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Comic Blog


Samstag, 14. Juni 2008

Largo Winch 10 – … und sterben

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 19:01

Largo Winch 10 - ... und sterbenKaum in Venedig eingetroffen, hat Largo schon mit der Polizei zu tun – die ihm, wie so oft, nicht so richtig helfen kann oder will. Was bleibt ihm anderes übrig, als auf die Hilfe von Domenica Leone zu setzen, die sich in der Stadt bestens auskennt.
Largo kann indessen nicht ermessen, wer seine wahren Gegner sind. Ebenso wenig ahnt er, wer ihm noch zur Seite steht. Schließlich sind Tricks und Schläue gefragt, bevor es für Largo wieder zu einer lebensgefährlichen Situation nach der anderen kommt.

… die Schönheit deiner Stadt hast du mir dargetan, bis ihre Lieblichkeit mir in Tränen gerann. – Das kleine Zitat von Ezra Pound vorweg beschreibt die Grundstimmung der Geschichte sehr schön, wie auch sehr rätselhaft.
Und so ist in der abschließenden Episode dieses Abenteuers nach Venedig sehen … nun … und sterben angesagt. Auch Venedig ist eine Stadt der Liebe, ein Aspekt, der neben den Wirren aus Intrigen, Tragik, Dramatik und Action nicht ausgelassen wird.

In Venedig ist alles etwas anders. Die Mühlen der Justiz mahlen anders. Die Liebe flammt schnell und mit heftiger Leidenschaft auf. Ehre wird hier immer noch groß geschrieben und ein Maskenball kann in einem Kampf auf Leben und Tod enden.
Mehr noch als in der ersten Episode schöpft Philippe Francq aus den tiefsten Tiefen der Mythen Venedigs und macht die gesamte Stadt zu einer perfekten Bühne für diesen Abenteuer-Thriller (der noch neugieriger auf die anstehende Kino-Verfilmung der Figur Largo Winch macht).

Eine Verfolgungsjagd ist eine Sache, wenn diese jedoch mit Motorbooten in der Lagune von Venedig stattfindet, erhält die Szene ein ganz besonderes Flair. Was bei James Bond und Indiana Jones funktionierte, gelingt hier noch mal so gut.
Hier geht es noch einen Schritt weiter. Ein besonderer Kern der Geschichte dürfte die Auseinandersetzung mit der Stadt Venedig sein. Hier ticken die Uhren anders, wie man so schön sagt. Der Bösewicht (genauer, einer der Bösewichte) verfolgt ein hehres Ziel, wählt nur leider die falschen Mittel. Ein wenig in alten Denkweisen gefangen, gerät ein Maskenball zu einem Schlüsselerlebnis dieser spannenden Handlung, inklusive eines altmodischen Schwert- und Messerkampfes in venezianischen Kostümen.

Philippe Francq hat seine Hausaufgaben gemacht. Italienische Lebensart, wie sie auch andere Autoren zu nutzen wussten, und die grandiose Kulisse machen dieses Abenteuer innerhalb der Reihe – wie auch die asiatischen Abenteuer – zu einem Höhepunkt.
Die Auflösung zahlreicher Rätselknoten, das Spiel mit den Figuren ist hervorragend. Eine der besten Figuren in diesem Spiel, leider auch eine tragische, ist Cedric Haynes, der in Butler-Verkleidung und unter falschem Namen eine Weile für Largo Winch arbeitet. Mit dem Benimm einer Butler-Schule und der Wehrhaftigkeit eines soldatischen Veteranen ist dieser Charakter immer für eine Überraschung gut, die Francq perfekt zu platzieren versteht.

Als Zeichner kann Jean van Hamme natürlich tolles Vorlagenmaterial in Venedig finden. Wie von Francq geschrieben, nutzt er die Kulisse der alten Stadt. Ihre Fassaden, Kanäle, die Touristenattraktionen, aber auch Innenräume, Hotelzimmer, Paläste, alte Kirchen – alles ist etwas feiner, exquisiter, zerbrechlicher, auch romantischer. Ganz zwangsläufig stellt sich hier eine völlig andere Atmosphäre her als im modernen New York mit seinen Wolkenkratzern.
Van Hamme darf außerdem einen etwas reiferen Largo Winch zeichnen. Diesem Largo wird die Versuchung zwar ebenso häufig wie sonst auch wie eine überreife Karotte vor die Nase gehalten, aber er schnappt nicht danach, wenn die Pflicht ruft. So kommt auch optisch die erotische Seite der Serie nicht zu kurz, aber Largo gestattet sich nicht immer, ihr auch zu erliegen.

Mit Domenica Leone haben beide Macher, Francq wie auch van Hamme, eine Prachtitalienerin geschaffen, die mit einer frühen Sophia Loren perfekt besetzt gewesen wäre. Sexappeal, Temperament, Aussehen, Wandlungsfähigkeit sowie ein künstlerischer, draufgängerischer Touch machen aus der Frau einen herausragenden Charakter innerhalb der Serie. Außerdem harmoniert Domenica durch ihre zur Schau gestellte Stärke sehr gut mit dem verspielten, aber durchsetzungsfreudigen Winch, so dass es für den Leser wünschenswert wäre, käme diese Figur noch einmal zum Einsatz.

Dank toller Kulisse in Venedig und eines überaus ausgefeilten Plots eines der besten Abenteuer der Reihe. Am Schluss kann man nach einem atemlosen Endspurt nur sagen: Schade, dass es schon vorbei ist. :-D

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