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Comic Blog


Samstag, 29. Januar 2011

ANGOR 2 – Mansiouran

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:10

ANGOR 2 - MansiouranTalinn, Evrane und Lorky sind weiterhin auf der Flucht. In ihrer erwachsenen Verkleidung müssen sie nicht befürchten, entdeckt zu werden. Leider gibt es genügend andere Gauner, die Reisenden nur zu gern an den Besitz wollen. Im besten Fall. Darüber hinaus gilt es auch zu entdecken, zu was ein erwachsener Körper imstande ist. Lorky, der sich mittels des Zauberspruchs und des Medaillons zum ältesten Erwachsenen der Gruppe gemacht ist geradezu verzückt. Er kann sein Gesicht und die Muskeln stundenlang im Spiegel bestaunen. Darüber vergisst er allerdings das Wachehalten.

Das ist allerdings nicht der Grund, weshalb die drei Kinder wieder im Schlamassel landen. Zu Lorkys Glück jedenfalls. Die Reise geht zwar weiter, ihre Chancen steigen jedoch nicht, denn es tauchen immer neue Verfolger auf. Mehr noch: Das Medaillon kommt ihnen abhanden. Anstatt zu fliehen, werden sie selbst zu Jägern. Ob sie allerdings in ihrer Unerfahrenheit gegen gestandene Halsabschneider bestehen können, ist absolut ungewiss.

Jean-Charles Gaudin ist ein passionierter Erzähler von Abenteuern. Nach der Lektüre des zweiten Bandes von ANGOR besteht daran keinerlei Zweifel. In einem Abenteuer kann alles passieren. Das Schöne an der Fortsetzung der Geschehnisse um Talinn, Evrane und Lorky ist tatsächlich, dass Gaudin sich keine erzählerischen Schranken aufzuerlegen scheint. Es passiert, wenn es passiert. Es gibt den Zufall, der in einer gefährlichen Welt wie dieser ganz besonders häufig zuschlagen kann. Freunde sind selten, Feinde gibt es zuhauf.

Einer der Freunde ist ein Bauer, der mit seinen Waren oft unterwegs ist und die drei Reisenden aufliest. Inmitten all der Gauner, die hinter den Kinder her sind, ist diese Figur (nebst seiner Frau) ein richtungsweisender Charakter, der auffängt und umsorgt. Als Gegengewicht findet der Leser einen Kämpfer. Er leiht seinen Namen auch für den Untertitel der Handlung: Mansiouran. Mit ihm gestaltet Gaudin eine Jagd durch eine Lagunenstadt (einem Venedig nicht unähnlich), die stark an ähnliche Wasserverfolgungsjagden erinnert, wie sie in Moonraker oder auch Die Welt ist nicht genug zu sehen waren. Wie Dimitri Armand ein derartiges Szenario (und nicht nur an diesem Punkt der Geschichte) in das Fantasy-Genre überträgt ist absolut sehenswert.

Auch Armand kennt seine Vorlagen oder auch Vorgänger, wie sich am Bild eines Obi-Wan (Sir Alec Guinness) in der Lagunenstadt unschwer erkennen lässt. Armand zeichnet in einer Mischung aus Realismus und Animationsstil. Vergleichbar ist seine Arbeit mit Virginie Augustin (Alim, der Gerber), die allerdings mehr in Richtung Anime neigt, während Armands Arbeiten deutlich zur Disney-Tradition neigen. Hier ließe er sich auch gut mit David Etien (Die Vier von der Baker Street) vergleichen. Dadurch wirken die guten Figuren sehr sympathisch, die Bösen hingegen besonders fies.

Armands Strichführung ist weitaus akkurater als jene einer Augustin. Da sitzt jeder Tuschstrich, nichts macht sich selbständig, man könnte ohne zu übertreiben von einer genauen Komposition der Bilder sprechen. Das sorgt für die nötige Ruhe, die das Auge auch braucht, um die Handlung aufzunehmen, die geballt und in Teilen auch sehr rasant voran schreitet. Hier bekommt der Leser in Sachen Vielfalt der Geschöpfe allerhand geboten. Eine Auseinandersetzung auf hoher See bietet ein mörderisch gutes Szenario, wie man es in der Fantasy nicht so oft sehen kann.

Ein toller zweiter Teil mit sehr sympathischen Figuren, schön erzählten Verwicklungen und einfallsreichen Handlungsorten sowie fein inszenierter Action. Dimitri Armand gehört zu den Zeichnern, von denen man hoffentlich noch mehr sehen wird. 🙂

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