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Comic Blog


Freitag, 31. Juli 2009

Ethan Ringler 4

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:04

Ethan Ringler 4 - Der Mann, der zweimal starbDie Männer stürmen herein und feuern. Es darf keine Überlebenden geben. Dass es sich bei den Getöteten um Bundesagenten handelt, ist den Gangstern egal. Sie fürchten keine Strafe, wenn es keine Zeugen gibt. Für Ethan, der den Angriffstrupp begleitet, wird dieser Überfall zu einer Bewährungsprobe der besonderen Art. Sneck, sein Vorgesetzter, verlangt von ihm einen der angeschossenen Männer zu töten. Ethan zögert. Er kennt den am Boden liegenden Mann nur zu gut. Ethan versucht sich herauszureden. Der Verwundete sei unbewaffnet. Er könne keinen unbewaffneten Mann erschießen. Aber Sneck duldet keine Befehlsverweigerung.

Der Mann, der zweimal starb zeigt dem Leser, der den Lebensweg von Ethan Ringler bis hierher verfolgt hat, einen jungen Mann, der nicht nur gehörig in einer Lebenskrise steckt, sondern darüber hinaus auch noch in höchster Lebensgefahr schwebt. Die Zeiten haben sich für Ethan gewaltig geändert. Die Verbrecher, in deren Reihen er ermittelt, holen zum Gegenschlag aus. Ausgerechnet bei einem Überfall auf staatliche Ermittlungsbeamte muss Ethan seine Loyalität beweisen.

Denis-Pierre Filippi bricht seinen Helden in dieser Ausgabe. Der Titel dieser Episode spricht Bände. Der Zwiespalt in seiner Person wird immer größer, der Wunsch, den (wie er glaubt) ihm vorbestimmten Weg zu gehen, drängt sich so stark in sein Leben, dass kein anderer Ausweg mehr zu bleiben scheint. Ausgerechnet im Gefängnis, in dem sein Boss einsitzt, trifft er in einer anderen Zelle auf jemanden, der ihm bei seiner Suche nach den geheimnisvollen Nebelmännern Hinweise geben kann. Ein alter Indianer, von dem nicht ersichtlich ist, warum er sich im Gefängnis befindet, überlässt Ethan ein tröstliches Amulett. Diese Szene ist lediglich ein Moment des Aufatmens für die Hauptfigur.

Nach einem spannenden Auftakt schickt Filippi seinen Helden zwei Tage in die Vergangenheit, frei nach dem Motto: Wie konnte es zu dieser Situation kommen? So entsteht im Laufe des vierten Teils, auch nach der Vorbereitung innerhalb der ersten drei Bände, eine wirkliche Zerreißprobe des Helden, wie sie sich nicht allzu oft in dieser Verzwicktheit und Vielschichtigkeit findet. Man spekulierte als Leser bisher über dies und jenes, mutmaßte, wie es weitergehen könnte … Filippi wirft diese Spekulationen allesamt über den Haufen. Für Ethan Ringler kann nun alles von vorne beginnen, denn da, wo er ist, kann er keinesfalls bleiben.

Grafisch verlässt Gilles Mezzomo die angestammten Pfade nicht. Technisch ist er vergleichbar mit einem Jean Giraud, einem Hugo Pratt, aber auch, betrachtet man seine indianischen Charaktere, mit einem John Romita Jr.. Der indianische Gefangene, auf den Ethan Ringler in einer Gefängniszelle stößt, könnte einem Romita Jr. als Gastzeichner entflohen sein. Der Stil ist einfach auf dem Punkt. Die Linienführung ist weiterhin sehr organisch. Alles ist an seinem Platz und doch regiert auch der Zufall, wenn eine Linie schwingt, etwas Tusche ihren eigenen Weg sucht. Da die Action hier nicht im Mittelpunkt steht (und es gibt in dieser Ausgabe auch nicht sehr viel davon), kann sich Mezzomo mit aller Intensität auf die szenische Umsetzung von Schlüsselszenen konzentrieren. Und diese gibt es zuhauf.

Die Atmosphäre ist sehr dicht gewebt. Die einzelnen Schauplätze wie Gefängniszellen, Gefängniskrankenhaus, Saloon, Hotelzimmer, Eingangshallen, nächtliche Straßen wirken wie die Kulisse eines Kammerspiels. Ab und an geht der Blick zur Seite, enthüllt nächtliches Treiben oder eine Schlägerei. Qualm treibt vorbei, häufig gewinnt man den Eindruck einer verrauchten Stadt, die doch nichts anderes als eine riesige Spelunke zu sein scheint. Die farbliche Grundstimmung ist meistens rötlich (künstliches Licht) oder blau (Nacht). Die wenigen Tagesszenen wirken fahl. Einzig eine Szene vor der Stadt, in der Nähe einer idyllisch gelegenen Brücke wirkt auf den Betrachter freundlich. Ansonsten schaffen Filippi (mit seiner Vorlage) und insbesondere Mezzomo (mit seiner Umsetzung) ein eher abstoßendes Bild eines aufstrebenden Amerikas.

Ein sympathischer (wenn auch unentschlossener, fehlgeleiteter, heimatloser) Held in einem Szenario, das sich auch ein Jack London ausgedacht haben könnte. Denis-Pierre Filippi und Gilles Mezzomo zeigen ein hartes und unmenschliches Amerika, einen amerikanischen Alptraum, der dank seiner Hauptfigur Ethan Ringler hier einmal mehr in höchstem Maße packend ist. 🙂

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