird angedeutet und wird ein Kind von einem Erwachsenen angesprochen, schwingt die Befürchtung über kommende Ereignisse gleich mit. Das Szenario ist in seiner Gesamtheit für jugendliche Leser geeignet, gleichwohl schafft es Crisse das Gefühl der kontinuierlichen Bedrohung über die gesamte Länge des Bandes aufrecht zu erhalten.

Marc NGuessan karikiert den Realismus ein wenig, gibt den Charakteren Formen, die besonders auffällig bei Bösewichtern sind. Kaa, eine zwielichtige Figur, wie auch Shir Khan, ein militärischen Befehlshaber, sind Beispiele hierfür. Dicht gestaltete Kulissen erschaffen ein breites Bild dieser Zukunft, die sich selbst durch Vernichtungskriege ausgelöscht hat. Leicht gezogene Außenlinien, mit dynamischen unterschiedlichen Strichstärken, mit dem richtigen dramatischen Effekt gesetzte Schwarzflächen schaffen bereits viel Raum, der durch die Kolorierung ein tageszeitlich überzeugendes Licht erhält und auch die Vergangenheit in eine tröstlich helle Farbgebung taucht.

Eine sehr gelungene Neuinterpretation in dieser zweiten Folge, keine Adaption im herkömmlichen Sinne. Crisse und Marc NGuessan setzen neue Anreize, diese Geschichte zu lesen und nehmen den Leser von einer Spannungsspitze zur nächsten mit, ohne dabei ein lautes Spektakel zu veranstalten. 🙂

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Donnerstag, 11. Oktober 2012

Perry – Unser Mann im All 140

Filed under: SciFi — Michael um 18:13

Perry - Unser Mann im All Nr. 140 - Alarm auf ArkonRaumschiffe sollten eine Kugelform haben. Das neue Schiff hingegen hat die Form einer Halbkugel, ist also halbfertig. Die Freunde um Perry, ja, sogar er selbst, sind angesichts der merkwürdigen Form mehr als skeptisch über den Verlauf der Mission. Besonders, da sich jemand, der bei einem offiziellen Anlass mit so einer Konstruktion auftaucht, sich garantiert lächerlich macht. Perry muss bald feststellen, dass es schön gewesen wäre, hätte man sich nur der Lächerlichkeit preisgegeben. Es wäre unkomplizierter gewesen. So liegt die kleine Mannschaft alsbald, von Gastgeber Bostich gefangen genommen, auf Foltertischen und kann nichts unternehmen. Aber Rettung naht.

In Ausgabe 140 präsentiert sich die Reihe Perry mit 65 Seiten prall und sehr bunt, sehr unterhaltsam und abwechsungsreich. Die Hauptgeschichte erzählt dem Leser eine aktionsreiche Handlung, die für enge Freunde des Mannes aus dem All Überraschungen bereit hält. Vincent Burmeister und die Alligator-Farm-Kampfzeichner-Kru haben mit flottem Strich Bilder zu Papier gebracht, von denen sich der Fan auch gerne längere Abenteuer erhofft.

Im Herzen des Reiches von Imperator Bostich angesiedelt, kann der Leser sich außerdem in der doppelseitigen Risszeichnung einen Überblick über den Arrestbereich des Palastes verschaffen. Ein kleine Hintergrundbeschreibung zur Figur des Monkey und ein paar kleine Produktionsbilder runden diese große Geschichte ab.

Mit Leibwache, toll illustriert von Manuel Clavel geht es abenteuerlich, aber auch mit einem Augenzwinkern vorgetragen, weiter. Weiche, klare Formen und eine sehr plastische Kolorierung machen aus dieser Episode den zweiten Höhepunkt des vorliegenden Heftes. Weiterhin komische Einschübe, mehrseitig, doppelseitig, einseitig tragen die gewohnt humoristische Linie des Magazins weiter. Picknick auf Schwammerl III ist ein gutes Beispiel für einen gespielten Witz, kurz, knackig, auf den Punkt.

Blick hinter die Kulissen: Die Reihe Perry ist ein Projekt der Idealisten. Autoren und Zeichner arbeiten unbezahlt, einzig in der Herstellung müssen Kosten aufgebracht werden. Doch die Geschichten zu schreiben und zu zeichnen, ist ein nicht unerheblicher Zeitaufwand, den sich nicht viele leisten können. 18 Zeichner haben das Projekt nun, die Hauptgeschichte, gemeinsam auf die Beine gestellt, stilistisch auf einen Strich gebracht und das Ergebnis kann sich mehr als nur sehen lassen, könnte für derlei Projekte sogar wegweisend sein.

Weiterhin nicht nur für Fans von Perry, aber ganz besonders, ist der Mann aus dem All mit neuen Abenteuern am Start, sogar mit einer besonders langen Folge. Ein schönes Projekt. 🙂

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Sonntag, 07. Oktober 2012

Der Selbstmörderclub

Filed under: Mystery — Michael um 16:12

Der SelbstmörderclubDes Lebens überdrüssig? Sterben? Dafür gibt es den Selbstmörderclub. Nur ist diese Form des Selbstmordes nicht ganz so einfach, auch vor das Ableben kann eine Aufgabe gestellt sein. Eine, die vielleicht schlimmer als der eigene Selbstmord ist. Prinz Florizel, der mit seinem treuen Oberst Geraldine von einem Unbekannten in diesen Club eingeladen wird, findet diese Versammlung, die sich wie die übliche Männerinstitution ausnimmt, zunächst nur befremdlich. Doch dann beginnt das Spiel. In der Runde werden zwei Karten gezogen. Das Kreuz As bestimmt den Mörder. Das Pik As bestimmt das Opfer. Niemand verlangt von Mitgliedern, selbst Hand an sich zu legen. Aber die Regeln wollen befolgt werden. Wer zum Tode bestimmt ist, der hat sich daran zu halten.

Robert Louis Stevenson, der mit seiner Schatzinsel Berühmtheit erlangte, mit seiner Erfindung von Dr. Jekyll und Mr. Hyde nachhaltig beeindruckte, wusste auch mit dieser Geschichte den Nerv des Lesers zu treffen, indem er einen teuflischen Club erfand. Sterben wollen sie alle, jene, die dem Club angehören. Sie machen sich sogar einen Spaß daraus. Nur die Sache mit dem Töten steht auf einem ganz anderen Blatt. Bevor der Tod selbst empfangen wird, kann es sein, es muss nicht, dass man selbst zum Mörder wird. Die Figur des ehrenhaften Prinzen Florizel erkennt sehr bald die Boshaftigkeit des Clubpräsidenten und beschließt, den menschenverachtenden Machtspielchen ein Ende zu setzen.

Clement Baloup hat eine Erzählung des Autors, erschienen 1882, für das Medium Comic adaptiert. Die Art und Weise, wie der Präsident mit den Clubmitgliedern im wahrsten Sinne des Wortes spielt, ein erweitertes, mit höheren Chancen durchsetztes russisches Roulette, lässt an Begegnungen mit dem Teufel denken, wenig faustisch hier, dafür mit weitaus mehr Satan angereichert. Der Prinz nimmt den Kampf auf, der anfangs ungleich scheint. Daraus wird eine Jagd, die schnell zeigt, wer hier der Herr der Ränkeschmiede ist. Am Ende muss es zum Kampf kommen und wer diesen gewinnt, kann aus Sicht des Lesers nicht vorher gesagt werden.

Eddy Vaccaro, verantwortlich für Zeichnungen und Farben, wählt eine luftig leichte Grafik, dünne Striche, weiche Farben mit dem Spektrum alter Fotografien, auch bereits verblasst vom Zahn der Zeit. Mitten hinein setzt Vaccaro treffen einfach gestaltete Figuren, in Richtung klarer Linie tendierend, aber wie auf halbem Wege stecken geblieben. Das wirkt intuitiv, künstlerisch freier und gibt viel Raum für Atmosphäre für das Böse, das sich von seinem ersten Rückschlag erholt und zur Gegenwehr ansetzt.

Ein schneller Strich, Aquarellfarben für ein meist unwirkliches, auch geisterhaftes Licht untermalen die immer düster werdende Geschichte, in der Menschen die Dämonen sind. Unter dem Deckmantel pompöser gesellschaftlicher Anlässe, hinter Galanterie und hohem zivilisatorischem Anspruch gärt es und wird das Wort Held bespöttelt. Das Böse glaubt sich unaufhaltsam und wird doch von der Hartnäckigkeit des Guten niedergerungen. So verklären die Bilder die Handlung beinahe in etwas Märchenhaftes, das etwas den Biss aus dieser dunklen Erzählung Stevensons nimmt.

Nicht die übliche Comic-Kost, überaus ernsthaft, mit Anspruch und selbst durch die Ansiedlung in viktorianischer Zeit thematisch zeitlos zu nennen. Hier zeigt sich, dass Stevenson eben nicht nur der Gruselromancier und der Jugendbuchautor war. Die Adaption ist sehr dicht erzählt, stimmig illustriert. Für Freunde von sehr erwachsenen grafischen Novellen einen Blick wert. 🙂

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