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Comic Blog


Dienstag, 07. Januar 2014

DEADLY STORM - Tödlicher Sturm

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 18:14

DEADLY STORM - Tödlicher Sturm - Ein Fall für Derrick StormIn einem Wohnwagenpark lauert Derrick Storm einem Ehebrecher auf. Die Ehefrau von Jefferson Grout dachte bisher, ihr Mann sei nur verschwunden. Storm weiß es inzwischen besser. Ein paar Fotos werden die Charakterschwäche von Jefferson Grout belegen und dann geht es gleich wieder nach Hause. Wäre da nicht der Revolver, der plötzlich auf ihn gerichtet wird. Und die Schrotflinte. Und die Automatik. Und Grout benutzt sogar einen Schalldämpfer für seine Pistole. In welchen Schlamassel ist Derrick Storm da hineingestolpert?

Angesichts einer welteiten Präsenz in Roman, Fernsehserie und nun auch Comic kann man von einem fulminanten Erfolg der Autorenfigur von Richard Castle sprechen. Der Leser wird hier in diesem Band auf eine der Erfindungen von Richard Castle treffen, Derrick Storm, einem Privatdetektiven, dessen Abenteuer mit markigen Titeln daherkommen und so angelegt sind, dass es gleich von der ersten Szene an zur Sache geht. Das ist solide Thrillerkost, viel Zeit soll dem Leser nicht bleiben, er soll gefesselt werden, deshalb kommt Derrick Storm zu seinem wirklich großen Auftrag wie die berühmte Jungfrau zu Kinde. Aus einer einfachen Suchaktion und letztlichen Überwachung wird plötzlich eine Angelegenheit auf Leben und Tod.

CIA. Derrick Storm ist selbst nicht unbelastet, war sein Vater doch beim FBI und kennt sich aus. Er rät seinem Sohn von einer Zusammenarbeit mit der CIA ab, die am Ende nur jemanden braucht, den sie an der lange Leine führen kann. Aber Derrick Storm ist auch Charakter, der es immer meint besser zu wissen, deshalb macht er sich trotzdem auf den Weg ins ferne Nicaragua. Lan Medina, Zeichner der ersten Comic-Ausgabe von Derrick Storm, hatte das Glück den Charakter für diese Adaption gestalten zu können. Insgesamt der in Sachen Superhelden erfahrene Zeichner mit perfektem Strich bei der Arbeit. Die Figuren, allesamt, tragen markante, starke Züge und sind keine durchschnittlichen Figuren. Das Konzept einer Fernsehserie ist hier deutlich in den Comic übertragen worden.

Lan Medina, der die Comic-Adaption von Comic-Veteran und Autoren-As Brian Michael Bendis grafisch umsetzt, zeichnet überaus fein, wie die Dokumentation der Arbeitsprozesse im Anhang eindeutig zeigt. In der Tuscheüberarbeitung, überwiegend von Scott Hanna ausgeführt, gehen manche Feinheiten leider verloren, ein Verlust, der in diesen Arbeitsschritten allgemein häufiger auftritt. Aber es ist auch interessant zu sehen, wie sich Kleinigkeiten von der Bleistiftskizze bis zur Tuschezeichnung noch ändern können. Insgesamt ist der Arbeitsaufwand, der hier präsentiert wird, der penible Aufbau der Seiten (auch von der schriftlichen Vorlage her betrachtet), einen zweiten und dritten Blick wert.

Manche Helden werden zusammengeschlagen, damit sie derart derangiert das Herz des Lesers oder Zuschauers für sie einnehmen. Derrick Storm kommt zwar auch nicht ohne Blessuren davon, wirklich bemitleidenswert wird jedoch erst, wenn er in einem rosafarbenen Bademantel in einem Hotelzimmer warten muss, während eine emanzipierte CIA-Agentin ihrer Arbeit nachgeht. Ja, die modernen männlichen Helden haben es nicht leicht, möchte man sagen. Aber Frank Castle, Brian Michael Bendis (im Autorenverbund mit Kelly Sue Deconnick) und Lan Medina haben ein Einsehen. Körperlich durchaus wie Superman ausgestattet, kann Derrick Storm einstecken und hinlangen, ist smart und charmant wie Nathan Fillion.

Beginnt als kleiner Fall und wächst zu einer internationalen Geschichte heran, in der es um sehr viel mehr geht. Schneller Thriller mit sympathischer Hauptfigur, fein illustriert, von Comic-Profis adaptiert. :-)

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Mittwoch, 11. Dezember 2013

BRUNO BRAZIL Gesamtausgabe 1

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 21:23

BRUNO BRAZIL Gesamtausgabe 1Die Stadt ist leergefegt. Mit diesem Szenario hatte das Team um Bruno Brazil nicht gerechnet. Langsam tasten sie sich an die Lösung des Rätsels heran. Plötzlich werden sie entdeckt und stecken bis zum Hals in Schwierigkeiten. Dabei hatte alles mit einer gepflegten Angelpartie begonnen. Irgendetwas muss man ja tun, wenn der Chef zu spät zum Treffen erscheint. Die eigentliche Aufgabe, eine Inspektion eines Bunkers, in der eine höchst geheime Verteidigungszentrale untergebracht ist, ist ungewöhnlich, erweist sich jedoch schnell als Routine. Bis dieses seltsame Gefühl in den Ohren einsetzt und alle schmerzhaft in die Knie zwingt.

Ein Geheimagent ohne Majestät, aber nicht weniger effektiv. Michael Greg und William Vance brachten 1967 den neuen Agenten BRUNO BRAZIL in die Comic-Szene ein. Kurz darauf konnte er bereits mit einer albenlangen Geschichte seine Geburt untermauern und den Riecher der beiden Comic-Künstler stärken. Mit Der Hai, der zweimal starb schickten die beiden ihren BRUNO BRAZIL auf die Jagd nach einem versteckten Nazischatz, einem Überbleibsel des Zweiten Weltkriegs. Die Parallelen zu einem James-Bond-Abenteuer sind offensichtlich. Aufgrund der Spannung, einem eigenständigen Flair ist diese Ähnlichkeit allerdings egal. Hinzu kommt, dass die Comic-Reihe wegen ihres Zeitkolorits aus heutiger Sicht eine feine Rückschau, auch damaliger Unterhaltungsinteressen erlaubt.

Damalige Unterhaltungsinteressen? Betrachtet man die hier in der ersten Gesamtausgabe vier abgedruckten Alben, Der Hai, der zweimla starb, Kommando Kaiman, Die teuflischen Augen und Die versteinerte Stadt wird schnell deutlich, wie wenig sich an den Unterhaltungskonzepten geändert hat. Bereits mit Kommando Kaiman rückt BRUNO BRAZIL weg von Bond hin zu Mission Impossible. Aus einer One-Man-Show wird ein Team.

Um im Vergleich mit Mission Impossible zu bleiben: das Kommando Kaiman rund um BRUNO BRAZIL hat deutlich mehr Ecken und Kanten als ihre Kinonachfolger. Allein die Namen der Beteiligten der Spezialeinheit bleibt im Ohr und sind Garantien für einen schönen Agentenspaß. Neben Brazils kleinem Bruder finden sich Texas Bronco, Whip Rafale, Gaucho Morales (ewig rauchend) und Big Boy Lafayette. Jeder hat hier seine Talente, die er (oder sie) für den jeweiligen Auftrag erfolgversprechend einbringt.

Kommando Kaiman. Es gab Zeiten, in denen man sich sogar im Comic mit dem Thema unterbewusster Manipulation auseinandersetzte. Das Fernsehprogramm mit seinen schnellen Bildwechseln, der Möglichkeit, Einzelbilder unerkannt unterzumogeln und dennoch eine Effekt auf das menschliche Gehirn zu verursachen, schien den Thrillerautoren außerordentlich reizvoll zu sein. Die Gang um BRUNO BRAZIL muss sich erst zusammenraufen, bevor sie zum Einsatz kommt, ist aber schon in der Folge der nächsten beiden Abenteuer zusammengeschweiter denn je.

William Vance zeichnet in seiner kantig, realistischen Art eine Gruppe von Draufgängern, dessen Männern durchaus differenziert sind, dessen Frauen aber stets auf einen Typus zurückgehen. Das ist seine kleine Unart, die man als Comic-Freund und Vance-Fan gerne übersieht, denn ansonsten verfügt der Comic-Künstler über ein breites Spektrum. Wer alte Gangster-Filme aus Frankreich kennt, dem werden die besonderen Visagen aufgefallen sein, die es dort in den Hochzeiten des französischen Kinos zu sehen gab. Ähnlich ausgefallen, mit allerlei Spielarten präsentieren sich auch hier die guten wie auch bösen Buben.

Die Bilder konzentrieren sich auf die Figuren. Das Umfeld, die Kulisse rückt die Szene meist zuerst ins rechte Licht, gibt dem Leser Anhaltspunkte zum Ort und Geschehen und folgt hier den Regeln einer Fernsehserie, weniger eines Kinofilms. Das stört zu keinem Zeitpunkt, da die Handlungsideen ausgefallen sind und dem Teamzusammenspiel viel Raum zur Entfaltung geben.

Greg und William Vance haben einen Klassiker des Comic-Thrillers geschaffen. Nach Jahrzehnten immer noch unterhaltsam und spannend, arbeiteten die beiden Comic-Macher damals schon mit Mechanismen, die heute noch zünden. Die Zeichentechnik von Vance ist nach wie vor vorbildhaft für eine neue Zeichnergeneration. :-)

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Donnerstag, 14. November 2013

GHOST MONEY 2 - Chamzas Augen

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 9:15

GHOST MONEY 2 - Chamzas AugenEine Verbindung zum Leben ist das Sehen. Chamza fühlt sich in der Leere der unbekannten Etage irgendwo in einem Hochhaus von allem abgeschnitten, das sie kannte. Wo sind die, die sie kennt? Wo sind überhaupt alle? Leben bedingt auch Vergangenheit. Für den Dichter, Emir Umar el-Nur, gehört die eigene Vergangenheit zum Leben. Doch zu seiner Herkunft gehört auch das Wissen um den Tod des Vaters, der ihm immer noch ein Geheimnis ist. Die Sinnsuche nach der Wahrheit um die vergangenen Ereignisse stoßen beim eigenen Volk auf Unverständnis, sogar Ablehnung. Bislang hat Umar in den Augen seines Volkes wenig getan, um ihm gerecht zu werden. Noch hat er in ihren Augen das Andenken des Vaters geehrt.

Überwachung. Gerade in diesen Tagen des noch frühen 21. Jahrhunderts ist dieses heikle Thema hoch aktuell. In der zweiten Episode von GHOSTMONEY wird dieses Thema mit neuen, zukünftigen Techniken auf die Spitze getrieben. Doch warum all der Aufwand? Die Antwort findet sich schnell mit nur einem Wort: Geld. Neben famoser Technologie erhält der Leser gleichermaßen nicht nur einen Blick hinter die Kulissen von Agententätigkeit unterschiedlicher Nationalität, die Welt der Superreichen und der Hochfinanz darf ebenfalls nicht fehlen.

Lichtgestalten und potentielle Erlöser haben auch in den eigenen Reihen nicht nur Freunde und Weggefährten. So mancher sieht in diesen Menschen nur Magneten für Ärger, noch mehr Gewalt und Krieg. Emir Umar el-Nur sieht sich nicht nur den Anfeindungen des eigenen Volkes ausgesetzt. Hochtechnologiewaffen bereiten seinem Leben beinahe ein plötzliches und spektakuläres Ende. Diese Technologien, die sich nicht nur in Waffensystemen äußern, werden von Thierry Smolderen unangestrengt in die Handlung eingeflochten und mit einer Selbstverständlichkeit erzählt, als handele es sich um eine bestehende, bereits im Einsatz befindliche Technologie. Allerdings beschreibt er ihren Einsatz auch sehr zwiespältig. Es kommt eben immer darauf an, wer mit einer relevanten Technologie umgehen darf und sollte.

Neben einem deutlichen Hang zum Voyeurismus, auch mangelnder Professionalität einiger Agenten, fehlt auch klassisches Ambiente nicht. Wer im Zuge der Verfolgungen erwartete, auch die Charaktere selbst, es gelte sich nur vor den technologischen Möglichkeiten fremder Geheimdienste und Mächte in Acht zu nehmen, sieht sich bald getäuscht. Hier geht es ebenso handfest mit Explosionen und Schießereien, Anschlägen im großen und kleinen Stil zur Sache. Dabei entstehen, auch optisch, Szenen, die sich auch nicht hinter den Action-Einlagen eines Films über den Agenten mit der Lizenz zum Töten zu verstecken brauchen.

In einer tollen Sequenz offenbaren sich die Stärken der Erzählung wie auch des Grafikers. Vom Atlantik auf die Zugspitze und hinein in eine Hauptstadt eines Wüstenstaates, ein besseres Beispiel findet sich kaum für einen global erzählten Thriller. Dies sind zwar nicht die einzigen Schauplätze, dafür aber fällt gerade hier die gelungene Mischung, die perfekte Platzierung von Gegensätzen auf, die bereits nur für das Auge, ohne in diesem Moment auf Handlung und Text zu achten, Spannung und Aufmerksamkeit erzeugen. Diese noch obenauf, hier der terroristische Anschlag, dort eine snobistische Feier der High Society, runden die Sequenz zu einem filmischen Vergnügen. Hier trifft Thriller auf erzählerische Tiefe im Stile eines Babel. Thierry Smolderen gibt seinem Co-Künstler aber noch eine weitere Steilvorlage, die dieser ungeheuer fein umsetzt.

Comics leben nicht nur von der Handlung und den Schauplätzen, sondern besonders von den Charakteren. Dominique Bertail gestaltet nicht nur die beiden jungen Frauen sehr unterschiedlich. Sie bilden auf ihrer Seite der Waagschale einen aufflligen Gegensatz zu den manchmal vierschrötigen Männern, die für ihre Ziele über Leichen gehen. Chamza, im Zentrum der Geschichte stehend, hatte bislang eher ruhige Schauplätze. So entstand auch durch sie ein ausgewogenes Szenario. Dies ändert sich hier schleichend. Wenigstens ihre Freundin, durch deren Augen der Leser einen guten Teil der Handlung verfolgt, gerät bald in höchste Gefahr.

Ein sehr dichter Thriller mit vielen Schauplätzen und Charakteren, dessen roter Faden dank Thierry Smolderen nie verloren geht. Packender als der Auftakt, grafisch auf jeder Seite überzeugend, eine realistische Weiterentwicklung aktueller Krisenszenarien. Sehr gut. :-)

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Sonntag, 03. November 2013

Warrens Schwur 4

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 17:32

Warrens Schwur 4 - Bis zum letzten AtemzugDer Kauf einer Pistole ist nicht schwierig. Es müssen nur genügend Dollars zur Verfügung stehen, dann ist alles zu haben. Schwieriger hingegen wird es, wenn so eine Pistole auch ihrem Verwendungszweck zugeführt werden soll: Schießen. Als Anfänger sollte man sich vergewissern, ob das neu erworbene Stück auch geladen ist. Das ist die erste Regel. An das Gewicht der Pistole gewöhnt man sich, auch das Zielen erfordert nur Ruhe und etwas Sorgfalt. Selbst jemand, dessen Hand so zittrig ist wie jene, die sich auf den Rücken des Waffenhändlers richtet, wird irgendwann ruhiger werden. Wenn die Pistole dann noch geladen wird, steht einer erfolgreichen Benutzung eigentlich kaum noch etwas im Weg.

Luc Brunschwig, Autor der Geschichte um Warrens Schwur, spitzt im vierten und letzten Teil der Handlung, den Thriller dramatisch zu. Bei einer Kinopremiere haben sich auch amerikanische Ur-Einwohner eingefunden, die alles andere als begeistert über den Film sind. Inmitten dieser Demonstration, die zwar aufgebracht, aber gewaltfrei verläuft, befindet sich auch jener junge Mann, der bereit ist, mit einem Schuss sein Leben für immer zu verändern und das eines anderen für immer zu beenden. Plötzlich eskaliert die Situation in eine Richtung, die niemand, am allerwenigsten der junge Mann selbst vorhergesehen hat. Und eine weiße Katze kreuzt das dramatische Geschehen, beobachtend zuerst nur bis zu jenem verhängnisvollen Moment.

Servain, der Zeichner des Album-Thrillers, ist ein Minimalist. Mit starkem skizzenhaften Strich wirft er den Leser in die Szene. Der Strich hebt sich auch nicht von der Machart des Titelbildes ab. Es sind klare Szenen, ohne Experimente. Hier wird den Sehgewohnheiten des Lesers, genauer des Zuschauers gefolgt, allerdings ohne dabei auf die große Leinwand zu schielen. Servain bedient sich gerne den unterschiedlichen Gesichtsausdrücken der Figuren und ihm gelingen hierbei viele schöne Subtexte. Beispielhaft in diesem Zusammenhang ist auch wieder das Titelbild für die etwas weniger auftretenden Posen, die ihrerseits Informationen transportieren.

Die Kolorierung von Delphine Rieu nimmt sich stark zurück, imitiert eine natürliche Farbgebung, die eher hell als dunkel ist. Das Düstere arbeitet die Handlung selbst heraus. In einer erdigen Farbpalette, die sich aus Gelb, Rot, Braun und Ocker entlehnt, finden sich die Hauptfarben. Farbliche Ausflüge in andere Farbkulissen sind da beinahe störend. Eine Szene, auf einer öffentlichen Toilette mit gelbgrünen Licht als Grundtendenz, fällt optisch sehr aus dem Rahmen. Andererseits, vielleicht ein bewusster Trick, rücken solche Szenen auch verstärkt ins Bewusstsein, da gerade hier, um als Beispiel dabei zu bleiben, eine folgenschwere Entscheidung für den Rest der Handlung fällt.

Im vierten abschließenden Band sind Vorkenntnisse erforderlich. Manche Vierteiler oder Trilogien erleichtern einen Einstieg, erzählen eher lose, Luc Brunschwig hingegen nutzt den Platz und breitet seinen Thriller konsequent über die gesamte Distanz auf. Die Auflösung ist nach wie vor spannend zu lesen, doch wer die Vorgeschichte nicht kennt, für den bleiben zu viele Fragen offen.

Ein sehr dichter Abschluss, der sich keine Längen erlaubt, der jede Szene ausnutzt. Luc Brunschwigs Geschichte liegt nun endlich abgeschlossen auf dem deutschen Markt vor. Ein Thriller mit einem seltenen Thema, leicht zugänglichen Figuren (bis auf jenen, um den sich alles dreht und der auch das Titelbild schmückt). :-)

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Sonntag, 29. September 2013

GUERILLAS - Band 1

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 10:30

GUERILLAS - BAND 1Vietnam, 1970. Als Frischling in diesen so fremden Krieg zu kommen, der mit nichts vergleichbar ist, das sich die Vereinigten Staaten von Amerika zuvor aufgebürdet haben, ist wie ein Trip in einen schlechten Traum. Dschungel, schlecht gelaunte Kameraden, die einem Frischling das Leben zur Hölle machen und ein unsichtbarer Feind machen das Soldatenleben zu einer Belastung, die 24 Stunden am Tag andauert. Längst sind sich die Spitzen in der amerikanischen Führung bewusst, wie wertvoll der Mensch ist und wie ratsam es wäre, den amerikanischen Nachwuchs zu schonen und andere Mittel und Weg der Kriegsführung zu finden. Jemand anderes soll für die Vereinigten Staaten von Amerika gegen den Kommunismus Krieg führen. Jemand, der entbehrlich ist.

GUERILLAS entführt den Leser in einen Tier-Thriller der besonderen Art. Experimente mit Tieren, auch Primaten, wurden schon thematisiert, doch noch nicht im Einklang mit der amerikanischen Geschichte, wie es hier geschieht. Leider verrät das Titelbild (so gut es auch ausschaut) schon den Kern der Handlung, wenngleich natürlich die Einzelheiten der Geschichte noch tiefer reichen. Brahm Revel, aus der Animationsbranche kommend, hat mit GUERILLAS einen Comic geschaffen, der sich nicht nur mit einem amerikanischen Alptraum befasst, sondern gleichzeitig auch die Mythen unverständlicher Experimente einfügt, von der Sorte, die zum Beispiel ein Mike Mignola in das Deutsche Reich verfrachtete. Aber so ist es auch kein Wunder, dass die maßgeblich am Experiment beteiligten Wissenschaftler Deutsche sind.

Grafisch schwankt Brahm Revel, der hier nicht nur schreibt, sondern auch zeichnet, zwischen einem Darwyn Cooke, einem Charlie Adlard und einem John Buscema. Nimmt er sich anfangs in dem aus drei Kapiteln bestehenden Dschungeldrama noch zurück, wird er im Verlauf deutlicher, ausgefeilter und zeigt seinen eindeutigen Schwerpunkt der Geschichte: die Schimpansen. Stilistisch wirkt die Arbeit von Brahm Revel bis zum Erscheinen der Affen wie eine europäische Graphic Novel. Die Ernsthaftigkeit hat beinahe einen dokumentarischen Charakter. Mit den Schimpansen ändert sich alles.

Von da an ist die Handlung nicht nur fantastischer, sie weiß auch durch den ersten Erzählstrang um die Affensoldaten zu begeistern, die den Neuen erst einmal in ihrer Gruppe aufnehmen und in die Schranken weisen. Brahm Revel verwendet starke, zuweilen dicke schwarze Striche, zielsicher aufgebracht und nur einen einzigen Grauton zur Schattierung. Aber mehr braucht es nicht. Jedes Gesicht ist individuell, jedes Bild komponiert, der passende Anblick herausgerissen. Markant ist seine Darstellung von Dynamik, schnellen Bewegungen und Action. Hier gibt es Parallelen zu moderneren Zeichentrickbildern, die Revels Vergangenheit im Animationsbereich geschuldet sein können.

Eine Art Negativ-Tarzan: wenn der Held der Geschichte gezwungen ist, mit den Schimpansen zu kooperieren, werden natürlich Erinnerungen an den Affenmenschen wach. Das ist eine Erzählung, die auch einem Edgar Rice Burroughs eingefallen sein könnte. Sie hat etwas Fantastisches, sie weist Horrorelemente auf, Science Fiction, Thriller und Kriegsdrama. Das ist eine Mischung, die stets das präsent hat, was gerade benötigt wird, um die Handlung weiterzubefördern. Und mit den Schimpansen allein ist es nicht getan. Brahm Revel baut auch noch einen Jagdhund ein, einen weiteren Primaten, der auf seine Art für Spannung sorgt.

Mal ein ganz anderes Konzept, neu und sicherlich auch mutig, einen solchen Comic anzugehen und gerade deshalb mehr als nur interessant. Angelegt auf drei Bände verspricht der Auftaktband noch sehr viel mehr. Schön stimmungsvoll gezeichnet in Schwarzweiß und Graustufe. :-)

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Link: www.elrevel.com (Link zur Homepage von Brahm Revel)

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Samstag, 28. September 2013

THE WALKING DEAD 18 - Grenzen

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 10:26

THE WALKING DEAD 18 - GrenzenNegan steht vor dem Tor. In seinem Tross bewegt sich ein immenses Gefolge mit Lastwagen, die allesamt nur darauf warten, ihren Anteil in der kleinen Kolonie hinter Rick Grimes zu plündern. Was wird Rick unternehmen? Diese Frage stellen sich die Männer und Frauen innerhalb der kleinen umzäunten Siedlung und können es kaum fassen, als nichts geschieht und Rick die Fremden tatsächlich gewähren lässt. Sogar als die Medikamente gestohlen werden, so dringend benötigt, hält Rick seine eigenen Leute davon ab, sich zu wehren. Und gerade dieses Verhalten, so durchdacht es auch ist, beschwört beinahe eine Katastrophe herauf.

Grenzen: Es gibt keine mehr. Die nächste Generation in der Erfolgsreihe THE WALKING DEAD wird langsam erwachsen. Der Sohn von Rick Grimes, der sich zahlreichen Prüfungen unterwerfen musste und schon lange kein Kind mehr ist, macht neue Erfahrungen, die ein neuer Psychopath für ihn bereithält. Carl Grimes, Ricks Sohn, hat sich zu einer der bemerkenswertesten Figuren der Reihe entwickelt. Anfangs war er noch ein Kind, doch spätestens seit er glaubte, Probleme mit Waffengewalt lösen zu können, auch bei Menschen, als alles um den kleinen jungen herum zum Teufel ging, hat Autor Robert Kirkman hier einen Comic-Charakter regelrecht heranreifen lassen. Nun, im 18. Band der Reihe THE WALKING DEAD mit dem Untertitel Grenzen, fällt Carl Grimes eine wichtige Rolle zu. Ein Pulverfaß trifft auf ein Pulverfaß, ließe sich auch sagen.

Robert Kirkman gehen nach so langer Zeit die Ideen innerhalb der Serie nicht aus. Der neue Feind ist unberechenbar. Er steckt Schläge ein und lacht. Er tötet mit einem Lachen im Gesicht. Er ist immer auf seinen Vorteil bedacht. Wenn er Gnade walten lässt, hat er dafür einen Grund. Der Blick, den er dem Betrachter auf dem Titelbild des 18. Bandes schenkt, mit einer Art finsteren Milde, spricht Bände und ist nur die Spitze eines Eisbergs. Kirkman verarbeitet die psychopathischen Auswüchse von Negan, dem feindlichen Anführer, auf eindrucksvolle wie auch stets unerwartbare Weise. Sehr langsam kristallisiert sich das Bild einer Gemeinschaft heraus, die sich gegen diese Kreatur wehren könnte. Doch die Mauern aus Angst, die dieser Mann um sich herum gebaut hat, die nun niemand mehr zu überwinden vermag, sind inzwischen viel zu hoch.

Liebe ist die Motivation. Rick Grimes, der einen enormen Wandel im Laufe der Serie erfahren hat, der Angehörige verlor, Freunde, selbst in die Irre geleitet wurde und sich nur mühsam wieder gefangen hat, gerät erneut an den Rand der Beherrschung, als es so aussieht, er habe auch noch seinen Sohn verloren. Insgesamt kann Robert Kirkman die sich hier offen zeigende Dramatik über die volle Länge der Handlung ziehen und schafft so einen neuen Höhepunkt der Reihe, der seine Kraft schon lange nicht mehr aus dem Kampf gegen die lebenden Toten zieht. Denn diese stehen bei den realen Gefahren der Geschichte mittlerweile in der zweiten Reihe. Ein Zombie will fressen, ist langsam und nähert sich gerne im Rudel. Zombies sind berechenbar. Menschen in dieser apokalyptischen Welt sind es nicht. Kirkman beschreibt, wie schnell sich das Blatt wenden kann.

Charlie Adlard ist als Künstler in der beneidenswerten Position, sich über einen langen Zeitraum bestimmten Charakteren widmen und seinen Stil perfektionieren zu können. Rick Grimes und Gefährten kennt er nun aus dem FF, allerdings der Leser ebenfalls und so ist das Erscheinen neuer Figuren auch immer spannend mit anzuschauen. Mit dem Jesus-Charakter, der freilich nur wie der Erlöser aussieht, und Negan wurden zwei spannende Neulinge auf dem Feld platziert. In diesem Band kommt der seit langem ungewöhnlichste Charakter hinzu. Ezekiel, ein weiterer biblischer Name, tritt königlich auf und hat sogar Begleitung. Auch diese macht neugierig auf weitere Auftritte.

Adlard pflegt einen leisen Zeichenstil. Er zeichnet den Kern einer Szene, eines Augenblicks. Großes Theater innerhalb eines Bildes, wie bei manchen Kollegen, gibt es nicht. Handlung geht hier auch vor Bild, doch soll damit die Leistung von Charlie Adlard und seines grafischen Kollegen, dem Koloristen Cliff Rathburn keineswegs geschmälert werden. Im Gegenteil, ist THE WALKING DEAD doch stark dafür verantwortlich, dass der Schwarzweiß-Comic auf dem Comic salonfähig geworden und geblieben ist und gezeigt hat, wie erfolgreich mit diesem Mittel gearbeitet werden kann.

Die Spannungsschraube zieht in diesem im Prinzip neuen Zyklus innerhalb der Reihe enorm an. Nach der Einleitung im vorherigen Band marschiert Robert Kirkman nun mit großen Schritten weiter und reißt den Leser mit. Auch mit Band 18 weiß die Serie noch zu überraschen. Sehr gut! :-)

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Montag, 23. September 2013

DEDE 4

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 10:21

DEDE 4 - Und dann Ruhe in ParisAls Privatdetektiv muss Dede auch darauf vorbereitet sein, dass es hin und wieder hart auf hart kommt. Ziemlich ramponiert, von zwei Halunken verschleppt, kommt Dede bei seinem geheimnisvollen Gegenspieler an. Dieser, ein sehr alter Mann, hat kein Mitleid für seinen Gast und verfügt über noch weniger Gewissen. Für ihn zählt nur der Fund der Mumie, doch die ist, von zeitweiligem und unerwünschtem Auftauchen einmal abgesehen, und bleibt verschwunden. Und eigentlich sollte man über ihr verschwinden auch erfreut sein, denn wer sie sah, sah danach gar nichts mehr, weil die Mumie offensichtlich eine Art Fluch folgt und verschiedene Menschen meuchelt. Dede schert das wenig. Er leckt seine mannigfaltigen Wunden und kann sich immerhin über die Hilfe seiner neuen Nachbarin freuen, eine Medizinstudentin, die seine Verletzungen leidlich pflegt.

Erik schickt Dede in die zweite Runde um die Jagd auf eine abhanden gekommene Mumie, die sich sehr energisch gegen ihr Auffinden wehrt. Der Privatdetektiv, der so mürrisch gegen die Möglichkeit eines ehemals ägyptischen, in Bandagen gewickelten Untoten aufbegehrt, bekommt von einer Stippvisite der Mumie nicht einmal etwas mit. Es sind solche und andere Begebenheiten, die auch die Fortsetzung von Mumien sind auch nur Menschen locker und mit tatsächlicher französischer Leichtigkeit vor dem Leser ablaufen lassen. Da findet sich ein wenig des Humors, der auch schon Komödienklassiker beförderte und auch hier, obwohl von einem Saarländer adaptiert, hervorragend funktioniert. Natürlich ist es auch eine Karikatur von Kino-Mumien-Höhepunkten jünger zurückliegender Jahre.

Und dann Ruhe in Paris, so lautet der Untertitel des vierten Bandes der Reihe DEDE. Es ist düsterer als sein Vorgänger. Es regnet in Paris. Es ist dunkel und hinter den Kulissen gärt es. Erik hat sich eine kleine, gerne angesehene Technik angeeignet, die er für eine szenische Abfolge verwendet. Er setzt eine Szene komplett in ein Bild, von links nach rechts geschaut, beleuchtet er verschiedene Blickwinkel, so dass zum Beispiel aus einem Dialog eine sehr dynamische Grafik wird. Er geht sparsam mit dieser Technik um. Das garantiert bei ihrem Einsatz eine beständige Wirksamkeit. Es funktioniert auf unterschiedlichsten Ebenen. In Massenszenen, in kleinen Nebenepisoden, die nur eine Person aufweisen entsteht ein schöner Eindruck. Selbst Dedes Prügelei mit einer Mumie gerät so zu einer spaßigen Angelegenheit.

DEDE und die Frauen. Liebt er sie oder liebt er sie nicht? Die eine? Die ihn immer wieder besuchen kommt? Gefühle? Für Dede scheinen Gefühle etwas zu sein, dass man verbirgt und allenfalls nur über Umwegen preisgibt. Erik gibt DEDE in den richtigen Momenten Tiefe mit, verleiht ihm den nötigen Charakter, um auch noch auf weitere Folgen neugierig zu machen, in denen vielleicht jene Nebenfiguren noch einmal viel wichtiger werden können. Aus Lesersicht wäre es ihnen zu wünschen, da es Erik selbst in kleinen Szenen gelingt über Text und Bild reiche Informationen zu transportieren, die Charakter runder und interessanter zu machen.

Ein seltsames Geheimnis lüftet sich. Aber war es wirklich ein Geheimnis oder nur eine Fehlinterpretation? Für Dede stellt sich natürlich die Frage, ob es das alles wert war. Immerhin geht für ihn alles gut aus, das darf verraten werden, denn er ist die Hauptfigur. Für alle anderen jedoch … Eine spannend komödiantische Geschichte. Erik hält mit seinem Detektiv Deschamps das Detektiv-Genre im Comic am Leben, so wie es sich für einen leichten Krimi gehört. :-)

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Sonntag, 22. September 2013

DEDE 3

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 18:43

DEDE 3 - Mumien sind auch nur MenschenDer Fall ist zunächst außergewöhnlich zu nennen. Dede wird zum Museum gerufen. Jemand ist ausgebrochen. Drei mannshohe Glasvitrinen stehen vor dem Detektiv. Eine davon ist zerbrochen. In den beiden anderen stehen Mumien. In der dritten befand sich ebenfalls eine. Dede mag nicht glauben, was man ihm seitens der Museumsverantwortlichen auftischen will. Eine Mumie soll lebendig geworden sein? Also, bitte! Das ist doch wohl ein Ding der Unmöglichkeit! Sogar in Paris, wo vieles möglich ist. Dede jedenfalls, Detektiv Deschamps mit Langnamen, macht sich an die Arbeit.

Im dritten Band, dem Auftakt zu einer Doppelfolge, begibt sich Erkis Detektiv Deschamps auf die Pfade des Unheimlichen. Aber Dede gehört zu den Ungläubigen. Je wahnwitziger die Geschichte ist, die ihm aufgeschwatzt werden soll, umso misstrauischer wird er. Der aus der Werbung kommende Autor und Zeichner der Reihe, Frank Erik Weißmüller, weiß, wie er den Beginn eines Comics gestaltet, um eine möglichst hohe Aufmerksamkeit beim Leser zu erreichen. So teilt sich der Anfang der Kriminalgeschichte örtlich auch nicht in Paris mit, sondern nimmt den Leser mit nach Ägypten, zusätzlich in die Vergangenheit, hin zu einer Ausgrabungsstätte, die kein Glück verheißt.

Der nächste Aufenthalt, im vollkommenen Gegensatz, zeigt das frühmorgendliche Aufwachen in Dedes Bett und seine Sicht auf das Geschehen (hier soll nicht zu viel verraten werden). Dede ist ein Mensch, der ein wenig gammelig vor sich hinlebt, Unordnung produziert und erträgt, nicht gerade pfleglich mit sich umgeht, auch ungesund lebt, immerhin nicht raucht und einen Kaffee, der furchtbar schmeckt, nur trinkt, weil ihm dieser von jemandem serviert wird, den er mehr als nur gut leiden kann. Mürrisch ist er auch zu nennen, etwas wortkarg, viel zu groß für sein kleines Auto ist er sowieso und das Warten bei einer Observation vertreibt man sich am besten mit der Nahrungsaufnahme. Je mehr, je besser und so passt er immer schlechter in sein kleines Auto. Erik, so der für die künstlerische Tätigkeit verwendete Kurzname des Autors und Zeichners in Personalunion, erzählt mit trockenem Humor.

Der Zeichenstil wartet mit ausdrucksstarken Linien auf, die weniger gemalt, vielmehr geschnitten wirken. Oft lässt Erik Unterbrechungen in den Linien zu, so dass die Figuren die Wirkung einer flüchtig zusammengesetzten Form erzielen, ohne dies negativ klingen lassen zu wollen. Denn in Strichtechnik und Form hat Erik einen sehr schönen und wieder erkennbaren Strich geschaffen, der sich völlig auf diesen Ausdruck verlässt (zu Recht) und nur mit einer minimalen Kolorierung einher läuft. Blasse Farbtöne, rötlich, bläulich, bräunlich, grau und einige mehr (so, wie es das Titelbild auch vermittelt) imitieren eine dunkle Serie, wie es die Detektivfilme in der Schwarzweißära auch waren.

Spannend: Der Leser weiß, dass es keine lebenden Mumien gibt. Auch Dede weiß, dass es keine lebenden Mumien gibt. Nur die Mumie selbst scheint sich dieses Umstandes nicht bewusst zu sein, da sie munter unterwegs ist. Und obwohl sie dieses Flair der Gefahr hinterlässt, gibt es auch noch Halunken, die jenes ägyptische Schmuckstück, aus welchen Gründen auch immer, ebenfalls in ihre Hände bekommen wollen. Dede hat also alle Hände voll zu tun, um überhaupt lebend aus der Geschichte herauszukommen. Das ist durchweg unterhaltsam und wird mit einigen privaten Anekdoten des Detektivs gewürzt. Dede besitzt (weiche) Ecken und Kanten (die seiner ungesunden Lebensweise geschuldet sind) und dennoch ist dieses Raubein sympathisch.

Ein schöner dritter Band, in dem sich Autor und Zeichner Erik auf eine Doppelfolge einlässt. Doch ist der Auftakt so schön illustriert, so fein illustriert, dass man die nächste die Handlung abschließende Folge gerne erwartet. :-)

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Sonntag, 15. September 2013

John Lord 2 - Wilde Menschen

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 11:00

John Lord 2 - Wilde MenschenEs ist kein Dschungel, nur ein Treibhaus, eine Simulation inmitten der Zivilisation. Doch hier fühlt sie sich wohl. Hier darf sie so sein, wie sie mag, wie sie es gelernt hat. Und ihr unfreiwilliger Gastgeber lässt sie, unterstützt sie sogar. Sie legt irgendwann die Waffen ab, zieht ein Kleidungsstück an und liest ein Buch. Ein Buch? Wie lange mag es her sein, dass sie ein Buch so nahe gesehen hat? Dass sie sich mit ihm Stunde um Stunde beschäftigte? Eine Ewigkeit muss seither vergangen sein, so scheint es und so ist die Ruhe, mit der sie sich nun zu beschäftigen weiß, ein gutes Zeichen.

Was kann der menschliche Geist aushalten, bevor er sich dazu entschließt, dass es einfacher ist, wieder zum Tier zu werden? Denis-Pierre Filippi hat einen Comic-Charakter geschaffen, der immer aufs Neue von der Vergangenheit eingeholt wird und trotz aller Bemühungen in die, nach menschlichen Maßstäben, Barbarei zurückfällt. In der zweiten Folge führen die Comic-Macher das eher ungewöhnliche Konzept fort, nicht nur zwei Handlungen parallel zu erzählen, sondern die eine Hälfte auch gänzlich ohne störenden Text ablaufen zu lassen. Nach dem die erste Folge ziemlich rätselhaft war und viele Fragen offen ließ, lüften sich die Vorhänge in der zweiten Folge deutlich.

Gewalt ist der Schlüssel. Gewalt hat hier zu einer Verwandlung geführt. Gewalt soll ein Geheimnis schützen. Gewalt soll die Rache transportieren und es ist beinahe egal, wen sie letztlich trifft. Die beiden Ermittler, John Lord und Clara Summers, arbeiten sich Stück für Stück, Information für Information, Indiz für Indiz weiter vor, doch es nicht leicht für sie, die Spuren und Funde zu einem ganzen Bild zusammenzupuzzeln. Auch für den Leser ist es nicht leicht, der Spur zu folgen, obwohl er mehr weiß als John Lord und dessen Kollegin. Ein wenig offenbart sich hier eine ähnliche Erzählstruktur wie in Memento, ohne wirklich rückwärts gewandt zu sein.

Es fällt schwer, sich der eigentlichen Hauptfigur zu entziehen, die den Sprung auf das Titelbild geschafft hat. Es fällt auch schwer, diese Figur zu verteufeln. Einerseits konnte man im ersten Teil ihre Kindheit erleben, das Schicksal sehen, dem sie so gerade eben entgangen ist und dem sie eine bestimmte Art doch verfiel. Zuerst scheint alles auf eine Besserung hinzudeuten, auch auf den Wunsch zur Veränderung, eine Rückbesinnung auf menschliche Werte, die doch einmal vorhanden waren und das Leben bestimmten. Patrick Laumond verleiht den Figuren in dieser Folge noch mehr Format und weiß besonders mit jener tragischen Gestalt, um die sich alles dreht, hervorragend umzugehen.

Der Wandel der Figur, die sich bemüht, auch in ihre Rolle zurückfindet, nur um einen furchtbaren Rückfall zu erleiden, ist grafisch toll umgesetzt. Für einen Zeichner dürfte es im Medium Comic die Herausforderung bedeuten, wenn Text nicht mehr zur letzten Erklärung bereitsteht und das Bild als alleiniger Informationstransport herhalten muss. Hier gibt es sogar mehrere Ebenen zu beachten. In kleinen Gesten, Haltungen, Mimiken verbergen sich die Informationen. Manches geschieht (gnädigerweise) aus der Ferne, anderes wird wie vor ein sinnbildliches Mikroskop gezerrt. Abscheu oder Mitleid? Dieser Frage wird der Leser beständig in der textlosen Handlungslinie ausgesetzt.

Daneben entwirft Patrick Laumond in der Welt rund um John Lord eine Übergangsphase von Spätwestern und früher Moderne. Von der Wildnis in den optischen Osten der Vereinigten Staaten, in den tiefen Süden hinein, wo der mit der Waffe in der Hand das Sagen hat. Das ist stimmig, düster, auf dokumentarischen Realismus angelegt, der durch die feine, manchmal etwas verwischte Kolorierung von Sebastien Gerard auf das Beste verstärkt wird.

Krimi, Drama, Mystery. Der zweite Teil von John Lord funktioniert auf mehreren Ebenen und besetzt innerhalb des Mediums Comic eine seltene Nische. Gerade deshalb und wegen seiner schönen grafischen Ausführung sollten Comic-Fans, die sich z. B. mit dem Film Noir gut unterhaltne fühlen, einen Blick riskieren. :-)

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Samstag, 24. August 2013

CHEW - Bulle mit Biss 6

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 18:34

CHEW - Bulle mit Biss 6 - Space KekseJa, wo haben sie sich denn nun kennen gelernt? Oder kennen sie sich am Ende gar nicht? Toni, die Schwester von Tony Chew, hat ein wenig Mühe die Annäherungsversuche von Caesar Valenzano abzuwehren. Schließlich gibt es noch andere Bewerber, die ein wirklich ernsthaftes Interesse haben. Antonelle, wie sie mit Langnamen heißt, ist kein Kind von Traurigkeit. Männer, Partys, Poker oder auch mal das Lutschen psychedelischer Frösche sorgen für Abwechslung in ihrem Leben, das auch von Gefahr geprägt wird. Doch eines wird nie vergehen: Die Sorge um den Bruder, der noch immer an das Krankenhausbett gefesselt ist und nur sehr langsam wieder gesund wird.

Wer könnte auf die Idee kommen, ein Hähnchen in den Mittelpunkt einer Geschichte zu stellen? Nicht ein putziges, kleines, flauschiges Hühnchenhähnchen. Sondern ein gewalttätiges, ein Kampfhähnchen! Autor John Layman und Comic-Künstler Rob Guillory haben mit Poyo einen tierischen Superagenten entwickelt, der, ziemlich wortkarg, immer dann angefordert wird, wenn sonst gar nichts mehr geht. Ein Poyo hält selbst die Hölle in Schach. Aber Poyo, der Kampfhahn, ist nur die Spitze des Eisbergs. Layman und Guillory haben hier mit Wucht aufgetischt und bieten dem Leser ein Szenario, das an schwarzem Humor kaum zu überbieten ist und selbst für eine in dieser Hinsicht ziemlich überbordende Serie noch einen Gipfel darstellt.

England. Ein Land, das für seine Wetterverhältnisse nicht unbedingt gelobt wird, eher berüchtigt ist. Und es wird noch schlimmer. Nicht wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen. Nein, es wird noch viel schlimmer. Und das bringt uns zurück zu Poyo. Allein die Ausschnitte seiner diversen Abenteuer, ein Bild meist nur, mit einem marktschreierischen Titel versehen, sind ohne Übertreibung Brüller. Aber Layman und Guillory können selbst das noch einmal übertreffen. Mit einer Liebesszene im weitesten Sinne. Hier greift die Optik perfekt und nimmt sich einer gewissen Form von Verniedlichung an, von der der sich der Verbraucher einst selbst überzeugen konnte (hört mit urby auf) und die selbst in dieser gezeigten Form noch funktioniert. Das ist, wie weite Teile dieser Handlung (sowie der gesamten Serie) auch, stets auch ein Seitenhieb auf reale Verhältnisse und eine Hommage an die existierende Popkultur.

Aber so lustig die Episode um Poyo auch ist, sie kann natürlich nicht so nahe gehen wie eine Handlung, die um menschliche Charaktere herum geschrieben wird. Der Bulle mit Biss hat nicht erst in diesem Band enorme Schwierigkeiten, doch der Feind im Hintergrund offenbart sich nun mit Macht startet einen Angriff, der schreckliche Folgen hat. Chew balanciert gerne auf einem schmalen Grad, spielt auch gerne mit den Elementen des Splatter-Genres, doch John Layman startet hier einen Frontalschlag. Es ist die Frage, wie sehr man als Leser die Figuren an sich heran lässt. Doch allein der Überraschungsfaktor spricht für sich. Layman reiht sich in die Autorenriege ein, die für sich festgestellt hat, dass keine Figur sicher ist. Zwar mag es Genres geben, in denen Charaktere gerne auferstehen. Chew gehört nicht dazu.

Die Verquickung von Figuren mit unterschiedlichen Fähigkeiten, auch solchen, die erst erschlossen werden wollen, erinnert nicht nur an Superhelden, sondern auch an Heroes. Auch die Evolution von Fähigkeiten bleibt nicht aus. Das ist nur ein kleiner Teil, den die Erzählung Laymans ausmacht. Ein anderer, sehr gewichtiger Teil, die höchst karikierende wie auch slapstickartige Darstellung der Geschehnisse, eine weiterhin ungewohnte Action, die jene, die Filme wie Pulp Fiction mögen, lieben werden, da sie selbst die Arbeit eines Tarantino in den Schatten stellen.

Das Erfolgsrezept: niemals Langeweile, unerschöpfliche Ideen, die auch unbequeme Wege gehen. John Layman und Rob Guillory haben mit diesem Band eine neue Tür geöffnet und dahinter wartet, es kann gar nicht anders sein, eine große Auseinandersetzung. Der sechste Band hinterlässt den Leser gespannt wartend, gut unterhalten. Besser geht es kaum. :-)

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