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Comic Blog


Montag, 11. August 2014

Alunys Expedition durch Troy

Filed under: Abenteuer — Michael um 14:50

Alunys Expedition durch TroyEine Frau kann niemals eine Weise in Eckmül werden. Allein der Gedanke daran ist ein revolutionärer Akt. Kein Mann würde ein derartiges Anliegen unterstützen. Die junge Marikiri ist dennoch fest entschlossen, alls zu versuchen, um ihren Traum in die Tat umzusetzen. Der Weise Aluny unterdessen will einen neuen Hauptzauber entwickeln. Leider (und hier zeigt sich, dass die Weisen eben so weise doch nicht sind) geht die Versuchsanordnung für diesen Zweck gründlich daneben. Wie sehr das Experiment schief geht, ahnt er zu diesem Zeitpunkt nicht einmal. Erst nach und nach zeigen sich Missstände und die Schlussfolgerung, ein Teil seines Verstandes sei abhanden gekommen, ist bitter. Eine Lösung muss her und zwar schnell.

Christophe Arleston greift eine weitere Seite seines Lieblings-Universums TROY auf und erzählt zusammen mit Melanyn, wohin allzu großer magischer Eifer führen kann. Mitten hinein in eine andere Odyssee. An der Seite von Lakhäf, dem eigentlichen Schüler Alunys, begleitet der Leser die aufmüpfige Marikiri auf der Reise des Weisen, die gleich mit einer Erpressung startet. Wir erinnern uns, dass Frauen niemals eine Weise in Eckmül werden zu können. Aber Marikiri ist trotzdem fest entschlossen, ein Praktikum bei Aluny zu machen, ob dieser nun will oder nicht. Man könnte sagen: Frauenpower in TROY.

Wenn drei eine Reise tun, ist einer zuviel. Oder so ähnlich. Die Zeichnungen von Cartier ein wenig kurios, fast anarchisch zu nennen und grenzen sich sehr stark von anderen Künstlern des TROY-Universums ab. Cartier hat auch mit seinen sehr weich gearteten Figuren in eine sehr cartoonige Grafik abzudriften. Das ist in keiner Weise knuffig amerikanisch, eher sehr europäisch putzig, wenn es an die Kreaturen herangeht (wie Alunys wunderbare Katze), manchmal auch ein wenig MAD, wenn es an die menschlichen Gestalten geht. Stilistisch passen sich die Bilder auf hervorragende Weise dem Inhalt an. Sobald der Leser die Szene erreicht, in der sich Monströsitäten untereinander Tipps geben, man möge niemals etwas zu sich nehmen, dessen Herkunft unbekannt ist, versteht er diese Feststellung. Eine gefrässig würmelnde Schrecklichkeit gerät hierdurch ins völlig Absurde.

Moderne Welt und fantastische Träume. Wie passt das zusammen? Christophe Arleston verzwirbelt gerne ein paar, oder auch mehr Anspielungen mit seinem TROY-Universum. Das macht umso mehr Spaß, wird doch auf diese Art noch deutlicher, wie grotesk die Wirklichkeit um den Leser herum sein kann. Wenn Marikiri ein paar Piraten auf der Couch behandelt (nein, nicht so), handelt es sich nur ein Beispiel von vielen.

Will man einen Vergleich der zeichnenden Comic-Künstler ziehen, auch im selben Genre, führt der Weg ungefähr zu einem Paul Glaudel, dem Zeichner der Meisterkartographen (auch von Christophe Arleston geschrieben). Cartier zeichnet seine Figuren schmaler, nicht ganz so voluminös wie Glaudel, auch mit deutlich weniger Kinn. Aber das Freche, mitunter auch Frivole ist beiden gemeinsam. Wer die eine oder andere Szene betrachtet, wird sogar Anklänge eines knubbelnasigen Mordillo-Stils entdecken.

Flott erzähltes Einzelabenteuer im TROY-Universum, mit neuen Figuren, interessanten Einblicken in die Welt der Weisen. Aluny und Marikiri sind einprägsame Charaktere, mit denen Christophe Arleston durchaus weiter spielen könnte. 🙂

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Sonntag, 10. August 2014

Danger Girl – Revolver

Filed under: Thriller — Michael um 19:09

Danger Girl - RevolverVenedig und eine Hochzeit mit Hindernissen. Die Danger Girls sind im Einsatz. Zu Pferd, obwohl in Venedig, der Stadt der Kanäle etwas fehl am Platz, wirbelt Abbey Chase eine Trauung durcheinander, verfolgt auf Motorrädern, hinaus in besagte Kanäle … Danger Girls verschnaufen erst, wenn der Auftrag erledigt ist. Das ist nicht unbedingt selten, aber meist nur kurz. Eigentlich bieten die Reisen zum nächsten Zielort eine Pause. Der Sprung einmal um den Globus, von Italien nach Peru, ist eben kein Katzensprung. Doch dann ist wieder das angesagt, was beiden Örtlichkeiten gemein ist: Gefahr!

Es waren einmal vier Danger Girls. Drei befanden sich ständig im Außeneinsatz, eine war die Frau am Computer, die Rückendeckung. Doch es kam der Tag, da eine die anderen verriet. Und da waren es nur noch drei. Aber das soll sich ändern. Als vor geraumer Zeit die Danger Girls mit einem furiosen Mix aus Action, Anspielungen auf James Bond, Lara Croft und Indiana Jones unter dem Label Cliffhanger erschienen, brachten sie die so genannte Girl Power verstärkt ins Medium Comic. Andy Hartnell und J. Scott Campbell hatten mit der Agententruppe, die selbstverständlich auch an 3 Engel für Charlie erinnerte, ins Schwarze getroffen.

Revolver! Mit dem Ausscheiden einer der Figuren (Natalia Kassle, eben weil Verrat im Spiel war, schien das Agentenmädel-Universum erst einmal in sich geschlossen zu sein. Nach Crossover-Abenteuern (u. a. mit Batman) kehren die Damen mit dieser Agentenhatz zu ihren Wurzeln zurück und begrüßen gleichzeitig ein neues Mitglied an der Undercover-Front. Sydney Savage, schwarz gekleidet, mit einer Peitsche ausgerüstet, ist nicht mehr die einzige Savage in der Runde. Sonya Savage heißt der Nachwuchs.

Chris Madden heißt der Zeichnernachwuchs, der die Feder von einem der Erfinder der Danger Girls, nämlich J. Scott Campbell, übernommen hat. Campbells Vorgaben, auf den Titelbildern noch ersichtlich (denn er ließ sich nicht nehmen, diese selbst zu zeichnen), sind deutlich. Leichte überzogene Frauengesichter, nicht ganz Püppchen, nicht ganz realistisch, in jeden Fall aber Idealformat. Das überträgt sich selbstverständlich auch auf die Figuren der Frauen. Rank, schlank, aber keine Hungerhaken, durchtrainiert, mit den richten Polstern am rechten Fleck. Betrachtet man so manches Pin-Up, die zur Serie entstanden sind, könnte man sagen: Bunnys in Action.

Madden passt sich mit seinen Bildern an, findet aber auch einen Weg seinen ganz persönlichen Stil ins Spiel zu bringen. Madden liebt das spitze Kinn, ein fast elfenhaftes Erscheinungsbild seiner Figuren. Jedes Danger Girl sowie die Mitstreiter drumherum ist nicht unproportioniert, besitzt aber in gewisser Hinsicht Überlange. Schon J. Scott Campbell spielte mit diesem Gestaltungsmerkmal, Madden greift es auf und legt noch ein paar Millimeter drauf.

Madden etwas einfacherer Comic-Stil eröffnet mit knalligen Farben, zeichentrickfilmtauglich insgesamt und in seiner Gesamtoptik auch an Disneys Atlantis erinnernd. Die Sequenzen, besonders im ersten wie im letzten Drittel, könnten hingegen einem James-Bond-Szenario entsprungen sein. Hier und dort erhöht der Einsatz von Unschärfe die Tiefe der Bilder. Ein Split-Screen imitiert moderne Kinotechniken. Die Kamera folgt an anderer Stelle der Action hautnah auf rasenden Zügen und abstürzenden Flugzeugen. Madden ist ein durchweg würdiger Nachfolger Campbells, der mit seiner Interpretation der Danger Girls leicht verändert, aber irgendwie auch opulenter daherkommt.

Will man die Folge mit einem Wort beschreiben, könnte dieses lauten: fetzig! Denn Rückkehr und Neugruppierung finden mit einer derartigen Rasanz statt, dass sie auch an einen MTV-Musikclip mit modernster und schnellster Schnitttechnik erinnert. Stark! 🙂

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Montag, 04. August 2014

Lanfeust Odyssee 5 – Die Sandfalle

Filed under: Abenteuer — Michael um 11:18

Lanfeust Odyssee 5 - Die SandfalleDas Versteck von Rypläh ist aufgespürt. Allerdings liegt es etwas abseits der üblichen Wege und bewohnten Orte. Besonders für einen Troll ist dieses Versteck nicht leicht zu erreichen. Mitten Wasser ragen die Pfahlbauten des kleinen Dorfes in die Höhe. Besucher sind hier selten. Erwünscht sind sie erst recht nicht. Trolle schon gar nicht. Lanfeust nahm, nachdem Rypläh, sein einziger Entlastungszeuge, gefunden ist, würde sich alles zum Besseren wenden. Bei jedem anderen wäre dies vermutlich auch so gewesen. Doch Lanfeust ist ein Held, der nun einmal seinen Wagemut beständig an gefährlichen und ausweglosen Situationen testen muss. Zu seinem Unglück will es das Schicksal ganz genau wissen und schickt ihn an den außergewöhnlichsten Ort seines Lebens.

Es wird ernst. Nach so manchen humorvollen Passagen, durchweg auch spannend erzählt, wird die ODYSSEE zu gefährlich, um für LANFEUST noch komisch zu sein. Nicht nur wird ihm nach dem Leben getrachtet. Die Magie von ganz TROY steht auf dem Spiel. Über Eckmül ragt ein gigantischer Tempel in die Höhe, ein Bauwerk, das alles andere in dieser nicht gerade kleinen Stadt überschattet. Das Wesen, das sich anschickt, aus Troy alle Magie herauszuziehen, den Planeten geradezu auszusaugen, ist listig, mächtig und brutal.

Christophe Arleston überrascht mit dieser Kreatur, die sich jeder Komik entzieht. Eben noch hat der treue Begleiters Lanfeusts, der Troll Hebus, ein paar Schildkröten aufgeblasen und diese als Luftkissen benutzt, um über die Wasseroberfläche zu laufen, da ereignet sich in Eckmül schaurig Schreckliches. Das betont die Skrupellosigkeit des Feindes und lässt, da Lanfeust Odyssee noch nicht an ihrem Ende angelangt ist, auf ein fulminantes Finale hindeuten, denn Arleston hat sich bereits an dieser Stelle einige Szenen einfallen lassen, in denen Lanfeust nicht nur an Macht gewinnt, sondern auch eine außerordentliche Charakterstärke an den Tag legt.

M’Otha, groß wie eine lebendige Insel, ein Ghomo, ein Lebewesen, das seit Ewigkeiten die Magie von Troy in sich aufnimmt und speichert, steckt, an seiner Leidesfülle gemessen, in gewaltigen Schwierigkeiten. Christophe Arleston schreibt Lanfeusts Stammzeichner Didier Tarquin ein gigantisches Lebewesen ins Skript, das erst einmal mit der nötigen Ausdruckskraft auf Papier gebannt sein will. Die Größenunterschiede zwischen Helden und dem Ghomo verdeutlichen die gigantischen Ausmaße. So erscheinen die Sequenzen mythisch, märchenhaft, für den einen oder anderen auch biblisch, da es durchaus Parallelen zu einem gewissen Jonas zu entdecken gibt.

Didier Tarquin lässt sich optisch nicht lumpen. Etwas ins Abseits gerät da das weitere Schicksal von Hebus, der sich in eine ungewollte Abhängigkeit bringt, die ihm aber immerhin das Leben rettet. Hier werden von Arleston neue Konstellationen geschaffen, lose Fäden, die zwangsläufig zueinander finden werden. Nachdem die Begegnung des Lesers mit M’Otha derart groß ausfiel, ist das Schicksal von Hebus eher eine Sequenz, die erzählt werden muss, mit entsprechendem Humor daherkommt, weil sich die Spannung doch immens bei Lanfeusts Erlebnissen aufgebaut hat.

Eine wahrhaftige Odyssee. Die gehört eben aufs Wasser. Christophe Arleston schickt sein bestes Pferd im Stall in eine der ungewöhnlichsten Freundesbegegnungen des Fantasy-Genres. Ohne Übertreibung kolossal. 🙂

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Donnerstag, 31. Juli 2014

Troll von Troy 17 – Frauentausch

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:57

Troll von Troy 17 - FrauentauschEs sollte eine fröhliche Jagd werden. Die lieben Kleinen sollten etwas lernen, wenn sie nicht gerade den Großen etwas beibrachten. Die lieben Kleinen sind Trolle. Die Große ist Waha, eine Menschin. Von den Trollen vor langer Zeit aufgenommen und aufgezogen, weiß sie immer noch nicht, welcher Art sie in Wahrheit angehört. Auch weiß sie nicht, was sich als Mensch so gehört. Beckös den Hals umzudrehen oder die Beine zu brechen und sie gleich an Ort und Stelle zu verschlingen, gehört jedenfalls nicht dazu. Wahas Pech ist es, just an diesem Tag am Flussufer jagen zu wollen, wo ein Schiff mit einer adeligen Familie darauf vorüberkreuzt.

Ein kleiner Adelsspross, der noch nicht gelernt hat, wie seine magische Begabung ausfällt, bemerkt die ersten Anzeichen seiner wachsenden Fähigkeiten nicht. Waha hingegen entdeckt die Auswirkung schlagartig und wähnt sich in einem schlechten Traum. Sie hat den Körper getauscht. Mit einer Menschenfrau. Und das ist noch lange nicht alles, was von da an fürchterlich schief läuft.

Ein Troll frisst fast alles. Er wäscht sich nicht. Umgangsformen sind ihm fremd. Und irgendetwas oder irgendjemand ist bei jeder x-beliebigen Gelegenheit zu massakrieren. Kommt ein Mensch in diese Situation oder wenigstens jemand, der in diesen Angelegenheiten gänzlich ungeübt ist und ständig fürchten muss, als in Troll-Angelegenheiten gänzlich ungeübter Mensch entdeckt zu werden, dann liegen die Nerven bald blank. Autor Christophe Arleston liebt seine Trolle, mit ihnen hat er die besten Ideen. Nun also Frauentausch, was in diesem Fall kaum eine Anspielung auf eine gleich lautende Reality-Show sein kann. Verwoben mit ein wenig Aschenputtel (die hier allerdings als erste vermählt werden soll) gerät die 17. Episode der Reihe Troll von Troy schnell zu einem Komödienritt, der selbst innerhalb der Serie seines gleichen sucht.

Jean-Louis Mourier gelingt ein kleiner Geniestreich, muss er doch noch mehr als zuvor die Komödie grafisch ausloten. In zwei eng begrenzten Spielorten, Wahas Trollgemeinde und Kyrlandes adeliger Familie, toben die Mimiken und teils grotesken Verhaltensweisen, wirbeln clowneske Szenen und treiben französische Verwechslungen im Stile des verstorbenen Louis de Funes ihre Blüten. Da bringen einen schon Kyrlandes (eigentlich Wahas) Gesichtsausdrücke zum Grinsen und wenn die falsche Adelige sich mit (aus Trollsicht verständlicherweise) Händen und Füßen dagegen wehrt, gebadet zu werden, bleibt kein Auge trocken.

Die federleichte Zeichenweise, der fragil wirkende Grafikstil macht aus den Seiten fast so etwas wie Suchbilder, denn viel zu entdecken gibt es auch auf den zweiten Blick. Mit Kyrlande (in Wahas Körper) taucht der Leser neu in die Welt der Trolle ein, findet einmal mehr ihre liebevolle Seite (wenn der Vater Wahas seltsames Verhalten verteidigt und sie vor den verfressenen Dorfmitgliedern schützt, denn ein gefressenes Problem ist nun einmal ein beseitigtes Problem). Wer nun glaubt, auf der menschlichen Seite, dort, wo Waha gestrandet ist, sei es einfacher, immerhin gibt es da keine gefräßigen Verwandten, sieht sich gewaltig getäuscht. Nicht nur Weiber (davon gibt es in der Geschichte ein paar) können zu Hyänen werden, auch ein Hofstaat nebst anstehender Hochzeit kann ein Quell der irrsinnigen Schwierigkeiten sein.

Wäre Aschenputtel (Cinderella) als erste unter die Haube gekommen (ohne gläsernen Schuh und Tauben), hätte eine Hochzeit wie hier geschildert ausfallen können. Shakespeare (Ja, genau der!) hätte seine helle Freude an diesen freilich modernen Verirrungen gehabt, in denen ein Malheur das nächste jagt.

Wahnsinnig gut, wieder einmal. Christophe Arleston gelingt es in dieser Reihe, da Chaos jedes Mal neu zu erfinden. Auch Neueinsteiger finden hier gute Möglichkeiten, da der Leser anhand einer der beiden weiblichen Hauptfiguren die Welt der Trolle kennenlernt. Ein echter Knaller! 🙂

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Montag, 28. Juli 2014

Fröhliche Hundegeschichten

Filed under: Biographie — Michael um 18:55

Fröhliche HundegeschichtenDer Hund hört gut, sagt Konfuzius. Der Hund hört überhaupt nicht, sagt Bao. Die philosophischen Gespräche über das Thema Hund münden nicht gerade in einer Sackgasse, aber immerhin in einer für den modernen Menschen logischen, wenn auch keiner tierliebenden Konsequenz. Es sind die großen Geister, die sich mit dem Hund befassen, auch die Wissenschaftler, sogar Gott kommt nicht am Hund vorbei und sogar die Jungfrau Maria macht ihre einschlägigen wie auch außergewöhnlichen Erfahrungen, mit denen sie so manchen Hundefreund überraschen wird. Die dunklen Seiten eines Hundelebens werden ebenfalls nicht ausgespart. Manchmal liegt der Schrecken gar nicht im Detail.

Der Hund ist mehr als nur der beste Freund des Menschen. Er ist auch Kampftier, Versuchskaninchen und je nach Mythologie hat er auch eine ganz besondere Herkunftsgeschichte. Und Hund ist noch lange nicht gleich Hund. Mit Fröhliche Hundegeschichten legen Autor Leo Fischer und Illustrator Leonard Riegel einen Parcours quer durch das Universum rund um den Hund ein. Die Historie, vornehmlich persönlicher Natur, zwischen Mensch und Hund wird einer genaueren Betrachtung unterzogen. Aber es werden auch philosophische Fragen aufgeworfen, durch Freud sogar, der zu ergründen sucht, warum ausgerechnet die Katze als die aristokratischere der beiden Arten gilt, obwohl ihr Verhalten dem des Hundes in Gegenwart des Menschen tatsächlich hinterher hinkt.

Der Blick auf den Hund erlaubt einen Blick auf den Menschen. Nicht alles ist Interpretation, manches ist vom Menschen herbeigeführt und gut ist es erst recht nicht alles. Der Hund, der auf russischer Seite gegen die Wehrmacht kämpft. Der Familienhund der Adornos, der, weil ganz Hund eben, mit den Erziehungsmethoden der Familie nicht umzugehen versteht und elendig eingeht. Positiver sind jene Mythen, die den Aufstieg des Hundes von der wurmähnlichen Form zu einem stattlichen Exemplar samt Beinen und Schlappohren zeigen.

Leo Fischer, als Chefredakteur ehemals dem Satiremagazin Titanic verbunden, erzählt sehr unterschiedlich, bitterböse mitunter, heiter, auch freundlich dem Hund gegenüber, deswegen auch mitleidig, lächelnd und natürlich tragen er, der Hund, und Scarlett Johansson zu einem versöhnlichen Ende der Welt bei. Der Hund erlaubt auch den mikroskopischen Blick auf die menschliche Gesellschaft, kaum eine gute, stets etwas lächerlich, manchmal mehr, manchmal weniger.

Leonard Riegel, als Illustrator ebenfalls der Titanic zugetan, verwendet verschiedenste Illustrationsformen, häufig sehr verspielt, skizzenhaft, mal als Bild zum Text, mal als Bildergeschichte, Minicomic, Bilderwitz, verfremdeter Fotografie oder schwarzweißen Holzschnittimitation. Grundsätzlich sind diese Hunde niemals unfreundlich, selbst wenn sie in der Hölle landen (wie eine nette Geschichte erzählt). Wer den zähnefletschenden Hund sucht, muss genau hinschauen (ein schönes Suchrätsel). Es wird nicht benannt, ob Leonard Riegel Hunde mag, seine Darstellung in den sehr unterschiedlichen Szenarien, die Leo Fischer ihm vorgibt, legen jedoch den Schluss sehr, sehr nahe.

Ganz und gar nicht nur für Hundefreunde. Von der humoristischen Seite eines Leo Fischer und Leonard Riegel aus betrachtet sind Hunde in vielen Schlüsselmomenten der menschlichen Geschichte anwesend und beeinflussen viele Seiten des Aufstiegs und Niedergangs der humanoiden Gesellschaft. Mit scharfen Witz erzählt und gezeichnet. 🙂

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Donnerstag, 24. Juli 2014

Monster Allergy – Die Gesamtausgabe 2

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 21:45

Monster Allergy - Die Gesamtausgabe 2Ein Haufen geretteter Katzen muss wieder zurück zu seinen Besitzern. Leider hat Zick noch nicht gelernt, mit ihnen zu sprechen. Timothy ist da die große Ausnahme, aber der ist auch ein Hüter und eben keine echte Katze. Allerdings verfügt Zick neben der Fähigkeit Monster zu sehen, noch über eine weitere nicht minder nützliche Eigenschaft. Eine Berührung kann ausreichen, um mehr über ein Tier, oder wie hier, eine Katze zu erfahren. Handelt es sich dabei um Erinnerungen an ein Zuhause mag das für einen Menschen erträglich sein. Den Geschmack der letzten Katzenmahlzeit auf der Zunge zu schmecken, ist eine ganz andere, nicht ganz so genüssliche Angelegenheit.

Hand in Hand. Betrachtet man die Auflistung derer, die an diesen Comic-Geschichten mitgearbeitet haben, fällt einem sofort eine im Vergleich zu anderen Produktionen große Liste aller Mitwirkenden auf. Die Dichte, die Ausführlichkeit, auch der optische Knaller, der Monster Allergy in der zweiten Gesamtausgabe darstellt, vermag auf der ganzen Linie zu überzeugen, nicht zuletzt, weil die hier abgedruckten Episoden 5 bis 8 mit einem grandios rührenden Schluss aufwarten können.

Katja Centomo liefert die Ideen, Faranceso Artibani hält federführend die künstlerische Leitung des Skriptes. Zwei weitere Köpfe, Alessandro Barbucci (Artwork) und Barbara Canepa (Farben) komplettieren das künstlerische Quartett, das den Überblick über die gesamte Produktion behält und es schafft, auch mit wechselnden Autoren, Zeichnern, Tuschern und Koloristen eine durchgehende, gleichbleibende grafische Linie beizubehalten.

Monster! Der Junge Zick, der für den Titel verantwortlich ist, hat er doch diese Allergie gegen Monster und die Fähigkeit, sie zu sehen, während der Rest der menschlichen Welt blind für sie ist, bildete den Ausgangspunkt der Handlung, bevor mit dem neuen Nachbarsmädchen, der quirligen Elena, alles gehörig auf den Kopf gestellt wird. Wer die Monster lesend erlebt, wird sich zunächst fragen, wie das überhaupt möglich sein kann? Aber das ist es, denn wo Zick gerne mit dem nächsten Schritt zögert, ist sie ihm bereits drei Schritte voraus.

Neben der eindringlich plastischen und farbenfrohen Kolorierung wissen die wechselnden Standorte und die damit einhergehenden neuen Erlebnisse zu begeistern. Eigentlich ist die Welt, wie wir sie kennen, noch nicht ausreichend erkundet, da schicken Katja Centomo und Francesco Artibani den Leser unter Wasser, in ein U-Boot, in die Konfrontation mit schwarzen Seelen und leiten so auch Zicks neue Fähigkeiten ein. Ganz nebenbei lernt der Leser auch mehr über die Welt der Monster, wenn er sie dabei beobachten darf, wie sie untereinander kommunizieren, Bombo (das schönste Monster) vorneweg.

Um bei Monstern zu bleiben. Diese bilden natürlich den Hauptanziehungspunkt der Geschichte. So werden sie genauer vorgestellt, Bombo hat seine schleimigen Glanzszenen und der Leser darf neben der Vielfalt auch neue Eigenschaften erfahren, genauer, dass Monster auch einen gewissen Drang haben, sich zur Schau zu stellen. Und Monster dürfen genau das eben nicht. Klar, dass Verwicklungen in solchen Fällen vorprogrammiert sind. Kommt dann noch ein neuer Hüter ins Spiel, der seine Aufgabe, die Bewachung widerspenstiger Monster, allzu ernst nimmt, dann treiben die Autoren die Handlung auf eine von vielen humoristischen Spitzen.

Turbulente Einfälle, eine durchgehende tolle, junge Grafik mit aberwitzigen Monstern abseits aller Klischees. Tolle Unterhaltung für Junge und Junggebliebene. Oder im Kinojargon: für die ganze Familie. 🙂

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Montag, 21. Juli 2014

Danger Girl und die Armee der Finsternis

Filed under: Mystery — Michael um 10:29

Danger Girl und die Armee der FinsternisWenn ein Held sich die Zähne putzt, dann macht er das durchaus wie jeder andere Normalbürger auf diesem Planeten auch. Die wenigsten hingegen sehen dabei ihre Freundin im Spiegel, die sich ganz offensichtlich in eine gammelige Untote verwandelt hat und dem Helden ganz zwanglos ans Leben will. Andere Helden wiederum können nicht auf die Unterstützung von bewaffneten Drohnen zählen. Abbey Chase, in ausweglosen Situationen meist auf sich gestellt, hat mit ihrem Boss Deuce einen Mann mit Agentenvergangenheit in der Hinterhand, der sich abseits der üblichen Kanäle Vorteile verschaffen kann und diese auch für seine Danger Girls einzusetzen versteht.

Die Armee der Finsternis. Geschaffen zum Abschluss einer Horrorkomödientrilogie blieb ausgerechnet dieser Filmtitel den Genre-Fans am stärksten in Erinnerung. Und der Name von Schauspieler Bruce Campbell ist seither untrennbar mit der Rolle des Ash verbunden. Die Danger Girls, zu Beginn als eine Hommage und Persiflage auf das Agenten-Genre, den Abenteuerfilm gedacht, geht mit dieser Ausgabe mit dem Kult um die Armee der Finsternis zusammen. Das Necronomicon, ein finsteres Buch, zur Dämonenbeschwörung gedacht, gerät in die falschen Hände. Einmal benutzt, halluziniert Ash von dunklen Wesen, die sich überall um ihn herum zu manifestieren scheinen.

Das hauptsächliche Danger Girl Abbey Chase, in der besten Tradition einer Lara Croft stehend, wird zu seiner Weggefährtin während dieses Abenteuers. Mehr allerdings nicht, obwohl er das gerne hätte und der Charmeur sich alle Mühe gibt. Doch auch die Fertigkeit mit der Kettensäge ist nicht dazu angetan, dem turtelnden Ash zum Erfolg zu verhelfen. Andy Hartnell, Autor des vorliegenden Abenteuers, hat seine Hausaufgaben gemacht. Als Mit-Erfinder der Danger Girls kennt er sich natürlich aus, aber auch die Armee der Finsternis hat er schon anderweitig im Comic-Genre verewigt.

Da jeglicher Bestandteil dieses Abenteuers, genauer die Charaktere, gut, auch mit Rückblicken, vorgestellt werden, steht einem ungetrübten Comicgenuss, auch für Neuleser, nichts entgegen. Mit den Künstlern aus Chris Bolsom (Zeichner), Adrian Lucas (Farben) und Marcio Menyz (ebenfalls Farben) steht zur Umsetzung der Bilder ein Trio bereit, dass mit einem ordentlichen Realismus, einem sehr gut erkennbaren Bruce Campbell, knackigen Frauen und düsteren Gaunern, Untoten verschiedenster Ausprägung ein Abenteuer wie eine durchgehende Rutschpartie inszeniert. Agent Zero, eine bereits aus der Danger Girl Reihe bekannte Figur, bietet fast schon ein eigenes Crossover zwischen Ninja-Action und Zombie-Horror.

Chris Bolsom beschert ein optisches Intro, dem es weder an Action noch an Humor mangelt. Bis in den kleinsten Winkel ausgearbeitete Seiten, schöne Perspektiven, richtig (ebenfalls schön) eklige Monster, die sich Ash bei jeder (noch so unpassenden) Gelegenheit präsentieren. Herrlich gelungen sind auch jene Szenen, in denen sich die einzelnen Helden kameratauglich vorstellen und aufeinandertreffen. Ash und seine Begegnung mit Sydney Savage, einem weiteren Danger Girl, ist einer dieser Höhepunkte.

Neben der Tiefe der Grafiken haben es sich Adriano Lucas und Marcio Menyz zur Aufgabe gemacht, Abbey Chase strahlen zu lassen. Ob Tag, ob Nacht, diese Heldin strahlt, als stehe sie jederzeit im Rampenlicht, während die anderen Recken auch mit echten Lichteindrücken vorlieb nehmen müssen. Es ist ein netter Effekt, der auf den zweiten Blick auffällt und spätestens dann zurücksteht, wenn die Szenerie dank Ash zu einer Art Hackepeter wird.

Hier werden die Fans beider Serien bedient. Ash bürgt für solide Horror-Comedy. Die Danger Girls haben das Abenteuer im Blut. Beides zusammen ergibt eine Achterbahnfahrt, gekonnt in Szene gesetzt dank eines versierten Comic-Teams. 🙂

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Samstag, 19. Juli 2014

ASLAK 2 – Der Mittelmast

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:18

ASLAK 2 - Der MittelmastGefangen in einer anderen Welt, der Orientierung beraubt trägt das heruntergekommene kleine Drachenboot Aslak seine Besatzung in eine unewisse Richtung. Einzig der alte Osfrid vermag in dem großen Buch zu lesen, dessen Buch für jeden anderen an Bord nur leere Seiten parat hält. Immerhin sieht Osfrid eine Karte und diese weist ihnen den Weg zum Mittelmast. In eine endlos scheinende See ergießen sich Sturzbäche aus gigantischen Wolkengebirgen und irgendwo in dieser merkwürdigen Landschaft, die einge urwüchsige Landmassen zu bieten hat, ist der Rückweg, der Ausgang, aus dieser verwunschenen Welt voller Gefahren zu finden.

Die Flüchtigen sind nicht allein. Ein unnachgiebiger Verfolger ist ihnen auf den Fersen. Roald, ein Wikingerkapitän, schont weder sich noch seine Besatzung, ganz besonders nicht seine Besatzung. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sich die Wege der unterschiedlichen Wikingermannschaften kreuzen werden. Doch bis dahin haben sie beide auf die Gefahren, die furchtbaren Völker dieser Region aufzupassen. Denn jede Gruppe für sich ist hoffnungslos unterlegen.

Hub und Fred Weytens, der auch die Dialoge schrieb, haben die Helden und Antihelden in eine jener nordischen Anderswelten versetzt, in denen alls möglich ist. So betrachtet, kann es zu jeder Zeit, in jeder Szene völlig unvorbereitet zu bedrohlichen Situationen kommen. Hub und Weytens überstrapazieren dieses Element nicht, aber sie nutzen es perfekt. So kann das Unerwartete für den Leser jederzeit zuschlagen. Manchmal überraschen sie nicht nur den Leser, sondern auch noch die Figuren. Am besten gelingt der Coup, wenn es eine schnelle Abfolge von Wendungen gibt.

Grafisch ist die Technik von Zeichner Emmanuel Michalak eher heiter zu nennen, am Realismus angelehnt und auch Verwandtschaftskurs zu einem Künstler wie Eric Herenguel (Die Geister von Troy). Das besitzt stilistisch eine gewisse Putzigkeit der Gesichter, wie sie auch von einem Albert Uderzo grafisch anhing, Michalak ist jedoch nicht in der körperlichen Knubbeligkeit seiner Figuren gefangen und gibt seinen Charakteren stets eine individuelle Note. Bei den Menschen arbeitet er meist zurückhaltend, ohne über Gebühr zu überzeichnen. Bei Kreaturen dieser seltsamen Sphäre, solche, die bei den Menschen Elfen und Trolle genannt werden, verfremdet er, was das Zeug hält.

Mit sehr dünnem Strich, instinktiv getuscht, auch mal etwas krumm, organisch entstehen Figuren, die sich durch einige wenige, aber sehr offensichtliche Merkmale auszeichnen. Da ist das Kinn ein kantiger Klotz, die Gestalt besonders gedrungen, eine Nase eher gurkig oder ein Bart fällt sehr struppig aus. Der Rest ist Kleinarbeit, wichtig ist, dass die Figuren auch in einer kleineren Ansicht schnell zu erkennen sind. Farblich arbeitet Sebastien Lamirand zusätzliches Volumen aus den Bildern heraus. Dies gelingt ihm am schönsten in Szenen, die an Bord spielen wie auch in ein paar Rückblicken, mit optisch abgesetzter Farbpalette, die einen geheimnisvollen roten Faden abbilden.

Ein Wikingerabenteuer mit gehörigem Fantasy-Anteil. Frisch illustriert und koloriert. Der Spannungsbogen wird durchweg gesteigert, bildhaft, durch mysteriöse Ereignisse. Hier ist ein außerordentlich gutes Comic-Team am Werk. 🙂

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Donnerstag, 17. Juli 2014

FRANKA 22 – Unterwelt

Filed under: Thriller — Michael um 18:28

FRANKA 22 - UnterweltAmsterdam. Leidener Platz. Es sollte ein ruhiger Abend werden. Doch nichts weniger als eine Entführung kommt Franka dazwischen. Schlecht für die Entführer, dass die entführte junge Frau ihre Handtasche verliert. Über das Mobiltelefon gelingt es Franka schnell eine Spur aufzunehmen. Der Abend wird turbulent. Franka, die ihre Hartnäckigkeit in vielen Abenteuern und Kriminalfällen bewiesen hat, lässt auch hier nicht locker und ist sich auch nicht zu schade, der Polizei rechtzeitig Bescheid zu geben, damit die Kavallerie auf den Punkt genau zur Stelle sein kann.

Henk Kuijpers schickt seine Heldin Franka in das 22. Abenteuer, mitten in Amsterdam. Gleichzeitig ist es auch eine Art Besichtigungstour, denn die Bilder, die Kuijpers dem Leser beschert, strotzen vor Einzelheiten. Eine Filmproduktion rund den Amsterdamer Muntplein gehört zu den grafischen Zuckerstücken, wird hier schließlich auch noch optisch ins Jahr 1958 zurückgesprungen. Aber auch an anderen Stellen könnten man Henk Kuijpers als den Fremdenführer unter den Comic-Machern bezeichnen. Ein Ausflug nach München ist so schön dargestellt, dass er direkt Reiselust weckt.

Aber Reisen hin oder her, Franka gerät wieder in Schwierigkeiten. Das 22. Abenteuer der Reihe heißt nicht umsonst Unterwelt. Aus einer Entführung wird eine Falle und ein Racheszenario, mittendrin natürlich Franka, im Zentrum des kriminellen Interesses. Die Technik wird zum rettenden Element, Recherche und Köpfchen helfen nach. Henk Kuijpers erzählt locker, flockig, könnte man sagen. Bis zum Ende der besagten Entführung zu Beginn entwickelt sich alles wie bei einer Kurzgeschichte und ist doch bei genauer Betrachtung ein langer Prolog. Das mag dem einen oder anderen Leser etwas abgehackt erscheinen, es hätte aber auch ein überlanges Abenteuer werden können, doppelbändig.

Von Amsterdam nach München. Grafisch kann Henk Kuijpers nicht nur in städtischen Kulissen aufgehen, sein Hang zu schönen Techniksymbolen, in den meisten Fällen sehr schönen Autos einer anderen Epoche, als dem Design der Fahrzeuge ein größerer Stellenwert zufiel und nicht zugunsten von Strömungswiderständen in einer Form aufging, ist unübersehbar. Spätestens wenn Franka einen amerikanischen Straßenkreuzer im Wirtschaftswunderwagen Museum abliefert, ist der Beweis für diese These erbracht. Auf der Rückseite des Albums, was nichts über die Geschichte verrät, schießt Franka sogar ein Selfie von sich und dem Auto.

Entdeckungsbilder. Fast so etwas wie Suchbilder präsentiert Henk Kuijpers, wenn er Anspielungen auf die Filmgeschichte gibt. Oder kleine Nebenhandlungen wie Frankas Hund, der mit Sof herumtollt, wenigstens fünfmal so groß, aber nicht weniger verspielt. Hier wird sogar ein Unfall zum Blickfang, hier kann und darf hingeschaut werden. Die sehr statische Zeichentechnik bietet die nötige Ruhe zur Betrachtung. Wäre seine Darstellung dynamischer, skizzenhafter, wäre die Detailhöhe kaum denkbar, noch wäre der Eindruck so perfekt und schön wie hier.

Ein Hingucker, ein feines Abenteuer, was sich fast wie nebenbei entwickelt und erst im letzten Viertel so richtig stark Fahrt aufnimmt. Henk Kuijpers ist weiterhin illustrationsstark, mit ganz eigener Stilistik. Nicht nur für Fans, aber auch für Einsteiger in die Serie geeignet. 🙂

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Montag, 14. Juli 2014

BÄRENZAHN 1 – Max

Filed under: Thriller — Michael um 18:39

BÄRENZAHN 1 - MaxMax, Werner und Hanna sind in die Fliegerei verliebt. Obwohl sie noch nicht selbst in die Lüfte aufsteigen können, ganz einfach weil sie zu jung dafür sind, verbringen sie viel Zeit damit, Modellsegelflugzeuge möglichst weit fliegen zu lassen und kleine Raketen in den Himmel zu schießen. In diesen Tagen, in Schlesien in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, sind die Vorboten eines nahenden Umschwungs erschreckend spürbar. Einen Krieg sehen weitaus weniger Menschen heraufziehen. Das Fliegen besitzt noch Unschuld, trotz der Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg. Voller Staunen beobachten die drei Kinder, engste Freunde, ein neu entwickeltes Segelflugzeug am Himmel und wünschen sich nichts sehnlicher, als selbst am Steuer einer solchen Maschine zu sitzen.

Jahre später. Die Freunde sind erwachsen. Und Max hat Schlesien rechtzeitig verlassen und ist in die Vereinigten Staaten ausgewandert. Der Krieg hält die Welt in seinem Griff. Max ist Flieger geworden und schießt nun den Feind über dem Pazifik ab. Dummerweise gibt es ein Problem. Seine Ähnlichkeit mit seinem alten Schulfreund Werner bringt ihn in große Schwierigeiten, denn plötzlich hält man ihn für einen deutschen Spion.

Die Welt war noch kleiner geworden. Alte Freundschaften überbrückten tausende von Kilometern. Heimat und Loyalitäten verschoben sich. Am dramatischen Beispiel von Max Kurtzman erzählt der Comic-Veteran Yann (Yann le Pennetier) abseits seiner eher lustigen Szenarien ein Kriegsdrama, in dem die Fliegerei neben den drei erwähnten Freunden der vierte Hauptdarsteller ist. Alain Henriet, der bereits mit dem futuristischen Szenario Golden Cup sein Händchen für sehr technisch zu behandelnde Stoffe bewiesen hat, bildet die 30er und 40er Jahre, vor dem Krieg und während des Krieges, mit klaren Linien und größtmöglicher Akkuratesse ab.

Neben der Leidenschaft für Fliegerei beleuchtet Yann das Geflecht im Krieg, geheimdienstliche Aktionen, das Aufwachsen vor dem Krieg in einem nationalsozialistischen Regime, mit seinen Folgen für das tägliche Leben, die damit einhergehenden Bedrohungen. Einer der zentralen Punkte der Geschichte ist Hanna Reitsch, dem Vorbild einer historischen Figur nachempfunden. Schnell wird deutlich, wie sehr sie den Wunsch zu fliegen über alles andere stellt und sich auch nicht von der propagierten Überlegenheit der Männer gegenüber Frauen kleinkriegen lassen will. Beispielhaft sind Szenen, in denen sie gegen ihren Freund Werner im Wettkampf antritt oder später im Krieg die Me 163 in einem Versuch gegen die Alliierten führt.

Yann überlässt historische Genauigkeit den Gelehrten und erzählt frisch von der Leber weg und erstellt sich ein Szenario, ähnlich wie es ein Jack Higgins in Der Adler ist gelandet vollbrachte oder ein Alistair MacLean mit Agenten sterben einsam. In Sachen historischer Thriller befindet sich Yann in bester Gesellschaft und steht seinen Kollegen auch in nichts nach. Durch die geschilderte Freundschaft der drei, den frühzeitigen Einstieg in ihre Jugend, auch die erzählte Entzweiung durch die Judenverfolgungen, denen Max und sein Vater weichen, werden viele Motive der Figuren haarklein und überzeugend dargelegt.

Krieg über dem Pazifik. Max‘ zweites Leben, jenes fern des Geburtsorts, beginnt im Jahr 1944 mit der Attacke von japanischen Kamikazefliegern. In dramatischen Bildern inszeniert Alain Henriet den kurzen Luftkampf mit dem japanischen Feind, der nichts anderes erreichen will, als das eigene Flugzeug in die Rümpfe der amerikanischen Schiffe zu bohren. Der Leser erfährt so früh vom fliegerischen Geschick des Max Kurtzman und seiner Herkunft, die ihm wenig schmeichelhaft von seinen Kameraden vorgehalten wird. Wer glaubt, es gehe voller Action weiter, sieht sich schnell getäuscht. Die Darstellungen der einzelnen Charaktere und Lebenswendepunkte überwiegen. So verdichtet sich dieser Thrillers erst so richtig zur perfekten Mischung aus Drama und Fliegerabenteuer.

Spannender Auftakt! Yann begibt sich einmal mehr auf neue Pfade und vermag auch weit abseits von Funnys zu überzeugen. Dank der überaus exakten und fein kolorierten Bilder entsteht ein sezierender Einblick in jene Zeitspanne. 🙂

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