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Comic Blog


Freitag, 05. August 2005

S wie Schwarzweiß

Abgelegt unter: Comics im Film, SciFi — Michael um 22:17

V wie VendettaRemember, remember the fifth of November.
Es ist wieder Guy Fawkes Day, sozusagen. Wieder einmal hat es ein Comic von Alan Moore auf die Leinwand geschafft, einer der in Schwarzweiß startete.
Das Thema: Einsamer Rächer bekämpft totalitäres Regime.
Die Szenerie mutet an wie eine Mischung aus 1984 (weshalb auch John Hurt wohl wieder dabei ist), Die schwarze Tulpe und vielleicht perversen Gedankenspielereien wie sie Robert Harris mit Vaterland entworfen hat.

Die junge Frau geht erstmalig auf den Strich. Der erste Freier, den sie anspricht, ist ausgerechnet ein verdeckter Ermittler. Leider gehen Ermittler in diesen Tagen etwas rabiater mit Prostituierten um: Der Mann will sie zuerst mit zwei seiner Kollegen vergewaltigen und dann töten.
Im berühmten letzten Augenblick taucht ein Fremder auf. Maskiert mit dem überspitzt dargestellten Gesicht des Guy Fawkes, jenes Mannes, der einst versuchte, King James zu töten, bringt der Fremde die Ermittler zur Strecke.
Der Fremde namens V hat den Kampf gegen den Staat aufgenommen. Und V wie Vendetta beginnt.

Muss ein Comic in Schwarzweiß erscheinen, damit er der Kunst zugeordnet werden kann? Ist Farblosigkeit ein Merkmal künstlerischen Anspruchs? Und somit auch ein Garant dafür in Hollywood zu landen?

Als Leser kann dieser Eindruck gewonnen werden. Road to perdition oder From Hell (wieder Alan Moore)? The Crow, natürlich Sin City? Alan Moore scheint allgemein ein beständiger Hollywood-Magnet zu sein, bedenkt man seine Mitwirkung an der Liga der außergewöhnlichen Gentlemen.

Zweifellos kann ein Comic auch ohne Farbe auskommen, wie gut, das zeigen die unendlichen Auflagen von Mangas, die es auch in die Regale der Büchereien schaffen. – Das sah ich heute erst. Von anderen Comics gab es keine Spur.
Ist schwarzweiß also gleich anspruchsvoll? Wenn sogar der Heyne Verlag seinerzeit Road to perdition als Comic herausbrachte, obwohl der Verlag ansonsten nichts mit Comics zu tun hat.
Natürlich ist Schwarzweiß auch eine Frage der Geschwindigkeit künstlerischen Schaffens. Nach dem Tuschen fertig zu sein, geht einfach schneller. Schwarzweiß ist ein kleines Zeichen von Independent Comics, jedenfalls in Europa und Übersee. Aber Schwarzweiß trägt auch stets eine düstere Atmosphäre. So präsentierte sich auch Batman schon in lockerem Schwarzweiß.

Ich gebe unumwunden zu, dass Schwarzweiß weniger Fehler gestattet. Wie gut es sich auf so kontrastreiche Weise arbeiten lässt, zeigt sich auf den Musterseiten von Shapes & Lines. Die Bilder können sich mehr als nur sehen lassen. Obwohl nur recht klein angezeigt, vermitteln sie fast schon eine Geschichte.

Wie auch immer, auf jeden Fall ist es gut, dass sich Comics einmal mehr ins Bewusstsein der Zuschauer rücken. :-)

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3 Comments »

  1. Es gibt auch mehr als genug Meisterwerke mit Beteiligung von Alan Moore, die sehr farbig sind (zB “Watchmen”).

    Und auch farbige Comics, wie X-Men oder Spiderman haben zu unumstritten guten Verfilmungen geführt.

    Ich hätte es auch schön gefunden, wenn anlässlich der Verfilmung mehr auf die schöne Speed-Ausgabe von “V for Vendetta” aufmerksam gemacht würde.

    Und:
    vielleicht perversen Gedankenspielereien wie sie Robert Harris mit Vaterland entworfen hat.

    gut gemachte History Fiction, wie diese, auch wenn sie einem erschauern lassen mag, hat es verdient positiv gewürdigt zu werden.

    Philiph K. Dicks “Orakel vom Berge” ist in diesr Hinsicht übrigens auch sehr lesenswert.

    Kommentar von nite owl — Sonntag, 14. August 2005 @ 5:47

  2. Ich hätte es auch schön gefunden, wenn anlässlich der Verfilmung mehr auf die schöne Speed-Ausgabe von “V for Vendetta” aufmerksam gemacht würde.

    Das ist mir durchgegangen, aber ich bin jederzeit für Hinweise dankbar! Wenn Du Tipps hast, immer her damit. :grin:

    Und:
    “vielleicht perversen Gedankenspielereien wie sie Robert Harris mit Vaterland entworfen hat.”

    gut gemachte History Fiction, wie diese, auch wenn sie einem erschauern lassen mag, hat es verdient positiv gewürdigt zu werden.

    Ich formuliere es anders: Kein Verlag hätte einen deutschen Autor dieses Buch veröffentlichen lassen. Zwar hat es ähnliche Versuche gegeben, aber sie waren nie so drastisch. Dieses Wagnis konnte nur einem Engländer einfallen, vielleicht hätte es noch aus den USA kommen können.

    Kommentar von Michael — Sonntag, 14. August 2005 @ 21:20

  3. Ist schwarzweiß also gleich anspruchsvoll?

    rhetorische frage? :wink:

    Zweifellos kann ein Comic auch ohne Farbe auskommen, wie gut, das zeigen die unendlichen Auflagen von Mangas, die es auch in die Regale der Büchereien schaffen. – Das sah ich heute erst. Von anderen Comics gab es keine Spur.

    *nickt* same here (zwar nicht in der stadtbibliothek, aber in den buchhandlungen). drei regale mangas, ein regal “rest”, und von dem muß man dann noch 97% abziehen, wenn man nicht auf “funnies” steht. und das phänomen ist nicht nur ein europäisches, auch aus amerika sind vergleichbare entwicklungen vermeldet worden. aber ich will mal nicht abschweifen *hust*

    Muss ein Comic in Schwarzweiß erscheinen, damit er der Kunst zugeordnet werden kann? Ist Farblosigkeit ein Merkmal künstlerischen Anspruchs? (…) Schwarzweiß ist ein kleines Zeichen von Independent Comics, jedenfalls in Europa und Übersee.

    ich glaube, schwarz-weiß als kunstform kann sich im engeren sinne erst entwickeln, wenn sie nicht mehr selbstverständlich ist. viele independent-comics sind genau deshalb schwarz-weiß, weil es aus geld- und materialgründen nicht anders geht. manga hingegen sind schwarz-weiß, “weil die nun mal so sind”, weshalb die fehlende farbgebung kein unterscheidendes künstlerisches merkmal mehr sein kann.

    Kommentar von -Charybdis- — Sonntag, 18. September 2005 @ 13:26

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