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Comic Blog


Mittwoch, 25. März 2015

Perico

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 9:13

PericoAuf Kuba herrscht das Verbrechen, die Korruption. Das Land ist im Wandel. Ein paar Menschen wie Fidel Castro stellen sich dem Regime um Machthaber Bastita entgegen. Das Leben geht noch seinen gewohnten Gang in Havanna. Noch. Denn die Schlinge zieht sich langsam um jene zu, die nicht an einen Erfolg der Revolutionäre glauben. Bald schon lassen sich Batistas Soldaten von den unterlegenen Rebellen vorführen. Das organisierte Verbrechen sieht seine Möglichkeiten schwinden. Als eine größere Summe außer Landes in die Vereinigten Staaten gebracht werden soll, greifen andere zu und eine lange Jagd auf die Diebe beginnt.

Regis Hautiere schreibt über den Lebensabschnitt eines jungen Kubaners, der seine Gelegenheit ergreift. Der junge Mann namens Joaquin Lima handelt nicht gänzlich uneigennützig, sondern wird auch durch die Umstände in die Angelegenheit verwickelt, hinein getrieben. Familie und Liebe sind die anfänglichen Motivationen. Der daraus erwachsende Wunsch nach einem ganz anderen, einem neuen, in jedem Fall besseren Leben wird zur künftigen Triebfeder. Und je stärker diese drückt, desto eher ist Joaquin bereit, seine Chance mit allen Mitteln zu verteidigen.

Kann man glücklich sein, ohne es zu wissen? Es ist ein spannender Lebensabschnitt, voller Gefahren für das Leben, aber es kommt der Zeitpunkt, an dem sich Joaquin nicht nur darüber wundert, was das Leben mit ihm vorhat. Ausgerechnet seine Schutzbefohlene bringt ihm diese Idee nahe. Regis Hautiere liebt, nimmt man seine Publikationen in Augenschein, das Wandern zwischen verschiedensten Themen. Heraus stechen aber historische Themen, die es ihm besonders angetan haben. Hier hat er sich ganz der Schwarzen Serie verschrieben. Der Ausweg ist die Flucht nach vorn.

Die Hauptfigur Joaquin Lima bleibt seltsam ruhig und gefasst, überlegt, neigt nur selten zu Gefühlsausbrüchen. Welche Folgen unbedachtes Handeln haben kann, hat er am Tod des Bruders erfahren. Ihm gegenüber steht die weibliche Hauptfigur, nicht weniger jung als er, Elena (bzw. Livia), die ihre Benommenheit schnell ablegt und dann ihren Gefühlen folgt, gedankenlos oft, wie jemand, der etwas nachzuholen hat (was auch stimmt). Regis Hautiere lässt hier ein Duo aus Feuer und Wasser gemeinsam fliehen. Dem Leser ist binnen kurzem klar, dass eine solche Konstellation zwangsläufig furchtbare Konsequenzen haben muss. Aber das gehört zur Schwarzen Serie dazu, deren emotionale Grundhaltung Hautiere gekonnt einfängt.

Es schleicht sich nicht nur Mitgefühl für die Hauptfiguren ein. Auch das toll gesäte Misstrauen ist der Erzählkunst von Regis Hautiere zugute zu halten. Man schlägt sich schnell auf die Seite von Joaquin und möchte ihm bei mehrfacher Gelegenheit zurufen, diesem oder jenem Menschen nicht zu vertrauen, könnte dieser sich doch schon bald als Halunke entpuppen.

Philippe Berthet ist mit seiner klaren Linie, seinen wunderbar exakt gezeichneten Charakteren und Kulissen, spätestens seit Poison Ivy hierzulande bekannt. Sein Hang zu Pin-ups setzt sich auch in Perico fort. Mit der Figur der Livia liefert Berthet eine klassische Femme Fatale ab. So muss das Titelbild zunächst erschrecken, denn eine schöne Frau wird eigentlich nicht mit einer Blutfontäne in Verbindung gebracht. Und so tappt der Leser in die Femme-Fatale-Falle, die auch so manchem Gangsterdarsteller in der Schwarzen Serie zum Verhängnis wurde.

Eine düstere Geschichte, die mit sommerlicher Farbenfrohheit über die Ernsthaftigkeit und Dramatik kurz hinweg täuschen lässt. Gangsterballade und schöner Einblick in eine Wendezeit des letzten Jahrhunderts, gut vermischt mit einer ordentlichen Portion vergangenem Lebensgefühls. Berthet und Hautiere ist hier ein tiefgehender und erlebnisreicher Thriller-Comic gelungen. :-)

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Montag, 16. März 2015

RUBINE – Gesamtausgabe 1 – Zeugenjagd

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 17:48

RUBINE - Gesamtausgabe 1 - ZeugenjagdDie Frau von heute hat es schon schwer genug. Der Job als Polizistin macht es nicht leichter und einen Bruder zu haben, der sich in größten Schwierigkeiten bringen kann, erhöht den Druck um ein Vielfaches. Schwierigkeiten bedeutet nichts Geringeres, als um das eigene Leben fürchten zu müssen. Ganz nebenbei muss auch Rubine sich selbst aus der Schusslinie bringen. Und warum das Ganze? Rubines Bruder Jay ist ein Computerhacker, der auch ganz gerne mit seinen Erfolgen prahlt. Das mag kein direkter Fehler sein, es sei denn, man kokettiert vor der Fernsehkamera mit den Ergebnissen einer eher halbseidenen Erfolgsgeschichte. Denn kurz darauf haben sich Killer auf seine Spur geheftet.

Die drei Kriminalfälle Hackerjagd, Fenster zur Straße und Der zweite Zeuge bilden den Auftakt zum ersten Band der Gesamtausgabe von RUBINE. Die Comicreihe über die Polizistin mit der flammendroten Haarmähne aus Chicago gibt sich optisch cartoony, geht aber in Sachen kriminaler Aufklärung so hart zur Sache, wie es der Genre-Fan aus Serien wie Miami Vice oder den Straßen von San Francisco, vielleicht auch Die Lady mit dem Colt her kennt. Dabei besitzt die Action einen Belmondo-Charme und erinnert optisch an Stilistiken, wie sie andererseits der Comic-Fan von Serien wie Natascha her bekannt sein können.

Gleich die zweite Folge, Fenster zur Straße beginnt mit einem Attentatsversuch. Der Anschlag geht gründlich daneben. Fast fühlt man sich als Cineast an Komödien wie den Klassiker Die Filzlaus erinnert. Kaum ist diese schöne Sequenz vorüber, darf der Leser sich an der Seite von RUBINE auf vertrautem Gelände tummeln. Als Resultat setzt sich eine Kette von Ereignissen in Gang, an deren Ende eine Menge Fahrzeugschrott steht. In dieser Geschichte treffen sich Action und die bewährte Ermittlungsarbeit. RUBINE lässt es feinfühlig angehen, wie in Befragungen alter Damen, wird aber reaktionsschnell, wenn das eigene, oder, weitaus öfter, fremde Leben bedroht sind.

Was sich bereits im zweiten Abenteuer zeigte, setzt sich mit Folge 3, Der zweite Zeuge fort. Die Grafik wird feiner, was sicherlich nicht an den schönen Arbeitsskizzen im Vorfeld liegt (von denen sich der Leser auf den ersten beiden Seiten überzeugen kann). Mehr Feinheit bringt mehr Atmosphäre, mehr Lokalkolorit des amerikanischen Straßenbildes. Hierbei zeigt sich, dass Chicago, die einstige Heimstatt von Al Capone, mehr zu bieten hat, als nur finstere Straßenschluchten. An Rubines Seite geht es auch in die Vororte, die Gegenden der betuchteren Mitbürger, denn schließlich steht auch nichts weniger als die Überprüfung eines Ferraris auf dem Plan.

Schöne Frauen haben es auch nicht leicht. Besonders dann nicht, wenn Killer auf dergleichen Äußerlichkeiten keinerlei Wert legen und dies sogar mit Handgranaten unter Beweis stellen. Nachdem RUBINE in der zweiten Folge eher die Jägerin war, wird sie nun als Beschützerin zur Gejagten. Ihre Schutzbefohlene, nicht weniger gutaussehend, aber offensichtlich weitaus unerfahrener in kriminellen Angelegenheiten, stellt Rubine auf eine arge Geduldsprobe. Das ist auf langer Strecke wieder humorvoller als in der Geschichte zuvor. Im Finale verzichtet Mythic, der Autor, auf den Spaß und wird wieder todernst.

Schöne Krimis, gelungen amerikanisch, wie es der Genre-Fan bei dieser Lokalität erwarten darf, mit einer tough auftretenden modernen Polizistin, die es auch gerne mal mit Begeisterung krachen lässt, im wahrsten Sinne des Wortes. :-)

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Mittwoch, 21. Januar 2015

Jackie Kottwitz – Band 3

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 18:40

Jackie Kottwitz - Band 3Das kleine tuckernde Fahrzeug, nicht ganz Fahrrad, auch nicht Moped, brachte Jackie wie gewohnt ans gewünschte Ziel. Zeitweilig, wenn ein Auftrag auch Geld eingebracht hat, muss das Geld auch zur Bank gebracht werden. So selten solch ein Besuch auch ist, muss ausgerechnet in diesem Moment ein Überfall stattfinden. Die Verhaltensweisen in Gegenwart bewaffneter Räuber sind vergleichsweise einfach formuliert. Sollen sie doch das Geld haben, wenn einem dafür Leib und Leben unbeschadet bleiben. Leider gibt es immer wieder Bankangestellte, die sich wider jeder Vernunft als Helden hervortun wollen.

Jackie Kottwitz ist berechtigterweise entrüstet, allerdings wird er eines Besseren belehrt. Nun gilt es, noch Schlimmeres zu verhindern. Jackie wird zum Nachwuchshelden, als er dem Bankräuber hinterher eilt und gerät prompt mit der Polizei in Konflikt, die ihn für einen Mittäter hält. Es scheint wieder einmal einer jener Tage zu sein, in die Jackie so gerne wie in einen Fettnapf tritt … Und das ist erst der Anfang.

Jackie Kottwitz ist keiner der üblichen harten Knochen, wie sie ein Humphrey Bogart auf der Kinoleinwand vorlebte. Er ist aber auch kein Jean Gabin, der einem Maigret sein unverwechselbares Äußeres verlieh. Jackie Kottwitz ist eine Spürnase mit Feingefühl, könnte aber hin und wieder von den Fähigkeiten seiner beruflichen Verwandten gebrauchen. Denn ungefährlich sind die Fälle, die Jackie Kottwitz zu untersuchen hat, nicht. Obwohl er den Eindruck vermittelt, als würde er eher der Untreue von Ehebrechern nachspüren. Banküberfälle, vermisste Personen (ihn selbst eingeschlossen), Morde und Ganoven jeglicher Couleur gehören zu seinem Geschäft.

Nie völlig überrascht, nie ganz fassungslos. Eigentlich sieht er aus, als sei er nicht für diesen Job gemacht. Jackie Kottwitz ist jugendlich schlank und mit seinen runden Brillengläsern im ovalen Gesicht fehlte eigentlich nur eine gezackte Narbe auf der Stirn, wären seine Haare nicht feuerrot. Der Blick ist unschuldig und bleibt es auch nach allen Erlebnissen, die ihn mit den Abgründen menschlicher Leidenschaften konfrontieren. Alain Dodier (Zeichner), der die Serie zusammen mit den Erzählern Pierre Makyo und Serge Le Tendre ins Leben rief, hat einerseits einen optischen Antihelden geschaffen, andererseits ist ihm mit dem jungen Detektiven von nebenan ein sehr zeitloser Charakter gelungen, an dem die Jahrzehnte spurlos vorüber gehen.

Obwohl die in diesem dritten Sammelband vorliegenden Alben, Leichte Beute, Das Geheimnis in den Dünen und Vermisst, allesamt in den frühen 90er Jahren des letzten Jahrhunderts original erschienen, ist die Atmosphäre der Kriminalgeschichten eine andere. So gibt es in Leichte Beute Tendenzen zur Schwarzen Serie Hollywoods. Das Geheimnis in den Dünen könnte Freunden von Werken einer Daphne du Maurier gefallen. Und Vermisst ist durch die zentrale Rolle der Frauen, die sonst um Jackie Kottiwtz herum agieren, so modern, wie es gerade nur möglich ist.

Sind französische Gesichter interessanter? Keine ernst gemeinte Frage, allerdings haben gerade die Gesichter in den drei Kriminalgeschichten viel zu bieten und es wäre interessant zu erfahren, welchen reale Vorlagen zugrunde liegen. Die Darstellung der Familie in Das Geheimnis in den Dünen ist so differenziert, wie man es nur selten in Comics findet. Und das Ermittlertrio der drei sehr verschiedenen Damen in Vermisst könnte geradewegs nach einem guten Casting von der Kinoleinwand oder vom Fernsehschirm auf Papier gebannt worden sein können.

Jackie Kottwitz ist ein rundum sympathischer privater Ermittler, dessen gesamtes Umfeld so wunderbar ausgewogen und gelungen ist, wie man es sich eigentlich von jedweder Unterhaltung erwartet. Zeichner Alain Dodier gelingt hier ein wahres Kunststück und erreicht mit seinen Bildern eine genaue Balance zwischen Ernsthaftigkeit und teils heiterer kriminalistischer Tätigkeit. Sehr, sehr schön! :-)

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Montag, 15. Dezember 2014

LARGO WINCH 19 – DOUBLE PLAY

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 10:11

LARGO WINCH 19 - DOUBLE PLAYWo die Liebe hinfällt? Wahrscheinlich dort, wo die Versuchung besonders groß ist. London ist zwar nicht als die Stadt der Liebe bekannt und doch finden hier in den nächsten Tagen Entwicklungen statt, die zufällig Menschen zusammenzubringen scheinen und doch generalstabsmäßig durchgeplant sind. Und es beginnt auch zunächst romantisch. Ein älteres Ehepaar will in Ruhe das gemeinsame Mittagsessen zubereiten. Das Miteinander ist liebevoll, auch nach so langer Zeit. Leider ist den Verbrechern, die für einen solchen Moment eine Falle vorbereitet haben, furchtbar egal.

Ins Herz des Winch-Konzerns. Eine Generalversammlung bietet Chancen und erhöht die Gefahren für Leib, Leben und Liebe. Largo Winch tappt in eine verführerische Falle. Das Titelbild verrät es bereits. Die Falle wird von Largo nicht nur gern betreten, sie schnappt auch gerne zu. Wie konnte das passieren? Beides scheint zunächst nicht verständlich. Largo Winch ist auf dem Gebiet der Liebe kein Unerfahrener, sein Ruf eilt ihm sozusagen voraus. Und die Venusfalle hätte es auch besser wissen müssen. Jean van Hamme hat hier seine Figuren wie auf einem Schachbrett aufmarschieren lassen. Der große Plan wird vor dem Leser ausgebreitet, doch dann prallen die Winkelzüge in unvorhergesehenen Richtungen ab.

Willem Dafoe und Sir Michael Caine geben sich die Ehre. Die beiden Schauspieler hat der langjährige Largo-Winch-Zeichner mit großer Präzision und in seinem ganz persönlichen Stil getroffen. Feine Striche, die keinerlei Möglichkeit bieten, Fehler in irgendeiner Form zu kaschieren, erzeugen Kinocharakter. Zwar reduziert Autor Jean van Hamme die Handlung deutlich auf die agierenden Figuren und verzichtet diesmal auf große Kulissen und weltweites Thriller-Prozedere, dafür dürfen Nebenfiguren viel mehr in die erste Reihe. Eleanor Pennywinkle und Dwight E. Cochrane konnten sich innerhalb der Serie schon hervortun, aber hier lassen sie den Leser noch mehr als sonst auf Tuchfühlung gehen.

DOUBLE PLAY, also Doppelspiel, ist beinahe zu wenig. Denn einigen Charakteren genügt gerade einmal ein Dreifachspiel. Und andere werden zum Spielball. Miss Pennywinkle, in gewissem Sinn der gute Geist rund um Largo Winch, der hilfreich zur Seite steht, wenn es mal brennt, darf sich auf Wolke 7 fühlen. Es ist ungewohnt, sie so zu erleben. Jean van Hamme gibt ihr den Spielraum, sich einmal so richtig gehen zu lassen. In dieser von Van Hamme geschilderten beinharten Managerwelt, in der die Personen in ein wirtschaftlich orientiertes Korsett gezwängt sind und für Menschlichkeit nicht viel Platz bleibt, das Handeln dem Diktat des Geldes untergeordnet ist, sind solche Szenen Gold wert.

Die Jäger gehen leer aus. In Largo Winch haben einige Figuren, die mal öfter, mal seltener auftreten Liebesabenteuer und sind aktive Jäger in erotischen Gefilden. Ausgerechnet diesen Charakteren (es soll nicht verraten werden, welche das sind) gibt Jean van Hamme nun einen Korb. Und es ist interessant zu sehen, wie Van Hamme seine Spieler auf eine derartige Situation reagieren lässt. Denn glaubte man bislang, Liebe sei doch eher etwas, das einige sehr oberflächlich betreiben, wird man als Leser nun eines Besseren belehrt und entsprechend überrascht. Und nicht nur der Leser. Auch jemand aus dem engeren Umfeld von Largo Winch wird gehörig aufs Glatteis geführt.

Gutmenschen sind Spielverderber. So lautet jedenfalls das Urteil, das Largos Feinde über ihn fällen. Da Gutmenschen das Spiel kaputt machen, gehören sie aus dem Spiel entfernt. Das ist die dunkle Seite von DOUBLE PLAY, die beinahe außer Acht gelassen wird, konzentriert man sich zu sehr auf die amourösen Ereignisse. Im Hintergrund sind Strippenzieher am Werk, die miteinander ein Netzwerk verbindet, welches kaum auszurechnen war. Van Hamme vermag es auf diesem Weg, wie auch auf der leicht komödiantischen Schiene seinen Leser weiterhin zu verblüffen. Die letzte Seite zeigt auf ebensolche Weise, welche losen Enden Van Hamme für den zweiten Teil der Handlung offen gelassen hat.

Der erste Teil einer weiteren Doppelfolge, die von Jean van Hamme für Kenner der Serie geschrieben wurde. Sie ist für Neueinsteiger lesbar, aber viele Nuancen werden solchen Lesern entgehen, da ihnen Erinnerungen an vergangene Begebenheiten einfach fehlen. Für den Fan ist DOUBLE PLAY eine Folge, die einen schönen, frischen Weg geht und Jean van Hamme die unbekanntere, humorvolle Seite der Serie ausbauen lassen darf. :-)

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Donnerstag, 13. November 2014

I.R.$. 14 – Die Überlebenden von Nanking

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 19:08

I.R.S. 14 - Die Überlebenden von NankingZuerst wurde Larry zu diesem Fall gezwungen. Als der Zwang sich in Luft auflöst, er die Kontrolle zurückgewinnt, langsam nur, aber auf Dauer, beginnt ihn die Sache doch richtig zu interessieren. Nur leichter wird seine Aufgabe dadurch nicht. Ganz im Gegenteil. Das Rätsel ist und bleibt eine harte Nuss. Es kann nur gemutmaßt werden, wie es sich damals, vor so vielen Jahrzehnten, abgespielt hat. Jede Idee führt in eine andere Richtung, was eine globale Suche nicht vereinfacht, die mangels Vertrauter im näheren Umfeld zu einer Mammutaufgabe ausarten würde, wenn Larry nicht doch noch den richtigen Einfall hätte …

Larry B. Max wird von Autor Stephen Desberg in einen Fall gehetzt, der einer der größten und schwierigsten ist. Larry ist nicht nur höchst persönlich involviert, er muss auch noch ein Rätsel lösen, dessen Spuren über Jahrzehnte hin verwischt wurden. Larry B. Max, der Ermittler des I.R.S., sieht sich von mehreren Seiten unter Druck gesetzt. Er selbst ist durch den Tod des Mörders seiner früheren Freundin in arge Bedrängnis geraten. Nur deshalb, weil er erpresst wird, hat er sich bereit erklärt, Yamashitas Gold zu finden. Der Goldschatz, dereinst während der japanischen Übergriffe auf China von einer hoch stehenden Familie aus dem Kreis der organisierten Kriminalität geraubt, wurde auf schlaue Weise versteckt.

Stephen Desberg kennt die Mechanismen eines auf internationalem Parkett spielenden Thrillers sehr genau. Faszinierende Orte lösen sich mit schönen Frauen und gefährlichen Umgebungen ab. Das Titelbild verrät dem Leser bereits etwas. Neben den Rückblicken in eine kriegerische Vergangenheit, verschlägt es Larry B. Max auch unter Wasser auf der Suche nach gigantischen Buddha-Statuen, die doch nur Fassade für einen ebensolch riesigen Schatz sein sollen.

Ebenso verwoben sind Rückblenden aus Larrys Leben, seiner Gegenwart und Szenen aus den letzten Kriegstagen, als japanische Einheiten das aus China gestohlene Gold, offiziell, für den Kaiser in Sicherheit bringen sollen. In den Farben alter Schwarzweißaufnahmen entspinnt sich ein Drama, immer nur in Auszügen erzählt, dem sich Stephen Desberg zugunsten eines Dreiteilers gerne mehr Erzählzeit hätte nehmen können. Da die Anteile aus Gegenwart und Vergangenheit außerordentlich komplex sind, der Platz aber begrenzt ist, hastet er zwangsläufig manchmal arg zu schnell durch die Szenarien.

Bernard Vrancken, mit der farblichen Unterstützung durch Coquelicot, pflegt weiterhin einen reduzierten Realismus. Die Bilder könnten auf der Basis eines Films entstanden sein. Eine gleichfalls reduzierte Kolorierung imitiert leicht unscharfe Fotografien, die in Teilbereichen nachgetuscht worden sind. Gerade in den historischen Aufnahmen ist die Wirkung des so entstandenen Effekts sehr schön eingesetzt. Die Action hält sich in Grenzen, so dass Vrancken sich auf die Interaktion der Charaktere konzentrieren kann. Überbordende blutige Szenen werden gerade so eben gezeigt. Spannung entsteht hier nicht durch Gewalt, sondern durch gewissenhaftes Inszenieren und Erzählen.

Eine Gaunerin wird vom Saulus zum Paulus. Ein Ganove kehrt zurück. Larry B. Max wird in dieser wendungsreichen Fortsetzung einiges abverlangt, sehr zur Freude des Lesers, dem viele Gelegenheiten zum Mitfiebern geboten werden. Und er kann auch nicht vor Larry auf des Rätsels Lösung kommen. Beste Thriller-Unterhaltung. Die Kenntnis des Vorgängerbandes, Yamashitas Gold, ist Pflicht. :-)

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Montag, 10. November 2014

HOLMES 2 – Der Schatten des Zweifels

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 18:44

HOLMES - Zweiter Band - Der Schatten des ZweifelsNicht nur das Verhalten von Sherlock Holmes war einer gewissen Gewöhnung unterworfen. Besonders Dr. Watson kann beurteilen, wie schwierig das Auskommen mit dem genialen Freund mitunter war. Die Familie des Verstorbenen entwirft sich vor den Augen des Doktors noch merkwürdiger. Im Traum führt der alte Freund den Doktor auf eine mysteriöse Spur. Erinnerungen sind männlich geprägt. Die beiden Brüder, der kleine Sherlock, der etwas ältere Mycroft, verbringen die Zeit mit ihrem Vater. Eine Mutter fehlt in diesen Bildern. Der Vater, inzwischen pflegebedürftig, kann oder will keine Auskunft geben. Zusammen mit seiner Frau folgt Dr. Watson den Spuren in die Vergangenheit.

Der Schatten des Zweifels ist über dem Erbe des Sherlock Holmes aufgezogen. War er wirklich der über die Maßen intelligente Ermittler, der die Schurken dank der überragenden Geistesfähigkeiten dingfest machte? Oder war er am Ende ein Scharlatan, der es zuwege brachte selbst den engsten Freund zu täuschen und einen Erzfeind zu erschaffen, der lediglich in der Fantasie existierte? Dr. Watson kann und will diese Botschaft nicht glauben. Die Spur zur Lösung des Rätsels führt ausgerechnet nach Frankreich. Unterdessen betreibt der junge Wiggins seine eigenen Nachforschungen. Einst von Sherlock Holmes entdeckt, tritt er nun in die Fußstapfen seines Vorbilds und schlittert in eine der irrsinnigsten Schlägereien, die London je erlebte.

Luc Brunschwig beleuchtet den jungen Mann namens Simeon Wiggins genauer, von dem der Leser bislang auch hätte annehmen können, es handele sich um eine Art Aufschneider. Der Zusatz auf seiner Visitenkarte, Wärmstens empfohlen von Mr. Sherlock Holmes, ist eine Referenz der besonderen Art, die neugierig macht, aber auch nicht sehr glaubhaft klingt. Allerdings wird den jeweiligen Gegenübern, immerhin den Erwachsenen, schnell klar, dass Mr. Wiggins einiges von dem über die Landesgrenzen hinaus bekannten Privatdetektiven gelernt hat. Aus dem Straßenjungen von einst ist ein Mann mit Umgangsformen geworden. Luc Brunschwig verwebt hier elegant die Lebensgeschichte des jungen Mannes, das Schicksal von Sherlock Holmes mit einem weiteren in der Schwebe befindlichen Kriminalfall.

Es ist nicht nur Spannung der leisen Art, wie sie im ersten Teil noch dominierte. In manchen Passagen geht es handfest zur Sache. Das ist besonders in einem Fall kurios anzuschauen und zu lesen. Cecil, der Comic-Künstler, geht in einem sehr anschaulichen Anhang, Making of, auf die rasante Sequenz ein, in der sich die Polizei Londons kaum des Mobs erwehren kann. Es herrscht Lynchstimmung auf den Straßen. Die Besonderheit sind die ausufernden Massenszenen, die Cecil hier bewältigen muss und es mit dem gleichen Blick schafft, der auch Künstlern von wandgroßen Historiengemälden zueigen ist, die es schaffen, in jedem Bildausschnitt ein kleines Drama einzubauen.

Das Making of trägt einiges dazu bei zu erkennen, wie Cecil den Bildaufbau betreibt und neben der rigorosen Charakterisierung der einzelnen Figuren auch das alte London und das ländliche Frankreich wiedererstehen lässt. Obwohl die Hintergründe oft nur der Kulisse dienen und eine nachgeordnete Rolle spielen, befördern sie die Geschichte fühlbar wie ein Blick auf alte Fotografien. Auffällig, bereits in der Handlung selbst, ist die Vorstellung eines neuen Mitspielers, Dr. Dudley Parks, der vor Jahren von Sherlock Holmes verdächtigt wurde, Jack the Ripper zu sein. Wie akribisch diese (und andere) Charaktere vorbereitet wurden, lässt das Skizzenbuch im Anhang erahnen. Gleichzeitig, mit der Beleuchtung der Arbeitsprozesse, wird auch der Arbeitsaufwand hier hervorragend gezeigt. Originalblätter dürften sogar in Bilderrahmen ein schönes Zuhause finden.

Mysteriöse Ereignisse bilden die Grundlage für stärkere Dramatik als im ersten Teil. Erzählung und grafische Gestaltung sorgen für sehr präzise Charakterdarstellungen und vertiefen insbesondere die Figur des Dr. Watson, der hier endgültig aus dem Schatten seines großartigen Freundes ins Licht tritt, allen eigenen Zweifeln zum Trotz. Eine weiterhin sehr schöne und würdige Fortsetzung um die Figur des Sherlock Holmes. :-)

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Mittwoch, 13. August 2014

Danger Girl – Trinity

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 21:43

Danger Girl - TrinityEin Lamborghini ist schnell, eine Waffe ist er jedoch nicht. In normalen Händen jedenfalls nicht. Sydney Savage ist keine normale Frau. Ihre aufreizende Kleidung besitzt alles andere als eine geschäftsmäßige Ausstrahlung, obwohl sie genau das ist. Die Gangster, die ihr auf der Spur sind, gehen mit geballter Feuerkraft gegen sie vor, am Boden und in der Luft. Sydney Savage hat anderen Frauen noch eine Kleinigkeit voraus. Sie ist gemäß ihres Trainings nicht einfach nur eine Agentin. Sie ist ein Danger Girl. Eigentlich hatten die Ganoven von Anfang an keine Chance.

Drei Zeichner, eine Geschichte. Andy Hartnell, neben J. Scott Campbell, einer der Erfinder von DANGER GIRL, instruiert gleich drei Comic-Künstler. Jeder nimmt sich eines der Danger Girls, die in Sachen Action unterwegs sind, an und schafft so gemeinsam mit den anderen einen cineastischen Kracher. In dem Thriller TRINITY führen drei Handlungsstränge nach einer rasanten Show schließlich zusammen. Die drei Grafiker, stilistisch unterschiedlich, modern, genau, bieten nicht nur ein irrsinnig gutes Comic-Erlebnis innerhalb des Abenteuer-Genres, sie legen gleichzeitig auch die Messlatte für Grafiken in Comics allgemein ziemlich hoch.

Zäumen wir mal das Pferd von hinten auf: Stephen Molnar beschäftigt sich mit dem jüngsten Mitglied der Danger Girls, Sonya Savage. Der Zeichner reiht sich in die Garde jener Künstler ein, die eine besonders klare Linie verfolgen. Wer Frank Cho oder Terry Dodson mag, also jene Zeichner, die nicht selten durch ihre Pin-Ups auf sich aufmerksam gemacht haben und den weiblichen Körper in die perfekte Perspektive setzen, der wird auch die Arbeit von Stephen Molnar mögen. Außerdem verfügt er über dieselbe Fähigkeit wie seine Kollegen, die Action aus den schier unmöglichsten Blickwinkeln zu inszenieren. Eine Hatz durch den Dschungel wird da zu einer Hommage an Die Jagd nach dem grünen Diamanten.

Mit diesen klaren Strichen, die Stephen Molnar hier schafft, gelingt es ihm von allen drei Zeichnern am besten, eine Spur Klamauk in der Handlung zu etablieren, ohne allzu albern zu wirken. In diesem Teil der Geschichte findet sich so das beste Pendant zu Indiana Jones und Konsorten.

Von Beginn des Comic-Bandes an betrachtet ist John Royle, verantwortlich für die Handlung rund um das Danger Girl Abbey Chase, jener Zeichner, der es am ehesten in die verwandtschaftliche Stilistik eines J. Scott Campbells schafft. Campbell war der erste Zeichner der Danger Girls und lässt es sich auch hier nicht nehmen, entsprechende Titelbilder abzuliefern. Ist ein Stephen Molnar für die sorgsam gestaltete Action zuständig, ist John Royle wilder. Seine Bilder springen den Leser regelrecht an. Wer allein die Eingangsszene auf einem stürmisch bewegten Schiff mitten auf dem Ozean betrachtet, wird diese Aussage bestätigt sehen. Cineasten werden sich in diesem stürmischen Geschehen bestimmt auch an Indiana Jones erinnert fühlen. Einerseits durch die Action selbst, andererseits durch den Auftritt eines Kapuzineräffchens.

Harvey Tolibao übernimmt das Danger Girl, das mit Lederlook und Peitsche aus kühnen Männerträumen entsprungen sein könnte. Ähnlich wie James Bond wird auch sie vom nächsten Auftrag im Bett bei einem Date überrascht. Harvey Tolibao verfolgt die grafische Linie eines Marc Silvestri oder Michael Turner, nämlich leicht übertriebenen Realismus, was die Figuren angeht. Dafür bleibt er bei allem andere höchst präzise, mit feinsten bis hin zu wahrhaft winzigen Strichen. Für eine Figur, die einer Black Widow als Schwester zur Seite stehen könnte, ergeben sich hier Bilder, die auch für den nächsten in London handelnden Thriller als Storyboard herhalten könnten.

Schwer zu sagen, welcher Zeichner den besten Job macht. Jede Stilistik ist toll anzuschauen. Auf jeden Fall lässt sich sagen, dass es sich lohnt nach Arbeiten von jedem der drei Ausschau zu halten. Jeder auf seine Art zeichnet mit einem Höchstmaß an Perfektion und einem guten Auge für den richtigen Blickwinkel.

Drei Handlungslinien, drei Male erste Klasse. Drei Spitzen-Comic-Künstler, toll miteinander vermischt. Ein Paradebeispiel für ein gelungenes Comic-Projekt von verschiedenen Zeichnern. Sehr gerne mehr davon! :-)

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Sonntag, 10. August 2014

Danger Girl – Revolver

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 19:09

Danger Girl - RevolverVenedig und eine Hochzeit mit Hindernissen. Die Danger Girls sind im Einsatz. Zu Pferd, obwohl in Venedig, der Stadt der Kanäle etwas fehl am Platz, wirbelt Abbey Chase eine Trauung durcheinander, verfolgt auf Motorrädern, hinaus in besagte Kanäle … Danger Girls verschnaufen erst, wenn der Auftrag erledigt ist. Das ist nicht unbedingt selten, aber meist nur kurz. Eigentlich bieten die Reisen zum nächsten Zielort eine Pause. Der Sprung einmal um den Globus, von Italien nach Peru, ist eben kein Katzensprung. Doch dann ist wieder das angesagt, was beiden Örtlichkeiten gemein ist: Gefahr!

Es waren einmal vier Danger Girls. Drei befanden sich ständig im Außeneinsatz, eine war die Frau am Computer, die Rückendeckung. Doch es kam der Tag, da eine die anderen verriet. Und da waren es nur noch drei. Aber das soll sich ändern. Als vor geraumer Zeit die Danger Girls mit einem furiosen Mix aus Action, Anspielungen auf James Bond, Lara Croft und Indiana Jones unter dem Label Cliffhanger erschienen, brachten sie die so genannte Girl Power verstärkt ins Medium Comic. Andy Hartnell und J. Scott Campbell hatten mit der Agententruppe, die selbstverständlich auch an 3 Engel für Charlie erinnerte, ins Schwarze getroffen.

Revolver! Mit dem Ausscheiden einer der Figuren (Natalia Kassle, eben weil Verrat im Spiel war, schien das Agentenmädel-Universum erst einmal in sich geschlossen zu sein. Nach Crossover-Abenteuern (u. a. mit Batman) kehren die Damen mit dieser Agentenhatz zu ihren Wurzeln zurück und begrüßen gleichzeitig ein neues Mitglied an der Undercover-Front. Sydney Savage, schwarz gekleidet, mit einer Peitsche ausgerüstet, ist nicht mehr die einzige Savage in der Runde. Sonya Savage heißt der Nachwuchs.

Chris Madden heißt der Zeichnernachwuchs, der die Feder von einem der Erfinder der Danger Girls, nämlich J. Scott Campbell, übernommen hat. Campbells Vorgaben, auf den Titelbildern noch ersichtlich (denn er ließ sich nicht nehmen, diese selbst zu zeichnen), sind deutlich. Leichte überzogene Frauengesichter, nicht ganz Püppchen, nicht ganz realistisch, in jeden Fall aber Idealformat. Das überträgt sich selbstverständlich auch auf die Figuren der Frauen. Rank, schlank, aber keine Hungerhaken, durchtrainiert, mit den richten Polstern am rechten Fleck. Betrachtet man so manches Pin-Up, die zur Serie entstanden sind, könnte man sagen: Bunnys in Action.

Madden passt sich mit seinen Bildern an, findet aber auch einen Weg seinen ganz persönlichen Stil ins Spiel zu bringen. Madden liebt das spitze Kinn, ein fast elfenhaftes Erscheinungsbild seiner Figuren. Jedes Danger Girl sowie die Mitstreiter drumherum ist nicht unproportioniert, besitzt aber in gewisser Hinsicht Überlange. Schon J. Scott Campbell spielte mit diesem Gestaltungsmerkmal, Madden greift es auf und legt noch ein paar Millimeter drauf.

Madden etwas einfacherer Comic-Stil eröffnet mit knalligen Farben, zeichentrickfilmtauglich insgesamt und in seiner Gesamtoptik auch an Disneys Atlantis erinnernd. Die Sequenzen, besonders im ersten wie im letzten Drittel, könnten hingegen einem James-Bond-Szenario entsprungen sein. Hier und dort erhöht der Einsatz von Unschärfe die Tiefe der Bilder. Ein Split-Screen imitiert moderne Kinotechniken. Die Kamera folgt an anderer Stelle der Action hautnah auf rasenden Zügen und abstürzenden Flugzeugen. Madden ist ein durchweg würdiger Nachfolger Campbells, der mit seiner Interpretation der Danger Girls leicht verändert, aber irgendwie auch opulenter daherkommt.

Will man die Folge mit einem Wort beschreiben, könnte dieses lauten: fetzig! Denn Rückkehr und Neugruppierung finden mit einer derartigen Rasanz statt, dass sie auch an einen MTV-Musikclip mit modernster und schnellster Schnitttechnik erinnert. Stark! :-)

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Donnerstag, 17. Juli 2014

FRANKA 22 – Unterwelt

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 18:28

FRANKA 22 - UnterweltAmsterdam. Leidener Platz. Es sollte ein ruhiger Abend werden. Doch nichts weniger als eine Entführung kommt Franka dazwischen. Schlecht für die Entführer, dass die entführte junge Frau ihre Handtasche verliert. Über das Mobiltelefon gelingt es Franka schnell eine Spur aufzunehmen. Der Abend wird turbulent. Franka, die ihre Hartnäckigkeit in vielen Abenteuern und Kriminalfällen bewiesen hat, lässt auch hier nicht locker und ist sich auch nicht zu schade, der Polizei rechtzeitig Bescheid zu geben, damit die Kavallerie auf den Punkt genau zur Stelle sein kann.

Henk Kuijpers schickt seine Heldin Franka in das 22. Abenteuer, mitten in Amsterdam. Gleichzeitig ist es auch eine Art Besichtigungstour, denn die Bilder, die Kuijpers dem Leser beschert, strotzen vor Einzelheiten. Eine Filmproduktion rund den Amsterdamer Muntplein gehört zu den grafischen Zuckerstücken, wird hier schließlich auch noch optisch ins Jahr 1958 zurückgesprungen. Aber auch an anderen Stellen könnten man Henk Kuijpers als den Fremdenführer unter den Comic-Machern bezeichnen. Ein Ausflug nach München ist so schön dargestellt, dass er direkt Reiselust weckt.

Aber Reisen hin oder her, Franka gerät wieder in Schwierigkeiten. Das 22. Abenteuer der Reihe heißt nicht umsonst Unterwelt. Aus einer Entführung wird eine Falle und ein Racheszenario, mittendrin natürlich Franka, im Zentrum des kriminellen Interesses. Die Technik wird zum rettenden Element, Recherche und Köpfchen helfen nach. Henk Kuijpers erzählt locker, flockig, könnte man sagen. Bis zum Ende der besagten Entführung zu Beginn entwickelt sich alles wie bei einer Kurzgeschichte und ist doch bei genauer Betrachtung ein langer Prolog. Das mag dem einen oder anderen Leser etwas abgehackt erscheinen, es hätte aber auch ein überlanges Abenteuer werden können, doppelbändig.

Von Amsterdam nach München. Grafisch kann Henk Kuijpers nicht nur in städtischen Kulissen aufgehen, sein Hang zu schönen Techniksymbolen, in den meisten Fällen sehr schönen Autos einer anderen Epoche, als dem Design der Fahrzeuge ein größerer Stellenwert zufiel und nicht zugunsten von Strömungswiderständen in einer Form aufging, ist unübersehbar. Spätestens wenn Franka einen amerikanischen Straßenkreuzer im Wirtschaftswunderwagen Museum abliefert, ist der Beweis für diese These erbracht. Auf der Rückseite des Albums, was nichts über die Geschichte verrät, schießt Franka sogar ein Selfie von sich und dem Auto.

Entdeckungsbilder. Fast so etwas wie Suchbilder präsentiert Henk Kuijpers, wenn er Anspielungen auf die Filmgeschichte gibt. Oder kleine Nebenhandlungen wie Frankas Hund, der mit Sof herumtollt, wenigstens fünfmal so groß, aber nicht weniger verspielt. Hier wird sogar ein Unfall zum Blickfang, hier kann und darf hingeschaut werden. Die sehr statische Zeichentechnik bietet die nötige Ruhe zur Betrachtung. Wäre seine Darstellung dynamischer, skizzenhafter, wäre die Detailhöhe kaum denkbar, noch wäre der Eindruck so perfekt und schön wie hier.

Ein Hingucker, ein feines Abenteuer, was sich fast wie nebenbei entwickelt und erst im letzten Viertel so richtig stark Fahrt aufnimmt. Henk Kuijpers ist weiterhin illustrationsstark, mit ganz eigener Stilistik. Nicht nur für Fans, aber auch für Einsteiger in die Serie geeignet. :-)

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Montag, 14. Juli 2014

BÄRENZAHN 1 – Max

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 18:39

BÄRENZAHN 1 - MaxMax, Werner und Hanna sind in die Fliegerei verliebt. Obwohl sie noch nicht selbst in die Lüfte aufsteigen können, ganz einfach weil sie zu jung dafür sind, verbringen sie viel Zeit damit, Modellsegelflugzeuge möglichst weit fliegen zu lassen und kleine Raketen in den Himmel zu schießen. In diesen Tagen, in Schlesien in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, sind die Vorboten eines nahenden Umschwungs erschreckend spürbar. Einen Krieg sehen weitaus weniger Menschen heraufziehen. Das Fliegen besitzt noch Unschuld, trotz der Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg. Voller Staunen beobachten die drei Kinder, engste Freunde, ein neu entwickeltes Segelflugzeug am Himmel und wünschen sich nichts sehnlicher, als selbst am Steuer einer solchen Maschine zu sitzen.

Jahre später. Die Freunde sind erwachsen. Und Max hat Schlesien rechtzeitig verlassen und ist in die Vereinigten Staaten ausgewandert. Der Krieg hält die Welt in seinem Griff. Max ist Flieger geworden und schießt nun den Feind über dem Pazifik ab. Dummerweise gibt es ein Problem. Seine Ähnlichkeit mit seinem alten Schulfreund Werner bringt ihn in große Schwierigeiten, denn plötzlich hält man ihn für einen deutschen Spion.

Die Welt war noch kleiner geworden. Alte Freundschaften überbrückten tausende von Kilometern. Heimat und Loyalitäten verschoben sich. Am dramatischen Beispiel von Max Kurtzman erzählt der Comic-Veteran Yann (Yann le Pennetier) abseits seiner eher lustigen Szenarien ein Kriegsdrama, in dem die Fliegerei neben den drei erwähnten Freunden der vierte Hauptdarsteller ist. Alain Henriet, der bereits mit dem futuristischen Szenario Golden Cup sein Händchen für sehr technisch zu behandelnde Stoffe bewiesen hat, bildet die 30er und 40er Jahre, vor dem Krieg und während des Krieges, mit klaren Linien und größtmöglicher Akkuratesse ab.

Neben der Leidenschaft für Fliegerei beleuchtet Yann das Geflecht im Krieg, geheimdienstliche Aktionen, das Aufwachsen vor dem Krieg in einem nationalsozialistischen Regime, mit seinen Folgen für das tägliche Leben, die damit einhergehenden Bedrohungen. Einer der zentralen Punkte der Geschichte ist Hanna Reitsch, dem Vorbild einer historischen Figur nachempfunden. Schnell wird deutlich, wie sehr sie den Wunsch zu fliegen über alles andere stellt und sich auch nicht von der propagierten Überlegenheit der Männer gegenüber Frauen kleinkriegen lassen will. Beispielhaft sind Szenen, in denen sie gegen ihren Freund Werner im Wettkampf antritt oder später im Krieg die Me 163 in einem Versuch gegen die Alliierten führt.

Yann überlässt historische Genauigkeit den Gelehrten und erzählt frisch von der Leber weg und erstellt sich ein Szenario, ähnlich wie es ein Jack Higgins in Der Adler ist gelandet vollbrachte oder ein Alistair MacLean mit Agenten sterben einsam. In Sachen historischer Thriller befindet sich Yann in bester Gesellschaft und steht seinen Kollegen auch in nichts nach. Durch die geschilderte Freundschaft der drei, den frühzeitigen Einstieg in ihre Jugend, auch die erzählte Entzweiung durch die Judenverfolgungen, denen Max und sein Vater weichen, werden viele Motive der Figuren haarklein und überzeugend dargelegt.

Krieg über dem Pazifik. Max’ zweites Leben, jenes fern des Geburtsorts, beginnt im Jahr 1944 mit der Attacke von japanischen Kamikazefliegern. In dramatischen Bildern inszeniert Alain Henriet den kurzen Luftkampf mit dem japanischen Feind, der nichts anderes erreichen will, als das eigene Flugzeug in die Rümpfe der amerikanischen Schiffe zu bohren. Der Leser erfährt so früh vom fliegerischen Geschick des Max Kurtzman und seiner Herkunft, die ihm wenig schmeichelhaft von seinen Kameraden vorgehalten wird. Wer glaubt, es gehe voller Action weiter, sieht sich schnell getäuscht. Die Darstellungen der einzelnen Charaktere und Lebenswendepunkte überwiegen. So verdichtet sich dieser Thrillers erst so richtig zur perfekten Mischung aus Drama und Fliegerabenteuer.

Spannender Auftakt! Yann begibt sich einmal mehr auf neue Pfade und vermag auch weit abseits von Funnys zu überzeugen. Dank der überaus exakten und fein kolorierten Bilder entsteht ein sezierender Einblick in jene Zeitspanne. :-)

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Links: blog.alainhenriet.com

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