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Comic Blog


Mittwoch, 08. August 2012

Hauteville House 2 – Reiseziel Tullum

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 20:56

Hauteville House 2 - Reiseziel TullumTaktische Lufteinheit Santa Anna. Das ist kein Luftschiff, vielmehr handelt es sich im wahrsten Sinne des Wortes um eine fliegende Festung. Aber die Verteidiger sind nicht schutzlos, solange sie mit der gleichen Effizienz zu Werke gehen. Die Angriffe erfolgen aus der Luft und am Boden. Ein Kugelhagel empfängt sie, drängt sie sogar kurz zurück. Doch schließlich ist die Übermacht, die bessere Technik der Garant für den Sieg. Die Verteidiger ziehen sich zurück. Ein Portal öffnet sich und sogleich sind sie für ihre Verfolger vorerst entkommen.

Groß, größer, Luftschiff. Die Experimentierfreude des Comic-Teams, die Ausdrücke in technischen Höchstleistungen, mit der sich die Gesellschaft, genauer die Armee, hier umgibt, sind sehenswert und überzeugen durch feinen Einfallsreichtum. Das Titelbild vermittelt einen kleinen Eindruck all der Ideen, die sich hier tummeln. Von der Gigantomanie des hier gezeichneten industriellen Standards, oftmals im Bereich des Möglichen, bis hin zu den kleinen technischen Finessen, derer sich die Charaktere hier bedienen.

Diese Ideen sorgen nicht nur für zusätzliche und ungewöhnliche Spannungselemente, sie geben dem Erzähler Fred Duval auch ganz anderes Gestaltungsmaterial an die Hand. Sprang ein James Bond nur dann und wann einmal aus einem Flugzeug ab, sind es hier gleich geflügelte Einsatzkräfte, die gleich zu Beginn für Action der besonderen Art sorgen, nachdem sie aus der Taktischen Lufteinheit Santa Anna abgesprungen sind. Der zweite Band knüpft mit derselben Erzählungswucht dort an, wo der erste Band aufhörte. Während auf dem nordamerikanischen Kontinent die Bürgerkrieg tobt, betreiben die beiden gegnerischen Agenten Gavrosche und Zelda ihre eigenen Spielchen.

Reiseziel Tullum, so der Untertitel der zweiten Ausgabe, bringt dem Leser schon einen Teil des Rätsels Lösung näher. Die Mythologie Süd- und Mittelamerikas bietet einen gehaltvollen Schlüssel dazu. Auch die Eroberungsgeschichte des lange Zeit fernen Kontinents fließt in die Erzählung von Fred Duval mit ein. Allerdings bietet sie nur einen kleinen Ausschnitt der Handlung, die zügig vorangetrieben wird. Größtenteils vergessen ist vorerst Europa, bilden die Dschungel und Wüsten, die soldatischen Szenarien und auch archäologischen Abschnitte ein reichhaltiges Füllhorn, um eine sehr abwechslungsreiche Handlung für den an Abenteuern interessierten Leser zu entführen.

Entsprechend der verschiedenen Schauplätze kann Zeichner Thierry Gioux in der zweiten Folge noch zulegen, exotischere Gegenden zeichnen, technisch noch ausgefallener werden und ungewöhnlichste Kämpfe und Reisen skizzieren. Die mexikanische Kulisse vermischt Exotik mit interessanten Perspektiven und Szenen, in der (hier) moderne Technik auf veraltetes Kriegsgerät trifft. Dahinter entstehen durch den Forscherdrang einer Figur wie Gavrosche Sequenzen, die eines Indiana Jones würdig wären. Sehenswert und in bester Kinomanier aufbereitet, sind die Sequenzen im Dschungel, rund um den Tempel.

Farblich knackig. Die Welt von Hauteville House ist kräftig bunt. Manche Comics arbeiten mit farblichen Stimmungen, Grundtönungen, nicht so Carole Beau, die auch hier die Kolorierung wieder übernommen hat. Durch die knackige Farbgebung erhöht sich der Kintoppeffekt noch und wird die Handlung in eine zuweilen komödiantisch abenteuerliche Stimmung entrückt. Aber wer mit Abenteuern in diesen Dimensionen vertraut ist, wird genau das erwarten.

Eine gelungene Fortsetzung, die vor allem eines zeigt. Durch die Vermischung von Historie mit vielen eigenen Ideen, dem Steampunk, ist die Grenze der Möglichkeiten für die fortschreitende Handlung nach oben offen. Nichts ist vorhersehbar. Ziemlich gut. :-)

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Oder bei Finix Comics.

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