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Comic Blog


Mittwoch, 02. Dezember 2015

WALLMAN 1

Filed under: Thriller — Michael um 19:12

WALLMAN 1Jiro Sorashima hatte einmal einen anderen Namen, der in bestimmten Kreisen voller Ehrfurcht genannt wurde: Master Kuu. Nachdem einem emotionalen Tiefschlag hat er sich aus dem Geschäft zurückgezogen und lebt nun als Tagträumer bei dem Mangazeichner Takashi Kubota. Um die Haushaltskasse aufzubessern, muss ein weiterer Mitbewohner her. Dieser … genauer gesagt, diese findet sich in der Gestalt der überaus attraktiven Koreanerin Nami. Die junge Frau hat kein Problem damit, mit zwei, ihrer Meinung nach, senilen, alten Männern zusammenzuziehen. Zwar schauen die beiden Mitbewohner ihr regelmäßig auf irgendwelche Körperteile, aber Nami stört es nicht weiter, präsentiert sie sich doch ganz gerne und spielt mit den beiden. Außerdem glaubt sie, die beiden gut in ihre Schranken weisen zu können, immerhin ist sie eine ausgebildete Killerin.

BOICHI hat eine neue Art von Auftragskiller kreiert und zwar den WALLMAN. Wallmen kommen nicht einfach so durch die Tür. Wallmen seilen sich mit Vorliebe aus luftiger Höhe, an Wolkenkratzern ab. Eine eigens dafür erfundene Vorrichtung lässt sie mit der Geschwindigkeit von Bungeejumpern an den Fassaden in die Tiefe rasen, artistisch präzise und jederzeit tödlich. Rasanz ist neben Action, einer Prise Erotik und einer größeren Portion Humor eines der großen Stichwörter dieses Thrillers.

Das Trio der Wohnungsgemeinschaft könnte gleich zu Beginn die Welt aus den Angeln heben, gäbe es nicht ein paar Probleme. Der ehemalige Killer Jiro will nicht mehr in seinen alten Job zurück. Nami ist bei weitem nicht so gut in in ihrem Job, wie sie so vollmundig verkündet hat. Nur Takashi ist zu vertrauen und eine prima Rückendeckung. So durchtrainiert wie auf dem Titelbild ist Jiro zunächst nicht. Und zur Rückkehr in sein früheres Leben zwingen ihn die Umstände. Immerhin, obwohl um die Taille herum deutlich in die Breite gegangen, hat er nichts von seinem Können verlernt.

Stichwort: Rasanz. Autor und Zeichner BOICHI hat nach eigener Aussage in Korea eine Schule für Regisseure und Stuntmen besucht, um für die Action-Sequenzen einen besseren Hintergrund zu haben. Ob ihm das gelungen ist? Und ob! Die erste Szene, die Jiro und Takashi gemeinsam bestreiten, ist bereits ein Kracher, aber nur der Appetizer für die folgende Achterbahnfahrt, die in der zweiten Hälfte unaufhaltsam wird. Dank einiger Schl?sselszenen wird Jiro auf den alten Pfad zurückgeführt. Es ist Namis Selbstüberschätzung, die Jiro zum Eingreifen zwingt und alte Rachegelüste weckt. Die Szenen besitzen die Geschwindigkeit und Wucht der neueren Mission Impossible Blockbuster und hat auch ihre Kameraführung.

Erotik und Humor gehen häufig Hand in Hand. Nami versucht Jiro aus der Reserve zu locken. Jiro widersteht der Versuchung. Takashi muss sich ebenfalls mit Zuschauen begnügen. Letzterer ist eine Art japanischer Cheech Marin (u. a. Machete), immer zu Späßen aufgelegt und in Kämpfen knallhart. Nami verkraftet die zahlreichen Blicke unter ihren Rock, auf den Slip, auf den Hintern tapfer und teilt ebenso hart aus wie die Männer. BOICHI trifft grafisch jeden Charakter mit dem Blick eines Regisseurs und der Meisterschaft des versierten Zeichners. Nach der Einführung der drei Hauptcharaktere können die Gegenspieler, die Gangster-Clans, durch ein besonders fieses Design überzeugen.

Krieger der Großstadt: Die Umgebung spielt keine unbedeutende Rolle. Sieht man einmal von der erschöpfend realistisch gestalteten Umgebung ab, bietet die Einbindung der Helden in diese Kulisse oft optische Knaller. Einer der tollsten (hier ist ein guter Vergleich zu MI zu finden) findet sich im ersten Einsatz der beiden Wallmen, Jiro und Nakami.

Blockbuster-Manga: Anders lässt es sich nicht sagen. Wer hierzulande Kinogranaten aus den Reihen Mission Impossible oder The Fast And The Furious mag, Action wie Machete nicht scheut, perfekt realistische Zeichnungen in Thrillern als Muss ansieht, kann nicht anders, als hier zuzugreifen. 🙂

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Samstag, 21. November 2015

FRANKA 10 – GANGSTERFILM

Filed under: Thriller — Michael um 11:59

FRANKA 10 - GANGSTERFILMFranka wollte nichts weiter, als einer Freundin einen Gefallen zu tun. Einen Abend lang den Kurierdienst übernehmen. Es hätte eine leichte Aufgabe sein können. Hätte Franka nicht neben diesem rosafarbenen Cadillac gehalten. Hätte Franka nicht das Telefongespräch angenommen. Hätte sie nicht … Aber Franka ist eben Franka. Sie kann einfach nicht anders und hilft, wo Not am Mann ist. Oder besser gesagt, an der Frau. Gloria Gold, der weibliche Star des Films Gangwar 55, ist in großen Schwierigkeiten. Echte Gangster schrecken vor nichts zurück, um ihrer habhaft zu werden. Darüber hinaus wird Frankas Freundin Marilla entführt. Eins führt zum anderen und bald kann Gloria Gold neben Franka beweisen, ob sie die Action auch im richtigen Leben hinbekommt.

Henk Kuijpers, der Meister des Wimmelbildes, begibt sich in die Welt des GANGSTERFILMs. Und Welten gibt es hier wirklich zu entdecken. Die wahre Welt besteht neben den Filmsets, teuren Inneneinrichtungen und miniaturisierten Kulissen. Was es alles auf den Seiten neben der eigentlichen Handlung zu entdecken gibt, ist immer aufs Neue ein Fest. Henk Kuijpers ist ein Garant für fragile Bilder, von einer tollen Fantasie getragen und technisch wie auf das Papier gestanzt. Hier gibt es keinerlei Fehler, keine Hast. In fein angelegten Perspektiven bildet er mit besonderer Leidenschaft Automobile ab, die gerade in einem 50er-Jahre Ambiente für eine schöne Atmosphäre sorgen.

Stilistisch hat Henk Kuijpers seine FRANKA-Optik gleich zu Beginn der Reihe gefunden und konsequent durchgehalten. Die Grafik, angelegt auch für kleinste Bilder, fängt das Auge ein und führt es mit seinen klaren Formen hervorragend durch die Szenen und Sequenzen. Amsterdam ist ein hervorragender Schauplatz mit seinen schmalen Straßen und Gassen, den Kanälen und der nächtlichen Atmosphäre, die von einem im Licht vieler Vergnügungsmöglichkeiten strahlenden Glanz getragen wird.

Die Parodie auf die Filmindustrie im Sinne von Hollywood, bei den Dreharbeiten der Fortsetzung von Gloria Golds Blockbuster, folgerichtig Gangwar 56 genannt, zündet mit der Dichte der Szenerie perfekt. Die demolierten Automobile, Paradebeispiele von amerikanischen Straßenkreuzern der 50er Jahre, würden, wäre es ein tatsächlicher Film, automobilen Enthusiasten Tränen in die Augen treiben. Die Handlung wird sehr flott vorangetrieben. Auch hier passt der Vergleich zum Film wieder, denn ein Zeitaufschub wird nicht geduldet. Wendung jagt auf Wendung. Seitenweise werden stets neue Kulissen präsentiert, schlägt FRANKA Kapriolen, flieht, ist auf der Jagd, prügelt sich und arbeitet detektivisch geschickt.

Die Auflösung des Falles ist logisch und erschöpfend. Weil Henk Kuijpers vielleicht etwas zu schnell war, gibt es anschließend noch eine Kurzgeschichte, Ehrlicher Eddy, kurz, knackig, mitten im Nachtleben, wo Franka sich in dieser Ausgabe am wohlsten zu fühlen scheint.

Eine Abenteuer mit dem besonderen Großstadtflair von Amsterdam und der perfekten Parodie auf die hollywoodsche Traumfabrik. Hier ist FRANKA am besten aufgehoben. Mit der gewohnten Perfektion von Henk Kuijpers zu Papier gebracht. Sehr schön. Empfehlenswert. Neueinsteiger könnten mit dieser Folge für die Serie Feuer fangen. 🙂

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Sonntag, 25. Oktober 2015

RUBINE – GESAMTAUSGABE 2 – KILLERJAGD

Filed under: Thriller — Michael um 15:23

RUBINE - GESAMTAUSGABE 2 - KILLERJAGDRubine ist eine knallharte Polizistin. Sie hat keinerlei Skrupel ihre Magnum einzusetzen, wenn es notwendig ist. Sie besitzt Einfühlungsvermögen, Intelligenz und in ihrem Job macht ihr so schnell keiner etwas vor. In ihrem Liebesleben sieht es ganz anders aus. Ein Date gestaltet sich als äußerst schwierig, die Umsetzung eines schönen Abends als holprig. Das Kleid will nicht richtig sitzen. Der Kavalier ist eigentlich auch nicht ihre Kragenweite, zumal er von einem Rendezvous und dessen Ablauf andere Vorstellungen hat als sie. Da will es der (glückliche) Zufall, dass die Arbeit ruft …

Ein SERIENKILLER geht um. Doch die Spur ist verwirrend. Rubine macht einen Abstecher auf die Jungferninseln. Eine unerwartete Entdeckung ist die Folge. Kriminalistischer Einfallsreichtum zeichnet die drei in diesem zweiten Gesamtausgabenband versammelten Fälle der rothaarigen Polizistin aus Chicago aus. DIE VERMISSTE VON HALLOWEEN und AMERICA, die beiden weiteren Fälle spielen mit ur-amerikanischen Themen und vergessen auch nicht mit kleinen Szenen an Klassiker der Popkultur zu erinnern. RUBINE emanzipiert sich spätestens hier als Cop, der sich mit harten Fällen auseinandersetzt, in denen Morde nicht geschönt werden, obwohl die Stilistik der Zeichnungen es vielleicht vermuten lassen könnte.

Nach dem Auftakt, der Geschichte SERIENKILLER, in der Humor mit RUBINES Dating-Bemühungen Einzug hielt, wird es sehr ernst. MIt dem Thema Kindesentführung wird in DIE VERMISSTE VON HALLOWEEN ein Thema angerissen, wie es auch in seiner Erzählweise auch für eine gute TV-Krimiserie herhalten könnte. Zeitweise vergisst man als Leser den cartoonartigen Zeichenstil und konzentriert sich auf die Handlung, als seien die Bilder realistischer geraten. Das Schicksal des entführten Kindes, die Emotionen packen und der Fall ist recht verzwickt. Die Ganoven sind sehr hart, äußerst gewalttätig und kennen keine Gnade. Kurzum, mit DIE VERMISSTE VON HALLOWEEN findet sich für meine Begriffe das Zückerchen in diesem Band.

Auch Comic-Helden haben Familie. Gerade im Krimibereich werden gerne Verwandte dem Helden beigestellt. RUBINEs Bruder konnte der Leser bereits sehr früh kennenlernen. Dieser war aber in Beziehungsfragen nicht derart drängend, wie es insbesondere RUBINEs Mutter ist. Diese lässt ihrer Tochter beinahe keinen Ausweg. Während RUBINE ihren Verehrer abwimmeln muss, lassen sich andere Frauen auf eine gefährliches Beziehungsspiel ein. Wie gefährlich dieses ausfallen kann, erfährt der Leser in einer kleinen Bildfolge, die in Anlehnung an eine der denkwürdigsten Szene aus Der weiße Hai entstanden sein könnte. Viel mehr soll dazu nicht verraten werden.

AMERICA, der Titel des dritten Abenteuers in der 2. Gesamtausgabe, für viele das Land unbegrenzter Hoffnung, bevor sie entdecken, dass die Möglichkeiten eben doch begrenzt sind. Mythic, Walthery und Co-Künstler Dragan de Lazare gelingt mit diesem Abenteuer eine Geschichte, die auf dem zweiten Platz der Rangliste des vorliegenden Bandes. AMERICA ist bitterböse und rückt den Blick auf das gelobte Land enorm zurecht. Die Aufklärung des Kriminalfalls rückt dabei lange Zeit in der Hintergrund, weil auch das Privatleben RUBINEs sehr nach vorne geschoben wird und so einiges mehr von der Figur enthüllt, vor allem aber deutlich macht, wie schwer es für die toughe jemals sein wird, einen passenden Mann zu finden. Wer eine 44er Magnum zum Abendkleid trägt, kann da schon Probleme haben.

Eine feine Mischung aus Kriminalfällen und Thrillern mit engem Kontakt zur Hauptfigur RUBINE und den jeweiligen Nebenfiguren mit ihren ganz eigenen Lebensgeschichten. Insgesamt besitzen die Geschichten sehr viel mehr Tiefe, als die grafische Umsetzung vermuten lassen könnte, die halbrealistisch daher kommt, wie es der Comic-Fan von Serien wie Natascha her kennt (die hier einen Mini-Auftritt hat). Prima. 🙂

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Samstag, 03. Oktober 2015

JACKIE KOTTWITZ – Band 4

Filed under: Thriller — Michael um 17:31

JACKIE KOTTWITZ - Band 4Gemeinsame Ferien sollen es sein. Babette, Jackies Freundni hat sich sehr darauf gefreut. Aber vielleicht ist eine altersschwache Ente ist nicht gerade der beste fahrbare Untersatz, der sich dafür auftreiben lässt. Im dichten Gewimmel steigern sich die Emotionen aller Beteiligten, der Urlauber ebenso wie all jener, die mit im Stau stehen, im dichten Verkehr kaum voran kommen und folgerichtig einen Sündenbock suchen. Da kommt so eine mickrige Ente genau recht. Langer Rede, kurzer Sinn, die Ente lernt fliegen und mit dem Fahren ist vorerst Feierabend. Also werden die Ferien schon früher eingeläutet, irgendwo auf dem Land, unter dem Dach eines alten Ehepaars, das ein Geheimnis hat.

Eines der schönsten Merkmale von JACKIE KOTTWITZ ist die Allgegenwärtigkeit von Abenteuern und Kriminalität gleich hinter der nächsten Ecke. Obwohl Jackie Kottwitz alles andere als den Eindruck erweckt, er sei ein gefährlich lebender Mensch oder gar jemand, der sich ausgerechnet die gefährlichste Ecke in Paris zum Lebensraum auserkoren hat, so schlittert er doch zuweilen sogar von der heimischen Wohnung aus geradewegs in die nächste Geschichte, ohne sich in irgendeiner Form darum bemüht zu haben. Alan Dodier und Pierre Makyo bringen dieses Prinzip mit der wunderbaren Kriminalgeschichte Ein Baby büxt aus auf den Punkt.

Ausgangspunkt ist eine fehlende Gasflasche, ohne die Jackie Kottiwtz leider nichts kochen kann. Wie das immer so ist, ist sie genau im falschem Moment leer geworden, abends, kurz vor Geschäftsschluss. Schnell macht sich Jackie auf den Weg, zu einem Freund Burhan, der neben seinem kleinen Laden viel leidenschaftliches Engagement in den Hilfsverein Die Kinder von da unten hineinsteckt. Jackie unterstützt selbst ein Patenkind durch diesen Verein. Das erklärt auch sofort, warum der junge Detektiv bereit ist, einem anderem Freund zu helfen, als dieser mit seiner kleinen Tochter in großer Gefahr ist.

Ganz nebenbei liefern Alan Dodier und Pierre Makyo eine feine Charakterbeschreibung von Jackie Kottwitz ab, bevor sie ihn ins Kriminalabenteuer stürzen, verfolgt von zwei erbarmungslosen, wenn auch nicht den intellektuell hellsten Killern. Der Humor mildert die ernste Situation ab. Weitere Einstellungen bringen durch Einblicke ins Viertel viel Leben in das Szenario. Letztlich ist es genau diese Palette des Miteinanders, die zur Auflösung der Geschichte und einem ungewöhnlichen Finale führt.

Apropos ungewöhnliches Finale. Zweierlei fällt hierbei auf. Einerseits wird nicht starr auf dieses Finale hingearbeitet, so dass das Ende in dieser oder jener Form stets überrascht. Andererseits versucht es auch nicht durch besonders spektakuläre Ereignisse aufzutrumpfen. Gefährlich sind sie mitunter. Das Titelbild der vorliegenden vierten Ausgabe der Sammelbandreihe gibt einen Eindruck dieser Aussage. Und die beiden Erzähler lassen das Leben ihres Helden auch mal am seidenen Faden hängen. Aber sie übertreiben es nicht. Die Action bleibt anderen überlassen, wie die zweite Geschichte in diesem Band zeigt.

Jackie Kottwitz wäre so gern ein Krimiautor. Genug erlebt hat er eigentlich, nur scheitert es trotzdem an Ideen und der Schreibe. Völlig frustriert macht er sich in einer kalten Nacht auf, um frische Luft zu schnappen und begegnet prompt dem Weihnachtsmann. Nun, natürlich nicht ganz, denn es ist bloß ein Obdachloser, der in den Besitz einer Nikolausmütze gelangt ist und sturzbetrunken auf eiskalten Treppenstufen einzuschlafen droht. Jackie will zuerst vorüber gehen und den Mann seinem Schicksal überlassen, kann es dann doch nicht über sich bringen und nimmt den Mann zu sich mit nach Hause.

Keiner mag es sich zu diesem Zeitpunkt vorstellen, aber Jackies neue Bekanntschaft wird derjenige sein, der für die Action zuständig ist. Wie, das wird hier nicht verraten. Am Ende ist es ein schönes Kabinettstückchen, das mit einer Grundidee spielt, wie es der Cineast aus Der Dieb der Worte oder der Leser von Ein Bär will nach oben her kennt. Außerdem zeigt es, wie ein Buch, hier einigermaßen drastisch, in das Leben eines Menschen eingreifen kann, Krimiaspekte eingeschlossen.

In einer perfekt eingeübten Technik, lockerleicht realistischen Zeichnungen ist Jackie Kottwitz wieder unterwegs und klärt Verbrechen auf und lüftet Geheimnisse. Sympathisch, sehr unterhaltend, auf tollem erzählerischem Niveau, angesiedelt zwischen Columbo und Monsieur Hulot. Klasse! 🙂

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Donnerstag, 30. Juli 2015

MILAN K. 1 – Das nackte Überleben

Filed under: Thriller — Michael um 11:30

MILAN K. 1 - Das nackte ÜberlebenDas Leben könnte für den jungen Mann in diesem Moment nicht schöner sein. Immerhin hat die junge Frau, die mit ihm zur Schule geht, ihm ein ganz besonderes Geschenk versprochen. Leider scheitert die Situation an einem Leibwächter namens Igor. Der Sohn von Andrej Khodorov, auf einem Internat in der Schweiz weit weg von den Ereignissen in Moskau, hat den Ernst der Lage, in der sich sein Vater befindet noch nicht so recht begriffen. Das ändert sich, als seine gesamte Familie, seinen Vater eingeschlossen, ums Leben kommt. Der Weltöffentlichkeit wird ein großes Unglück präsentiert. Für den Jungen und seinen Leibwächter hingegen gibt es keinerlei Zweifel daran, dass die Familie umgebracht wurde. Der Beweis lässt nicht lange auf sich warten.

Geld kann zuweilen nicht gegen jede andere Macht bestehen. Manchmal ist die Macht eines Diktators stärker. Manchmal siegt einfach nackte Gewalt. Autor Sam Timel orientiert sich mit seinem Thriller-Auftakt von MILAN K. an der wirklichen Welt. Russland hat in diesem Szenario ebenfalls das Joch des Kommunismus abgeschüttelt, nur um eine versteckte Diktatur aufzubauen, die Widerstand verdeckt oder klar erkennbar im Keim erstickt. Wladimir Palin heißt der Herrscher über das neue Russland bestimmt nicht zufällig. Äußerlich von Comic-Künstler Corentin als Mixtur aus Peter Cushing und Ross Perot angelegt, verbirgt sich hinter diesem Machtmenschen noch ein anderer, eine Art graue Eminenz.

Wer in den vergangenen Jahren die Nachrichten nur halbherzig verfolgt hat, wird dennoch das eine oder andere von Machtkämpfen zwischen Kreml und Oligarchien gehört haben. So ist man als Leser geneigt, dieser Fiktion schnell zu folgen, bewegt sich der Thriller doch auf vertrautem Grund. MILAN K. ist noch sehr jung, als das Schicksal zuschlägt. Gegen seine Stiefmutter hat er eine tiefe Abneigung, das beruht allerdings auf Gegenseitigkeit. Mit seinen Halbgeschwistern verbindet ihn mehr, doch der Altersunterschied ist letztlich zu groß. Und so ist es eine Laune der pubertären Jugend, als er es ablehnt, den gleichen Flug nach Moskau wie seine Familie zu nehmen.

Modern, glasklar erzählt. Der Leser ist schnell an der Seite des jungen Helden. Dank der Figur des Aufpassers, eines väterlichen Freundes namens Igor, findet sich eine Identifikationsfigur auch für die älteren Leser. Igor ist nicht der klassische Leibwächter. Denn wäre dem so, würde er seine Haut ab einem bestimmten Zeitpunkt, wenn sich die Schlinge immer enger zusammenzieht, das Weite suchen. Aber er lässt seinen Schützling nicht im Stich. Corentin, der neben den Zeichnungen auch die Kolorierung übernommen hat, gestaltet Igor als bulligen Mann, gewachsen wie ein Ex-Boxer, der nach einem Ortswechseln eine Wandlung durchmacht und sich den Gegebenheiten anpasst.

Ob Veränderungen dieser Art, den erwähnten Ortswechsel, Touristenattraktionen, es herrscht eine optisch realistische internationale Thrilleratmosphäre vor. Corentin schafft sehr individuelle Figuren, angefangen beim Hauptcharakter, mit dem ihm noch ein Kunststück gelingt, nämlich diesen altern zu lassen, über Nuancen, wie es nun einmal mit einem jungen Menschen geschieht. Igor indes altert mit dem Standeswechsel auch körperlich, indem er vom Leibwächter eines reichen Kindes zum taxifahrenden Vater eines amerikanischen Jungen wird.

… denn sie wissen nicht, was sie tun. Cineasten dürfen sich über einen ganz besonderen Austragungsort einer rasanten Sequenz freuen. Das Observatorium wurde als Schauplatz in einem Film mit James Dean unsterblich und reizte seither wegen seiner tollen Architektur und seiner Umgebung viele Kunstschaffende zu weiterer Kulisse. So auch hier. Doch so weit, wie es die beiden Comic-Künstler Sam Timel und Corentin treiben, hat es noch niemand gewagt. Das schafft nur das Medium Comic. Oder mit ein entsprechend budgetierter Blockbusterkinofilm. Mehr sei nicht verraten.

Blick voraus. Wer sind die Damen auf dem Titelbild? Die Geschichte verrät es noch nicht. Auch ist MILAN K. noch nicht im gezeigten Alter angelangt, obwohl er innerhalb der Handlung einen großen Schritt in diese Richtung tätigt. Der in sich sehr geschlossene Auftakt, der sich auch einen Seitenhieb auf das amerikanische Gesundheitssystem (eigentlich nicht nur auf dieses) erlaubt, bildet nicht nur angesichts der Jugend des Helden eine gute Grundlage für weitere Abenteuer. Die Konzeption des Thrillers dürfte Sam Timel es erlaubt haben, aus der jüngeren Geschichte noch weitere Inspiration für den Fortgang der Folgen zu ziehen.

Internationales Flair, klar umrissene Charaktere, das Leben der Helden stets auf des Messers Schneide: Sam Timel weiß, wie ein guter Thriller funktioniert. Und Zeichner Corentin liefert klasse, realistische Bilder dazu. So darf es weitergehen. 🙂

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Dienstag, 16. Juni 2015

JOHN TIFFANY 1 – Das Geheimnis des Glücks

Filed under: Thriller — Michael um 17:58

JOHN TIFFANY 1 - Das Geheimnis des GlücksJohn Tiffany befindet sich in Mexiko City. Er sitzt gerade bei einer Mahlzeit im Restaurant, als ein Mann den Raum betritt und bei Tiffany die Neuigkeit wach hält, man habe ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. In dieser ungewohnten Situation behält John Tiffany die Nerven, was leider noch nichts an der noch ausstehenden Lösung des Problems ändert. Denn es bleibt nicht bei einem Jäger und schon lange nicht bei einer Kanone. Kurz darauf wird Mexiko City zur Kulisse einer wilden Verfolgungsjagd. Die Verfolger sind gut. Sie sind schnell. Sie kennen sich mit Feuerwaffen aus und sie sind in Mexiko zuhause. Aber John Tiffany ist in allem etwas besser und ihm ist egal, wo er sich befindet.

JOHN TIFFANY ist ein Lebemann, einer, der das Milieu mag, in dem er verkehrt, obwohl er dies nicht offen zugeben würde. Seinem Verhalten nach zu urteilen, ist er eher zufällig auf der richtigen Seite gelandet. Es hätte auch anders kommen können. Vielleicht sind es die vier guten Menschen, die er auf der Habenseite verbucht, die ihn in der Spur halten. Nur leider, John Tiffany kämpft noch mit diesem Gedanken, muss einer dieser vier Menschen, denen er bislang vertraut hat, ihn jüngst für ein horrendes Kopfgeld (das wohlgemerkt auf seinen eigenen Kopf ausgesetzt war) verraten haben. Stephen Desberg, ein Comic-Autor, der thematisch sehr breit aufgestellt ist, greift hier eine Sorte von Beruf auf, die relativ selten in Thrillern, häufiger in Western abgerufen wird. Doch, wie es sich nach wenigen Seiten zeigt, haben Kopfgeldjäger einiges zu bieten.

JOHN TIFFANY ist ein markiger Charakter, der mit den Zügen eines Hollywood-Schauspielers ausgestattet ist (Jon Hamm). Er liebt schnelle Autos, Nutten, da er die Frauen auf diese Weise so aussuchen kann, wie sie ihm gefallen. Und manchmal bekommt er mehr und anderes, als er erwartet hat. Er hat auch ein Gewissen. Reverend Lovejoy, dem Aussehen nach mit Morgan Freeman verwandt, rückt die schlechten Gedanken Tiffanys wieder ins rechte Licht. Wenn es ihm nützt, lässt Tiffany auch schon mal alle Fünfe gerade sein, andernfalls würde er sich nicht mit einer bekennenden Rassistin wie Dorothy Parker abgeben, die allein schon durch ihr äußere Erscheinung deutlich macht, dass sie ein Fan von Sarah Palin ist. Dank Dan Panosian sind die Figuren sehr gut diversen Vorbildern nach empfunden. Stilistisch eigen, technisch zwischen flott und haargenau bestens abgewägt, geben die Bilder das Thrillerszenario für den Leser bestens wieder.

Dan Panosian erinnert technisch ein Stück weit an Tacconi (Gentlemen GmbH), Philippe Francq (Largo Winch) und Eduardo Risso (100 Bullets). Wie die Innenseiten beweisen gehört Panosian in diese Riege hinein, da er wie seine Kollegen es beherrscht, bereits sehr ausdrucksstark in einer reinen Schwarzweißvariante seiner Grafiken zu sein. Panosian zeichnet etwas kantiger als Tacconi, liebt aber ebenso den organischen Tuschestrich. Er ist bei aller Intuition so exakt wie Francq und hat nicht selten ein ebenso gutes Händchen für Licht und Schatten wie Risso. Mit letzterem Kollegen teilt sich Panosian auch das Talent und Auge für besonders gemein aussehende Gangster oder auch, wie hier, Terroristen.

Stephen Desberg hat einen Halunken erschaffen, ganz im Sinne eines Parker von Donald E. Westlake, nur eben auf der richtigen Seite des Gesetzes stehend. Ein Männerbild, das immerhin in der erwähnten Inkarnation verschiedene Verfilmungen über mehrere Jahrzehnte verteilt überlebt hat. Stephen Desberg gibt diesem männlichen Archetypen noch eine ordentliche Prise Sympathie und Menschlichkeit mit, so dass es absolut schwer ist, sich dem Charme von JOHN TIFFANY zu entziehen. In einer anderen Epoche wäre JOHN TIFFANY roter Korsar oder Musketier geworden.

Die Handlung bewegt sich rund um den Erdball, packt beständig tagesaktuelle Themen an, legt eine prima Mischung zwischen der Action Mann gegen Mann und einigen Sequenzen hin, die den Halunken JOHN TIFFANY zu einem verzweifelt liebenden Mann machen, der sich wie jeder andere auch in eine unglückliche Liebe verrennen kann. Allerdings hat auch nicht jeder Mann ein derartiges Pech aus einem großen Korb Äpfel den schönsten herauszufischen, auf den jemand anderes jedoch bereits Anspruch erhebt. Nicht nur das. Der Konkurrent hat auch genügend Fäuste zur Verfügung, damit seine Argumente regelrecht eingehämmert werden.

Der Auftakt des Vierteilers ist ein kugelrundes Szenario mit einer gut aufgestellten Hauptfigur. Stephen Desberg zieht alle Thrillerregister, weiß, wie und wann er den Leser packen kann: Knarren, schnelle Wagen, schöne Frauen, ein smarter Held mit Herz. Das passt! 🙂

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Mittwoch, 25. März 2015

Perico

Filed under: Thriller — Michael um 9:13

PericoAuf Kuba herrscht das Verbrechen, die Korruption. Das Land ist im Wandel. Ein paar Menschen wie Fidel Castro stellen sich dem Regime um Machthaber Bastita entgegen. Das Leben geht noch seinen gewohnten Gang in Havanna. Noch. Denn die Schlinge zieht sich langsam um jene zu, die nicht an einen Erfolg der Revolutionäre glauben. Bald schon lassen sich Batistas Soldaten von den unterlegenen Rebellen vorführen. Das organisierte Verbrechen sieht seine Möglichkeiten schwinden. Als eine größere Summe außer Landes in die Vereinigten Staaten gebracht werden soll, greifen andere zu und eine lange Jagd auf die Diebe beginnt.

Regis Hautiere schreibt über den Lebensabschnitt eines jungen Kubaners, der seine Gelegenheit ergreift. Der junge Mann namens Joaquin Lima handelt nicht gänzlich uneigennützig, sondern wird auch durch die Umstände in die Angelegenheit verwickelt, hinein getrieben. Familie und Liebe sind die anfänglichen Motivationen. Der daraus erwachsende Wunsch nach einem ganz anderen, einem neuen, in jedem Fall besseren Leben wird zur künftigen Triebfeder. Und je stärker diese drückt, desto eher ist Joaquin bereit, seine Chance mit allen Mitteln zu verteidigen.

Kann man glücklich sein, ohne es zu wissen? Es ist ein spannender Lebensabschnitt, voller Gefahren für das Leben, aber es kommt der Zeitpunkt, an dem sich Joaquin nicht nur darüber wundert, was das Leben mit ihm vorhat. Ausgerechnet seine Schutzbefohlene bringt ihm diese Idee nahe. Regis Hautiere liebt, nimmt man seine Publikationen in Augenschein, das Wandern zwischen verschiedensten Themen. Heraus stechen aber historische Themen, die es ihm besonders angetan haben. Hier hat er sich ganz der Schwarzen Serie verschrieben. Der Ausweg ist die Flucht nach vorn.

Die Hauptfigur Joaquin Lima bleibt seltsam ruhig und gefasst, überlegt, neigt nur selten zu Gefühlsausbrüchen. Welche Folgen unbedachtes Handeln haben kann, hat er am Tod des Bruders erfahren. Ihm gegenüber steht die weibliche Hauptfigur, nicht weniger jung als er, Elena (bzw. Livia), die ihre Benommenheit schnell ablegt und dann ihren Gefühlen folgt, gedankenlos oft, wie jemand, der etwas nachzuholen hat (was auch stimmt). Regis Hautiere lässt hier ein Duo aus Feuer und Wasser gemeinsam fliehen. Dem Leser ist binnen kurzem klar, dass eine solche Konstellation zwangsläufig furchtbare Konsequenzen haben muss. Aber das gehört zur Schwarzen Serie dazu, deren emotionale Grundhaltung Hautiere gekonnt einfängt.

Es schleicht sich nicht nur Mitgefühl für die Hauptfiguren ein. Auch das toll gesäte Misstrauen ist der Erzählkunst von Regis Hautiere zugute zu halten. Man schlägt sich schnell auf die Seite von Joaquin und möchte ihm bei mehrfacher Gelegenheit zurufen, diesem oder jenem Menschen nicht zu vertrauen, könnte dieser sich doch schon bald als Halunke entpuppen.

Philippe Berthet ist mit seiner klaren Linie, seinen wunderbar exakt gezeichneten Charakteren und Kulissen, spätestens seit Poison Ivy hierzulande bekannt. Sein Hang zu Pin-ups setzt sich auch in Perico fort. Mit der Figur der Livia liefert Berthet eine klassische Femme Fatale ab. So muss das Titelbild zunächst erschrecken, denn eine schöne Frau wird eigentlich nicht mit einer Blutfontäne in Verbindung gebracht. Und so tappt der Leser in die Femme-Fatale-Falle, die auch so manchem Gangsterdarsteller in der Schwarzen Serie zum Verhängnis wurde.

Eine düstere Geschichte, die mit sommerlicher Farbenfrohheit über die Ernsthaftigkeit und Dramatik kurz hinweg täuschen lässt. Gangsterballade und schöner Einblick in eine Wendezeit des letzten Jahrhunderts, gut vermischt mit einer ordentlichen Portion vergangenem Lebensgefühls. Berthet und Hautiere ist hier ein tiefgehender und erlebnisreicher Thriller-Comic gelungen. 🙂

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Montag, 16. März 2015

RUBINE – Gesamtausgabe 1 – Zeugenjagd

Filed under: Thriller — Michael um 17:48

RUBINE - Gesamtausgabe 1 - ZeugenjagdDie Frau von heute hat es schon schwer genug. Der Job als Polizistin macht es nicht leichter und einen Bruder zu haben, der sich in größten Schwierigkeiten bringen kann, erhöht den Druck um ein Vielfaches. Schwierigkeiten bedeutet nichts Geringeres, als um das eigene Leben fürchten zu müssen. Ganz nebenbei muss auch Rubine sich selbst aus der Schusslinie bringen. Und warum das Ganze? Rubines Bruder Jay ist ein Computerhacker, der auch ganz gerne mit seinen Erfolgen prahlt. Das mag kein direkter Fehler sein, es sei denn, man kokettiert vor der Fernsehkamera mit den Ergebnissen einer eher halbseidenen Erfolgsgeschichte. Denn kurz darauf haben sich Killer auf seine Spur geheftet.

Die drei Kriminalfälle Hackerjagd, Fenster zur Straße und Der zweite Zeuge bilden den Auftakt zum ersten Band der Gesamtausgabe von RUBINE. Die Comicreihe über die Polizistin mit der flammendroten Haarmähne aus Chicago gibt sich optisch cartoony, geht aber in Sachen kriminaler Aufklärung so hart zur Sache, wie es der Genre-Fan aus Serien wie Miami Vice oder den Straßen von San Francisco, vielleicht auch Die Lady mit dem Colt her kennt. Dabei besitzt die Action einen Belmondo-Charme und erinnert optisch an Stilistiken, wie sie andererseits der Comic-Fan von Serien wie Natascha her bekannt sein können.

Gleich die zweite Folge, Fenster zur Straße beginnt mit einem Attentatsversuch. Der Anschlag geht gründlich daneben. Fast fühlt man sich als Cineast an Komödien wie den Klassiker Die Filzlaus erinnert. Kaum ist diese schöne Sequenz vorüber, darf der Leser sich an der Seite von RUBINE auf vertrautem Gelände tummeln. Als Resultat setzt sich eine Kette von Ereignissen in Gang, an deren Ende eine Menge Fahrzeugschrott steht. In dieser Geschichte treffen sich Action und die bewährte Ermittlungsarbeit. RUBINE lässt es feinfühlig angehen, wie in Befragungen alter Damen, wird aber reaktionsschnell, wenn das eigene, oder, weitaus öfter, fremde Leben bedroht sind.

Was sich bereits im zweiten Abenteuer zeigte, setzt sich mit Folge 3, Der zweite Zeuge fort. Die Grafik wird feiner, was sicherlich nicht an den schönen Arbeitsskizzen im Vorfeld liegt (von denen sich der Leser auf den ersten beiden Seiten überzeugen kann). Mehr Feinheit bringt mehr Atmosphäre, mehr Lokalkolorit des amerikanischen Straßenbildes. Hierbei zeigt sich, dass Chicago, die einstige Heimstatt von Al Capone, mehr zu bieten hat, als nur finstere Straßenschluchten. An Rubines Seite geht es auch in die Vororte, die Gegenden der betuchteren Mitbürger, denn schließlich steht auch nichts weniger als die Überprüfung eines Ferraris auf dem Plan.

Schöne Frauen haben es auch nicht leicht. Besonders dann nicht, wenn Killer auf dergleichen Äußerlichkeiten keinerlei Wert legen und dies sogar mit Handgranaten unter Beweis stellen. Nachdem RUBINE in der zweiten Folge eher die Jägerin war, wird sie nun als Beschützerin zur Gejagten. Ihre Schutzbefohlene, nicht weniger gutaussehend, aber offensichtlich weitaus unerfahrener in kriminellen Angelegenheiten, stellt Rubine auf eine arge Geduldsprobe. Das ist auf langer Strecke wieder humorvoller als in der Geschichte zuvor. Im Finale verzichtet Mythic, der Autor, auf den Spaß und wird wieder todernst.

Schöne Krimis, gelungen amerikanisch, wie es der Genre-Fan bei dieser Lokalität erwarten darf, mit einer tough auftretenden modernen Polizistin, die es auch gerne mal mit Begeisterung krachen lässt, im wahrsten Sinne des Wortes. 🙂

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Mittwoch, 21. Januar 2015

Jackie Kottwitz – Band 3

Filed under: Thriller — Michael um 18:40

Jackie Kottwitz - Band 3Das kleine tuckernde Fahrzeug, nicht ganz Fahrrad, auch nicht Moped, brachte Jackie wie gewohnt ans gewünschte Ziel. Zeitweilig, wenn ein Auftrag auch Geld eingebracht hat, muss das Geld auch zur Bank gebracht werden. So selten solch ein Besuch auch ist, muss ausgerechnet in diesem Moment ein Überfall stattfinden. Die Verhaltensweisen in Gegenwart bewaffneter Räuber sind vergleichsweise einfach formuliert. Sollen sie doch das Geld haben, wenn einem dafür Leib und Leben unbeschadet bleiben. Leider gibt es immer wieder Bankangestellte, die sich wider jeder Vernunft als Helden hervortun wollen.

Jackie Kottwitz ist berechtigterweise entrüstet, allerdings wird er eines Besseren belehrt. Nun gilt es, noch Schlimmeres zu verhindern. Jackie wird zum Nachwuchshelden, als er dem Bankräuber hinterher eilt und gerät prompt mit der Polizei in Konflikt, die ihn für einen Mittäter hält. Es scheint wieder einmal einer jener Tage zu sein, in die Jackie so gerne wie in einen Fettnapf tritt … Und das ist erst der Anfang.

Jackie Kottwitz ist keiner der üblichen harten Knochen, wie sie ein Humphrey Bogart auf der Kinoleinwand vorlebte. Er ist aber auch kein Jean Gabin, der einem Maigret sein unverwechselbares Äußeres verlieh. Jackie Kottwitz ist eine Spürnase mit Feingefühl, könnte aber hin und wieder von den Fähigkeiten seiner beruflichen Verwandten gebrauchen. Denn ungefährlich sind die Fälle, die Jackie Kottwitz zu untersuchen hat, nicht. Obwohl er den Eindruck vermittelt, als würde er eher der Untreue von Ehebrechern nachspüren. Banküberfälle, vermisste Personen (ihn selbst eingeschlossen), Morde und Ganoven jeglicher Couleur gehören zu seinem Geschäft.

Nie völlig überrascht, nie ganz fassungslos. Eigentlich sieht er aus, als sei er nicht für diesen Job gemacht. Jackie Kottwitz ist jugendlich schlank und mit seinen runden Brillengläsern im ovalen Gesicht fehlte eigentlich nur eine gezackte Narbe auf der Stirn, wären seine Haare nicht feuerrot. Der Blick ist unschuldig und bleibt es auch nach allen Erlebnissen, die ihn mit den Abgründen menschlicher Leidenschaften konfrontieren. Alain Dodier (Zeichner), der die Serie zusammen mit den Erzählern Pierre Makyo und Serge Le Tendre ins Leben rief, hat einerseits einen optischen Antihelden geschaffen, andererseits ist ihm mit dem jungen Detektiven von nebenan ein sehr zeitloser Charakter gelungen, an dem die Jahrzehnte spurlos vorüber gehen.

Obwohl die in diesem dritten Sammelband vorliegenden Alben, Leichte Beute, Das Geheimnis in den Dünen und Vermisst, allesamt in den frühen 90er Jahren des letzten Jahrhunderts original erschienen, ist die Atmosphäre der Kriminalgeschichten eine andere. So gibt es in Leichte Beute Tendenzen zur Schwarzen Serie Hollywoods. Das Geheimnis in den Dünen könnte Freunden von Werken einer Daphne du Maurier gefallen. Und Vermisst ist durch die zentrale Rolle der Frauen, die sonst um Jackie Kottiwtz herum agieren, so modern, wie es gerade nur möglich ist.

Sind französische Gesichter interessanter? Keine ernst gemeinte Frage, allerdings haben gerade die Gesichter in den drei Kriminalgeschichten viel zu bieten und es wäre interessant zu erfahren, welchen reale Vorlagen zugrunde liegen. Die Darstellung der Familie in Das Geheimnis in den Dünen ist so differenziert, wie man es nur selten in Comics findet. Und das Ermittlertrio der drei sehr verschiedenen Damen in Vermisst könnte geradewegs nach einem guten Casting von der Kinoleinwand oder vom Fernsehschirm auf Papier gebannt worden sein können.

Jackie Kottwitz ist ein rundum sympathischer privater Ermittler, dessen gesamtes Umfeld so wunderbar ausgewogen und gelungen ist, wie man es sich eigentlich von jedweder Unterhaltung erwartet. Zeichner Alain Dodier gelingt hier ein wahres Kunststück und erreicht mit seinen Bildern eine genaue Balance zwischen Ernsthaftigkeit und teils heiterer kriminalistischer Tätigkeit. Sehr, sehr schön! 🙂

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Montag, 15. Dezember 2014

LARGO WINCH 19 – DOUBLE PLAY

Filed under: Thriller — Michael um 10:11

LARGO WINCH 19 - DOUBLE PLAYWo die Liebe hinfällt? Wahrscheinlich dort, wo die Versuchung besonders groß ist. London ist zwar nicht als die Stadt der Liebe bekannt und doch finden hier in den nächsten Tagen Entwicklungen statt, die zufällig Menschen zusammenzubringen scheinen und doch generalstabsmäßig durchgeplant sind. Und es beginnt auch zunächst romantisch. Ein älteres Ehepaar will in Ruhe das gemeinsame Mittagsessen zubereiten. Das Miteinander ist liebevoll, auch nach so langer Zeit. Leider ist den Verbrechern, die für einen solchen Moment eine Falle vorbereitet haben, furchtbar egal.

Ins Herz des Winch-Konzerns. Eine Generalversammlung bietet Chancen und erhöht die Gefahren für Leib, Leben und Liebe. Largo Winch tappt in eine verführerische Falle. Das Titelbild verrät es bereits. Die Falle wird von Largo nicht nur gern betreten, sie schnappt auch gerne zu. Wie konnte das passieren? Beides scheint zunächst nicht verständlich. Largo Winch ist auf dem Gebiet der Liebe kein Unerfahrener, sein Ruf eilt ihm sozusagen voraus. Und die Venusfalle hätte es auch besser wissen müssen. Jean van Hamme hat hier seine Figuren wie auf einem Schachbrett aufmarschieren lassen. Der große Plan wird vor dem Leser ausgebreitet, doch dann prallen die Winkelzüge in unvorhergesehenen Richtungen ab.

Willem Dafoe und Sir Michael Caine geben sich die Ehre. Die beiden Schauspieler hat der langjährige Largo-Winch-Zeichner mit großer Präzision und in seinem ganz persönlichen Stil getroffen. Feine Striche, die keinerlei Möglichkeit bieten, Fehler in irgendeiner Form zu kaschieren, erzeugen Kinocharakter. Zwar reduziert Autor Jean van Hamme die Handlung deutlich auf die agierenden Figuren und verzichtet diesmal auf große Kulissen und weltweites Thriller-Prozedere, dafür dürfen Nebenfiguren viel mehr in die erste Reihe. Eleanor Pennywinkle und Dwight E. Cochrane konnten sich innerhalb der Serie schon hervortun, aber hier lassen sie den Leser noch mehr als sonst auf Tuchfühlung gehen.

DOUBLE PLAY, also Doppelspiel, ist beinahe zu wenig. Denn einigen Charakteren genügt gerade einmal ein Dreifachspiel. Und andere werden zum Spielball. Miss Pennywinkle, in gewissem Sinn der gute Geist rund um Largo Winch, der hilfreich zur Seite steht, wenn es mal brennt, darf sich auf Wolke 7 fühlen. Es ist ungewohnt, sie so zu erleben. Jean van Hamme gibt ihr den Spielraum, sich einmal so richtig gehen zu lassen. In dieser von Van Hamme geschilderten beinharten Managerwelt, in der die Personen in ein wirtschaftlich orientiertes Korsett gezwängt sind und für Menschlichkeit nicht viel Platz bleibt, das Handeln dem Diktat des Geldes untergeordnet ist, sind solche Szenen Gold wert.

Die Jäger gehen leer aus. In Largo Winch haben einige Figuren, die mal öfter, mal seltener auftreten Liebesabenteuer und sind aktive Jäger in erotischen Gefilden. Ausgerechnet diesen Charakteren (es soll nicht verraten werden, welche das sind) gibt Jean van Hamme nun einen Korb. Und es ist interessant zu sehen, wie Van Hamme seine Spieler auf eine derartige Situation reagieren lässt. Denn glaubte man bislang, Liebe sei doch eher etwas, das einige sehr oberflächlich betreiben, wird man als Leser nun eines Besseren belehrt und entsprechend überrascht. Und nicht nur der Leser. Auch jemand aus dem engeren Umfeld von Largo Winch wird gehörig aufs Glatteis geführt.

Gutmenschen sind Spielverderber. So lautet jedenfalls das Urteil, das Largos Feinde über ihn fällen. Da Gutmenschen das Spiel kaputt machen, gehören sie aus dem Spiel entfernt. Das ist die dunkle Seite von DOUBLE PLAY, die beinahe außer Acht gelassen wird, konzentriert man sich zu sehr auf die amourösen Ereignisse. Im Hintergrund sind Strippenzieher am Werk, die miteinander ein Netzwerk verbindet, welches kaum auszurechnen war. Van Hamme vermag es auf diesem Weg, wie auch auf der leicht komödiantischen Schiene seinen Leser weiterhin zu verblüffen. Die letzte Seite zeigt auf ebensolche Weise, welche losen Enden Van Hamme für den zweiten Teil der Handlung offen gelassen hat.

Der erste Teil einer weiteren Doppelfolge, die von Jean van Hamme für Kenner der Serie geschrieben wurde. Sie ist für Neueinsteiger lesbar, aber viele Nuancen werden solchen Lesern entgehen, da ihnen Erinnerungen an vergangene Begebenheiten einfach fehlen. Für den Fan ist DOUBLE PLAY eine Folge, die einen schönen, frischen Weg geht und Jean van Hamme die unbekanntere, humorvolle Seite der Serie ausbauen lassen darf. 🙂

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