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Comic Blog


Montag, 07. April 2014

I.R.$. 13 - Yamashitas Gold

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 17:49

I.R.S. 13 - Yamashitas GoldLarry B. Max findet den Mörder seiner Freundin Gloria in Bangkok und ist entschlossen, die Jagd endlich zu Ende zu bringen. Längst hat er seine Kompetenzen im Rahmen des I.R.S. weit überschritten. Larry B. Max will auch den letzten Schritt tun. Doch es kommt anders. Am Ende gibt es nicht nur einen Toten, es gibt auch einen neuen Auftrag, der auf einer Erpressung fußt. Dabei hatte es für Larry ganz gut ausgesehen. Er hatte sein Ziel mit Leichtigkeit gefunden. Dieser Mann, den er für den Tod von Gloria verantwortlich macht, flüchtete und suchte doch die Auseinandersetzung. Voller Angst forderte er Larry heraus. Larry scheute nicht die Menschen um sich herum, während er sich ein Feuergefecht mit dem anderen Killer lieferte. Doch dann wurde es im entscheidenden Moment dunkel um Larry.

Bernard Vrancken setzt in seiner Darstellung der Serie auf einen möglichst realistischen Grafikstil. Zeichnungen wirken wie Umsetzungen von Fotografien. Fahrzeuge, Ausschnitte der Welt rund um Larry B. Max, die Hauptfigur der Reihe, historische Szenen könnten auch so in einem Film erschienen sein. Vorbild ist natürlich der amerikanische Thriller oder auch Kriminalfilm mit all seinen Facetten, häufig besonders in der Welt der Schönen und Reichen, den Autor Stephen Desberg gerne als Sumpf mit spiegelnder Oberfläche zeigt.

Für den Leser startet diese zweiteilige Geschichte (die Fortsetzung folgt im nchsten Band) an der Seite von Larry B. Max mit einem Nachhall des Vorgängerabenteuers. Der Ermittler des I.R.S., des Internal Revenue Service (Bundessteuerbehörde der USA), hat noch eine persönliche Rechnung zu begleichen und schlittert durch diesen Umstand geradewegs in seinen nächsten Fall. Der Held der Geschichte hat sich bereits einmal mit Kriegsbeute beschäftigt (Band 1 und 2) und wird dadurch zu einem Jäger, der auch für die chinesischen Triaden im Zweiten Weltkrieg abhanden gekommene Schätze wiederbeschaffen kann. Diese Aufgabe, an der sich die Triaden bereits die Zähne ausgebissen haben, soll von Larry B. Max innerhalb von zehn Tagen erledigt werden.

Was in Bangkok beginnt, führt rasend schnell zurück nach Los Angeles, einem Kerntummelplatz des Ermittlers, der hier zu Hause ist und auch noch ein Klassentreffen vor sich hat. Obwohl es zeitlich so gar nicht in den Plan passt, zwackt Larry eine ruhige Minute ab (von denen er, weil Stephen Desberg geschickt die Fäden zieht, sehr wenige hat) und mischt sich unter die Schulkameraden vergangener Tage. Ein Indiz für die Filmverwandtschaft der Bilder innerhalb der Serie ist die Verwendung von Gesichtern, die Schauspielern nachempfunden sind und immer wieder einmal entdeckt werden können. Am Beispiel des Schultreffens kann so eine Halle Berry genannt werden, die zweifellos in Großaufnahmen Patin für die Figur der Laroya Armstrong gestanden hat.

Yamashitas Gold ist die inzwischen 13. Folge der Reihe I.R.$. und Stephen Desberg hat in Sachen Thriller seine Hausaufgaben gemacht. Er kennt die Regeln des Aufbaus, legt geschickt Spuren aus, lüftet Rätsel nach und nach und setzt seine Hauptfigur gehörig unter Druck. Daneben streut er Zweifel über die wahren Absichten und Loyalitäten einiger Figuren. In die Handlung des gegenwärtigen Zeitstrangs werden Rückblenden eingebaut, die dem Leser anschaulich und spannend zeigen, was damals geschah, als das erwähnte Gold verschwand. Und gemäß all der Tricks, die zum Geschäft eines Thrillerautoren gehören, setzt Desberg auch einen Cliffhanger mit nicht wenigen losen Enden.

Hier ist, dank der grafischen Finessen von Bernard Vrancken durchweg Titelbildqualität auf jeder Seite zu finden, mit einer Kolorierung von Coquelicot. Hier wird mit feinen Verläufen gespielt, möglichst natürlich wirkend, leuchtenden Farben, wie man sie auch auf der Filmleinwand erwarten darf. Die Kulissen bieten Abwechslung in Epoche, Land und individuellem Ort, innen wie außen. Ob Prachtstraßen oder Nachtklubs, die Atmosphäre ist stimmig. Besonderes Augenmerk liegt hier auf den historischen Rückblenden, die der Handlung und der Optik noch mehr Tiefe verleihen.

Ein packender Thriller, im Stile moderner Fernsehserien, mit einem im Hintergrund laufenden roten Faden, der die Figur des Larry B. Max beständig weiterentwickelt. Feine Unterhaltung. Jeder Zweiteiler der Reihe ist für einen Neueinstieg geeignet, so wie jetzt. :-)

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Donnerstag, 03. April 2014

PARKER - Das Syndikat

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 10:18

PARKER - Das SyndikatWenn einem Gangster auf der Spur sind und nichts anderes als den Tod im Gepäck haben, ist man gut beraten, eine Weile unterzutauchen oder, wie im Falle Parkers, Nägel mit Köpfen zu machen und sich gleich ein neues Gesicht zu besorgen. So gerüstet wird das Syndikat für den Rest des Lebens abgehängt. Gibt es jedoch einen Verräter in der Nähe, kann dieser Rest sehr mager ausfallen. Parker hat sich zu früh gefreut. Wieder sind ihm die Gangster auf der Spur und wieder macht sich Parker zur Klärung der Angelegenheit auf den Weg. Das ist nicht persönlich, es ist nur geschäftlich. Aus diesem Grund greift Parker mit seinen Kumpanen das Syndikat zuerst dort an, wo es besonders weht tut: beim Geld.

Wie ist das Leben eines Gangsters? Dichter noch als im ersten Abenteuer um den toughen Einzelgänger Parker beschreibt Darwyn Cooke nach der Romanvorlage von Richard Stark einen Mann Mann, der zwar auf diesem Planeten, aber dennoch in einer ganz anderen Welt lebt. Parkers Leben findet hinter den Kulissen der gewöhnlichen Sterblichen statt. Mit Äußerlichkeiten hält er sich kaum auf. Seine Identität definiert sich nicht durch sein Gesicht. Er muss männlich aussehen. Das Gesicht (wie die ganze Statur) muss dazu taugen, Frauen für eine Macht klar zu machen. Das scheint zu gelingen. Seine Reflexe und seine kompromisslose Art sorgen zusammen mit seinem glasklar kalkulierenden Intellekt für sein Überleben.

Verbrechen ist Geschäft. Und Geschäft bedeutet Geld. Das Syndikat verdient sein Geld kaum auf herkömmliche Art und Weise. Schwerpunkte finden sich im Glücksspiel, einer Halbwelt, schwer zu kontrollieren und deshalb umso leichter anzugreifen. Wir schreiben das Jahr 1963. In dieser Dekade, in der nach den Sternen gegriffen wird und alles möglich scheint, klammern sich einige noch an hergebrachte Strukturen. Diese innerliche Zerfressenheit kann von ein paar Gangstern von außen geknackt werden. Der Autor der Vorlage, Richard Stark, beschreibt diese Zerrissenheit ohne Rücksicht auf Erzählstrukturen oder ähnliche Gesetzmäßigkeiten, schafft ein kleines Kaleidoskop, gibt sezierende Einblicke, faszinierend und spannend zugleich.

Mitten drin bewegt sich Parker als Chirurg, der den Körper des Feindes perfekt zu kennen scheint, als As in seinem Job weiß er, wo die Skalpelle für die richtigen Schnitte anzusetzen sind. Diese Schnitte sind nicht nur Überfälle, sie sind auch Morde. Der Leser wird nicht erfahren, was Parker dabei empfindet. Die Leichtigkeit, mit der er derlei Aktionen in die Tat umsetzt, spricht allerdings eine deutliche Sprache. Wo Geld der Spitzenwert ist, bedeutet ein Menschenleben nichts. Im Wechsel aus direkter Szene, nah dran am Geschehen, und erzählenden Passagen, die den Leser Abstand gewinnen (und zwischenzeitlich aufatmen) lassen, entsteht ein Gesamtpaket, dessen Geschichte am Ende umfangreicher erscheint, als sie eigentlich ist.

Schwarz, weiß, blaugrau sind die Farben dieser gezeigten Unterwelt, in der sich Parker bewegt. Die Akteure sind, gemäß der Zeichentrickgrafikwelt, in der Darwyn Cooke beruflich viel Zeit verbracht hat, abstrakt einfach, manchmal verspielt. Sie agieren realistischer als Schattenrisse, gegensätzlich zu den jeweils individuell angelegten Figuren. Oder sie sind wahre Karikaturen, wenn Darwyn Cooke und Richard Stark beschreiben, wie das organisierte Verbrechen mit seltsamen und zunächst undurchschaubar wirkenden Systemen Geld verdient.

PARKER: Ein geradliniger Thriller mit einem Gangster als Hauptfigur. Parker ist, wie er ist. Hart gegen sich und andere, egoistisch, brutal, zynisch, auf seine Art berechenbar. Wer Parker nicht bescheißt, wird nicht beschissen. Wer ihn aus dem Weg räumen will, wie eben das Syndikat, kann sein Testament machen. Darwyn Cooke adaptiert auch die Fortsetzung um den Ganoven und Killer von Richard Stark. Der Thriller verweigert sich jeglicher moderner Komik, die mittlerweile im Genre anzutreffen ist, noch gibt es comic-artige Überzeichnungen. Hier ist klassisch wieder erfrischend neu und spannend. Cookes Grafikstil mildert die Härte der Geschichte ab. Aber nicht sehr. :-)

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Dienstag, 04. Februar 2014

C.O.P.S. - Absturz in South Central 2

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 16:46

C.O.P.S. - Absturz in South Central 2Einfacher Plan. Von oben kommen, im Schutz der Nacht. Über dem Dach niedergehen und das Einsatzteam absetzen. Die gehen rein, leise, schleichen zum Zimmer, wo die junge Frau gefangen gehalten wird und bringen sie auf ebenso leisen Sohlen wieder raus. Leider will die Frau nicht mitgenommen werden. Die Gegenwehr ist brachial und kompromisslos. Das Einsatzteam rennt blindlings in eine Falle. Mit einem großen Knall löst sich die gut gemeinte Befreiungsaktion in Rauch auf. Greg Colinas, ein Cop, hat ein anderes, weniger lebensgefährliches Problem. Man hat ihm alle Sachen geklaut. Bis auf die Unterhose hat man ihm alles abgenommen, denn in South Central lässt sich alles zu Geld machen, sogar gebrauchte Socken.

Hinter den Kulissen tobt ein Fall, in dem sich Politik mit Gangstern einlässt. Stadtrat McAdams Tocher wurde entführt. Für die Polizei steht das Wohl der jungen Frau ganz oben in der Liste. Ein wirklichen Schritt sind sie bisher noch nicht weiter gekommen. Zahlreiche Informationen fügen sich jedoch zu einem Bild zusammen, das Mutmaßungen entstehen lässt. Es sind keine guten Schlussfolgerungen, auch lassen sie glauben, dass sich die Suche nach McAdams Tochter langsam zu einem Wettrennen entwickelt. Und der Endspurt wird verdammt schmutzig.

Atmosphäre: Antonio Sarchione (Zeichner) und Lou (Farben) gelingt das Kunststück, die Welt von South Central mit außergewöhnlicher Authentizität ins Leben zu rufen. Es ist erst Mai und dennoch hält die Hitze die Stadt bereits gefangen. Die städtische Atmosphäre, will man einen cineastischen Vergleich, erinnert an den Start von Predator 2. Banden beherrschen ihr Gebiet. Wer als Polizist in diesem Kalifornien arbeitet, das sich von den mittlerweile faschistisch regierten Vereinigten Staaten abgespalten hat, hat ein hartes Leben. C.O.P.S. steht für Central Organisation for Public Security. Anfangs experimentell aufgestellt, ist die Truppe innerhalb des LAPD, Los Angeles Police Department von Jahr zu Jahr weniger gut angesehen. Wer den zweiten Teil von C.O.P.S. – Absturz in South Central liest, wird diese Ansicht nicht teilen.

Marc Sautriot hat einen knallharten Thriller geschrieben, ein wenig in der Zukunft angesiedelt. Die Atmosphäre, um einen anderen Vergleich zu bemühen, erinnert auch an Zustände in Mexiko, wo sich Normalbürger zu Milizen zusammenschließen, um gegen Drogenkartelle zu kämpfen. Offizielle Stellen scheinen machtlos zu sein. Ermittlungen münden beinahe in kriegsähnliche Handlungen. Besitzt das Titelbild beinahe etwas von der Atmosphäre eines Vietnam-Kriegsszenarios, tauchen die Bilder von Antonio Sarchione dank der Farbgebung durch Lou in ein grelles, sommerliches Licht, teils schon psychedelisch zu nennen. Vergleiche zu weitaus früheren Comictagen werden wach, als Künstler wie Jean Geraud und andere mit knallenden Farben experimentierten.

Dies ist auch das Stichwort zum Zeichner Antonio Sarchione selbst, der stilistisch mit dem Meister mithalten kann, zuweilen auch an Eduardo Risso erinnert (100 Bullets) und mit sehr individuellen Figuren punktet. Die technischen Abbildungen, Straßenzüge und Ansichten, Perspektiven generieren ein sehr realistisches Ambiente, bestimmt angelehnt an cineastische Blickweisen. Die Handlung beinhaltet sehr viele Charaktere, Einsatzkräfte und Kriminelle gleichermaßen. Diese, vor allem in Massenszenen, zu inszenieren gelingt immer bis hin zu einem packenden Finale mit Wechseln in Perspektive und Schauplatz.

Nicht nur im Sinne eines Thrillers, auch in Sachen Action geht es ordentlich zur Sache. Hier werden entsprechende Bilder nicht ausgespart. Sie werden nicht über Gebühr strapaziert, nicht zum Selbstzweck erklärt, aber wo Gewalt die Szene beherrscht, folgen die Grafiken auch den aktuellen Sehgewohnheiten des Kintopps.

Schnörkellos, zwischenzeitlich auch hart, erzählt Marc Sautriot einen runden Thriller, spannende Wendungen inklusive. Das grafische Duo, Antonio Sarchione und Lou, hebt das Szenario auf Kinoniveau, sehr realistisch gestaltet. Die Kenntnis der ersten Folge dieses hiermit abgeschlossenen Zweiteilers ist sinnvoll für ein packendes Lesevergnügen. :-)

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Mittwoch, 15. Januar 2014

BRUNO BRAZIL Gesamtausgabe 2

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 21:30

BRUNO BRAZIL Gesamtausgabe 2Ein Sohn kehrt nach Hause zurück und findet nicht die Herzlichkeit vor, die er eigentlich nach langer Abwesenheit erwartet hätte. Die Stimmung in der Familie ist angespannt, der Vater Esteban will nicht einmal Geld von seinem Sohn Gaucho, einem Mitglied der Gruppe um Bruno Brazil, annehmen. Als ein alter Freund der Familie zusammengeschlagen, zerschunden und blutüberströmt, mit einer Warnung ins Haus kommt, ahnt Gaucho das Schlimmste. Das Kommando Kaiman benötigt keine offiziellen Aufträge, um sich mit Halunken anzulegen, oder, wie in diesem Fall, mit der Mafia. Die ehrenwerte Gesellschaft glaubt ihrerseits, sich nur mit einem Mann, allenfalls mit einer normalen Familie anzulegen. Aber wo Gaucho ist, sind seine Freunde nicht weit.

Im zweiten Band der Gesamtausgabe um die Abenteuer von BRUNO BRAZIL finden sich nicht nur vier spannende Alben, der Comic-Fan kann sich auch (falls er es noch nicht wusste) auf eine Überraschung gefasst machen. Seit einiger Zeit weiß der interessierte Zuschauer und Leser, dass eine einmal existente Figur, vorrangig in Serien, nicht mehr vor dem Tod gefeit ist. Charaktere, so beliebt sie sein mögen, so fest sie auch im serialen Sattel sitzen mögen, können sterben. Nicht nur, weil es der Dramaturgie dient und möglicherweise an den Grundfesten der Serie rüttelt, sondern auch, um sich ins Gespräch zu bringen.

Ähnlich gelang es Greg (Autor) und William Vance (Zeichner) mit der Geschichte Akashitos Vermächtnis einen Aufschrei zu provozieren, denn eine etablierte Figur sterben zu lassen (hier: Big Boy) war ein Novum und außergewöhnlich zu nennen. Andererseits, der Leser kann es zu Beginn noch nicht absehen, erweitern Greg und Vance die Riege und die Lebensgeschichte um BRUNO BRAZIL. Bereits im Folgeabenteuer Bewährung für das Kommando Kaiman ist BRUNO BRAZIL nicht nur verheiratet, sondern auch Adoptivvater. Die beiden hier erwähnten Comic-Thriller könnten gegensätzlicher kaum sein.

Beide warten mit exotischen Schauplätzen auf. Verschlägt es BRUNO BRAZIL in Akashitos Vermächtnis nach Bangkok in Thailand, ist der nachfolgende Handlungsort in Bewährung für das Kommando Kaiman so andersartig und so selten benutzt, dass es sich lohnt, hier genauer hinzusehen: die Aleuten. Die Inselkette im Nichts könnte als Schauplatz für alles mögliche dienen, liegt sie doch zu den USA gehörend vergleichsweise im Niemandsland. Greg nutzt die Abgeschiedenheit, indem er sich für sein Szenario über Menschenschmuggel nach Gutdünken austoben kann, aber sicherlich nicht, indem er fantastisch übers Ziel hinausschießt, sondern vielmehr, da er einen Ort auf der Weltkarte gefunden hatte, auf dem Wildwestmanieren noch möglich waren.

Auch gegensätzlich: Zeichnet William Vance im Abenteuer um eine Rakete aus dem Zweiten Weltkrieg mit einem vergleichsweise ebenfalls wilden Tuschestrich, kehrt er mit dem vierten und letzten Abenteuer in diesem Sammelband zu gewohnter Akkuratesse zurück. Welcher Stil nun besser gefällt, liegt einzig im Auge des Betrachters. Denn verschiedene Strichführungen, auch geschabte Striche in Akashitos Vermächtnis beweisen die gewollte Stilistik der Bilder, von der sich Vance aber wieder zurückzog und die bestimmt nicht weniger Zeit in Anspruch nahm als die nachfolgende Arbeit.

Die Nacht der Schakale und Höllentanz in Sacramento leiten den 2. Teil der Gesamtausgabe ein und bilden ein doppelt so lange Geschichte wie gewöhnlich. Die eingangs erwähnte Thematik rund um den Kampf gegen die Mafia und ihre Handlanger wird in zwei feinen Thrillern abgehandelt, in denen BRUNO BRAZIL mehr Strippen zieht als gewöhnlich und viel taktischer arbeitet. Was im Vergleich zu den letzten beiden Abenteuern besser gefällt, ist reine Geschmackssache.

Ein Traumduo bei der Arbeit: Greg und William Vance zeigen die Bandbreite ihrer Arbeit, erschüttern auch einmal, indem sie gegen bestehende Comic-Regeln rebellierten, ein Klassiker ist es weiterhin. Vorbildlich schön. :-)

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Dienstag, 07. Januar 2014

DEADLY STORM - Tödlicher Sturm

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 18:14

DEADLY STORM - Tödlicher Sturm - Ein Fall für Derrick StormIn einem Wohnwagenpark lauert Derrick Storm einem Ehebrecher auf. Die Ehefrau von Jefferson Grout dachte bisher, ihr Mann sei nur verschwunden. Storm weiß es inzwischen besser. Ein paar Fotos werden die Charakterschwäche von Jefferson Grout belegen und dann geht es gleich wieder nach Hause. Wäre da nicht der Revolver, der plötzlich auf ihn gerichtet wird. Und die Schrotflinte. Und die Automatik. Und Grout benutzt sogar einen Schalldämpfer für seine Pistole. In welchen Schlamassel ist Derrick Storm da hineingestolpert?

Angesichts einer welteiten Präsenz in Roman, Fernsehserie und nun auch Comic kann man von einem fulminanten Erfolg der Autorenfigur von Richard Castle sprechen. Der Leser wird hier in diesem Band auf eine der Erfindungen von Richard Castle treffen, Derrick Storm, einem Privatdetektiven, dessen Abenteuer mit markigen Titeln daherkommen und so angelegt sind, dass es gleich von der ersten Szene an zur Sache geht. Das ist solide Thrillerkost, viel Zeit soll dem Leser nicht bleiben, er soll gefesselt werden, deshalb kommt Derrick Storm zu seinem wirklich großen Auftrag wie die berühmte Jungfrau zu Kinde. Aus einer einfachen Suchaktion und letztlichen Überwachung wird plötzlich eine Angelegenheit auf Leben und Tod.

CIA. Derrick Storm ist selbst nicht unbelastet, war sein Vater doch beim FBI und kennt sich aus. Er rät seinem Sohn von einer Zusammenarbeit mit der CIA ab, die am Ende nur jemanden braucht, den sie an der lange Leine führen kann. Aber Derrick Storm ist auch Charakter, der es immer meint besser zu wissen, deshalb macht er sich trotzdem auf den Weg ins ferne Nicaragua. Lan Medina, Zeichner der ersten Comic-Ausgabe von Derrick Storm, hatte das Glück den Charakter für diese Adaption gestalten zu können. Insgesamt der in Sachen Superhelden erfahrene Zeichner mit perfektem Strich bei der Arbeit. Die Figuren, allesamt, tragen markante, starke Züge und sind keine durchschnittlichen Figuren. Das Konzept einer Fernsehserie ist hier deutlich in den Comic übertragen worden.

Lan Medina, der die Comic-Adaption von Comic-Veteran und Autoren-As Brian Michael Bendis grafisch umsetzt, zeichnet überaus fein, wie die Dokumentation der Arbeitsprozesse im Anhang eindeutig zeigt. In der Tuscheüberarbeitung, überwiegend von Scott Hanna ausgeführt, gehen manche Feinheiten leider verloren, ein Verlust, der in diesen Arbeitsschritten allgemein häufiger auftritt. Aber es ist auch interessant zu sehen, wie sich Kleinigkeiten von der Bleistiftskizze bis zur Tuschezeichnung noch ändern können. Insgesamt ist der Arbeitsaufwand, der hier präsentiert wird, der penible Aufbau der Seiten (auch von der schriftlichen Vorlage her betrachtet), einen zweiten und dritten Blick wert.

Manche Helden werden zusammengeschlagen, damit sie derart derangiert das Herz des Lesers oder Zuschauers für sie einnehmen. Derrick Storm kommt zwar auch nicht ohne Blessuren davon, wirklich bemitleidenswert wird jedoch erst, wenn er in einem rosafarbenen Bademantel in einem Hotelzimmer warten muss, während eine emanzipierte CIA-Agentin ihrer Arbeit nachgeht. Ja, die modernen männlichen Helden haben es nicht leicht, möchte man sagen. Aber Frank Castle, Brian Michael Bendis (im Autorenverbund mit Kelly Sue Deconnick) und Lan Medina haben ein Einsehen. Körperlich durchaus wie Superman ausgestattet, kann Derrick Storm einstecken und hinlangen, ist smart und charmant wie Nathan Fillion.

Beginnt als kleiner Fall und wächst zu einer internationalen Geschichte heran, in der es um sehr viel mehr geht. Schneller Thriller mit sympathischer Hauptfigur, fein illustriert, von Comic-Profis adaptiert. :-)

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Mittwoch, 11. Dezember 2013

BRUNO BRAZIL Gesamtausgabe 1

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 21:23

BRUNO BRAZIL Gesamtausgabe 1Die Stadt ist leergefegt. Mit diesem Szenario hatte das Team um Bruno Brazil nicht gerechnet. Langsam tasten sie sich an die Lösung des Rätsels heran. Plötzlich werden sie entdeckt und stecken bis zum Hals in Schwierigkeiten. Dabei hatte alles mit einer gepflegten Angelpartie begonnen. Irgendetwas muss man ja tun, wenn der Chef zu spät zum Treffen erscheint. Die eigentliche Aufgabe, eine Inspektion eines Bunkers, in der eine höchst geheime Verteidigungszentrale untergebracht ist, ist ungewöhnlich, erweist sich jedoch schnell als Routine. Bis dieses seltsame Gefühl in den Ohren einsetzt und alle schmerzhaft in die Knie zwingt.

Ein Geheimagent ohne Majestät, aber nicht weniger effektiv. Michael Greg und William Vance brachten 1967 den neuen Agenten BRUNO BRAZIL in die Comic-Szene ein. Kurz darauf konnte er bereits mit einer albenlangen Geschichte seine Geburt untermauern und den Riecher der beiden Comic-Künstler stärken. Mit Der Hai, der zweimal starb schickten die beiden ihren BRUNO BRAZIL auf die Jagd nach einem versteckten Nazischatz, einem Überbleibsel des Zweiten Weltkriegs. Die Parallelen zu einem James-Bond-Abenteuer sind offensichtlich. Aufgrund der Spannung, einem eigenständigen Flair ist diese Ähnlichkeit allerdings egal. Hinzu kommt, dass die Comic-Reihe wegen ihres Zeitkolorits aus heutiger Sicht eine feine Rückschau, auch damaliger Unterhaltungsinteressen erlaubt.

Damalige Unterhaltungsinteressen? Betrachtet man die hier in der ersten Gesamtausgabe vier abgedruckten Alben, Der Hai, der zweimla starb, Kommando Kaiman, Die teuflischen Augen und Die versteinerte Stadt wird schnell deutlich, wie wenig sich an den Unterhaltungskonzepten geändert hat. Bereits mit Kommando Kaiman rückt BRUNO BRAZIL weg von Bond hin zu Mission Impossible. Aus einer One-Man-Show wird ein Team.

Um im Vergleich mit Mission Impossible zu bleiben: das Kommando Kaiman rund um BRUNO BRAZIL hat deutlich mehr Ecken und Kanten als ihre Kinonachfolger. Allein die Namen der Beteiligten der Spezialeinheit bleibt im Ohr und sind Garantien für einen schönen Agentenspaß. Neben Brazils kleinem Bruder finden sich Texas Bronco, Whip Rafale, Gaucho Morales (ewig rauchend) und Big Boy Lafayette. Jeder hat hier seine Talente, die er (oder sie) für den jeweiligen Auftrag erfolgversprechend einbringt.

Kommando Kaiman. Es gab Zeiten, in denen man sich sogar im Comic mit dem Thema unterbewusster Manipulation auseinandersetzte. Das Fernsehprogramm mit seinen schnellen Bildwechseln, der Möglichkeit, Einzelbilder unerkannt unterzumogeln und dennoch eine Effekt auf das menschliche Gehirn zu verursachen, schien den Thrillerautoren außerordentlich reizvoll zu sein. Die Gang um BRUNO BRAZIL muss sich erst zusammenraufen, bevor sie zum Einsatz kommt, ist aber schon in der Folge der nächsten beiden Abenteuer zusammengeschweiter denn je.

William Vance zeichnet in seiner kantig, realistischen Art eine Gruppe von Draufgängern, dessen Männern durchaus differenziert sind, dessen Frauen aber stets auf einen Typus zurückgehen. Das ist seine kleine Unart, die man als Comic-Freund und Vance-Fan gerne übersieht, denn ansonsten verfügt der Comic-Künstler über ein breites Spektrum. Wer alte Gangster-Filme aus Frankreich kennt, dem werden die besonderen Visagen aufgefallen sein, die es dort in den Hochzeiten des französischen Kinos zu sehen gab. Ähnlich ausgefallen, mit allerlei Spielarten präsentieren sich auch hier die guten wie auch bösen Buben.

Die Bilder konzentrieren sich auf die Figuren. Das Umfeld, die Kulisse rückt die Szene meist zuerst ins rechte Licht, gibt dem Leser Anhaltspunkte zum Ort und Geschehen und folgt hier den Regeln einer Fernsehserie, weniger eines Kinofilms. Das stört zu keinem Zeitpunkt, da die Handlungsideen ausgefallen sind und dem Teamzusammenspiel viel Raum zur Entfaltung geben.

Greg und William Vance haben einen Klassiker des Comic-Thrillers geschaffen. Nach Jahrzehnten immer noch unterhaltsam und spannend, arbeiteten die beiden Comic-Macher damals schon mit Mechanismen, die heute noch zünden. Die Zeichentechnik von Vance ist nach wie vor vorbildhaft für eine neue Zeichnergeneration. :-)

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Donnerstag, 14. November 2013

GHOST MONEY 2 - Chamzas Augen

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 9:15

GHOST MONEY 2 - Chamzas AugenEine Verbindung zum Leben ist das Sehen. Chamza fühlt sich in der Leere der unbekannten Etage irgendwo in einem Hochhaus von allem abgeschnitten, das sie kannte. Wo sind die, die sie kennt? Wo sind überhaupt alle? Leben bedingt auch Vergangenheit. Für den Dichter, Emir Umar el-Nur, gehört die eigene Vergangenheit zum Leben. Doch zu seiner Herkunft gehört auch das Wissen um den Tod des Vaters, der ihm immer noch ein Geheimnis ist. Die Sinnsuche nach der Wahrheit um die vergangenen Ereignisse stoßen beim eigenen Volk auf Unverständnis, sogar Ablehnung. Bislang hat Umar in den Augen seines Volkes wenig getan, um ihm gerecht zu werden. Noch hat er in ihren Augen das Andenken des Vaters geehrt.

Überwachung. Gerade in diesen Tagen des noch frühen 21. Jahrhunderts ist dieses heikle Thema hoch aktuell. In der zweiten Episode von GHOSTMONEY wird dieses Thema mit neuen, zukünftigen Techniken auf die Spitze getrieben. Doch warum all der Aufwand? Die Antwort findet sich schnell mit nur einem Wort: Geld. Neben famoser Technologie erhält der Leser gleichermaßen nicht nur einen Blick hinter die Kulissen von Agententätigkeit unterschiedlicher Nationalität, die Welt der Superreichen und der Hochfinanz darf ebenfalls nicht fehlen.

Lichtgestalten und potentielle Erlöser haben auch in den eigenen Reihen nicht nur Freunde und Weggefährten. So mancher sieht in diesen Menschen nur Magneten für Ärger, noch mehr Gewalt und Krieg. Emir Umar el-Nur sieht sich nicht nur den Anfeindungen des eigenen Volkes ausgesetzt. Hochtechnologiewaffen bereiten seinem Leben beinahe ein plötzliches und spektakuläres Ende. Diese Technologien, die sich nicht nur in Waffensystemen äußern, werden von Thierry Smolderen unangestrengt in die Handlung eingeflochten und mit einer Selbstverständlichkeit erzählt, als handele es sich um eine bestehende, bereits im Einsatz befindliche Technologie. Allerdings beschreibt er ihren Einsatz auch sehr zwiespältig. Es kommt eben immer darauf an, wer mit einer relevanten Technologie umgehen darf und sollte.

Neben einem deutlichen Hang zum Voyeurismus, auch mangelnder Professionalität einiger Agenten, fehlt auch klassisches Ambiente nicht. Wer im Zuge der Verfolgungen erwartete, auch die Charaktere selbst, es gelte sich nur vor den technologischen Möglichkeiten fremder Geheimdienste und Mächte in Acht zu nehmen, sieht sich bald getäuscht. Hier geht es ebenso handfest mit Explosionen und Schießereien, Anschlägen im großen und kleinen Stil zur Sache. Dabei entstehen, auch optisch, Szenen, die sich auch nicht hinter den Action-Einlagen eines Films über den Agenten mit der Lizenz zum Töten zu verstecken brauchen.

In einer tollen Sequenz offenbaren sich die Stärken der Erzählung wie auch des Grafikers. Vom Atlantik auf die Zugspitze und hinein in eine Hauptstadt eines Wüstenstaates, ein besseres Beispiel findet sich kaum für einen global erzählten Thriller. Dies sind zwar nicht die einzigen Schauplätze, dafür aber fällt gerade hier die gelungene Mischung, die perfekte Platzierung von Gegensätzen auf, die bereits nur für das Auge, ohne in diesem Moment auf Handlung und Text zu achten, Spannung und Aufmerksamkeit erzeugen. Diese noch obenauf, hier der terroristische Anschlag, dort eine snobistische Feier der High Society, runden die Sequenz zu einem filmischen Vergnügen. Hier trifft Thriller auf erzählerische Tiefe im Stile eines Babel. Thierry Smolderen gibt seinem Co-Künstler aber noch eine weitere Steilvorlage, die dieser ungeheuer fein umsetzt.

Comics leben nicht nur von der Handlung und den Schauplätzen, sondern besonders von den Charakteren. Dominique Bertail gestaltet nicht nur die beiden jungen Frauen sehr unterschiedlich. Sie bilden auf ihrer Seite der Waagschale einen aufflligen Gegensatz zu den manchmal vierschrötigen Männern, die für ihre Ziele über Leichen gehen. Chamza, im Zentrum der Geschichte stehend, hatte bislang eher ruhige Schauplätze. So entstand auch durch sie ein ausgewogenes Szenario. Dies ändert sich hier schleichend. Wenigstens ihre Freundin, durch deren Augen der Leser einen guten Teil der Handlung verfolgt, gerät bald in höchste Gefahr.

Ein sehr dichter Thriller mit vielen Schauplätzen und Charakteren, dessen roter Faden dank Thierry Smolderen nie verloren geht. Packender als der Auftakt, grafisch auf jeder Seite überzeugend, eine realistische Weiterentwicklung aktueller Krisenszenarien. Sehr gut. :-)

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Oder bei Schreiber und Leser.

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Sonntag, 03. November 2013

Warrens Schwur 4

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 17:32

Warrens Schwur 4 - Bis zum letzten AtemzugDer Kauf einer Pistole ist nicht schwierig. Es müssen nur genügend Dollars zur Verfügung stehen, dann ist alles zu haben. Schwieriger hingegen wird es, wenn so eine Pistole auch ihrem Verwendungszweck zugeführt werden soll: Schießen. Als Anfänger sollte man sich vergewissern, ob das neu erworbene Stück auch geladen ist. Das ist die erste Regel. An das Gewicht der Pistole gewöhnt man sich, auch das Zielen erfordert nur Ruhe und etwas Sorgfalt. Selbst jemand, dessen Hand so zittrig ist wie jene, die sich auf den Rücken des Waffenhändlers richtet, wird irgendwann ruhiger werden. Wenn die Pistole dann noch geladen wird, steht einer erfolgreichen Benutzung eigentlich kaum noch etwas im Weg.

Luc Brunschwig, Autor der Geschichte um Warrens Schwur, spitzt im vierten und letzten Teil der Handlung, den Thriller dramatisch zu. Bei einer Kinopremiere haben sich auch amerikanische Ur-Einwohner eingefunden, die alles andere als begeistert über den Film sind. Inmitten dieser Demonstration, die zwar aufgebracht, aber gewaltfrei verläuft, befindet sich auch jener junge Mann, der bereit ist, mit einem Schuss sein Leben für immer zu verändern und das eines anderen für immer zu beenden. Plötzlich eskaliert die Situation in eine Richtung, die niemand, am allerwenigsten der junge Mann selbst vorhergesehen hat. Und eine weiße Katze kreuzt das dramatische Geschehen, beobachtend zuerst nur bis zu jenem verhängnisvollen Moment.

Servain, der Zeichner des Album-Thrillers, ist ein Minimalist. Mit starkem skizzenhaften Strich wirft er den Leser in die Szene. Der Strich hebt sich auch nicht von der Machart des Titelbildes ab. Es sind klare Szenen, ohne Experimente. Hier wird den Sehgewohnheiten des Lesers, genauer des Zuschauers gefolgt, allerdings ohne dabei auf die große Leinwand zu schielen. Servain bedient sich gerne den unterschiedlichen Gesichtsausdrücken der Figuren und ihm gelingen hierbei viele schöne Subtexte. Beispielhaft in diesem Zusammenhang ist auch wieder das Titelbild für die etwas weniger auftretenden Posen, die ihrerseits Informationen transportieren.

Die Kolorierung von Delphine Rieu nimmt sich stark zurück, imitiert eine natürliche Farbgebung, die eher hell als dunkel ist. Das Düstere arbeitet die Handlung selbst heraus. In einer erdigen Farbpalette, die sich aus Gelb, Rot, Braun und Ocker entlehnt, finden sich die Hauptfarben. Farbliche Ausflüge in andere Farbkulissen sind da beinahe störend. Eine Szene, auf einer öffentlichen Toilette mit gelbgrünen Licht als Grundtendenz, fällt optisch sehr aus dem Rahmen. Andererseits, vielleicht ein bewusster Trick, rücken solche Szenen auch verstärkt ins Bewusstsein, da gerade hier, um als Beispiel dabei zu bleiben, eine folgenschwere Entscheidung für den Rest der Handlung fällt.

Im vierten abschließenden Band sind Vorkenntnisse erforderlich. Manche Vierteiler oder Trilogien erleichtern einen Einstieg, erzählen eher lose, Luc Brunschwig hingegen nutzt den Platz und breitet seinen Thriller konsequent über die gesamte Distanz auf. Die Auflösung ist nach wie vor spannend zu lesen, doch wer die Vorgeschichte nicht kennt, für den bleiben zu viele Fragen offen.

Ein sehr dichter Abschluss, der sich keine Längen erlaubt, der jede Szene ausnutzt. Luc Brunschwigs Geschichte liegt nun endlich abgeschlossen auf dem deutschen Markt vor. Ein Thriller mit einem seltenen Thema, leicht zugänglichen Figuren (bis auf jenen, um den sich alles dreht und der auch das Titelbild schmückt). :-)

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Sonntag, 29. September 2013

GUERILLAS - Band 1

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 10:30

GUERILLAS - BAND 1Vietnam, 1970. Als Frischling in diesen so fremden Krieg zu kommen, der mit nichts vergleichbar ist, das sich die Vereinigten Staaten von Amerika zuvor aufgebürdet haben, ist wie ein Trip in einen schlechten Traum. Dschungel, schlecht gelaunte Kameraden, die einem Frischling das Leben zur Hölle machen und ein unsichtbarer Feind machen das Soldatenleben zu einer Belastung, die 24 Stunden am Tag andauert. Längst sind sich die Spitzen in der amerikanischen Führung bewusst, wie wertvoll der Mensch ist und wie ratsam es wäre, den amerikanischen Nachwuchs zu schonen und andere Mittel und Weg der Kriegsführung zu finden. Jemand anderes soll für die Vereinigten Staaten von Amerika gegen den Kommunismus Krieg führen. Jemand, der entbehrlich ist.

GUERILLAS entführt den Leser in einen Tier-Thriller der besonderen Art. Experimente mit Tieren, auch Primaten, wurden schon thematisiert, doch noch nicht im Einklang mit der amerikanischen Geschichte, wie es hier geschieht. Leider verrät das Titelbild (so gut es auch ausschaut) schon den Kern der Handlung, wenngleich natürlich die Einzelheiten der Geschichte noch tiefer reichen. Brahm Revel, aus der Animationsbranche kommend, hat mit GUERILLAS einen Comic geschaffen, der sich nicht nur mit einem amerikanischen Alptraum befasst, sondern gleichzeitig auch die Mythen unverständlicher Experimente einfügt, von der Sorte, die zum Beispiel ein Mike Mignola in das Deutsche Reich verfrachtete. Aber so ist es auch kein Wunder, dass die maßgeblich am Experiment beteiligten Wissenschaftler Deutsche sind.

Grafisch schwankt Brahm Revel, der hier nicht nur schreibt, sondern auch zeichnet, zwischen einem Darwyn Cooke, einem Charlie Adlard und einem John Buscema. Nimmt er sich anfangs in dem aus drei Kapiteln bestehenden Dschungeldrama noch zurück, wird er im Verlauf deutlicher, ausgefeilter und zeigt seinen eindeutigen Schwerpunkt der Geschichte: die Schimpansen. Stilistisch wirkt die Arbeit von Brahm Revel bis zum Erscheinen der Affen wie eine europäische Graphic Novel. Die Ernsthaftigkeit hat beinahe einen dokumentarischen Charakter. Mit den Schimpansen ändert sich alles.

Von da an ist die Handlung nicht nur fantastischer, sie weiß auch durch den ersten Erzählstrang um die Affensoldaten zu begeistern, die den Neuen erst einmal in ihrer Gruppe aufnehmen und in die Schranken weisen. Brahm Revel verwendet starke, zuweilen dicke schwarze Striche, zielsicher aufgebracht und nur einen einzigen Grauton zur Schattierung. Aber mehr braucht es nicht. Jedes Gesicht ist individuell, jedes Bild komponiert, der passende Anblick herausgerissen. Markant ist seine Darstellung von Dynamik, schnellen Bewegungen und Action. Hier gibt es Parallelen zu moderneren Zeichentrickbildern, die Revels Vergangenheit im Animationsbereich geschuldet sein können.

Eine Art Negativ-Tarzan: wenn der Held der Geschichte gezwungen ist, mit den Schimpansen zu kooperieren, werden natürlich Erinnerungen an den Affenmenschen wach. Das ist eine Erzählung, die auch einem Edgar Rice Burroughs eingefallen sein könnte. Sie hat etwas Fantastisches, sie weist Horrorelemente auf, Science Fiction, Thriller und Kriegsdrama. Das ist eine Mischung, die stets das präsent hat, was gerade benötigt wird, um die Handlung weiterzubefördern. Und mit den Schimpansen allein ist es nicht getan. Brahm Revel baut auch noch einen Jagdhund ein, einen weiteren Primaten, der auf seine Art für Spannung sorgt.

Mal ein ganz anderes Konzept, neu und sicherlich auch mutig, einen solchen Comic anzugehen und gerade deshalb mehr als nur interessant. Angelegt auf drei Bände verspricht der Auftaktband noch sehr viel mehr. Schön stimmungsvoll gezeichnet in Schwarzweiß und Graustufe. :-)

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Link: www.elrevel.com (Link zur Homepage von Brahm Revel)

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Montag, 23. September 2013

DEDE 4

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 10:21

DEDE 4 - Und dann Ruhe in ParisAls Privatdetektiv muss Dede auch darauf vorbereitet sein, dass es hin und wieder hart auf hart kommt. Ziemlich ramponiert, von zwei Halunken verschleppt, kommt Dede bei seinem geheimnisvollen Gegenspieler an. Dieser, ein sehr alter Mann, hat kein Mitleid für seinen Gast und verfügt über noch weniger Gewissen. Für ihn zählt nur der Fund der Mumie, doch die ist, von zeitweiligem und unerwünschtem Auftauchen einmal abgesehen, und bleibt verschwunden. Und eigentlich sollte man über ihr verschwinden auch erfreut sein, denn wer sie sah, sah danach gar nichts mehr, weil die Mumie offensichtlich eine Art Fluch folgt und verschiedene Menschen meuchelt. Dede schert das wenig. Er leckt seine mannigfaltigen Wunden und kann sich immerhin über die Hilfe seiner neuen Nachbarin freuen, eine Medizinstudentin, die seine Verletzungen leidlich pflegt.

Erik schickt Dede in die zweite Runde um die Jagd auf eine abhanden gekommene Mumie, die sich sehr energisch gegen ihr Auffinden wehrt. Der Privatdetektiv, der so mürrisch gegen die Möglichkeit eines ehemals ägyptischen, in Bandagen gewickelten Untoten aufbegehrt, bekommt von einer Stippvisite der Mumie nicht einmal etwas mit. Es sind solche und andere Begebenheiten, die auch die Fortsetzung von Mumien sind auch nur Menschen locker und mit tatsächlicher französischer Leichtigkeit vor dem Leser ablaufen lassen. Da findet sich ein wenig des Humors, der auch schon Komödienklassiker beförderte und auch hier, obwohl von einem Saarländer adaptiert, hervorragend funktioniert. Natürlich ist es auch eine Karikatur von Kino-Mumien-Höhepunkten jünger zurückliegender Jahre.

Und dann Ruhe in Paris, so lautet der Untertitel des vierten Bandes der Reihe DEDE. Es ist düsterer als sein Vorgänger. Es regnet in Paris. Es ist dunkel und hinter den Kulissen gärt es. Erik hat sich eine kleine, gerne angesehene Technik angeeignet, die er für eine szenische Abfolge verwendet. Er setzt eine Szene komplett in ein Bild, von links nach rechts geschaut, beleuchtet er verschiedene Blickwinkel, so dass zum Beispiel aus einem Dialog eine sehr dynamische Grafik wird. Er geht sparsam mit dieser Technik um. Das garantiert bei ihrem Einsatz eine beständige Wirksamkeit. Es funktioniert auf unterschiedlichsten Ebenen. In Massenszenen, in kleinen Nebenepisoden, die nur eine Person aufweisen entsteht ein schöner Eindruck. Selbst Dedes Prügelei mit einer Mumie gerät so zu einer spaßigen Angelegenheit.

DEDE und die Frauen. Liebt er sie oder liebt er sie nicht? Die eine? Die ihn immer wieder besuchen kommt? Gefühle? Für Dede scheinen Gefühle etwas zu sein, dass man verbirgt und allenfalls nur über Umwegen preisgibt. Erik gibt DEDE in den richtigen Momenten Tiefe mit, verleiht ihm den nötigen Charakter, um auch noch auf weitere Folgen neugierig zu machen, in denen vielleicht jene Nebenfiguren noch einmal viel wichtiger werden können. Aus Lesersicht wäre es ihnen zu wünschen, da es Erik selbst in kleinen Szenen gelingt über Text und Bild reiche Informationen zu transportieren, die Charakter runder und interessanter zu machen.

Ein seltsames Geheimnis lüftet sich. Aber war es wirklich ein Geheimnis oder nur eine Fehlinterpretation? Für Dede stellt sich natürlich die Frage, ob es das alles wert war. Immerhin geht für ihn alles gut aus, das darf verraten werden, denn er ist die Hauptfigur. Für alle anderen jedoch … Eine spannend komödiantische Geschichte. Erik hält mit seinem Detektiv Deschamps das Detektiv-Genre im Comic am Leben, so wie es sich für einen leichten Krimi gehört. :-)

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