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Comic Blog


Mittwoch, 29. Juli 2009

The Goon 3 – Meine mörderische Kindheit

Filed under: Mystery — Michael um 16:39

The Goon 3 - Meine mörderische KindheitDie alte Frau wollte nur Maiscreme kaufen (die viel zu teuer ist). Aber zu so später Stunde sollte eine alte Frau nicht auf die Straße gehen und schon gar nicht auf diese. Denn hier lauern in finsteren Ecken noch viel finsterere und grausame Monster, die zwar nichts mit Maiscreme, dafür aber mit alten Frauen etwas am Hut haben. Zumindest haben sie sie zum Fressen gern. Und so würde alles seinen (unnatürlichen) Lauf nehmen, gäbe es da nicht den Goon und seinen Freund Franky, die ein ums andere Mal solchen Monstern eine reinhauen, sie plätten, vermöbeln … Jedenfalls vergeht den Unholden dabei gehörig der Appetit.

Ich weiß nicht, ob Sie es wussten, aber ich hatte eine fürchterliche Kindheit … Nun, der Goon (das reimt sich) ist nicht Mike Krüger, aber ein Zuckerschlecken war seine Kindheit trotzdem nicht. Aufgewachsen bei seiner Tante Kizzie, die durch einen tragischen Zwischenfall verstarb, ist der Goon bereits in sehr jungen Jahren auf sich allein gestellt. Er gerät in den Besitz eines Büchleins mit einer Menge Namen von Menschen, die einem gewissen Labrazio das eine oder andere schulden. Doch Labrazio ist tot. Das ist die Chance für den Goon, neu anzufangen …

Ein Kind geht seinen Weg: Eric Powell, Erfinder des Goon, lüftet den Vorhang um die Kindheitserlebnisse des Goon noch ein Stückchen weiter. Nach all den bisherigen (haarsträubenden) Abenteuern mit Monstern jedweder Art, die der Goon zusammen mit seinem Freund Franky erlebte, darf hautnah miterlebt werden, wie der Goon nur ein einziges Mal die Fassung verlor: Als seine Tante starb. Da bleibt bei einem Kind der Humor auf der Strecke. Wenn er witzig ist, dann ist er es unfreiwillig. Der Goon ist nicht komisch. Das finden auch seine Zeitgenossen. Einzig der Leser kann hemmungslos über diese Gags lachen, die auf verschiedenen Ebenen funktionieren.

Powell pflegt den kleinen Wortwitz ebenso wie die mörderische Slapstick, den Humor unter der Gürtellinie und auch eine Art Bud Spencer und Terence Hill Humor (gut passend zum diesjährigen Jubiläum der beiden). Allerdings mussten sich die besagten Recken kaum mit solchen Gestalten herumschlagen wie hier. Der Goon-Fan sieht außerdem Geheimnisse gelüftet: Endlich erfahren wir, wer Fishy Petes Mutter ist. Außerdem: Nun wissen wir auch Spiders richtigen Namen und warum er so viel in der Kneipe abhängt. (Kein Wunder. Und: Können acht Augen gleichzeitig traurig schauen? Antwort: Sie können.)

Powell lässt seinen Goon nicht nur durch die alten Gruselgenres huschen, er zerrt sie auch mit einer wahren Wonne wieder an das Tageslicht und befindet sich damit auf einer ähnlichen Spur wie ein Mike Mignola. Allerdings ist Powells Humor (und teilweise auch seine Phantasie) ein gutes Stück anarchischer als der von Mignola. Im Kampf gegen den verrückten Wissenschaftler und seinen noch verrückteren Kampfroboter gerät der Goon an sein Grenzen. Das scheint nach all den besiegten Gegnern und der scheinbar endlos aufmarschierenden Zombiehorden kaum möglich, ist aber so.

Grafisch ist der Goon einer der Charakterköpfe der letzten Jahre (ja, Franky natürlich auch). Der kantige Kopf, die Augen, die zumeist im Schatten des Käppis liegen, die Boxernase, die zerfurchte Wange, der breite Mund und das nicht minder breite Kinn wirken auf den ersten Blick einfach gestrickt, haben aber ähnlich wie Hellboy (eine weitere Parallele zu Mike Mignola) einen hohen Wiedererkennungswert. Franky, der als Sidekick zuerst etwas wie angepfropft wirkte, passt inzwischen optisch wie die Faust aufs Auge. Grafisch hat sich Powell perfektioniert und seinen eigenen Stil gefunden.

Als Gastzeichner tritt Kyle Hotz mit einer kurzen Geschichte auf. Und hier wird direkt deutlich, wie sehr Goon noch auf seinen Erfinder angewiesen ist, denn es funktioniert zwar, aber nicht, wenn man als Leser die Bilder von Powell gewohnt ist. Die Jagd auf den Skunk-Affen (die sich ausnimmt wie eine Veräppelung des Mordes in der Rue Morgue) hat zwar den Humor, aber nicht die Optik und ist deshalb nur halb so gut.
Das macht aber letztlich weiter nichts, da Powell mit 150 Prozent bei der Sache ist.

Gruselspaß, voller Anarchie, ohne Poesie, dafür mit Nostalgie, mit viel Humor (beinahe für jeden). Sehr eigen von Eric Powell gezeichnet, kraftstrotzend erzählt (ebenfalls von Powell) und insgesamt grauenhaft gut. Fans von derb-verrrücktem Humor kommen hier voll auf ihre Kosten. 🙂

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