Sonntag, 11. Dezember 2016
Es waren einmal Spider-Men … Nach dem Zusammenbruch des ultimativen Universums hat sich ein Spider-Man in die andere Welt retten können. Und nun gibt es neben Peter Parker auch noch Miles Morales. Miles ist schwarz, so jung wie Peter einst war, als ihn die radioaktive Spinne gebissen hat und geht auch noch zur Schule. Sein Kostüm ist hauptsächlich schwarz, wirkt wie eine positivere Venom-Variante und tatsächlich hat er mit seinem Venom Blast eine Fähigkeit, die der alte Spider-Man nicht besitzt. In Sachen Feinde jedoch können sich beide die Hand reichen, denn es sind die dieselben Halunken, die es auf die Spinnenmänner abgesehen haben.
MILES MORALES ist als SPIDER-MAN ein ähnliches Reboot, wie es die Figur demnächst auf der Kinoleinwand erlebt. Auch die Konstellation ist ähnlich. Dieses Zurück-zu-den-Wurzeln wird hier sehr gut in die Gegenwart umgesetzt, da Peter Parker im normalen MARVEL-Universum gestattet wurde, sich ordentlich zu entwickeln, auch mal eine Spur zu altern und längst aus den Teenager-Problemen herausgewachsen ist. Brian Michael Bendis, der damals auch den ersten ULTIMATIVEN SPIDER-MAN geschrieben hat, nimmt sich ebenfalls der neuen Version an.
Was ist anders? Nun, erst einmal wurde dieser SPIDER-MAN nicht im normalen MARVEL-Universum geboren. Jetzt ist er hier, einiges hat sich für ihn verändert, teils zum Besseren, doch die Eingewöhnung fällt verdammt schwer. Natürlich ist die Umwelt neugierig auf den neuen SPIDER-MAN. Das macht dem Jungen, der sein Geheimnis mit nur ganz wenigen Eingeweihten teilt, schon Probleme. Schwierig wird es, als sich eine ganz besondere Person in sein Leben einmischt, nämlich seine Oma. Miles Morales besitzt nicht jenen Humor, mit dem Peter Parker so oft punkten konnte, deshalb muss Brian Michael Bendis sich ein paar andere Möglichkeiten ausdenken, um die Szenerie aufzulockern. Mit der Oma ist ihm das gelungen.
Grafisch: WOW! Sara Pichelli versteht sich aufs Zeichnen! Sie gehört zu jener Künstlerriege, die dem Superrealismus verpflichtet scheinen. Jim Lee oder Bryan Hitch spielen auch in dieser Liga. Zur Abgrenzung jener Künstler, die ziemlich harte Kerle zu Papier bringen, tendiert Pichellis Stilrichtung ein wenig gen Frank Cho, der seinen Figuren eine Spur Humor anzeichnet. Das passt erst recht bei Figuren wie besagter Oma oder Spideys bestem Freund Ganke.
Auftritt: SPIDER-MAN. Der Einstieg der Geschichte findet sich just in dem Moment, als der Kampf eigentlich schon vorbei ist. Die Avengers liegen geschlagen am Boden und der junge SPIDER-MAN steht allein einem annähernd drei Meter großen Dämonen namens Blackheart gegenüber. Der Sohn von Mephisto hätte auch der Comic-Reihe Der Schwur des Ambers entsprungen sein können. Die optische Wirkung ist blanker Clive-Barker-Horror. Das ist ein gelungenes Wechselspiel zu den später auftretenden klassischen Schurken, die SPIDER-MAN das Leben schwer machen. Sara Pichellis Bilder erhalten durch den Top-Koloristen Justin Ponsor eine filmische Tiefe.
Was für ein Einstand im altehrwürdigen MARVEL-Universum! Eine klasse Gelegenheit für jugendliche Einsteiger zum Erkunden an der Seite einer Figur, für die ebenfalls vieles neu ist. Ein grafisches Sahnestück ist es sowieso. Klasse Start! 🙂
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Montag, 05. Dezember 2016
Eigentlich sollte Batman sich zurücklehnen und beobachten, wie jemand seine langjährigen Gegner aus dem Weg räumt. Er hat sie oft genug gejagt und bekämpft und zurück nach Arkham Asylum gebracht. Aber er wäre nicht der Dunkle Ritter mit dem besonderen Ehrenkodex, ließe er sich von einem minderen Gefühl leiten. Und so macht sich Batman auf die Suche nach dem Killer, der seine schlimmsten Feinde töten will. Dabei macht er absonderliche Erfahrungen mit dem Riddler ebenso wie mit Two-Face. Andere Feinde, da gibt sich Gotham, die Gangsterstadt, wenigstens solide, bleiben sich treu und wollen Batman schaden, wo und wie sie nur können. Eine Geheimgesellschaft mischt hier an vorderster Front mit, doch der Dunkle Ritter hat eine neue Methode zur Infiltration gefunden und ist ihnen haarscharf auf den Fersen.
In zwei groß angelegten Handlungssträngen erwachen die BATMAN ADVENTURES zu neuem Leben. DIE GESELLSCHAFT DER SCHATTEN und DIE FALSE FACE SOCIETY verlangen dem Mitternachtsdetektiv alles ab. Auf rund 250 Seiten widmet sich der vorliegende Band den beiden erfolgreichsten DC-Zeichentrickserien der 90er des 20. Jahrhunderts. BATMAN sowie BATMAN UND ROBIN waren in jener Zeit wegweisend und nutzten den Erfolg der beiden Verfilmungen mit Michael Keaton als Startschuss. Gleichzeitig schob der Erfolg der beiden Serien um BATMAN auch eine Zeichentrickserie von SUERMAN ähnlicher Machart an.
Die hier gezeigten Grafiken greifen das Ambiente der Serien auf, eine gelungene Verbindung eines düster kantigen Fledermaushelden, etwas Film Noir und die Leichtigkeit eines makabren Humors, der besonders von Joker und Harley Quinn getragen wird. Pupsie, wie der Joker von Harley auch liebevoll genannt wird, ist zeitweilig wegen einer Gehirnwäsche aus Arkham nicht ganz bei sich und benötigt erst einmal Starthilfe, um wieder ganz der Alte zu werden. Der Comic schafft es, die inhaltliche Düsternis der Zeichentrickvorlage einzufangen, ist aber bei weitem optisch nicht so dunkel wie die Bildschirmfassung. Hier musste die Comic-Umsetzung Abstriche machen.
Darüber hinaus aber haben die Autoren Ty Templeton und Dan Slott ihre Hausaufgaben gemacht. Beide sind fest im Comic-Business und in verschiedenen Comic-Universen verwurzelt. Mit BATMAN haben beide einschlägige Erfahrungen gemacht. Das Projekt BATMAN ADVENTURES ist für Templeton und Slott wie ein Heimspiel. Die feinen Zeichnungen von , aber auch Ty Templeton (ja, ist hier in Doppelfunktion unterwegs) greifen einerseits die Leichtigkeit des Originals auf, andererseits bleiben sie natürlich hinter der in den letzten Jahren erwachsenen Ernsthaftigkeit sonstiger BATMAN-Abenteuer zurück. Mord und Totschlag ist hier ein Thema, aber eher eines, das wie in der legendären Serie aus den 60er Jahren daherkommt.
Schurken wie den Joker oder Two-Face sieht der Leser, mittlerweile auch der Kinogänger häufiger. Die Geschichte über die FALSE FACE SOCIETY fügt einige seltenere Gäste hinzu. Neben einem freilich seit SUICIDE SQUAD bekannteren Deadshot finden sich das PHANTOM, FIREFLY oder der BRONZE TIGER, Figuren also, die eine sehr populäre Phase hatten, aber länger nicht mehr im großen Stil zum Einsatz kamen. Diverse redaktionelle Vorstellungen mancher Figuren runden etwaige Wissenslücken von Stammlesern ab. Neueinsteiger finden sich ebenso zurecht. Denn dank der Erzählweise eignen sich die ADVENTURES gut für jugendliche Comic-Einsteiger.
Mission erfüllt. Schwungvolle Fortführung des Zeichentrickklassikers aus den letzten 90er Jahren, auf den Strich genau gezeichnet und mit dem Geist der damaligen Serie erzählt. Für BATMAN-Neueinsteiger ebenso wie für gestandene Fans. 🙂
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Freitag, 02. Dezember 2016
Timo und Luce befinden sich in einem Überlebenskampf. Noch ahnen sie nichts davon, dass sie als Sklaven verkauft werden sollen. Aber Timo hat einen Freund, klein zwar, aber findig und voller Fähigkeiten, die von den Kindern ebenfalls nicht vorhergesehen werden konnten. Derweil tobt andernorts ein Partisanenkrieg. Die fremden Besatzer, die sich, dank einer überlegenen Technologie und ihres brutalen Vorgehens, in dieser Welt einigeln konnten, werden bei ihren Patrouillen immer öfter angegriffen und vernichtend geschlagen.
Wäre DER RING DER 7 WELTEN ein Filmset, würde es wohl einen höchst beeindruckenden Drehort abgeben. Im Kern spielt die Handlung auf oder in der Nähe einer schwebenden Stadt. Hinzu kommen die nicht zu vernachlässigenden Luftschiffe. Zeichner Matteo Piana und Kolorist Davide Turotti erschaffen eine verwinkelte Welt, scheinbar aus Teilen, die gerade zur Hand waren, zusammengehämmert. Hier passt nichts richtig, hier wurden Reste einer vergangenen Welt verbaut. Blech wurde wild vernietet, Versorgungsrohre laufen überall, ohne erkennbares Muster an den Wänden entlang.
Das Set könnte optisch einem Zeichentrickfilm entsprungen sein, hier noch mehr als in drei Vorgängerbänden. SCHICKSALSBANDE, so der Untertitel des 4. Abenteuers, schließt den Vierteiler als durchgehendes Finale ab. Der Junge Timo und das Mädchen Luce werden zu Schlüsselfiguren im Niedergang und Neubeginn einer Zivilisation. Waren die bisherigen Ereignisse bereits sehr abwechslungsreich und voller ungewöhnlicher Ideen, toppen die beiden Autoren Giovanni Gualdoni und Gabriele Clima noch einmal, indem sie besonders Timo eine spezielle Rolle zukommen lassen.
Timo besitzt nicht nur eine ausgefallene Gabe, er verfügt auch über das Talent, andere Menschen für sich einzunehmen. Dafür strengt er sich nicht einmal an. Die beiden Autoren haben ihn als Jungen angelegt, der eine ungezwungene Sympathie verströmt. Seine Beziehung zu Edon, einem kleinen Gestaltwandler, bringt ein märchenhaftes Element in die Geschichte ein. Gualdoni und Clima haben hier ein ähnliches Gespür für solche Verquickungen wie ein Loisel.
Zurück zur kriegerischen Auseinandersetzung, die im RING DER 7 WELTEN eine Kernrolle spielt. Die Optik wird von jenen Anime-Fans, die Filme mit archaisch technischem Hintergrund mögen, sofort ins Herz geschlossen werden. Dabei handelt es sich nicht japanische Comic-Künstler, sondern um ein italienisches Duo (Zeichner, Kolorist), das hier am Werk ist. Der Ausdruck der Figuren, die Atmosphäre, vermischt mit etwas Underground-Stil ergibt den perfekten Endzeit-Anime. Matteo Piana und Davide Turotti haben sich seit der Entstehung von DER RING DER 7 WELTEN in ein anderes SciFi-Universum, nämlich Star Wars begeben, wo sie an den Comic-Umsetzungen der Kinofilme beteiligt sind. (siehe Link)
Toll wirkt die weiche Farbgebung. Hier wechseln sich monochrome Eindrücke mit stimmigen, sehr intensiven nächtlichen Szenen ab. Licht in Form von Feuer oder Explosionen bedeutet stets Gefahr. Davide Turotti geht perfekt mit Licht und Schatten um und erzeugt eine sehr tiefe Szenerie, was letztlich den Zeichentrickeffekt um ein Vielfaches erhöht. Die Bilderabfolge von den Details der Wolkenstadt, den Straßenzügen, dem Kabelgewirr hinaus auf Abstand in die Wolken hat etwas von einem Storyboard, einer Filmvorlage für eine Kamerafahrt.
Ein schöner Knaller, weil die Geschichte und die Umsetzung einmal für Alben eine völlig andere sind. Unvorhersehbar erzählt, mit asiatischem Einschlag grafisch gestaltet ist DER RING DER 7 WELTEN ein kleiner Geheimtipp. Die Kenntnis der drei Vorgängerbände ist ein Muss, da es sich um eine sehr dicht zusammenhängende Geschichte handelt. Für Fans von Animes und Weltuntergangsszenarien. 🙂
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Links:
Blog von Matteo Piana
Making Star Wars mit Matteo Piana und Davide Turotti
Montag, 28. November 2016
Vorbereitungen auf den Krieg. Einen neuen Krieg. Nachdem die Auseinandersetzungen mit der kleinen Armee um Negan zugunsten der Gruppe um Rick ausgegangen war, hat sich mittlerweile ein neuer Feind aufgetan, der nicht weniger unerbittlich ist. Der neue Feind ist außerdem merkwürdig. Die meisten Menschen werfen einen Blick zurück auf die alte, vergangene Zivilisation und wollen die besten Teile davon bewahren, bestenfalls in ein neues Licht setzen. Der neue Feind will all das nicht. Der neue Feind arrangiert sich mit den Toten und lebt das Recht des Stärkeren. Wer sich unterdrücken lässt, hat es nicht besser verdient. Wer sich nicht wehrt, stirbt. Und sollte Ricks Zivilisation eine unsichtbare Grenze überschreiten, ist ein Kampf unausweichlich.
Langsam nähern sich die Zeitschienen der Comic-Vorlage und der Fernsehumsetzung einander an. Wo auf dem Bildschirm der Bösewicht Negan derzeit für Furore sorgt, ist er hier noch ein Gefangener der Gemeinschaft um Rick. Autor und Erfinder von THE WALKING DEAD, Robert Kirkman, hätte nach der dramatischen Auseinandersetzung gegen die Armee von Negan, diesen Halunken auch endgültig auslöschen können. Ricks Leute hatten durch den Tod von Glen genügend Ansporn dazu. Doch aus dem Todesurteil sollte eine lebenslange Haft werden und eine dauernde Mahnung an Rick, endlich einen neuen Weg, fort von der allgegenwärtigen Gewalt zu beschreiten.
Wie sehr Gewalt zur Spirale wird und einen Kreislauf in Gang setzt, der kaum durchbrochen werden kann, hat Robert Kirkman zu einem Kernthema der Serie gemacht. Mit der Apokalypse kehrt nicht einfach der Wilde Westen zurück, sondern das innere Biest wird bei jeder Gelegenheit frei gelassen. Angeblich, weil es nicht anders geht. Absurditäten, Abgründiges, Brutales und Perverses hat seinen Eingang in die nun 26teilige Serie gefunden. Die menschenfressenden Untoten haben auch ihre Hauptbeute, den Menschen, zu Monstern werden lassen. Die oder wir. Auge um Auge. Die einfachen Lösungen waren Programm. Kaum versucht Rick den Kurs zu ändern, legt ihm Robert Kirkman einen gewaltigen Stein in den Weg.
Charlie Adlard, in stilistischer Nähe zu Sean Phillips, einem anderen erfolgreichen Comic-Künstler, hat in Sachen Zombie-Action hier deutlich weniger zu tun als sonst. Wie gesagt, es macht sich bemerkbar, wer das wahre Monster ist. Deshalb liegt der Fokus auf den verfeindeten Parteien, die beide in dichten Szenenfolgen näher beleuchtet werden. Dabei wendet sich Charlie Adlard auch neuen Charakteren zu, so auch Beta, der zweite Mann in der Rangfolge der Flüsterer, dessen Gesicht immer unter der Haut eines Toten verborgen bleibt. Robert Kirkman spielt zwar manchmal mit Stereotypen, aber diesen Bond-Bösewicht, einen typischen Killer und Handlanger, gibt er durch Kleinigkeiten die nötige Tiefe. Und nimmt ihm dennoch nichts von seiner Bösartigkeit.
Gnädiges Schwarzweiß. Ja, es gibt weniger Zombie-Action, aber kaum weniger Horror. Was vielleicht einmal ein Markenzeichen abseits des Mainstreams war, In dieser Hinsicht hatte Charlie Adlard einmal mehr zu tun, jetzt ist die Bedrohung zwar vorhanden, aber ihr Auftreten plötzlicher geworden, schockierender auch, da die beiden Comic-Macher, Kirkman und Adlard, den Leser gelernt haben, in Sicherheit zu wiegen. Entsprechend stärker wirkt die Inszenierung entsprechender Szenen durch Adlard, wären sie von Cliff Rathburn, verantwortlich für die Graustufen, in Farbe getaucht, weil es sich um beinharte Splatterszenen handelt, die der Bildschirmumsetzung in Nichts nachstünden.
Der Wendepunkt ist erreicht. AN DIE WAFFEN lautet der Untertitel der 26. Folge. Der zweite Auslöser für einen Krieg ist nun vorhanden. Robert Kirkman wird sehr bald seine Helden erneut in die Schlacht schicken. Wie er dies hier vorbereitet, ist ein purer Thriller. Heftig, aber sehr spannend. 🙂
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Donnerstag, 24. November 2016
Es waren einmal zwei Schwestern, die hatten einander sehr gern und dennoch gab es Differenzen. War die eine zum Erwachsensein gezwungen, da die Mutter viel zu früh verstorben war, war die andere unausgeglichen und rebellisch. Das Erwachen der Toten im kleinen Städtchen Wausau im ansonsten malerischen US-Bundesstaat Wisconsin verdrängt die privaten Unstimmigkeiten nur kurz. Die Probleme der beiden jungen Frauen sind sinnbildlich für das strukturelle und emotionale Chaos in Wausau. Es sind keine Zombies, die ihr Unwesen treiben, vielmehr kehren geliebte Menschen zurück und können einfach nicht mehr sterben, ganz gleich, was ansonsten mit ihnen geschieht. Das weckt Begehrlichkeiten religiöser Fanatiker und ruft gleichzeitig die nationale Sicherheit auf den Plan, denn so lange nicht geklärt ist, was es mit diesen Vorgängen auf sich hat, bleibt Wausau von der Außenwelt abgeriegelt und die Wiedergänger interniert.
Ein Blick auf das große Ganze: Wer oder was sind die hellgelben Geistwesen, die flüsternd umherziehen? Welche Erkenntnisse zieht das Militär aus seinen Bemühungen? Und zu welchem Zweck? Und zu guter Letzt stellt sich die Rätselfrage, wer hinter diesem unglaublichen Mysterium steckt? Gelöst wird sie hier noch nicht. Aber Autor Tim Seeley macht hier einen ordentlichen Schritt in die entsprechende Richtung, der vor allem durch das Verhältnis und die Ereignisse rund um die beiden Schwestern Dana und Martha, kurz EM, getragen wird.
EM, eine wunderbar widerborstige und energische Frauenfigur, angesiedelt zwischen Verzweiflung und unbändiger Wut, ist der große Wurf dieser Geschichte. Das Titelbild der aktuellen 6. Folge mit dem Untertitel DEINE TREUEN SÖHNE UND TÖCHTER zeigt sie in einer äußerst bedrohlichen Situation. Dank ihres toten Zustandes wirft sie sich oft regelrecht in Gefahren und überschätzt ihre Fähigkeiten nicht selten. Aber sie steckt auch wahnsinnig viel ein, mit fast zu viel Freude beinahe, als sehe sie sich längst in einer Art Überwesenform gefangen. Mike Norton, der Zeichner der Serie, bringt EM sehr stark zu Papier, mit einer für eine Comicfigur tollen Präsenz.
Einige Charaktere innerhalb der Serie entwickeln selbstzerstörerische Tendenzen und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nur die Motivationen sind sehr unterschiedlich. Wahnsinn, Neugier, Verzweiflung, Zorn, aber auch, wie bei EM, Starrsinn, Gerechtigkeitssinn und Einsamkeit sind die Antriebe. Tim Seeley zeigt, wie isoliert die Wiederbelebten sind, entweder aktiv durch die Regierungsstellen oder, wieder wie in EMs Fall, durch den eigenen Rückzug. EM fühlt sich als ein Mensch, der seit dem Tod der Mutter weggestoßen wird, anscheinend im Weg steht. Obwohl das nicht der Wahrheit entspricht. Ihr Zustand gibt ihr die Möglichkeit zu einem Rundumschlag ohne Rücksicht auf Leib und Leben, schon gar nicht ihr eigenes.
Drama wird in dieser Folge sehr hoch gehalten und ist wichtiger als der Gruselfaktor, der von Tim Seeley beileibe nicht vernachlässigt wird. Aber wie in derzeit sehr erfolgreichen Filmserien bewirkt gerade die charakterliche Zeichnung der Figuren, ihre emotionale Tiefe, die von Mike Norton toll in die Gesichter geschrieben wird. Sein Zeichenstil ist von einem feinen Realismus getragen. Man folgt als Leser gerne EM, die auch die oder andere Einzelseite zur Präsentation bekommt.
Klasse Mystery-Horror mit hervorragenden Akteuren, bei denen Spaß macht zuzuschauen. Ein toller roter Faden verbindet die einzelnen Kapitel. Tim Seeley, inzwischen Horrorexperte im Medium Comic, versteht es wie Altmeister Stephen King seine Charaktere innerhalb einer packenden Handlung herauszuarbeiten. 🙂
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Dienstag, 22. November 2016
Gemeinsam mit der Großmutter ist die kleine Hazel eingesperrt, weil Kriegsgegner in diesem Krieg eingesperrt werden, ganz gleich in welchem Alter. Hazel besucht noch den haftinternen Kindergarten. Hazel hat in ihrem jungen Leben schlimmere Situationen kennen gelernt. Ihr Leben ist im Augenblick einigermaßen in Ordnung. Zwar sind ihre Eltern weit entfernt, aber Hazel hat die Hoffnung, dass sie von ihnen gefunden werden wird. Diese unternehmen tatsächlich waghalsige Anstrengungen bei der Suche nach ihrer geliebten Tochter und fügen so ihrem Verbrechensregister einige neue Posten hinzu. Aber sie finden eine heiße Spur …
Eine der aufregendsten SciFi-Soap-Opera-Familien seit den Skywalkers und den Robinsons ist zurück. Marko und Alana, die eigentlich auf gegensätzlichen Seiten in diesem Krieg stehen sollten, lieben sich nicht nur, sie haben auch noch das Unmögliche getan und ein Kind bekommen. Autor Brian K. Vaughan hat den Leser auf eine Hetzjagd quer durch das All mitgenommen. Comic-Künstlerin Fiona Staples hat mit den merkwürdigsten Kreaturen überrascht, mit Parallelen zur echten Welt, mit satirischen Ideen sondergleichen, kleinen und großen Perversitäten, mit wundervollen Einfällen und stets mit einem Strich und einer Farbgebung, die den Eindruck eines Fotoromans entstehen ließen. Und nun: Zeitsprung.
Hazel ist älter geworden, die Großmutter extrem grantig und tätowiert, die Mitinsassen etwas unleidlich, aber nicht unsympathisch. Der Wille, ein Freelancer und Killer, hat seit dem Tod seiner Freundin und seiner Katze deutlich an Gewicht zugelegt, hinzu kommt sein Realitätsverlust, denn er spricht immer noch mit seiner verstorbenen Geliebten und sie antwortet ihm tragsicherweise. Es ist nur eines der Kabinettstückchen, die der Handlung im 6. Teil der SAGA ihre Würze geben. Hält sich Fiona Staples mit optischen Krachern etwas zurück, schüttelt Brian K. Vaughan weiterhin Überraschungen und flotte Wendungen aus dem Ärmel.
Kuriose Erscheinungen sind weiterhin Roboter mit Monitorköpfen oder auch ein Robbenwesen, das auf einem Walrosswesen reitet. Überraschend sind zum Beispiel überdimensionierte Bärtierchen, die mit brachialer Gewalt angreifen. Flotte Wendungen sind solche, die Erinnerungen an Fahrenheit 451 wecken, allerdings auf Speed. Interessant auch zu sehen, dass Killer, wenn sie (einst rank und schlank) Bud-Spencer-Ausmaße erreichen, nichts von ihrer Gefährlichkeit einbüßen.
Fiona Staples vermischt weiterhin bekannte Tiergestalten mit dieser fantastischen Welt. Gleichzeitig findet sich hier eine Zentrierung auf deutlich weniger Figuren. Der Angriff einer Riesenmuräne fällt ins Bombastische, während sonstige Auswüchse eher fein zu nennen sind. Es hat sich ein wenig eingespielt. Als Leser erwartet man das Unerwartete. Wurde dieses anfangs noch mit der Schöpfkelle ausgegossen, ist der Einsatz deutlich punktueller und betrifft Kleinigkeiten, ein paar Anzüglichkeiten, die aber keinen Vergleich mehr mit früheren Einfällen darstellen.
Eine familiäre Fortsetzung eines eingespielten Teams. Die zeitliche Einordnung hat einen kleinen Sprung nach vorn getan. Brian K. Vaughan und Fiona Staples legen ganz offensichtlich den Grundstein für einen neuen Abschnitt im Leben von Marko, Alana und Hazel. Eine Top-Space-Opera mit einer grafischen Gestaltung, die den Leser sehr nah an die Figuren heranbringt. Sehr empfehlenswert. 🙂
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Montag, 14. November 2016
500 Jahre in der Zukunft. Widerstand war zwecklos. Das BORG-Kollektiv hat die Galaxis assimiliert. Vor 100 Jahren fiel die letzte Welt der Föderation in ihre Hände. Seither herrscht Perfektion und Stillstand. Denn das Ziel der BORG hat sich nach Meinung eines bestimmten BORG nicht erfüllt: Locutus. Der ehemalige Kapitän der Föderationsraumschiffes ENTERPRISE, Jean-Luc Picard, erwägt eine Veränderung, aber er weiß auch, dass er ohne Hilfe nicht in der Lage sein wird, gegen die Königin der BORG vorzugehen. Er weckt einen alten Freund auf.
In der Gegenwart treffen sich ebenfalls alte Bekannte wieder, allerdings unter völlig anderen Vorzeichen. Einmal mehr haben die BORG einen Gegner aufgescheucht, der ihnen überlegen ist. Einst schloss die Crew der VOYAGER ein Bündnis mit den Cyborgs, um den aggressiven Vorstoß von Spezies 8472 abzuwehren. Nun sucht die BORG-Königin Hilfe bei Jean-Luc Picard, denn erneut sind die BORG in eine parallele Dimension vorgestoßen und haben mit Spezies 1881 den Untergang aller Lebewesen ihres Universums heraufbeschworen.
STAR-TREK-Fans wird nicht zuviel verraten, wenn an dieser Stelle gesagt wird, dass neben dem beliebten Captain der Enterprise mit dem schütteren Haar auch die BORG-Königin und die Lieblings-Ex-BORG Seven-Of-Nine in der Geschichte mitspielen. Angesiedelt nach dem letzten Kinofilm der Picard-Crew sowie der Voyager-Serie und ein paar weiteren kleinen Veränderungen (Riker kommandiert inzwischen die TITAN) bricht in diesem neuen Sternenkrieg die Hölle los.
Brannon Braga, einer der kreativen Köpfe hinter dem modernen Auftakt des STAR-TREK-Universums mit TNG und später mit den Abenteuern der VOYAGER. Hier tritt er als Autor eines Comics in Erscheinung und er verarbeitet vieles, was auch tatsächlich auf der Kinoleinwand genauso funktioniert hätte. Stark im Mittelpunkt stehen hier Picard und Data, Seven-Of-Nine sowie die Borg-Königin, die sehr gut der Darstellung von Alice Krige nachempfunden wurde. Bei der optischen Ähnlichkeit trifft Zeichner Joe Corroney dank genügend existierendem Vorlagematerial die bekannten Figuren meistens auf den Punkt.
Picard, der sehr rationale Charakter, muss hier die Emotion die Leitung übernehmen lassen. Gleich zu Beginn verbindet er Hobby und Vergnügen, indem er mit einer alten Bekannten seinen Urlaub verbringt. Brannon Graga kennt seinen Picard, das STAR-TREK-Feeling stimmt optimal mit den charakterlichen Vorgaben aus Serien und Kinofilmen überein. Hier funktionieren die Szenen, auch mit den übrigen Figuren, zur Gänze, während Szenen im Weltraum ein wenig starr wirken, ihnen gerade in Action-Szenen etwas die Rasanz fehlt. Das ist aber auch das einzige Manko.
HIVE, eine Geschichte aus dem Universum der NEXT GENERATION, fügt sich gut in die Linie der filmischen Veröffentlichungen ein, lässt aber Entwicklungen aus den Romanen außer Acht. Brannon Braga hat das Abenteuer mit Insiderblick geschrieben, mit stetig ansteigender Spannungskurve. Das Grafikteam rund um Joe Corroney sorgt für technisch solide Optik und guten Wiedererkennungswert. 🙂
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Montag, 07. November 2016
Inspiriert von den Aufgaben des legendären Helden Herkules hat sich Cäsar einige Prüfungen einfallen lassen, die beweisen sollen, dass die unbesiegbaren Gallier keine Götter sind und somit auch die Angst nicht verdienen, die seine ansonsten allmächtigen Legionen vor ihnen haben. Doch wer soll die Prüfungen stellvertretend für das gesamte Dorf bestehen? Da gibt es natürlich nur zwei Krieger, die sich bisher immer bewährt haben: Asterix und Obelix! Na, und Idefix, der kleine weiße Hund mit dem Schnauzbart selbstverständlich auch.
ASTERIX EROBERT ROM. Vor 40 Jahren eroberte Asterix nicht nur Rom, sondern ebenfalls die Kinoleinwand. Mit diesem Projekt erfüllte sich ein Wunsch und ein Traum der beiden Erfinder von ASTERIX. Rene Goscinny und Albert Uderzo gründeten 1974 ein eigenes Trickfilmstudio und füllten so eine Lücke in der französischen Filmlandschaft. Namentlich genannter Zeichentrickfilm sollte ihre erste Produktion werden. Es war, und hier wurde der Geist der Comic-Alben sehr gut eingefangen, nicht nur ein Abenteuer für Kinder, sondern konnte gleichzeitig als Satire für die Erwachsenen verstanden werden. Denn die besagten Prüfungen sind zum Teil mit Anspielungen auf die modernen Zeiten gespickt.
Sport, Bürokratie, Feminismus. Klingt nach einer seltsamen Mischung, ist aber in den Prüfungen zu finden. Schneller, weiter, das sind Themen, die ASTERIX ebenso in ASTERIX BEI DEN OLYMPISCHEN SPIELEN begegneten. Hier geht es um mehr als nur ein Siegerkranz. ASTERIX läuft für sein Dorf, Obelix wirft für sein Dorf und damit sind eigentlich die einfachsten Prüfungen erledigt. Denn bald zeigt es sich, dass die wahren Tücken abseits des Sportplatzes warten. Die schönste Episode, besser gesagt, die schönste Prüfung ist die Suche nach einem Formular, dem berühmten Passierschein A38. Lange bevor es Begriffe wie Bürgerservice gab, rüttelt die Erfüllung dieser Aufgabe an den Nerven der beiden Helden. Das ist auch in der hier benutzten Form, der bebilderten Erzählung sehr lustig.
Der Leser darf bei dieser Sonderausgabe kein gewöhnliches Comic-Album erwarten. ASTERIX EROBERT ROM feiert das 40jährige Jubiläum des Films unter Verwendung von Zeichnungen, die seinerzeit für die Produktion des Films als Vorlagen entstanden und nun hier in einer neu kolorierten Fassung präsentiert werden. Gleichzeitig füllen diese Bilder Doppelseiten und geben dem Phänomen ASTERIX ein neues Gesicht, denn so großformatig hat der kleine Gallier eine besondere Anziehungskraft. Das ist eine ähnliche Machart wie im Band WIE OBELIX ALS KLEINES KIND IN DEN ZAUBERTRANK GEPLUMPST IST. Nur fielen die Zeichnungen dort etwas fragiler aus und besaßen mehr Leinwandcharakter, während der Leser hier eher von der ersten Reihe aus auf eine Bühne schaut.
Weil es eben keine Albenzeichnungen sind, ist der Strich hier dünner. Das Volumen wird durch die leichte, fein leuchtende Kolorierung gebildet. Der Farbauftrag wirkt natürlich. Jede Doppelseite zeigt einen wunderbaren Ausschnitt aus der ASTERIX-Welt und sind wie verkleinerte Poster anzuschauen. Und zu entdecken gibt es natürlich auch etwas. Umpah-Pah hat einen kleinen Gastauftritt und sogar die Herren Goscinny und Uderzo geben sich abschließend die Ehre. Das Vorwort gibt Aufschluss darüber wie eng die beiden Comic-Macher zusammen arbeiteten und wie toll sie als Kreativschaffende waren. ASTERIX EROBERT ROM, der Film wie auch dieses Jubiläumswerk, unterstreicht das doppelt und dreifach.
Sehr schön als Einstieg in die Welt des kleinen Galliers für die Kleinen zum Vorlesen. Für die Älteren ein schöner Rückblick, gelungenes Beiwerk zum Filmklassiker von 1976. Und ein feiner Einblick in die Arbeit von Albert Uderzo. 🙂
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Donnerstag, 27. Oktober 2016
Mit der 6. Episode unter dem Titel BEFREIUNG endet die Reihe über die BARRACUDA. Ein blutiges Finale, in dem Händler und Piraten gegen Spanier und Kirche aufbegehren. Und es ist noch mehr als das. Das Schicksal von Blackdog, dem eigentlichen Kapitän des Segelschiffes BARRACUDA, und seiner Hatz nach dem teuflischen Diamanten von Kashar wird besiegelt. Autor Jean Dufaux und Comic-Künstler Jeremy schließen die Mischung aus Piratenepos und Mystery ab, indem sie alles und jeden scheinbar noch einmal gegeneinander hetzen. Neben den Piraten Blackdog und seinem Sohn bittet auch der Rote Falke zum Tanz. (siehe Titelbild)
Die Spanier mit ihren Interessen in den Gewässern der Karibik sind nicht der einzige Dorn im Fleisch der Räuber zur See. Die Kirche hat ihre Vasallen geschickt und besonders einer von ihnen zeigt großes Interesse an einem magischen Stein, der seine Besitzer zumeist zugrunde richtet. Dennoch können selbst die, die sich bereits die Finger an dem blutroten Kleinod verbrannten, nicht von ihm lassen. Der DIAMANT VON KASHAR macht süchtig. Jean Dufaux ist einer der thematisch vielseitigsten Comic-Autoren. Auffallend bei ihm ist stets die tiefe Charakterbeschreibung, die er selbst noch den Nebenfiguren zukommen lässt.
Ein trauriges Schicksal ereilt zwangsläufig Flämmchen, die bislang durch ihre Kaltschnäuzigkeit und Schönheit auffiel und leider auch vom Makel einer Lepraerkrankung betroffen war. Andere Charaktere treffen einander wieder und Wiedersehensfreude wie auch Zwiste beenden schließlich einen langen Weg. Das ist von Jean Dufaux ebenso meisterlich wie unerbittlich seinen Figuren gegenüber geschildert. Die Zeiten, in denen Autoren allzu viel Mitleid mit ihren Charakteren hatten, sind lange vorüber. Es sei ihm zugute gehalten, dass Piraten ohnehin nicht sehr vom Mitleid angetrieben werden. Das Überleben zählt, nicht irgendwelche imaginären Werte, es sei denn, sie sind aus Gold. Der Rote Falke formuliert das Lebensgefühl eines Halunken zur See einmal sehr treffend: Die Ehre dient mir nur als Putzlumpen.
BARRACUDA bestach und besticht durch seine Bildsprache und seine Atmosphäre. Segelschiffe gleiten durch den Nebel. Innerhalb der Gefährte, in den Kajüten setzt rotes Licht einen verwunschenen Effekt. Treffen die Mannschaften in wilden Entergefechten aufeinander, beherrschen Kämpfe auf Leben und Tod die Bilder. Damit es nicht allzu ernst ist (das ist es meistens), hat Jean Dufaux mit dem Charakter Ferrango einen Tollpatsch wie aus einem Spaghettipiratenfilm eingefügt, den wirklich niemand als Anführer haben möchte. Mehr sei dazu nicht verraten.
Jeremy, der Comic-Künstler, der dieses Abenteuer so großartig illustriert hat, gelingen hervorragende Halunken und Halsabschneider. Seine Frauenfiguren, Pin-ups mit Ausstrahlung, und die Nebenfiguren wie der erwähnte Ferrango oder ein Bruder Esteban besitzen ein echtes Auftreten. Denn, um beim Beispiel zu bleiben, ein Ferrango ist nicht bloß auf idiotisches Verhalten reduziert. Er ist auch ein ziemlich skrupelloser Schweinehund. Jeremy vermag viele Facetten von Emotionen in die Mienen dieser Charaktere zu zeichnen.
Und das Ende, aber was für eines! Jean Dufaux und Jeremy verabschieden sich aus dieser Piratenwelt mit einem Paukenschlag. Grafisch eindrucksvoll, ohne Schonung des Lesers. Top! 🙂
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Links: Blog von Jeremy
Donnerstag, 20. Oktober 2016
Ein Streifzug mit den Bösewichten Entenhausens durch die Jahrzehnte, für Comic-Interessierte sogar durch die Entstehungsländer. Es gibt einen Wandel in den Zeiten, auch in den Figuren. Mit ENTENHAUSENS MOST WANTED wurde verlagsseitig ein Querschnitt der Auftritte der bekanntesten Gauner erstellt. Die Panzerknacker, Kater Karlo, Gundel Gaukeley und das Schwarze Phantom geben sich die Ehre.
Allen gemein ist ihr Einfallsreichtum und ihre Hartnäckigkeit, ihren jeweiligen Widersacher auszutricksen oder um eine ordentliche Summe zu erleichtern. Ganz vorne dabei in diesem Reigen sind natürlich Dagobert Duck und Micky Maus. Schwere Jungs und leichte Beute verspricht der Untertitel des vorliegenden Bandes. Das ist nur bedingt richtig, vergisst es doch einerseits das schwere Mädel und andererseits müssen die Gauner in diesem Band für ihren Misserfolg ordentlich schuften. Denn das Böse gewinnt in Entenhausen nie.
Mit den Panzerknackern durch dick und dünn, sogar durch die Jahrhunderte. Neben einem sehr frühen Auftritt der Beagle Boys, wie sie im Original heißen, darf der Leser die Gaunerbande in die Vergangenheit begleiten, als Dagobert Duck schon reich, aber sein Geldspeicher, so wird vermutet, lange noch nicht so mit findigen Abwehrmitteln gegen Halunken versehen war. Das Abenteuer Verbrechen in der Vergangenheit entpuppt sich kalauernder Raubzug für den Leser, denn mit einem derart raffgierigen Bertel wie hier haben die Panzerknacker einfach nicht gerechnet.
Die kurioseste hier vorliegende Erzählung erschien 1981 in Brasilien und hieß übersetzt Knäckar, der Schreckliche. Man stelle sich einen Panzerknacker vor, der sich zu Karneval als Asterix verkleidet. Hier ist klassischer Slapstick am Werk, eine Menge Parodie. Mit Ivan Saidenberg ist zwar der Autor der Geschichte bekannt, aber leider nicht der Zeichner. Eine gehörige Portion Humor und den Mut über den Tellerrand hin zu anderen Comic-Universen zu spinksen, haben beide besessen.
Der Abwechslung wegen löst Kater Karlo den Reigen der Schurken ab. Der Erzfeind von Micky Maus findet seine schönste Episode in diesem Band ausgerechnet in Ein Gauner auf Verbrecherjagd. Hier der Erzfeind zum Erzfreund, denn der kleine Detektiv, der ihm sonst im Nacken hängt, wird selbst zum Opfer einer Entführung und der einzige, der ihm helfen kann, ist Kater Karlo. Der Halunke, der durch das Zusammenspiel mit seiner Frau Trudi (als Motivatorin) sehr gewinnt, kann sich hier in einem extra langen Abenteuer als Sympathiefigur beweisen.
Gundel Gaukeley, Hexe mit Entenschnabel, verspricht sich einiges vom Einsatz von Bertels erstem Zehner als magischem Katalysator. Ihre Versuche sind beharrlich, wie es ein Klassiker von Carl Barks, die Geschichte Die Irrfahrten des Dagobert Duck vormacht. Ganz im Sinne einer Zauberin Circe verschlägt es die Ducks, Dagobert, Donald und die drei Neffen, in den Bann der Hexe, die auch gleich die magischen Tricks ihrer legendären Kollegin ausprobiert, Tierverwandlungen inklusive. Gelungen wie eine gute amerikanische Komödie und einer etwas überdrehten Entenfamilie.
Das schwarze Phantom ist sicherlich ein gruseliger Vertreter seiner Zunft. Im Gegensatz zu den anderen Verbrechercharakteren ist seine wahre Identität etwas ungewiss, wie der redaktionelle Teil des Bandes aufklärt. Seine Auftritte hingegen sind aberwitzig, mit weiteren Gaststars versehen und zünden in solchen Momenten besonders stark. Ein schwarzes Phantom, dass sich mit einer weiteren Hexe des Disney-Universums (neben Gundel Gaukeley) verbündet, nämlich Madame Mim, lässt einen andauernd schmunzeln.
Aber das interessanteste Abenteuer mit dem Phantom ist sicherlich, in Anlehnung an einen Roman von Stephen King (SIE), Wo ist Micky Maus?. Das Schwarze Phantom entführt Micky Maus. Dieser ist inzwischen ein bekannter Bestseller-Autor. Nur kommt in seinen Romanen der Bösewicht, hier das Schwarze Ekel genannt, nie gut weg. Micky soll das endlich ändern.
Ein praller Überblick für alle Freunde der Gauner und Ganoven in Entenhausen. Der Sonderband verdeutlicht ihren starken Stellenwert, ihre verdiente Langlebigkeit sowie, auch das, ihre sympathischen Seiten. Klasse! 🙂
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