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Comic Blog


Mittwoch, 22. September 2021

WOLVERINE: SCHWARZ, WEISS & BLUT

Filed under: Superhelden — Michael um 17:35

WOLVERINE – SCHWARZ, WEISS & BLUTEs ist Winter, ein Baby schreit. WOLVERINE fährt mit seinem Motorrad über eine Landstraße. Niemand sonst ist zu sehen. Über den Motor hinweg hört WOLVERINE das Kleinkind. Flugs ist das Motorrad abgestellt, und der MUTANT rennt in das verschneite Waldgebiet. Keineswegs zu früh, denn die Eltern des Kindes sind bereits tot …

Manchmal genügt eine schwarzweiße Umsetzung eines Comics vollkommen. Vor geraumer Zeit unterzog sich BATMAN bereits diesem Experiment, mit Erfolg. Zahlreiche Comics, die eine große Leserschar um sich versammeln konnten, warteten mit rein schwarzweißen Zeichnungen auf. In Italien hat diese Form Tradition. Kurzum, in der Mehrzahl der Fälle, fallen die Ergebnisse sehenswert aus. Nun also hat WOLVERINE seinen schwarzweißen Auftritt. Aber er ist eben auch WOLVERINE und nicht irgendein Superheld. WOLVERINE findet sich mit seinen sechs Adamantiumkrallen häufig in Gemetzeln wieder. Unzählbar sind die Verletzungen, die der MUTANT schon dank seiner SELBSTHEILUNGSFÄHIGKEIT überstehen konnte. Und eines tritt immer aufs Neue zutage: BLUT! Dieser besonderen Komponente nimmt sich diese SONDERAUSGABE in ALBENGRÖSSE an.

WOLVERINE: SCHWARZ, WEISS & BLUT. Verschiedene Autoren und Zeichner präsentieren hier ihre Ansichten eines Comic-Charakters, dessen Komplexität nicht unerreicht, aber verdammt groß ist. Vom bestialischen Killer bis zur treu sorgenden Vaterfigur ist alles dabei. Besonders angesichts seiner, auch in diesem Band gezeigten, Brutalität ist es fast schon kurios, dass WOLVERINE nicht einen ähnlichen Weg beschritten hat wie ein SABRETOOTH. Gerade dieser MUTANT kreuzte häufiger WOLVERINES Pfade, besitzt ähnliche Fähigkeiten, verdingt sich jedoch lieber als Auftragskiller. In der Kurzgeschichte UNERLEDIGTE GESCHÄFTE stehen sich die beiden gegenüber. Kompromisslos hart von VITA AYALA erzählt, noch härter gezeichnet von GREG LAND.

BLUTROT ist die zugesetzte Farbe. In den seltensten Fällen wird sie für ein Getränk oder eine Haarfarbe verwendet (wie bei MYSTIQUE). Bereits das Titelbild geizt nicht mit BLUTROT und setzt es sogar als spiegelnde Oberfläche für einen vor Blut triefenden WOLVERINE ein. HYDRA, BANDENMITGLIEDER, der SILVER SAMURAI, ein WEISSER HAI, ein TYRANNOSAURUS REX und einige mehr bereichern die Gegnerschaft des wölfischen MUTANTEN. Die Geschichten sind knackig, auf den Punkt erzählt. Zeit für Lückenfüller bleibt hier nicht. Allen ist gemeinsam, einen strikten Vorwärtskurs zu halten. Überraschungen gibt es dennoch. Sogar in der Thematik der Geschichten selbst. Nimmt man den Thriller ROT SEHEN, könnte man glauben, es mit einer Hommage an ein Horror-Franchise wie SAW zu tun zu haben.

Auffallend ist, dass besonders Zeichner die Gelegenheit nutzen, um sich auszutoben. Das Albenformat macht es noch interessanter. Ganzseitige Illustrationen, oder mindestens halbseitig bringen optisch eine viel größere Dynamik. Selbst eine Aufteilung in vier Panels lässt im Gegensatz zum normalen Heft-Comic-Format viel Luft, expressiven Raum, der das Auge des Lesers regelrecht anzuspringen vermag. PAULO SIQUEIRA, der bereits erwähnte GREG LAND, ADAM KUBERT, SALVADOR LARROCA und JORGE FORNÉS bringen für mich die herausragendsten Interpretationen des SUPERHELDEN bei.

JORGE FORNÉS ist darüber hinaus erwähnenswert, weil er einer der Zeichner ist, die am besten mit einer rein schwarzweißen Umsetzung des Themas (plus natürlich BLUTROT) umgehen. Ein Zeichner wie GREG LAND arbeitet eigentlich wie immer. Es fehlt lediglich die Farbe. JORGE FORNÉS hingegen lässt sich auf das Spiel mit Licht und Schatten ein. Hart definierte Konturen dominieren. Zeitweilig fühlt man sich an chinesisches SCHATTENTHEATER erinnert. Zugleich besitzt es fast eine Optik wie die filmische Umsetzung von SIN CITY (nicht der Comic, der weißt wieder ganz eigene Qualitäten auf). WOLVERINE und MARIKO agieren hier wortlos wie auf einer Bühne. Text gibt es nur abseits vom Erzähler (WOLVERINE). Aber Dialoge kommen nicht vor.

Das knallt! Sehr komprimierte Erzählungen, Abenteuer, Thriller. Alles konzentriert sich auf WOLVERINE. Ein paar bekannte Schurken und Partner kommen vor, sind aber nur Zuspieler, nehmen der Figur WOLVERINE nichts weg. Das dürfte selbst Fans von langen, über mehrere Hefte reichende Geschichten bannen. Die Optik und grafische Finesse ist fast über die gesamte Länge des Bandes toll bis grandios. SCHWARZWEISS wird zuweilen als Experiment im Comic benutzt. Hier ist es zu einer einhundert Prozent geglückt! 🙂

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Oder bei Panini Comics.

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