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Comic Blog


Donnerstag, 24. April 2008

Torpedo 4 – Geld ist nicht alles

Filed under: Thriller — Michael um 18:33

Torpedo 4 - Geld ist nicht allesDas Spiel ist nicht irgendein Spiel. Es ist das uramerikanische Spiel der Spiele: Baseball. Nichts ist amerikanischer und nichts kann ein Europäer weniger nachvollziehen als die amerikanische Begeisterung für Baseball. Sogar Torpedo ist dem Spiel verfallen – auf seine Art.
Torpedo und sein Gehilfe Rascal nehmen eine Bar auseinander. Während im Hintergrund eine Sportübertragung läuft, haben sich die beiden Killer ihre beste Baseballkleidung angezogen und statten einem widerspenstigen Kneipenwirt einen folgenschweren Besuch ab.

Torpedo einen Schurken zu nennen, wäre weit untertrieben. Der Archetyp eines völlig missratenen Menschen (bis auf einige wenige Ausnahmen) erlebt in dieser 4. Ausgabe der Reihe, wie es ist, wenn man selber auf der Abschussliste steht und nur haarscharf seinem Schicksal entkommt.

Der Killer hat mehrfach bewiesen, dass er ein heterosexueller Mann ist. In der ersten Geschichte Die Kehrseite des Goldstücks spielt Enrique Sánchez Abulí auf der Klaviatur der Urängste dieser Sorte Mann, einer Sorte, die sich außerdem noch für besonders männlich hält. Die Auflösung, die Pointe ist wieder typisch Abulí, so dass der Leser sich entscheiden kann, ob er Mitleid haben oder lachend zusammenbrechen soll.

Die Darstellung der Jazz-Musiker ist ein wenig stereotyp, sehr klischeehaft, aber Abulí und sein Zeichner Jordi Bernet sind weit davon entfernt, ein realistisches Bild der Zeit abzugeben. Außerdem ist Torpedo derart böse, gemein, zynisch, brutal, sadistisch und eigentlich alles, was ein Gangster in einer Person vereinen kann – nicht zwangsläufig muss – so dass man ihm als Leser auch nur alles erdenklich Schlechte wünschen kann. Aber irgendwie hat er dann das Quentchen Glück, um nicht immer ganz heil, so doch wenigstens nur angekratzt aus der jeweiligen Situation herauszukommen.

So manche Szene oder Geschichte in Torpedo erinnert zuweilen an Vorlagen aus Film oder Roman. So kann sich der Leser (in diesem Falle ich) auch diesmal nicht so ganz des Eindrucks erwehren, hier oder da die eine oder andere Anspielungen oder Hommage zu entdecken. In Die Friedenstaube schaffen Torpedo und sein Sidekick mit hinterhältigen Schießereien Klarheit. Leider sieht man hierbei keine Zeugen wegrennen, ansonsten wäre dies ein guter Hinweis auf Manche mögen’s heiß. Der Killer-Job, den die beiden Mörder auf der Hochhausbaustelle auf den Stahlträgern zu verrichten haben, erinnert in seiner komödienartigen Erzählweise an The Riveter (dt.: Donald, die Niete, 1940). Dort raubte Donald Duck mit seinen überaus schlechten Fähigkeiten als Nieter auf einer Hochhausbaustelle seinem Vorgesetzten Kater Karlo den letzten Nerv.

Die Anspielungen mögen vielleicht nicht stimmen, Tatsache ist auf jeden Fall, dass Abulí mit der gleichen Form der Slapstick spielt, die auch in alten Disney-Zeichentrickfilmen der 30er und 40er Jahre des letzten Jahrhunderts zu finden ist. (In der Episode Wer hat Angst vorm bösen Wolf ist die Anspielung offensichtlich, denn Bernet verwendet sogar den bösen Wolf in der Form, wie er bei Disney hinter den drei kleinen Schweinchen hinterher war.)

Missverständnisse, Ausflüge in die Kindheit und Jugend von Torpedo sowie die Fähigkeit über die Fehler derer zu stolpern, die er gerade noch belächelt hat, das machen die Episoden in diesem Band aus. Abulís Fähigkeit, den Werdegang von Torpedo zu erzählen, wie auch die Fähigkeit von Bernet genau diese Kindheitstage in Szene zu setzen, machen aus den Erinnerungen ganz besondere kleine Episoden.

Bernet arbeitet gerne mit Gesichtsausdrücken, von denen ihm die Geschichten viele vorschreiben. Auch Torpedo schafft es nicht auf dem elektrischen Stuhl die Ruhe zu bewahren. Der große böse Wolf bereitet ihm ähnliche Angst, bis sie wieder hinter den zusammengekniffenen Clint Eastwood-Augen verschwindet. Arroganz prägt Torpedos Mimik für gewöhnlich, aber manchmal blitzt auch ein Wolf hindurch, eine Fratze, der nur noch lange Eckzähne fehlen, um einem gewissen Dracula-Darsteller zu ähneln.

Sehr unterschiedliche Abenteuer des fiesesten Halunken der Comic-Geschichte, mit einem sehr erwachsenen, aber auch beständig bitterbösen Humor erzählt, gewohnt gut gezeichnet und einmal, ein einziges Mal zeigt Torpedo diesen berühmten Funken Mitleid – der aber im Sinne nachfolgender Episoden nicht lange anhält. Eine pechschwarze Film noir-Wiederbelebung zwischen Comic-Seiten, auf seine Art einfach nur gut. 😀

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Fix & Foxi 4

Filed under: Cartoon — Michael um 14:16

Fix & Foxi 4 - 2008Die zauberhafte Nacht verwandelt sich plötzlich in eine aufregende Nacht, als Fix und Foxi beobachten, wie Lupo aus einer miesen Spelunke hinausgeschmissen wird. Schnell ist klar: Lupo hat sich mal wieder in ordentliche Schwierigkeiten gebracht.
Und natürlich hat dieser alte Nörgler kein Interesse daran, dass ihm bei seinen Problemen geholfen wird. Wie gut für Lupo, dass Fix und Foxi sich durch sein grantiges Verhalten nicht aus der Ruhe bringen und noch weniger von ihrer Hilfsbereitschaft abbringen lassen. Außerdem ist da noch Rufus. Er kennt sich mit Magie aus – und das ist auch bitter nötig.

Die Puppe, die Lupinchen auf dem Dachboden von Oma Eusebia findet, sieht sehr traurig aus. Das unglücklich drei schauende Spielzeug stammt aus Amerika. Vor langer Zeit brachte eine Verwandte die Puppe mit. Lupinchen mag sich nicht mehr von der Puppe trennen. Und was für eine Aufregung: Vom Winde verweht findet sich Lupinchen fern der Heimat vor einem riesigen Landhaus wieder, in einer Geschichte, die dem Leser seltsam vertraut vorkommt.

Derweil haben die Peppercorns viel realere Probleme. Eine Renovierung steht auf dem Plan. Mama will einen Tapetenwechsel. Leider hat so jeder aus der Familie seine ganz eigenen Vorstellungen, wie eine Renovierung zu erfolgen hat.

Das Titelbild der 4. Fix & Foxi Ausgabe ziert die beiden schlauen Füchse und Lupo in dramatischer Ninja-Verkleidung, passend zu den Ninja-Sternen, die der Ausgabe beiliegen.
Auch in der ersten Geschichte kommen derlei Sterne zum Einsatz, als Rufus gegen einen Dschinn antritt und diesen in die Flucht schlägt. Der Leser mit Zauber-Erfahrung aus allerlei aktuellen Geschichten weiß sofort, dass ein Zauberbuch hauptsächlich Ärger bringen kann. So ist denn die Geschichte aus der Feder von Jürgen Seitz flott erzählt und bringt den kleinen Abenteurern einige Fallstricke ein, die sie mit der gewohnten Schläue bewältigen.

Weitaus knuffiger ist der Ausflug von Lupinchen in einen der großen Klassiker der Weltliteratur: Vom Winde verweht. Die verzogene Scarlett will ihre alte Puppe nicht zurückhaben, so findet das ungeliebte Spielzeug bald ein neues Zuhause. Lup de Lup (ein geschniegelter Lupo mit ein paar Manieren) macht es Lupinchen jedoch nicht einfach. – Wie gut, dass es Mami, die dem alten Miesepeter zeigt, was Manieren sind.
Eine schöne kleine Comic-Verbeugung vor dem Roman und dem noch bekannteren Film.

Bevor sich Fax mit dem Thema Frau im Haus auseinandersetzen muss, stehen noch allerhand Informationen und Spiele auf dem Programm.
Wer sind die echten Vorbilder der Superhelden? Wie wählen eigentlich die Amerikaner ihren Präsidenten? Mit den Spiderwicks hat ein weiterer Jugendroman seinen Weg in die Kinos gefunden und wird hier vorgestellt, verknüpft mit einem Gewinnspiel, von denen es für die Leser noch eine ganze Reihe mit vielen interessanten Preisen gibt.

Wird Fax den tückischen Kampf gegen die Frau im Haus, im Form von Oma Eusebia oder einem Roboter-Hausmädchen gewinnen? Diese und andere Fragen werden auf humorvolle und auch informative Weise für den jungen Leser beantwortet.

Subway To Sally – Storybook

Filed under: Mystery — Michael um 12:23

Subway To Sally - StorybookDer Mann mit der Augenbinde erträgt seinen eigenen Anblick nicht mehr. Voller Verzweiflung zerschlägt er den Spiegel. Trost liegt im Suff, während das kleine Mädchen in seiner Wohnung vergeht. Wärme. Gäbe es sie doch in diesem Zuhause. Doch, wenn es nicht wärmt, dann soll es wenigstens brennen.
Wo es brennt, gibt es auch Asche. In der Episode gleichen Namens werden die Texte in die Bilder eingearbeitet. Ein kaligrafischer Effekt entsteht, wenn die Buchstaben auf geöffneten Pergamentrollen zu lesen sind oder wie in Liebeszauber streng zum Aufbau eines Bildes herangezogen werden und in ihm aufgehen.

Was kann alles aus einem Song-Text werden? Wie ist er interpretierbar? Kann er überhaupt in Bilder übersetzt werden, die sich grafisch umsetzen lassen?

Ein Song-Text kann Anstoß sein, gedanklich, emotional. Subway to Sally haben bewiesen, dass sie darin zu Virtuosen geworden sind. Düster lautet die Überschrift zu diesen Texten, die sich in den Bildumsetzungen zahlreicher Künstler widerspiegelt. Und bei aller Düsternis sind sie häufig auf abgrundtief traurig. Sie zeigen aber keine künstliche, aufgesetzte Traurigkeit auf. Es ist die Traurigkeit der Schwachen, die einen Ausweg suchen, aber ihn nicht finden und eine Lösung finden, die zerstörerisch ist.
Feuerkind erlaubt eine solche Interpretation. Am Ende steht das wärmende Feuer, die einzige Wärme, die das Kind jemals erfahren wird.

Die Inspirationen zu den Texten sind vielfältig. Sogar Ken Follett bietet mit seinen Säulen der Erde eine Quelle. Mittelalterlich wird es, wenn der Tod eines Mannes am Galgen beschrieben wird, eines Mannes, der seinen Henkern und den Schaulustigen ins Gesicht lacht. Diese Geschichte, Unterm Galgen, dem gesamten Buch voran gestellt, gibt sich grafisch zerrissen
Unter dem Galgen geht es auch sogleich weiter mit der Henkersbraut. Ein Henker konnte eine Frau begnadigen, indem er sie zur Frau nahm. Im Text herrscht eher Hohn über die falsche Hoffnung vor. Grafisch erzählt die Bilderfolge das Schicksal der, was sie sich zu Schulden kommen ließ und wie trügerisch letztlich der Gedanke ans Überleben ist. Mit Macht hoch die Tür, das Tor mach weit öffnet sich schließlich die Falltür des Galgens. So wird die Braut dem Tod übergeben, von Dämonen und Blumen umkränzt, Frieden herrscht, wenn das Leid vorbei ist.

So fern und vergangen die Einstiegsgeschichten anmuten, so aktuell werden die Themen weiterer bebilderter Songtexte. Neben dem erwähnten Feuerkind finden sich auch bestechende Geschichten wie Element des Verbrechens, Kleine Schwester, Die Trommel oder Kleid aus Rosen.
Ist das Kleid aus Rosen eher leicht gezeichnet, mit einem beinahe heiteren Ausdruck, der dem Text völlig entgegensteht, hat auch Die Trommel das Thema Verführung. Zwar nicht hin zu einer einzelnen Person über die Brücke vorgetäuschter Liebe, sondern durch den Zwang der Masse, wenn die Jungs Krieg spielen. Das Szenario mag an das Hurra erinnern, das die Männer zu Beginn des 1. Weltkriegs schmetterten, weil sie nichts von den Schrecken der Schützengräben erahnen konnten und das sie alsbald einholte. Am Ende steht einfach erzählt in Wort und Bild nur die Erinnerung an den toten Freund, der wegen nichts starb.

Die Reisen ins Innere nehmen den Leser grafisch äußerst anschaulich in Kleine Schwester oder Auf Kiel mit.
Harte, schnelle, breite Striche, mitunter grau weich aquarelliert ziehen den Leser in einen geistigen Alptraum voller Freaks, die den Fluchtweg abschneiden. Dem gegenüber stehen Bilder, einfach, leicht und offen mit Rot als Kontrastfarbe in einer schlichten (und wahren) Einsicht über erfüllte Sehnsüchte. Was wird, wenn die Reise vorüber, das Ziel erreicht ist?

Nägel im Kopf gehört erzählerisch wie optisch zu den drastischsten Episoden dieses Bandes. Ganzseitige Bilder, mit einer sehr feinen Schraffurtechnik ausgeführt, zeigen Angst. Keine bestimmte Angst, sondern die Angst, die zu einem Ringelreihen mit sich selbst führt, keinen Ausweg mehr lässt und den Menschen in eine monströse und einsame Kreatur verwandelt.

Nichts für dunkle Tage oder ein frustriertes Gemüt. Bilder und Texte von inneren Abgründen, sehr aufrichtig, mitunter auch drastisch, manchmal geheimnisvoll und mehrdeutig. Ein gelungenes Experiment, das zeigt, wie Lyrics und grafische Kunst zueinander finden können.

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Dienstag, 22. April 2008

Bob Morane – Der Gelbe Schatten

Filed under: Thriller — Michael um 14:08

Bob Morane - Der Gelbe SchattenWer ist der Mann im Hintergrund? Wer wagt es, Regierungen zu erpressen? Wer ist derjenige, der sich selbst Gelber Schatten nennt? Für Bob Morane wird die Antwort auf diese Frage bald überlebensnotwendig.
Es beginnt mit einem Mann auf einer Parkbank. Auf den ersten Blick scheint er zu schlafen. Die Polizisten, die ihn zu wecken versuchen, entdecken nicht nur seine scheinbare Leblosigkeit, sondern auch ein merkwürdiges Zeichen auf seiner Stirn. Der beiliegende Drohbrief wurde durch den Erpresser mit Der gelbe Schatten unterschrieben.

Bob Morane erinnert sich. Vor geraumer Zeit rettete er einem Mann namens Ming das Leben, indem er einen Armstumpf behandelte und den Fremden so vor dem Verbluten bewahrte. Die Nachforschungen gestalten sich schwierig. Gedungene Mörder, die Dacoiten, sind ihnen, Bob und seinem Freund Bill, immer wieder dicht auf den Fersen. Aber schließlich offenbart sich der Mann im Hintergrund, sicher darüber, immer einen Schritt voraus zu sein.

Das Verbrechergenie! Der wahnsinnige Mörder. Edgar Wallace kannte sie, Ian Fleming ließ sie erst recht gegen Mr. Bond antreten. Fantomas, Goldfinger, Dr. Mabuse und viele andere – Der Gelbe Schatten befindet sich in guter Gesellschaft. Allerdings dienen seine Motive nicht der persönlichen Bereicherung, jedenfalls nicht nur. Vordergründig hat der Gelbe Schatten das Wohl einer besseren Welt im Sinn. Leider geht er dafür über Leichen.

Zwei, die sich ihm in den Weg stellen, sind Bob Morane und sein Freund Bill Ballantine. Dieses Unterfangen ist jedoch alles andere als leicht. Denn ihr Gegner versteht es immer wieder, andere nach vorne zu schicken, an den Strippen zu ziehen, so dass es mitunter dauert, bevor Bob und Bill überhaupt sicher sein können, es mit dem Gelben Schatten zu tun zu haben.
Henri Vernes tanzt in diesen Augenblicken auf der Spannungsklaviatur meisterlich und spannt die Nerven des Lesers bis zur Elastizität von Drahtseilen an.
Das beste Beispiel für diese meisterliche Erzählweise ist die Geschichte um Bill Ballantines privaten Rachefeldzug gegen den Gelben Schatten.

Ballantine lässt sich auf ein aussichtsloses Unterfangen ein. Da er seinen Freund Bob tot glaubt, reist er allein nach Birma und macht sich auf die Suche nach dem geheimnisvollen Verbrecher hinter dem seltsamen Pseudonym.
Vernes lässt den guten Bill mit dem Kopf durch die Wand gehen, einiges einstecken und auch viel Glück haben. Es ist erfrischend und mutig von Vernes, dass er eine Geschichte fast ohne Bob Morane bestreitet und den Sidekick an die vorderste Front schickt.

Coria löst hier Vance als Zeichner ab. Stilistisch liegen die beiden Künstler nahe beieinander. Corias Figuren wirken jedoch etwas weicher, nicht so kantig und hart.
Corias Bilder wirken am besten mit Hintergründen, von denen es reichlich gibt dank vielfältiger Schauplätze, die ein Markenzeichen dieser Comic-Reihe sind. Somit reiht sich Bob Morane nahtlos in andere internationale Thriller-Serien ein. London im Regen, Hinterhöfe, das strahlende Paris, die Dschungel von Birma, Kämpfe in düsteren Gassen, Explosionen und Verfolgungsjagden durch finstere Tunnel, gehetzt von kleinwüchsigen Eingeborenen mit Giftpfeilen. Die Auswahl der Situationen ist vielfältig. Vernes Erfindungsreichtum stellt Coria vor immer neue Herausforderungen.

Das phantastische Element, auch ein Merkmal von Vernes Erzählungen, fehlt auch hier nicht, ist aber auch nicht so offensichtlich eingesetzt – obwohl der Gelbe Schatten alle Merkmale eines Superverbrechers trägt.
Einer der kuriosesten Gegenstände ist eine mechanische Hand, eine Art monströses eiskalten Händchen. Mit dieser Hand hat Bob Morane kein leichtes Spiel. Sie dient hier als Indiz für die unerschöpfliche kriminelle Energie, mit der Ming, der Gelbe Schatten, zu Werke geht.

Absolute spannungsgeladene Kurzweil rund um den Globus. Endlich hat Bill Ballantine, Bobs Freund, seinen sehr gelungenen Solo-Auftritt. Wer Abenteuer und Thriller in bester Inszenierung sucht, findet hier die richtige Unterhaltung. 🙂

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Sonntag, 20. April 2008

WE3

Filed under: SciFi — Michael um 20:09

WE3Der Soldat der Zukunft geht oder hüpft auf vier Pfoten. Er ist absolut gehorsam und ist streng auf unterschiedliche Einsatzbereiche gedrillt. Der Soldat der Zukunft ist nicht freiwillig in die Armee eingetreten, aber er versieht seinen Dienst ohne zu fragen. Doch wenn man ihn demobilisieren will, verweigert er den Befehl – aus reinem Überlebensinstinkt.
Nachdem 1, 2 und 3 erfolgreich ihren Kampfwert im Einsatz gegen Westentaschendiktatoren unter Beweis gestellt haben, sollen sie nun in dem Ruhestand überführt werden. Im Klartext heißt das: Getötet.

Die Geschichte von Grant Morrison ist starker Tobak. Möglicherweise inspiriert von allerlei Verschwörungstheorien, die in den USA kursieren wie auch den technischen Entwicklungen und vorausschauenden Ideen, schickt Morrison ein ungewöhnliches Trio auf das Schlachtfeld der Gegenwart und erzählt eine neue Variante von Die Hunde sind los.

Hier wie dort sind Tiere auf der Flucht. Hier wie dort wurden sie benutzt und hier wie dort wollen sie einfach nur nach Hause. Bei Morrison waren sie einmal einfache Haustiere, nun sind sie Killermaschinen, so genannte Biorgs.
Bandit (der Hund), Tinker (die Katze) und Pirate (das Kaninchen) sind entlaufene Tiere. Hierbei handelt es sich wohl um den einzigen Denkfehler, den Morrison begeht. Warum sollte eine streng geheime Forschungseinrichtung entlaufene (oder eingefangene) Tiere zu Versuchszwecken verwenden und damit unnötig Aufmerksamkeit auf sich ziehen, wenn es bei Etats in Millionenhöhe die Tiere speziell züchten könnte?

Allerdings wird dies auch gleichzeitig zum Motivator für die Tiere. Sie hatten ein Heim und wollen es zurück haben, wollen dorthin, wo sie sich einmal wohl fühlten.
Bestürzend, beunruhigend … wird The Atlanta Journal Constitution zitiert. Das lässt sich unterstreichen. Wenn Haustiere zu Waffen werden, wenn aus einem ehemals friedlichen Kaninchen ein Bombenleger wird, dann handelt es sich auch wirklich um eine (Zitat) provokante Erzählung. Aber wie die Los Angeles City Beat zitiert wird: WE3 hat alle Elemente eines Blockbusters. – Blockbuster sind nur ganz selten mit einer Altersfreigabe ab 18 Jahren versehen und angesichts der Brutalität dieser Erzählung würde es darauf hinauslaufen.

Frank Quitely (All Star Superman) zeichnet die Gewalt und ihre Auswüchse, die Experimente, den Auftrag zu Beginn wie auch während der Flucht mit allen notwendigen Details. Das ist manchmal des Guten zuviel und mitunter überflüssig. Ein Kaninchen zur Kampfmaschine zu machen ist Aussage genug. So manche Ansicht von Blutspritzern, -fontänen und Gedärm ist da überflüssig und schmälert die insgesamt verdammt gute Geschichte.

Das Design der Biorgs sieht einmal völlig anders aus als die sonstigen Kampfmaschinen, die einem Leser oder Zuschauer in Science Fiction Thrillern begegnen mögen. Wie aufgeplatzte Eierschalen in beruhigenden Farben wirken die Körperpanzer dieser ehemaligen Haustiere, verniedlichen eher, als bedrohlich zu wirken.
Gegensätzliche Charaktere bei den Forschern werden auf zwei Arten dargestellt. Die Ärztin, die für das Training der Tiere verantwortlich war, lernt der Leser in voller Größe kennen. Der Mann, der die Ratten trainiert, zeigt nie mehr als sein wölfisches Grinsen, ganz besonders dann, wenn irgendeine sadistische Anwandlung ausgelebt werden muss. So gesehen bedient sich die Geschichte auch deutlicher Polarisierungen, das ist aber für eine Geschichte, die nur drei Ausgaben Zeit hatte (hier im Sammelband zusammengefasst), wohl auch notwendig.

Etwas Besseres als den Tod findest du überall.
Es dauert eine ganze Weile, bevor sich das Zitat aus den Bremer Stadtmusikanten auch für die tierischen Helden dieser Geschichte bewahrheiten kann – beinahe jedenfalls. Vorher stehen eine wilde und sehr ungewöhnliche Flucht, einige sehr ungewöhnliche Einfälle, die WE3 zu etwas Neuem machen und grafisch tolle Bilder, nicht zuletzt wegen des für die Farben (und die Reinzeichnung) verantwortlichen Jamie Grant.

Eine immer im perfekten Tempo erzählte Geschichte von Morrison, abgerundet durch tolles Design und sehr aussagekräftige Zeichnungen von Quitely plus einem für Comics ungewöhnlichen Thema lassen WE3 aus der Masse der Veröffentlichungen mehr als nur positiv herausragen. 😀

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Samstag, 19. April 2008

Futurama Comics 31

Filed under: Cartoon — Michael um 20:15

Futurama Comics 31Leela, Fry und Bender sollen sparen! Ausgerechnet. Entsprechend groß fällt die Verzweiflung und die Entrüstung der drei Freunde aus. In Wahrheit wartet ein Auftrag auf die drei etwas albernen Abenteuer – ein Abenteuer, das sie Einen Kopf kürzer macht. Mehr oder weniger. Eher etwas mehr als weniger.
Die Flaschenstadt erhält durch ihre Scheiben nicht mehr genug Licht. Deshalb sollen unsere Freunde ein Reinigungsmittel liefern. Die Reise dorthin gestaltet sich wie ein Aufenthalt auf einer riesigen Rutsche. Mit ihrer Ankunft jedoch bricht bald das pure Chaos aus.

Die berühmte Flaschenstadt Kandor, das verkleinerte Städtchen mit den wohl letzten Volksanhörigen Supermans, dürfte wohl auch eine der merkwürdigsten Ideen um Superman sein, die sich jemals ein Autor ausgedacht hat – sieht man einmal von Bizarro oder Mxyzptlk ab.
Keine Frage, dass sich die Macher von Futurama dieser Flasche mit Stadt darin einmal annehmen würden.

Dieser Band ist ein gutes Beispiel dafür, wie merkwürdig so manche Science Fiction-Idee ist, wenn es nicht viel braucht, um diese durch den sprichwörtlichen Kakao zu ziehen. Der inzwischen berühmte Klassiker Flucht ins 23. Jahrhundert (Original: Logan’s Run) mit Michael York, Jenny Agutter und Peter Ustinov passt in die merkwürdigen Utopien der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Und er passt in die glitzernd kitschigen Ansichten, die man in jenen Tagen von der Zukunft hatte. Mit 30 hat man den letzten Gang anzutreten – von dem jeder glaubt, es handele sich um einen Weg zur Wiedergeburt. Das Leben findet unter einer Kuppel statt, kein Wunder also, dass Ian Boothby, der Autor, auf die Idee kam, Flaschenstadt und Flucht miteinander zu vermischen.

Die Riten in der Flaschenstadt entsprechen genau jenem Filmklassiker. Nachdem Leela, Fry und Bender dies aufgeklärt haben, geht es alsbald drunter und drüber. Polizisten, durch Judge Dredd inspiriert, sorgen für Ordnung – naja, beinahe jedenfalls. Ein rosafarbener Elefant namens Horton hört ein Hilfe aus der Flaschenstadt und unsere drei Helden sehen sich wenig später einer Welt gegenüber, in der alles irgendwie viel größer ist – wie in dem Film Die unglaubliche Geschichte des Mr. C von Jack Arnold. Dieser Hinweis bleibt in den Erklärungen, die sich zu den Hintergründen der Handlung immer in den Comics finden allerdings aus. Vielleicht liegt es daran, dass der jugendliche Leser wohl nichts mit dem Original anzufangen wüsste, ist es doch von 1957 und außerdem noch in schwarzweiß gedreht.

Vom Kampf gegen Flöhe (Mr. C trat gegen eine Spinne an) geht es weiter per Greyhound. In diesem Fall ist nicht die amerikanische Buslinie gemeint, sondern tatsächlich ein entsprechender Hund.
Anspielungen gibt es eine ganze Reihe, manchmal auch sehr versteckt, so dass der Leser zweimal hinschauen muss.

Am Ende dieser von Mike Kazaleh versiert gezeichneten Episode steht gar eine Kriegserklärung und die Suche nach einer neuen Heimat für die Bewohner der Flaschenstadt. Aber wo mag eine ganze Stadtbevölkerung unterzubringen sein? Bei den Immobilienpreisen heutzu… in der Zukunft natürlich.

Ein Haufen Gags am laufenden Band. Am meisten dürften diesmal aber jene davon haben, die besagte Filme gesehen haben und die ganzen Anspielungen einordnen können. 🙂

Freitag, 18. April 2008

Largo Winch 9 – Venedig sehen …

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:58

Largo Winch 9 - Venedig sehen ...Eine geheime Absprache. Der Auftraggeber bleibt im Zwielicht sitzen. Sein Name ist Mr. Brown. Mr. Haynes ist dem Auftrag nicht abgeneigt. Schon gar nicht, wenn 500.000 Pfund Sterling als Entlohnung winken.
Kurze Zeit später in Venedig. Es ist Mitte September und ein Mann wird in der Nacht durch die engen Gassen gejagt. Schließlich sieht er für sich keine andere Chance, als die Kanäle schwimmend zu durchqueren. Doch mit der Hartnäckigkeit der Verfolger hat er nicht gerechnet. Ohne eine Ahnung der Geschehnisse zu haben, die bald einen spürbaren Einfluss auf seine Leben nehmen werden, vertreibt sich Largo Winch derweil die Zeit in Paris.

Der Liebe wegen. Natürlich. Was sonst? Largo war schon immer ein Hans Dampf in allen Gassen, mit und ohne Geld. Allerdings ist die junge Frau, Charity, an seiner Seite nicht an einem Milliardär interessiert. Wenn das Geld ruft, ist für Unbeschwertheit kein Platz mehr im Leben. Schweren Herzens lässt sie Largo ziehen. Bei ihrer Freundin in Venedig findet sie eher die Sorglosigkeit einer Beziehung, wie sie sich es wünscht. Dort wartet aber auch die Gefahr – wie gut, dass Largo Winch mit all seinem Geld noch nützlich für sie sein kann. Andernfalls könnte es ihm kaum gelingen, so schnell zur Stelle zu sein.

Ah, Venedig! Schon Indiana Jones konnte der magischen Anziehung der alten Lagunenstadt nicht widerstehen.
Venedig sehen … ist der Auftakt eines Zweiteilers aus dem Leben des jungen Milliardärs, der wieder einmal von seiner Vergangenheit eingeholt wird. So mancher Leser wird diesen Spruch kennen. Entgegen der Annahme, es könnte erst im zweiten Teil mit dem Titel … und sterben gestorben werden, sieht sich der Leser schnell (positiv) getäuscht.
Jean van Hamme beginnt rätselhaft und steigt sogleich auf Action um. Aus einem konspirativen Treffen erfolgt ein Schwenk auf das nächtliche Venedig, der Dank Zeichner Philippe Francq auch hervorragend gelingt.

Van Hamme und Francq arbeiten mit zwei sehr schönen Erzählertricks in diesem Band. Der eine trägt die Überschrift Kulisse, der andere lautet Nebencharaktere. Venedig, Paris und New York ergeben wunderbare Gegensätze. Die kahlen Büroräume und die Straßenschluchten der amerikanischen Millionenstadt stehen im krassen Gegensatz zur klassischen Architektur mit all ihrer feinen Facetten.
In beiden Städten wimmelt plötzlich die Action, für New York nicht ungewohnt, für Venedig schon eher. Der Kontrast zwischen der Gemächlichkeit der Gondelfahrten und rasanter Verfolgungsjagden funktionierte bereits im James Bond-Abenteuer Moonraker und in diesem Largo Winch-Abenteuer geht es nicht weniger spannend zu.

Zu Lande, zu Wasser und in der Luft – Van Hamme weiß nicht nur, was seine Leser wünschen, er weiß diese Effekte auch mit bester Effizienz einzusetzen. So wird der Markusplatz zum Schauplatz einer Entführung per Hubschrauber, fliegt den Cops in New York ein Rasenmäher auf das Autodach, bevor eine der ungewöhnlichsten Todesszenen zu sehen ist, die es wohl jemals in einem Krimi oder Thriller- Abenteuer zu sehen gab.

Francq nutzt die Kulissen zum Einsatz verschiedener Figuren, die dem Hauptcharakter, Largo Winch, diesmal ein wenig den Rang ablaufen – das ist jedoch kein Nachteil, denn ein guter Hauptdarsteller kann nur sein Bestes geben, wenn das Umfeld stimmt.

Hier greifen ihm Domenica Leone und Brenda Cavanaugh unter die Arme. Diese beiden Frauen könnten äußerlich kaum gegensätzlicher sein. Erstere ist eine Italienerin, künstlerisch ausdrucksstark, leidenschaftlich und schön. Letztere ist Amerikanerin, etwas übergewichtig, Sekretärin – aber in beiden Fällen handelt es sich um sehr starke Frauen, die viel für das, was sie für richtig halten, riskieren. Domenica handelt aus Überzeugung, aus der Erfahrung ihres bisherigen Lebens heraus, Brenda handelt aus der Not heraus. Brenda liefert den Mitleidsfaktor, mit ihr bangt man, während man Domenica alles sofort zutraut.
Ebenfalls nicht unwichtig ist Largos neuer Butler Tyler. Einerseits ist sein Auftauchen für Largo eine Überraschung, andererseits sorgt er für eine Prise Humor, die allein seiner englischen Haltung entspringt. Mit seinem energischen Engagement sorgt er für eine sehr unerwartete Überraschung auf Seiten des Lesers.

Eine technisch sehr schöne Umsetzung von Philippe Francq mit sehr vielen Sehenswürdigkeiten im wahrsten Sinne des Wortes. Dank der gut gewählten Schauplätze und der diesmal herausragend guten Nebencharaktere ein richtiges Spitzenabenteuer um Largo Winch.

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Oder bei Schreiber & Leser.

Samstag, 12. April 2008

Whiteout 2 – Melt

Filed under: Thriller — Michael um 18:19

Whiteout 2 - MeltDie Antarktis. Eine entmilitarisierte Zone. Eigentlich. Offiziell. Hinter so manchem Deckmantel, so mancher Tür, die angeblich zu einer Forschungseinrichtung führt, sieht es anders aus. In der Antarktis war der Krieg schon immer kalt.
Als US-Marshal Carrie Stetko ihren Urlaub in der Wärme Neuseelands genießt, ahnt sie noch nicht, wie schnell sie wieder im ewigen Eis unterwegs sein wird. Ihr neuer Fall ist nicht nur spektakulärer als der letzte, sondern er bringt ihr auch eine einzigartige Gelegenheit. Erledigt sie alles zur Zufriedenheit, kann sie runter von diesem verdammten Eisklumpen!

Die Antarktis ist eine fremde Welt, ein Stück außerirdischen Lebensraumes, allerdings ist die Definition von Lebensraum hier völlig anders zu interpretieren. Der Schwerpunkt liegt auf Raum und die Aufgabe, die Carrie in dieser eisigen Einöde zufällt, ist keine geringere als die, einige Atomsprengköpfe wiederzubeschaffen. Diesmal wartet nicht kriminalistische Kleinarbeit auf die resolute Polizistin, sondern eine handfeste Jagd, an deren Ende nicht nur skrupellose Verbrecher, sondern auch ehemalige Angehörige einer russischen Spezialeinheit warten.

Zieht man die Spannung in Betracht, mit der dieser Thriller aufwarten kann, dann geht es in der Tat heiß her. Insofern ist der Untertitel Melt gut gewählt.
War der erste Teil von Whiteout trotz seines entlegenen Szenarios nichts für klaustrophobische Gemüter, gehen Greg Rucka und Steve Lieber nun den entgegen gesetzten Weg und verlieren sich in der Weite der Antarktis.

Die weiten Flächen mögen gefahrlos wirken – sieht man einmal von den unendlich erscheinenden Flächen ab – doch in Wahrheit kann jeder Schritt den Tod bedeuten. Dies müssen auch die ehemaligen Speznaz-Kämpfer sehr schnell feststellen, die sich eigentlich als Herren der Lage wähnten. Dass diese Kämpfer aber auch von anderem Kaliber sind als einfache Mörder, auch das muss Carrie bald in ihr Tagebuch schreiben.

Greg Rucka spielt mit dem Genre. Besonders für Thriller-Freunde ist sehr schön, wie Rucka Altbewährtes neu mischt, Gegensätze aufbaut oder auch Bekanntes auf den Kopf stellt. Eine Beamtin im Rang eines US Marshals am Ende der Welt, eher klein, von ihrem Job angenervt, übernimmt die Ermittlungen in einem Fall, der internationale Ausmaße hat. Sie ist der Jäger. Das Wild sind schwer bewaffnete Soldaten, ausgebildete Kämpfer, die keine Skrupel haben, ihre eigenen Leute zu töten. Wie in einem Western ist das Land der zweite Gegner.
Unwillkürlich erinnert man sich als Leser vielleicht an Szenarien wie Der schwarze Falke oder Eisstation Zebra. In beiden Filmen spielt die Landschaft eine große Rolle. John Wayne ist zwar nicht Carrie, aber auch sie ist auf der Suche. Sie drang gemeinsam mit anderen Menschen in diese Lebensfeindliche Welt vor, am Ende geht sie allein ins Nirgendwo, wie ein Sheriff, der seine Aufgabe erfüllt hat und erst wieder gebraucht wird, wenn es Ärger gibt.

Altmeister Alistair MacLean schrieb die Vorlage für Eisstation Zebra, eine Agentenhatz an den Nordpol, wo ein russischer Spionagesatellit abgestürzt ist. Zieht man als Leser Parallelen zur Geschichte von Greg Rucka, ließe sich behaupten, dass Rucka in die Fußstapfen eines Großen tritt und das altmodische Thriller-Abenteuer zurückbringt. Dieses besitzt zwar Action, ist aber in erster Linie elegant inszeniert und erzählt.

Die Antarktis ist nicht schwarzweiß, aber sie dürfte dennoch eine Welt sein mit ganz eigenen Farbeindrücken. Wieder hatte Steve Lieber die Aufgabe diese Welt zu Papier zu bringen.
In feinen Einleitungen kommt, um es so auszudrücken, auch die Antarktis persönlich zu Wort, indem von ihrer Historie erzählt wird, genauer von den Momenten, in denen der Mensch versuchte sie zu erobern, sich an ihr zu messen. Fast wünschte man sich, der spannende Beginn um das Wettrennen zwischen Amundsen und Scott würde noch ausführlicher erzählt. – Vielleicht auch ein neuer Ansatz, um echte Geschichte noch interessanter zu machen.

Das wirklich Schöne – auch insgesamt – ist der Mut, mit dem Lieber zu Werke geht. Er schießt sich nicht auf eine bestimmte Technik ein. Er probiert weiter aus, so wie er es schon im ersten Teil tat. Auch der Erfolg hat ihn von dieser Vorgehensweise nicht abbringen können. Daher lässt sich auch nie sagen, was einen auf der nächsten Seite erwarten wird. Sind es Rasterfolien, feine Tuscheschraffuren oder grobe Pinselstriche, wurde mit dem Bleistift oder mit Kohle über die Zeichnung gerieben oder setzt er nun fette Schwarzflächen und rasante Bewegungsstriche ein. Steve Lieber zeichnet, wie es seiner Meinung nach gerade passt. Das Auge muss sich immer wieder neu einfinden – so wird die Zeichentechnik letztlich, wie es die Beleuchtung in einem Film erreichen kann, zum spannungssteigernden Element.

Auch in der Fortsetzung können sich Greg Rucka und Steve Lieber noch einmal steigern, indem sie das bisherige Konzept auf den Kopf stellen und ihre Arbeitsweise verfeinern. Kampf gegen die Elemente, gegen Terroristen, gegen sich selbst – Carrie Stetko dürfte eine der gelungensten Frauenfiguren im Thriller-Genre der letzten Jahre sein. 🙂

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Star Wars Legacy 3 – Die Klauen des Drachen

Filed under: SciFi — Michael um 15:29

Star Wars Legacy 3 - Die Klauen des DrachenDarth Krayt, der Sith-Lord und neue Imperator hat ein seltsames Interesse an einem jungen Mann, einem ehemaligen Jedi-Anwärter namens Cade Skywalker. Cade ist verbittert über den Tod seines Vaters, der von einem Sith getötet wurde. Cade fristet sein Leben abseits der Legalität, bis zu dem Tag, an dem er den Fängen von Darth Krayt nicht länger entkommen kann.
Ist es das schlechte Gewissen oder einfach der Grundsatz von Cade, der ihn in die Höhle des Löwen führt: Niemand stirbt für mich. Cade bemüht sich, dass wenigstens diese Leitschnur erhalten bleibt. Leider scheinen die Schwierigkeiten dazu, unüberwindbar zu sein.

In den Fängen von Darth Krayt offenbaren sich Cade viele neue Details über den Sith Orden, der nicht mehr so ist, wie die Jedi lange Zeit glaubten. Darth Krayt schaffte die Grundregel eines Meisters und eines Schülers ab. Er scharte tatsächlich einen Orden um sich. Während die Galaxie sich erneut einer Bedrohung von außen erwehren muss, formieren sich die Sith heimlich und warten den günstigsten Moment ab.
Nach und nach erfährt Cade, dass Krayt ein Jedi war, einer, der noch die Klonkriege erlebte, bevor der Niedergang der Republik endgültig einsetzte. Und er erfährt, warum Krayt ihn braucht.

Ein Katz- und Mausspiel beginnt. Ist Cade nun wirklich ein Mann, in dessen Kern ein potentieller Sith verborgen ist? Oder ist er nur ein Schauspieler, der Darth Krayt zu täuschen versucht? Cade unterschätzt den Willen von Krayt. Denn um die Heilkräfte von Cade unter Kontrolle zu bekommen, ist er bereit den letzten aus der Linie der Skywalker mit allen Mitteln zu brechen – oder zu töten.

Geheimnisse werden offenbart und nicht nur ein einzelnes, kleines, sondern direkt eine ganze Reihe von Rätseln um Darth Krayt, wie auch um Cade Skywalker selbst.
Die Entstehung von Darth Krayt ist viel dramatischer, vielfältiger, als es bei Darth Vader je der Fall gewesen wäre. Es mag überladen sein, sogar im Sinne von Star Wars etwas überladen oder auch unrealistisch, aber man sollte den Autoren John Ostrander und Jan Duursema nicht vorwerfen, dass sie aus dem reichhaltigen Fundus dieses Universums schöpfen.

Nach den Special Editions und den ersten Romanreihen ist klar, dass Vielfalt stets im Sinne des Erfinders George Lucas gewesen ist.
Darth Maul Tätowierungen auf roter Haut ziehen sich durch die Neuerscheinung des Sith-Ordens, der hier weitaus monströser daher kommt, als die bisher bekannten Sith-Lords. Auf der anderen Seite degradiert ein Cade Skywalker die Jedi in dieser Geschichte zu Nebendarstellern. Selber sehr machtvoll kennt Cade nur eine Seite, weder hell noch dunkel, nur seine eigene. Mit diesem Prinzip fährt er in dieser Geschichte auch am besten, denn letztlich versucht ihn nur jeder zu vereinnahmen.
Als Leser wird ersichtlich, dass die alten Konzepte Vergangenheit sind.

Der Sith-Orden ist nicht mehr so, wie er einst war. Die Jedi sind nur noch ein Abklatsch ihrer selbst. Die Grand Moffs sind Waschlappen angesichts der neuen herrschenden Kaste, der Sith. Darth Krayt, so muss der Leser nun erfahren, hat all die Stacheln, die sein Äußeres so gruselig aussehen lassen, nicht aus Spaß. Zum Teil wachsen diese Stacheln aus ihm selbst heraus, ein Vermächtnis einer Begegnung mit den Yuuzhan Vong. Zu diesem Volk kann man als Star Wars Fan ein gespaltenes Verhältnis haben, weil sie irgendwie aufgepfropft wirken, eine Krieg der Sterne-Variation der Borg.
Zur Beruhigung des Lesers fällt die Episode um die Yuuzhan Vong eher kurz aus, wichtig ist einzig, dass Darth Krayt in ihrer Gefangenschaft eine Vision über sein späteres Leben erfährt.

Fällt diese Episode auch eher kurz aus, reicht die Motivation aus dieser Zeit bis in die Gegenwart von Star Wars Legacy. Die Korallensamen, mit den Krayt in der Gefangenschaft infiziert wurde, nagen immer noch an ihm. Seine Kräfte vermögen ihr Wachstum kaum noch aufzuhalten. Einzig Cade Skywalker mit seinen Heilkräften könnte als Sith etwas ausrichten.
Cade, der, auch gezeichnet, zwar ein junger Held ist, aber eher an einen verbitterten Han Solo erinnert, als an einen zielstrebigen Luke Skywalker, bestreitet seinen Kampf auf sehr eigensinnige Weise. Seine Freunde sind zwar zur Rettung zur Stelle, doch damit konnte er letztlich nicht rechnen.

Jan Duursema schafft dank der Tusche-Zuarbeit von Dan Parsons und der Farbgebung von Brad Anderson einen weiteren sehr kraftvoll aussehenden Abschnitt der Legacy-Saga. Bekannte Flecken aus der Saga wie Tatooine tauchen in Erinnerungen auf. Obi-Wan Kenobi hat seine Begegnung mit Darth Krayt, als dieser abtrünnig durch die Wüsten streift. Alte Tempelanlagen der Jedi, die Versammlung der Moffs, an der auch ein blauhäutiger Moff mit roten Augen teilnimmt. Eine Crew, die ihren Freund retten will, Frauen, die eine Spur zu gut aussehen.

Die Bilder sind auf jeder Seite perfekt. Einzig über das Design ließe sich streiten. Die neuen imperialen Jäger haben jede Stromlinienförmigkeit und somit auch ihr bedrohliches Äußeres verloren. Der weibliche Hutt erinnert ein wenig an die weibliche Version eines Gremlins (wie er im Hochzeitskleid in Teil 2 zu sehen war). Aber das sind letztlich Kleinigkeiten und absolute Geschmackssache.

Ein gelungener, sehr spannend geschriebener Abschluss eines Abschnitts der Legacy-Saga – nicht das Ende, denn obwohl viele Fragen beantwortet wurden, sind noch einige Rätsel (bewusst) ungelöst geblieben. Grafisch wie auch seine beiden Vorgänger: Top! 🙂

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Freitag, 11. April 2008

Spirou + Fantasio – Die Sümpfe der Zeit

Filed under: Cartoon — Michael um 18:15

Spirou + Fantasio Spezial - Die Sümpfe der ZeitDas ist nicht ihr Paris. Dieses Paris ist ungeheuer schmutzig, düster, auch brutal. Die drei Freunde Spirou, Fantasio und Graf von Rummelsdorf fallen hier auf wie bunte Hunde. Leider sind sie nicht ganz freiwillig hier gelandet. Zyklotrop, der alte Gauner, hat wieder einmal alles vermasselt und schafft es nicht alleine, in die Gegenwart zurückzukommen.
Der erste Teil der Rettungsaktion gestaltet sich relativ einfach. Das Gerät zur Zeitreise ist schnell gefunden und die Apparatur wird auf einfache Weise in Gang gesetzt.

Aber leider sind nicht alle Teilnehmer der Expedition sehr vernunftbegabt – nein, das geht nicht gegen Fantasio. Pips ist der Schlingel, der sie alle in Schwierigkeiten bringt. Doch wie es sich für einen Freund gehört, selbst für ein Eichhörnchen, darf nichts unversucht bleiben, um zu helfen. Allerdings ist das für ein kleines Tier, das der menschlichen Sprache nicht mächtig ist, ungeheuer schwierig. Zumal es aussieht, als ob Pips für die drei verbliebenen Freunde (und Zyklotrop) die einzige Chance sei, damit sie wieder nach Hause zurückkehren können.

Eine Reise in die Vergangenheit. An der Seite von Graf von Rummelsdorf ist alles möglich. Mit Frank Le Gall hat sich hat sich ein Autor und Zeichner der beiden Comic-Freunde angenommen und sie durch Die Sümpfe der Zeit geschickt. Im Stile der Anfangstage der beiden Abenteurer, wie Jijé alias Joseph Gillain sie zeichnete, erleben sie eine spannende Zeitreise, in der ursprünglich auch Jack the Ripper hätte auftauchen können.

Vollkommen unerwartet erreicht die Freunde eine Nachricht aus der Vergangenheit. Eingemauert, stets beschützt durch die Generationen einer Gastronomenfamilie, gerät ein Buch ans Tageslicht, das verrät, was aus Zyklotrop geworden ist. Gefangen in der Vergangenheit harrt er auf seine Rettung – und erinnert so ein wenig an die Schlusssequenz aus Zurück in die Zukunft 2, in der Marty McFly eine Nachricht vom Doc aus der Zeit des Wilden Westens erhält.
Der Westen ist es nicht, den die Freunde bereisen werden, sondern das alte Paris. Optisch bekommt der Leser leider nicht soviel davon zu sehen, wie er gerne hätte, allerdings muss man auch zugute halten, dass das moderne Paris häufig genug zu sehen war und sehr viel alte Bausubstanz erhalten geblieben ist.
So wird das Altertümliche weniger aus der Umgebung als vielmehr aus dem Szenario und seinen Texten gewonnen.

Das Argot, eine Art Geheimsprache der ärmeren Schichten des alten Paris, findet seine Entsprechung im Rotwelschen in diesem Band. Dieser Jargon des Deutschen, der regional sehr unterschiedlich ausfallen kann, wird im Anhang auch als die Sprache der Ausgegrenzten bezeichnet, jener, die manchmal auch ein bißchen Dreck am Stecken haben. So trägt denn der Text, der Dialog zwischen den zwielichtigen Parisern – die nur im Spiel sind, weil Zyklotrop sich erneut mit den falschen Leuten eingelassen hat – dazu bei, eine gewisse Exotik, Fremdartigkeit aufkommen zu lassen.

Die Farben in den einfach gehaltenen Zeichnungen sind sehr gedeckt, wirken manchmal beinahe unbunt, aber sie tragen nur jenen alten Tagen Rechnung, in denen Paris (die Städte vielerorts) eher schmuddelig und ungepflegt waren, als Armut keine Ausnahme, sondern der Normalzustand war.
Wie eingangs erwähnt, folgt Le Gall dem Stile eines Jijé. Er nimmt sich jedoch ein wenig zu sehr zurück. Betrachtet man sich als Leser die beiden Bleistiftskizzen im Anhang, wird deutlich wie viel mehr Le Gall kann – besonders in der Skizze, in der Von Rummelsdorf und Zyklotrop zu sehen sind, wie sie gemeinsam an der Seine spazieren gehen. So aber ist ein nostalgisch schöner Comic-Band gelungen, der insbesondere atmosphärisch gut das alte Paris einfängt.

Ein kurzweiliges Zeitreiseabenteuer, anders im Zeichenstil als in der regulären Serie, aber mit dem gewohnten Humor zwischen feinem Witz und Slapstick. 🙂

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