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Comic Blog


Sonntag, 03. März 2013

Barracuda 3 – Duell

Filed under: Abenteuer — Michael um 10:40

Barracuda 3 - DuellWer im Angesicht dieser winzigen Küste nicht sofort begreift, dass dieser Ort einem Fluch unterliegt, ist bereits verloren. Leprakranke haben das düstere Eiland wie eine Warnung mit einem gigantischen Schädelgesicht versehen. Dennoch gehen die beiden Segelschiffe dort vor Anker in dieser stürmischen Nacht, in der selbst warme Lichter der Laternen keinen Trost verheißen. Dringend benötigte Antworten zwingen die Seeleute an Land. Der Empfang ist alles andere als herzlich. In Lumpen und dreckige Verbände gehüllt, provozieren die Kranken die Gesunden, auf der Suche nach einer Angstreaktion, die die Seeleute tunlichst zu unterdrücken suchen.

Das sind Piraten! Jean Dufaux wandelt auf den Spuren alter Darstellungen aus Hollywood und vermischt munter das Gefühl von harten italienischen Western unter. Kerle, Rasseweiber, Rache und Flüche und natürlich ein Duell! So ziemlich jeder in dieser Geschichte hadert mit seinem Schicksal. Da existiert Liebe, wo vorher Hass gewesen ist. Da ist ein junger Mann, der sich wie eine Frau fühlt. Da ist der Ehemann, der ausgenutzt und betrogen wird. Die Frau, die von der Sklavin zur Herrin aufstieg und ander eigenen Bitterkeit verbrennt. Da ist der Sohn, der auf die Rückkehr seines Vaters an Bord der Barracuda wartet. Da ist der schwarze Pirat, dem nichts mehr heilig ist …

Jean Dufaux, der Szenarist, hat ein tödliches Geflecht aus Begierden entworfen, ein Pulverfass mit brennender Lunte, um im Piratenjargon zu bleiben. Emilio, der den Namen Emilia vorzieht und einer solchen auch zum Verwechseln ähnlich schaut (siehe auch Titelbild), hat es auf diese Pirateninsel verschlagen, auf der ein Menschenleben kaum etwas wert ist. Ein Sklave ist noch weniger wert, obwohl es höher gehandelt wird. Die Bewohner verlieren sich in ihrem Hass, der sie blind macht, hochmütig und allzu selbstgefällig.

Im dritten Teil der Piratensaga finden immer noch Veränderungen mit den Figuren statt. Einen Hinweis auf eine solche Veränderung trägt diese Folge im Untertitel: Duell. Emilia bereitet sich auf die Erfüllung ihrer Rache vor, auf das Duell mit dem schwarzen Piraten Morkam. Das Training ist hart und auch nicht fair. Sieg bedeutet Überleben. Alles andere, jeder Fehler bringt nur den Tod. Emilia geht es nicht um Ehre, sondern nur um Rache und den Tod des Feindes, der ihr einen geliebten Menschen raubte. Doch Jean Dufaux verfolgt noch weitere Handlungsstränge und verzahnt diese sehr geschickt miteinander, so dass alle Schicksale am Ende auf Gedeih und Verderb voneinander abhängen. Und wie es sich für eine Piratengeschichte gehört, liegt der Schwerpunkt auf letzterem.

Jeremy bedient als Zeichner Realismus und künstlerische Darstellung. Seine Piraten (man darf ruhig alle hier vertretenen Akteure unter diesem Begriff zusammenfassen) sind Piraten und keine Clowns. Charaktere äußern sich in ihrer Erscheinung oder ihrem Verhalten. Meist lassen sie sich bereits über beide Wege sehr gut erfassen, noch bevor ihr erstes Wort gefallen ist. Jeremys Frauen sind schön, aber nicht makellos. Die Helden sind stattlich, aber nicht zur Gänze heldenhaft. Die Ganoven sind schnell zu erkennen, doch auch sie offenbaren Schwächen. Jeremy versteht sich auf den Mittelweg, auf das Besondere, das Grauenhafte, die Schönheit, überall findet sich genug Ausdruck für eine stimmige Szenerie, in der es trefflich über eine Kolonie von Leprakranken gruseln lässt und Erotik an anderer Stelle sogar über einen Comic hervorblitzen kann.

Die Komik bedient Jeremy über den gehörnten Ehemann, der unbedingt diese eine Frau haben wollte und sich den Teufel ins Haus holte. Aus starkem Willen wurde seelisches Siechtum, Verfall, innerlich wie äußerlich. Es ist kein grandioser Charakter in dieser Geschichte, aber dafür einer, mit dem Jeremy gut spielen kann und sehr viel in die Mimik und Haltung dieses Hahnreis legt. Weitere Facetten seines Könnens zeigen sich mit den Begebenheiten an Bord der Barracuda. Hier darf Jeremy biblische Monster und eine alte Hexe zeichnen. In dieser parallel laufenden Episode zeigt sich ebenfalls die Atmosphäre einer guten alten französischen Gruselgeschichte, ohne direkten Einfluss auf die Haupthandlung, bisher jedenfalls.

Eine glänzender dritter Teil, noch nicht der Schluss, aber ein Höhepunkt, der durch diverse spannende Ereignisse und einen strammen Spannungsbogen mitreißt. Grafisch vorbildhaft, auf hohem technischen Niveau. So sollen Piratengeschichten sein. 🙂

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