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Comic Blog


Montag, 14. Juli 2014

BÄRENZAHN 1 – Max

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 18:39

BRENZAHN 1 - MaxMax, Werner und Hanna sind in die Fliegerei verliebt. Obwohl sie noch nicht selbst in die Lüfte aufsteigen können, ganz einfach weil sie zu jung dafür sind, verbringen sie viel Zeit damit, Modellsegelflugzeuge möglichst weit fliegen zu lassen und kleine Raketen in den Himmel zu schießen. In diesen Tagen, in Schlesien in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, sind die Vorboten eines nahenden Umschwungs erschreckend spürbar. Einen Krieg sehen weitaus weniger Menschen heraufziehen. Das Fliegen besitzt noch Unschuld, trotz der Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg. Voller Staunen beobachten die drei Kinder, engste Freunde, ein neu entwickeltes Segelflugzeug am Himmel und wünschen sich nichts sehnlicher, als selbst am Steuer einer solchen Maschine zu sitzen.

Jahre später. Die Freunde sind erwachsen. Und Max hat Schlesien rechtzeitig verlassen und ist in die Vereinigten Staaten ausgewandert. Der Krieg hält die Welt in seinem Griff. Max ist Flieger geworden und schießt nun den Feind über dem Pazifik ab. Dummerweise gibt es ein Problem. Seine Ähnlichkeit mit seinem alten Schulfreund Werner bringt ihn in große Schwierigeiten, denn plötzlich hält man ihn für einen deutschen Spion.

Die Welt war noch kleiner geworden. Alte Freundschaften überbrückten tausende von Kilometern. Heimat und Loyalitäten verschoben sich. Am dramatischen Beispiel von Max Kurtzman erzählt der Comic-Veteran Yann (Yann le Pennetier) abseits seiner eher lustigen Szenarien ein Kriegsdrama, in dem die Fliegerei neben den drei erwähnten Freunden der vierte Hauptdarsteller ist. Alain Henriet, der bereits mit dem futuristischen Szenario Golden Cup sein Händchen für sehr technisch zu behandelnde Stoffe bewiesen hat, bildet die 30er und 40er Jahre, vor dem Krieg und während des Krieges, mit klaren Linien und größtmöglicher Akkuratesse ab.

Neben der Leidenschaft für Fliegerei beleuchtet Yann das Geflecht im Krieg, geheimdienstliche Aktionen, das Aufwachsen vor dem Krieg in einem nationalsozialistischen Regime, mit seinen Folgen für das tägliche Leben, die damit einhergehenden Bedrohungen. Einer der zentralen Punkte der Geschichte ist Hanna Reitsch, dem Vorbild einer historischen Figur nachempfunden. Schnell wird deutlich, wie sehr sie den Wunsch zu fliegen über alles andere stellt und sich auch nicht von der propagierten Überlegenheit der Männer gegenüber Frauen kleinkriegen lassen will. Beispielhaft sind Szenen, in denen sie gegen ihren Freund Werner im Wettkampf antritt oder später im Krieg die Me 163 in einem Versuch gegen die Alliierten führt.

Yann überlässt historische Genauigkeit den Gelehrten und erzählt frisch von der Leber weg und erstellt sich ein Szenario, ähnlich wie es ein Jack Higgins in Der Adler ist gelandet vollbrachte oder ein Alistair MacLean mit Agenten sterben einsam. In Sachen historischer Thriller befindet sich Yann in bester Gesellschaft und steht seinen Kollegen auch in nichts nach. Durch die geschilderte Freundschaft der drei, den frühzeitigen Einstieg in ihre Jugend, auch die erzählte Entzweiung durch die Judenverfolgungen, denen Max und sein Vater weichen, werden viele Motive der Figuren haarklein und überzeugend dargelegt.

Krieg über dem Pazifik. Max’ zweites Leben, jenes fern des Geburtsorts, beginnt im Jahr 1944 mit der Attacke von japanischen Kamikazefliegern. In dramatischen Bildern inszeniert Alain Henriet den kurzen Luftkampf mit dem japanischen Feind, der nichts anderes erreichen will, als das eigene Flugzeug in die Rümpfe der amerikanischen Schiffe zu bohren. Der Leser erfährt so früh vom fliegerischen Geschick des Max Kurtzman und seiner Herkunft, die ihm wenig schmeichelhaft von seinen Kameraden vorgehalten wird. Wer glaubt, es gehe voller Action weiter, sieht sich schnell getäuscht. Die Darstellungen der einzelnen Charaktere und Lebenswendepunkte überwiegen. So verdichtet sich dieser Thrillers erst so richtig zur perfekten Mischung aus Drama und Fliegerabenteuer.

Spannender Auftakt! Yann begibt sich einmal mehr auf neue Pfade und vermag auch weit abseits von Funnys zu überzeugen. Dank der überaus exakten und fein kolorierten Bilder entsteht ein sezierender Einblick in jene Zeitspanne. :-)

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Links: blog.alainhenriet.com

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Montag, 23. Juni 2014

BLACKSAD 5 – Amarillo

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 9:50

BLACKSAD 5 - AmarilloZwei Poeten auf der Suche nach Leben, seinem Kern, seinen Lehren, seiner Poesie. Abe und Chad leben das Extrem, genau gesagt, möchte Abe, dass auch Chad endlich mehr der Wirklichkeit verhaftet ist und sich nicht kränkelnd weinerlich hinter einem Stapel Papier versteckt. Poesie und Mumm lauten die Zauberwörter. Derweil hat John Blacksad andere, richtige Probleme. Das Geld ist der Neige zugegangen und ein Job, bei dem er niemanden zusammenschlagen oder erschießen muss, käme ihm nun sehr gelegen. Hauptsache, er muss nicht detektivisch tätig werden. Zu seinem Glück ist er eine ehrliche Haut und findet eine Brieftasche, die ihm als ehrlichen Finder eine Gelegenheit für eine ruhige Reise einbringt. Zunächst jedenfalls.

Is this the way to Amarillo? Mit starkem Lebensgefühl einer vergangenen Ära ist Blacksad, ein schwarzer Kater, zurück, kehrt am Flughafen von New Orleans noch die Scherben des letzten Falles auf, bevor es ihn in eine neue Geschichte wirft, die das Leben schreibt. In einem Cadillac Eldorado, lackiert in Kanarienvogelgelb, cruiset Blacksad nach Tulsa. Und kreuzt den Weg von zwei Poeten. Juan Diaz Canales hat mit treffsicherer Feder und einer Menge Fingerspitzengefühl verschiedene Tragödien zu einer verschmolzen und einen Krimi geschaffen, in dem sich einmal mehr die guten alten Zeiten eines Philip Marlowe und eines Mike Hammer wiederentdecken lassen.

Eine vorsätzliche und gewaltsame Handlung ist nie sinnlos. In neuen Verbrecherkreisen lernt Chad, ein junger Löwe, philosophische Grundhaltungen eines Gauners, angefeindet und bespottet durch die neuen Bekanntschaften und Abe, einem Bison, der ihn auf den, seiner Meinung nach, besten Weg eines Poeten bringen will. Wer sich für Texte bezahlen lassen will, kann es mit seiner Kunst nicht ernst meinen. Allein für diese Szene, den Auslöser für jedes weitere Geschehen dieser Kriminalhandlung, lohnt sich die Lektüre des Bandes. Für Juanjo Guarnido erschließt sich in der Folge nach einem normalen Gangsterszenario eine ungewöhnliche Kulisse. Blacksad macht einen Ausflug zum Zirkus.

Aber letztlich ist das auch nur eine Station, die überaus reizvoll in, für Comics, grandioser wie auch seltener Aquarelloptik illustriert ist. Die Reihe Blacksad lebt einerseits von der Wiederbelebung einer vergangenen Zeit, in der Gangsterballaden Hochkonjunktur hatten. Dies ist hier eindeutig gelungen, mit teil nostalgisch verklärtem Blick. Andererseits üben die Tiercharaktere einen starken Sog innerhalb der Serie aus, sozusagen das unübersehbare Geheimrezept. Juanjo Guarnido hat neben einer Unzahl an Figuren auch ein paar Nebencharaktere, die herausstechen und penibel für ihre jeweilige Rolle ausgesucht scheinen. Da gibt es durchaus Tierfiguren, die gegen den Strich besetzt scheinen und deshalb umso besser funktionieren.

Der Clown Elmore, ein Koala, legt einen poetischen Auftritt in der Manege hin und wirkt auf den ersten Blick, als könne er mit Chad, dem Löwen, auf einer Wellenlänge liegen. Doch sobald die Maskerade fällt, erinnert Elmores Auftreten an einen Edward G. Robinson in einer seiner zahlreichen Gangsterrollen. Guarnido beschert einem Koala den wohl bösesten Gesichtsausdruck, den jemals das Antlitz eines dieser Eukalytusbärchen zierte.

Eine Tragödie, ein Drama, ein Kriminalfall. Ein Fehler und ganz gleich, welchen Weg der eine Charakter einschlägt, er tappt fürderhin in eine schlimme Situation nach der anderen. Blacksad befindet sich auf der Jagd auf einen Mann, der eigentlich nichts Schlechtes mehr anstellen will und vom Unglück geradezu verfolgt wird. Beste Krimiunterhaltung im Stil der Schwarzen Serie Hollywoods. Klasse. :-)

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Donnerstag, 29. Mai 2014

GHOST MONEY 3 – Tod in Dubai

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 17:17

GHOST MONEY 3 - Tod in DubaiÜberlebt! Der Anschlag fand in nächster Nähe statt. Das Fahrzeug und seine stabile Panzerung hat sich tatsächlich als Lebensretter erwiesen. Dennoch können die an den Ereignissen unbeteiligten Lindsey und ihr Fahrer Hakim nicht entkommen. Kaum ein paar Meter entfernt haben sich die Terroristen zusammengerottet und ahnen nichts von den Überlebenden. Noch nicht. Chamza, Lindseys Freundin, weiß nichts von den Schwierigkeiten, in denen die andere junge Frau steckt. Chamza hat ihren eigenen siebten Himmel gefunden, frönt ihrer Liebe, abgeschieden hoch über Dubai, weit weg von den furchtbaren Ereignissen, die in den Nachrichten um den gesamten Globus geistern.

Von der Sonnenstadt und Urlaubsparadies zum Terroristenziel Nr. 1. Thierry Smolderen und Dominique Bertail beschreiben mit erschreckender Genauigkeit einen terroristischen Anschlag in der nahen Zukunft. Vordringlich dreht sich alles in GHOST MONEY um das verschollene Geld des 11. September 2001. Wer von den Anschlägen im Vorfeld wusste, konnte durch geschickte Börsenspekulationen ein Vermögen machen. Und tat genau das. Doch das Geld verschwand und die Suche danach dauerte an bis ins Jahr 2025. In ihren Mitteln sind die Schatzjäger nicht zimperlich. Längst hat sich das Vermögen zu einem modernen Mythos entwickelt. Thierry Smolderen gelingt der Spagat zwischen dem großen überspannenden Bogen, den globalen Verstrickungen und den Einzelschicksalen am Beispiel von Chamza und Lindsey.

Letztere ist jene, aus deren Augen der Leser das Geschehen mit Staunen verfolgen darf. Denn die junge Engländerin kommt aus normalen Verhältnissen, die High Society, in der sich Chamza bewegt, war ihr bis vor kurzem noch fremd. Die Schattenseiten dieses Lebens lernt sie im dritten Teil der Reihe im Kugelhagel automatischer Gewehre kennen. Für die Optik, die sich in ihrer Rasanz nicht mit Stirb langsam, sondern mit Stirb verdammt schnell übersetzen lässt, haben sich Smolderen (Autor) und Dominique Bertail (Zeichner), auch noch eine ganze besondere Kulisse gesucht. Das weltberühmte Burj al Arab, jenes einem gigantischen Segel nachempfundene Hotelhochhaus an der Küste Dubais, wird hier zum Schauplatz einer wilden Flucht vor den Terroristen.

Die Liebe zum Realismus im Zeichenstil von Dominique Bertail lässt die konsequent weiterentwickelte Gegenwart der Handlung lebendig werden. Welche Technik könnte es einmal geben? Diese Frage haben sich auch andere Epochen gestellt. Die Antworten fallen vor den technischen Entwicklungen unserer Zeit nicht mehr in buntem Plastik aus, sondern sind neben der Waffentechnik auch in der Verquickung von Computertechnologie und menschlicher Biologie zu finden. Das Auge ist nicht nur mehr Fenster zur Seele, vielmehr kann es durch operative Ergänzungen, unbemerkt, als erweiterte Webcam benutzt werden. Ich sehe das, was du siehst, lautet die Geheimtechnik der nahen Zukunft.

Die Grafiken von Bertail weisen durchweg eine aufwändige wie auch stimmige Kolorierung auf. Die intuitive, mitunter skizzierte Strichführung fällt durch den Farbauftrag erst auf den zweiten Blick auf. Wenn es sehr technisch wird, sich das zukünftige Design in klaren, kantigen Strukturen erschöpft, wie bei so genannter Tarnkappentechnologie, wird dennoch nicht mit Linealen gearbeitet. Die Zeichnungen bleiben organisch, beinahe Schnellskizzen, die mehr dokumentieren als erzählen und den passenden Moment einfangen. In den ruhigen Augenblicken bleibt die Zeit dafür, wie bei einigen gelungenen Stadtansichten. Sobald Panik ausbricht, erhöht sich die Anzahl der Bilder, werden die Bilder kleiner und simulieren in der Summe die rasende Geschwindigkeit.

Ein Thriller in der dritten Runde: der hinter den Kulissen tobende kalten Krieg um das Erbe des 11. September vermischt sich mit neuem Terror. Einzelschicksale drohen daran zu zerbrechen. Das Leben der beiden Hauptfiguren Chamza und Lindsey driftet in zwei Handlungsstränge auseinander. Thierry Smolderen schafft mit seiner Erzählung eine starke Steigerung und tolle Fortsetzung. :-)

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Samstag, 26. April 2014

BRUNO BRAZIL Gesamtausgabe 3

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 15:50

BRUNO BRAZIL Gesamtausgabe 3Der Abschlag auf dem Golfplatz endet mit einem Knall und mit einem Toten. Jemand hat es auf einflussreiche Geheimnisträger abgesehen. Drei an der Zahl verfügen über wichtiges Wissen. Obwohl die Behörden sofort Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, erfolgt bald schon der nächste Anschlag. Hier kommen Bruno Brazil und sein Team, das Kommando Kaiman, wieder ins Spiel. Eine Möglichkeit haben die Verantwortlichen noch, an das benötigte Wissen zu gelangen, bevor der Feind Wind von der Sache bekommt. In außergewöhnlicher Tarnung macht sich das Kommando Kaiman auf den Weg, mit einem schwitzenden Gaucho Morales, der sich fragt, ob er nach allem, was man gemeinsam durchgemacht hat, tatsächlich Schlagzeug spielen soll. Seine Freunde lassen ihn grinsend in diesem Glauben.

Die Entrüstung der Comic-Fans zum damaligen Zeitpunkt war nachvollziehbar. Greg, einer der Comic-Autoren schlechthin, dünnte das Kommando Kaiman auf einen Schlag aus. Bruno Brazil büßte einen großen Teil seines Teams ein. In Comics stirbt man nicht. Und falls doch, dann kehren sie irgendwann eben zurück. Das ist Comic. Das mag bei den Superhelden funktionieren oder bei James Bond, der mitunter zweimal lebt. Bei Bruno Brazil gibt es das nicht. Der Auftrag, Die Myxin-Formel, den Greg zur Vernichtung eines erfolgreichen Teams nutzte, ließ sich eigentlich wie jeder andere schwierige Auftrag an, den das Kommando Kaiman rund um Bruno Brazil bisher angenommen hatte. Auch die Planung wies eine neue Finesse auf und nichts deutet auf diese enorme Wendung in der Serie im zweiten Teil der Handlung hin.

Im redaktionellen Teil, schön gestaltet und inhaltlich interessant, erwarten den Leser neben einer comicalen Zeitreise noch weitere Informationen über den Werdegang von Bruno Brazil, Pläne, die Figur auch in ein anderes Medium zu transportieren. Mit Dossier Bruno Brazil kam es zu einem neuerlichen Aufflackern der Serie, einer Sammlung von Kurzgeschichten, mit dem richtigen Agentenflair, wie es auch ein Ian Fleming in seinen kürzeren Abenteuern um den berühmten englischen Geheimagenten beschwor. In teils sehr klaren Bildern von William Vance geht ein enorm gereifter Bruno Brazil zu Werke. Der Agent ist zu einer Figur geworden, die weitaus mehr wie ein Gentleman wirkt als zuvor.

Das Ende …!?? bezeichnet den Abschlussband der Serie in diesem dritten Sammelband der Gesamtausgabe und bietet einen noch einmal deutlich gereifteren Zeichenstil von William Vance, liegen doch zwischen dem tatsächlichen letzten Album und dieser finalen Ausgabe ein paar Jahre. Der grafische Sprung, nicht immens, aber deutlich, zeigt sich besonders in der Kurzgeschichte Schieß nicht auf Unsterbliche und dem Abenteuer Soldaten spielen, Diebe fangen. Versteht sich erstere gleichzeitig als Anspielung auf den Hollywood-Betrieb und eine Persiflage auf viele Szenen, die jemals um schussfeste Superhelden herum entstanden sind, ist letztere eine gelungene Mischung aus Militär-Agenten-Thriller, in dem es Vance außerdem ordentlich krachen lassen darf. Auf jeder Seite besticht er hier durch sein optisches Geschick und tolle Augenführung.

Wie stark Greg als Kurzgeschichtenautor war, wird hier ebenfalls deutlich. Wie penibel auch im Aufbau, davon darf sich der Leser abschließend überzeugen, wenn es an die Unvollendete geht, die Geschichte namens Die rote Kette. Leider zeichnete William Vance hier nur sechs Seiten, zwanzig Seiten Manuskript lagen seitens Greg vor, so dass ab Seite 7 die Handlung rein textlich präsentiert wird und abbricht … Fragen Sie Papa Konfuzius bietet leider auch keine Antwort auf die Frage, wie es weitergegangen wäre, dafür ist dieser Kurzroman ein Ausflug in ein anderes Medium. Mit knapper Sprache, dicht und kühl erzählt, rollt Autor Jacques Acar das Kommando Kaiman noch einmal auf. Acar starb 1976, das Experiment eines Bruno Brazil im neuen Medium wurde nicht fortgesetzt. Inzwischen wagen sich immer neue Comic-Helden ins Buchformat vor. Insgesamt ist es ein abgehacktes Ende dieses Agenten namens Bruno Brazil, aus dem noch hätte mehr werden können. Greg unternahm Ausflüge in andere Genres, den Western, in die bunte Science Fiction der 70er sowie in packende internationale Abenteuer. William Vance blieb dem Agenten-Genre mit XIII lange treu ergeben.

Eine Unvollendete, wie sie auch der Comic hin und wieder bietet. Bruno Brazil endet mit Fragmenten und einigen guten Ideen, auch für Neustarts. Als eigentlicher, sehr trauriger Schluss darf das albenlange Abenteuer Die Myxin-Formel angesehen werden. Die dritte Folge der Gesamtausgabe ist wie seine beiden Vorgänger schön gestaltet und bietet zudem feine Einblicke ins Comic-Geschäft vergangener Tage. Auf den Leser warten so Spannung und nostalgisches Flair. :-)

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Donnerstag, 10. April 2014

Die Millennium-Trilogie 1 – Verblendung

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 17:38

Die Millennium-Trilogie 1 - VerblendungMikael Blomkvist ist hereingefallen. Er hätte als versierter Journalist die Falle wittern müssen. Die Folgen sind unübersehbar, für ihn persönlich wie auch für das Magazin, für das er schreibt. Ein eher ungewöhnlicher Auftrag ermöglicht einen Neuanfang. Die Recherche, die er anstellt, folgt einem Geheimnis. Gleichzeitig ist er, ohne es zu ahnen, von unbekannter Seite ausgespäht worden. Gerade jene fremde Person, die sein Leben zu einem Dossier zusammengestellt hat, wird in den nächsten Monaten zu einem seiner wichtigsten Mitstreiter seines Lebens werden. Denn ohne es vorher zu ahnen, ist Mikael Blomkvist einem irren Mörder auf der Spur, der vor keiner Brutalität zurückschreckt.

Die Geschichte ist hinlänglich medial bekannt und hat verschiedene Adaptionen erfahren. Aus der Aufklärung des Verbleibs einer jungen Frau, die vor Jahrzehnten verschwand, wird ein Kriminalfall, der es in sich hat und mit menschlichen Abgründen aufwartet, die zu Beginn der Geschichte kaum zu erwarten waren. Autor Stieg Larsson schrieb die Vorlage zu dieser Comic-Umsetzung von Sylvain Runberg, inhaltlich inzwischen sattsam bekannt durch Verfilmungen, Hörbücher und Hörspiele und verschiedene Comics. So kann es kaum noch inhaltlich besprochen werden, da Larssons Geschichte unbestritten ein vortrefflicher Thriller ist, dessen Qualitäten Runberg sehr schön in dieses Medium Comic transportiert.

Comic visualisiert und demzufolge stellt sich die Frage, ob die Übertragung, der im Roman geschilderten Bilder gelungen ist. Jeder, der einen Roman liest, macht sich aufgrund der Beschreibungen seinen eigenen Film von den Geschehnissen, den Charakteren, der Umgebung. Jose Homs wählt den Weg der Übercharakterisierung. Die Figuren bewegen sich an der Grenze zur Karikatur. Jose Homs gibt sich so selbst die Möglichkeit, jeden einzelnen Charakter vollkommen individuell zu gestalten. Hier wird keine Figur aus einem Stammportfolio verwendet und mit verschiedenen Frisuren auf seine Zwecke angepasst. Hier ist, auf diese Gestaltungsart, jeder Charakter echt.

Besonderes Augenmerk in dieser Geschichte liegt neben Kalle Blomkvist natürlich auf dem Mädchen mit dem Drachen-Tatoo, dem die zentrale Rolle zufällt, obwohl es hier noch etwas unterfordert ist und erst in den folgenden beiden Romanen der Millennium-Trilogie zur Bestform aufläuft. Hier ist sie noch ein Kuriosum, exzentrisch einerseits, introvertiert andererseits, auf ihre Art auch genial, ein Opfer, aus dem ein Täter wird. Sie leidet bis zu einem gewissen Punkt, dann wehrt sie sich. Kurze Szenen aus Vergangenheit und Gegenwart von Lisbeth Salander belegen dies mit sehr feinfühlig inszenierten Grafiken.

Kernszenen sind hier sicherlich Lisbeths Verteidigungsversuch der eigenen (Zwillings-)Schwester, ihr Treffen mit ihrer Mutter und die mehrfache Begegnung mit ihrem neuen Vormund, Rechtsanwalt Bjurman. Besonders die letzte dieser Begegnungen zeichnet auf einer Kurvenskala einen Spitzenausschlag auf, wenn Lisbeth Salander sich rächt. Jose Homs gelingt mit der Darstellung Salanders eine weitaus zartere Erscheinung, als es den Verfilmungen gelungen ist und deren Ausbrüche, gewaltsam und mit außenordentlicher Mimik, der Ursprungsform im Roman in nichts nachstehen.

Den sehr realistischen Kulissen stehen Figuren mit puppenartigem Äußeren gegenüber, nicht nur sehr individuell gestaltet, sondern auch mit schauspielerischem Talent ausgestattet. Es ist bewundernswert an diesem Zeichner, wie viel Gesichtsausdrücke, wie viel inneren Ausdruck Jose Homs in die Hauptdarsteller und Nebenfiguren der Handlung zu legen vermag. Diese Bandbreite wird auch nur durch die erwähnte Überzeichnung zugelassen. Dadurch halten die Bilder einen hohen Erzählwert bereit, der oftmals noch mehr aussagt, als die Erzählung, adaptiert und eingekürzt von Sylvain Runberg.

Zarte Linien, treffsicher gezogen, bilden das Gerüst für eine ebensolche Farbgebung, möglichst natürlich aussehend, aquarellartig lasierend, zaghaft strahlend, als seien sie unter einem eher trüben, verhaltenen Licht entstanden. Hier wird nicht überzeichnet, sondern verstärkt die passende Atmosphäre gesucht. Entsprechend kann eine Farbstimmung auch mitten in der Szene umschlagen, eine Bedrohung unterstreichen oder Zwischenpassagen wie kurze Rückblicke besser abtrennen. Das ist filmisches Inszenieren mit einer unter dem Strich düsteren Stimmung.

Fast so gut wie die Vorlage (Roman), an der sich jede Adaption messen lassen muss. Dank der konsequenten Charakterisierung mit einem sehr individuellen Zeichenstil durch Jose Homs ist die Umsetzung des ersten Teils der Millennium-Trilogie auch ein kleines Comic-Thriller-Kleinod. :-)

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Montag, 07. April 2014

I.R.$. 13 – Yamashitas Gold

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 17:49

I.R.S. 13 - Yamashitas GoldLarry B. Max findet den Mörder seiner Freundin Gloria in Bangkok und ist entschlossen, die Jagd endlich zu Ende zu bringen. Längst hat er seine Kompetenzen im Rahmen des I.R.S. weit überschritten. Larry B. Max will auch den letzten Schritt tun. Doch es kommt anders. Am Ende gibt es nicht nur einen Toten, es gibt auch einen neuen Auftrag, der auf einer Erpressung fußt. Dabei hatte es für Larry ganz gut ausgesehen. Er hatte sein Ziel mit Leichtigkeit gefunden. Dieser Mann, den er für den Tod von Gloria verantwortlich macht, flüchtete und suchte doch die Auseinandersetzung. Voller Angst forderte er Larry heraus. Larry scheute nicht die Menschen um sich herum, während er sich ein Feuergefecht mit dem anderen Killer lieferte. Doch dann wurde es im entscheidenden Moment dunkel um Larry.

Bernard Vrancken setzt in seiner Darstellung der Serie auf einen möglichst realistischen Grafikstil. Zeichnungen wirken wie Umsetzungen von Fotografien. Fahrzeuge, Ausschnitte der Welt rund um Larry B. Max, die Hauptfigur der Reihe, historische Szenen könnten auch so in einem Film erschienen sein. Vorbild ist natürlich der amerikanische Thriller oder auch Kriminalfilm mit all seinen Facetten, häufig besonders in der Welt der Schönen und Reichen, den Autor Stephen Desberg gerne als Sumpf mit spiegelnder Oberfläche zeigt.

Für den Leser startet diese zweiteilige Geschichte (die Fortsetzung folgt im nchsten Band) an der Seite von Larry B. Max mit einem Nachhall des Vorgängerabenteuers. Der Ermittler des I.R.S., des Internal Revenue Service (Bundessteuerbehörde der USA), hat noch eine persönliche Rechnung zu begleichen und schlittert durch diesen Umstand geradewegs in seinen nächsten Fall. Der Held der Geschichte hat sich bereits einmal mit Kriegsbeute beschäftigt (Band 1 und 2) und wird dadurch zu einem Jäger, der auch für die chinesischen Triaden im Zweiten Weltkrieg abhanden gekommene Schätze wiederbeschaffen kann. Diese Aufgabe, an der sich die Triaden bereits die Zähne ausgebissen haben, soll von Larry B. Max innerhalb von zehn Tagen erledigt werden.

Was in Bangkok beginnt, führt rasend schnell zurück nach Los Angeles, einem Kerntummelplatz des Ermittlers, der hier zu Hause ist und auch noch ein Klassentreffen vor sich hat. Obwohl es zeitlich so gar nicht in den Plan passt, zwackt Larry eine ruhige Minute ab (von denen er, weil Stephen Desberg geschickt die Fäden zieht, sehr wenige hat) und mischt sich unter die Schulkameraden vergangener Tage. Ein Indiz für die Filmverwandtschaft der Bilder innerhalb der Serie ist die Verwendung von Gesichtern, die Schauspielern nachempfunden sind und immer wieder einmal entdeckt werden können. Am Beispiel des Schultreffens kann so eine Halle Berry genannt werden, die zweifellos in Großaufnahmen Patin für die Figur der Laroya Armstrong gestanden hat.

Yamashitas Gold ist die inzwischen 13. Folge der Reihe I.R.$. und Stephen Desberg hat in Sachen Thriller seine Hausaufgaben gemacht. Er kennt die Regeln des Aufbaus, legt geschickt Spuren aus, lüftet Rätsel nach und nach und setzt seine Hauptfigur gehörig unter Druck. Daneben streut er Zweifel über die wahren Absichten und Loyalitäten einiger Figuren. In die Handlung des gegenwärtigen Zeitstrangs werden Rückblenden eingebaut, die dem Leser anschaulich und spannend zeigen, was damals geschah, als das erwähnte Gold verschwand. Und gemäß all der Tricks, die zum Geschäft eines Thrillerautoren gehören, setzt Desberg auch einen Cliffhanger mit nicht wenigen losen Enden.

Hier ist, dank der grafischen Finessen von Bernard Vrancken durchweg Titelbildqualität auf jeder Seite zu finden, mit einer Kolorierung von Coquelicot. Hier wird mit feinen Verläufen gespielt, möglichst natürlich wirkend, leuchtenden Farben, wie man sie auch auf der Filmleinwand erwarten darf. Die Kulissen bieten Abwechslung in Epoche, Land und individuellem Ort, innen wie außen. Ob Prachtstraßen oder Nachtklubs, die Atmosphäre ist stimmig. Besonderes Augenmerk liegt hier auf den historischen Rückblenden, die der Handlung und der Optik noch mehr Tiefe verleihen.

Ein packender Thriller, im Stile moderner Fernsehserien, mit einem im Hintergrund laufenden roten Faden, der die Figur des Larry B. Max beständig weiterentwickelt. Feine Unterhaltung. Jeder Zweiteiler der Reihe ist für einen Neueinstieg geeignet, so wie jetzt. :-)

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Donnerstag, 03. April 2014

PARKER – Das Syndikat

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 10:18

PARKER - Das SyndikatWenn einem Gangster auf der Spur sind und nichts anderes als den Tod im Gepäck haben, ist man gut beraten, eine Weile unterzutauchen oder, wie im Falle Parkers, Nägel mit Köpfen zu machen und sich gleich ein neues Gesicht zu besorgen. So gerüstet wird das Syndikat für den Rest des Lebens abgehängt. Gibt es jedoch einen Verräter in der Nähe, kann dieser Rest sehr mager ausfallen. Parker hat sich zu früh gefreut. Wieder sind ihm die Gangster auf der Spur und wieder macht sich Parker zur Klärung der Angelegenheit auf den Weg. Das ist nicht persönlich, es ist nur geschäftlich. Aus diesem Grund greift Parker mit seinen Kumpanen das Syndikat zuerst dort an, wo es besonders weht tut: beim Geld.

Wie ist das Leben eines Gangsters? Dichter noch als im ersten Abenteuer um den toughen Einzelgänger Parker beschreibt Darwyn Cooke nach der Romanvorlage von Richard Stark einen Mann Mann, der zwar auf diesem Planeten, aber dennoch in einer ganz anderen Welt lebt. Parkers Leben findet hinter den Kulissen der gewöhnlichen Sterblichen statt. Mit Äußerlichkeiten hält er sich kaum auf. Seine Identität definiert sich nicht durch sein Gesicht. Er muss männlich aussehen. Das Gesicht (wie die ganze Statur) muss dazu taugen, Frauen für eine Macht klar zu machen. Das scheint zu gelingen. Seine Reflexe und seine kompromisslose Art sorgen zusammen mit seinem glasklar kalkulierenden Intellekt für sein Überleben.

Verbrechen ist Geschäft. Und Geschäft bedeutet Geld. Das Syndikat verdient sein Geld kaum auf herkömmliche Art und Weise. Schwerpunkte finden sich im Glücksspiel, einer Halbwelt, schwer zu kontrollieren und deshalb umso leichter anzugreifen. Wir schreiben das Jahr 1963. In dieser Dekade, in der nach den Sternen gegriffen wird und alles möglich scheint, klammern sich einige noch an hergebrachte Strukturen. Diese innerliche Zerfressenheit kann von ein paar Gangstern von außen geknackt werden. Der Autor der Vorlage, Richard Stark, beschreibt diese Zerrissenheit ohne Rücksicht auf Erzählstrukturen oder ähnliche Gesetzmäßigkeiten, schafft ein kleines Kaleidoskop, gibt sezierende Einblicke, faszinierend und spannend zugleich.

Mitten drin bewegt sich Parker als Chirurg, der den Körper des Feindes perfekt zu kennen scheint, als As in seinem Job weiß er, wo die Skalpelle für die richtigen Schnitte anzusetzen sind. Diese Schnitte sind nicht nur Überfälle, sie sind auch Morde. Der Leser wird nicht erfahren, was Parker dabei empfindet. Die Leichtigkeit, mit der er derlei Aktionen in die Tat umsetzt, spricht allerdings eine deutliche Sprache. Wo Geld der Spitzenwert ist, bedeutet ein Menschenleben nichts. Im Wechsel aus direkter Szene, nah dran am Geschehen, und erzählenden Passagen, die den Leser Abstand gewinnen (und zwischenzeitlich aufatmen) lassen, entsteht ein Gesamtpaket, dessen Geschichte am Ende umfangreicher erscheint, als sie eigentlich ist.

Schwarz, weiß, blaugrau sind die Farben dieser gezeigten Unterwelt, in der sich Parker bewegt. Die Akteure sind, gemäß der Zeichentrickgrafikwelt, in der Darwyn Cooke beruflich viel Zeit verbracht hat, abstrakt einfach, manchmal verspielt. Sie agieren realistischer als Schattenrisse, gegensätzlich zu den jeweils individuell angelegten Figuren. Oder sie sind wahre Karikaturen, wenn Darwyn Cooke und Richard Stark beschreiben, wie das organisierte Verbrechen mit seltsamen und zunächst undurchschaubar wirkenden Systemen Geld verdient.

PARKER: Ein geradliniger Thriller mit einem Gangster als Hauptfigur. Parker ist, wie er ist. Hart gegen sich und andere, egoistisch, brutal, zynisch, auf seine Art berechenbar. Wer Parker nicht bescheißt, wird nicht beschissen. Wer ihn aus dem Weg räumen will, wie eben das Syndikat, kann sein Testament machen. Darwyn Cooke adaptiert auch die Fortsetzung um den Ganoven und Killer von Richard Stark. Der Thriller verweigert sich jeglicher moderner Komik, die mittlerweile im Genre anzutreffen ist, noch gibt es comic-artige Überzeichnungen. Hier ist klassisch wieder erfrischend neu und spannend. Cookes Grafikstil mildert die Härte der Geschichte ab. Aber nicht sehr. :-)

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Dienstag, 04. Februar 2014

C.O.P.S. – Absturz in South Central 2

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 16:46

C.O.P.S. - Absturz in South Central 2Einfacher Plan. Von oben kommen, im Schutz der Nacht. Über dem Dach niedergehen und das Einsatzteam absetzen. Die gehen rein, leise, schleichen zum Zimmer, wo die junge Frau gefangen gehalten wird und bringen sie auf ebenso leisen Sohlen wieder raus. Leider will die Frau nicht mitgenommen werden. Die Gegenwehr ist brachial und kompromisslos. Das Einsatzteam rennt blindlings in eine Falle. Mit einem großen Knall löst sich die gut gemeinte Befreiungsaktion in Rauch auf. Greg Colinas, ein Cop, hat ein anderes, weniger lebensgefährliches Problem. Man hat ihm alle Sachen geklaut. Bis auf die Unterhose hat man ihm alles abgenommen, denn in South Central lässt sich alles zu Geld machen, sogar gebrauchte Socken.

Hinter den Kulissen tobt ein Fall, in dem sich Politik mit Gangstern einlässt. Stadtrat McAdams Tocher wurde entführt. Für die Polizei steht das Wohl der jungen Frau ganz oben in der Liste. Ein wirklichen Schritt sind sie bisher noch nicht weiter gekommen. Zahlreiche Informationen fügen sich jedoch zu einem Bild zusammen, das Mutmaßungen entstehen lässt. Es sind keine guten Schlussfolgerungen, auch lassen sie glauben, dass sich die Suche nach McAdams Tochter langsam zu einem Wettrennen entwickelt. Und der Endspurt wird verdammt schmutzig.

Atmosphäre: Antonio Sarchione (Zeichner) und Lou (Farben) gelingt das Kunststück, die Welt von South Central mit außergewöhnlicher Authentizität ins Leben zu rufen. Es ist erst Mai und dennoch hält die Hitze die Stadt bereits gefangen. Die städtische Atmosphäre, will man einen cineastischen Vergleich, erinnert an den Start von Predator 2. Banden beherrschen ihr Gebiet. Wer als Polizist in diesem Kalifornien arbeitet, das sich von den mittlerweile faschistisch regierten Vereinigten Staaten abgespalten hat, hat ein hartes Leben. C.O.P.S. steht für Central Organisation for Public Security. Anfangs experimentell aufgestellt, ist die Truppe innerhalb des LAPD, Los Angeles Police Department von Jahr zu Jahr weniger gut angesehen. Wer den zweiten Teil von C.O.P.S. – Absturz in South Central liest, wird diese Ansicht nicht teilen.

Marc Sautriot hat einen knallharten Thriller geschrieben, ein wenig in der Zukunft angesiedelt. Die Atmosphäre, um einen anderen Vergleich zu bemühen, erinnert auch an Zustände in Mexiko, wo sich Normalbürger zu Milizen zusammenschließen, um gegen Drogenkartelle zu kämpfen. Offizielle Stellen scheinen machtlos zu sein. Ermittlungen münden beinahe in kriegsähnliche Handlungen. Besitzt das Titelbild beinahe etwas von der Atmosphäre eines Vietnam-Kriegsszenarios, tauchen die Bilder von Antonio Sarchione dank der Farbgebung durch Lou in ein grelles, sommerliches Licht, teils schon psychedelisch zu nennen. Vergleiche zu weitaus früheren Comictagen werden wach, als Künstler wie Jean Geraud und andere mit knallenden Farben experimentierten.

Dies ist auch das Stichwort zum Zeichner Antonio Sarchione selbst, der stilistisch mit dem Meister mithalten kann, zuweilen auch an Eduardo Risso erinnert (100 Bullets) und mit sehr individuellen Figuren punktet. Die technischen Abbildungen, Straßenzüge und Ansichten, Perspektiven generieren ein sehr realistisches Ambiente, bestimmt angelehnt an cineastische Blickweisen. Die Handlung beinhaltet sehr viele Charaktere, Einsatzkräfte und Kriminelle gleichermaßen. Diese, vor allem in Massenszenen, zu inszenieren gelingt immer bis hin zu einem packenden Finale mit Wechseln in Perspektive und Schauplatz.

Nicht nur im Sinne eines Thrillers, auch in Sachen Action geht es ordentlich zur Sache. Hier werden entsprechende Bilder nicht ausgespart. Sie werden nicht über Gebühr strapaziert, nicht zum Selbstzweck erklärt, aber wo Gewalt die Szene beherrscht, folgen die Grafiken auch den aktuellen Sehgewohnheiten des Kintopps.

Schnörkellos, zwischenzeitlich auch hart, erzählt Marc Sautriot einen runden Thriller, spannende Wendungen inklusive. Das grafische Duo, Antonio Sarchione und Lou, hebt das Szenario auf Kinoniveau, sehr realistisch gestaltet. Die Kenntnis der ersten Folge dieses hiermit abgeschlossenen Zweiteilers ist sinnvoll für ein packendes Lesevergnügen. :-)

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Mittwoch, 15. Januar 2014

BRUNO BRAZIL Gesamtausgabe 2

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 21:30

BRUNO BRAZIL Gesamtausgabe 2Ein Sohn kehrt nach Hause zurück und findet nicht die Herzlichkeit vor, die er eigentlich nach langer Abwesenheit erwartet hätte. Die Stimmung in der Familie ist angespannt, der Vater Esteban will nicht einmal Geld von seinem Sohn Gaucho, einem Mitglied der Gruppe um Bruno Brazil, annehmen. Als ein alter Freund der Familie zusammengeschlagen, zerschunden und blutüberströmt, mit einer Warnung ins Haus kommt, ahnt Gaucho das Schlimmste. Das Kommando Kaiman benötigt keine offiziellen Aufträge, um sich mit Halunken anzulegen, oder, wie in diesem Fall, mit der Mafia. Die ehrenwerte Gesellschaft glaubt ihrerseits, sich nur mit einem Mann, allenfalls mit einer normalen Familie anzulegen. Aber wo Gaucho ist, sind seine Freunde nicht weit.

Im zweiten Band der Gesamtausgabe um die Abenteuer von BRUNO BRAZIL finden sich nicht nur vier spannende Alben, der Comic-Fan kann sich auch (falls er es noch nicht wusste) auf eine Überraschung gefasst machen. Seit einiger Zeit weiß der interessierte Zuschauer und Leser, dass eine einmal existente Figur, vorrangig in Serien, nicht mehr vor dem Tod gefeit ist. Charaktere, so beliebt sie sein mögen, so fest sie auch im serialen Sattel sitzen mögen, können sterben. Nicht nur, weil es der Dramaturgie dient und möglicherweise an den Grundfesten der Serie rüttelt, sondern auch, um sich ins Gespräch zu bringen.

Ähnlich gelang es Greg (Autor) und William Vance (Zeichner) mit der Geschichte Akashitos Vermächtnis einen Aufschrei zu provozieren, denn eine etablierte Figur sterben zu lassen (hier: Big Boy) war ein Novum und außergewöhnlich zu nennen. Andererseits, der Leser kann es zu Beginn noch nicht absehen, erweitern Greg und Vance die Riege und die Lebensgeschichte um BRUNO BRAZIL. Bereits im Folgeabenteuer Bewährung für das Kommando Kaiman ist BRUNO BRAZIL nicht nur verheiratet, sondern auch Adoptivvater. Die beiden hier erwähnten Comic-Thriller könnten gegensätzlicher kaum sein.

Beide warten mit exotischen Schauplätzen auf. Verschlägt es BRUNO BRAZIL in Akashitos Vermächtnis nach Bangkok in Thailand, ist der nachfolgende Handlungsort in Bewährung für das Kommando Kaiman so andersartig und so selten benutzt, dass es sich lohnt, hier genauer hinzusehen: die Aleuten. Die Inselkette im Nichts könnte als Schauplatz für alles mögliche dienen, liegt sie doch zu den USA gehörend vergleichsweise im Niemandsland. Greg nutzt die Abgeschiedenheit, indem er sich für sein Szenario über Menschenschmuggel nach Gutdünken austoben kann, aber sicherlich nicht, indem er fantastisch übers Ziel hinausschießt, sondern vielmehr, da er einen Ort auf der Weltkarte gefunden hatte, auf dem Wildwestmanieren noch möglich waren.

Auch gegensätzlich: Zeichnet William Vance im Abenteuer um eine Rakete aus dem Zweiten Weltkrieg mit einem vergleichsweise ebenfalls wilden Tuschestrich, kehrt er mit dem vierten und letzten Abenteuer in diesem Sammelband zu gewohnter Akkuratesse zurück. Welcher Stil nun besser gefällt, liegt einzig im Auge des Betrachters. Denn verschiedene Strichführungen, auch geschabte Striche in Akashitos Vermächtnis beweisen die gewollte Stilistik der Bilder, von der sich Vance aber wieder zurückzog und die bestimmt nicht weniger Zeit in Anspruch nahm als die nachfolgende Arbeit.

Die Nacht der Schakale und Höllentanz in Sacramento leiten den 2. Teil der Gesamtausgabe ein und bilden ein doppelt so lange Geschichte wie gewöhnlich. Die eingangs erwähnte Thematik rund um den Kampf gegen die Mafia und ihre Handlanger wird in zwei feinen Thrillern abgehandelt, in denen BRUNO BRAZIL mehr Strippen zieht als gewöhnlich und viel taktischer arbeitet. Was im Vergleich zu den letzten beiden Abenteuern besser gefällt, ist reine Geschmackssache.

Ein Traumduo bei der Arbeit: Greg und William Vance zeigen die Bandbreite ihrer Arbeit, erschüttern auch einmal, indem sie gegen bestehende Comic-Regeln rebellierten, ein Klassiker ist es weiterhin. Vorbildlich schön. :-)

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Dienstag, 07. Januar 2014

DEADLY STORM – Tödlicher Sturm

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 18:14

DEADLY STORM - Tödlicher Sturm - Ein Fall für Derrick StormIn einem Wohnwagenpark lauert Derrick Storm einem Ehebrecher auf. Die Ehefrau von Jefferson Grout dachte bisher, ihr Mann sei nur verschwunden. Storm weiß es inzwischen besser. Ein paar Fotos werden die Charakterschwäche von Jefferson Grout belegen und dann geht es gleich wieder nach Hause. Wäre da nicht der Revolver, der plötzlich auf ihn gerichtet wird. Und die Schrotflinte. Und die Automatik. Und Grout benutzt sogar einen Schalldämpfer für seine Pistole. In welchen Schlamassel ist Derrick Storm da hineingestolpert?

Angesichts einer welteiten Präsenz in Roman, Fernsehserie und nun auch Comic kann man von einem fulminanten Erfolg der Autorenfigur von Richard Castle sprechen. Der Leser wird hier in diesem Band auf eine der Erfindungen von Richard Castle treffen, Derrick Storm, einem Privatdetektiven, dessen Abenteuer mit markigen Titeln daherkommen und so angelegt sind, dass es gleich von der ersten Szene an zur Sache geht. Das ist solide Thrillerkost, viel Zeit soll dem Leser nicht bleiben, er soll gefesselt werden, deshalb kommt Derrick Storm zu seinem wirklich großen Auftrag wie die berühmte Jungfrau zu Kinde. Aus einer einfachen Suchaktion und letztlichen Überwachung wird plötzlich eine Angelegenheit auf Leben und Tod.

CIA. Derrick Storm ist selbst nicht unbelastet, war sein Vater doch beim FBI und kennt sich aus. Er rät seinem Sohn von einer Zusammenarbeit mit der CIA ab, die am Ende nur jemanden braucht, den sie an der lange Leine führen kann. Aber Derrick Storm ist auch Charakter, der es immer meint besser zu wissen, deshalb macht er sich trotzdem auf den Weg ins ferne Nicaragua. Lan Medina, Zeichner der ersten Comic-Ausgabe von Derrick Storm, hatte das Glück den Charakter für diese Adaption gestalten zu können. Insgesamt der in Sachen Superhelden erfahrene Zeichner mit perfektem Strich bei der Arbeit. Die Figuren, allesamt, tragen markante, starke Züge und sind keine durchschnittlichen Figuren. Das Konzept einer Fernsehserie ist hier deutlich in den Comic übertragen worden.

Lan Medina, der die Comic-Adaption von Comic-Veteran und Autoren-As Brian Michael Bendis grafisch umsetzt, zeichnet überaus fein, wie die Dokumentation der Arbeitsprozesse im Anhang eindeutig zeigt. In der Tuscheüberarbeitung, überwiegend von Scott Hanna ausgeführt, gehen manche Feinheiten leider verloren, ein Verlust, der in diesen Arbeitsschritten allgemein häufiger auftritt. Aber es ist auch interessant zu sehen, wie sich Kleinigkeiten von der Bleistiftskizze bis zur Tuschezeichnung noch ändern können. Insgesamt ist der Arbeitsaufwand, der hier präsentiert wird, der penible Aufbau der Seiten (auch von der schriftlichen Vorlage her betrachtet), einen zweiten und dritten Blick wert.

Manche Helden werden zusammengeschlagen, damit sie derart derangiert das Herz des Lesers oder Zuschauers für sie einnehmen. Derrick Storm kommt zwar auch nicht ohne Blessuren davon, wirklich bemitleidenswert wird jedoch erst, wenn er in einem rosafarbenen Bademantel in einem Hotelzimmer warten muss, während eine emanzipierte CIA-Agentin ihrer Arbeit nachgeht. Ja, die modernen männlichen Helden haben es nicht leicht, möchte man sagen. Aber Frank Castle, Brian Michael Bendis (im Autorenverbund mit Kelly Sue Deconnick) und Lan Medina haben ein Einsehen. Körperlich durchaus wie Superman ausgestattet, kann Derrick Storm einstecken und hinlangen, ist smart und charmant wie Nathan Fillion.

Beginnt als kleiner Fall und wächst zu einer internationalen Geschichte heran, in der es um sehr viel mehr geht. Schneller Thriller mit sympathischer Hauptfigur, fein illustriert, von Comic-Profis adaptiert. :-)

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