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Comic Blog


Samstag, 24. November 2012

Der rote Falke 10 – Auf ein Glas, Kamerad

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 18:43

Der rote Falke 10 - Auf ein Glas, KameradDie Einkleidung des maskierten Recken geht schnell vonstatten. Eine Brustbinde verhindert, dass der Maskierte sein wahres Geschlecht verrät. Ariane de Troil befindet sich in einer ungewöhnlichen Ausbildung, ohne so recht zu bemerken, wie die Schlussprüfung aussehen wird. Regen kündet eine unwirkliche Nacht an, in der Ariane eine Erfahrung macht und diese ganz im Sinne ihrer Lehrer meistert. Doch das ist erst der Auftakt zu einem noch viel ungewöhnlicheren Leben.

Die Geburt eines Helden. Eine ungewöhnliche wie auch zögerliche Geburt. Autor Patrick Cothias erzählt von den Geburtswehen seines roten Falken nicht wie von einem strahlenden Helden. Die junge Frau, die sich zu einem maskierten Rächer entwickelt und sogar dem König die Stirn bietet, hat sehr viel verloren, bevor sie den Entschluss in die Tat umsetzte und ein geheimes Leben führte. Patrick Cothias gibt ihr aber nicht nur eine Tragödie auf dem Lebensweg mit, nicht nur Intrigen, die sie zum Äußersten treiben, es sind freundlich meinende Gaukler, die ihr den weiteren Weg weisen, ohne ihr dieses Ziel zunächst zu nennen.

So wird Ariane de Troil zu einer Heldin wider Willen. Der Geist ist erschöpft, das Herz nur noch mit Mitleid angefüllt, für sich selbst wie auch für andere. In einer längeren Sequenz, arrangiert wie auf einer Theaterbühne, zerbricht die jungen Frau ganz offensichtlich endgültig. Der Übergang erfolgt leise. Es ist nach dieser Tortur, die Ariane de Troil erfahren musste, keinesfalls befreiend, allenfalls erschütternd. Allerdings sollte der Leser auch das Schicksal des roten Falken bis zu diesem Punkt verfolgt haben. Sonst wird dieser Höhepunkt, in gewissem Sinne ein Vorabschluss kaum beeindrucken.

Marco Venanzi, der die Reihe als zweiter Zeichner übernahm, gestaltete ab dem 7. Abenteuer, Verwandte Seelen, den Zyklus, der sich von der reinen Abenteuergeschichte der bisherigen Bände in ein handfestes Historienabbild wandelt und auch den Finger in die Wunde einer krankenden Gesellschaftsordnung legt, in der ein Adel wie ein Geschwür da französische Volk umklammert hält und mehr mit sich beschäftigt ist als mit allem anderen.

Ist der farbliche Aufwand des Titelbildes größer als auf den Seiten des Innenteils, sind die Zeichnungen der Geschichte selbst doch ähnlich zart und zerbrechlich wirkend. Das Leben bei Hofe, auch in den eher feineren Gegenden von Paris wird vertauscht mit der Halbwelt der Gaukler, später derjenigen der Ausgestoßenen, der Kranken und Verkrüppelten, die keinerlei Platz mehr in der Gesellschaft haben und am Rande im Zwielicht leben. Entsprechend atmosphärisch fällt ein langer Abschnitt im ersten Teil der Geschichte aus. Ariane begegnet einem fürchterlich verunstalteten Anführer der Ausgestoßenen, der sie mit schlimmsten Drohungen einschüchtern will. So dialoglastig und bühnenartig diese Sequenz aus ausfällt, so weist sie auch den größten Anspruch auf (und ist einfach schön).

Die ersten Einsätze des roten Falken sind Blitzeindrücke zu nennen. Es formiert sich eine Legende. Wo der Falke nächtens zuschlägt, spielen kleine Kinder mit Holzschwertern bei Tage die Legende nach. Der schnelle Wechsel solcher und anderer kleiner Szenen leitet zum endgültigen Finale über, in eine weitaus prächtigere Sequenz als jene erwähnte Schlüsselfolge, dafür aber umso prächtiger inszeniert und noch spannender, geht es doch um nichts anderes als die Demaskierung des roten Falken. Bleibt sein Geheimnis gewahrt oder nicht?

Einer der schönsten Bände der Reihe. Patrick Cothias zieht alle Register der menschlichen Gefühle und erzähl die Tragödie der Ariane de Troil fort, wendet sie hin zum Husarenstück mit einem fein inszenierten Schwenk. Schön. :-)

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