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Comic Blog


Sonntag, 18. November 2012

Kililana Song – Erster Teil

Abgelegt unter: Biographie — Michael um 19:51

Kililana Song - Erster Teil - Eine Kindheit in AfrikaVon einem neugierigen Huhn geweckt stapft der alte Mann aus seiner Hütte, beginnt den Tag in aller Seelenruhe und fährt anschließend mit dem Boot auf das Meer hinaus. Das Leben ist einfach. Auch für den kleinen Naim ist das Leben eigentlich mehr eine Abfolge von Tagen. Leben, beobachten, erleben, Freundschaft und Liebe erfahrend hatte er bisher auch das Glück und große Geschick, sich vor der Schule drücken zu können. Sein Bruder ist zwar ständig und hartnäckig hinter ihm her, um dem Kleinen die Flausen auszutreiben, aber Naim ist dem großen Bruder doch immer eine Nasenlänge voraus. Meistens wenigstens.

Eine Kindheit in Kenia, so lautet der Untertitel des ersten Teils der Erzählung von Benjamin Flao und wie anders ist diese Kindheit als solche von Kindern auf dem europäischen Kontinent. Es mag kaum fassbar erscheinen, dass diese Geschichte auf dem selben Planeten stattfindet. Bei aller Berichterstattung, dem Internet und sonstigen Quellen führt ausgerechnet ein Comic sehr einfühlsam und auch mit einer gewissen erzählerischen Gelassenheit vor Augen, wie Kindheit auch sein kann. Naim, der Held dieser Geschichte, ist elf Jahre alt und sollte eigentlich eine Koranschule besuchen, ginge es nach seinem Bruder Hassan. Aber Naim will nicht.

Lieber treibt er sich in den Straßen herum, wo er von den Lehrern nicht malträtiert wird und die Leute beobachten kann. Manchmal kann er sogar ein wenig Geld verdienen. Dieser Teil der Welt, der auch Weiße aus dem Westen anlockt, um irgendwelche Ferienparadiese und Urlaubsorte zu schaffen, ist weitaus weniger zielstrebig. Die Menschen schauen häufig, was passiert. Und oft passiert nichts. Am Beispiel eines fremden Frachterkapitäns, der von der Willkür der ortsansässigen Behörden abhängig ist, wird deutlich, wie schnell sich ein Mensch an diese Langsamkeit gewöhnen kann.

Benjamin Flao einen Gerichtszeichner zu nennen, wäre nicht ganz richtig, wahr ist jedoch, dass er einen journalistischen Blick auf das Geschehen richtet, der viele zarte Begebenheiten von Nähe herausfindet. Benjamin Flao ordnet um Naim weitere Charaktere an, Freunde, Verwandte, aber auch zunächst Fremde, die sich im weiteren Verlauf als wichtig herausstellen und einen urtümlichen Blick auf dieses Land, diese Gegend richten, die sich an einer Schwelle zu etwas befindet, das noch nicht sichtbar oder vorhersehbar ist. In diesem Schwebezustand, den Bollywood bereits erreicht hat, verabschiedet sich die alte Welt stückchenweise, in Form eines heiligen Baumes.

Die Bilder sind schnell skizziert, wie unter Zeitdruck, Momentaufnahmen am Tage, von schöner Heiterkeit. Mit zunehmender Dunkelheit wird es bedrückender, auch geheimnisvoller, denn das Bekannte, die wie Imitationen scheinenden Kneipen, Kinos, auch Häuser wird unechter, als Naim in ein Abenteuer hineinrutscht, mit dem selbst er, der hier aufwächst, kaum etwas anfangen kann. Schnelle schwarze Striche, kräftige Aquarellfarben, immer mit dem passenden Grundton des jeweiligen Objekts eingefangen und kaum abschattiert, schaffen ein traumartiges Gesamtbild dieses Landstrichs.

Der kenianische Blickwinkel auf die Weißen, die als Unternehmer und Touristen einfliegen, fällt unterschiedlich aus. Während Naim diese Menschen belächelt, die überall Fotos machen und sich eincremen, sind jene Menschen, die sich prostituieren und auf diese Weise von den Fremden leben, viel abgeklärter und desillusioniert. Entsprechend karikiert fallen die Weißen auch aus und wirken wie Fremdkörper mit imaginären Kronen auf dem Kopf (jedenfalls ließe sich annehmen, dort wären welche, verfolgt man ihre Verhaltensweise).

Ein beeindruckender Comic-Band, sehr leicht erzählt, journalistisch, manchmal verstohlen beobachtet, doch immer mit Sympathie. Schnell und treffsicher illustriert, farbenfroh, wie unter kenianischer Sonne, live vor Ort skizziert. Sehr schön. :-)

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