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Comic Blog


Freitag, 06. Juni 2008

Spirou + Fantasio - Die Gruft derer von Rummelsdorf

Abgelegt unter: Cartoon — Michael um 18:49

Spirou + Fantasio Spezial - Die Gruft derer von RummelsdorfDas muss ja wohl wieder ein Fehlalarm sein. Sicher wird sich der Graf wieder bei Spirou und Fantasio (und auch Pips) entschuldigen und ihnen zum Trost ein Gläschen Himbeerlikör anbieten. – Mit letzterem behält Fantasio sogar Recht. Aber ein Fehlalarm ist es nicht.
Ein verschwundener Pips führt sie auf die Spur eines uralten Geheimnisses, in die Gruft derer von Rummelsdorf. Eine kleine Spieluhr gibt Rätsel auf und natürlich bringen leuchtende Pilze wieder Licht ins Dunkel. Und so findet sich in den Memoiren von Kratius von Rummelsdorf auch die einzige Fotografie von Napoleon Bonaparte. – Aber das ist eher nebensächlich.

Auf den Spuren der Klassiker: Das Team Yann und Fabrice Tarrin schicken Spirou und Fantasio in bester Tradition auf ein wahnwitziges Abenteuer.
Alles beginnt vergleichsweise harmlos. Eine überstürzte Fahrt nach Rummelsdorf dürfte dem Spirou-Fan sehr bekannt sein. Und mit einer Träne im Augenwinkel kann er sich auch über dieses wunderbare Auto der beiden Helden freuen, das schon auf dem Cover zu sehen. Auch das Zyklomobil darf nicht fehlen. Spätestens an dieser Stelle sollte es allen Lesern klar sein – solchen, die Spirou und Fantasio kennen – es wird ein absolut klassisches Abenteuer mit vielen kuriosen Einlagen, die an alte Zeiten erinnern und natürlich eine Reise um die halbe Welt.

Yann lässt sich denn auch nicht lumpen. Die in Co-Produktion mit Fabrice Tarrin ausgedachte Geschichte bringt nicht nur Spirou und Fantasio auf den Plan. Auch das Fräulein Steffani, die jenen schicksalsträchtigen Vortrag über das Marsupilami hielt. Wie damals ist Steffani immer noch bereit, für einen guten Artikel ein entsprechend hohes Risiko einzugehen. Mit der Selbstverständlichkeit dieses Verhaltens sind auch alle anderen Figuren wieder in ihren spezifischen Rollen. An Zyklotrop wird durch diverse Spielereien wie Zyklomobil oder Zyklostrahler erinnert – ja, und das Marsupilami?

Das ist nicht dabei. Leider. Es kann nicht. Aber dafür haben sich Yann und Tarrin einen Ersatz einfallen lassen, der nicht ganz so sympathisch, doch nicht weniger geheimnisvoll ist. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn bei dem Ersatztier handelt es sich um eine kleine Sphinx. Die schlägt denn auch nicht mit ihrem langen Schwanz die Leute um, aber hypnotisiert sie und macht sie ihrem Willen Untertan.
Die Figuren sind in Stellung gebracht und sogleich schlagen die beiden Macher auch zu.

Bereits die Reise der vier Freunde (+ Pips) ist ein gehöriges Tohuwabohu, dessen Rasanz wunderbar vergleichbar ist mit Geschichten wie Schnuller und Zyklostrahlen. Der Graf von Rummelsdorf ist abgedrehter als jemals zuvor, was auch die riesige Angst der Anwohner in seiner Umgebung trefflich zu erklären vermag.
Und wo es schon von der Erzählstruktur an André Franquin zu erinnern vermag, tun es die Bilder erst recht. Das slapstickhafte Verdrehte in den Gliedmaßen und Gelenken, in den Mimiken der Figuren, das leichte Verknautschen von Fahrzeugen wie auch Landschaften wird der Fan wieder erkennen.
Nur wirken die Figuren insgesamt nicht so gedrungen, nicht so putzig, wie es einmal war. Man könnte sagen, die Figuren sind eine Mischung aus frühem Franquin und spätem Franquin.

Fabrice Tarrin ist ein ziemlicher Witzbold, im besten Sinne freilich. Im Anhang hat er sich selbst gezeichnet (als Lemur), wie er beim guten alten Tischerücken versucht, den verstorbenen Franquin dazuzubewegen, ein neues Spirou-Album zu zeichnen. Das misslingt, deshalb muss Tarrin selbst ran. In sehr humorvoller Weise inszeniert Tarrin die Inszenierung eines Comics – und er lässt auch nicht aus, dass er sich mit Yann nicht immer einig ist.
Seine DinA5-Skizzen, die er zur Festlegung einer Seitenstruktur anlegt, würden anderen Zeichnern schon zur Veröffentlichung gereichen. Aber dann geht die Feinarbeit erst los. Insgesamt entsteht so die humorvollste Erläuterung zur Entstehung eines Comic-Bandes seit langem.

Klassisch, humorvoll, überdreht. Yann und Tarrin nehmen den Staffelstab von Franquin beinahe nahtlos auf. Jene Fans, die wieder zurück zur Natur der Serie wollen, sollten bei dieser Spezial-Ausgabe zugreifen. :-)

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Samstag, 31. Mai 2008

Die weiße Tigerin

Abgelegt unter: Cartoon — Michael um 17:40

Die weiße Tigerin 1 - Im Geheimdienst des großen SteuermannsIm Tempel des nachhaltigen Friedens und der heiteren Gelassenheit tobt ein Kampf, der so gar nichts mit der Namensgebung dieses ehrwürdigen Hauses zu tun hat. Alix hat ihre Mitschüler mit Bravour besiegt, aber der Meister ist noch nicht zufrieden, denn die allerletzte Prüfung steht noch bevor.
Nachdem auch dies gemeistert ist, erfolgt der erste Auftrag. Die kleine rote Fliege wird der goldenen Fliege zugeteilt. Das Ziel heißt Hongkong, eine Stadt unter britischer Verwaltung, ein überkochender Moloch, der mit der kommunistischen Landschaft Chinas wenig gemein hat.

Ein Ausflug in die Hochzeit des Kalten Krieges ist immer eine literarische Reise wert, ganz besonders dann, wenn es außerdem in den asiatischen Raum geht.
Wie bereits andere Autoren vor ihnen haben sich Yann und Conrad mit Spannung, süffisantem Witz und manchmal derbem Humor dieser Szenerie angenommen und beschreiben die Jagd auf eine verloren gegangene amerikanische Atombombe.

Chinesische Geheimdienste, Triaden und Gangster dieser Zeit waren schon Comic-Themen. Als Beispiele mögen hier die Abenteuer von Bob Wilson (In den Pranken des Tigerdrachen) und Nero (Der Hundesalon) genannt sein.
Teilweise wirkt das Abenteuer um Alix, die nagelneue Agentin Im Geheimdienst des großen Steuermanns, als habe man einen Draufgänger wie Bob Wilson in der Figur von Francis Flake karikieren wollen. – Oder vielleicht direkt alle männlichen Engländer zwischen 20 und 50.

Der Humor, der sich hier äußert, könnte auch eine Komikertruppe wie den Pythons eingefallen sein. Francis Flake, obwohl ein Spezialagent im Geheimdienst ihrer Majestät, hat immer noch feuchte Träume, zumeist – Freud hätte seine Freude daran – über seine Mutter. Immerhin erschreckt es Francis wenigstens bis auf die Knochen.
Solch ein Mann hat nun den Auftrag eine Atombombe irgendwo in Asien zu finden. Der Leser kann sich sehr gut vorstellen, welches Chaos dieser Mann bei seinen Nachforschungen auslösen kann.

Yann und Conrad wären nicht die Autoren, die sie sind, wenn sie sich auf diesem Pink-Panther-Prinzip ausruhen würden. Und so steht Francis ein unbedarftes chinesisches Mädchen entgegen, schlau, wehrhaft, jungfräulich, die in dieser gezeichneten Form wohl den niedlichsten Schmollmund seit Angelina Jolie besitzt.

Wer bei all diesen Beschreibungen glaubt, er habe es – auch dank der Zeichnungen – mit einem eher harmlosen Cartoon zu tun, der täuscht sich. Hier stehen sich Form und Inhalt einander gegenüber. Es rollt schon mal ein Kopf, es gibt ein wenig Sex, Action, aber auch sehr stark vermengt mit zum Teil absurdem Humor, der niemanden vergisst. Hier wird keiner bevorzugt, alle bekommen ihr Fett weg – das britische Empire ebenso wie das Land des großen Steuermanns Mao Zedong. Kurzum, es ist gut, wenn eine Geschichte nicht nur herrlich schräg, sondern auch politisch absolut unkorrekt ist.

Yann hat schon mit anderen Geschichten wie Helden ohne Skrupel oder Poison Ivy gezeigt, wie er mit dieser Unkorrektheit spielen kann und dem Leser so einen Gag nach dem anderen serviert. Alix Yin Fu, die Hauptfigur, ist wie alle anderen und die Umgebung in einem locker leichten Strich gezeichnet. Das karikiert ziemlich viel dessen, was der Leser aus einschlägigen Geschichten kennen mag. Merkwürdig gewandete und bandagierte Killer treten hier gleich im Dutzend (+1) auf.
Die leichten, und nicht immer genau sitzenden Tuschestriche sind ein klein wenig auch nostalgisch anmutend. Wie in Zeiten, als Comics noch überaus aufregend waren, weiß auch dieser Auftakt um Alix und den englischen Fang Pi (Stinkefurz) dieses Gefühl wiederzuerwecken. Weniger alte Nostalgiker werden ganz einfach ihren Spaß mit dieser Geschichte haben.

Mit übersprudelndem Humor, derbem Spaß, satter Action und einer schnuckeligen Hauptfigur startet das Rennen um Fat Girl, die verloren gegangene Atombombe. Yann ist ein Spaßvogel, wie es zurzeit nicht viele im Comic-Bereich gibt. Mit Conrad bildet er ein perfektes Team. Wer es englisch pechschwarz mag, ist hier genau richtig. :-)

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Donnerstag, 20. März 2008

Poison Ivy - Heißer Sand

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 18:59

Poison Ivy 3 - Heißer SandGanz Frankreich ist besiegt. Nein, nicht ganz Frankreich. Tief in der Wüste, im bitterheißen Lybien, einer Stätte, die sich Fort Bir Hakeim nennt, widersetzen sich einige Franzosen allein gegen die Horden von Rommels Truppen. Allein? Nicht ganz, denn die W.O.W., die Women On War, sind schon auf dem Weg zum Entsatz.
Aber wie wollen die Amerikanerinnen den französischen Soldaten klar machen, dass sie ihnen helfen wollen? Und warum? Also geben sie sich erst einmal als ADOFL zu erkennen, als Amerikaines D’Origine Fraincaises Libres. Als gebürtige Amerikanerinnen mit französischer Abstammung wollen sie dem französischen Militär als Krankenschwestern zur Verfügung stehen.

Den eher unfähig erscheinenden französischen Soldaten und ihrem keifenden Kommandeur verschweigen sie, dass sie den französischen Konvoi soeben vor deutschen Sturzkampfbombern gerettet haben.
Man kann nicht behaupten, dass der Kommandeur sich von ihrem Anliegen erweichen lässt. Man kann aber auch nicht behaupten, dass er nicht über kurz oder lang von den Bemühungen der Frauen profitiert. Denn die W.O.W., die kleine geheime Einsatzgruppe von Präsident Franklin Delano Roosevelt, findet schnell heraus, dass es innerhalb des Konvois von deutschen Spionen und Sympathisanten nur so wimmelt.

Dank ihrer Fähigkeiten räumen die W.O.W. unter den Krauts auf. Poison Ivy kann mit ihren giftigen Küssen ein paar Saboteure ins Jenseits befördern. Was sie und die anderen übrig lassen, befördert Yum Yum Jaw, die Kannibalin der Truppe dank ihres Magens ohne Boden für immer ins Vergessen. Endlich, so scheint es, kann der Konvoi unbeschadet und unbeirrt seine Reise fortsetzen. Ein neuerlicher Luftangriff setzt dieser Hoffnung ein vorzeitiges Ende. Aber was dann sichtbar wird, übertrifft alle Erwartungen.

Die Gruppe um Poison Ivy muss sich bei ihrer Operation Heißer Sand mit einer äußerst schwierigen Situation auseinandersetzen. Mitten in der Wüste geht es weniger um Krieg als um Gold.
Vif the France - oder so ähnlich. Denn damit es leben kann, das Frankreich, benötigt es Geld, um seine Truppen neu auszurüsten.

Philippe Berthet und Yann schicken ihre Mädels in die dritte Runde. Inzwischen sind die Damen abgeklärter, versierter und auch routinierter. Aus diesem Grund läuft auch alles nicht so glatt, wie es eigentlich der Fall sein sollte. Die Fassade des eingeschworenen Teams bröckelt. X-Raymonde, die Telepathin der Gruppe, stellt fest, dass es noch andere Dinge im Leben gibt, als für Gott und Vaterland einzustehen oder gar dafür zu sterben. Die Liebe zum Beispiel ist ein Grund für den es sich auch zu leben lohnt. Oder Reichtum. Eine eigene Insel. Eigentlich ist alles besser als der Krieg.

Die W.O.W. ist keine dieser Einsatzgruppen, die gleich von Beginn mit allem ausgerüstet sind. Sie sind nicht im Besitz der High Tech dieser Zeit, noch besitzen sie die übliche Ausbildung eines Spezialsoldaten. Sie sind Frauen mit außergewöhnlichen wie auch übersinnlichen Fähigkeiten.
Und sie sind in erster Linie Frauen.
Berthet und Yann haben diese Geschichte wie auch die beiden Vorgänger im Stile einer Action-Komödie inszeniert. Vergleiche, auch zeitlich betrachtet, lassen sich durchaus zu einem männlichen Abenteurer wie Indiana Jones herstellen.

Ein klassischer Vergleich könnte zu Tim und Struppi gezogen werden. Die Zeichnungen sind im besten Sinne frankobelgisch, auf das Nötige reduziert. Die Gesichter sind ein wenig karikiert. Im Gegenzug sind die technischen Errungenschaften, Militärflugzeuge und –fahrzeuge, mit aller erforderlichen Akkuratheit zu Papier gebracht worden. Die Wüste selbst gibt nicht allzu viel zeichnerische Arbeit her. Trotzdem entstehen im Verlauf der Geschichte viele dramatische Bilder und Szenen, die sehr schön anzuschauen sind. Vor dem Hintergrund der frankobelgischen Comickunst kann man nur sagen: Gelernt ist eben gelernt.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Ebenso wenig wie sich jemand über Indy aufregt, sollte dies hier geschehen. Die Krauts werden hier ziemlich auf den Arm genommen, der Nationalsozialismus ist eine Krankheit, der sogar die gute Memory nach zuviel Lektüre über diese Themen nachhaltig infiziert. Als sie daraufhin mit der MP auf ihre Kameradinnen losgeht, muss sie ruhig gestellt werden. Die Reaktionen der deutschen Soldaten und Saboteure auf das Bild von Hitler verhöhnt die Indoktrination im Dritten Reich, die sich ein amerikanischer Agent zunutze machen kann, um seinen Auftrag zu erfüllen.

Yum Yum Jaw entwickelt sich mit ihrer Verfressenheit langsam zu einem weiblichen Obelix, allerdings mit einem starken Hang zum Kannibalismus. Kurz erliegt sie dem Glauben, einen männlichen Widerpart gefunden zu haben (der sogar Hannibal heißt), wird aber enttäuscht.
Genau das ist es! Wir wollen keine dicken Panzer. Wir wollen die dicke Frau! Es versteht sich von selbst, dass Yum Yum nach soviel deutscher Sympathiebekundung sich darüber aufregt, dass sie eben nicht dick sei. Überhaupt hält Yum Yum mit ihren komödiantischen Einlagen die Geschichte zusammen. Mit Zoe, der Neuen, die im späteren Verlauf vorgestellt wird, könnte ihr dabei in den kommenden Geschichten eine Konkurrenz erwachsen.

W.O.W und Poison Ivy, das bedeutet Spaß im Zweiten Weltkrieg, wie es bereits mit Indiana Jones, Stoßtrupp Gold oder Die Glorreichen vorgemacht wurde. Die W.O.W. drücken dem Thema ihren ganz eigenen humorvollen Stempel auf. Bester Comic-Witz, spritzig, flott, sehr frankobelgisch, zurück zu den Wurzeln und doch wieder topmodern. Sehr gut. :-)

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Donnerstag, 03. Januar 2008

Lucky Luke - Die Gesamtausgabe 1995 - 1996

Abgelegt unter: Cartoon — Michael um 23:32

Lucky Luke - Die Gesamtausgabe 1995 - 1996Man mag es kaum glauben, aber auch Lucky Luke war einmal ein kleiner Lausbub, ein Lucky Kid. An der Seite von Old Timer lernte er den Wilden Westen, die Indianer und auch Jolly Jumper kennen. Aber eines war schon immer so! Bereits als Kind schoß Lucky schneller als sein Schatten – mit einer Steinschleuder.
Old Timer ist ein wenig grantig, aber verträglich. Nicht viel kann ihn aus der Fassung bringen. Außer vielleicht die mangelnde Fähigkeit Gold dort zu finden, wo er gerade sucht. Oder wenn Lucky Old Timers Revolver heimlich für Schießübungen benutzt. Hier kann der Leser sehr schön sehen, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist.

Allerdings ist die Jugend von Lucky Luke nicht weniger spannend und lustig als seine Abenteuer im Erwachsenenalter. Lucky kommt dem Old Timer leider abhanden. Ein Indianer klaut den Jungen, um ihn Fetter Mokassin zu bringen. Die Squaw hat stets einen Bedarf an Kindern, die ihr bei der täglichen Arbeit zur Hand gehen. Dabei wachsen ihr die geraubten Kinder auch ans Herz. Immer wenn die Kavallerie anrückt, heißt es für Fetter Mokassin und die Kinder sich zu verstecken.
Lucky gibt sich alle Mühe. Aber es gelingt ihm einfach nicht, dieser hartnäckigen Frau zu entkommen.

Als es schließlich doch gelingt, kommt er sozusagen vom Regen in die Traufe. Holzfäller, Soldaten, falsche Eltern und ein ziemliches Durcheinander erwarten den kleinen Jungen – aber auch der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Er ist zwar ein einsamer Cowboy, trotzdem haben Frauen sein Comic-Leben sehr stark bestimmt. Mit der Gaunerin Belle Starr reiht sich eine weitere Persönlichkeit in all diese starken Frauen ein. Lucky Luke ist gezwungen gewissermaßen Undercover zu operieren, um ihr Gaunernest auszuheben. Kurze Zeit wird er sogar zum Gesetzlosen. – Ein Beweisstück dieser Epsiode wird zu Lukes Glück dann doch vernichtet.

Am Klondike wird es für Lucky Luke nicht einfacher, nur kälter. Der Freund eines Freundes ist in einem Goldsucherstädtchen verschwunden.
Freunde älterer Lucky Luke-Ausgaben werden sich freuen, dass das Greenhorn Waldo Badmington wieder mit von der Partie ist. Sein ehemaliger Butler Jasper ist auf einen Verbrecher hereingefallen. Grund genug für den getreuen Waldo, seinem früheren Diener zur Hilfe zu eilen. Das Leben in der Eiseskälte und im Matsch, fernab jeglicher Zivilisation bietet für die beiden Retter eine sehr große Herausforderung.

Diese drei Geschichten im vorliegenden Sammelband aus den Jahren 1995 und 1996 könnte man unter der Überschrift Nostalgie zusammenfassen.
Es ist nicht nur das Wiedersehen mit alten Bekannten wie Bill the Kid, Jesse James, Ma Dalton oder Waldo Badmington, dem eine größere Rolle zufällt. Es ist die Erzählweise, die irgendwie den Eindruck vermittelt, an alte Erzählungen anknüpfen zu wollen. Zwar ist es zu Unstimmigkeiten gekommen – Morris hielt sich nicht sklavisch an die Vorgaben, die ihm für die Geschichten gemacht wurden – das bleibt für den Leser aber unmerklich, denn die Gags brennen immer noch Seite für Seite ab, reichlich und sehr pointiert.

Die erste Geschichte um das Lucky Kid folgt jenen Gesetzen um die Jugendgeschichten erwachsener Helden, wie der Fan es zum Beispiel von Veröffentlichungen des jungen Spirou her kennt.
Luckys Herkunft bleibt im Dunkeln, kein Wort über seine Eltern – außer, dass er keine hat und sich auch mit Händen und Füßen gegen eine Adoption wehrt. Hier wird ein kleiner Spaß angewendet, als sich ausgerechnet ein Farmer im Aussehen von Morris mit seiner Frau um den kleinen Jungen bemüht. Nur, um ihn schlußendlich in Mädchenkleider zu stecken, weil den Herrschaften ein solches von den Indianern geraubt worden ist. Dies ist für Lucky noch schlimmer, als für einen Indianer gehalten und als solcher aufgezogen zu werden. Der kleine Lucky weiß bereits sehr gut, was das Beste für ihn ist.

Alles in allem ist dieses Jugendabenteuer auf dem gleichen guten Niveau wie alle übrigen Geschichten der Reihe. Dies ist überhaupt ein Phänomen. Über all die vielen Jahre und einer großen Zahl von Erscheinungen (immerhin über 80) hat sich Lucky Luke auf einem sehr hohen Level gehalten. Neue Themen wurden gebracht, inspiriert durch die reale Geschichte des Wilden Westens, jedoch wurde auch immer Rückschau gehalten, wurden bestehende Figuren aufgegriffen und ein regelrechtes Wiedersehen gefeiert. Auch Am Klondike könnte man als eine solche bezeichnen.
Diese Mixtur aus Nostalgie und dem Mut beständig etwas auszuprobieren, mag ein Teil des Erfolgsrezeptes der Serie sein. – Das und der unnachahmliche Humor. Hierbei ist besonders Jolly Jumpers trockener Witz hervorzuheben. Seine Kommentare sind herrlich, so, als habe man ihnen ein besonders Augenmerk gewidmet.

Zur Klondike-Episode wurde schon etwas gesagt. Abschließend mag noch Belle Starr erwähnt werden. Die Daltons haben hier eine kleine Nebenrolle. Es ist sehr schön, wie Lucky die vier Gauner außer Gefecht setzt, ohne auch nur einen Schuss abzugeben – niemand sollte die Macht der Mütter unterschätzen. Belle Starr ist aus vielen scheinbar einzelnen Episoden zusammengesetzt, die sich immer auf etwas Wichtiges oder eine Figur konzentriert.

Ein rundum gelungener Sammelband, der ein Lachen am laufenden Band zu produzieren vermag. Die Mischung sehr unterschiedlich angelegter Handlungen hält für jeden etwas bereit. Top! So lustig war der Wilde Westen. Dieser Reihe kann man nur eine lange Laufzeit wünschen.

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Dienstag, 20. November 2007

Die Wellenläufer

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 20:25

Die WellenläuferDie Schlacht zwischen den beiden Schiffen ist erbarmungslos. Kanonen donnern, Piraten machen sich zum Entern bereit. Und klein, sehr klein neben den hölzernen Ungetümen rennt ein Mädchen namens Jolly über das Wasser, um ihren Beitrag zum Kampf zu leisten.
Ihre Bemühungen, wie auch die Überraschung der feindlichen Seeleute über die Quappe, tragen zu einem schnellen Sieg bei. Allerdings ist die Freude über diesen Sieg nur von kurzer Dauer. Die Piraten sind in eine Falle gegangen. Im letzten Augenblick gelingt Jolly die Flucht, nicht wissend, was aus ihren Kameraden wird.

Wenig später, aus ihrer Sicht, wacht Jolly in einem ihr unbekannten Bett auf und muss feststellen, dass sie auf einer unbekannten und abgelegenen Insel gestrandet ist. In der Obhut des Jungen namens Munk und seiner Eltern verbrachte sie die letzten drei Tage in tiefem Schlaf – dem Tode nahe und nur gerettet durch ein Gegengift. Denn die Falle, die sie und ihre Kameraden an Bord des geenterten Schiffes erwartete, bestand aus einer Ansammlung von Giftspinnen, deren Biss ohne Gegenmittel tödlich ist.

Nachdem Jolly sich zurecht gefunden hat, beginnt sie das Leben auf der Insel zu genießen. Sie erfährt viel Neues: über Muschelmagie, Geisterhändler und, besonders wichtig für sie wie auch für Munk, über die Quappen und wie sie entstanden. Außerdem ist Jolly endlich nicht mehr alleine mit ihren Fähigkeiten, denn Munk, der im gleichen Alter wie sie ist, verfügt ebenfalls über die Fähigkeit über das Wasser zu laufen. Zunächst scheint alles in Ordnung zu sein. Das ändert sich jedoch mit dem Erscheinen des Geisterhändlers. Die Neugier der beiden Kinder bringt sie in noch größere Schwierigkeiten, als sie ahnen konnten.

Kai Meyer gehört inzwischen zu den bekanntesten Autoren, die sich mit phantastischer Literatur für Jugendliche und Kinder (und jung gebliebene Erwachsene) einen Namen gemacht haben. Seine Wellenläufer-Trilogie gehört kann dank seines Erfolges inzwischen zu einem modernen Jugendbuch-Klassiker gezählt werden.
Nun liegt die Comic-Umsetzung dieses Werkes vor, dass wegen der guten Aufbereitung durch Yann Krehl ohne jegliche Vorkenntnisse der literarischen Vorlage genossen werden kann. Aus einem Piratenszenario wird in Windeseile ein spannendes Fantasy-Abenteuer, in der Muschelmagie noch der (für Jolly und Munk) harmloseste Einfall ist. Geister, die auf Feldern arbeiten, weil sie dankbar für eine Aufgabe sind. Klabautermänner, finstere Bedrohungen aus der Tiefe des Meeres. Matrosen, die das Gesicht eines Hundes haben. Und ein sehr ausgefallener Holzwurm – mit einer sehr großen Klappe.

Die Zeichnungen von Christian Nauck machen zuerst einen schlichten Eindruck – ein Eindruck, der absolut täuscht. Die Entwurfsskizzen im Anhang geben eine (leider) nur sehr geringe Vorstellung von der Entwicklungsarbeit, die in diesen Figuren steckt. (Es wäre schön gewesen, mehr der Entwicklungszeichnungen zu sehen, das die Wirkung hier bereits ziemlich toll ist.) Nauck beschränkt sich in der Endversion seiner Darstellungen auf sehr wenige, auf die nötigen Striche. So wirken die Zeichnungen beinahe zerbrechlich und auch sehr schön. Eine sehr leichte Erscheinung einer Comic-Figur wie hier kann eine Menge Arbeit bedeuten. Die Vielfalt der Figuren und Kreaturen in dieser Geschichte offenbart bereits nach wenigen Seiten, wie aufwendig diese Comic-Umsetzung geworden ist.

Einige Figuren wurden von Nauck nach Vorgabe der Geschichte mit besonderer Sorgfalt umgesetzt. Dazu gehören nicht nur Jolly und Munk, sondern auch der Geisterhändler. Faszinierend sind natürlich die fremdartigen Kreaturen wie auch die Monster. Der Kampf gegen Acherus ist beeindruckend gruselig – und letztlich sicher einer der ungewöhnlichsten Kämpfe in einer Fantasy-Geschichte. Der erwähnte Holzwurm dürfte wohl zu den merkwürdigsten intelligenten Wesen in einer Comic-Geschichte gehören, die jemals das Licht einer Comic-Seite erblickt haben. Für den Leser ist es toll, trotz all dieser wunderbaren Einfälle, Joly zu erleben, wie sie nach all ihren Erfahrungen angesichts eines steuernden und sprechenden Hundes sprachlos ist.

Zu einem echten Erlebnis werden die Bilder durch den für die Kolorierung verantwortlichen Sven Strangmeyer, der mit einer sehr schönen Behutsamkeit zu Werke geht. Plastisch und strahlend wird diese phantasievolle Piratenwelt lebendig. Anders lässt es sich nicht sagen, denn die Farbverläufe sind sehr weich ineinander übergehend. Farbthemen heben die Grundstimmungen von Szenen hervor und ziehen den Leser beim Betrachten der Bilder Seite für Seite in die geschichte hinein und fesseln bis zum Schluss.

Ein packendes Jugendabenteuer für Junggebliebene aller Altersstufen, sorgsam und mit viel Liebe zum Detail und zu den auftretenden Figuren in Szene gesetzt. Hier hat sich mit Christian Nauck und Sven Strangmeyer ein künstlerisches Duo gefunden, das eine perfekt aufeinander abgestimmte Arbeit abliefert. Beste Comic-Unterhaltung. :-D

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Dienstag, 19. Juni 2007

Poison Ivy - Flying Tigress

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 19:45

Poison Ivy 2 - Flying TigressChina. Die geheime Einsatzgruppe Women On War, kurz W.O.W., ist in ihrem zugewiesenen Gebiet angekommen. Die Begrüßung fällt sehr unangenehm aus. Eine japanische Zero schießt ihr Transportflugzeug ab. So hatten sich die als Nonnen verkleideten Frauen ihre Ankunft nicht vorgestellt.
Glück im Unglück heißt es für die außergewöhnlichen Frauen, als sie erleichtert feststellen, dass sie außer den beiden toten Piloten im Cockpit noch einen Piloten unter den Passagieren haben – dieser ist leider stark alkoholisiert.
Und betet, dass meine Leber durchhält. Sofort macht er sich ans Werk. Um die Maschine zu retten, ist es bereits zu spät. Jetzt geht es nur noch um Leib und Leben, denn die Zero hat bereits umgedreht, damit sie einen neuen Angriffsflug starten kann.

Die W.O.W. lassen sich nicht auf Dauer von solchen Widrigkeiten beirren. Ihre Fähigkeiten sind die Garanten für eine erfolgreiche Mission. Die jüngste in der Gruppe, Deckname Poison Ivy, kann mit ihrem Kuss töten. Boston Iceberg kann mit einer Berührung alles zu Eis erstarren lassen. Memory kann in Blitzgeschwindigkeit alles lernen, Gorgon Lady ist zwar blind, dafür verfügt sie über ein übermenschlich gutes Gehör. X-Raymonde ist telepathisch sehr begabt. Und Yum Yum Jaw ist die Frau für’s Grobe. Als Kannibalin ist sie dazu auserkoren, unliebsame Wachen außer Gefecht zu setzen.

Besondere Fähigkeiten sind noch kein Ersatz für gute Planung und Ausführung. Das müssen die sechs Frauen mit Sonderbefehl vom Präsidenten der Vereinigten Staaten bald feststellen. Poison Ivy ist außerdem enttäuscht. Ihr Bruder, den sie bei den Flying Tigers wähnte, einer amerikanischen Fliegereinheit, die dem chinesischem Oberbefehl unterstellt ist, hat sich unerlaubt ein Flugzeug genommen, um gegen die japanischen Feinde zu kämpfen. Seither gilt er als verschollen.

Es bleibt keine Zeit zum Trauern. Die chinesische Stadt Loiwing droht vom Feind mit Brandbomben angegriffen zu werden. Die W.O.W. haben sich geschworen, diesen Angriff unschädlich zu machen. Zu diesem Zweck haben sie sich einen waghalsigen Plan ausgedacht. Werden sie ihren Auftrag ausführen und lebend zurückkehren können?

In Poison Ivy 2 – Flying Tigress gehen die Abenteuer der Women On War nahtlos dort weiter, wo sie in der ersten Ausgabe endeten. Philippe Berthet und Yann erlauben sich neben einem ordentlichen Abenteuer-Feuerwerk einige Anspielungen auf bekannte Figuren aus Historie, Film und Comic.

Der rothaarige Pilot, der den W.O.W. das Leben rettet, erinnert ein wenig an Sonny Tuckson aus den Rex Danny-Comics. (Manchmal auch Buck Danny genannt.) Witzigerweise heißt der Pilot, der Sonny so ähnlich sieht, auch noch Sonny. Die W.O.W. finden sich bald im Lager der Fliegenden Tiger wieder (auch einst ein Thema bei Rex Danny). In einer ganz kleinen Szene findet sich einer jener Helden, der sogar die Hauptfigur einer amerikanischen Fernsehserie werden durfte. Greg Boyington, auch als Pappy Boyington bekannt, war 1942 erwiesenermaßen Angehöriger der Flying Tigers. Berthet und Yann nutzen die Legende der Jagdflieger für einen kleinen Witz, der das Fliegerass in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt.

Gegenüber des ersten Bandes, der sich der Einführung der verschiedenen Figuren, insbesondere der W.O.W., gewidmet hat, ist der Abenteuer-Charakter noch stärker geworden. Wer sich für eine gelungene Mischung aus 3 Engel für Charlie, Indiana Jones, Agenten-, Kriegs- und Mystery-Abenteuer begeistern kann, liegt mit der Lektüre der Fortsetzung von Poison Ivy goldrichtig. Oben drauf gibt es noch eine gute Portion Humor und fertig ist der Lesespaß.

Bei genauerer Betrachtung sind es die einzelnen Bestandteile, die sehr sorgsam gemischt wurden und so einen ungewöhnlichen Comic entstehen ließen. Die Prise Mystery entsteht durch die Fähigkeiten der Agentinnen. Der Schauplatz, das umkämpfte China, bietet reichlich Action und reißt den Leser sehr schnell mit. Die Luftkämpfe und Verteidigungskämpfe sind hochdramatisch geschildert und gezeichnet. Die Kapriolen am Himmel, mit der sich amerikanische (eigentlich chinesische) Curtiss P40 und japanische Zeros bekriegen, sind eindrucksvoll gestaltet und stehen den Klassikern des Comics auf diesem Gebiet in nichts nach.

Das Agentenszenario wird gehörig veralbert, wenn sich die als Nonnen verkleideten Agentinnen als Angehörige des Dritten Reiches gegenüber den Japanern ausgeben. Hier, bei einem der Achsenmächte des Zweiten Weltkriegs, ist man wenig begeistert über die Anwesenheit dieser merkwürdigen Betschwestern. Bei der kleinsten Aggression heißt es für die Damen: Kopf ab. Ein kleiner Sergeant ist nur zu gern bereit, zu diesem Zweck sein Katana auszuprobieren. In bester Manier, wie es schon in der Reihe Peter und Alexander geschah, werden hier die Asiaten durch den Kakao gezogen.
(Witzigerweise finden sich auch hier wieder Moskitos, die auch schon in der erwähnten Abenteuer-Reihe mit den beiden Freunden zur Geheimwaffe werden sollen. Ein zufälliger Gedankenstreich oder eine kleine Hommage an einen anderen Klassiker?)

Zuerst macht die Geschichte einen verschachtelten Eindruck. Schließlich werden verschiedene Handlungsstränge verfolgt. Aus der ursprünglichen Mission wird sehr schnell eine Rettungsaktion, bis es wieder in den Endspurt geht, der in eine Materialschlacht mündet. Die Zeichnungen und die schlichte, aber sehr plastische Kolorierung geben den Bildern Trickfilmcharakter.

Für die W.O.W. ist es dank ihres Mentors Roosevelt noch lange nicht das Ende. Auch für Tinkleberry und seinen Freund ist die Geschichte noch nicht aus – ihr Schicksal muss sich noch aufklären. Ein rasantes Abenteuer mit viel Spaß und spannenden Wendungen erzählt.

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Freitag, 15. Juni 2007

Poison Ivy - Sumpfblüte

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 23:09

Poison Ivy 1 - SumpfblüteEin Bayou in Louisiana. In den Sümpfen geht alles seinen gewohnten Gang. Aufregung bringen hier die allseits beliebten Ochsenfroschrennen und die Alligatorjagd. Tinkleberry hat dieses Leben satt. Auch der Trost seiner kleinen Schwester, liebevoll Swampy genannt, hilft ihm nicht darüber hinweg.
Die Aussicht auf eine Heirat und niemals aus diesem Nest herauszukommen, ist ihm ein Gräuel. Doch Tinkleberry hat einen Plan gefasst. Seine Zukunft liegt nicht auf dem Grund eines Sumpfes, sondern in der Luft. Heimlich hat er sich einen Ratgeber bestellt und übt die Bedienung eines Jagdflugzeugs.

Über Swampy brauen sich dunkle Wolken zusammen. Marie Laveau, als Seherin begabt und eine versierte Priesterin des Voodoo, sieht für Swampy eine dunkle Zukunft voraus. Ein kleiner extra für sie hergestellter Talisman soll sie beschützen. Wenig später schlägt das Schicksal schon zu. Zwei Unbekannte töten Swampy!

Nach ihrem Tod ist alles anders. Sie hat sich verändert. Plötzlich liegt ihre Kindheit hinter ihr. Auch körperlich hat sie sich verändert. Aus dem Kind ist über Nacht eine Frau geworden. Ihr Bruder ist auch nicht mehr da. Er hat seinen Traum wahr gemacht und ist zu einer Luftwaffeneinheit gegangen. Doch da ist noch etwas anderes, etwas Furchtbares. Swampy besitzt plötzlich eine Kraft, die aus ihr eine Waffe macht. Diese Veränderungen in ihrem Leben finden ihren Gipfel in einer Begegnung mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten. Der mächtigste Mann der Erde sucht kurz vor dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg nach Frauen mit besonderen Fähigkeiten, die sich zu einer Sondereinheit formen lassen.

Eben befand sich Swampy noch in den Sümpfen. Nun ist sie Agentin im Dienste der USA. Ihr neuer Name lautet: Poison Ivy.

In den 30er, 40er und auch noch in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts waren Abenteuer möglich. In diesen Jahrzehnten des Umbruchs, als die Technik noch lange nicht ihre Höhepunkte erlebt hatte, als die Welt noch schwarzweiß war, erlebten Abenteuer-, Krimi- und Agentengeschichten eine große Blütezeit. Heute wird immer noch gerne auf die Vorlagen dieser Zeit zurückgegriffen. Indiana Jones ist das Paradebeispiel dieser ganz eigenen Mixtur aus unheimlichem Ambiente, Agenten, Krieg und einer Prise Phantastik als Kinofilm wie auch als Fernsehserie.
Poison Ivy von Philippe Berthet und Yann funktioniert auf ähnliche Weise. Das Schöne bei solchen Geschichten ist, dass sie eigentlich immer gelingen und mit allen Zutaten versehen werden können, die Spaß machen.

Poison Ivy entführt auf amüsante und phantastische Weise in eine Zeit, in der alles möglich war.
Der Startort der Erzählung ist perfekt gewählt. Die Bayous in den USA sind wegen ihrer Abgelegenheit und Urwüchsigkeit ein sehr urtümlicher Flecken Erde, auf die Uhren noch langsamer ticken – so ist jedenfalls die legendäre Sicht auf die Bajous. Hier blüht abseits von New Orleans der Voodoo und die Menschen sehen merkwürdig aus. Einige der Menschen, die in Poison Ivy auftreten, entsprechen genau diesem Klischee. Kleine Anspielungen und Vorkommnisse sorgen für ein deftiges Schmunzeln in den Mundwinkeln. Darunter fallen die erwähnten Ochsenfroschrennen. Wer hier verliert, kann sich auf die Suppe vorbereiten. In die Kategorie der sehr kauzigen Bewohner des Bajous fällt der Gehilfe von Marie Laveau, der immer die Drecksarbeit für sie erledigen muss. Die Auswahl der Zutaten für einen Voodoo-Zaubertrank kann sehr ungewöhnlich sein. (Von den verlangten Mengen einmal abgesehen.) Inmitten eines schönen Abenteuers entsteht so noch die perfekte Comedy.

Verschiedene unheimliche Ereignisse fesseln außerdem an die Geschichte. Swampys Wiedergeburt ist wirklich außergewöhnlich und auch im wahrsten Sinne des Wortes als solche zu erkennen. Hier kann der Einfallsreichtum des Teams Berthet und Yann nur gelobt werden, denn Optik und Erzählung agieren hier optimal Hand in Hand. Zuerst glaubt man sich noch in einer normalen Erzählung. Das Leben im Bajou ist zwar skurril, aber im Bereich des Möglichen. Die Zeichnungen sind glatt, geradlinig, schnörkellos und nichts wird dem Zufall überlassen. Sie transportieren das Gefühl, das beim Betrachten alter Fotografien und Filme aus dieser Zeit entsteht, sehr schön in das Comic-Genre. Das Flair wird durch die naturgetreue Wiedergabe von Fahrzeugen und Flugzeugen gestützt.

Plötzlich verändert sich nicht nur Swampys Leben radikal, die Geschichte nimmt auch eine völlig andere Richtung. Schuld daran ist der Voodoo, der hier nicht als pseudoreligiöse Show praktiziert wird, sondern tatsächlich Wirkung zeigt. Mit dem plötzlichen Leben als Erwachsene verfügt Swampy über die Fähigkeit, mit einem Kuss zu töten. Swampy findet sich bald in einem kuriosen Ausbildungscamp wieder, in dem noch andere Frauen mit außergewöhnlichen Begabungen zu finden sind. Hier haben Berthet und Vann ihrer Phantasie wirklich freien Lauf gelassen. Die ausgefallendste Agentin dürfte Yum Yum Jaw sein, die ungewöhnlichste Kannibalin seit Hannibal Lector.
Dank der Vielfalt und des Ideenreichtums über die gesamte Länge der Geschichte lässt einen die Handlung erst zum Schluss wieder los.

Wie erwähnt, erinnert Poison Ivy an die legendären Cliffhanger-Geschichten, die schon Indiana Jones zum Vorbild hatte. So ist es denn die einzige Nicht-Überraschung, dass auch dieses Abenteuer mit einem Cliffhanger endet. Leider, muss man aus Lesersicht sagen, denn die Anspannung erreicht zum Ende wirklich ihren Höhepunkt.

Sechs Engel für Roosevelt starten im Auftakt von Poison Ivy in ein unglaublich gutes Abenteuer, das mit einem hohen Charme-Faktor erzählt wird. Die Spannung und Unterhaltung entstehen hier aus dem großen Spaß, den die Macher bei der Erstellung dieses Comic-Kleinods gehabt haben müssen.

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