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Comic Blog


Donnerstag, 28. Februar 2008

Largo Winch 4 – Business Blues

Filed under: Abenteuer — Michael um 13:19

Largo Winch 4 - Business BluesDer Übernahmeversuch ist ein Fehler. Irgendwie kann Largo dieses Gefühl nicht loswerden. Sicherlich sind seine Manager sehr zuversichtlich, doch die Maßnahme wirkt zu aggressiv und – viel zu leicht. Etwas stimmt hier nicht.
Sein erster Weg führt Largo in die Schweiz. Dort muss er gemäß der Anweisungen seiner Manager eine gewisse Geldmenge in Aktien abholen, da diese als Grundlage der Übernahme dienen. Alles läuft glatt, zu glatt. Wie Largos Pilot feststellt, scheint der junge Milliardär sogar in seinem Element zu sein. Largo ist nicht sicher, ob das stimmt. Vielleicht solle er, so sein Schluss, einen Psychoanalytiker aufsuchen, wie alle Amerikaner.

Die Uhr tickt, als die Übernahme in ihre letzte Phase geht. Das Geld liegt bereit. Die Manager um Largo sind bereits in Feierlaune, die Champagnerkorken knallen, als ein kleiner Mann das Büro von Largo betritt, schwarz bekleidet und ohne jeglichen Humor ausgestattet. Mr. Winter hat nur an einem Spaß: Reichen Leuten, die ihr Geld nicht versteuern wollen, nachzujagen und diese zur Strecke zu bringen.
Mr. Winter hat einen genauen Betrag ausgerechnet, den er Largo als Erbschaftssteuer anlastet. Für Largo ist das ein großer Spaß. Offiziell wird sein Geld von einer Stiftung verwaltet. Er selbst besitzt keines – falsch gedacht.
Denn Mr. Winter hat genau den Moment abgepasst, als Largo für einen einzigen Tag eine Milliarde Dollar auf einem Konto einer amerikanischen Bank liegen hat, um die Übernahme in die Wege zu leiten.

Von einem Moment auf den anderen steht Largo vor der sehr großen Wahrscheinlichkeit, alles, was er besitzt, innerhalb von Stunden zu verlieren. Man hat nicht nur ihn, man hat alle um ihn herum hereingelegt.
Aber wer? Und wie?

Business Blues, eine weltweit gespielte Melodie. Mal gewinnt man, an verliert man. Im Falle Largos geht es dabei nicht nur um Alles oder Nichts, es geht um ein Imperium. Plötzlich sind Largos alte Qualitäten wieder gefragt. Improvisation, Mut und gute Freunde, die in den höchsten Höhen der Hochfinanz nicht zu finden sind. Wer es in New York schafft, schafft es überall und Largo ist nicht gewillt, sich von der Stadt und ihrer Wall Street unterkriegen zu lassen.

Die mit Der Coup begonnene Geschichte geht in die zweite und letzte Runde. Nach einem gelungenen Aufbau sind nun alle Spieler platziert, alle Fäden gesponnen und ein von Jean van Hamme sorgfältig geplanter Endspurt nimmt seinen Lauf.
Als Leser konnte man bisher gut merken, wie fehl am Platz Largo Winch inmitten dieser ganzen Finanzdetails und Transaktionen eigentlich war. Gerne flüchtete er sich in Empfänge oder andere Aktivitäten, um dieser trockenen Materie, die für noch trockenere Männer gemacht zu sein scheint, zu entkommen. Largo ist nicht dumm, aber er wurde nicht für, noch wurde er in diese Welt in der Welt hineingeboren.

Mit der Katastrophe erhält er auf einmal eine ganz reale Aufgabe. Geld beschaffen, viel Geld, eine Aufgabe lösen, das ist sein Metier. Zwar fehlt ihm nicht das Verständnis für die Hochfinanz, doch Winkelzüge, wie er sie hier kennen lernt, mit dem sprichwörtlichen Lächeln auf den Lippen und dem gezogenen Dolch hinter dem Rücken, sind für den jungen Mann fremdes Terrain. Largo ist eher geradeheraus, ein Charakterzug, der ihn sogar für seine Feinde sympathisch macht.
Nicht für alle, das versteht sich von selbst. Denn für jene, die nur mit Geld jonglieren, ist es leichter, sich mit Largo anzufreunden, als mit jenen, die nach seinem Leben trachten.

Die Geschichten um Largo Winch sind ein wenig gewürzt mit Harold Robbins oder Paul Erdman. Sex, Crime und Geld können eine stimmige Grundlage für Abenteuer und Thriller liefern. Jean van Hamme gehört zu den Autoren, die daraus eine sehr gute Mixtur erstellen können und ihr Handwerk als Erzähler verstehen.

Die Handlung hinter der Handlung wird nicht vergessen, kleine Einschübe, hier exemplarisch das Hadern mit dem eigenen Auftrag, der Rifka, genauer gesagt Melanie (wie Largo sie namentlich kennt), mit dem jungen Milliardär bekannt machte.
Auch Liebe, die echte, wird nicht vergessen und sorgt für das wichtige Drama, denn letztlich kann Largo gewinnen, aber er kann nicht alles gewinnen.
Und so verschließt sich Jean van Hamme auch dem vollkommenen Happy End, versucht realistisch zu bleiben, zwingt den Leser zum Mitleiden.

Philippe Franqc kann hier ein ums andere Mal starren Bildern temporeiche Szenen entgegensetzen. In der Innenausstattung setzt er auf Einzelheiten, wie auch elegante Ausstattungen, von denen er dank der Vorgabe von Van Hamme auch viele zum Einsatz bringen kann. Beispielhaft ist das Schloss, mitten in Amerika, vom Besitzer der Fenico Gesellschaft erworben worden, so steht es nun inmitten eines nachgebildeten Schlossgrabens. Francq kann sich mit solchen Bildern ebenso erfolgreich beweisen wie mit Bildern von Verfolgungsjagden durch das nächtliche New York oder Mordszenen im Central Park.
Es ist die grafische Vielfalt, die diese Fortsetzung ausmacht. Die verschiedenen Schauplätze fesseln den Leser optisch. Schloss bei Tag und Nacht, wilde Aktionen in überfüllten Straßen und Schlossgängen, Fahrzeuge wie Motorräder, Automobile und Hubschrauber begleitet der Leser auf rasanten Kamerafahrten wie in einem Kinofilm.

Eine sehr gute Fortsetzung und ein sehr guter, spannender Abschluss, den der Leser hier an der Seite von Largo Winch erleben darf. Ein Thriller, eine Liebesgeschichte und ein Drama finden ihr Ende mit einem Hauptcharakter, der auf sehr gelungene Weise mitfühlen lässt. Ungeheuer geschickt nimmt Van Hamme die Leser mit auf einen gefährlichen Hindernislauf bis hin zu einem packenden Showdown.

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Oder bei Schreiber & Leser.

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