Montag, 23. Dezember 2013
Das ist wirklich nicht Billys Tag. Erst führt ihn die Kellnerin im Diner gnadenlos vor, entschuldigt sich zwar, trotzdem kommt die Botschaft an. Billy wird alt, die männliche Anziehungskraft auf das weibliche Geschlecht schwindet mit den Jahren. In seinem Truck lässt ihn auch das Radio im Stich. Nun verspricht die folgende Fahrt auch noch langweilig zu werden. Die Anhalterin, mit perfekten körperlichen Proportionen, am Straßenrand verspricht eine willkommene Abwechslung und vielleicht sogar etwas mehr. Als sie nach wenigen Metern Fahrt eine Pistole auf Billy richtet, weiß er, dass sein Tag wirklich reichlich bescheiden verläuft.
Rubine hat sich während ihrer Karriere als Polizisten neben Feinden (die meist im Gefängnis landeten oder verstarben) auch viele Freunde gemacht. Einer dieser Freunde, genauer gesagt Freundinnen, meldet sich bei ihr und hat eine große Bitte. Rubine ist ganz Ohr und überlegt sich einen ungewöhnlichen, sehr ungewöhnlichen Plan, wie dieser Freundin und ihrem Mann helfen kann. Doch ungewöhnlich heißt nicht ungefährlich. Gleich von Beginn an sind ihr verschiedene äußerst dubiose Gestalten auf der Spur. Wie gut, dass Rubine eine Frau ist, die mit ihrer Magnum umzugehen versteht.
Mythic lässt seine Leser zunächst etwas zappeln. Rubine hat einen Plan. Wie dieser Plan jedoch aussieht, behält sie anfangs für sich. Aber es ist fast auch gleichgültig wie Rubines Plan aussieht, denn die Verfolger scheren sich ebenfalls nicht darum und setzen alles daran, ihr Ziel zu erreichen, den fragilen Erben in ihre Gewalt zu bringen. Was es damit auf sich hat, soll hier nicht verraten werden, es sei allerdings gesagt, dass der Auftrag wie auch die Auflösung außergewöhnlich ist und mehr als nur mit dem etwas zögerlich durchsichtigen Anfang versöhnt.
Francois Walthery und Bruno Di Sano gehen keine Experimente im 13. Band der Reihe Rubine ein. Der Stil ist sehr gut definiert in diesem Stadium, die Künstler sind ein eingespieltes Team. Die Stilistik ist leicht, nahe am Cartoon, flott, aber sicher getuscht. Es tauchen nicht nur die bekannten Figuren auf, sondern einmal mehr kleine Anleihen wie eine Figur, die einem Fantasio nicht unähnlich ist. Dieser wird optisch und in der charakterlichen Anlage ziemlich veräppelt. Eine Natascha findet sich auch (halb), das ist kein Wunder, sind doch beide Zeichner auch mit der Serie um die blonde Stewardess beschäftigt.
Ausflüge in die weitere Vergangenheit von Rubine finden sich nicht oft, ist Mythic doch bemüht, die Figuren stets möglichst dicht anzulegen und Rubine gerät dabei manchmal etwas ins Hintertreffen. Zwei Frauen bilden die Grundlage dieser Geschichte: Rubine und ihre Freundin Brooke. Ein kurzer Rückblick zeigt die beiden in einem streng geheimen Einsatz im Dschungel und offenbart so ein wenig die Herkunft der Durchsetzungsfreude, die Rubine auch in ihren Polizeialltag einzubringen versteht. Vielleicht, die spannende Szenerie des Ganzen macht neugierig, erzählt das künstlerische Team einmal mehr aus dieser Zeitspanne.
Eine sehr kurzweilige Episode, auf den Spuren amerikanischer Thriller wandelnd, die sich selbst auf engerem Raum bewegen (siehe: 12 Stunden Angst). Die Handlung ist gegen den Strich erzählt, später erst offenbaren sich die Hintergründe. Und weil es so ganz anders ist als üblich, hebt sich Der fragile Erbe sehr schön aus der gesamten Reihe hervor. 🙂
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Freitag, 20. Dezember 2013
Was essen die denn? Essen die das wirklich? Nein, wie können die das … Aber ihnen schmeckt es wohl und wenn sie Spaß daran haben und es ihnen das Überleben ermöglicht, warum sollten Derek Dynamo und sein Freund SUPER DINOSAUR sie daran hindern? Schließlich schaden sie niemandem damit. Doch der Lösung des Rätsels in dieser Form so nahe zu kommen, hätten sich die beiden Freunde zu Beginn des Auftrags kaum einfallen lassen. Die kriegerische Auseinandersetzung, die da auf dem Mond tobte, schien einen anderen Grund zu haben. Eine Art unglaubliches Verhältnis, wie in Romeo und Julia, zwischen Angehörigen verschiedener Spezies, schien als Grund vollkommen auszureichen. Und dann … das!
Im dritten Band der Abenteuer um den schlauen Tyrannosaurier SUPER DINOSAUR arbeitet Robert Kirkman viel enger an einer Handlungslinie. Denn SUPER DINOSAURs Freund, der coole und höchst intelligente Junge Derek Dynamo, ist immer noch entführt und befindet sich im Erdkern. Zwar kommt er ganz gut alleine zurecht, aber Hilfe sammelt sich und macht sich auf den Weg. Im Erdkern, in der sich eine reptiloide Rasse entwickelt hat, stehen die Zeichen auf Sturm. Für Derek, der eine kurze Allianz mit seinem Entführer eingegangen ist, bedeutet dies die einzige Chance zur Flucht. Gewohnt rasant beschreibt Robert Kirkman, der sich mit der Horror-Dramaserie THE WALKING DEAD einen Namen weit über die Comic-Szene hinaus gemacht hat, beschäftigt sich in dieser Episode weitaus intensiver als bisher mit der von ihm geschaffenen Abenteuerwelt für Kids.
Diese Welt ist sehr technisch, futuristisch, sie ist knallend bunt und sie hält natürlich für die Kinder auch ungewöhnliche Freunde (und Feinde) bereit. War Derek Dynamo zu Beginn noch alleine an der Seite von SUPER DINOSAUR, befinden sich in der Basis nun noch drei weitere Kids in seinem Alter. Locker beschreibt Robert Kirkman den Aufbruch zur Rettung von Derek Dynamo. Die Figur, die dramatisch im Zentrum der Handlung steht, ist allerdings ein ganz anderer: Exilium. Wieder einmal gewinnt ein Bösewicht ein gehöriges Maß an Aufmerksamkeit und fast schon mehr Tiefe als die Helden selbst.
Für Zeichner und Koloristen Jason Howard ist die Gestaltung der Reptiloiden ebenfalls der Kern der Geschichte. Dieses Volk mit seinem Aussehen, Technik, speziellen Kleidung, in einer sehr gefahrvollen Umwelt wird hier eingehend vorgestellt. Aus dem Feind der ersten beiden Bände wird plötzlich ein Wesen, das nichts sehnlicher wünscht, als sein Volk in die Sicherheit der Oberflächenwelt zu führen, fernab von gefräßigen Dinosauriern, die auch einen Reptiloiden als Mahlzeit nicht verschmähen. Kirkman und Howard arbeiten weiterhin mit den Stilmitteln der Cartoon-Serien, wandeln auf Pfaden wie Ben 10 oder Chris Colorado. In rasanten Sequenzen wird gebrüllt gerannt, gefallen, geflogen, gefeuert, was das Zeug hält. Szenisch finden sich auch perspektivische Mittel eines 3D-Abenteuers, wenn etwa die Charaktere frontal auf den Betrachter zu kommen oder knapp vorbeifliegen werden.
Zwischenzeitlich wird ein kleiner roter Faden um Derek Dynamos Mutter aufrecht erhalten. Gleichfalls entführt von einem nicht weniger gefährlichen Feind als Exilium, kehrt auch Dereks Vater mehr ins Zentrum der Geschichte zurück, die aber noch nicht völlig von ihm eingenommen wird. Denn zuvor erweitert Robert Kirkman das Universum von SUPER DINOSAUR mit neuen Elementen. Der Mond: eine eigene Welt mit eigenen Kreaturen. Für SUPER DINOSAUR ist die Möglichkeit, einen neuen Anzug zu testen. Nach luftigen Höhen, tiefsten Meerestiefen und dem Erdkern geht es nun ins Vakuum des Weltalls.
Der knackige Tuscheauftrag von Comic-Künstler Cliff Rathburn, den Horror-Fans von THE WALKING DEAD her bekannt, balanciert die Optik hier noch stärker als bisher zwischen Comic und Zeichentrick. Theoretisch könnten die Sequenzen auch als Storyboard zur Verfilmung herhalten. Man wäre ein Schelm, würde man dies angesichts des Erfolges von Kirkmans Horror-Erfolg, nicht vermuten.
Kirkman kann es. Für die Kids von heute, bestimmt auch noch für die von morgen, ist SUPER DINOSAUR knallende, spannende Unterhaltung in kunterbunter Optik. Hier zeigen die Kids mal den Erwachsenen, wo der Hase … der Dinosaurier lang läuft. 🙂
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Sonntag, 15. Dezember 2013
Das Mädchen will nicht gehen. Doch ihre Fähigkeiten, die sie über den menschlichen Maßstab herausheben, haben andere aus weit entfernten Welten neugierig gemacht. Ihr Herold, ein einstiger Bewohner der Erde, versucht alles, um sie zu überzeugen, mit ihm diese sterbende Welt namens Erde zu verlassen. Vielleicht gelänge es ihm sogar, das Kind zu überreden, hat sie ihre Andersartigkeit, manchmal ihre Überlegenheit erkannt, gäbe es nicht einen außerirdischen Streiter für diese Welt, der die Kleine um jeden Preis beschützen will: Superman.
In einer anderen Welt, einem anderen Universum wäre ein Superman vielleicht nicht nur schwarz, er wäre gleichzeitig auch der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Im Comic ist alles möglich, auch die Teilung von globaler Verantwortung zwischen Superheldentum und nationaler Präsidentschaft. Ein Reporter genügt nicht mehr als Geheimidentität. Entsprechend sind die Rätsel um die Dimensionssprünge seltsamer, spiritueller, als der Leser es von anderen mehrdimensionalen Events her gewöhnt sein mag. Und spirituell auf seine Art bleibt es mit dem ersten Superman der Erde.
Was wäre gewesen, hätte die Menschheit bereits ein Superwesen hervorgebracht? Vor kurzer Zeit? Und unendlich mächtiger als es sogar der außerirdische Stählerne ist? Gleichzeitig, anhand eines fremden Superheldenlebenslaufes, wird gezeigt, welchen Verlauf Clarks Leben auch hätte nehmen können, wären seine Eltern weniger verständnisvoll mit dem kleinen Jungen gewesen. Fast nebenbei werden auch kleinere Themen von den drei Autoren Grant Marrison, Sholly Fisch und Max Landis hervorgezaubert, die einen Superman noch menschlicher erscheinen lassen. Ein Junge, der durch Zufall an Supermans Cape gerät, erfährt einen Zuwachs an Selbstbewusstsein. Clark sieht sein eigenes (mögliches) Leben im Schnelldurchlauf.
Die unterschiedlichen Zeichner schaffen ein abwechslungsreiches Bild des neuen DC-Universums, das neben guten Ideen auch Anleihen bei anderen, sehr verwandten Serien nimmt, so auch SMALLVILLE. Wenn der erste Superman auf einer Brücke steht und auf seine Art, ganz anders als Clark Kent, einen Autounfall verhindert, könnte die Hommage kaum eindeutiger sein. Superman, im Gesicht an den in dieser Rolle unvergessenen Christopher Reeve angelehnt, begeht sogar eine Ungeheuerlichkeit. Es lässt sein anderes Ich, Clark Kent, sterben. Plötzlich sieht nicht nur er mit glasklarem Blick, was die Menschen, Freunde und Bekannte an diesem Reporter gehabt haben.
Aber nicht nur menschliche, die emotionale Komponente wird innerhalb dieser zweiten Zusammenfassung von Einzelbänden mit dem Untertitel UNVERWUNDBAR gewürdigt. Superman muss gegen den ersten Superman der Erde im Kampf bestehen. Gegen einen Kryptonite Man hingegen hat er es deutlich leichter. Gerade letzteres Abenteuer, gezeichnet von Cully Hamner, gegen diesen kryptonisch giftigen Gegner von Supie besticht durch eine eher klassische Stilistik, die inzwischen wieder richtig frisch wirkt. Die Strichführung ist leicht, scheinbar einfach, lässt auch kleine Fehler zu, ist dennoch prägnant und alles hat seine besondere Erkennbarkeit, wie eben jene eines Christopher Reeve.
Doch es bleiben neben diesen Knallern gerade die kleinen Episoden, die im Gedächtnis haften bleiben. Wer wollte nicht wissen, woher Superman seine T-Shirts eigentlich hat und welche Geschichte sich dahinter verbirgt? Eindrucksvoller, ganz zum wirklich guten Schluss, darf der Leser in einem Kapitel ohne Worte verfolgen, wie ein Superwesen entsteht. Das ist, gelinde gesagt, Comic-Kunst, funktioniert nicht immer, aber hier großartig, in diesem kleinen Experiment, von denen es ruhig ein paar mehr geben dürfte.
Mit dem gleichen Einfallsreichtum wie im ersten Sammelband wird der neue Superman fortgeführt, mit Zeichnern, die Könner ihres Faches sind und allein durch ihre Stilistik und ihr Bildgefühl Schwung in die Welt des Stählernen bringen. Cully Hamner, bekannt von R.E.D., auch ein Comic-Veteran, ist in diesem Zusammenhang ganz bestimmt eine Entdeckung, von der noch viel mehr zu erwarten sein darf. 🙂
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Samstag, 14. Dezember 2013
Hope muss um jeden Preis vor den AVENGERS geschützt werden. Colossus will nicht länger warten und startet mit Magnetos Hilfe den Angriff auf den Helicarrier vor der Küste. Die ersten Schläge prasseln gegen die Gegner. Der rote Hulk nimmt es mit Colossus auf. Cyclops kämpft gegen Captain America. Emma Frost nimmt sich Iron Man vor. Und das Ding kämpft (wie in alten Zeiten) unter Wasser gegen Namor. Es ist ein großes Durcheinander, in der nur eine junge Frau einen kühlen Kopf zu bewahren scheint, nämlich jene, um die sich alles dreht: Hope.
Die Saga um AVENGERS VS. X-MEN vereint einige der besten Comic-Autoren und Künstler miteinander. Das Gegeneinander ist natürlich stets der Kern einer Superheldengeschichte. Gerade bei MARVEL haben in der Vergangenheit viele Auseinandersetzungen, auch unter den Helden selbst, entsprechende Narben hinterlassen. Die Rächer treffen nicht zum ersten Mal auf die X-Men, auch nicht in diesem Universum. X-Men waren auch schon Rächer. Es gibt also genügend Schnittpunkte. Doch nun gibt es einen Streitpunkt namens Phoenix. Die X-Men haben sie, die Avengers wollen sie. Beide Seiten wollen auf ihre Art die Welt retten.
Der Phoenix, oder auch die Phoenix-Kraft, will man es genau benennen, ist höchst zerstörerisch, im Gegensatz zu den stärksten Helden der Erde schon allgewaltig zu nennen, denn keiner ist ihr gewachsen, nicht einmal im Verbund. Das Marvel-Universum hat sich bereits stark mit dieser Kraft auseinandergesetzt. Es kostete das Leben von Jean Grey, um diese Kraft in ihre (vorläufigen) Schranken zu weisen. Nun wartet nach Jean Grey ein neuer Wirt auf den Phoenix. Die illustre Autorenriege mit Jeph Loeb, Ed Brubaker, Brian Michael Bendis, Matt Fraction und anderen setzt an diesem Punkt an. Zuerst befindet sich genau dieser Wirt im Mittelpunkt des Geschehens. Bis das Unvorstellbare geschieht. Phoenix sucht sich gleich fünf verschiedene Wirte.
Die Apokalypse droht. Der Phoenix, ein Symbol der Wiedergeburt, sucht den Weg zu einer besseren Welt, doch Allmacht geht allzu oft einher mit Wahn, auch Größenwahn. Wo Menschen die Allgewalt beherrschen, sind Herz und Hirn zu klein für diese Macht. Auch Mutanten wie Cyclops, Emma Frost, Namor, Colossus und Magik, die nun in einem wahrhaft anderen Licht erstrahlen, sind auf Dauer für diese Urgewalt nicht geschaffen. Für den Leser ist es natürlich sehr interessant, ihre Bemühungen für eine bessere Welt zu verfolgen, während die restlichen Helden, nach und nach auch die verbliebenen X-Men, Charaktere wie Wolverine und Professor X. Und es sind diese Konstellationen, die weiteres Unheil heraufbeschwören.
Sicherlich setzt die Saga um AVENGERS VS. X-MEN stark auf Action, denn das Aufeinandertreffen der verschiedenen Figuren hat natürlich ihren Reiz. Hervorstechend ist hier die Arbeit eines John Romita Jr., ein Zeichner-Veteran des Marvel-Universums, mit einer herausragenden Interpretation von Spider-Man (der als AVENGER auch dabei ist), liefert knallende Duelle zwischen Rächern und Mutanten ab. Ein roter Hulk ist hierbei immer noch gewöhnungsbedürftig. Die ursprüngliche grüne Variante, später von Olivier Coipel auf eine ganze Seite gebannt, ist ein Pin-Up der besonderen Art. Beide Künstler stehen stellvertretend für ein Feuerwerk der Superhelden-Action, das hier in Form und Farbe abgebrannt wird.
Innerhalb des Marvel-Universums selbst ist einmal mehr eine große Portion Misstrauen gesät worden. Ob House of M, Civil War oder Secret Invasion, in diesen Szenarien wurde das Misstrauen der Helden untereinander geschürt, bis Freund und Feind nicht mehr zu unterscheiden waren. So lösen sich auch diesmal die Reihen komplett auf, während ein komplett anderer Feind immer und immer stärker wird. Es ist eine kompromisslose Geschichte, die das Marvel-Universum nachhaltig umkrempelt und auch die Lesersicht auf diese Helden verändert. Waren die Helden von Marvel stets die gebrocheneren (im Gegensatz zu DC), ist der Knacks noch schwerwiegender als zuvor. Allenfalls der Tod von Captain America hatte ähnliche Folgen.
Ein Kracher, auf einen Nenner gebracht, den Marvel seinen Lesern hier serviert. Entsprechend hat man sich hier nicht lumpen lassen und ein paar der besten Comic-Macher an das Projekt gesetzt. Herausgekommen ist etwas, das man mit Fug und Recht (im übertragenen Sinne) einen Blockbuster nennen kann. 🙂
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Mittwoch, 11. Dezember 2013
Die Stadt ist leergefegt. Mit diesem Szenario hatte das Team um Bruno Brazil nicht gerechnet. Langsam tasten sie sich an die Lösung des Rätsels heran. Plötzlich werden sie entdeckt und stecken bis zum Hals in Schwierigkeiten. Dabei hatte alles mit einer gepflegten Angelpartie begonnen. Irgendetwas muss man ja tun, wenn der Chef zu spät zum Treffen erscheint. Die eigentliche Aufgabe, eine Inspektion eines Bunkers, in der eine höchst geheime Verteidigungszentrale untergebracht ist, ist ungewöhnlich, erweist sich jedoch schnell als Routine. Bis dieses seltsame Gefühl in den Ohren einsetzt und alle schmerzhaft in die Knie zwingt.
Ein Geheimagent ohne Majestät, aber nicht weniger effektiv. Michael Greg und William Vance brachten 1967 den neuen Agenten BRUNO BRAZIL in die Comic-Szene ein. Kurz darauf konnte er bereits mit einer albenlangen Geschichte seine Geburt untermauern und den Riecher der beiden Comic-Künstler stärken. Mit Der Hai, der zweimal starb schickten die beiden ihren BRUNO BRAZIL auf die Jagd nach einem versteckten Nazischatz, einem Überbleibsel des Zweiten Weltkriegs. Die Parallelen zu einem James-Bond-Abenteuer sind offensichtlich. Aufgrund der Spannung, einem eigenständigen Flair ist diese Ähnlichkeit allerdings egal. Hinzu kommt, dass die Comic-Reihe wegen ihres Zeitkolorits aus heutiger Sicht eine feine Rückschau, auch damaliger Unterhaltungsinteressen erlaubt.
Damalige Unterhaltungsinteressen? Betrachtet man die hier in der ersten Gesamtausgabe vier abgedruckten Alben, Der Hai, der zweimla starb, Kommando Kaiman, Die teuflischen Augen und Die versteinerte Stadt wird schnell deutlich, wie wenig sich an den Unterhaltungskonzepten geändert hat. Bereits mit Kommando Kaiman rückt BRUNO BRAZIL weg von Bond hin zu Mission Impossible. Aus einer One-Man-Show wird ein Team.
Um im Vergleich mit Mission Impossible zu bleiben: das Kommando Kaiman rund um BRUNO BRAZIL hat deutlich mehr Ecken und Kanten als ihre Kinonachfolger. Allein die Namen der Beteiligten der Spezialeinheit bleibt im Ohr und sind Garantien für einen schönen Agentenspaß. Neben Brazils kleinem Bruder finden sich Texas Bronco, Whip Rafale, Gaucho Morales (ewig rauchend) und Big Boy Lafayette. Jeder hat hier seine Talente, die er (oder sie) für den jeweiligen Auftrag erfolgversprechend einbringt.
Kommando Kaiman. Es gab Zeiten, in denen man sich sogar im Comic mit dem Thema unterbewusster Manipulation auseinandersetzte. Das Fernsehprogramm mit seinen schnellen Bildwechseln, der Möglichkeit, Einzelbilder unerkannt unterzumogeln und dennoch eine Effekt auf das menschliche Gehirn zu verursachen, schien den Thrillerautoren außerordentlich reizvoll zu sein. Die Gang um BRUNO BRAZIL muss sich erst zusammenraufen, bevor sie zum Einsatz kommt, ist aber schon in der Folge der nächsten beiden Abenteuer zusammengeschweißter denn je.
William Vance zeichnet in seiner kantig, realistischen Art eine Gruppe von Draufgängern, dessen Männern durchaus differenziert sind, dessen Frauen aber stets auf einen Typus zurückgehen. Das ist seine kleine Unart, die man als Comic-Freund und Vance-Fan gerne übersieht, denn ansonsten verfügt der Comic-Künstler über ein breites Spektrum. Wer alte Gangster-Filme aus Frankreich kennt, dem werden die besonderen Visagen aufgefallen sein, die es dort in den Hochzeiten des französischen Kinos zu sehen gab. Ähnlich ausgefallen, mit allerlei Spielarten präsentieren sich auch hier die guten wie auch bösen Buben.
Die Bilder konzentrieren sich auf die Figuren. Das Umfeld, die Kulisse rückt die Szene meist zuerst ins rechte Licht, gibt dem Leser Anhaltspunkte zum Ort und Geschehen und folgt hier den Regeln einer Fernsehserie, weniger eines Kinofilms. Das stört zu keinem Zeitpunkt, da die Handlungsideen ausgefallen sind und dem Teamzusammenspiel viel Raum zur Entfaltung geben.
Greg und William Vance haben einen Klassiker des Comic-Thrillers geschaffen. Nach Jahrzehnten immer noch unterhaltsam und spannend, arbeiteten die beiden Comic-Macher damals schon mit Mechanismen, die heute noch zünden. Die Zeichentechnik von Vance ist nach wie vor vorbildhaft für eine neue Zeichnergeneration. 🙂
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Sonntag, 08. Dezember 2013
So jung an Jahren ist James T. Kirk nicht nur Captain des Raumschiffs Enterprise, er hat sich nicht nur einen Namen gemacht, sondern gleich ein paar Feinde mit dazu. Im Klingonischen Reich haben sich die Führungskräfte das Gesicht dieses Menschen gemerkt, der es wagte, mit seinem Raumschiff einen kriegerischen Akt auf klingonischem Territorium durchzuführen und dabei für den Tod mehrerer Krieger und der Zerstörung von Kampfschiffen verantwortlich zu sein. Selbst nach den Regeln der Sternenflotte, der neueren Entwicklung und der Kenntnis aller Fakten gibt es für Kirk eigentlich keine Entschuldigung für diese Vergehen. Allenfalls können ihm mildernde Umstände zugute gehalten werden.
Spock außer Kontrolle. Die politischen, interstellaren Krisen geraten vor den Ereignissen innerhalb der Familie zunächst in den Hintergrund. Pon Far ist ein Zustand wie auch ein Ereignis, das unter Vulkaniern mehrmals für Schwierigkeiten innerhalb des Star-Trek-Universums gesorgt hat. Selbst innerhalb der Kino-Reihe (in der alten Zeitlinie) machte ein wiedergeborener Spock mit diesem Zyklus innerhalb der vulkanischen Biologie seine (frühen) Erfahrungen. Mike Johnson nutzt die Gelegenheit, um Ereignisse aus dem ersten neue Kinofilm einzuknüpfen, weiterhin werden Spock und einige seines Volkes auf besonderen Abwegen gezeigt. So monströs waren Vulkanier noch nie. Vermutlich haben sie hier zum ersten Mal das tatsächlich dämonische Aussehen, das früh bei Spocks Konzeption (The Cage) von offizieller Seite bemängelt wurde.
Tanz auf dem Vulkan. Das trifft es nicht ganz, optisch wirkt es aber ähnlich gefährlich, nur nicht ganz so spektakulär, wie es der zweite Kinofilm der neuen Zeitlinie im Prolog zeigte. Dennoch haben die Koloristen ein feurig schönes Comic-Erlebnis mit entsprechenden Sequenzen auf das Papier gezaubert. Mike Johnson hat einen ungewöhnlichen Abschnitt der Enterprise-Crew beschrieben, indem er die Vulkanier beinahe in eine Mystery-Atmosphäre befördert. Andere Ereignisse, ein düsterer roter Faden im Hintergrund der Handlung, immer nur kurz beleuchtet, gibt Ausblicke auf zukünftige Ereignisse. Hier wirken Begebenheiten um Nero und Khan noch nach.
Gorn! Kirk und seine Freunde, alte wie neue Zeitlinie, haben ihre ganz eigenen Erfahrungen mit dieser kriegerischen, echsenähnlichen Rasse gemacht, die nicht für ihre diplomatischen Talente bekannt ist. Einfacher koloriert, dafür aber sehr viel exakter gezeichnet, mit einem Hauch Architektur in den Figuren, zeigt Claudia Balboni einen fast jugendstilartigen Strich, der auch (betrachtet man die Zeichnungen in ihrem Blog) auch Farbe auskommen könnte, um Wirkung zu erzielen. Hier ist eine italienische Schule am Werk, wie sie bereits ein David Messina in das Star-Trek-Universum einbrachte. Im Zusammenhang mit einer Science-Fiction-Atmosphäre ist diese schneidend, gemeißelt wirkende Stilistik erstaunlich passend und auch sehr schön zu nennen.
Die Gorn sind in dieser Konzeption einmal mehr ein Volk, dem zumindest äußerlich jegliche Individualität abgeht. Scheinbar gehen sie nicht auf dieses berühmte Fragment (siehe: Die nächste Generation) zurück, das vielen Völkern der Galaxis ein ähnlich humanoides Aussehen beschert hat. Diese neuen Gorn sehen nicht nur unzivilisierter aus, sie rücken optisch auch deutlicher in die Nähe von Raubtieren. Hier haben die Raptoren sicherlich auch ihren Einfluss hinterlassen.
Ein langer Epilog zu INTO DARKNESS, der eine weitere Entwicklung der neuen Zeitlinie andeutet und die Beziehungen der Hauptcharaktere vertieft, ein Handlungsstrang, der dem zweiten Kinofilm abging. 🙂
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Link: claudia-balboni.blogspot.de (Blog von Claudia Balboni)
Hendorff ist stolz auf seine Uniform und hat seine Teamfähigkeit mehr als einmal unter Beweis gestellt. Sogar der James Kirk ist nicht nachtragend, hat Hendorff in einer kleinen Kneipenschlägerei dem späteren Captain der USS Enterprise seinen Argumenten deutlich mit den Fäusten Nachdruck verliehen. Eines Tages, während einer Außenmission, hat Hendorff die Gelegenheit, einem der Führungsoffiziere das Leben zu retten. Aber zu welchem Preis?
Leben Sie lange und in Frieden. Gerade diesen Wunsch können die so genannten Red-Shirts in der klassischen Serie nicht allzu oft in Anspruch nehmen. Er ist tot, Jim. Diese Aussage findet sich im Anschluss an so manche Szene in Star Trek, in denen Red-Shirts soeben das Zeitliche gesegnet haben. Da war es nur naheliegend, diese doch meist namenlosen Crew-Mitglieder einmal genauer unter die Lupe zu nehmen, sind sie doch eine maßgeblich Stütze der Sternenflotte. Nicht zuletzt tragen auch Uhura und Scotty rot. Aber sie gehören nicht zu denen, die es gewagt haben, den künftigen Captain der USS Enterprise zu verprügeln.
Hendorff begegnete dem Leser und Zuschauer in der Neuauflage der klassischen Reihe und zeigte einen eher rabiat auftretenden, angehenden Sicherheitsoffizier. Und gleichzeitig setzte er sich freundschaftlich für Uhura ein. Das Schöne an Comics und Romanen des Star-Trek-Franchises ist die Möglichkeit auch Figuren abseits des normalen Handlungsstrangs in den Vordergrund zu stellen. Hendorff schildert nicht nur seine Erlebnisse, sondern gibt auch (sicherlich noch interessanter) eine Einschätzung diverser Hauptcharaktere ab. Eine gut gezeichnete und eher analytische Episode.
Wer in der Neuauflage der Kinoserie sofort auffiel, war jene kleine Kreatur an der Seite von Scotty. Man könnte an eine vernünftige, höchst intelligente Gremlin-Variation denken, betrachtet man Lieutenant Keenser genauer. Keenser rangiert in dieser Konzeption als eine Art Nog (der kleine Ferengi aus DS9), nur hat er deutlich weniger Ecken und Kanten. Im Film ist er der Sidekick von Scotty, gibt diesem dadurch ein wenig mehr Profil (zusätzlich zum schottischen Akzent im englischen Original). In dieser Comic-Episode hingegen, die nicht nur darüber aufklärt, wie die beiden sich kennengelernt haben, sondern auch einen Blick auf dieses Volk mit ganz neuen Eigenarten wirft.
Das Spiegeluniversum. Gut ist Böse. Böse ist Gut. Wer hätte voraussagen können, wie nachhaltig Spock mit Bart und Schärpe ankommen würde, welche faszinierenden Folgen dies für den weiteren Star-Trek-Mythos haben würde? Natürlich wird auch in der neuen Zeitlinie dieses Spiegeluniversum beleuchtet. Ein neuer, weitaus jüngerer Kirk löst hier die ältere William-Shatner-Variante ab und nimmt sich gleichzeitig der Frage an, was geschehen wäre, wenn das gewaltige Schiff von Nero in die Hände eines Captains fiele, der damit die Macht im Imperium an sich reißen wollte. Ein alter Spock schafft die Verbindung zwischen den Universen (wie im ersten Film der neuen Zeitlinie).
Ebenso gut gezeichnet wie die ersten beiden Episoden dieses 9. Bandes, bietet die Handlung von Gespiegelt eine deutlich aufwändigere Kolorierung. Die realistischere Wirkung gibt den martialisch auftretenden Figuren dieser Spiegelwelt einen Kino-Look, der sich gleichzeitig (thematisch) für den nächsten Kinofilm empfiehlt. Wie die Globalisierung voranschreitet, zeigt sich auch daran, dass ein indonesisches Comic-Team für die künstlerische Arbeit der Geschichte verantwortlich ist.
Mike Johnson, Autor aller drei vertretenden Geschichten, zeigt wieder, was alles noch im Star-Trek-Universum schlummert, welche Tiefe einige Figuren noch entwickeln können, wenn sie konsequent genutzt werden, welche Möglichkeiten noch mit dem Fortgang der offiziellen Kino-Linie auf den Fan warten. Wer Gefallen an den Kino-Filmen gefunden hat, findet hier auch einen guten Einstieg mit vielen bekannten Elementen.
Schöne Blickwinkel auf das neue Star-Trek-Universum, geschrieben von Mike Johnson, der einer neuen Zeitlinie schöne Ansichten abgewinnt. Fein illustriert, mit einem besonderen Höhepunkt in der dritten Episode des vorliegenden Bandes. 🙂
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Samstag, 07. Dezember 2013
Nävis kann im Augenblick nicht helfen. Da mag Weweh noch so sehr schreien. Er kann noch so sehr um Hilfe rufen. Nävis steht kurz davor, bewusstlos zu werden. Der kleine Snivel, obwohl in Tarnfarben lackiert, im Jagdgeschehen gar nicht einmal unbegabt, weiß nicht, wo er zuerst helfen soll. Wenig später ist das Chaos komplett und nicht nur Snivel fragt sich, wie es so weit kommen konnte. Nävis hatte jedenfalls nicht so früh mit ihrem Ende gerechnet, obwohl der Spiegel eine neue Falte im Gesicht zutage förderte und die junge Frau offensichtlich von einem zunehmend sich abzeichnenden Alter nicht gerade erfreut war. Aber gleich sterben? Irgendwo fernab von allem? Im Matsch? So darf es doch nicht enden!
Wer ist der Jäger? Wer ist die Beute? Das Konzept in der 15. Folge von SILLAGE ist denkbar einfach, mehrfach erprobt, auch in anderen Genres, funktioniert aber immer bestens. Jean David Morvan gibt noch eine Portion Rätsel hinzu, einige exotische Kreaturen und Humor, der durch einige absurde Situationen wie auch durch den Roboter Snivel transportiert wird. In einer Nebenhandlung spinnt sich ein roter Faden weiter, der von Morvan schon länger vorbereitet wird und nun langsam an Fahrt gewinnt. Ein Cliffhanger, genauer eine ungewöhnliche und ungeheuerliche Erkenntnis treibt die Neugier auf die kommenden Geschichten an.
Mit dem Auftakt dieses Abenteuers mit dem passenden Titel Jagdrevier springen Morvan und der Comic-Künstler Philippe Buchet (verantwortlich für die Zeichnungen und die Kolorierung gleichermaßen) gleich hinein in die Geschichte. Hier wird bereits die Spannung hochgeschaukelt und gleich wieder kurios aufgefangen, denn Weweh, der einäugige Kamerad der Hauptfigur Nävis, ist erst einmal gefressen. Die Geschichte könnte einen für Nävis unangenehmen Verlauf nehmen, geschähe nicht etwas für den Leser ziemlich Unerwartetes. Aber das wird hier nicht verraten.
Gesagt sei bloß, dass es für Weweh ziemlich unangenehm wird. Unangenehmer als gefressen zu werden? Ja, das geht! Nach ein Vorgeplänkel, im Stile alter Fernsehserien, die auch zu diesem Hilfsmittel griffen, um erst einmal die Spannung zu schüren, begleitet Jean David Morvan den Leser zurück zu jenem Ausgangspunkt, der die Menschenfrau Nävis und ihren Freund Weweh in diese verfahrene Lage gebracht hat. Philippe Buchet gestaltet ein Raumschiff, dessen beste Tage schon lange zurückliegen (wenn es überhaupt jemals welche gehabt hat). Als Leser, der in Sachen Space Opera geschult ist, wünscht man sich sofort einen weiteren Auftritt dieser Rostlaube, denn Rostlauben machen nicht nur im Comic echt was her!
Aber das ist nur ein Anhaltspunkt, denn sobald die Jagd wirklich losgeht, wird von Morvan und Buchet gar nicht lange um den heißen Brei erzählt oder gezeichnet. Nävis und Weweh werden auf das Schönste wie der gute alte Major Grubert eingekleidet. Moebius, der den Major ins Leben rief, und auch eine Prise Steampunk lassen grüßen. Die folgende Szenerie ist entsprechend auf Safari getrimmt, wird aber schnell von einer handfesten Auseinandersetzung unterbrochen (mit einer bereits bekannten Killer-Spezies), in der es wahrhaftig um Leben und Tod geht. Die Bilder sind rasant angelegt, ähnlich wie die Eingangsszene, nur ungleich blutiger, allerdings (Morvan hat stets ein As im Ärmel) nicht weniger überraschend.
Der Umgang von Philippe Buchet mit der Umgebung und der Realisierung der Welt von SILLAGE ist weiterhin bewundernswert gelöst. Besonders die Tiere können in dieser Ausgabe überzeugen. Sie sind zügig vorgestellt, funktionell, anatomisch möglich entworfen. Einerseits besitzen sie das Flair, wie es in einer Space Opera zusteht, andererseits könnten sie auch einer Dokumentation der BBC entsprungen sein.
Mit SILLAGE 15 findet sich eine Überleitung zu einem größeren Rätsel, das Jean David Morvan hoffentlich bald in Angriff nimmt. Nävis könnte wieder rätselhafter werden, spannend ist es weiterhin sowie grafisch absolut Top dank Philippe Buchets Fertigkeiten. 🙂
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Freitag, 06. Dezember 2013
Eine Ermittlung in den Straßen von Whitechapel läuft aus der Bahn. Getarnt als Prostituierte wollte Inspektor Frederick Abberline seine Ermittlungen vorantreiben, stattdessen muss er sich wie ein unfähiger Beamter von einem Straßenpolizisten helfen lassen. Abberline, der im Viertel als Uhrmacher vor seiner kriminalistischen Laufbahn gearbeitet hat, erhält nicht viel Zeit, um die eigene Unfähigkeit gegenüber dem Watchman zu entschuldigen. Die beiden Männer stolpern im wahrsten Sinne des Wortes über eine Frauenleiche: das nächste Opfer von JACK THE RIPPER.
Frederick Abberline beschreibt es eindeutig. Whitechapel ist ein Labyrinth und mit dem unbekannten Mörder, den alle Welt nur noch Jack the Ripper nennt, hat ein Minotaurus Einzug gehalten. Das Monster in Menschengestalt begeht Taten, wie sie furchtbarer und abstoßender in dieser eher zivilisierten Epoche kaum sein können. Selbst dort, wo sich der Bodensatz der Gesellschaft trifft, auf den die Polizisten abschätzig herunterschauen, ist solch eine Brutalität ein nie dagewesenes Grauen.
Francois Debois vermischt Fakten und Fiktion miteinander und verschafft dem Leser ein dunkles Erlebnis in den Straßen des viktorianischen Englands und eines aufstrebenden Paris. Die wahrhafte Lösung des Falles kann Francois Debois natürlich nicht bieten, aber dafür eine umso unterhaltsamere und überaus spannende. Der Charakter des Frederick Abberline, in der wirklichen Historie eine zentrale Figur innerhalb der Ermittlungen rund um die Ripper-Morde, wird hier noch weitaus stärker einbezogen, als es in Wahrheit der Fall war. Denn letztlich dreht es sich immer um die Frage: Wer war Jack the Ripper? Die angebotene Antwort ist interessant, natürlich ein wenig reißerisch, aber in ihrer grundlegenden Konzeption auch nicht von der Hand zu weisen.
Die Darstellung der Geschichte ist lebhaft und folgt laut den Worten des Zeichners Jean-Charles Poupard auch den visuellen Beispielen populärer Filmumsetzungen, die sich dieser Epoche bedienen. Allen voran natürlich filmische Varianten des Ripper-Themas wie auch Geschichten über Sherlock Holmes. Poupard zeichnet beeindruckend realistisch und ordnet sich mit seiner Arbeit in die technische Klasse eines Mathieu Lauffrey (Prophet), Dimitri Armand (Angor) oder Ralph Meyer (Asgard). Getuscht wirkt der Strich härter, als er zuvor in den Skizzen erkennen lässt. Ein schöner Anhang mit Entwicklungsbildern von Poupard lässt derlei Vergleiche zu.
Jean-Charles Poupard gehört mit seiner Stilistik zu einer Gruppe von Zeichnern, die mit ihrem Strich auf den Punkt treffen. Gerade bei der harten Tuschearbeit gehen manchen Zeichnern Eindrücke einer hervorragend mit Bleistift skizzierten Grafik verloren. Poupard geschieht das nicht. Sicherlich stellt sich auch hier ein gemeißelter Eindruck ein, die Gesamtkonzeption der Vorzeichnung, die genauen Perspektiven in jeder Figur, ob organisch oder nicht, bleibt stets erhalten. Zusammen mit einer tollen Herausarbeitung atmosphärischer Details entsteht so eine tolle Comic-Arbeit gerade für Fans historischer Szenarien.
Jean-Charles Poupard empfiehlt sich als Zeichner (gerne auch im Zusammenspiel mit Guillaume Lopez als Kolorist) für historische Themen in dieser hier zusammengefassten Doppelausgabe. Die Ansichten machen von A-Z Lust auf mehr Grafiken und andere Szenarios von ihm. Autor Francois Debois kann dem Mythos um Jack the Ripper neue, eigene Seiten abgewinnen, auch mit neuen Schauplätzen und natürlich Untaten (sowie Mördern!). Insgesamt eine spannend erzählte Variante, die selbst nach Kenntnis anderer Geschichten um diesen weltbekannten Mörder sehr gut funktioniert. 🙂
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Link: jc-leblog.blogspot.de (Blog von Jean-Charles Poupard)
Sonntag, 01. Dezember 2013
Da ging der Maulwurf spazieren. Alles stimmt. Das Wetter ist schön, die Leute sind freundlich und mit Ratte ist sogar bald ein neuer Freund gefunden. Wer hätte gedacht, dass das Leben so schön sein kann? Ein kleiner Ausflug am Fluss bringt neue Bekannte wie den Otter oder den Dachs, der allerdings ein wenig brummelig ist und gerade keine Gesellschaft will. Der Kröterich kommt vorüber und wird zum Gesprächsthema. Er hat eine neues Ruderboot, nur hat er keine Geduld. Alles muss sofort funktionieren und auch beherrscht werden, sonst kann Verzweiflung oder ein Wutanfall folgen. Beides hält jedoch nie lange an.
Eine Welt voller kleiner (und großer) Wunder: Der Wind in den Weiden. Eine Ratte, ein Maulwurf, ein Dachs und, ganz besonders wichtig, ein Frosch gehören zu der Riege der Darsteller in dem sicherlich unsterblichen Roman von Kenneth Grahame. Es ist eine Welt der Gefühle und Freundschaften, der Leidenschaften. Die Geschichte beschreibt das Leben in all seiner Fülle. Die Umsetzung durch Michel Plessix, zuerst in Einzelgeschichten zwischen 1996 und 2001 erschienen, gehört zu einem Paradebeispiel wie gelungen eine Comic-Umsetzung einer literarischen Vorlage sein kann (und sein sollte). Da er sich eng an den Roman von Kenneth Grahame hält, war ein Scheitern der Adaption nur noch rein grafisch möglich, aber Michel Plessix kann mit seinem märchenhaften Zeichenstil, einer phantastischen Kolorierung auf ganzer Linie überzeugen.
Auftritt: die Ratte und der Maulwurf. Der kleine dicke Maulwurf ist ein kleiner, dicklicher, auch etwas ängstlicher Vertreter seiner Zunft. Mit Abenteuern hat er wenig am Hut, gerne von zu Hause weg ist er auch nicht. Die Ratte hingegen verbringt gerne den Tag draußen an der frischen Luft, jahreszeitlich ungebremst und reißt den Maulwurf mit. An der Seite des neuen Freundes lernt der Maulwurf noch mehr Freunde kennen und hört, bevor er ihn überhaupt zu Gesicht bekommt, einige seltsame, wenn auch freundliche Geschichten über den Kröterich.
Der Kröterich ist der heimliche Held aus Der Wind in den Weiden. Er ist der wahrhaft abenteuerliche Charakter, oft besinnungslos mitgerissen von seinen jeweils neuen Interessen. Technik, Beweglichkeit, Innovationen, aber auch Kultur und Stil haben es ihm angetan. Die Begeisterung, die der Kröterich immer aufs Neue aufbringt, regt zum Schmunzeln an, zum Lachen, vor allem, da Michel Plessix mit dieser Figur noch ein Stück mehr gelingt, sie zu personifizieren, figürlich zu charakterisieren. Durchweg verwendet er nur feine, dünne Striche im Zusammenspiel mit einer seidenweichen, aquarellartigen Kolorierung. Details werden in der reinen Tuschearbeit ebenso beachtet wie in der Farbgebung.
Aber zurück zum Kröterich, der sehr früh vorgestellt wird, aber auch erst zur Mitte hin verstärkt in den Fokus rückt. Aus der tollen ländlichen Umgebung heraus, in der sich die Tiere hauptsächlich bewegen, bricht der Kröterich in die Welt der Menschen aus, wird sogar angeklagt und muss in einer aberwitzigen Verkleidung fliehen. Sind die meisten Tiere für eine heitere, auch irgendwie romantische Atmosphäre gut, steht der Kröterich für Klamauk und bietet die Grundlage für optische Gegensätze. Das Land könnte zu jeder Seite Ansichten von idyllisch anmutenden Postkartenmotiven entsprungen sein. Die Stadt hingegen ist zwar sauber, allerdings eng, gedrängt, überfüllt, hektisch. Und diese Hektik wird durch die Clownerie des Kröteriches noch einmal befeuert.
Sehr schön ist das warme Farbenspiel in Der Wind in den Weiden. Die putzigen Figuren werden hierdurch noch einmal putziger und es ist auch ein Zeichenstil wie auch Farbgebung, die sich amerikanischen Vorbildern verschließt, aber nicht automatisch europäisch zu nennen ist. Es ist eher eine klassische Illustration, die eigene Figuren entwirft, trefflich herausarbeitet, so dass mit den figürlichen kleine Schauspieler entstehen, die dank Michel Plessix hervorragend in der Lage sind, unterschiedlichste Emotionen zu transportieren. Nur so kann Der Wind in den Weiden optisch funktionieren. Im Comic-Bereich wollen vergleichbare Werke regelrecht gesucht werden, jedenfalls solche, die auch eine tatsächliche Erzähltiefe besitzen.
Ein Wort: fantastisch. Eine vorbildliche Comic-Adaption von einem Meister seines Fachs höchst liebevoll, illustriert. Perfekte Unterhaltung, ob nun als Roman oder Comic gelesen. 🙂
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