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Comic Blog


Sonntag, 09. September 2012

Lanfeust Odyssee 2

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:46

Lanfeust Odyssee 2 - Das blau-goldene Rätsel 2Fliegen. Andere verscheuchen sie. Trolle lieben sie. Deshalb kann so ein Troll schon einmal rot sehen, wenn ein Banshee sich hungrig über Fliegen hermacht. Ganz besonders, wenn es die eigenen sind. Fliegen sind nicht gerade die üblichen Haustiere. Doch Hebus, der Troll an der Seite von Lanfeust, kennt sie alle und weiß um ihre Anzahl. Als die Banshees sich doch glatt fünf davon schnappen, wird Hebus zur rasenden Bestie (obwohl nicht viel dazu gehört, aber selten ist diese Emotion bei Hebus von derart viel Zuneigung begleitet. Bald jedoch sind die Banshees noch das kleinste Problem für die Freunde Lanfeust und Hebus.

Trolle, die sich begegnen, sind nicht automatisch Freunde. Hebus, der zusammen mit seinem Freund Lanfeust auf der Suche nach der Lösung um das blau-goldene Rätsel ist, langt ordentlich zu, weil er um die Schwerhörigkeit hungriger Trolle weiß. Autor Christophe Arleston hat ein blau-goldenes Rätsel geschaffen, dessen Lösung hier offenbart wird, doch für den Leser letztlich zu einem infernalischen Lesevergnügen wird, denn Arleston zieht alle Register. Nachdem die Troy-Saga alleine um ihre bekanntesten Figuren herum so groß und vielfältig geworden ist, gehört einiges dazu, hier noch ein Quäntchen zuzulegen.

Neben der zweifellosen Gigantomanie des Rätsels Lösung unterstützt ein Humor die Fantasy-Action, der alle Abstufungen durchläuft, von derb bis fein ist alles dabei. Die Erzählkunst eines Christophe Arleston wird durch die Zeichenkunst eines Didier Tarquin gestützt, obwohl nach derart vielen gemeinsamen Publikationen des Duos angenommen werden darf, dass Arleston seinem Kollegen Tarquin die Szenen zeichenstiftgerecht serviert, da er mittlerweile genau um die Ausdrücke und Posen weiß, mit denen Tarquin seine Pointen setzt.

Lanfeust selbst, die Figur des Abenteurers, der nach Hause zurückkehrte, nur um in dieses besagte Rätsel zu tappen, ist eigentlich eine Art Transporteur. Man könnte sagen, er ist eine Art Luke Skywalker, eine Figur, die zwar im Mittelpunkt steht, aber von sehr starken Nebenfiguren umgeben ist. Hebus ist kein Chewbacca, verfügt aber über eine enorme Präsenz und kann eigentlich, so lange er seinem Trollwesen folgt, keine Fehler machen, sondern in der Geschichte nur punkten. Arleston weiß um die Qualitäten dieser Figur und setzt sie perfekt für den Fortgang der Erzählung ein, wie auch um witzige Anekdoten unterzubringen. Damit die weibliche Seite der Handlung nicht vernachlässigt wird, darf Cixi ihrem ganz eigenen Rätsel nachjagen und man darf als Leser annehmen, dass sie die weitaus größere Nuss als ihre Co-Charaktere zu knacken hat.

Groß, größer, bombastisch. Optisch darf sich der Leser, der nun wirklich einiges aus dem Troy-Universum her gewohnt ist, auf tolle Ansichten und feine Einfälle freuen. Man könnte, will man im Bild bleiben, sagen, hätte Peter Jackson einen Comic geschrieben, wäre wahrscheinlich etwas ähnlich Großes dabei heraus gekommen. Aber es ist nicht nur die Art und Weise, wie hier schließlich kein Stein auf dem anderen bleibt, es ist vor allem die Ausschöpfung der Möglichkeiten und Details. Das Titelbild, deshalb mag darauf eingegangen werden, zeigt die Banshees, die hier in Massen auftreten und nicht nur Kriegerinnen sind, sondern auch für die Trolle zu einer außergewöhnlichen wie auch außergewöhnlich seltsamen Gefahr werden.

Der Zeichenstil von Didier Tarquin, der so wunderbar intuitiv wirkt, ein Eindruck, der durch die Skizzen im Anhang noch verstärkt wird, zeigt diese Welt weiterhin erschöpfend mannigfaltig. In den zerbrechlichen Strichstärken entsteht durch die knallende, plastische Farbgebung von Lyse pralles Volumen und Tiefe. Gibt Tarquin mit seinen Strichen viele Einzelheiten vor, scheut sich Lyse nicht, diese Eindrücke aufzunehmen und den Detail-Effekt durch entsprechende Kolorierung noch zu verstärken. So entsteht am Ende ein mitreißendes Seherlebnis.

Der zweite Teil schließt das blau-goldene Rätsel mit einem wahren Paukenschlag ab. Zuvor allerdings nehmen Arleston und Tarquin den Leser mit auf eine unglaubliche rasante Reise durch Troy. Nicht nur für Fans, aber auch. Die Kenntnis des ersten Bandes ist Pflicht. 🙂

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