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Comic Blog


Freitag, 10. Dezember 2010

Roland Ritter Ungestüm 3

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:37

Roland Ritter Ungestüm 3Ein Planwagen ist nicht für ein Rennen geschaffen, wie die Krieger sehr schnell erkennen müssen. Sie stellen sich der folgenden Übermacht und schlagen sich wacker. Es wird ein Kampf auf Leben und Tod, der doch nur ein Vorgeplänkel auf das ist, was alsbald auf Roland und seine Weggefährten wartet. Alpträume plagen Roland. Voller Schrecken erwacht er, die Furcht abschüttelnd, aber die Reise geht weiter und damit kommen neue Schwierigkeiten, neue Gefahren und … ein alter Feind!

Das Heilige Land ruft: Roland, den ungestümen Ritter verschlägt es auf eine heikle und sehr gefährliche Mission ins ferne Jerusalem. Autor und Zeichner Francois Craenhals nimmt sich in einer sich über zwei Alben erstreckenden Geschichte einem der großen Ziele damaliger Ritterschaft an. Doch nicht ein Kreuzzug ist es, der Roland, die Hauptfigur in die Wüste führt, sondern das Geleit einer Truhe und seines Besitzers. Doch die Völker der Wüste können diebisch sein und nicht nur das: Roland hat sich in seinem jungen Leben viele Feinde gemacht, die er nun in ihrem selbst gewählten Exil wieder trifft.

Francois Craenhals hat sich viel einfallen lassen: Bereits in der ersten Episode, Der Schatz der Weisen, kann er nicht nur mit einem neuen exotischen Ort (Konstantinopel) aufwarten, er hält für den Leser auch eine höchst spannende Verfolgungsjagd bereit, die zeigt, dass so manche Szene, die im Wilden Westen an der Tagesordnung ist, auch im Mittelalter mit Rittern hervorragend funktioniert. Mit der damaligen Weltstadt Konstantinopel halten auch neue Ideen Einzug. Falsche Mumien sind nur ein Teil dieser spannungsgeladenen Handlung. Mit Der Zauber der Wüste geht die Reise in Richtung Jerusalem weiter, urwüchsiger diesmal, auch fremder, denn die Tücken und die Völker der Wüste warten auf Roland. Dieser Landstrich selbst wird zur Bedrohung, vollkommen anders als es die Hauptfigur wie auch der Leser hier gewöhnt ist.

Es wird wunderlicher, geheimnisvoller, sicherlich auch unter dem Einfluss von 1001 Nacht, aber immer noch abenteuerlich. Craenhals präsentiert den jungen Helden auch als jemanden, der sich in eine andere Frau verguckt, obwohl am Hofe des Königs Artus mit Gwendoline eine junge Frau wartet, die alles für ihren Recken tun würde. Der Reiz des vorliegenden Sammelbandes entsteht durch den Gegensatz der Orte, die Francois Craenhals mit Akribie zu Papier bringt. Hügelige Landschaft, die erwähnte exotische Weltstadt, die karge Wüste, die mit ihren Sandstürmen selbst zum Leben zu erwachen scheint. Später folgt wieder saftig grünes Land und als hervorragender Hintergrund ein tückischer Sumpf, in dem allerhand Überraschungen warten.

Stehen die ersten beiden Episoden in Verbindung, wird mit Der Hüne von Worms ein Einzelabenteuer erzählt, in dem Roland einmal mehr um seine Wahlheimat streiten muss. Francois Craenhals, der einen König Artus mit mehr Ecken und Kanten darstellt, als es ein Hal Foster getan hat, wirft einen Ritter Roland in ein Abenteuer, in der sein Held keinerlei Rückhalt mehr zu haben scheint (bis auf einige wenige Freunde). Der Hüne von Worms, ein gigantischer Fiesling, fast an einen James Bond Gegner erinnernd (Curd Jürgens) dürfte zu den seltsamsten Feinden Rolands gehören. Hat Craenhals in der Epsiode Der Schatz des Weisen mit dem Zwerg Huon eine Feindfigur im Einsatz, der nach Größe und Aussehen bereits verschlagen wirkt, agiert der Hüne eher gegen seine Erscheinung und wird so zur Überraschung.

Weiterhin fein gezeichnet, straff erzählte Abenteuer mit spannenden Wendungen und Gegnern, die bekommen, was sie verdienen, nachdem sie Roland derart zugesetzt haben. Sogar ein König Artus bekommt auf eine gewisse Art sein Fett weg. Wer nach schöner und guter Ritterunterhaltung sucht, wird hier fündig. Wer Spaß an den beiden ersten Bänden hatte, kommt an diesem ohnehin nicht vorbei. 🙂

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Mittwoch, 08. Dezember 2010

The Warlord 2 – Deimos

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:09

The Warlord 2 - DeimosDer Warlord hat sich eingerichtet: Kein Krieg, kein Befreiungskampf in Sicht. Da bleibt nur eine zünftige Kneipenschlägerei. Die Freude darüber währt nur kurz. Aber der ehemalige Airforce-Pilot Travis Morgan muss sich keine Sorgen machen: Männer wie er können der Gefahr einfach nicht entgehen. Skartaris, so der Name jener Welt, die fern von fremden Blicken in der Erde verborgen liegt, ist ein gefährlicher Ort. Und Gegner, die einen Kampf gegen den Warlord verloren, können (sofern sie überlebten) die Schmach so schnell nicht vergessen. So sollte es zwar nur eine einfache Reise für Travis und seine beiden Gefährten, Machiste und Mariah, werden. Doch plötzlich finden sie sich in einer Jagd wieder und Travis ist das Ziel. Stryker, ein Mann von der Oberwelt, will Rache.

Mike Grell setzt seinen Helden nicht nur normalen Feinden aus. Er geht noch einen Schritt weiter. Mit dem Tod in Person steht dem Warlord ein Gegner gegenüber, dem er früher oder später erliegen wird. Die Saga um den Krieger aus der Oberwelt geht weiter. Die beiden ersten Geschichten mögen neuen Lesern als Einleitung dienen. Hier wird der Charakter des Travis Morgan sehr gut vorgestellt. Seine beiden Mitstreiter, Machiste und Mariah, erzählen Geschichten aus der Vergangenheit, die zeigen, dass es sich bei dem Warlord nicht nur um einen Krieger, sondern um einen Mann mit Herz handelt, der sehr wohl auf das Schwert verzichten kann, wenn es dereinst nicht mehr gebraucht werden wird. Vorerst ist das jedoch nicht der Fall.

Denn Mike Grell trifft seinen Helden da, wo es viele Helden schmerzt: Bei der Familie. Travis Morgan hatte genügend Zeit in der geheimnisvollen Welt Skartaris, um Nachkommen zu zeugen. So erfährt er völlig unerwartet von seinem Spross und ist zunächst glücklich. Dem Helden bleibt kaum Zeit. Gemäß der Gesetze des Heft-Comics, in dem es weitergehen muss und eine Verschnaufpause nur eine geringe Bilderzahl dauert, wartet schon die nächste Gefahren. Und die haben es in sich. Zerstörerische Strahlen, fremdartige Wesen von anderen Planeten und Tiermonster bilden nur den strikten Pfad zu einem alten Feind, der Travis da packt, wo es, wie erwähnt, besonders schrecklich ist. In diesem Fall wird der Sohn zum Druckmittel (und mehr).

Nicht nur den rasanten Zeichnungen, die Geschwindigkeit und Energie vermitteln, ist es geschuldet, dass der Warlord eine kurzweilige Fantasy-Unterhaltung ist. Starke Männer, schöne Frauen stehen gemeinen Schurken gegenüber. Mike Grell kennt Anatomie und Gesichter, Perspektiven und Kamerafahrten aus dem FF. Das erinnert zuweilen an die Aufbereitung einer Fernsehfolge, sehr streng strukturiert, auch optisch, mit genau gesetzten Höhepunkten und Wendungen. Es ist eine alte Schule, die einer klaren Linie folgt, auch in Fällen, in denen die Handlung sich über mehrere Hefte erstreckt. Grell begeht nicht den Fehler sich in übermäßig vielen Einzelheiten zu verstricken. Die Einführung ist schnell erbracht und ebenso zügig zeigt sich, dass er damit auszukommen versteht. Wo sich ein Detail erledigt (so auch, weil der Warlord wieder einen Feind niedergerungen hat), wird alsbald ein neues eingefügt.

Die Bilder präsentieren sich in einer reinen Schwarzweißfassung. Präsentation ist als Begriff genau richtig gewählt, denn Grell präsentiert wirklich. In so mancher Szene kann der Leser sich eine Fanfare im Hintergrund vorstellen oder einen Paukenschlag, wenn das Übel einen neuen Weg gefunden hat, um dem Warlord zu schaden. Die Reihe kann durchaus zu denen gezählt werden, die bis heute (vergleicht man Bildaufbauten und Seiteneinteilungen) immer noch Vorbildcharakter hat, den aktuell aktive Zeichner nicht leugnen können.

Auch in der zweiten Folge ein Fantasy-Knaller: Infolge seiner Geschichte durchaus dramatischer als der erste Teil, da Mike Grell seinem Helden noch tiefere Abgründe in den Weg legt. Klasse. 🙂

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Dienstag, 07. Dezember 2010

Comic Jahrbuch 2011

Filed under: Die Künstler — Michael um 17:22

Comic Jahrbuch 2011Die klare Linie: Viel gerühmt, der einfache Strich, aussagekräftig, sauber, scheinbar einfach. Bei genauer Betrachtung aber kein Comic-Phänomen, sondern auch in der Kunst zu finden. Leichter Aufbau, etwas, an dem sich das Auge gut orientieren kann. Die Ligne Claire, so der etwas kunstvoller klingende Ausdruck, für diese Technik, wirkt zunächst einschränkend. Umso mehr überraschen ihre verschiedenen Ausdrucksformen und ihre Weiterentwicklungen. Allein aus diesem Artikel, einem von vielen im vorliegenden Comic Jahrbuch 2011, wird deutlich, wie nah der Comic nicht nur an der Kunst ist, sondern wie stark er inzwischen eine mediale Brücke bildet, hin zu den verschiedensten Medien, alten wie auch höchst modernen.

Comic ist Vielfalt. Für jeden ist etwas dabei. Längst hat sich der Comic von den Vorurteilen derer abgesetzt, die ihn immer noch in der Kinderecke sehen. Die Erstellung eines Comics erfordert Denkprozesse, Können, Arbeitseifer und auch Enthusiasmus. Comics können der Erziehung dienen, dem Spaß, zum Nachdenken anregen und vieles mehr. Im aktuellen Comic-Jahrbuch 2011 finden sich massig Berichte und Stimmen zum Thema.

Für den Comic-Fan, der an Hintergrundberichten interessiert ist, vielleicht auch einmal in andere Bereiche hineinschnuppern will, finden sich durch die abgedruckten Interviews Antworten aus erster Hand. Deutsche Zeichner wie Martin Frei (Asanghia, Kommissar Eisele), Ulf K. und Burkhard Fritsche berichten vom Arbeitsalltag, Ideen, neue Projekten und Umsetzungen. Insgesamt ist die Spannweite deutschsprachiger Produktionen weit. Der Cartoon ist dabei, das Fantasy-Projekt wie auch die dramatische Reiseerzählung Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens. Aber Comic-Begeisterung beginnt meist früh: Beim Comic für Kinder.

Auch dieses Thema wird nicht ausgelassen. Was gab es einstmals? Wie sind Comics für Kids heute? Was hat sich über die Jahrzehnte hin gehalten? An vielen Stellen zeigt sich, dass Comics auch Zeitdokumente sein können, zurückblicken, aufzeigen, vorausschauen oder auch eine andere Seite abbilden, wie es eine Reihe wie Perry – Unser Mann im All macht und sich dem wohl langlebigsten und größten deutschen SciFi-Export widmet. Der Comic als Wirtschaftsfaktor wird nicht vergessen. Die Comic-Märkte in den USA wie auch in Spanien werden beleuchtet. Ein Blick auf den europäisch sehr wichtigen frankobelgischen Markt gibt interessante Einblicke.

Sicher haben Comic-Verfilmungen, auch Zeichentrickumsetzungen für Aufmerksamkeit des Mediums sorgen können. Ein Höhepunkt, an dem sich viele in diesem Jahr verlagsseitig beteiligten, war der Gratis-Comic-Tag. Comic kann nicht nur unterhalten oder bilden, er kann überhaupt erst einmal zum Lesen animieren. Oder sogar: Über den Comic zum Schreiben kommen, wie eine Ausschreibung des Landes Sachsen zeigt. Erst die kleinen Häppchen, dann die große Mahlzeit. Dabei geht Comic auch den umgekehrten Weg, indem er Literaturklassiker adaptiert.

Ein thematischer Rundumschlag im besten Sinne: Ein Blick hinter die weite Kulisse des Comic-Schaffens und der Comic-Schaffenden. Interessant, ernüchternd auch, Erinnerungen wach rufend oder auch an Klassiker erinnernd. Wo gibt es Ursprünge? Wo geht es mit dem Comic hin? Für alle, die wissen wollen, was hinter den Sprechblasen so alles steckt, eine perfekte Lektüre. 🙂

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Superman Batman – Public Enemies

Filed under: Comics im Film — Michael um 11:53

Superman Batman - Public EnemiesLex Luthor wird Präsident der Vereinigten Staaten: Was für viele Bürger eine Rettung bedeutet, da sich vieles zum Guten hin bessert, ist für Superman eine grauenhafte Tatsache. Sein Erzfeind sitzt, frei gewählt, im Weißen Haus. Superman macht aus seinem Misstrauen keinen Hehl. Lex Luthor hält seinerseits nicht viel von Superhelden, fordert sie aber auf, am Aufbau des Landes mitzuarbeiten. Und tatsächlich findet sich ein Team: Power Girl, Major Force, Black Lightning, Katana und Captain Atom kämpfen fortan für die USA. Sogar ein Metallo engagiert sich an der Seite des Präsidenten. Allzu schnell jedoch zeigt Luthor sein wahres Gesicht und lockt Superman in eine Falle. Aber der Mann aus Stahl ist nicht allein. Ein guter Freund wacht über ihn: Batman. Das macht ihre Aufgabe allerdings nicht viel einfacher.

Basierend auf einem Comic von Jeph Loeb und Ed McGuinness darf der Comic-Fan sich nun an der Verfilmung der Public Enemies erfreuen. In den USA wird jene über sich mehrere Comic-Bände erstreckenden Superhelden-Geschichten auch mit dem Begriff Graphic Novel überschrieben (hierzulande irgendwie nicht denkbar, schade eigentlich). Wie auch immer man das Ganze betiteln mag, Loeb und McGuinness haben hier mächtig aufgetischt: Zwei gegen alle. Superman und Batman werden hier schließlich zu Staatsfeinden, Superman wird sogar wegen Mordes gesucht. Es gibt sicherlich Anpassungen ans filmische Medium, da auch nicht sämtliche Aspekte des Comic-Events übernommen werden konnten. Unter dem Strich bleibt aber weiterhin ein spannendes Superhelden-Großereignis.

Nicht nur das erwähnte Team tritt gegen die beiden Helden an. Black Lightning und Katana, ausgerechnet jene, die einmal zum Außenseiter-Team von Batman gehörten, jagen diesen nun. Wenigstens ist Power Girl etwas nachdenklicher und stellt für sich fest, dass Superman niemals ein Mörder sein kann. Das ändert nichts daran, dass sich so manche Schurken das Kopfgeld, das Luthor auf Superman ausgesetzt hat, holen wollen. Daraus ergeben sich kuriose Team-Ups, so auch ein Mongul und ein Solomon Grundy, die dem Stählernen und dem Dunklen Ritter gemeinsam das Leben schwer machen.

Die Umsetzung ist flott, hält den roten Faden der Comic-Vorlage konsequent durch und darf sich auch der Synchronstimmen erfreuen, die der Fan bereits aus den Animated Series der beiden Recken her kennt. Eberhard Haar (Batman) und Ingo Albrecht (Superman) füllen die Helden stimmlich toll aus, tief, prägnant und, wie sie es zuvor schon in einem Dreifolgenspezial der Superman-Serie bewiesen haben, sehr gut harmonierend.

Die Kämpfe stehen selbstverständlich im Vordergrund. Neben klassischen Auseinandersetzungen (Superman/Metallo) finden sich auch neue Paarungen, insbesondere wenn Superman und Batman gegen die vermeintlich Guten antreten müssen. Wenn ein fieser Major Force ins Geschehen eingreift, dann kracht es nur noch. Das Finale könnte unter der Überschrift Groß, grüner, schneller laufen. Zwar glaubt man zu keiner Zeit, dass Batman wirklich sterben muss (naja, vielleicht doch, wie man inzwischen weiß), aber dramatisch ist es allemal. Bei 64 Minuten Laufzeit kommen keine Längen auf.

Grafisch angelehnt an die Vorlagen eines Ed McGuinness und sehr gut der Handlungslinie von Jeph Loeb folgend. Action satt, mit einem besonders fiesen Lex Luthor. Sehr gute Stimmen (auf Deutsch wie auch im englischen Original) runden das Comic-Erlebnis ab. 🙂

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Mittwoch, 01. Dezember 2010

Die Legende der scharlachroten Wolken 3

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:22

Die Legende der scharlachroten Wolken 3 - Der perfekte StrichRyin Fujiwara, Dame und Shogunai, ist gänzlich in den Klauen des Wahnsinns gefangen. Die letzten Anker, Gefühle, die sie zu zwei Männern hinzogen, sind zerstört. Der eine Mann verweigerte sich ihr, der andere fiel durch einen Schwertstreich. Das Reich selbst ist in Gefahr. Und so gibt es Männer, die diese Unsicherheit zu ihren Gunsten nutzen wollen. Das Ergebnis ist blanker Terror. Lehnten sich die Leute zuvor schon gegen die Willkür der Shogunai auf und waren den Launen der Wahnsinnigen unterworfen, so war diese Herrschaft bei aller Grausamkeit das kleinere Übel. Von all dem weiß Raido in seinem zur Zeit selbst gewählten Exil nichts. Nachdem er seinen Erzfeind getötet hat, ist er auf den Spuren seiner Vergangenheit, die nicht so ist, wie er angenommen hat. Raido wurde lange Zeit über seine Herkunft belogen.

Inmitten von Zerstörung findet Raido seine wahre Vergangenheit. Autor und Zeichner Saverio Tenuta arbeitet weiter mit einer Form von lyrischen Bildern, sofern diese Verbindung überhaupt möglich ist. Aber es ist auch eine Lyrik, die äußerst brutal ist. Fast schon brutaler als in den beiden ersten Bänden. Es ist keine Aneinanderreihung von Gewalt, aber sicherlich werden die Spitzen dieser Taten den einen oder anderen Leser im Comic nicht recht sein. Andererseits ist es aber auch keine Erfindung von Gewaltformen. Vor einem phantastischen Hintergrund, mystisch, magisch, auch märchenhaft, zeigt Tenuta eine brutale Diktatur. Er schildert die seltsame Logik von grausamen Verbrechen und tiefer Ergebenheit bis hin zum ehrenhaften Selbstmord.

Aber auch diese Welt ist nicht ohne Hoffnung. Auf der Grundlage von Mord und Totschlag, in einer vollkommen vereisten Landschaft, finden sich zwei Seelen, die einander lieben lernen. Der Keim wuchs bisher nur langsam und zaghaft und bricht hier endlich aus. Sinnbildlich dazu steht nun das Reich der Shogunai selbst am Abgrund. In einer Handlung, die stark von Rückblicken geprägt ist, mögen an Erinnerungen an Klassiker wie Conan aufkommen, an das Kind, das entführt wird, nachdem dessen gesamtes Dorf ausgelöscht wurde. Im Zweikampf zwischen Raido und dem schwarzen Wolf (eine gigantisch umgesetzte Szene!) findet sich die Mystik klassischer Sagen.

Saverio Tenuta versteht es, jeder Situation eine bildliche Tiefe zu verleihen. Ruhige Momente vermitteln Stille, dramatische Szenen werden lauter und hastiger. Die Weichheit der Umsetzung ist wie ein Blick durch einen leichten Schleier, sehr schön passend zum Szenario und der winterlichen Kulisse. Der Wahnsinn der Shogunai, der sich wörtlich und bildlich äußert, wird hervorragend durch die grafische Umsetzung getragen (aber auch etwas kurz). Die Suche nach dem perfekten Strich, der Perfektion als solcher, führt zum Wahnsinn und ist Ausdruck desselben. So sehr und so oft sie es versucht, sie dreht sich nur im Kreis, bis ein von Tenuta perfekt inszeniertes Bild dies besser ausdrückt, als Worte es vermögen.

Die Ruhe vor dem Sturm: Saverio Tenuta legt die vorhandenen Puzzleteilchen aus, setzt sie an ihren Platz. Die wenigen Lücken, die jetzt noch existieren, werden sich im abschließenden vierten Band füllen. Grafisch ein Augenschmaus, bei aller Dramatik mit enormer Ruhe erzählt, dürfte die Legende der scharlachroten Wolken ein Tipp für die sein, die eine etwas andere Fantasy-Geschichte suchen. 🙂

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Der Verbannte 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 16:44

Der Verbannte 1 - Die Last unserer SiegeEinst gingen sie durch dick und dünn. Sie eroberten ein Königreich. Sie schufen eine neue Ordnung. Aber nur einer konnte König sein. Der heute Verbannte, er wollte nie viel vom Leben, nur den Kampf. Den aber gab es nicht mehr. Hektor, der Held von Schwarzenfels, vegetierte dahin, mit Wein und Weibern, bis er endlich wieder einen Kampfesauftrag erhielt und seinen endgültigen Niedergang besiegelte. Heute ist er alt und doch immer noch unbeugsam und kampfeslustig. Frauen gibt es kaum noch in seinem Leben, dafür umso mehr Wein. Ein Brief holt Hektor aus seinem Versteck hervor und sofort zieht er das Unheil wieder magisch an, denn viele scheinen nur darauf zu warten, sich mit dem alten Kämpen zu messen.

Es ist eine ferne Welt, in Henscher (Autor) und Tarumbana (Künstler) den Leser schicken. Mittelalterlich, kriegerisch, brutal, auch zügellos, voller Missgunst und Intrigen. Hier ist der Verbannte eine klassische Figur, fast ein urtümlicher Rambo. Er wurde weggeschickt, vergessen, aber als er gebraucht wird, zögert man nicht, ihn zurückzurufen und er nimmt den Ruf auf und kommt. Die Schilderung bleibt insgesamt locker. Sie lässt Platz für eigene Interpretationen. Der Start der Geschichte erfolgt im tiefen Winter, in einem von allen Göttern verlassenen Landstrich, bis die Handlung in den Kern des Reiches vorstößt, das der Verbannte einstmals verlassen musste.

War eben noch alles düster, eisig, grausig, wird es nun hell und gleißend, wie ein Sonnenaufgang nach einer ewig langen Nacht. Farbstimmungen und Schattenspiele gestalten diese Welt lebendig. Tarumbana liebt es, in klar definierten Farben zu arbeiten. Stahlblau, goldgelb, blutrot. Jede Farbe hat auch stets ihre Aussage und lässt keine Missdeutung zu. Einzig: Warme Farben bedeuten nicht automatisch etwas Gutes. Ist ein Eisgrau eine Farbe für Krieg, Einsamkeit, führen warme Farben zunächst in die Irre. Rot ist die Farbe des Verrats, der Intrige, des angedeuteten Inzests. Das Flackern eines Kamins, ein verlockendes und beruhigendes Beige ist lediglich die Vorstufe zur gnadenlosen Gewalt.

Hektor, die Hauptfigur, ist ein grimmiger Mann und als solcher auch permanent dargestellt. Kein Gefühl gibt ihm eine Blöße, zählt man Wut nicht dazu. Denn wütend ist er schnell. Tarumbana hat aus dem Verbannten eine Art versteinerten Berserker gemacht. Mag man irgendwann mutmaßen, dass das vielleicht zu wenig ist, sieht man sich als Leser schließlich eines Besseren belehrt. Der Verbannte kann anders, wenn ihn etwas bis ins Mark trifft. Dieser Fall tritt ein und ist, da man sich zu diesem Zeitpunkt der Figur sehr angenähert hat, umso schockierender.

Der Farbauftrag ist schnell erfolgt, fast flüchtig, aber auch auf den Punkt gebracht, wie in einer Momentaufnahme. Tarumbana gestaltet nach Art eines heimlichen Beobachters, der kaum Zeit hat, seine Geschichte einzufangen. In kräftigen Strichen erfolgt Schicht auf Schicht. Durch den starken Gegensatz von Licht und Schatten schafft Tarumbana eine sehr räumliche Wirkung. Im Skizzenanhang darf man einen kleinen Blick auf seine Technik werfen, von der Entstehung bis zum fertigen Bild. Tarumbana hat nicht viele Landschaften oder Räumlichkeiten im Detail zu malen, doch wo sie zu sehen sind, entfachen sie die Phantasie des Lesers und werfen Fragen auf, die leider (noch?) nicht beantwortet werden.

Ein Fantasy-Abenteuer, dessen normale Anteile überwiegen. Magie und Phantastik deuten sich an, sind ein Mysterium. Wer mehr Wert auf den Schwert-Anteil im Fantasy-Genre legt und starke, klar definierte Charaktere mag, in schöner Ausgestaltung, findet hier spannende Unterhaltung. 🙂

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