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Comic Blog


Donnerstag, 11. Juni 2015

LUC JUNIOR Gesamtausgabe

Filed under: Cartoon — Michael um 17:56

LUC JUNIOR GesamtausgabeManchmal wächst zusammen, was zusammen gehört, obwohl die Beteiligten sich dessen gar nicht bewusst sind. Herr Grimmig, seines Zeichens Pressefotograf, ist zu lange im Geschäft, um sich von einem Grünschnabel etwas vormachen zu lassen. Und schon gar nicht will er mit einem zusammenarbeiten. Zu seinem Unglück hat nicht er, sondern sein Chef, Herr Vorschnell, das letzte Wort in dieser Angelegenheit. LUC JUNIOR hat nämlich eine hervorragende Idee, damit die kleine Tageszeitung DER SCHREI mehr Leser gewinnt. Dafür braucht es nur eine ungewöhnliche Reportage. Warum also nicht den Lesern einmal erzählen, wie das Leben eines Pressefotografen aussieht? Herr Grimmig ist nicht nur nicht von dieser Idee angetan, er versucht auch Luc möglichst schnell loszuwerden, indem er mit einem sehr langweiligen Hobby prahlt. Da macht Luc eine spannende Entdeckung.

Das Fenster zum Hof gibt des Ausschlag. Der Versuch von Herrn Grimmig den Jungen Luc loszuwerden, gipfelt in einem Kriminalfall der lustigen Sorte. Das Comic-Dream-Team Albert Uderzo und Rene Goscinny hatten vor ihrem riesigen Erfolg mit ASTERIX noch weitere Figuren erfunden und ebenso liebevoll beschrieben und bebildert (so z.B. Pitt Pistol und den wunderbaren Umpah-Pah). Hier bringen sie ein ausgewogenes Trio aus dem Jungen Luc, dem Pressefotografen Herrn Grimmig und Lucs Hund Alfons an den Start. Eine Redaktion zum Thema zu machen und Reporter für Geschichten zu verwenden, ist nicht nur ein bekannter Ansatz aus der großen comicalen Zeit der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts, er liefert auch die besten Ausgangspunkte für ständig neue Abenteuer, denn für einen Reporter, so die grundsätzliche Aussage jener Tage, ist alles möglich.

So liest sich die Liste der Abenteuer aus heutiger Sicht fast schon wieder modern. Amerika war damals ein beliebtes Reiseziel für Neugierige, aber Luc, Grimmig und Alfons verschlägt es zudem in gefährliche Situationen mit Knackis, südamerikanischen Ureinwohnern, den Marsmenschen und schiffbrüchig auf hohe See. Letztere Geschichten müssen ohne Hund Alfons auskommen. Festgestellt sei jedoch, dass die beiden Comic-Macher bereits zu jener Zeit eine Vorliebe für schwarzweiße Hunde hatten, wenngleich Alfons mehr in die Kategorie Deutsche Dogge fällt, während Idefix, der ständige Begleiter von Obelix mehr den zwergwüchsigen Hunden zuzuordnen ist.

Offensichtlich ist die Tatsache, dass Goscinny und Uderzo die Geheimzutaten für eine feine, abwechslungsreiche und humorvolle Geschichte sehr früh beherrschten. Ein geordnetes Unterfangen schlägt schnell in Chaos um. Zwei bis drei Individuen stellen sich der Gefahr. Alfons fallen hier und dort entsprechend wichtige Aufgaben zu, manchmal darf er sich auch damit begnügen, mit einer Zwingernachbarin zu flirten. Da tuckern die beiden mit stürmischen 35 km/h quer durch die Vereinigten Staaten oder kehren mit einer fliegenden Untertasse zur Erde zurück. Als Cineast fühlt man sich an Komödien und Szenarien erinnert, die erst in den 70er und 80er Jahren die französischen Leinwände eroberten. Als spezielle Zutat, die in ASTERIX zu einem Markenzeichen wurde, ist der Einsatz karikierter echter Menschen, hier in Form von Morris und Goscinny höchstselbst.

Albert Uderzo, ein großes Zeichentalent, darf hier weitere Auszüge aus seinem Schaffen präsentieren. Koloriert sind seine Seitenbildern schön anzuschauen, doch die rein getuschten Arbeiten, die hier bestaunt werden dürfen, hinterlassen noch mehr Eindruck und vermitteln noch stärker das Können, mit dem Uderzo damals zu Werke ging. Neben den Beschreibungen eines lange zurückliegenden Künstlerlebens, Musterarbeiten gibt es einen Ausflug von Uderzo in ein realistisch ausschauendes Comic-Abenteuer zu begutachten. Großwildjäger Bill Blanchart wandelt auf den Thrillerspuren von Serien wie Bruno Brazil, die auch diese Richtung einschlugen. Hier versuchten Goscinny und Uderzo das Zusammenspiel auf diesem Terrain. Für Uderzo war es auch eine Art Probelauf, so empfahl er sich für Die Abenteuer von Tanguy und Laverdure, die er wenige Jahre später an der Seite von Jean-Michel Charlier zeichnete.

Ohne Tretboot in Seenot. Rene Goscinny hat sich mit seinen Ideen beinahe als Visionär erwiesen. Die spätere reale Abenteuerlust der Entdeckungsreisen und die Erprobung menschlicher Leistungsfähigkeit wird hier schön mit Freiwillig schiffbrüchig vorgeführt. Gleichzeitig veralbert hier besonders (auf ganzer Länge sowieso) den Sensationsjournalismus, der keine Mittel und Wege scheut, um eine Story abzuliefern, die dazu dient, die Auflage zu steigern.

Zwei Riesentalente dürfen hier von neuen und alten Lesern wieder entdeckt werden. Der Humor ist auch noch Jahrzehnten jung, die technische Kulisse weckt nostalgische Gefühle, die Zeichnungen selbst, die Erzählungen sind jung geblieben, sind perfekt. An den Mustern zu ihrer Entwicklung ist eine Arbeitsweise erkennbar, die heute noch aktuell ist. 🙂

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