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Comic Blog


Mittwoch, 02. November 2011

Assassins Creed 1 - Desmond

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 18:32

Assassins Creed 1 - DesmondAquilus reitet langsam zum römischen Lager. Zwar erklärt er, eine Nachricht für General Gracchus zu haben, doch so recht glauben, will ihm niemand. Der Assassine wird dennoch zum römischen Heerführer vorgelassen. Die Bewachung ist streng, Schwerter sind direkt auf seinen Kopf gerichtet. Der General hat sich seine eigene Meinung zu dem Mann gebildet, der sich kühl und beherrscht gibt und nicht zu begreifen scheint, in welcher Gefahr er sich befindet. Im nächsten Augenblick spielt die Situation keine Rolle mehr. Ein roter Vorhang zieht sich zu. Ein Mann kehrt in die Gegenwart zurück. Diese Szene ereignete sich in ferner Vergangenheit und ist bloß noch eine Erinnerung. Wenn auch eine von großer Intensität.

Mr. Niles, der Mann, dem es gelingt, mit seinen Erinnerungen derartig weit abzuschweifen, liegt im Dämmerzustand auf einer unbequemen Unterlage und hört nicht, wie sich einige Menschen um seine körperliche Zukunft Gedanken machen. Kurz: Ob sie ihn noch brauchen können oder besser entsorgen und sich ein neues, besseres Versuchsobjekt suchen. Das Leben von Mr. Niles hängt am seidenen Faden und diesmal ist es keine Erinnerung.

Menschen mit Verbindung zur Vergangenheit: Ihr Wissen ist kostbar, nur haben sie selbst nichts davon. Desmond Niles ist ohne es zu wollen in einen zwischen Templern und Assassinen hineingeraten. Die Auseinandersetzung spielt sich seit Jahrhunderten hinter den Kulissen der gesellschaftlichen Ereignisse ab. Der Reiz der Geschichte entsteht durch den Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Im Labor wird Desmond stets aufs Neue in die Vergangenheit geschickt, nicht einmal nur in eine Epoche, nein, gleich in mehrere und an wechselnde Orte. Auf den ersten Blick mag das ein wenig verwirrend sein, da Eric Corbeyran, der Autor, nur zögerlich das Geheimnis um die Zeitsprünge lüftet.

Die Assassinen: Desmond, der zwar in der Gegenwart als Barkeeper arbeitet, gehört dennoch dieser uralten Sekte an. Die Erinnerungen, die hier abgerufen werden, sind spektakulär, sicherlich auch modern gezeigt, wie es sich für die Darstellung von Action heutzutage gehört, aber sie sind bei weitem nicht so überbordend, wie es sich ebenfalls eingebürgert hat. So findet das Auge in den feinen Zeichnungen von Djillali Defali genügend Halt, auch um den Gesamteindruck gebührend zu genießen.

Der Strich von Djillali Defali trägt einer modernen Optik Rechnung, ist sehr realistisch und hätte auch in Zusammenarbeit mit bekannteren Thriller-Autoren wie Christophe Bec (Prometheus) eingesetzt werden können. Die Hintergründe in der Gegenwartsdarstellung sind sparsamer gezeichnet. Kühle Architektur lässt Raum für die Intrigen im Vordergrund. Wärmer werden die Bilder in der Bar, in der nächtlichen Stadt, aber auch besonders in der Vergangenheit, die durch Farbe und Ausstattung jeweils eine sehr schöne und intensive Atmosphäre verströmen.

Obwohl ein Spiel die Vorlage des Comics bildet, ist keinerlei Kenntnis desselben notwendig. Nach und nach erschließt sich ein Geheimnis in diesem ersten Band einer Trilogie, aber nicht vollends, denn durch die rückwärts gerichteten Zeitsprünge erweitern die neuen Informationen das Rätsel noch. Wer es mystisch, mysteriös und mit einer ordentlichen Portion Action sowie einer Prise Science Fiction versehen mag, der sollte einen Blick in diese toll illustrierte Geschichte werfen. :-)

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Donnerstag, 27. Oktober 2011

THE WALKING DEAD 14 - In der Falle

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 18:36

THE WALKING DEAD 14 - In der FalleDouglas hat den Glauben an sich verloren, an seine Idee eines Neuanfangs. Die abgeschottete Sicherheit hat nicht funktioniert. Die Gefahr kam von innen. Seine Frau ist tot. Douglas ist froh, dass es wenigstens einen Rick Grimes gibt, dem es gelingt, die Menschen um sich herum zu motivieren und anzuleiten. Douglas selbst will nicht mehr. Die Stimmung innerhalb der Gemeinschaft ist nach den Vorfällen der letzten Zeit allgemein nicht gut. Es fehlt an Hoffnung. Kleine Erfolge sind nicht in Sicht. Und die allseits vermittelte Sicherheit, das zeigt sich allzu bald, ist trügerisch. Die Zäune wurden zwar mit viel Elan errichtet, doch dafür wurde umso weniger Sachkenntnis angewendet. Und die Untoten warten bloß auf ihre Gelegenheit.

Robert Kirkman räumt auf! Nicht auf Anfang, aber auch nicht auf Los! Robert Kirkman, der Autor von THE WALKING DEAD schließt wieder eine Runde ab. Die Helden, die der Leser bisher verfolgen durfte, kamen zuletzt in einer kleinen Siedlung an. Strikt abgeschirmt von außen, war es für die Neulinge in dieser Gruppe eine große Umstellung. Das Leben sollte auf einmal friedlich sein (war es natürlich nicht), es sollte Normalität einziehen (auf eine gewisse Art tat es das), doch so richtig konnte die alte Welt nicht mehr beschworen werden. Zu viel war geschehen. Die Neulinge in der Siedlung unterlagen einer ständigen Nervosität, hervorgerufen durch ein lang erlerntes (und berechtigtes) Misstrauen.

Nun ist es also wieder so weit! Nach einigen Menscheleien, auch Schwierigkeiten aus der alten Welt, denen man nun nicht mehr mit alten Verfahrensweisen begegnen kann, melden sich die Monster der neuen Welt mit alle Gewalt zurück. Die kleine Siedlung wird von Robert Kirkman an den Rand des Untergangs getrieben. Eine Autorenaufgabe ist der sorgsame Aufbau von Charakteren und die anschließende, meist versuchte Vernichtung derselben. Die Figuren, allen voran Rick Grimes, der ehemalige Polizist, oder Michonne, die Frau mit dem Samuraischwert, wehren sich inzwischen gegen ihren Untergang. Aber Kirkman wäre nicht Kirkman, würde den Leser nicht bis zum Schluss darüber im Unklaren lassen, ob es ein hoffnungsvolles Ende gibt oder eben nicht.

Charlie Adlard kann den Zusammenbruch nach einer relativ kurzen Einleitung starten. Nicht nur die Untoten, sondern auch der ganz normale Jahresablauf fordert seinen Tribut. Der Winter steht vor der Tür. Schneeflocken fallen. In der mittlerweile versierten Schwarzweiß-Optik entspinnen sich einige menschliche Dramen, die durch ihre Erzählung nicht weniger spannend sind als das Aufeinanderprallen von Menschen und Untoten in den letzten beiden Dritteln des vorliegenden 14. Bandes.

Adlard legt den Schwerpunkt der Arbeit auf die Charaktere. Hintergründe spielen hierbei eine untergeordnete Rolle. Innerhalb von Räumen wirken Schatten, geben ein wenig Tiefe. Ein Möbelstück sorgt für Räumlichkeit. Außen sind es nur wenige Details, die helfen, eine Perspektive aufzubauen. Der Leser gewinnt sehr schnell den Eindruck, überall nahebei zu sein. Frontal, seitlich, von schräg oben oder auch aus einem versteckten Blickwinkel, der dem Leser suggeriert, er sei heimlich dabei. Inmitten der Kämpfe gibt es häufiger einen gnädigen Abstand auf das ebenso gnädige Schwarzweiß.

Das Aussehen der Untoten, eigentlich einmal ein Blickmagnet, gerät deutlich in den Hintergrund. Die Blicke der Akteure sind viel wichtiger geworden. Sie haben Angst, sie treffen Entscheidungen, auch unbarmherzige. Das ist szenisch packend, rasant und messerscharf eingefangen. Manche Sequenzen sind ein Atemanhalter. Einzig die Texte, wenn auch gering gesetzt in solchen Momenten, bremsen das Umblättern aus. Am Ende geht es um Alles oder Nichts. Die Bildfolge insgesamt wäre auch als Stummfilm lesbar (und verständlich).

Und wieder ist alles offen: Robert Kirkman hat den Trick hinbekommen, jedes Ende völlig lose im Raum stehen zu lassen. Sich auszumalen, wie es weitergeht, ist unmöglich. Nachdem wieder ein Handlungsstrang besiegelt scheint, kann der Leser nur auf den nächsten Band warten, um zu sehen, die Überlebenden den Winter überstehen werden. Eine geniale 14. Episode, aber nichts für Leser, die mit dem Horror-Genre nichts anfangen können. :-)

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Mittwoch, 26. Oktober 2011

Schmetterlingsnetzwerk 2 - Herr Mond

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 10:46

Schmetterlingsnetzwerk 2 - Herr MondEustache und Mücke haben überlebt. Wie hoch der Glücksfaktor dieses Entkommens war, zeigt sich bei ihrer Flucht und dem anschließenden Versteckspiel. Der Feind scheint seine Augen und Ohren überall zu haben. Ihr Überleben kann nur gelingen, falls sie die Stadt verlassen können. Je besser die finanzielle Lage für solch eine Flucht ist, umso besser ist es auch. Nur haben Eustache und Mücke dieses Geld nicht. Wie gut, dass sie Diebe sind. Und genau das ist ihr Problem, denn gegen die Brutalität und Skrupellosigkeit ihrer Gegner haben sie keine Chance. Zunächst jedenfalls.

Der zweite Teil von Schmetterlingsnetzwerk lebt von einer noch besseren Darstellung seiner Charaktere. Die beiden Diebe Eustache und Mücke sowie die Prostituierte Zibeline sind sehr unterschiedliche Figuren. Sie sind keineswegs eine eingeschworene Gemeinschaft. Liebe wird nicht erwidert, noch scheint Dankbarkeit ein Grund für Zuneigung zu sein. Für Mücke ist die fremde Frau einfach nur ein Störfaktor. Der lange Dieb (Eustache) und der zwergwüchsige Dieb (Mücke) besitzen außerdem eine vollkommen andere Gefühlslage. Besticht Eustache noch durch einen gewissen Optimismus, hat Mücke sich eher mehr als weniger dem Schwermut (zuweilen auch dem Alkohol) ergeben.

Eric Corbeyran und Cecil teilen sich die Autorenschaft an dieser Reihe, die in eine Zeit entführt, die optisch vor dem Ersten Weltkrieg angesiedelt ist. Kleine Nachrichtenplakate künden außerdem von einem drohenden Grenzkrieg. Die Stadt mit ihrem güldenen Licht ist der heimliche Nebendarsteller. Immer glänzt sie metallen, erstrahlt kupferfarben, wie die kleine Schwester von Metropolis, kein urbaner Dschungel, mehr ein Schloss mit tausend Schlössern. Diese Umgebung verheißt eine gewisse Magie. Doch so schön sie ausschaut, so lauert doch hinter diesen prächtigen Kulissen etwas sehr, sehr Böses.

Eric Corbeyran und Cecil haben ihre Helden in einen Kriminalfall geschickt, der sie mit der Herstellung von Snuff-Videos in Verbindung kommen ließ, will man die moderne Bezeichnung dieser düsteren Legende nutzen, da hier natürlich noch die guten alten Filmrollen zum Einsatz kommen (noch dazu als Stummfilm). Im Ergebnis bleibt es jedoch das Gleiche: Zur Unterhaltung zahlender Kunden wird Folter und Mord an Frauen auf Film gebannt. Es ist eine Welt, die in ihrer Düsternis auch einem Autoren wie James Ellroy eingefallen sein könnte. In dieser Welt existiert keine weiße Weste, auch bei der Polizei nicht.

In dieser Welt, die gegen den Strich dieser Düsternis gestaltet ist, die optisch mehr die Heiterkeit eines Verneschen Abenteuers besitzt, existieren nur wenige Lichtblicke, die meist durch Aufopferung zustande kommen. Mitgefühl und Beistand sind noch nicht tot. Aber sie sind schwer zu finden, denn wer andere beschützt, riskiert hier sein Leben. Diese Aussage irritiert umso mehr, da die Figuren einen leichten Knuffigkeitsfaktor besitzen. Nicht nur der kleine Mücke, auch der Drahtzieher im Hintergrund strahlen diese Tendenz aus. DerBaron, der eigentliche Feind der beiden Diebe, könnte, hätte er weiße Haare, sogleich als Weihnachtsmann auftreten. Es ist dieses Sich-Entziehen gängiger Klischees, das bewusste Entgegenstellen unerwarteter Bilder, die die Spannung im zweiten Teil untermauern.

Sehr finster, noch spannender als der erste Teil mit zwei ausgezeichneten Hauptfiguren, einer ungewöhnlichen Freundschaft vor einer tollen Kulisse. Sehr gut. :-)

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Montag, 17. Oktober 2011

Der schreckliche Papst 2 - Julius II.

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 18:54

Der schreckliche Papst 2 - Julius II.Julius II. glaubt, Gott sei grausam. Rache ist der Beweggrund für eine Grausamkeit, die seiner Meinung nach der von Gott in nichts nachstehen soll. Der Geliebte des Papstes wurde getötet. Doch es war kein leichter Tod, noch war es einer, der zufällig geschah. Die Feinde des Papstes wollten einen der mächtigsten Männer in Europa treffen und ahnten nicht, welche Lawine sie damit lostraten und wie sehr sie den Mann auf den Throne Petri unterschätzten.

Andere Gegner agieren offener, mit Pfeil und Bogen, nicht mit gemeinen, hinterhältigen Meuchelmördern. Der Papst weiß, dass er nicht nur auf die politischen Mittel des Hofes, der Ränke und der Intrigen setzen kann. Auf dem Gebiet der Machtpolitik müssen alle Mittel ausgeschöpft werden. Dazu gehört es auch, Diplomaten ins Feld und zum Feind zu schicken. Doch der Botschafter war in früher Zeit ein undankbarer Beruf, da er von sehr kurzer Dauer sein konnte: Von sehr kurzer Dauer, wie die von Julius II. ausgeschickten Kardinäle bald feststellen müssen.

Wer das Verhältnis von Papst Julius II. und Michelangelo in diesem Band betrachtet und es mit der filmischen Umsetzung Inferno und Ekstase von 1965 mit Charlton Heston und Rex Harrison vergleicht, erkennt gleich, was Autor Alejandro Jodorowsky aus den beiden real existierenden Vorbildern gemacht hat: Der Papst Julius II. ist ein machtgieriges, brutales und sexbesessenes Monster, dem kaum noch Menschlichkeit anhaftet (wie übrigens sehr wenigen Charakteren in dieser Geschichte). Michelangelo ist zwar ein begnadeter Künstler, mutiert jedoch in Gegenwart des Papstes zu einem debilen Knecht, der vor Leidenschaft zum gealterten Julius II. kaum noch aus dem Bett kommt.

Jodorowsky schmeckt die Geschichte mit einer Prise Magie ab. Allerdings ist es auch eine Magie, die in jenen Tagen nicht unüblich war und so wird Julius II. durch einen Liebestrank verblendet und letztlich durch diesen zu mörderischer Rache getrieben. Der Papst ein Monster? Nimmt man Jodorowsky diese Figur ab, ist es nur ein Mann, der es auf den päpstlichen Thron geschafft hat und dem es gelungen ist, anderen mit ähnlichen Charaktereigenschaften zuvor zu kommen. Angeleitet von einem Machiavelli, der sich im Bordell über seine Erfolge auslässt, führt der Papst Kriege gegen Feinde, die sich von seinem Amt nicht blenden lassen.

Theo, der schon die historische Reihe Der thönerne Thron gestaltet, kann sich hier einmal mehr als Künstler für realistisch gezeichnete geschichtlicher Szenarien etablieren. Es erwacht eine Zeit zum Leben, die nur oberflächlich betrachtet schön war. Wer bei Michelangelo an die Sixtinische Kapelle denkt und eine Schlussfolgerung auf ein entsprechend schönes Szenario zieht, wird getäuscht. Hier geht es zu Sache: Brutal, sexuell, gemein und alptraumartig. Aber es ist auch überzogen. Theo arbeitet mit einem Szenaristen zusammen, der die Karikatur, das Überzeichnete, in seinen Geschichten liebt.

Julius II. führt seinen Untergebenen ihre Machtlosigkeit vor, indem er ein Päpstin krönen will, Michelangelo in aller Öffentlichkeit küsst. Den Leser selbst führen Jodorowsky und Theo vor, wenn sie die bekannte Szene von Gott und Adam an der Decke der Sixtinischen Kapelle durch Julius II. und Michelangelo im päpstlichen Bett nachbilden. Besonders katholische Leser sollten gar nicht erst in diesen Band schauen. Jodorowsky mag vielleicht Gott, die Kirche hingegen wird bei ihm zum Horrorkabinett. Theos Bilder hierzu sind einfach toll. Man mag das Motiv gering schätzen, die Technik ist jedoch großartig. Da der Künstler noch am Beginn seiner Karriere steht, wird von hoffentlich noch einiges zu sehen sein.

Theo gelingt das Kunststück, Gesichter zum Leben zu erwecken, die einem in Museen von den Gemälden alter Meister her anschauen. Solche Gestalten, die sich zum eigenen Ruhm portraitieren ließen, zeigen hier, wie sie ihren Reichtum erwarben (das gilt natürlich nicht für alle). Es liegt eine gewisse Degeneriertheit in diesen Charakterbildern. Seltsamerweise ist Julius II. von dieser äußerlichen Sichtbarkeit seiner Fehler ausgenommen. Seine Gestalt würde sich auch in einer Piratenmontur gut ausnehmen. Passender ist es denn auch die Form des Ritters, in der sich der Papst hier auch präsentiert und sich nicht scheut, in der vordersten Reihe anzutreten und zu kämpfen: Ohne Rücksicht auf sich selbst, auf andere sowieso. Bei aller Brutalität gibt es auch eine Komik, die an Monty Python erinnert, furchtbar eigentlich und doch legt es Jodorowsky darauf an, Lacher zu produzieren.

Jodorowsky nimmt kein Blatt vor den Mund. Stärker und härter noch als der heilige Schweinehund, brutal, zynisch, kurz ein Jodorowsky, der diese kirchliche Epoche mit wahrer Wonne zu einer Achterbahnfahrt der Perversion macht. Das ist hoch spannend und dank Theo vorzüglich gezeichnet. :-)

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Donnerstag, 13. Oktober 2011

DEDE 2 - Verlieren Sie nicht den Kopf

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 19:21

DEDE 2 - Verlieren Sie nicht den KopfDie winzige Stadt hat nicht viel zu bieten. Sie strahlt eine urzeitliche Gemütlichkeit aus. Industrie gibt es keine. Die Menschen hier, wollen sie etwas Geld verdienen, dann woanders oder sie verlassen sich auf die Touristen, die immer häufiger ausbleiben: Wegen der Leichenteile. Dede verschlägt es in diesen kleinen Ort. Ein Polizist namens Seivert hat ihn angefordert. Die richtige, großstädtische Polizei hat noch keine Zeit für diesen Fall. Deshalb hat Seivert auf eigene Faust einen Ermittler beschafft. Vielleicht kann Detektiv Deschamps, kurz Dede, Licht ins Dunkel bringen oder besser: Aus vielen Teilen ein Ganzes machen.

Seivert begrüßt den Detektiven zunächst ruppig. Ein Blick ins Eisfach zeigt Dede, dass dieser Fall alles andere als einfach werden wird. Die Leichenteile wurden nicht nur abgetrennt, der Mörder hat sie auch mit merkwürdigen Symbolen versehen. Dede beginnt mit seinen Ermittlungen. Das Geld stimmt und nach eigenem Bekunden würde er dafür sogar Jack the Ripper aufspüren. Dede würde sich selbst niemals eingestehen, dass in der Nacht, inmitten der kleinen Gassen, auf der Suche nach einem Täter, der seine Opfer zerstückelt, seine Nerven blank liegen. Und so genügt schon eine streunende Katze, um ihm einen gehörigen Schrecken einzujagen.

Zweiter Fall: Ab in die Provinz, wo die Sonne lacht. Der von Frank Erik Weißmüller, kurz Erik, geschaffene Detektiv Deschamps, kurz Dede, ist wieder da. Dieser Fall ist furchtbarer als sein erster, der ihn auf die Spur von gemeuchelten alten Damen brachte. Hier lässt sich zunächst nicht einmal bestimmen, wer das Opfer ist. Ob es gar mehrere sind? Mann oder Frau? Die Ortschaft, ein von einer hohen Mauer umgebenes Dorf, auf einer Klippe stehend, mit nur einem Zugang, ist ein perfekter Platz für ein Verbrechen. Derart isoliert liefert sie Raum für die gute alte Ermittlungsarbeit, bei der die Leute noch selbstständig befragt werden müssen und nicht jeder gleich freundlich auf einen unbequemen Ermittler von außerhalb reagiert.

Erik zeichnet seine Bilder streng mit Tuschestift nach, sehr architektonisch, Figuren wirken exakt aufgeteilt. Der Stil ist eigen, wiedererkennbar auf den ersten Blick, auch karikierend. Schattierungen werden meist nur in einer Abstufung dargestellt und die jeweilige Form mit einer dünnen, abgerundeten Linie abgegrenzt. Insgesamt ist es ein kühler Zeichenstil, der durch die Farbgebung noch verstärkt wird. Warme Farben sucht man als Leser hier vergeblich.

Manche Charaktere werden mit großer Sorgfalt ins Rampenlicht gezogen. Der grantige Dorfpolizist Seivert, dessen Grinsen immer derart grimmig ist, als wolle er in der nächsten Sekunde zubeißen. Die Dorfverführerin, ihres Zeichens Immobilienmaklerin, die, von der Hitze des Tages getrieben im schwarzen Bikini und einem Hauch von Nichts herumläuft. Sie sind Stationen auf der Suche nach einem Mörder, mit dem sich Dede einen aberwitzigen Zweikampf liefert.

Die Figur des Dede selbst ist eine inzwischen gut gewachsene auch in sich ruhende Figur des jungen, aber auch leicht missmutigen Ermittlers, dem entgegen seines Alters niemand mehr etwas vormachen kann. Zwar spielt er hin und wieder den über die Maßen Bestürzten, wenn es darauf ankommt, behält er meist die Nerven und lässt sich nicht beirren, sehr zum Missfallen der Drahtzieher im Hintergrund.

Eine gelungene und stimmige zweite Episode um Dede, den es diesmal in die Provinz verschlägt und in mörderisches Komplott: Ein mysteriöser Kriminalfall, mit einer gesunden Portion schwarzen Humors erzählt. :-)

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Mittwoch, 12. Oktober 2011

Rubine 11 - Klassenfoto

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 16:28

Rubine 11 - KlassenfotoAffären können böse enden. Frauen lassen sich mit mächtigen Männern ein, in der Hoffnung, die nächste Ehefrau zu werden. Manche greifen zu bösen Tricks oder auch wenig durchdachten Tricks, denn nicht jeder mächtige Mann wird für ein uneheliches Kind hinter den Kulissen bezahlen. Manche wollen es erst gar nicht so weit kommen lassen. Laureen hat die falschen Worte gewählt, als sie ihrem Liebhaber bedeutet, ein wenig schwanger zu sein. Jemand, der es in den Vereinigten Staaten in der Politik zu etwas bringen will, braucht eine nach außen hin weiße Weste. Ein uneheliches Kind, so neuzeitlich dies auch ist, kann eine Politikerkarriere beenden, noch bevor sie begonnen hat.

Beweise: Mit der Einführung von Videoaufnahmen für jedermann, leichter zu handhaben als Super-8 und mit schnelleren Ergebnissen, erhöhte sich nicht nur die Masse des gespeicherten Bildmaterials. Es erhöhte sich auch die Anzahl von gespeicherten Erinnerungen, für die es in früheren Jahren Zeugen gebraucht hätte. Inzwischen genügt ein kleiner Filmschnipsel, um eine Erpressung möglich zu machen. Nicht alle Jugendtage sind unschuldig und so wird aus einem Klassenausflug ein Drama, das sehr bald eine Brücke in die Gegenwart schlägt und dort noch mehr Unheil heraufbeschwört.

Cartoony gezeichnet, ernsthaft erzählt. Im Stile amerikanischer Krimiserien bereitet das hier vertretene Comic-Team für RUBINE einen Fall vor, der es in sich hat. Die Hauptfigur der Reihe, Rubine, eine erfahrene Polizistin aus Chicago, kommt zunächst eher beiläufig ins Spiel. Im Gegensatz zu den Gaunern und Ganoven, die das Dunkel und das Zwielicht suchen, steht sie zu Beginn im Rampenlicht und wird in einer Dokumentarreihe des amerikanischen Fernsehens im Einsatz gezeigt. Hier wird von Mythic und Francois Walthery die Medienlandschaft gehörig durch den Kakao gezogen. Wenn Rubine und ihre Kollegin den Einsatz wiederholen müssen (mit Einverständnis des Festgenommenen, versteht sich), weil nicht alles richtig im Kasten war, dann ist selbst die gute alte Polizeiarbeit auf einem Tiefpunkt angelangt.

Aber Rubine hatte es schon immer mehr mit Mord: Und davon gibt es bald mehr als genug. Ein Klassenfoto zeigt eine heiße Spur auf. Ein paar der abgebildeten Schüler sind bereits tot. Vier von ihnen starben innerhalb von zwei Wochen und der Mörder ist noch lange nicht fertig. strong>Mythic und Francois Walthery lassen den Leser schmoren, der hier sehr viel mehr weiß, als Rubine, die noch die Hinweise sortiert und erst langsam Fahrt aufnimmt. Dafür verfolgt der Leser einen Mörder, der mit seiner Kaltblütigkeit in dieser grafischen Form seinesgleichen sucht.

Denn Bruno di Sano zeichnet im Stile des Cartoons. Beispiele wie Inspektor Canardo oder Natascha zeigen ähnliche Mischungen aus Ernsthaftigkeit und Komik, obwohl Di Sano hier wenig, sehr Platz für komische Darstellungen hat. Seine Konstruktionen von Charakteren sind einfach gehalten, aber stets in der Hauptsache individuell und sofort wieder erkennbar. Da es sich stellenweise um beinharte Kriminalfälle handelt, sind auch Geschichten, die Platz brauchen. Di Sano kann nicht experimentieren. Er muss seine Bilder unterbringen. Rollt die Handlung erst einmal ist ein Mord in zwei bis drei Seiten erzählt. Die Einleitung, beides tragische Geschichten für sich genommen, nehmen deutlich mehr Raum ein und tragen sehr zur Atmosphäre bei.

Ein Auftakt: Mythic und Francois Walthery lassen sich ordentlich Zeit, um diesen Fall zu entwickeln. Gleichzeitig ist es eine äußerst harte Nuss für Rubine, die es mit einem der kaltblütigsten Killer dieser Reihe zu tun bekommt. :-)

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Sonntag, 18. September 2011

HOT ROCK

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 19:41

HOT ROCK1969. John Dortmunder ist kein Aufgeber. Aber er ist auch kein Gauner, der mit besonders viel Glück gesegnet wurde. Obwohl gerade diese Eigenschaft für einen Ganoven existentiell sein kann, hält John Dortmunder doch nichts davon, an Haustüren Lexika zu verkaufen. Sein alter Kumpel Kelp, der ihn nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis abpasst, hat da einen viel besseren Job für ihn. Einen, der viel Kohle einbringt, Fingerspitzengefühl erfordert, also genau der richtige Job für einen John Dortmunder.

Ein kleines afrikanisches Land möchte einen Smaragden zurück, den sich ein anderes kleines afrikanisches Land angeeignet hat. Das Schmuckstück ist nun in einer Ausstellung in New York zu sehen. Wachen, Panzerglas, strengste Sicherheitsvorkehrungen und Alarmanlagen sollen Dortmunder und seine Kumpane Kelp, Chefwick, Murch und Greenwood nicht daran hindern sich das gute Stück für ihren Auftraggeber unter den Nagel zu reißen. Eigentlich sollte alles wie am Schnürchen klappen. Eigentlich. Aber, wie bereits gesagt: John Dortmunder ist nicht gerade vom Glück verfolgt.

Donald Westlake schuf mit seiner Figur des John Dortmunder einen Ganoven, geradlinig, zielstrebig und mit einem gewissen humoristischen Potential behaftet. Wenn ein Job nicht nur einmal, sondern gleich mehrmals daneben geht, wenn die Bande zwar alles daran setzt, den Auftrag auszuführen, mit immer neuen Mitteln und dennoch kein Bein auf den Boden bekommt in dieser Angelegenheit, dann hat es der Leser (und seinerzeit auch Zuschauer) mit einer handfesten Gaunerkomödie zu tun.

Westlakes John Dortmunder, der schon von Robert Redford auf der Leinwand verkörpert wurde, ist in der Comic-Version von Lax ein schlanker, hoch aufgeschossener Kerl, Raucher, dunkelhaarig, jugendlich wirkend, dessen Gesicht aber auch verknittert sein kann, wenn mal wieder alles gründlich daneben geht. Ähnlich individuell, wie er den Dortmunder gestaltet, ist auch der Rest der Bande. Lax verwendet eine Art Maltechnik, die schnell aufgetragen scheint, den Moment präzise und die Gefühle auf den Gesichtern der Charaktere sehr genau einfängt. Ein wenig ist diese Mischtechnik aus Skizze, Buntstift, Bleistift, lasierendem und deckendem Farbauftrag auch an Gerichtsbilder angelehnt.

New York wird als städtischer Nebendarsteller immer gerne genommen. Lax legt besonderen Wert auf die amerikanischen Automobile jener Tage, Schiffe auf den Straßen, prall, wuchtig. Als kleine Hommage an Edward Hoppers Bild Nighthawks darf natürlich auch der Blick auf ein Eck-Diner nicht fehlen.

Hot Rock funktioniert nicht nur wegen der vortrefflichen Charaktere, die vorbildhaft sind und von Westlake sehr ernst angelegt wurden. Hot Rock funktioniert aus heutiger Sicht auch als Rückblick in eine Zeit, in der Planungen für einen Coup penibel abliefen, aber ohne heutige technische Möglichkeiten auskommen mussten, das Ausbaldowern noch eine echte Herausforderung war. Westlake etabliert einen Running Gag mittels des eher geizigen Auftraggebers und lässt sich für die verschiedenen Gaunereinsätze einiges einfallen. So wird ein Cobra Shelby als Fluchtwagen eingesetzt. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Eine feine Mischung aus Action und Gaunerkomödie, ausdrucksstark und passend zur Geschichte gezeichnet, mit einem dokumentarischen Blick. Für Freunde guter Krimis, mit ein wenig historischem Flair, genau das Richtige. :-)

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Oder bei Schreiber und Leser.

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Mittwoch, 31. August 2011

NERO

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 17:01

NEROEin Wort zuviel: Mit einem Wort unterschreibt der Mann sein Todesurteil. Eigentlich suchte er nur eine helfende Hand, mehr nicht. Der Tod ist die Endstation und wird zur Herausforderung an Giuliano Nero, der dem Täter dadurch sehr viel näher kommt. Bis zu diesem Fall trieb Nero dahin. Er hatte nichts zu tun. Er hatte keine Familie, keine Frau an seiner Seite. Sein Leben war leer. Aufregung versprach auch dieser neue Fall nicht, aber wenigstens Einnahmen. Und so machte sich Nero an die Arbeit, versiert, nicht ungeschickt, neugierig, auch hartnäckig. Und tatsächlich: Bald entstehen neue Spuren, die nicht existieren dürften, hätte die Polizei wirklich den richtigen Mörder gefasst.

Wie tief sollte ein Ermittler in die Psyche eines Serienmörders blicken? Wann beugt er sich zu sehr über den Abgrund und fällt selbst hinein? Der von Alex Crippa erschaffene Ermittler Giuliano Nero ist auf der Spur eines Mannes, der eine seltsame Obsession zur Vermeidung von Trauer entwickelt hat. Es besteht keine Beziehung zwischen den Mordopfern. Gemeinsamkeiten sind keinerlei zu entdecken. Nur im Tod weisen sie eine Ähnlichkeit auf. Nachdem der Mörder sie getötet hat, wird die entstandene Wunde fein säuberlich vernäht.

Nero beschäftigt sich als Detektiv zunächst mit einem Fall, der für die Polizei gar keiner mehr ist, denn die hat bereits einen Verdächtigen festgenommen und ist von dessen Schuld überzeugt. Der Leser hingegen weiß bereits von der ersten Seite an, dass die Polizei auf dem sprichwörtlichen Holzweg tappt, da er dem Ermittler Nero nach zwei Seite in der Gegenwart nun in der Vergangenheit folgt. Italien hat sich als Krimiland auch bei uns etabliert, doch sind dort ausgewählte Schauplätze im Comic eher selten anzutreffen.

Alex Crippa schließt diese Lücke eine Geschichte lang (Das fünfte Opfer), bevor er Nero in ein weitaus ungewöhnlicheres Krimiland schickt: Russland. Der Wechsel vom beschaulichen, aber sehr verregneten Italien ins finster verschneite Russland ist einer der sehr atmosphärischen Aspekte im vorliegenden Sammelband, der die Trilogie über den Privatdetektiven Nero vereinigt. Neros Problem: Er findet immer besseren Zugang zu der Bestie, die er verfolgt. Mosaikartig setzt er Hinweis auf Hinweis zusammen und kommt so dem Mörder immer näher. Bis er ihn findet und die erste Geschichte mit einem gemeinen Cliffhanger endet. In dieser Erscheinungsform mag der Leser diese Erzähltechnik verzeihen.

Der geschilderte Mörder ist nicht so ungewöhnlich wie ein Hannibal Lector, die Umstände indes sind es schon. Nero ermittelt weitgehend allein (bis auf einige kleinere Hilfestellungen) und bedient sich eines Buches, geschrieben von einem Kriminologen, dessen Theorien Nero ein gutes Stück weiter bringen: Archangelsk. So lautet der schon Unheil verkündende Titel der zweiten Episode. In Nero ist es düster geworden. Die Bilder sind ein Ausdruck dieser psychischen Fehlentwicklung. War der Fall im ersten Teil ein Fall, so wird er im zweiten Teil zur Besessenheit.

Crippa legt viel Wert auf seine Figur, deren charakterlichen und seelischen Absturz der Leser nur gebannt verfolgen kann. Andrea Mutti zeichnet einen Nero zeichnet einen jüngeren Mann, der sich mittels eines Kinnbarts älter macht. Nero ist ein Ermittler, der raucht, trinkt und auf seine Kleidung nicht viel wert legt. Doch im ersten Teil wirkt er noch schlank und frisch, während er im zweiten Teil zusehends verfällt, nicht wortwörtlich natrlich. Der cremige Farbstrich von Angelo Bussacchini gibt Muttis Bildern (ich wollte es eigentlich nicht schreiben) einen fotorealistischen Effekt, als habe Mutti gestellte Fotos nachgezeichnet. Dieser Blick, möglichst echt, sorgt auch dafür, dass die Atmosphäre dichter, die Handlung noch packender ist.

Copy-Killer: Es gibt Fachbegriffe für Zustände, die sich dem Normalsterblichen entziehen. Ein Copy-Killer, ein Nachahmer von Mördern, indem er die Untaten kopiert, ist der nächste Gegner von Nero. Venedig als Schauplatz strahlt zunächst Wärme aus, bevor Nero das Szenario betritt und das Unwetter folgt. Nero ist mittendrin, aber längst nicht obenauf. Er ist zu einem Ermittler geworden, der durch seine Arbeit am Leben erhalten wird. Selbst Resignation scheint ihm noch zu viel zu sein. Das Team, Crippa, Mutti und Bussacchini, beendet seine Arbeit leider nach dem dritten Teil an Nero, der sich hier mit derart viel Tiefe etabliert hat, dass weitere Geschichten wünschenswert wären.

Ein gelungener Krimiband, spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Abseits der bekannten italienischen Ermittler aus Roman und Fernsehen ist dieser unkonventionelle Ermittler mehr amerikanisch als italienisch, mehr düster als romantisch. Mit Gespür für intensive Szenen erzählt und stark illustriert. :-)

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Sonntag, 28. August 2011

ECO WARRIORS - Orang-Utan 2

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 18:10

Eco Warriors - Orang-Utan 2Die junge Frau, Eva, ist allein im Dschungel. Wie sie von hier wieder zurückfindet, weiß sie nicht. Die Verletzung schmerzt und könnte sich entzünden. Moment! Vollkommen allein ist sie nicht. Die Orang-Utans um sie herum machen die junge Frau nervös. Die Affen halten sich zurück, sind friedlich und sie sind sogar mehr als das: Sie wollen helfen. Dieser Umstand wird von Eva jedoch völlig missverstanden. Sie scheucht die Tiere fort, um sich ihren Weg selbst zu suchen. Aber die Orang-Utans geben nicht auf. Bald sind sie wieder da und sie haben ihre eigene Methode, um Zuneigung bei der jungen Frau zu wecken.

Richard Marazano erzählt gegen den Strich. Dies zeigte sich bei Der Schimpansenkomplex, bei Absolute Zero und bei Eco Warriors scheint es nicht anders zu sein. Gegen den Strich bedeutet: Häufig folgen Autoren einmal festgelegten Regeln. Sie legen Spannungsbögen fest, bauen ihre Charaktere in erkennbaren Mustern auf und einiges mehr. Marazano bricht aus diesen Mustern aus, frei nach dem Motto: Das Leben folgt keinen Regeln. Er hat die beiden Hauptfiguren, Chris und Eva, getrennt. Chris muss Eva, die im Dschungel scheinbar verschollen ist, nun suchen und geht dafür einen Pakt ein, indem er die Eco Warriors, denen er entsagt hatte, zur Hilfe ruft.

Der Dschungel: Kriegsgebiet. Nicht nur die Natur ist dem Menschen gegenüber feindselig, der Mensch wird selbst zur Gefahr. Darüber hinaus haben im Dschungel Forschungen stattgefunden, die nicht an die Öffentlichkeit geraten sollen. Marazano, der gerne ein unheimliches oder auch rätselhaftes Element in seine Geschichten einfügt (das weder vom Leser noch von den Akteuren zunächst durchschaut wird), legt hier gleichzeitig die Grundlage für weitere Abenteuer. Zwar ist dieses Abenteuer mit zwei Bänden erzählt, doch es harrt bereits die nächste Mission, die in die Arktis führt.

Sieht man von den Meinungsverschiedenheiten (auch Freundschaften) unter den menschlichen Charakteren ab, bilden die Orang-Utans den heimlichen Anziehungspunkt der Handlung, nicht nur durch den Titel. Ihr Verhalten, mal verspielt, mal unabhängig, mal verzweifelt, rührt an und wird von Marazano geschickt eingebaut. Chris Lamquet, Zeichner und ausfhrender Kolorist in dieser Ausgabe, widmet sich gerade den Affen sehr hingebungsvoll, hängt doch gerade von den Grafiken dieser Tiere in vielen Szenen einiges ab. Wie der Anhang zeigt, hat er nicht nur die menschlichen Charaktere sorgfältig studiert.

Lamquet zeichnet hoch realistisch, beschränkt sich aber bei der Abbildung stets auf so wenige Striche wie möglich. Er liebt den Effekt der scheinbar durchgepausten Fotografie, die durch die Kolorierung an Volumen gewinnt und doch auch leicht abstrahiert wird. Durch einige grafische Tricks wie Geschwindigkeitsunschärfe, realistisch ausschauende Himmel, Spiegelungen und einiges mehr erzeugt Lamquet Bilder mit Tiefe und einem Ausdruck starker Lebendigkeit. Ein filmischer Eindruck ist offensichtlich gewünscht.

Wenn ich einem Affen eine Pistole in die Hand drücke und der Affe erschießt jemanden, dann ist nicht der Affe schuld. Eine der besonders ergreifenden Szenen soll hier nicht geschildert werden, damit der Leser sie unvoreingenommen erleben kann, aber sie gehört zu einer der besten Comic-Szenen seit langem (für mich) und unterstreicht auch die Ernsthaftigkeit der Geschichte.

Für mich eines der besten Abenteuer von Richard Marazano, das bislang in Deutschland erschienen ist. Hart am Realismus gezeichnet, sehr ausdrucksstark, gegen den Strich erzählt. Ein wenig Öko-Thriller, tragisch, packend, mit etwas Verschwörung und SciFi. Außerdem mit dem zweiten Band ist dieser Abschnitt erst einmal abgeschlossen. Das passt. :-)

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Montag, 22. August 2011

BLACKJACK 1 - Blue Bell

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 18:59

BLACKJACK 1 - Blue BellEin Kind sollte nicht alles sehen. Aber ein Kind will oft alles sehen. Der kleine Peanuts ärgert sich sehr. Immer ist derjenige, der Schmiere stehen soll: Bei Einbrüchen. Selbst wenn es etwas zu bestaunen gibt. Die Prostituierte hinter dem Fenster ist ebenfalls verärgert: Über ein paar halbwüchsige Spanner, die ihr möglicherweise durch ihr Gegaffe die Kundschaft madig machen. Aber Peanuts ist nicht nur maßlos neugierig. Er hat auch ein goldenes Herz. Eigentlich sollte er sich wegen des kaputten Fensters, entstanden durch eines ihrer Missgeschicke, keine Gedanken machen. Doch er ringt dazu durch, den Schaden wieder gut machen zu wollen. Ein folgenschwerer Fehler.

Wer nicht spielt, macht die Straßen unsicher. Selbst Kinder denken darüber nach, wie sie an Geld kommen können. Und sei es nur, damit sie für ein paar Münzen einen Blick auf eine Prostituierte werfen können. Es ist die Zeit, in der viele Arbeiter keine Arbeit haben, ihren Unmut im Alkohol ersäufen, der im Jahre 1929 viele Abnehmer findet. Wer nicht arbeitet, ist zuweilen ein Gangster und nicht zimperlich in der Wahl seiner Mittel. So verhält es sich auch mit Al Capone, der, wenn er schon nicht Tod noch Teufel fürchtet, so doch letztlich vor dem Finanzamt in die Knie geht, denn gegen die ist auch nichts mit Kanonen auszurichten. Doch wer sein Geld liebt, muss es verstecken. Diejenigen, denen der Notgroschen anzuvertrauen ist, gehören dem gleichen Club an und so landet das Geld bei Toto Moreno.

Steve Cuzor mag Amerika, die schwierigen Zeiten, in denen die Geschichten praktisch auf der Straße lagen. Bereits in O’Boys hat er bewiesen, wie gut er die Nuancen in der Beschreibung von Freundschaften beherrscht. In besagter Reihe lehnt er sich an die Geschichten über Tom Sawyer (von Mark Twain) an. Hier sind die Prohibition und das klassische Bandenwesen Grundlage des auf vier Bände angelegten Krimidramas. Ungewöhnlich allerdings: Kinder sind die Hauptakteure.

Aufzuwachsen ist nie leicht, doch in manchen Zeiten und an manchen Orten war es besonders schwierig, war der Schutz schlecht, die Versuchung groß. Für die Kids hier stellt sich bald nicht mehr die Frage, wie sie am besten an Geld kommen. Nachdem sie sich eher dilettantisch in Einbrüchen versucht haben, suchen sie den Kontakt mit einem der örtlichen Bandenchefs. Steve Cuzor schickt seine Helden geradewegs in eine Katastrophe hinein, von der anzunehmen war, dass sie stattfindet, nur das Wie ist eine Überraschung. Helden wie diese werden meist von ihren Erfindern durch die Hölle geschickt. Cuzor schickt sie noch etwas weiter.

Gleich an zwei Stellen finden sich wichtige Wendepunkte, die aus Kindern schnell ernsthafte Charaktere werden lässt. Der Schock wirkt unterschiedlich. Die einen suchen nach einem Ausweg, den anderen versagt jeglicher Lebenswillen. Cuzor inszeniert Drama, Krimi, Thriller, auch Tragödie in einer außerordentlich packenden Mischung. Cuzors Trick: Er zeichnet Visagen, im besten Sinne des Wortes.

Visagen: Humphrey Bogart, James Cagney, Edward G. Robinson, Mickey Rooney, Sydney Greenstreet und einige mehr. Allesamt kantige, gelebt wirkende, ausdrucksstarke Gesichter. Ähnlich wie es ein Jordi Bernet in seiner Serie Torpedo geschafft hat, so versieht auch Cuzor seine Figuren mit Visagen. Hier haben selbst die Kinder bereits derart viele erlebt und gesehen, so dass sie ihre Erfahrungen in ihren Gesichtern abzeichnen. Zusammen mit der Kulisse der Prohibitionszeit in den Vereinigten Staaten ergibt sich eine dichte Atmosphäre, die man als Leser richtig genießen kann.

Wer Gangsterepen mag, neueren oder älteren Datums, wird an der schönen Darstellung der 20er, 30er Jahre des letzten Jahrhunderts in den USA seine Freude machen. Mit der Jungenbande sind Steve Cuzor glänzende Sympathieträger gelungen, denen man als Leser wünscht, dass sie aus dem Schlamassel, in den sie sich befördert haben, auch möglichst wieder herauskommen. Klasse. :-)

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