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Comic Blog


Donnerstag, 19. Juni 2008

Djinn 1 - Die Favoritin

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 17:33

Djinn 1 - Die FavoritinIstanbul. Das Juwel am Bosporus. Eine junge Frau ist auf der Suche nach ihrer Vergangenheit, ihrer Herkunft, aber es ist die Jagd auf einen Djinn, einen bösen Geist. Diese Vergangenheit entzieht sich ihr, ist stets etwas diffus. Noch immer scheint es Kräfte zu geben, die eine bestimmte Zeitperiode lieber verschleiern wollen.
Vor vielen Jahren, vor dem Ersten Weltkrieg, kamen die Vorboten einer Veränderung auch in der Türkei an. Veränderungen, die es so nicht geben sollte. In jenen Tagen war man an Veränderungen nicht interessiert. Man glaubte noch an die Macht der Intrige und der Verführung. Und manchmal geht beides Hand in Hand.

Jade, sie wird die neue Favoritin des Sultans. Sie weiß, dass sie ein Werkzeug ist, aber sie weiß auch, dass an sie an ihrer Position Macht ausüben kann, Macht, die nicht einmal der Sultan selbst besitzt. Macht, mit der sie selbst den Sultan beherrschen kann wenigstens für eine Weile.
Jade erhält einen Auftrag. Ein Feind wird den Sultan besuchen. Ein Feind, über den der Sultan Macht erlangen will. Der Feind soll sich in Jade verlieben. Und Jade macht sich ans Werk. Auf ihre sehr effiziente Art.

Von all diesen Vorkommnissen weiß Kim Nelson nichts, als sie Istanbul besucht, um mehr über ihre Wurzeln zu erfahren. Aber schnell wird klar, dass ihre Neugier und ihre Suche einen Stein ins Rollen gebracht haben, dessen Auswirkungen sie nicht einmal erahnen konnte.

An der Grenze zum Orient ist alles anders. Dort, wo sich die Neuzeit mit den alten Traditionen trifft, wo Fortschritt und Geheimnisse regelrecht aufeinanderprallen, ist viel Platz für Geschichte und Geschichten.
Dieses Umfeld, Istanbul, machen sich Jean Dufaux und Ana Miralles zunutze, um eine düstere Handlung vor dem Leser zu entfalten, in der heutigen Zeit, wie auch damals vor beinahe 100 Jahren.

Der Leser Kim Nelson, die junge Frau und Hauptfigur weiß es noch nicht bemerkt, wie sehr sich beide Epochen in ihrer Gefährlichkeit ähneln. Teilweise wird noch auf ähnliche Methoden zurückgegriffen Gewalt ist und bleibt Gewalt zu jeder Zeit aber dennoch lässt sich eine gewisse Eleganz an den Machenschaften von Jade und dem Sultan nicht abstreiten. Wer in ihre Fänge gerät, fällt mit Leidenschaft herein, stürzt in einen wahrhaftigen Abgrund der Gefühle.

Wo einst die Verlockungen des Harems blühten und eine verheiratete Engländerin in die Umarmung von Jade trieb, sind es heutzutage die Bordelle, die, eine verblasste Tradition vortäuschend, die letzte Bastion für den Mann sind, der die Frauen im besten Fall als Spielzeug betrachtet.
Jean Dufaux fasziniert den Leser mit kleinen erotischen Netzen, die auch die Jahrzehnte überdauert haben, nur um ihm am Ende zu zeigen, dass es bei all den Machtspielchen und Erniedrigungen nur wieder um die größte aller Verlockungen geht: Geld.

Keine rasante Aktion bis auf wenige Ausnahmen stößt die Handlung, sondern es sind die Verwirrspiele, die jedoch für den Leser stets durchschaubar sind und ihn so in eine übergeordnete Rolle versetzen. Einen Beobachter, der es vor lauter Spannung nicht wagen wird, diesen Prozess zu stoppen. Ana Miralles malt in warmen Farben eine gefühlskalte Welt und stellt so wunderbar Aussage und Optik gegeneinander. Sexualität sollte heißblütig, wenigstens gewollt leidenschaftlich sein, aber selten blieb sie so kühl wie hier, wo das Bett nur ein vorgezogenes Schlachtfeld ist, in dem es den anderen zu besiegen gilt. Sehr einfühlsam in Bild und Wort entsteht so ein Rückblick, in dem Dekadenz ein Lebenswert ist und somit zum Stolperstein wird für die Engländer wie auch für die Türken.

Manchmal könnte man als Leser die Bedrohung vergessen. Jean Dufaux schafft es hier den Leser ebenso einzulullen wie Jade ihr Opfer Lady Nelson. Die Bilder von Ana Miralles fangen die Atmosphäre gekonnt ein endlich einmal eine Grafikerin in dieser ansonsten doch sehr von Männern dominierten Domäne. Aber vielleicht gelingt es dank einer Künstlerin erst richtig den Gegensatz von Erotik und Gefahr einzufangen. Wer weiß, ob ein Mann dazu in der Lage wäre?

Eine faszinierende Geschichte auf zwei Zeitebenen, in der Vergangenheit eindeutig leiser, ein wenig gruseliger, aber auch erotischer, in der Gegenwart lauter, kühler, beinahe auf den Ruinen der Vergangenheit tanzend, sehr schön erzählt und noch schöner gemalt. :-)

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