Freitag, 21. November 2008
In einer düsteren Nacht entscheidet sich, wer gegen die Sklaverei kämpft und wer sich gegen die Blauröcke rüstet. Mason Moore glaubte seine Schritte mit Bedacht gewählt zu haben. Die Wut seiner Gegner hat er nicht bedacht. Der Bussard lässt sein Anwesen niederbrennen, alle Menschen darauf töten. Nur einer kann dem Gemetzel entkommen: Gabriel Moore. Schwer verletzt wird er mit einem Schlafzauber belegt, der ihn dem Tod beraubt. Viele Jahre später erwacht Gabriel wieder, das Herz von Rachegedanken an den Bussard zerfressen. Die Bewohner von New Orleans hingegen haben zum Zeitpunkt seines Erwachens ganz andere Sorgen.
Der Hurrikan Katrina hat die weltberühmte Stadt schwer verwüstet. Im Durcheinander der Überschwemmungen und der Obdachlosen verschwinden junge Mädchen. Einige Menschen sind während des Sturms einfach verschwunden, da scheint ein Serientäter zu glauben, dass ein paar Mädchen mehr oder weniger nicht weiter ins Gewicht fallen. Die Spuren führen einerseits in einen Wohnwagenpark, andererseits in das Herz des organisierten Verbrechens. Und stets hängt der Dunkelheit, den finsteren Machenschaften ein Hauch schwarzer Magie an: Voodoo.
Wer ist Gabriel wirklich? Ist er der Engel, für den ihn manche halten? Oder doch nur ein Werkzeug des Bösen?
Weston Cage und Nicolas Cage haben sich dieses Szenario ausgedacht. Ersterer ist der Sohn des berühmten Schauspielers, letzterer ist der Schauspieler selbst, Neffe des Regisseurs Francis Ford Coppola, bekennender Comic-Fan und –Sammler.
Comic-Fans weltweit konnten außerdem seinen Auftritt als Ghost Rider bewundern. Mike Carey, Comic-Autor, hat die Geschichte geschliffen und ausgearbeitet. Voodo, das Geheimnis des Südens, hat schon den Einstieg von Roger Moore als James Bond beflügelt, ist aber ansonsten in der Literatur und im Film eher stiefmütterlich behandelt worden. Diese Lücke erfährt nun, angetrieben von einer überbordenden Phantasie, eine tolle Überbrückung, die wie eine klassische Bürgerkriegsgeschichte im Sinne von Fackeln im Sturm beginnt und in einer handfesten Grusel- und Thrillerhandlung endet.
Gabriel Moore war zu seiner Zeit – fast – ein normaler Junge. Als Kind einer Beziehung eines weißen Gutsbesitzers und einer freigelassenen Sklavin hat er es damals schon nicht leicht gehabt. Ähnlich wie in einer guten alten Geistergeschichte entwickelt sich die Faszination hier aus dem Umstand, dass der Rächer schon tot war, ein Kind ist und wie der Leibhaftige persönlich über seine Opfer kommt – wenn die Beleuchtung stimmt. Denn Gabriel hat ein paar Schwächen, so wie es sich für einen Rachegeist geziemt. Die Dunkelheit ist sein Freund, sie gibt ihm Kraft, aber das Licht einer 60 Watt Birne – im übertragenen Sinne – macht aus ihm ein hilfloses Kind.
Mehr noch: Gabriel hat durch seine Übergangsform dem Herrn des Todes ein Schnippchen geschlagen. Baron Samedi ist wütend über das entgangene Opfer. Nach so langer Zeit will er endlich das, was ihm zusteht. Gabriel balanciert auf der Kante zum Totenreich. Sobald er den Boden mit den bloßen Händen berührt, fällt er in das Reich von Baron Samedi. Nur eine Verstärkung von außerhalb kann ihn retten – sofern man in diesem Zusammenhang von Rettung sprechen kann.
Mike Carey gelingt ein sehr schöner Spagat, denn Gabriels Zustand schwankt zwischen bewunderns- und bemitleidenswert. Einmal ist er der Täter, dann Opfer. Der Leser kann den Weg von Gabriel verfolgen und bleibt gleichzeitig an der Seite von zwei ermittelnden Polizisten auf dem Boden der Tatsachen. Horror und tägliche Polizeiarbeit vermischen sich, es entsteht die Atmosphäre eines Angel Heart, jenes unvergessenen Streifens mit Mickey Rourke.
Dean Ruben Hyrapiet, der hierzulande noch nicht viele Veröffentlichungen vorweisen kann, zeigt mit der vorliegenden Ausgabe sehr gut, dass er durchaus in der Lage wäre in der obersten Liga mitzuspielen und sich auch mit der einen oder anderen Top-Serie zu beschäftigen. Grafisch würde seine Technik zu den Reihen aus der X-Men-Riege passen. Mitunter ist er sehr ausdrucksstark in Mimik und Haltung. Einige Perspektiven sind gewagt und so selten zu sehen. Man merkt, dass hier auch ein Filmkenner am Werk war, der gerne mit Kameraeinstellungen experimentiert. Ebenso gerne wie er realistische Abbilder der Gegenwart schafft, geht er in den Untergrund der Phantasie. Baron Samedi und seine fürchterlichen Genossen – allerdings toll gezeichnet – geben ihm reichlich Spielraum dafür. Das ist auch wenig Darkness und auch ein sehr naturalistischer Mignola. Dank der Farben von S. Sundarakannan verstärkt sich das Grusel- und Horrorflair noch.
Ein beinharter Horror-Grusel-Thriller-Trip, bei dem für jeden etwas dabei ist und der sehr stark auf die phantastischen Elemente des touristischen Voodoo setzt. Ein toll gestaltetes Zückerchen aus einem ansonsten vernachlässigten Fantasy-Bereich.
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Stichwörter: nicolas cage, mike carey
Samstag, 15. November 2008
Drew bezeichnet sich selbst als Künstler, eine Form von Fleischeskünstler. Er klont. Nicht andere, nein, denn das steht auf rechtlich wackeligen Beinen, aber sich selbst oft und für Geld. Drew spielt mit seinen Klonen. Er verändert sie. Genetisch. Chirurgisch. Er tätowiert sie. Verstümmelt. Erweitert. Er erfindet sich immer wieder neu zur eigenen Belustigung, zur Belustigung anderer. Drew schafft Monströsitäten, entlässt sie in die Freiheit, nach draußen, nach Paxton oder nach Punktown, wie sie es nennen. Er zieht sie an, entlässt sie nackt, verkauft sie, um von dem Geld zu leben und seiner Kunst zu frönen.
Irgendwann verzieht sich das Spiegelbild von Geistern, bekommt Risse. Was ist seinen Klonen nicht schon alles geschehen? Sie wurden getötet, vergewaltigt, ausgeweidet … Aus Spaß. Drew hat das alles kalt gelassen. Er hat seinen Klonen keine Gefühle und noch weniger Intelligenz mitgegeben. Sie sind weniger als Tiere und nur etwas mehr als ein Gegenstand. Eines Tages wagt er etwas Neues. Für einen Auftraggeber schafft er eine Frau, aus sich selbst. Sein weibliches Ich zieht ihn immer mehr an, fasziniert ihn, doch der Tag der Übergabe an den Kunden naht viel zu schnell.
Geschichten aus einer schlimmen, verrohten, emotional verwahrlosten Zukunft. Das ist Cyberpunk, ein wenig Splatterpunk, das ist Blade Runner hinter den Kulissen der Mächtigen. Jeffrey Thomas geht in seiner ersten Geschichte der Frage nach, was wäre, wenn der Mensch sich selber schaffen könnte, nicht andere, nein, sich selbst. Was würde er mit diesen Kopien anfangen? Die Antwort in dieser Geschichte ist erschreckend, denn die Fähigkeit zum Klonen liegt ausgerechnet in den Händen eines jungen Mannes, der sich zunehmend von der Welt abgeschottet hat.
Wer das Schweigen der Lämmer sah oder las, wird sich vielleicht an den Blutadler erinnern, den Mr. Lecter bei seiner Flucht zurückließ. Drew, der Held aus Thomas’ erster Geschichte im vorliegenden Hörstück, inszeniert etwas ähnliches mit einem (noch lebenden) Klon in seiner eigenen Wohnung. Bei aller Beschreibung, die Drew über sich selbst offenbart, ist es genau dieses Kunstobjekt, das sein wahres Seelenleben zeigt.
Jeffrey Thomas beschreibt eine Welt, in der Gefühle jegliche Ausdrucksmöglichkeit haben, aber ihre Nutzung keine letztendliche Erfüllung bringt. Hassmaschine nennt sich eine Erfindung, die in der Lage ist, die negativen Emotionen ihres Besitzers auf und in sich zu bündeln. Ihr Besitzer wird so umgänglicher, pflegeleichter, nachgiebiger. Das kleine lebende Innere des figürlichen Sündenbocks verschrumpelt nach und nach und stirbt ab. Doch was ist, wenn der Druck zu groß wird, so groß, dass selbst ein so ausgeklügeltes Maschinchen nicht mehr standhalten kann?
Thomas spürt dem Mythos des Sündenbocks nach, der hier nicht in die Wüste gejagt wird, sondern stets dabei ist. Es gibt einen fürs Büro, für die heimischen vier Wände, sogar für unterwegs, für die Manteltasche gibt es einen. Und während die einen ihre gewaltsamen Neigungen so verhindern, gehen die anderen ihren Trieben ungehemmt nach. Cardiff lässt sich von seiner Frau nach Strich und Faden betrügen, seine Tochter wird von Punks getötet, aber er selbst beherrscht sich, obwohl er schon eine Waffe gekauft hat, diese mit zur Arbeit nimmt und nur darauf wartet, sie zu benutzen.
Thomas’ Menschenbild einer fortschrittlichen Zivilisation ist furchtbar und zu vielen Zeiten in vielen Epochen denkbar. Er hat sie eher zufällig und für vielfältigere Situationen in der Zukunft angesiedelt. Die Auslöser der Geschichten und die Psyche ihrer Protagonisten sind ähnlich auch in der Gegenwart oder der Vergangenheit denkbar. Die futuristische Atmosphäre hilft dem Hörer nur, mehr Abstand zu wahren, sich weniger in die Geschichten hineinzudenken – was gut ist, da Thomas den gemeinen inneren Kern des Typus Mensch trifft und festhält.
Die Stimmen – in den ersten beiden Geschichten absolut toll: Gerrit Schmidt-Foß als Drew und als verzweifelter Cardiff Jürgen Holdorf - klingen innerlich zerrissen, sie packen, ziehen einen herunter – was furchtbar ist – weshalb man sich nur eine Geschichte am Tag zu Gemüte führen sollte und nur, wenn gute Laune vorherrscht. Wer in düsterer Stimmung ist und sich aufheitern will, ist bei diesen Geschichten am falschen Platz.
Die gesamte Inszenierung lässt Punktown vor dem inneren Auge erstehen, vielleicht verleitet es auch dazu, zu bekannten Optiken wie Blade Runner abzudriften. Einerlei ob die Phantasie oder das Gedächtnis bemüht wird, der Klang baut im Geiste ein großartiges Gebilde.
Grimmig, gruselig, in Abgründe eintauchend, das ist Jeffrey Thomas, dessen Geschichten hier einmal mehr eine originelle Lebendigkeit erfahren und das Dunkle seiner Geschichten noch mehr verdüstern.
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Stichwörter: jeffrey thomas
Kein Kaffee mehr in Daisy Town! Nirgendwo! Daheim nicht, auch im Saloon nicht. Ein kleiner Rest, ein Handvoll Bohnen nur, artet zuerst zum Zankapfel aus und endet in einer handfesten Keilerei. Und wäre all das noch nicht genug, tauchen genau zu diesem Zeitpunkt zwei neue Gesichter in der Stadt auf. Ein Fabrikant will unbedingt eine Produktionsstätte für Kutschen in der Nähe der Stadt eröffnen. Außerdem trifft eine Politikerin und Frauenrechtlerin in Daisy Town ein. Eigentlich geht damit das ganze Unheil erst so richtig los.
Kaffee macht müde Männer munter lautet die Devise. Und ohne Kaffee? Dann kommen die Einwohner von Daisy Town auf dumme Ideen. Angestachelt durch die Parolen der Frauenrechtlerin, tauschen Lucky Luke und Lotta Legs die Rollen. Fortan ist sie der Sheriff, während Lucky Luke den Saloon schmeißt. Lotta muss sich erst an ihre Rolle gewöhnen – Verbrecher wollen schließlich nicht jeden Tag zur Räson gebracht werden – Lucky hingegen schwingt den Putzeimer und macht aus dem Saloon nicht unbedingt die schönste, so doch wenigstens die sauberste Kneipe, in der sich die Gäste zu benehmen haben.
Alles könnte so schön sein, würde nicht plötzlich ein windiger Halunke in der Gegend sein Unwesen treiben.
René Auberjonois ist ein heimlicher Komödiant. Bereits in frühen Jahren, bei seinem Auftritt in der Neuverfilmung von King Kong konnte er eine gewisse Komik nicht verleugnen. Das ewige Gezänk zwischen ihm und Armin Shimerman, also zwischen Odo und Quark, in Star Trek Deep Space Nine wäre ohne komödiantisches Talent nicht möglich gewesen. Wenn er hier einerseits als Fabrikant, andererseits als kostümierter Halunke die Gegend unsicher macht, dann spielt er wie jener Gauner, der in der Lucky Luke-Episode Der weiße Reiter auf der Bühne sein Unwesen trieb. Das ist ein wenig grotesk, ein wenig albern, mit viel Spaß und immer mit einem Augenzwinkern – aber nichts anderes kennt der Leser aus den Comics.
Wer anderen eine Braut besorgt … ist nicht zufällig so formuliert wie Wer anderen eine Grube gräbt … In dem kleinen – sehr kleinen – Ort Purgatory leben gerade einmal 13 Männer. 12 von diesen gestandenen Mannsbildern wünschen sich Frauen, aber welche Frau aus dem Osten würde in einer Ansammlung von grob gezimmerten Hütten und Zelten leben wollen? Doch wer hätte das gedacht? Ausgerechnet in St. Louis finden sich ein gutes Dutzend (sogar mehr), die sich auf die lange Reise in den unzivilisierten Westen begeben wollen. Aber wie gesagt, der Weg ist lang und da gibt es noch die Daltons und ausgerechnet die sind gerade einmal wieder ausgebrochen.
Die Verlobte von Lucky Luke taucht hier nicht auf. Wer hinter dieser Episode eine Umsetzung des Lucky-Albums vermutet, sieht sich getäuscht, vielleicht sogar positiv getäuscht, da die Handlung hier ein wenig mehr Spaß macht. Die burschikose Jenny, die sich bereits als Mann, genauer als gesuchter Ganove Dead-Eye Kid, durchschlug, erlebt an der Seite von richtigen Weibsbildern, was es heißt, seine Frau zu stehen. Schießen lernen sie zwar nicht, doch wie es sich sehr bald zeigt, kann ein gut geworfenes Nudelholz einen angreifenden Reiter ebenso aus dem Sattel holen wie eine Kugel.
Wie diese verstaubten Goldsucher schließlich an die Frau kommen, ist ein harmloser und sehr familienfreundlicher Spaß. Ein großes Lob geht in den beiden Episoden an Terence Hill, der sich herrlich zurücknimmt, und den anderen in Sachen Komik zu einem Großteil den Vortritt lässt.
Gelungene Fortsetzungen mit spielfreudigen Gastschauspielern, allen voran René Auberjonois und Ron Carey, der erneut den knurrigen Joe Dalton gibt. Der Geist der Comic-Reihe wird weiterhin gut getroffen. Terence Hill hätte es kaum besser machen können.
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Stichwörter: terence hill, rene auberjonois, ron carey
Sonntag, 02. November 2008
Arthur und Kei sind auf der Suche nach Abenteuern. Sie sind in einem jungen Mannesalter angelangt, in dem sie sich beweisen wollen, ja, beweisen müssen. Aber wie? Zuerst einmal muss Ausrüstung angelegt, wollen Reittiere gefunden werden. Die beiden Brüder haben keinerlei Besitz, also was bleibt noch an Möglichkeiten, wenn einem bäuerische Arbeit nicht gefällt und man ein Krieger werden will? Stehlen! Aber auch das will gelernt sein. Der Hof, den sie aus der Ferne beobachten, sieht verlockend aus. Da er bewacht ist, wird es wohl kaum ohne Blutvergießen abgehen. Das Schicksal hingegen meint es gut mit den Brüdern und ihrem neuen Begleiter. Ein Nebel zieht auf und verbirgt ihr Tun.
Wer war der berühmte König Arthur wirklich? Was war mit der Tafelrunde? Und Merlin? Welche Rolle spielte der Zauberer bei all diesen grandiosen Ereignissen, die von einem Wendepunkt Britanniens handeln? Vergesst die bisherigen Romane wie Die Nebel von Avalon, schön gefärbte Filme wie Der erste Ritter oder die alten Klassiker wie Die Ritter der Tafelrunde. Das wahre Leben dieses Kriegers war rauer, aber auch magischer, zauberhafter, mystischer. Arthur entwickelte sich langsam von einem die Abenteuer suchenden Räuber zu einem Freiheitskämpfer.
In jenen Tagen streifte ein gereifter Mann durch die Lande, weise, mit einem unbestimmbaren Alter und einem Geheimnis behaftet. Myrddin, so sein Name, wurde von Autor David Chauvel bereits ausführlich im ersten Band Myrddin, der Verrückte vorgestellt. Wer mit den erwähnten Veröffentlichungen oder anderen vertraut ist, wird hier so manches Detail oder diese oder jene Figur wieder erkennen. Aber mehr auch nicht. Der Weg, den Chauvel hier mit seinen Figuren beschreitet, ist anders, viel mythologischer, historisch, aber auch phantastisch.
Wir begegnen Myrddin und seinem Freund und Helfer Taliesin zu Beginn der Geschichte, als sich Myrddins eigenes Leben wieder beruhigt hat, die Geschichte Britanniens jedoch auf des Messers Schneide steht. Das Volk der LLoegr hat sich im Kampf behauptet und das Volk der Kymry zurückgedrängt. Aus diesem Volk geht Arthur als Ziehsohn von Kynyr hervor. Für fünf Kinder ist der gestandene Mann der Vater, zwei von ihnen entstammen seinem eigenen Fleisch und Blut, drei sind adoptiert. Alle verstehen sich prächtig und gedeihen so, wie es sich Eltern nur wünschen können. Myrddin, zu Gast bei Kynyr, entdeckt Arthur und sieht in der Zukunft, was einmal werden wird, aber er schweigt.
Die Jahre vergehen. Kei, Kynyrs leiblicher Sohn, und Arthur sind enge Freunde, ja Brüder, als entstammten sie den gleichen Eltern. Bedächtig, ausführlich, aufregend für den Leser, erzählt Chauvel seine Sage, die auch immer wieder von kleineren Geschichten und Beschreibungen durchbrochen wird. Diverse Krieger, die später an der Seite von Arthur reiten und kämpfen, haben ihre ganz besonderen Fähigkeiten und Namen. Vor einer Schlacht wünscht sich Arthur eine Ablenkung durch einen Barden, der ihm eine spannende Legende erzählt. Durch diesen Trick, wenn man es so nennen kann, entwirft Chauvel nicht nur ein groß angelegtes Bild von Arthurs Leben, sondern auch eine vielschichtige Ansicht eines längst vergangenen Britanniens.
Jerome Lereculey zeichnet höchst realistische Bilder und reiht sich mit seinem Können in die Riege der großen Künstler im Bereich Comic ein. Wer sich an Filme wie Braveheart erinnert und diesen in all seinen Ausprägungen mochte – Ausstattung, Kämpfe, Schlachten, Abenteuer – wird sich hier optisch gleich wohl fühlen. Lereculey verweigert sich keiner Herausforderung. Massenszenen finden hier in einer Fülle statt, die den Details auf den Leinwänden älterer Meister ähneln. Das Land Britannien erhält durch die gezeigte Landschaft, die Wohnstätten in verschiedenen Ausführungen, spezifische Kleidungen und Waffen einen richtig stofflichen Charakter, als habe es reale Vorbilder für diese Grafiken gegeben – ganz so wie bei alten journalistischen Zeichnungen, bevor die Fotografie diese Technik der Reiseberichte ablöste. Kraftvolle und doch sparsam eingesetzte Farben, ausgeführt durch Jean-Luc Simon, unterstreichen die Mischung aus Sagenerzählung und Dokumentation.
Kraft- und liebevoll erzählt. Arthur ist wahrhaftig von David Chauvel als keltisches Heldenepos angelegt (so der Untertitel der Reihe). Es ist so spannend, wie alte britannische (auch englische) Sagen immer sind. Wer glaubte, sämtliche Facetten der Arthur-Sage zu kennen, sieht sich getäuscht. Mit vielen neuen Ideen ist Arthur packende Historien-Unterhaltung.
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Stichwörter: david chauvel, jerome lereculey
Donnerstag, 30. Oktober 2008
Nie hätten die Rebellen gedacht, dass sie ausgerechnet nahe der Bannistar Station auskommen würden. Der Fluchtsprung ins Ungewisse brachte sie ausgerechnet in die Nähe einer der wichtigsten imperialen Raumschiffswerften. Die Anführer des kleinen Kommandotrupps, allen voran Luke Skywalker und Prinzessin Leia, sehen diesen Zufall als willkommene Gelegenheit, um dem Imperium eine weitere große Schlappe zuzufügen. Jedem der Kämpfer ist auch bewusst, dass sie sich auf ein Himmelfahrtskommando einlassen. Die Station wird möglicherweise zerstört, doch der Preis dafür ist ihr Leben.
Nicht nur die auf den Schiffen der Rebellen verbliebenen Kommandosoldaten wie Admiral Ackbar machen sich Sorgen um ihr Leben. Auch – oder ganz besonders – Deena ist von der Situation nicht begeistert. Bevor Luke Skywalker sie zu der Reise überredete, die ganz anders gedacht gewesen war, hatte sie ursprünglich den Dienst bei den Rebellen quittieren wollen. Und jetzt das! Plötzlich ist alles nur noch schlimmer geworden. Während Luke und Leia sogar gefangen genommen werden, scheint Deena ihre letzte Hoffnung zu sein.
Jeremy Barlow hat ein Szenario entworfen, das zeitlich zur Rebellion-Zeitleiste gehört, die sich ungefähr neun Monate nach der Schlacht von Yavin (Episode IV) zuträgt. In luftigen Höhen, atmosphärisch vergleichbar mit den Kampfszenen auf Bespin oder dem Duell im großen Saal des Senats, versuchen die Rebellen ihre Arbeit zu machen und werden böse überrascht. Wie zuweilen in den Filmen und natürlich in den Romanen starten Luke und seine Freunde eine spektakuläre Flucht, die Barlow sehr durchdacht angelegt hat und die mit sehr vielen Spannungsspitzen versehen ist.
Ein besonderer Aspekt des vorliegenden Bandes ist der Auftritt des Zeichners Colin Wilson, den der Comic-Fan von Veröffentlichungen wie Point Blank her kennen mag. Wahrscheinlicher ist seine Bekanntheit durch Szenarien in der Reihe Leutnant Blueberry, wo er sich mit der Jugend des sympathischen Draufgängers aus dem Wilden Westen beschäftigte. Hier kann er wunderbar unter Beweis stellen, dass er sich in jedem Genre scheinbar mühelos zurecht findet.
Wilson gelingen einige sehr schöne Portraits, darunter auch Admiral Ackbar. Die Charakterköpfe können sich allesamt sehen lassen – obwohl wieder einmal deutlich wird, dass Wilsons Herz, wie bei vielen anderen Zeichnern auch, nicht den Schönlingen gehört, sondern jenen mit brecht vielen Ecken und Kanten. Dazu hat er sich einen Bösewicht ausgesucht, der zwar zum Imperium gehört, aber eher eine Art Rasputin in Uniform ist. Genau dieser Mann, der sich an der Hilflosigkeit seiner Opfer weidet und Gegenwehr als Herausforderung begreift, stellt sich Deena in den Weg. Diese Auseinandersetzung wird zum zentralen Ereignis dieser Fortsetzung. – Auf das Finale muss der Leser bis zur nächsten Ausgabe warten.
Die technischen Einzelheiten, von jeher eine Besonderheit des Star Wars-Universums, zeigt sich hier im Design der imperialen Schiffswerft, einer Kernspindel mit angepropften einförmigen Trabantenhüllen. Das Grundkonzept ist dem der Raumstationen aus Star Trek nicht unähnlich. Allerdings scheint diese imperiale Station um einiges größer zu sein. Und je größer die Station, umso größer wird das Feuerwerk …
Die Handlung wird handwerklich einwandfrei und mit viel Gespür für Star Wars erzählt. Mit Colin Wilson ist ein Top-Zeichner am Werk, der einige sehr schöne Eindrücke aus dieser Zeitperiode herauskitzelt. Schade nur, dass man als Leser noch auf das Finale warten muss.
Stichwörter: colin wilson, jeremy barlow
Zayne Carrick hat eigentlich andere Probleme, solche, die groß genug sind. Schließlich wird er wegen Mordes gesucht. Da liegt es nicht unbedingt nahe, sich in der Unterstadt herumzutreiben, wo an der Oberfläche ein Krieg tobt, wo es darunter dunkel ist, heimtückisch und schrecklich entstellte Monster Jagd auf alles machen, was sich auch nur im geringsten bewegt. Doch Zayne hatte schon häufiger eine Art Schutzengel oder Glück im Unglück, so streckt auch jetzt ein Lichtschwert die Angreifer nieder, von denen sich Zayne und sein Freund Gryph schon in Stücke gerissen sahen.
Celeste Morne, eine Jedi, ist nicht auf Taris gelandet, um Zayne für seine angeblichen Verbrechen zu jagen. Sie hat andere, wichtigere Dinge im Sinn, die ihre ganze Aufmerksamkeit erfordern. Sollte Zayne durch Zufall in der Unterstadt zu Tode kommen, ist es ihr gleich, sollte er überleben, es kümmert sie auch nicht. Viel wichtiger ist der Fund eines Gegenstands, den die Mandalorianer in ihre Gewalt gebracht haben: Der Muur-Talisman.
Wie lässt sich eine Crossover-Verbindung über einen Zeitraum von 4000 Jahren hinweg schaffen? Selbst für ein Star Wars-Universum voller Möglichkeiten ist dies kein einfaches Vorhaben. Die beiden Autoren John Jackson Miller und Mick Harrison haben das Unterfangen gewagt und ein Artefakt ins Spiel gebracht, das für die Sith von besonderer Bedeutung ist. Ähnlich wie früher – vor vielen Jahren – der Kaiburr-Kristall unterstützt der Muur-Talisman seinen Träger mit einigen erstaunlichen Fertigkeiten.
In der Galaxis grassiert eine Seuche, die aus den Infizierten monströse Gestalten macht, die alles und jeden angreifen. Geistlos attackieren sie ihre Opfer. Wer nicht gefressen, sondern nur gebissen wird, infiziert und verwandelt sich nach kurzer Zeit. Auch hier lässt sich eine Parallele zu anderen allseits bekannten Monstren herstellen, die sich ebenfalls gerne ungehemmt vermehren, besonders durch Bisse: Zombies, Vampire oder Werwölfe. Diese Star Wars-Variante, Rakghouls gerufen (der Name sagt eigentlich genug), kann vom Träger des Talismans beherrscht und kommandiert werden. Da die Seuche sich rasend schnell ausbreiten kann, stehen einem Träger binnen kürzester Zeit loyale Truppen zur Verfügung, deren Geistlosigkeit durch den Willen und die Intelligenz des Talisman-Trägers ersetzt werden.
So weit, so furchtbar für die alte Republik, wo der Leser diesen Wesen erstmalig begegnet. Eher sehr cartoony ist die Art der Bilder, die Scott Hepburn hier zeichnet. Das nimmt dem Szenario ein wenig die Bedrohlichkeit und hebt es auf das kinderverträgliche Niveau einer Nachmittagszeichentrickserie. – Das könnte der Leser jedenfalls anfänglich glauben. Die Handlung belehrt ihn sehr bald eines besseren. Denn die Aufbereitung der Optik und die Handlung widersprechen sich. Letztlich erreicht es nicht ganz die Action eines der Kinofilme, doch die Zuschauer der Clone Wars-Filme, der Zeichentrickvarianten wie auch der Animationsumsetzung, werden auf ihre Kosten kommen.
Nachdem der Leser Zayne Carrick und seinem Freund Gryph auf ihrem Abenteuer gefolgt ist, gelangt er wieder in Gefilde, die vertrauter sind und auch ein deutlich erwachseneres Erscheinungsbild haben. Doug Wheatley gehört zu den Star Wars-Stammzeichnern. Gerade in den Bereichen der Clone Wars hat er immer wieder mit seinen Bildern auf sich aufmerksam gemacht. Nach einem Zeitsprung, der den Leser von den Knights Of The Old Republik zu den Dark Times bringt, tritt endlich wieder Darth Vader auf den Plan.
In 4000 Jahren kann viel geschehen und es können sich viele neue Mythen entwickeln. Der Mythos um eine geheimnisvolle Truhe mit noch ungewissem Inhalt geistert seit vielen Jahren durch die Galaxis. Einige haben eine Ahnung, was sich dahinter verbergen könnte, darunter auch Vader, der es sich wünscht eine Waffe in die Hände zu bekommen, mit der er seinen Meister töten kann.
Die Szenerie ist nicht so geräumig wie noch im ersten Teil mit Zayne Carrick. Es ist eine Art Kammerspiel mit Sith, einer Jedi, künftigen Rebellen, einem Wissenschaftler und Klonkriegern. Die Inszenierung ist gruselig, düster, auch dank des Geistes eines Sith-Lords, der die in der Macht Starken am Ort dieses Geschehens für seine Zwecke zu umgarnen versucht.
Wheatley fängt die Atmosphäre dieser Szene toll ein, aber - auch das ist immer wichtig in diesem Zusammenhang – das Duo Dan Parsons (Tusche) und Dave McCaig (Farben) hat einen großen Anteil am Gelingen dieses Abschnitts.
Ein beinahe episches Crossover quer durch die Zeitzonen von Star Wars. Gut aufgebaut ist es eine grafisch tolle Jagd auf ein Artefakt, das einiges ändern könnte. Man darf richtig gespannt sein, wie das Kleinod seine Reise in die Zukunft des Sternenkrieges fortsetzen wird.
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Stichwörter: doug wheatley, scott hepburn
Dienstag, 28. Oktober 2008
Nero-Empurio-Dai-A soll sterben. Vor den Augen der 4000 soll der Verbrecher hingerichtet werden. Leider gibt es ein Problem. Nero-Empurio darf nicht sterben, bevor er ein Geheimnis gelüftet hat, ein Geheimnis, welches der Hauptgrund für seine Hinrichtung ist. Er ist der einzige, der weiß, welche Frau seinen Nachkommen trägt: Den künftigen Dalai Lama. Die Kirche will dieses Kind haben. Und sie schickt Yiu. Diese Attentäterin hat in ihrer bisher kurzen, aber sehr effektiven Laufbahn schon eine Reihe von scheinbar aussichtslosen Aufträgen gehabt. Doch selbst sie musste sich noch nicht 4000 Kriegern stellen, der Elite der chinesischen Streitkräfte.
Der Einsatz kommt überraschend. Nicht nur das: Die Zeit drängt auch. Die Transportkapsel, die Yiu ans Ziel bringt, rast mit einer Geschwindigkeit von 2600 km/h dahin. Auf ihrem Weg wird Yiu in der Kapsel liegend instruiert. Obwohl der Druck in der Kapsel ihr beinahe die Knochen zu brechen droht, zweifelt Yiu keinen Moment an ihrer Professionalität. Geistig ist sie Herr der Lage. Zu diesem Zeitpunkt ahnt sie noch nicht, was sie wirklich erwartet.
Mehr darf an dieser Stelle nicht verraten werden, denn zum Zeitpunkt ihres Eintreffens kommt zwar die Transportkapsel an, doch zugleich startet eine Action-Rakete, die ihresgleichen sucht.
Das gesamte Team, allen voran Téhy und J.M. Vee, die das Szenario ausgearbeitet haben, schmeißt den Leser nicht nur ins kalte Wasser, es schmeißt ihn mit Anlauf und mit einem heftigen Tritt ins kalte Wasser. Es spielt keine Rolle, ob man Yiu bisher kannte. Alles nötige erfährt der Leser bei der Instruierung Yius. Es ist auch nicht notwendig, sich im Genre auszukennen. Der Beginn des Albums kommt einem Einstieg in eine Achterbahn mit unbekannter Streckenführung gleich. Filme, Romane oder auch Spiele, die allseits beliebten Egoshooter, gehen manchmal auf ähnliche Art an ein Thema heran und offenbaren erst im weiteren Verlauf wichtige Details.
Yiu funktioniert über die Optik. Die Bilder wirken nicht nur genau festgelegt, sondern vermitteln auch den Eindruck einer Choreographie, die so wirklich nur vom Action-Film her bekannt ist. Es ist eine Welt, die jene eines Blade Runners toppt, eine Welt, die dort beginnt, wo die Visionen eines Luc Besson mit Das fünfte Element enden. Nach den ersten Seiten mag der Leser glauben, diese Welt bestehe nur aus Feuer und Blut. Wer sich unter den genannten Beispielen nichts vorstellen kann, denke sich Bilder, die zu einem sehr heftigen Heavy Metal-Song passen.
Man nehme eine grandiose weite Kulisse, den Aufmarsch von 4000 Statisten (oder die erforderliche Entsprechung von computergenerierten Figuren), setze ausgefallene technische Luftfahrzeuge hinzu (sehr große), lasse einige Set- und Kostümdesigner in wahnwitzigen Alpträumen kramen und diese auf die Leinwand – oder wie hier auf Papier – bringen. Damit das Szenario stimmt, müssen nun versierte Action-Regisseure ran, die neue und ausgefallene Ideen umsetzen wollen. Ein ebenso ambitionierter Kameramann übernimmt den Rest. Die heimliche Überschrift des Drehbuchs lautet: Rasen!
Téhy und J.M. Vee sind die Regisseure. Sie fügten ein paar kleine – sehr kleine – Atempausen ein, nur um mit Details zu verblüffen und Vax die Möglichkeit zu geben, diese Dinge – so kurz sie auch auftreten mögen – mit möglichst viel Realismus zu versehen.
Der Realismus, die Ausstattung gehören zum Dreh- und Angelpunkt einer SciFi-Geschichte. Vorbei sind die Zeiten, als ein Bügeleisen auf einer Konsole als Griff diente. Vax setzt sich wie einst Napoleon mit dieser Arbeit selbst die Krone auf. Phantastische Technik steht hier gleich neben phantastischer Mode, bestückt mit Kleidung, Waffen, Masken und vielem anderen, was diesen Comic wie eine große Hollywood-Produktion ablaufen lässt.
Die Farbgebung von Stambecco ist der Zuckerguss und von hoher Perfektion.
Action-SciFi, ein richtig großer Kracher! Auf seinem Gebiet setzt Yiu Maßstäbe. Wer an einer wirklichen Achterbahnfahrt in Sachen SciFi interessiert ist, die nicht nur oberflächlich ist, sondern auch über eine sehr durchstrukturierte Welt und eine starke Hauptfigur verfügt, sollte einen Blick riskieren.
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Stichwörter: tehy, vax, j.m. vee
Samstag, 25. Oktober 2008
Möhren sorgen für gute Laune. Wer Möhren isst, verhält sich besser und ist netter zu seinen Mitmenschen. Isnogud, der Großwesir, sollte einmal Möhren essen. Aber wo bekommt man im Orient so etwas wie Möhren? Und wie sehen Möhren überhaupt aus? Harun al-Pussah, der Kalif von Bagdad, wagt sich auf die Suche nach diesem sagenhaften Gemüse. Oder ist es Obst? Die Gutmütigkeit und die Unwissenheit des Kalifen wird mitunter ausgenutzt, so in dem Fall, als ein Händler dem Kalifen Bananen anstelle von Möhren anbietet. Die Wirkung dieser Möhren ist allerdings gleich Null, weshalb der Schwindel schnell auffliegt.
Isnogud gut? Bestimmt nicht. Mag sich der Kalif noch so sehr bemühen, sein Großwesir sinnt weiterhin auf den ganz großen Plan, um seinen unliebsamen Vorgesetzten endlich loszuwerden. In Bagdad selber hat Isnogud schon ziemlich viele Möglichkeiten ausgeschöpft. Neue Ideen ergeben sich hier selten. Da trifft es sich, dass eines Tages eine Landefähre aus dem All in der Wüste niedergeht, außerirdische Forscher dem Landemodul entsteigen und neugierig auf die unbekannte Umgebung schauen. Nachdem sie ergebnislos versucht haben, mit einem Kamel Kontakt aufzunehmen, entdeckt Isnogud etwas sehr interessantes bei ihnen: Eine Waffe, die denjenigen, der von ihrem Blitzstrahl getroffen wird, auflöst. – Und schon hat der Großwesir eine neue Idee, wie er den Kalifen loswerden kann.
Es ist eher die Ausnahme, dass Kalif Harun al-Pussah eine Episode ganz für sich alleine hat. Die Suche nach den Möhrchen für Isnogud ist von René Goscinny ganz besonders liebevoll und mit viel Herz geschrieben worden. Außerdem kann sich der Leser auf einen Gastauftritt einiger Kameraden freuen, die in den Gewässern des Orients ganz bestimmt keine ’öme’ und auch keine Gallier finden werden – so kommen sie wenigstens einmal relativ heil davon.
Nach einigen Abenteuern, in denen auch ein Plan mit einer Tse-Tse-Fliege misslingt, scheint endlich der große Tag gekommen zu sein: Der Narrentag. Endlich herrscht Rollentausch, die Kleinen können groß sein, die Großen lernen das untere Ende der Leiter kennen. Pantoffelhelden haben plötzlich das Sagen, Sklaven lassen sich bedienen und Großwesire? Es ist absolut herrlich, wie Isnogud seine eintägige Machtposition zu nutzen versucht, damit aus einem Tag als Herrscher viele werden.
Goscinny lässt seinen Helden auch nach diesem Debakel nicht aufgeben. Das muss man dem kleinen Mann als Leser lassen: Hartnäckig ist er. Alte Gesetze wie das der Herausforderung sind nur Anlass zu einem Zwischenspiel. Aufwändiger wird es, wenn Wahlen in Bagdad anstehen und plötzlich nicht mehr nur einer, der Kalif nämlich, zur Wahl steht, sondern viele. Plötzlich läuft in Bagdad alles kunterbunt durcheinander.
Goscinny ist ein Meister des kleinen feinen Humors wie auch des knallenden Wortwitzes und der Situationskomik. Derlei kann nicht zur Gänze gelernt werden, sondern es muss auch ein gewisses Grundtalent vorhanden sein, denn einen Menschen zum Lachen zu bringen, ist so leicht auch wieder nicht. Auch wird hier von Goscinny ein besonderes Werkzeug orientalischer Märchen aufgegriffen, das der Leser später in einer anderen Reihe neu entdecken wird – auch nicht ganz bezuglos zu Isnogud.
Asterix im Morgenland heißt dieses Abenteuer, in Indien angesiedelt, in dem der Bösewicht eine nicht unwesentliche Ähnlichkeit mit Isnogud besitzt. Nun sind die Teppiche in dieser besonderen Episode von Isnogud mit dem Titel Der Zauberteppich ganz besonders gestrickt … gewebt natürlich. Sie lassen einen Menschen verschwinden, indem sie ihn nach Peking transportieren und dann einfach nicht zurückfliegen. – Warum Goscinny ausgerechnet dieses Ziel für seinen Teppich wählte, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Die ausbleibende Verwunderung der Chinesen über die seltsamen Neuankömmlinge, die das Pech haben auf einem solchen Teppich zu sitzen, ist jedoch für mehrere Lacher gut. Es ist halt das Land des Lächelns.
Jean Tabary vertieft sich wieder in einen herrlich cholerischen Isnogud, der die ideale Rolle für Louis de Funès gewesen wäre. Wer den frankobelgischen Humor zu schätzen weiß, in einer glänzenden Farbenpracht übrigens, der wird mit einer guten Mixtur aus längeren und kürzeren Geschichten bestens unterhalten.
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Stichwörter: rene goscinny, jean tabary
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Dienstag, 21. Oktober 2008
Seemann sein, das wär’ schon was! Oder Pirat! Das wär’ noch besser! Pitt Pistol ist aber kein Pirat. Er ist nur ein Kellner in einer Spelunke. Ein junger Mann mit großen Träumen. Seemann werden, das ginge schon, doch Seemann auf dem eigenen Schiff zu werden, ist schon schwieriger. Da kommt Pitt der Zufall zu Hilfe. Ein alter Korsar will sein noch älteres Schiff verkaufen. Der Preis ist gering und beträgt nur so viel, wie Pitt und seine Freunde besitzen. Kurz darauf wird der alte Korsar wegen seiner Gaunereien verhaftet und Pitt und seine Mannschaft sind im Besitz eines wurmstichigen und morschen Segelschiffs, dessen Planken bei bloßem Betreten schon in sich zusammenbrechen.
Aber Piraten … Verzeihung, angehende Piraten geben nicht auf. Zwar liegt der Klapperkahn wenig später im Hafen auf dem Grund, doch so ein Schiff lässt sich reparieren wie alles andere auch. Das Ziel ist es wert. Und tatsächlich: Nach vielen Mühen ist das Schiff flott und sticht unter dem Namen Seestern in die weite See. – Und nun? Seefahren will gelernt sein. Der Kampf gegen gestandene Piraten wie die Mannschaft von Kapitän Grünbart will ebenfalls gekonnt sein, schließlich geht es um das eigene Leben. Es genügt überhaupt nicht, kurz vorher die Kündigung einzureichen, wie es Pitts Mannschaft noch versucht. Wie gut, dass Pitt nicht nur Ehrgeiz besitzt, sondern auch eine riesengroße Portion Glück.
Jehan Pistolet, wie er im Original heißt, startete in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts und hat nichts von seinem erfrischenden Humor verloren. Einfach, elegant, mit Klamauk und Situationskomik gewürzt erschufen René Goscinny und Albert Uderzo eine witzige Piratenreihe, sicherlich nicht unbeeinflusst von den Großen des Genres, vorneweg mit solchen Namen wie Erol Flynn.
Und so kann der Leser vieles aus berühmten Piratengeschichten wieder finden, natürlich auch die Parodie auf berühmte Piratennamen. Hier lauten sie Grünbart, der violette Pirat, der graue Korsar oder der weiße Freibeuter. Darüber hinaus finden sich hier die Archetypen einer Piratengeschichte. Neben dem Kapitän ist dies zum Beispiel der Smutje – der nicht so gut kochen kann – und der Schiffspapagei, der den Schnabel immer zu voll nimmt. Jasmin, der Papagei, verfügt ganz standesgemäß auch noch über ein Holzbein.
Praktischerweise war die Welt zur Zeit der Piraten, als noch mit einfachen Kanonen geschossen und mit Säbeln gekämpft wurde, viel gefährlicher als heute. Reisen dauerten länger und man wusste nicht immer wo und ob man überhaupt ankommt. Nach den ersten beiden Episoden Der unglaubliche Korsar, wo der Leser Pitt Pistol erst einmal in Ruhe kennenlernt, und Korsar des Königs ist das Schiff unterwegs und für die beiden Komödienschreiber Goscinny und Uderzo gibt es keine Grenzen mehr. In Pitt Pistol und der Spion geht die Reise auf den afrikanischen Kontinent. Eine neue Kolonie soll aus der Taufe gehoben werden. Doch nicht nur der französische König hätte gerne neue Ländereien. Der spanische und der deutsche König schicken ebenfalls Schiffe hinter der Seestern, Pistols Schiff, hinter. So schiffen sich die Spanier an Bord der Espantosa und die Deutschen an Bord der Sauerbraten (!) ein und folgen den Franzosen.
In dieser Episode ist jeder am richtigen Platz. Textlich wie auch optisch wird mit Klischees gekonnt gespielt, ebenso wie es später in den hervorragenden Länderepisoden aus der Asterix-Reihe gemacht werden wird. Wer diese alte Episode von Pitt Pistol liest hat sofort die Spanier und die Goten vor Augen.
Pitt Pistol in Amerika greift ein anderes beliebtes Ziel des Duos auf – der Titel verrät es. Wer Umpah-Pah mochte, wird auch von dieser Geschichte begeistert sein. Die Bilder nähern sich immer mehr dem späteren Stil der Asterix-Bilder an. Sie werden knuffiger, putziger und verlassen schon sehr bald das Flair alter Werbezeichnungen, wie sie einem immer noch in charmanten Rückblenden aus den 50er Jahren begegnen.
Mit Der verrückte Erfinder, einer Kurzgeschichte, die hier zum ersten Mal seit 1956 in einem Farbnachdruck erscheint, wird sich der Leser ein wenig an Der rote Korsar erinnert fühlen, der dieser kleinen Geschichte 4 Jahre vorausging. Der Unterschied der beiden kauzigen Erfinder in beiden Geschichten liegt darin, dass der Figur im Film mit Burt Lancaster auch Erfindungen gelingen. Der Leser kann sich also auf eine Menge Chaos und wahnwitzige Ideen freuen.
Ungebremster Humor von Goscinny und Uderzo, auch nach 50 Jahren immer noch ein großer Spaß, der sich von Episode zu Episode steigert. Wer wissen mag, wie die beiden tollen Humoristen vor Asterix arbeiteten, dem sei Pitt Pistol wärmstens ans Herz gelegt.
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Stichwörter: rene goscinny, albert uderzo
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Samstag, 18. Oktober 2008
Jemand will den Spirit töten. Das ist beiliebe keine Neuigkeit. Irgendwie wollen Schurken in Central City diesem Ermittler alias Denny Colt ans Leder. Aber lange hat es nicht mehr so schlimm ausgesehen. Der Raum ist verschlossen und der Zeitzünder tickt. Ausgerechnet diejenige, die in der Lage wäre, die Bombe zu entschärfen, kann sich an nichts erinnern. Was tun? Es könnte helfen, den Spirit-Charme spielen zu lassen, aber ob das hilft? Zuerst jedenfalls findet Satin in ihren Erinnerungen keine Spur von Mr Sexypants. Ob Drohungen besser funktionieren?
The Spirit ist immer in Action. Zumeist kann er nichts dafür. Über die Jahre hinweg hat er sich so viele Feinde gemacht, da bleibt kaum Zeit für eine Ruhepause. Was ist schon eine Bombe, wenn sich die Toten unter dem Befehl von El Morte aus ihrem Grab erheben und in die Stadt einfallen. Dieser Feind hat ein ähnliches Schicksal wie der Spirit erlitten.
Leider befreite ihn niemand rechtzeitig aus seinem Grab. Die folgende Zeit trieb ihn in den Wahnsinn, verwandelte ihn, machte aus ihm ein grauenhaftes Scheusal. Dieser Feind ist auch nicht allein. Neben den Toten hat er noch jemand viel gefährlicheren mitgebracht: Seine Mutter.
Darwyn Cooke bringt uns den Spirit ein zweites Mal zurück auf die Comic-Seiten. In dieser Ausgabe dürfen sich außerdem Gastautoren und Zeichner mit dem Spirit vergnügen – auch ein Cooke braucht zwischendurch mal Urlaub. Es sei ihm gegönnt, zumal die Vertretung ihre Arbeit nicht nur gut macht, sondern auch ein, zwei weitere Lichter auf den Spirit wirft.
In Härter als Diamant präsentiert sich ein Spirit, der bereits optisch durch die Bilder von Chris Sprouse und Karl Story viel ernsthafter wirkt. Walter Simonson, der Autor, kehrt allerdings nicht den typischen Spirit-Humor unter den Tisch. Wie er die Wirkung des sehr egoistischen Gangsterliebchens in Szene setzt, karikiert viele, viele Krimis, die in den 40er und 50er Jahren zuhause sind.
Jimmy Palmiotti hat auch noch zum Stift gegriffen und für den Spirit eine reine Verfolgungsjagd geschrieben, die von Jordi Bernet (Torpedo, Andrax) genial umgesetzt worden ist. Farblich unterstützt von Dave Stewart, der den diesjährigen Eisner Award als bester Kolorist abräumte, zeigt Bernet, dass er auch ein guter Nachfolger in bester Eisner-Tradition gewesen wäre, hätte sich Cooke der Figur nicht angenommen.
Dieser hat mit El Morte eine recht brutale Figur im Ring. Es wird geschossen und getötet, die Toten erheben sich und stürmen die Stadt. Sie sehen nicht nur aus wie Zombies, sie verhalten sich auch so.
In dieser verzwickten Situation lässt Cooke seine Helden an verschiedenen Punkten eingreifen. So sucht auch Ellen, die Denny Colt liebt, einen Ausweg, indem sie Rat bei einem ehemaligen Freund sucht, der mit den Ritualen um dunkle Mächte vertraut ist. Zuerst glaubt Argo ihr nicht, die Fernsehnachrichten belehren ihn eines besseren. So entsteht ein Kampf an zwei Fronten, beides hochdramatisch erzählt – und überhaupt nicht lustig, nicht ironisch oder satirisch, diese Endrunde könnte einem Zombiefilm entsprungen sein.
Cookes grafischer Zeichentrickstil steht dem manchmal brutalen Szenario sehr entgegen, nimmt ihm dadurch die Schärfe, aber nicht die Spannung.
Hier mag der Leser sich etwas verwundert die Augen reiben, denn in der Episode zuvor wurde noch locker leicht erzählt. Ein ungewöhnlicher Mörder steht im Mittelpunkt des äußerst modern dargestellten Tod via TV. Die Selbstdarsteller des Fernsehens, die Techniken wie auch die Ausnutzung derselben zur Streuung weiterer unwichtiger Nachrichten werden hier in diesem kleinen Krimi mehr als nur ein wenig auf den Arm genommen. Schein und Sein sind hier wichtige Details zur Auflösung des Falles.
Vielfältiger, vielschichtiger, durch die Beiträge von Gastautoren und –zeichnern noch abwechslungsreicher: Dieser Spirit lässt sich in keine Schublade packen. Jede Geschichte ist eine neue Überraschung.
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Stichwörter: darwyn cooke, jordi bernet
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