Mittwoch, 09. April 2008
Das kleine Motorschiff kreuzt über die ruhige See. Am Heck müht sich ein genervter Homer Simpson mit seiner Angel ab. Für Homer Simpson und den alten Van Houten sollte es eigentlich ein Tag sein, an dem sie mehr Zeit für ihre Söhne Bart und Milhouse haben. Aber irgendwie entwickelt sich die kleine Bootsfahrt zu einem gehörigen Schuss in den Ofen.
Homer fängt rein gar nichts in dem Gebiet, in dem das Schiff kreuzt. Van Houten muss sich andauernd übergeben, ein Umstand, der es für Milhouse wenig interessant macht, sich mit seinem alten Herrn zu unterhalten. Einzig Bart hat seinen Spaß. Einerseits kann er seinen Vater mal wieder auf den Arm nehmen, andererseits wird ihm inmitten dieser ulkigen Typen keine Minute langweilig.
In der 138. Ausgabe der Simpsons Comics kann der Leser noch vor Öffnung des Heftes erahnen, wohin es die gelben Männleins diesmal verschlägt. Die Episode heißt nicht umsonst Der kahle Mann und das Meer in Anspielung an den Klassiker von Hemingway Der alte Mann und das Meer. Und wer von dem Cover schockiert sein mag: Keine Bange, Homer wird seine Marge nicht auffressen, auch wenn es in dieser Parodie des Posters zum Film Der weiße Hai so ausschauen mag.
Homers Herausforderung, an die Meeresoberfläche gerichtet, wird leider nicht besonders ernst genommen, weder über noch unter der Wasseroberfläche:
Hört ihr, Fische? Ich werde euch fangen!
Aufgeheitert durch den Kapitän, der Mut zu machen versucht (Captain McCallister sagt, das Meer sei ein gemeines Flittchen.), praktizieren zwei Väter vor ihren Söhnen das alte Spiel, bloß nicht allzu dumm in einer echten Männerangelegenheit dazustehen. Leider fängt der eine keine Fische, während der andere dauernd dieselben füttert, oral wie auch mit dem Ködereimer. Aber die Fans von Homer Simpson wissen: So schnell gibt ein Simpson nicht auf.
Auf offener See, wo die Wellen noch höher sind, werden auch die Gags noch zahlreicher und die Anspielungen auf diverse Geschichten und Personen noch deutlicher. Ähnlich wie der Fischer Santiago in Der alte Mann und das Meer gibt auch Homer seinen Kampf mit den Elementen nicht auf. Schließlich beißt doch einer an und mit diesem Fang kommen, wie hätte es anders sein können, nachdem mit derart viel Blutfischsuppe angeködert wurde, die Haie.
Dass ausgerechnet die Zusammenarbeit von Homer und Bart die beiden Van Houtens einander wieder näher bringt, ist eine ziemliche Überraschung. Im gemeinsamen Kampf, vier Mann gegen einen Fisch, schließlich gegen drei Haie sind schließlich alle Beteiligten auf einer Wellenlänge.
Die Anspielungen fallen in dieser Ausgabe etwas geringer aus, als es der Leser gewohnt sein mag. Auch dürften diese Anspielungen und Seitenhiebe als deutliches Beispiel dafür gelten, dass die Simpsons auch ein älteres Publikum ins Auge fassen, denn bei den jüngeren Lesern dürften Geschichten von Hemingway wohl kaum auf Interesse stoßen.
Der Humor entsteht hier in erster Linie aus der Situationskomik, Homers Einbildungskraft sowie dem Geschehen zwischen Vätern und Söhnen.
Ein solider Simpsons Comic mit gewohntem Witz, bei dem Homer überaus menschlich daher kommt und sich die Simpsons Männer außerordentlich gut vertragen. 🙂
Montag, 07. April 2008
Die Verabschiedung ist herzlich, die Sorge ernst gemeint, als der Weltraumpilot Storm die Kontrolle über sein Schiff verliert und mit ihm hilflos im großen Sturm des roten Flecks auf dem Planeten Jupiter daher trudelt. Wenig später geht die Verbindung zur Raumstation verloren.
Plötzlich endet die enorme Beschleunigung, die Storm bewusstlos werden ließ. Zu seinem Erstaunen ist der rote Fleck wie auch die Raumstation verschwunden. Storm setzt Kurs auf die Erde. Die automatische Steuerung übernimmt den Rest. Doch die Landung auf dem Kennedy Space Center gerät zum Fiasko. Florida, einst heiß und tropisch, liegt unter einer Schneedecke begraben.
Der Silbermann führte einen Aufstand der Menschen gegen die Fischwesen an. Commander Grek konnte schließlich über Kundar, das Fischwesen mit dem Gesicht eines Feuerfischs siegen. – Mehr oder weniger jedenfalls.
Das war ein Anfang, aber nicht der Anfang. Das Grundkonzept von Storm ist aber bereits erkennbar. Für eine Serie konnte Commander Grek nicht taugen. Am Ende war er zu einem Mischwesen geworden, einem Mittler zwischen den Völkern.
Die Geschichte um Storm beginnt in der Welt einer raumfahrenden Menschheit. Bereits nach dem kurzen Einstieg möchte man mehr über diese Welt erfahren. Leider kommt es nicht dazu. Allerdings, im weiteren Verlauf, erhält der Leser später einen kleinen Überblick über die Geschichte eines Teils der Menschheit. Der Mandroid erläutert Storm und Rothaar, Storms neuer Begleiterin, das Schicksal dieser merkwürdigen Welt.
Es ist eine klassische Science Fiction Abenteuergeschichte, die den Leser mit auf eine Reise nimmt. Philip „Saul“ Dunn erzählt im Stile einer Endlosgeschichte und schlägt immer wieder neue Haken. Nachdem die Handlung zuerst im Weltall beginnt und später auf die eisigen Höhen eines Hochplateaus wechselt, findet sich der Held in der tiefen Welt wieder. An dieser Stelle fällt der Startschuss zu einer Handlung, in der von da an alles möglich ist.
Storm erlebt mit seiner Neuauflage auch eine optische Überarbeitung, die nach all den Jahren aufzeigt, was in Don Lawrence alles drin steckte. In älteren Ausgaben war seine Farbtechnik bereits bewundernswert und vorbildhaft, in dieser Neubearbeitung lassen sich durch das erneute Einscannen der Originalvorlagen und der Anwendung eines frequenzmodulierten Rasters im Druck völlig neue Einsichten über die Techniken von Don Lawrence gewinnen.
Jeder einzelne Farbauftrag, jeder Strich, genauer jedes Strichlein ist erkennbar und zeigt, wie der Altmeister in seinen jungen Jahren zu Werke ging.
Wer sich die Fülle dieser kleinen Striche genauer ansieht, kann sich wenigstens ausmalen, dass in einer einzelnen Seite von der Bleistiftskizze bis zum fertigen Farbbild sehr viel Arbeit steckt. In einem Interview von 1986 zu Storm (im Band Vandal der Zerstörer) äußerte sich Lawrence zu seiner Arbeit und erwähnte, dass ihn das Kolorieren eher langweilt. Sollte das tatsächlich der Fall gewesen sein, dürfte er nicht nur zu den akribischsten, sondern auch zu den diszipliniertesten Künstlern im Comic-Genre gehört haben.
Architektonisch gibt es keine großen Herausforderungen in diesem Band. Landschaftlich jedoch versteht Lawrence sich auf die verschiedensten Bereiche. Dschungel und die anschließenden Wassermassen dürften ihn – um aus dem alten Interview zu schöpfen – in der Tat sehr gelangweilt haben, denn was sich dem Auge hier bietet, ist sehr viel Arbeit.
Die Gestaltung der einzelnen Kleidungen, der Geräte und Waffen ist ein Zeichen ihrer Zeit. Bereits in Trigan konnten die eher schlichten Fahrzeuge begutachtet werden, die optisch den Eindruck vermittelten, einem Zweck zu dienen. Irgendwie konnte stets das Grundprinzip Starfighter angewendet werden: Es muss fliegen und sollte nach Möglichkeit nicht herunterfallen. Lange Röhren mit Stummelflügeln, praktische Konstruktionen, die nie einen Design-Preis gewinnen würden, zogen sich durch das alte Reich. Diese Linie zog sich erst einmal in Storm fort. Wer Storms Schiff oder die kleine Personenbahn betrachtet, versteht sehr schnell, was gemeint ist. Diese Einfachheit setzte sich auch in der Kleidung fort. Beispielhaft hierfür sind die Anzüge der Wachen auf der großen Mauer.
Seltsamerweise – und hier muss der Trick verborgen liegen – kommt nicht der Eindruck auf, dass man als Leser etwas vermissen muss. Ganz offensichtlich funktionieren all die Fahrzeuge und Ausrüstungsgegenstände ganz hervorragend. Bewundert habe ich stets die Schwerter, die so gar nichts von der Eleganz in anderen Bildproduktionen haben, sondern vielmehr ungeschlacht und grob durch ihre sehr breiten Klingen erscheinen. Aber auch hier gilt: Funktion vor Aussehen. Mit ihren schartigen Schneiden komplettieren sie nur eine dicht ineinander verwoben entworfene Welt.
Ein Neubeginn, auf den die Fans lange warten mussten, in einer Qualität, die es bisher so nicht von Storm zu sehen gab. Ein sorgfältiger Anhang mit weiteren Informationen und Grafiken von Lawrence – besonders sehenswert alternative Cover- und Posteransichten – setzen dieser Neuausgabe der Collectors Edition das Sahnehäubchen auf. 😀
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Sonntag, 06. April 2008
Khera! Endlich daheim! Dumm nur, wenn einem die Heimat so fremd ist. Fremder noch als das Asyl auf der Erde, dem man so lange Zeit ausgeliefert war. Dieses Gefühl beschleicht die WildC.A.T.S. nicht nur. Es springt sie regelrecht an!
Die, die einmal die WildC.A.T.S. haben noch mehr zu tun, als mit ihrer Heimat fertig zu werden. Zwar haben sie endlich den Weg nach Hause gefunden, leider müssen sie aber auch feststellen, dass sie vergessen wurden. Niemand hat auch nur im mindesten daran gedacht, ihnen mitzuteilen, dass der Krieg gegen die Daemoniten vorüber ist.
Auf der Erde ist es auch nicht einfach. Das Ersatz-Team funktioniert noch lange nicht mit der gleichen Verbundenheit der alten WildC.A.T.S.
Ladytron ist eher ein Punk als ein Superheld. Sie ist jemand, für den die Action im Vordergrund steht. Ihre Integration stellt eine große Herausforderung für ihre neuen Team-Mitglieder dar. Bisherige Simulationen waren ein Flop. Nach der 17. Variante, an deren Ende Tao wieder einmal von ihr getötet wurde, startet das Programm erneut.
Zwei Erzählebenen, eine Unmenge von Helden und auch Feinden machen es dem Einsteiger in das Wildstorm-Universum nicht gerade leicht, der Geschichte zu folgen.
Alan Moore ist der Autor hinter den WildC.A.T.S.. Der Autor selbst ist durch seine sehr bekannten Veröffentlichungen eine Größe im Comic-Geschäft. Aus seiner Feder stammen Geschichten wie V wie Vendetta, Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen und das sehr ausdrucksstarke From Hell. Die WildC.A.T.S. sind etwas seichter, leichtere Kost, aber Moore versäumt es nicht, zu erzählen. Sehr viele Informationen prasseln auf den Leser ein. Zahlreiche Figuren werden vorgestellt, deren Relevanz für die Geschichte sich mit vielen anderen deckt. Das ist ein ungewöhnliches Konzept. Wer einen Vergleich anstellen möchte, kann diesen zur JLA ziehen. Hier herrscht eine ähnliche Fülle der Charaktere.
Der Erfolg der WildC.A.T.S. war groß genug, um mit den Alteingesessenen der Branche ein Stelldichein zu haben, so mit der erwähnten JLA, den X-Men oder auch Spawn.
Wir begegnen den WildC.A.T.S. in einer Umbruchphase. Auf Khera heißt es für jeden der Neuankömmlinge sich neu einzufinden. Dabei geht jedes Mitglied seinen Wurzeln nach, frischt alte Kontakte auf oder schafft neue. Das gestaltet sich teilweise schwierig, denn die kulturellen Identitäten sind kaum vorhanden, so dass mitunter sehr stark ins berühmte Fettnäpfchen getreten wird.
Moores Erzählweise ist geschickt gewählt, zeigt sie doch die verschiedenen Kulturen auf dem fremden Planeten, offenbart gleichzeitig die Fertigkeiten der einzelnen Charaktere und stellt sie vor eine neue Aufgabe.
Dieser Erzählstrang ist der elegantere.
Auf der Erde hingegen ist die Geschichte über die Zurückgebliebenen deutlich komplizierter, da hier mehr Wert auf Wiedererkennung gelegt wird. Allerdings sind die Figuren – ein großes Plus von Moore – gleich von Beginn an durch eine gute Wahl von Details derart vielschichtig, dass bei all der anfänglichen Verwirrung keine Langeweile. Exemplarisch hierfür ist eine Figur wie Tao, ein Name der als Abkürzung für taktisch angereicherter Organismus steht. Tao ist geheimnisvoll, wägt ab, seziert im Geiste und legt nie das gesamte Ausmaß seiner geistigen Fähigkeiten offen.
Grafisch wurde einige Ausnahmetalente für die WildC.A.T.S. an den Zeichentisch geholt. Beispielhaft sind sicherlich Travis Charest, der bei Jim Lee in die Lehre gegangen sein könnte. Zeichner wie Dave Johnson und Kevin Nowlan pflegen einen ähnlich grafisch zerbrechlichen Stil wie ein Leinil Francis Yu. Die sorgfältige Kolorierung drängt sich nicht in den Vordergrund, ist schlicht, setzt ins rechte Licht, aber ist nicht sehr experimentierfreudig.
Insgesamt stellen sich sehr kraftvoll aussehende Bilder dem Leser vor. Wer die Daemoniten erblickt, mag sich an jene Wesen erinnert fühlen, wie sie auch der Negation im vergangenen Crossgen-Universum dienten.
Interessant ist auch der Wandel in den Erzählbögen. Am Ende ist der komplizierter ausschauende Strang der (rein subjektiv) gelungenere, während die Geschichte auf Khera spielend an Tempo verliert und weniger leicht zu verfolgen wird.
Abseits von DC und Marvel gibt es noch andere, ungewöhnliche Helden. Es lohnt sich für den Superhelden-Fan, diese zu erkunden, denn mit neuen Fähigkeiten und neuen Welten kommen auch abgewandelte Erzählformen, die nicht so eingängig sind, dafür aber umso nachhaltiger faszinieren. 🙂
Samstag, 05. April 2008
Auf Yahoo findet sich ein neuer Trailer zur 2. Verfilmung von Hellboy. Im Trailer werden einige Aspekte rund um die Geschichte klarer. Für jeden ersichtlich treten nun Krieger der Golden Army in Erscheinung und lassen die Bedrohung greifbarer werden. Die Bilder sind phantastischer als im ersten Teil. Fast wirkt es, als würde Guillermo Del Toro Anteile seines Pans Labyrinth und Inspirationen von Clive Barkers Cabal – Die Brut der Nacht einfließen lassen.
Die Umsetzung scheint jedenfalls wieder treffend zu werden – und falls jemals ein Schauspieler für eine Rolle geboren worden ist, (wenn man von Pierre Brice als Winnetou absieht) dann ist es Ron Perlman als Hellboy. Leider kommt die neue Verstärkung im Trailer noch etwas zu kurz. – Aber man soll als Fan nicht undankbar sein. Zum Teil sind die Trailervorschauen derart umfangreich geworden, dass so mancher Kinofilm kaum noch Überraschungen bietet. Auf jeden Fall scheint es ein Film zu werden, der durch seine Bilderwucht einfach auf die Leinwand gehört.
Zum Trailer auf Yahoo.
Freitag, 04. April 2008
Die Daltons kommen gerade erst wieder im Gefängnis an. Doch es dauert nicht lange, da fühlen sich Joe Daltons Nerven vom scheinbar ewigen Predigen des falschen Propheten etwas überstrapaziert. Wie es Joes Art ist, lässt ein Wutausbruch nicht lange auf sich warten. Aber Joe ist auch ein gewieftes Kerlchen und bald, sehr bald, nimmt ein neuer Ausbruchsplan Gestalt an.
Zuvor müssen einige Gefängnisinsassen, und die übrigen Dalton-Brüder ganz besonders, zu ihrem Erstaunen feststellen, dass die Worte des Propheten bei einigen auf fruchtbaren Boden zu fallen scheinen. Wenn Averell Dalton nichts mehr essen will, dann ist etwas faul im Knast.
Die Abenteuer mit dem falschen Prediger liegen noch nicht lange hinter Lucky Luke, da hat er bereits wieder eine Begegnung der besonderen Art. Diesmal jedoch lernt er einen Mann kennen, der ganz auf seiner Linie liegt. Frederic Remington ist von Zuhause wieder einmal auf und davon und malt seinen Wilden Westen. Remington, kurz Fred, ist ein Genussmensch. Er liebt seiner Malerei, er liebt eine zünftige Mahlzeit, Whisky und zuweilen auch eine gute Schlägerei.
Während seiner Ausflüge lebt er jedoch alles andere als ungefährlich. Aus diesem Grund stellt man ihm einen Mann zur Seite, der schneller schießen kann als sein Schatten: Lucky Luke.
Damit beginnt für den einsamen Cowboy wohl eines seiner vergnüglichsten Abenteuer.
Der Wilde Westen ist bereits zu seinem eigenen Mythos geworden, als Lucky Luke die Einladung erhält, an einer Wildwestshow unter der Leitung des berühmten William Cody teilzunehmen, der noch berühmter unter dem Namen Buffalo Bill ist. Aber für Luke ist das alles ein riesiger Zirkus, was es in Wahrheit auch größtenteils ist. Und es ist auch das berühmte Showbusiness. Alles ist irgendwie überzogen, Berühmtheiten kommen und vergehen in Windeseile. So werden auch jene verehrt, die in den Knast gehören (wo sie auch gerade sind) – die Daltons nämlich. Denn nachdem vier Doubles ihre Rolle in der Wildwestshow übernommen haben, erhalten die echten Daltons plötzlich eine Anerkennung, die sie nur zu einem nutzen: zur Flucht.
Der Prophet, Der Kunstmaler und Eine Wildwest Legende sind die letzten Abenteuer, an die Morris Hand anlegte, bevor er im Jahre 2001 überraschend starb. Bis ins hohe Alter hat er an seinem Lucky Luke gearbeitet, der inzwischen schon Generationen mit seinem Humor begleitet hat.
Die letzten drei Bände, die in der Gesamtausgabe 1999-2002 versammelt sind, beschäftigen sich mit drei Themen. Ersteres, Der Prophet, hat einen oberflächlichen Humor und zeigt dem Leser einen Prediger, der einen Haufen Unsinn daher redet und dem es tatsächlich gelingt, mit seinem Geschwätz einige leichgläubige Geister zu beeindrucken. Darunter sind auch Averell Dalton und Rantanplan, der Hund, der im Gefängnis … Nun, was er eigentlich im Gefängnis macht, weiß niemand so genau.
Paradise Gulch, in dem sich der Prediger und die Daltons kurzzeitig niederlassen, wirkt sehr unamerikanisch – und auch wieder nicht. Denn nirgends auf Welt gibt es wohl eine derartige Religionsvielfalt mit unzähligen Glaubensnuancen wie in den Vereinigten Staaten. Patrick Nordmann trifft im Szenario dort mit seiner Satire, wo es treffen soll, bei den falschen Heiligen, die schon ein Steve Martin aufs Korn nahm.
Der geläufige Humor bleibt nicht außen vor. Im Gegenteil sind die Daltons sehr zentral in der Geschichte platziert – und auch deplatziert. Denn wie raubt ein ehrenwerter Bandit eine Bank aus, wenn es am Ort keine einzige Bank gibt? Und kein Geld? Allein aus dieser Konstellation scheint die Geschichte ganz automatisch ihren Lauf zu nehmen.
Mit Frederic Remington und Buffalo Bill wurden zwei amerikanische Prominente ausgewählt, die beide auf ihre Art zur Bildung der Legenden über die Romantik des amerikanischen Westens beigetragen haben.
Remingtons Bilder zeigen Szenen des Lebens, des Kampfes, die zeigen Charaktere, die den Weiten des Westens gelebt haben. Er unterschied nicht zwischen den Hautfarben. Seine Bilder werteten nicht. Mit einem lebhaften und das Leben liebenden eigenen Charakter ausgestattet verschwindet Remington zeitweise in der Prärie, bevor wieder in die Zivilisation zurückkehrt.
Bob de Groot beschreibt einen Mann, überzogen zwar, aber einen Künstler, der selber mit seiner Lebensart ins Bild passt und die gängigen Künstlerklischees bedient. Dank dieser Figur entsteht eine tolle Komödie, bevor Patrick Nordmann wieder die Schreibmaschinentastatur übernimmt und die nächste Wildwest Legende in den Mittelpunkt stellt.
Buffalo Bill alias William F. Cody dient zur Skizzierung eines Showbusiness, wie es anscheinend nur Amerikaner erfinden konnten. Laut und grell, mit richtigen Promis oder B- und C-Promis, mit Managern und Agenten und Künstlern, die eigentlich gar nichts können. Dies wird besonders schön persifliert, wenn ein Pferd seinen Kopf von selbst unter das herabfallende Lasso hält, um gefangen zu werden. – Was soll es auch anderes machen, wenn Joe Dalton das Lasso kerzengerade nach oben wirft? Dort sind eben keine Mustangs.
Morris schickt seine vier Banditen ganz in Weiß auf die Bühne, ähnlich wie er es Lucky Luke und dem weißen Reiter tat und entwirft zuletzt noch eine kleine Hommage an das eigene Schaffen. So schließt sich letztlich der Kreis.
Zum guten Schluss von Morris’ Werk noch ein gelungener Blick auf den Wilden Westen, als er so langsam begann, nicht mehr ganz so wild zu sein. Patrick Nordmann und Bob de Groot bieten Humor, Satire und Slapstick – ganz so wie in den guten alten Zeiten von Lucky Luke. 🙂
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Mittwoch, 02. April 2008
Der Tod macht keinen Spaß. Ganz besonders nicht, wenn man ihm in einem düsteren matschigen Hinterhof begegnet, kniend, mit dem Lauf einer Waffe am Kopf. Die Augen sind geschlossen, als der Schuss knallt. Warum soll man dem Tod sehenden Auges begegnen, wenn der Abgang schon so deprimierend ist?
Dabei hatte alles so einfach begonnen. Ein alter Freund wollte nur, dass Cole ihm den Rücken freihält. Lynch, ein Kumpel, mit einem Plan – und plötzlich mit Fähigkeiten ausgestattet, die so keinen Sinn zu machen scheinen. Warum hat Lynch seine Kräfte verstärken lassen? Wer ist so wichtig und gefährlich, dass Lynch auf ihn Jagd machen, ihn ausschalten muss?
Point Blank ist nicht nur der Name des vorliegenden Comics, sondern auch der eines Film-Klassikers mit Lee Marvin. Kompromisslosigkeit ist beiden Thrillern zueigen. Ähnlich wie Walker alias Lee Marvin folgt auch Cole Cash unbeirrt der Spur, angespornt einzig vom Rachegedanken. Wer verübte den Anschlag auf seinen Freund Lynch?
Ed Brubaker kennt sich in der alten Comic-Szene ebenso aus, wie er auch Anteil an den neuen Universen hat. Ein umfangreicher Informationsteil im Anhang des Comics beschreibt die Entstehung des Wildstorm-Universums, in der Superhelden existieren, die deutliche Anleihen an bekannten Charakteren genommen haben, aber auch eindeutig realistischer zu sein versuchen – ja, sogar ein wenig parodistischer.
Der Superheld ist zur Bedrohung geworden, auch bei Marvel und D.C., sicherlich eine Folge jener kleinen Revolution, die mit den stärker werdenden kleinen Labels der letzten Jahre einherging. Im vorliegenden Band schwebt diese Bedrohung immer über dieser düsteren Welt, sind Geheimdienste und dunkle Mächte am Werk.
Cole Cash will es nicht einsehen, aber auf seine Art ist er ein Spielball. Tao, das Supergehirn, jener hyperintelligente Psychopath, hat seine Fäden so geschickt gesponnen, dass Cole Cash nichts anderes machen kann, als darüber zu stolpern. Autor Ed Brubaker kennt sein Metier. Bei Superhelden wie auch Thrillern ist er Zuhause, wie er mit Captain America, aber auch Gotham Central oder Criminal beweisen konnte. Aber er kennt noch mehr. Denn je weiter die Figur Cole Cash sich in dieser Geschichte verliert, wird die Erinnerung an einen Mystery-Thriller wie Angel Heart wach.
Mehr soll nicht verraten werden, um die Pointe nicht vorwegzunehmen, aber das Schema der Geschichte ist ähnlich. Auch soll dieser Vergleich kein Vorwurf sein, denn die Grundidee trägt auch Point Blank und passt zu einer Rachegeschichte, die wohl zu den klassischsten Handlungen im amerikanischen Thriller-Genre gehört. Eine wichtige Besonderheit dieser Geschichte ist die Normalität, mit der über die Helden und die Schurken erzählt wird. Die kleine Bar, in der die Kostümierten verkehren und sich selbst irgendwie zum Narren machen wie auch der Gauner-Laden, in dem ehemalige Heldinnen wie Kenesha, die frühere Savant, auf der Suche nach einer schnellen Nummer sind. Diese Beispiele reißen den Helden auf menschliches Niveau herunter, sogar noch darunter, denn die Allmacht dieser Charaktere wird von selbigen letztlich mit Füßen getreten.
Für die grafische Umsetzung dieser Schmutzigkeit, dieser allgegenwärtigen Verkommenheit, dieser Hoffnungslosigkeit all dieser Underdogs wurde mit Colin Wilson eine perfekte Wahl getroffen. Mit der Jugend von Blueberry konnte er bereits Erfahrung mit Geschichten sammeln, die tough guys im Mittelpunkt des Geschehens haben. Wer den Zeichenstil von Wilson betrachtet, könnte dem Glauben verfallen, dass der Künstler mit dieser Art der Bilder zur jüngeren Generation gehört. Aber weit gefehlt. Wilson hat inzwischen nicht nur einige Lebensjahre gesammelt, sondern auch reichlich Erfahrung.
Wer die Bilder in ihrer Machart beschreiben möchte, könnte sie eine Mischung aus altem Jean Giraud und jungem Eduardo Risso nennen. Wilson könnte tatsächlich ein gestalterischer Erbe von Giraud sein. Seine Männer sind kernig, seine Frauen glatt und attraktiv. Aber da ist manchmal auch ein wenig Risso. Es sind geschwungene, leicht abstrahierte Ansichten, besonders dort, wo die Gesichter entweder grobschlächtiger oder einfacher sind, mit rasierten, sauberen Zügen.
Wilsons Grafiken benötigen keine aufwendige Kolorierung. Wieder einmal ist ein Rückschritt von jenen überbordenden Kolorierungen festzustellen, die sich im Zuge des Computers immer weiter gegenseitig übertrumpft haben. Grafik vor Geschichte schien es zu heißen. Inzwischen stehen Grafik und Geschichte häufig wieder gleichberechtigt nebeneinander. Eine glanzvolle Kolorierung erfolgt nur noch da, wo es Sinn macht. Hier gibt Janet Gale einer Gangster-Unterwelt ihr Licht und ihre Farben. Sie macht dies verhalten und gibt den Farben dort Gewicht, wo es gebraucht wird. Ein Schuss blitzt, Blut tropft rot auf einer grauen Wand, die Tiefe ist schwarz, gähnend, die Nacht eine stete Dämmerung, auf der kein Morgen folgen wird – mit einem Wort ist die Kolorierung atmosphärisch zu nennen. Es ist perfekt so, wie es ist.
Als Krönung finden sich im vorliegenden Band die Cover zu den Einzelausgaben einerseits von Wilson selbst, andererseits von Simon Bisley, dessen Bilder aus der gleichen Schule zu kommen scheinen wie die eines Glenn Fabry. Immer etwas anarchistisch, aber auch stets auf einem technisch perfekten Niveau.
Eine Gangstergeschichte mit einem knallharten Hauptcharakter, der einem ganz eigenen Ethos folgt: Man verarscht Cole Cash nicht. Wer es dennoch versucht, hat nur eine Strafe verdient. Brubaker und Wilson nehmen ihre Leser mit auf einen klassisch spannenden Thriller-Trip. So, wie es sich gehört! Cool. 🙂
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Es ist keine leichte Zeit im Wilden Westen, aber immerhin haben die Bleichgesichter mit den Rothäuten einen Frieden besiegelt – einen äußerst wackeligen Frieden. Die Bewohner von Daisy Town geben sich die größte Mühe zur Einhaltung dieses Friedens, aber ein Quertreiber wie Joe Dalton könnte alles zunichte machen.
Daisy Town war zu Beginn ein feines kleines Städtchen. In mühevoller Kleinarbeit haben die Einwohner ihre Ortschaft mitten in der Prärie erbaut. Als irgendwann das Verbrechen Einzug hielt und die Tunichtgute jedem Sheriff den Garaus machten, konnte nur noch einer helfen: Lucky Luke.
Seit Lucky Luke Sheriff ist, ist vieles besser geworden, ruhiger – aber auch langweiliger. Nichts geschieht mehr. Gesetzlose landen entweder hinter Gittern oder werden aus dem Ort geworfen. Selbst der einfache Bürger, der sich anfangs über Luke rigoroses Eingreifen freute, empfindet ein wenig Grimm bei seinem allzu ruhigen Städtchen.
Eines Tages tauchen alte Bekannte auf, vier Brüder, welche die meisten nur schlicht als die Daltons kennen. Lucky Luke kann nichts unternehmen, denn da die Gefängnisse überfüllt sind, haben ein paar Übeltäter ihren Platz in den Zellen für die Nachkömmlinge räumen müssen. – Und wer hat den Strafvollzugsbehörden diesen Nachschub beschafft? Lucky Luke!
So muss sich der gute Lucky eine andere Möglichkeit ausdenken, um mit der Situation fertig zu werden.
1991 erweckte Terence Hill, absolut Komödien- und Western-erfahren, einen Comic-Helden für die Leinwand zum Leben, der zu den langjährigsten Begleitern vieler Comic-Fans gehört: Lucky Luke.
Überschattet vom Tode von Terence Hills Sohn Ross entstand dennoch eine feine Produktion, deren Handlung sich auf die Comic-Vorlage Daisy Town stützt, die als Band 40 der langen Reihe erschien, die inzwischen über 80 Ausgaben umfasst.
Terence Hill versucht gar nicht erst optisch dem zeichnerischen Original nachzueifern. Mit Staubmantel eher klassischen Western-Outfit verleiht er der Figur weitaus mehr Ernsthaftigkeit als in jüngeren Produktionen zu sehen. Diese Ernsthaftigkeit gibt der Figur viel mehr Volumen, denn an ihrer Seite bleibt so viel mehr Platz für die eigentlichen Komödianten – ganz so wie im gezeichneten Original.
Ganz vorneweg ist hier natürlich Jolly Jumper zu nennen. Durch die Synchronstimme von Wolfgang Völz, knotterig, knurrig, nordisch angehaucht, lebt der weiße Hengst so richtig auf und seine Kunststückchen kommen so richtig zur Geltung. (Wer sich unter der Stimme von Wolfgang Völz nichts vorstellen kann, sollte einmal an Käpt’n Blaubär denken, dem Völz durch seine Stimme auch Charakter verleiht.)
Ebenso wichtig ist Ron Carey in der Rolle von Joe Dalton. Nicht ganz so klein, nicht ganz so schlank, verkörpert Carey den Revolverhelden mit der nötigen Arroganz und den nötigen Wutausbrüchen. Zu Beginn der Dreharbeiten konnte Carey auf ein lange Schauspielkarriere zurückblicken und unterstreicht mit seinem Können das, was auf die gesamte Produktion zutrifft: der nötige Ernst.
Als Zuschauer fällt es immer schwer über Figuren zu lachen, die von Schauspielern verkörpert werden, die ihre Rolle nicht ernst nehmen. Das trifft auf Komödien zu, mehr noch auf Comic-Verfilmungen.
Carey tritt in der besten Schauspieltradition eines vergleichbaren Bob Hoskins an, von ähnlicher Gestalt, mit einem ähnlich verschmitzten Lächeln und mit ähnlicher Energie. Wenn Joe Dalton (Carey) endlich alle hinter sich glaubt, seinen Plan aufgehen sieht und schließlich mit seinen Brüdern allein vor den Einwohnern steht und sich die Indianer die ganze Szenerie nur kopfschüttelnd anschauen, dann entsteht richtiges, echtes Lucky Luke-Gefühl.
Fritz Sperberg gibt einen herrlich überdrehten Averell Dalton, der mit seiner phantasievollen Kriegsbemalung nicht nur die Indianer überrascht. Oldtimer kann das Lachen nicht lassen, wenn in Daisy Town wieder ein Halunke dingfest gemacht wird. Nichts wurde vergessen. Gleich zu Beginn kann man Luckys Training beobachten. Immer schneller wird er, bis es ihm endlich gelingt, schneller zu ziehen als sein Schatten. Und wenn die einzelnen Stämme untereinander wild per Rauchzeichen kommunizieren, spätestens dann schwankt man als Zuschauer und Lucky Luke-Fan zwischen Schmunzeln und Brüllen.
Als besonderes Bonbon steuert Roger Miller den Titelsong bei. Bekannt wurde Miller durch seinen unsterblichen Song King of the road. Hier singt er Lucky Luke rides again.
Ein guter Lucky Luke, ein wunderbar trainiertes Pferd in der Rolle seines Lebens, Humor, wie ihn Morris mochte und selber umgesetzt hat, ein Spaß für die ganze Familie, für Lucky Luke-Fans insbesondere. 🙂
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Dienstag, 01. April 2008
Es ist Nacht, weit draußen in der Wildnis. Aber Red Sonja fürchtet die Dunkelheit nicht. Ihrer Besonnenheit und auch ihrer Wildheit ist es zu verdanken, dass sie immer noch siegreich ist. Wie gefährlich eine nächtliche Reise ist, zeigt sich, als sie einem anderen Reisenden begegnet, der so gerade noch dem Ansturm von Wilden begegnen kann.
So treffsicher wie nur ein hyrkanischer Bogenschütze es sonst vermag, setzt Sonja ihre Pfeile ins Ziel und rettet so den Reisenden aus seiner Lebensgefahr. Allerdings währt das Glück des fremden Wanderers nicht lange. An einer Wasserstelle entscheidet sich sein Schicksal und Sonja, die kurz zuvor noch für sein Leben eintrat, muss sich nun im eigenen Interesse gegen ihn wenden.
Der Empfang in der Stadt Gathia fällt frostig aus. Der Fremde war ein Bote. Red Sonja macht sich nicht beliebt, indem sie den Mann tot, enthauptet, zurückbringt. Andererseits bleibt sie auch von der Abneigung anderer Menschen gänzlich unbeeindruckt. Selbst als die ersten Pfeile gegen sie fliegen und die Übermacht unerträglich scheint, setzt sie sich weiter tapfer zur Wehr.
Red Sonja ist als Schwertkämpferin immer ein gern gesehener Gast in Schwert und Magie Geschichten. Lässt der Fan einmal das unsägliche filmische Machwerk beiseite, gibt es bereits im Comic-Bereich einige schöne Auftritte. In Kämpfer wider den Tod traf sie so auch auf Conan und König Kull, zwei anderen Charakteren, die Robert E. Howard ins Leben gerufen hat.
Michael Avon Oeming und Mike Carey haben sich nun erzählerisch der Kriegerin angenommen – und lassen sie erst einmal sterben!
Ein ungewöhnlicher Einstieg, den der Leser auf diese Art präsentiert bekommt. Auf den zweiten Blick allerdings gehen die Autoren äußerst geschickt vor. Da Red Sonja zum Zwecke des Kampfes wiedererweckt wird, wird ihr ein zeitlicher Dolch auf die Brust gesetzt. Ist ihre Aufgabe nicht rechtzeitig erfüllt, stirbt sie – endgültig.
Grafisch wurde hier aus dem Vollen geschöpft und es ist unübersehbar, dass die Qualität eines Cary Nord erreicht werden sollte, der die Figur des Conan jüngst zu neuen optischen Höhen führte.
Mit Mel Rubi wurde ein erfahrener Zeichner gefunden, der Nord durchaus auf Augenhöhe begegnen kann, nur gibt es Unterschiede in der Farbgebung. Bei Nord arbeitete Dave Stewart an der Farbgebung, während es bei Red Sonja zu einer Aufteilung der farblichen Arbeit kommt.
Durchweg sind Caesar Rodriguez und Richard Isanove an den vorliegenden gesammelten Ausgaben beteiligt. Durch die Zuarbeit anderer Künstler entstehen jedoch qualitative Schwankungen. Dies wäre kaum anzumerken, würden nicht zum Beispiel Rodriguez und Isanove den Ball so hoch vorlegen, so dass nicht jeder diese Steilvorlage aufnehmen kann.
Rodriguez und Ivanove reduzieren Tuscheränder sehr schön, aber beseitigen sie nicht vollends. Teilweise werden sie mit Brauntönen übermalt und gehen so mehr in die anderen Farben über. Jeder der Koloristen ist allerdings um Sonjas Haare in höchstem Maße bemüht. Stets ergibt sich eine wallende Haarpracht, manchmal in einzelnen Strähnen gemalt.
Bei Hauttönen, Farben, bei denen am wenigsten gemogelt werden kann, können sich alle Koloristen beweisen – ein Beweis, um den sie nicht herum kommen, denn Sonja gibt ihre Reize zwar nicht preis, aber sie geizt auch nicht damit.
Mel Rubi hat seine Hausaufgaben in jeder Hinsicht gemacht. Die den Pikten ähnlichen Wilden könnten so auch von John Buscema entworfen worden sein. Aber er ist auch Red Sonja erprobt, denn er war mit an der Umsetzung des überaus phantasievollen Crossovers zwischen ihr und Spider-Man beteiligt – für den Wandkrabbler, der sich schon in den Kampf der Hexenmeister einmischte, ist ein Ausflug in die Fantasy so ungewöhnlich nicht (von seinen Erlebnissen an Thors Seite wollen wir gar nicht reden).
Einige sehr gruselige Szenen hätte es so auch früher schon geben können. So ist der Rückblick auf die gute alte Zeit in Aquilonien und Umgebung durch Michael Avon Oeming und Mike Carey mehr als gelungen.
Mit dem Auftritt kleiner, an Kinder erinnernde Dämonen verbinden sie neuzeitliche Erzählung und Monströsitäten mit den alten Geschichten. Schlangendämonen, Abgründe, finstere und vermummte Zauberer, enorme Kämpfe, blutige Schlachten und Zweikämpfe: die Autoren und der Zeichner lassen nichts aus, um den Leser mit einer schnellen Schwert- und Magie-Geschichte zu unterhalten.
Wer schon Conan und seine Zeit und Welt mochte, den Reichtum der Geheimnisse an jeder Ecke, aber eines muskelbepackten Recken überdrüssig ist, wird mit der Roten Sonja bestens bedient und wird mit diesem Auftakt zweifellos seinen Spaß haben. 🙂
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