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Comic Blog


Dienstag, 28. Oktober 2008

Yiu 5 - Operation Geisha

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 19:26

Yiu 5 - Operation GeishaNero-Empurio-Dai-A soll sterben. Vor den Augen der 4000 soll der Verbrecher hingerichtet werden. Leider gibt es ein Problem. Nero-Empurio darf nicht sterben, bevor er ein Geheimnis gelüftet hat, ein Geheimnis, welches der Hauptgrund für seine Hinrichtung ist. Er ist der einzige, der weiß, welche Frau seinen Nachkommen trägt: Den künftigen Dalai Lama. Die Kirche will dieses Kind haben. Und sie schickt Yiu. Diese Attentäterin hat in ihrer bisher kurzen, aber sehr effektiven Laufbahn schon eine Reihe von scheinbar aussichtslosen Aufträgen gehabt. Doch selbst sie musste sich noch nicht 4000 Kriegern stellen, der Elite der chinesischen Streitkräfte.

Der Einsatz kommt überraschend. Nicht nur das: Die Zeit drängt auch. Die Transportkapsel, die Yiu ans Ziel bringt, rast mit einer Geschwindigkeit von 2600 km/h dahin. Auf ihrem Weg wird Yiu in der Kapsel liegend instruiert. Obwohl der Druck in der Kapsel ihr beinahe die Knochen zu brechen droht, zweifelt Yiu keinen Moment an ihrer Professionalität. Geistig ist sie Herr der Lage. Zu diesem Zeitpunkt ahnt sie noch nicht, was sie wirklich erwartet.

Mehr darf an dieser Stelle nicht verraten werden, denn zum Zeitpunkt ihres Eintreffens kommt zwar die Transportkapsel an, doch zugleich startet eine Action-Rakete, die ihresgleichen sucht.

Das gesamte Team, allen voran Téhy und J.M. Vee, die das Szenario ausgearbeitet haben, schmeißt den Leser nicht nur ins kalte Wasser, es schmeißt ihn mit Anlauf und mit einem heftigen Tritt ins kalte Wasser. Es spielt keine Rolle, ob man Yiu bisher kannte. Alles nötige erfährt der Leser bei der Instruierung Yius. Es ist auch nicht notwendig, sich im Genre auszukennen. Der Beginn des Albums kommt einem Einstieg in eine Achterbahn mit unbekannter Streckenführung gleich. Filme, Romane oder auch Spiele, die allseits beliebten Egoshooter, gehen manchmal auf ähnliche Art an ein Thema heran und offenbaren erst im weiteren Verlauf wichtige Details.

Yiu funktioniert über die Optik. Die Bilder wirken nicht nur genau festgelegt, sondern vermitteln auch den Eindruck einer Choreographie, die so wirklich nur vom Action-Film her bekannt ist. Es ist eine Welt, die jene eines Blade Runners toppt, eine Welt, die dort beginnt, wo die Visionen eines Luc Besson mit Das fünfte Element enden. Nach den ersten Seiten mag der Leser glauben, diese Welt bestehe nur aus Feuer und Blut. Wer sich unter den genannten Beispielen nichts vorstellen kann, denke sich Bilder, die zu einem sehr heftigen Heavy Metal-Song passen.

Man nehme eine grandiose weite Kulisse, den Aufmarsch von 4000 Statisten (oder die erforderliche Entsprechung von computergenerierten Figuren), setze ausgefallene technische Luftfahrzeuge hinzu (sehr große), lasse einige Set- und Kostümdesigner in wahnwitzigen Alpträumen kramen und diese auf die Leinwand – oder wie hier auf Papier – bringen. Damit das Szenario stimmt, müssen nun versierte Action-Regisseure ran, die neue und ausgefallene Ideen umsetzen wollen. Ein ebenso ambitionierter Kameramann übernimmt den Rest. Die heimliche Überschrift des Drehbuchs lautet: Rasen!

Téhy und J.M. Vee sind die Regisseure. Sie fügten ein paar kleine – sehr kleine – Atempausen ein, nur um mit Details zu verblüffen und Vax die Möglichkeit zu geben, diese Dinge – so kurz sie auch auftreten mögen – mit möglichst viel Realismus zu versehen.
Der Realismus, die Ausstattung gehören zum Dreh- und Angelpunkt einer SciFi-Geschichte. Vorbei sind die Zeiten, als ein Bügeleisen auf einer Konsole als Griff diente. Vax setzt sich wie einst Napoleon mit dieser Arbeit selbst die Krone auf. Phantastische Technik steht hier gleich neben phantastischer Mode, bestückt mit Kleidung, Waffen, Masken und vielem anderen, was diesen Comic wie eine große Hollywood-Produktion ablaufen lässt.
Die Farbgebung von Stambecco ist der Zuckerguss und von hoher Perfektion.

Action-SciFi, ein richtig großer Kracher! Auf seinem Gebiet setzt Yiu Maßstäbe. Wer an einer wirklichen Achterbahnfahrt in Sachen SciFi interessiert ist, die nicht nur oberflächlich ist, sondern auch über eine sehr durchstrukturierte Welt und eine starke Hauptfigur verfügt, sollte einen Blick riskieren. :-)

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Samstag, 24. Mai 2008

Yiu 4 - Der Schwur der Söhne

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 11:23

Yiu 4 - Der Schwur der SöhneYiu will den kleinen Ji-A um jeden Preis beschützen. Sie lässt sich auch nicht durch die Gewehre abschrecken, die samt und sonders auf sie gerichtet sind. Sie hat die Wahl sich zu ergeben, aber Yiu wählt den Kampf. Schüsse krachen in dem rötlich beleuchteten Raum. Kurz darauf ist alles vorbei.
Sie lässt ihren Bruder in der Obhut des Mannes zurück, der sie zuvor noch verhaften wollte. Ihm bleibt keine Wahl, denn ein Kragen aus Spritzen, die Yiu aus der Ferne auslösen kann – so sagt sie. Die Warnung wirkt. Der Mann bleibt bei dem Jungen.

Fortan hat Yiu nur drei Ziele. Beschütze den Jungen. Bring den Eindringling zur Strecke. Bleibe lange genug am Leben, um die ersten beiden Ziele zu erreichen.

Der Schwur der Söhne stürzt den Aufbewahrungsort wertvoller genetischer Ressourcen der Menschheit in ein heilloses Chaos. Die Stellung einer einzelnen Frau, die nichts weiter im Sinn hat, als ihren Bruder zu retten, ist wichtiger als die Rettung den gesamten Genpools.

Kein Geplänkel! Der vierte Band von Yiu ist ein Wettrennen mit der Zeit. Gegner auf unterschiedlichsten Niveau machen ihr das Leben schwer. Selbst Neueinsteiger können an ihrem Aufeinandertreffen mit gewöhnlichen Sicherheitskräften erkennen, wie hoch ihre Professionalität in ihrem Beruf ist: Attentäter.
Bislang zeigte sie stets einen gewissen Ehrgeiz bei der Erfüllung ihrer Aufträge. Nun, da noch viel mehr davon abhängt, nämlich das Leben eines Verwandten, wird sie zur Furie.

Das komplexe Konstrukt von Yius Welt greift in kleinen Zahnrädchen ineinander. Nichts scheint dem Zufall überlassen worden zu sein – und falls doch, merkt man es nicht. Das spricht für Téhy, Vax und J.M. Vee, die sich die Arbeit an diesem Projekt teilen. Téhy und insbesondere Vax hatten mit den Zeichnungen sehr viel Arbeit zu bewältigen, deren Wirkung sich aber erst durch die Farbgebung von Oxom FX und Daniel Ballin vollends entfaltet und einen Bilderrausch freisetzt.

Die technisierte Welt äußert sich hier besonders in verschiedenen Konstrukten und Szenen. Zuallererst ist die merkwürdige Maschine zu nennen, die den Genpool für sich vereinnahmt. Ein Gerät, das an eine mutierte Hummel erinnert, mit glosenden Augen, deren Bestandteile sie abfeuern kann … Das ist Technikhorror pur.
Infiltrationseinheiten bekommen mit den Shoot To Kill-Teams eine ganz neue Bedeutung. Man schießt sie mitsamt ihrer Kapsel geradewegs durch die Mauer. Die gruselige Krönung ist der Stachelfüßler, eine intelligente Maschine zur Heilung, aber mit einer sehr schmerzhaften Prozedur.
J.M. Vee, der für die technologische Ausarbeitung der Reihe zuständig ist, hat ganze Arbeit geleistet.

Die Wirkung von technischen Apparaturen, eigentlich medizinischer Natur, die in einem Kampf eingesetzt verfehlt auch den richtigen Effekt nicht. Kompliziert ineinander verschachteltes Gestänge mit skalpellartigen Schneiden oder Greifern am Ende haben schon in Judge Dredd – Das Buch der Toten gute Dienste geleistet. Berni Wrightson setzte auf ähnliche Art einen Roboter in Szene. Ein feingliedriges Angriffskonstrukt hat etwas von einer mechanischen Gottesanbeterin. Und tatsächlich ist das Ende, das einen Gegner durch ein solches Konstrukt erwartet, ähnlich brutal.

Zum guten Schluss sei noch das Cover hervorgehoben. Nicht nur, dass eine toll choreographierte Action-Szene ist, sie verdeutlicht auch den Charakter von Yiu vortrefflich.
Zwei ihr ebenbürtige Gegner malträtieren sie, aber sie ist weit davon entfernt, aufgeben zu wollen. Es ist außerdem eines jener Bilder, das auf dem Kopf steht. Ich wusste, ihr würdet mich umdrehen sollte eigentlich klein gedruckt irgendwo zu finden sein. Doch nicht nur das Umdrehen lohnt sich, sondern auch ein näherer Blick. Für das Cover zeichnet sich Kolorist Nicolas Guénet verantwortlich, der hier einen beinahe vollkommen natürlichen Farbauftrag erreicht.

Ein SciFi-Action-Abenteuer in einer hochtechnisierten, aber auch tieftraurigen, verlorenen Welt. Yiu überschreitet ihre eigenen Grenzen einmal mehr, diesmal aus Liebe zu ihrem Bruder. Grafisch opulent nehmen Vee, Téhy und Vax den Leser mit auf die Reise in einen spannenden Alptraum. Top! :-D

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Sonntag, 03. Februar 2008

Yiu - Die Kaiserin der Tränen

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 13:09

Yiu - Die Kaiserin der TränenEin gewöhnlicher Auftrag. – Was Yiu eben einen gewöhnlichen Auftrag nennt. Die weltweite ökumenische Allianz bereitet sich auf ihre Konferenz vor. Einer jedoch soll niemals an der Konferenz teilnehmen: Jesus Frans Verbruggen. Seine Verderbtheit ist selbst dem Klerus zuviel geworden. Yiu wartet auf die Abschussfreigabe.
Es ist das übliche Vorgehen. Über die Kopfhörer kommen die Vorgaben des Beobachters glasklar herein. Der Beobachter ist sehr menschlich. Er weiß, dass er gegen die Vorschriften handelt, trotzdem informiert er Yiu über eine Geiselnahme im Zentralkrankenhaus.

Yiu will nicht länger warten. In diesem Krankenhaus befindet sich ihr einziger Verwandter: Ji-A, ihr kleiner Bruder. Dieses Kind, so beschließt sie ohne Verzögerung, darf nicht sterben. Verbruggen kann sich in Kürze von ihrer Professionalität überzeugen, als sie ihren Auftrag gegen den ausdrücklichen Befehl vorzieht, nur um gleich darauf zum Krankenhaus aufbrechen zu wollen. Yiu entkommt unbeschadet, will sie die Taktik ihrer Gegner kennt und mit ihnen gnadenlos spielt. Selten zuvor war sie so energisch in ihrem Vorgehen. Noch nie war ihr Anliegen derart persönlich.

Das Zentralkrankenhaus im nördlichen Viertel von New Jerusalem ist ein riesiger Komplex, mehr Festung als Heilungsstätte. Der Vergleich ist nicht leichtfertig gewählt, sind doch gerade die Kinder das höchste Gut dieser Gesellschaft, die am Abgrund steht, kurz vor der genetischen Auslöschung. Die Ordensschwestern versuchen die Kinder zu schützen, gegen die skrupellosen und brutalen Verbrecher hingegen haben sie keinerlei Chance. Wenig später ist Yiu vor Ort. Mit ihren Fähigkeiten gelangte sie bis zum Anführer der Geiselnehmer. Doch so leicht wie zu Beginn bleibt ihre persönliche Mission nicht. Gleich darauf scheinen ihr buchstäblich alle auf den Fersen zu sein.

Mit dieser Ausgabe von Yiu, der ersten Hälfte eines Zweiteilers, könnten die Macher J.M. Vee, Téhy und Vax ein wenig das gewohnte Tempo herausnehmen – denkste!
Das Team lässt dem Leser nur zwei Seiten Zeit, sich in die Geschichte einzufinden. Dann bleibt nur noch, sich anzuschnallen, denn die Achterbahnfahrt geht mit Höchstgeschwindigkeit los. Im Laufe der weiteren Handlung ändert sich daran nichts.

Nach den ersten beiden Geschichten Die Armee des Neo-Mülls und Die Auferstehung des Unreinen begegnen wir Yiu, die einen simplen Scharfschützenauftrag auszuführen hat. Als Schauplatz wurde eine Kirche gewählt, in einer Größenordnung, in der ein Vatikan bequem Platz hätte. Eine Nachricht platzt in die Vorbereitungen des Attentats. Diese Nachricht trifft Yiu tiefer als alle Qualen, die sie (mit dem Leser als Augenzeugen) in der Vergangenheit erleiden musste.
Verwandtschaft! In dieser geschilderten Zukunft ist Verwandtschaft ein hohes Gut, in einer Zeit, da natürliche Geburten selten und das Privileg einiger weniger sind. Bisher agierte Yiu meist kühl, professionell, nun, da ihr Bruder in Gefahr ist, brechen Emotionen durch, ist der Einsatz höher. Yiu setzt noch mehr auf Risiko, das jetzt weitaus weniger durchkalkuliert ist, da die Zeit drängt.
Es ist Vee, Téhy und Vax zu verdanken, dass die hastende, atemlose Atmosphäre sehr gut auf den Leser übergreift und er sich zügeln muss, um jeden einzelnen Satz zu lesen, da die Bilder so vorwärts drängen.

Beweine unsere kranke Welt …
So lautet eine Aufforderung des anführenden Geiselnehmers an die Mutter Oberin, die hilflos vor ihm liegt. In der Tat beschreiben die Autoren und Zeichner eine Menschheit, die abseits aller gegenwärtigen Moral und Normen existiert, die völlig aus den Fugen geraten ist. Wahnhaftes und Wahnsinn findet sich überall, eine deutliche Richtung lässt sich nicht ausmachen. Alles ist übergroß, düster, laut, für Menschen eine unpassend technisierte Umgebung wie eigentlich für jedes Leben. Wenn es einen gemeinsamen Nenner gibt, dann ist es die Gewalt, die Auseinandersetzung, denn eine Wertschätzung von Leben mündet in Mord, Totschlag, Selbstmord, im besten Fall in Selbstaufopferung.

Dank der Bilder wirkt diese Welt echt. Die Figuren sind sehr gut gekleidet. Schnallen, Taschen, Zubehör und viele anderen Kleinigkeiten sind richtig platziert, um einen filmischen Eindruck zu erzielen. Natürlich ist eine derartige Detailtreue, die sich in jedem anderen Bereich fortsetzt, sehr arbeitsintensiv. Doch das Endergebnis lohnt sich. Die Wirkung hat etwas von einem Breitwand-Gefühl, jener Effekt, der vor einer großen Kinoleinwand einsetzt, wenn man nicht weiß, wohin man zuerst schauen soll. (Entsprechend kann man zum Schluss gleich noch einmal von vorne beginnen, um all jene Details zu genießen, die einem zuvor entgangen sind, denn die Blick- und Lesegeschwindigkeit wird sich von Seite zu Seite wie von selbst erhöhen.)

Die Hintergrundgeschichte, wie eine Erinnerung erzählt, stellt ein Rätsel dar, welches sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht lüften lässt. In jedem Fall ist es mysteriös zu nennen. Der Ausgangspunkt ist ein vergangener Kampf oder Krieg. Eine gequälte Seele wurde erschaffen, eine, die nichts mehr zu verlieren hat. Yiu war auch einmal eine solche Seele (jedenfalls hat es den Anschein) und nun hat sie alles zu verlieren, was ihr lieb und teuer ist. Wie sich die Situation auflösen wird, ist nicht vorherzusehen.

Der erste Akt dieses Action-Dramas rast auf den Leser zu und reißt ihn mit fort. Die dritte Folge von Yiu ist einmal mehr SciFi-Kino zwischen Comic-Seiten, immer im richtigen Tempo, mit schnellen Schnitten, ebenso wie mit langen Einstellungen. Insgesamt ergibt sich eine Achterbahnfahrt aus packenden Szenen, die immer rasanter wird, je mehr es dem Ende zugeht. Perfekte Erzählkunst mit einem gut gewählten Timing durch Vee, Téhy und Vax. :-)

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Donnerstag, 18. Oktober 2007

Yiu - Die Auferstehung des Unreinen

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 14:58

Yiu 2 - Die Auferstehung des UnreinenEin mörderischer Kampf. Noch einer. Für Yiu ist das nichts Neues. Kampf ist ihr Beruf, ihre Aufgabe, dafür lebt sie. Dieser Gegner jedoch ist außergewöhnlich. Das Schlachtfeld auch, denn um sie herum toben die Beobachter und lassen sich keine Bewegung entgehen.
Gegen den Krieger in der riesigen Rüstung wirkt Yiu verloren und klein. Ihre Aktionen besagen allerdings etwas anderes. Bereits seit über fünf Minuten ist der Zweikampf im Gange. Allein dies ist eine schier unmöglich lange Zeit, die so noch niemand geschafft hat. Doch schließlich passiert das, was jeder der Schaulustigen und ihr Gegner sowieso geahnt hat: Yiu fällt!

In einer Zeit, in der sich jeder seine Werte und Ideale selber macht, erhält Yiu die heikle Aufgabe in die Festung eines Kriegerclans einzudringen. Selbst für Yiu, die für den Kampf geboren zu sein scheint, ist diese Aufgabe die wohl schwierigste in ihrem ganzen Leben.

Die Ehre erhebt den Menschen und verschafft ihm Ruhm. Sie ist der Lebenssaft alles Göttlichen.
Wüsste Yiu, dass sie im Auftrag eines Wahnsinnigen unterwegs ist, wie würde sie darüber denken? Als Yiu tot ist, erlebt der Leser, wie es zu dieser Aufgabe kommen konnte. Wir erleben in vielen Details, wie Yiu auf ihre Aufgabe vorbereitet wird und zahlreiche Operationen über sich ergehen lassen muss. Aus der jungen Frau ist trotz ihrer vielen natürlichen Talente ein Cyborg geworden. Ein normaler Mensch ohne künstlich erzeugte Fähigkeiten hat in dieser Welt keine Chance mehr.

War der erste Teil der Yiu-Saga außerordentlich düster und ein Spießrutenlauf im wahrsten Sinne des Wortes, gewinnt die Zukunft um athletische Kämpferin mit dem zweiten Teil eine weitere Dimension hinzu.
Glaubte man als Leser, die Religiosität habe sämtliche sonstigen Ideale und Institutionen abgelöst, präsentieren uns Téhy, Vax und J.M. Yee eine Enklave, in der die uralten Werte asiatischer Kriegerkasten hoch gehalten werden. Ausgerechnet in ein solches Gebiet, in dem der Kampf alles ist, der Weg des Kriegers das Ziel, muss Yiu eindringen, um einen simplen Diebstahl zu vollbringen.

Im Vergleich zum ersten Teil sind die Räumlichkeiten und Entfernungen, die Yiu zurücklegen muss beinahe sauber, reinlich zu nennen. Reinheit ist ein zentrales Thema (auch schon im ersten Teil). Bei ihrer ersten Mission stand die genetische Reinheit im Vordergrund, der Wunsch als Klon nicht als Ersatzteillager für normal geborene Menschen zu dienen. Diese zweite Mission führt sie unter Menschen, deren Ideal die Ehre und der Kampf ist. Yiu kann in beiden Fällen bestehen, da sie nur ihren eigenen Idealen und Notwendigkeiten folgt. Ihr Körper wurde in eine Waffe verwandelt, die durch zahlreiche Komponenten gegen einen Totalausfall weitestgehend gefeit ist. – Was nicht heißen mag, dass Yiu keine Schmerzen empfindet. Davon erntet sie reichlich. Bei genauer Betrachtung ist diese Mission ein noch größerer Höllenritt als der vorherige. Die Autoren und Zeichner schenken Yiu wirklich nichts.
Wer den Endspurt betrachtet und sieht, wie Yiu zum ersten Mal Furcht im Angesicht ihrer Feinde empfindet – weil ihr doch noch ein Ehrbegriff innewohnt, eine letzte Grenze, die sie nie übertreten wollte.

Die Optik ist kolossal. In vielen Einstellungen präsentiert sich dem Leser zu Beginn ein wahres Schlachtengemälde, eine Art Mischung aus französischen und japanischen Merkmalen. Kampfläufer sind in der Tat nichts anderes als vielläufige wandelnde gigantische Schusswaffen. Krieger in martialischen Rüstungen rücken schnell vor, und gepanzerte Kamele tragen ihre Reiter in die Schlacht.
Yius Gegner, dem sie sich in einer Arena stellen muss, scheint in seiner prachtvollen Rüstung zu versinken. Mit Verzierungen versehen und von Abwehrstacheln gekrönt sind diese Details nur die Vorschau auf eine gewaltige Festung, die wie ein eigenständiges Wesen aus dem verseuchten Dreck des Landes emporragt. Riesige Gesichter asiatischer Dämonen prangen mit aufgerissenen Mäulern auf der Außenmauer und warnen jeden potentiellen Eindringling.

Doch nicht nur das. Die Technik, in der Schlacht bereits gesehen, äußert sich in den Bereichen der Medizin mit sehr kompliziert aussehenden Apparaturen, in der Fortbewegung in riesigen fliegenden Festungen.
Der Technik gegenüber steht die Mystik, eine archaische Religiosität die einen totalen bildhaften Gegensatz zur übertechnisierten Welt dieser furchtbaren Zukunft bildet. Jene Bilder, Installationen, in bester Bühnenbildmanier ausgeführten Grafiken sind fantastisch anzusehen wie auch fantastisch im Hinblick auf einen dunklen Fantasy-Effekt.

Dass bei all der Pracht die Geschichte nicht verliert, ist Yiu und einigen Einstreuungen zu verdanken, die auf den ersten Blick unwichtig erscheinen, aber später für eine gelungene Pointe sorgen.
Yiu, bei all ihrer kämpferischen Natur, ist überaus menschlich. Sie hat sich ein Herz bewahrt, einen Funken Anstand, Mitleid und sie besitzt die notwendige Intelligenz und Entschlossenheit, um die Dinge, wenn schon nicht zu ihren Gunsten, so doch wenigstens in Bahnen zu lenken, die ihr eine gewisse Genugtuung geben.

SciFi, knallhart, packend, schnell und doch bleibt genügend Zeit, damit Yiu als sympathische wie auch zerrissene Person dargestellt wird. Eine zynische, bitterböse Betrachtung einer Menschheitsentwicklung und einer Welt, in der das Leben nichts mehr Wert ist oder falsche Ideale es wertlos machen. Vielschichtige Unterhaltung, die auch nach mehrmaligem Lesen immer Neues zutage fördert. Erste Klasse. :-D

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Donnerstag, 13. September 2007

Yiu - Die Armee des Neo-Mülls

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 19:58

Yiu - Die Armee des Neo-MüllsYiu lebt in einer trostlosen Zukunft. Das Leben der Menschen ist stark verlängert. Aus heutiger Sicht ließe sich vielleicht auch von Unsterblichkeit sprechen. Doch im Sinne eines medizinischen Systems, dass immer teurer und unerschwinglicher wird, können nur noch die Reichen sich eine entsprechende Versorgung leisten.

In dieser Welt, öde, trostlos, lebensfeindlich, verdorben, ist ein richtiges Kind, geboren von einer richtigen Frau, eine Besonderheit, fast schon etwas Heiliges. Ein solches Kind verdient jegliche Beachtung, die nur möglich ist. Ein solches Kind zieht auch die Aufmerksamkeit krimineller Elemente und Terroristen auf sich. In dieser Zukunft sind die Bedingungen allerdings anders als in unserer Gegenwart: Neid kann zu einem wichtigen Antrieb für den Terrorismus sein. In diesem Fall ist es der Neid auf eine natürlich geborene Existenz.

Das Kind wird entführt. Die Forderung lautet: 198.000 Dollar. Trifft das Geld innerhalb von 48 Stunden ein, stirbt das Kind einen sauberen und schnellen Tod. Ansonsten wird es leiden, 72 Stunden lang.
Es geht nicht mehr um Leben und Sterben. Es geht nur noch darum, wie man stirbt.

In der Welt von Yiu sind Lebensformen entstanden, die es eigentlich so nicht geben dürfte. Diese Wesen ließen sich Menschen nennen – wenn sie es denn selber so wollten. Ihre Existenz ist brutal, einsam. Sie sind Die Armee des Neo-Mülls. Menschliche Körper, die nur dazu gezüchtet wurden, um ausgeschlachtet zu werden, als Ersatzteillager für den originalen Menschen, dessen Klon sie sind. Diese Wesen haben nichts zu verlieren, nur zu gewinnen.
Yiu ist nur 16 Jahre alt, als sie den Auftrag annimmt, das Kind zu befreien. Das kleine Mädchen befindet sich in einem elendig langen und schwer bewaffneten Zug, der sich seinen Weg durch eine verschneite Landschaft bahnt. Yiu hat nicht mehr viel Zeit, doch sie bewältigt die schwierige Aufgabe scheinbar mit absoluter Leichtigkeit.

Yiu – Die Armee des Neo-Mülls von Téhy, J.M. Vee und Vax entführt in eine Zukunft, die grauenhaft, düster ist. Eine Welt, in der sich High-Tech und tragische Gestalten treffen, eine Mischung aus Blade Runner und Runaway Train, schnell, wie der Zug, auf dem die Handlung stattfindet.

Téhy und J.M. Vee sind für das Szenario verantwortlich, das wohl zu den schlimmsten Zukunftsbildern der letzten Jahre im Comic-Genre, vielleicht auch im Science Fiction-Genre gehören dürfte. Die Autoren haben eine Hauptfigur geschaffen, die selber nicht ganz freiwillig diesen gefährlichen Auftrag übernimmt. Yiu ist selbst noch ein Kind, jedoch ein selbst ein gefährliches, hier sogar ein tödliches, dessen Fähigkeiten ein wenig an starke junge Frauen wie Dark Angel erinnern.
Der Start der Geschichte bietet eine kurze Einleitung, bevor Yiu zu Werke geht. Ihr Einsatz beginnt mit einem Absprung, den sie im freien Flug bewältigt. Noch im Flug gerät sie unter Beschuss, gleich bei ihrer Landung tötet sie ihre ersten Gegner. Yiu führt ihren Kampf mit äußerster Brutalität, aus der Not geboren, sie tötet, wie es sich gerade ergibt. Nicht elegant, so doch wenigstens so schnell wie möglich.

Zuerst ist es nicht ersichtlich, wohin sich die Geschichte bewegt. Sicherlich ist eine gelungene Action-Handlung unterhaltsam, aber sie hinterlässt keinen nachhaltigen Eindruck.
Yius Einsatz erfährt immer mehr Tiefe, je mehr Informationen sie über den vorliegenden Fall erhält. Es mag schwierig sein, Mitleid mit diesen Kreaturen zu empfinden, die das Kind entführt haben, aber ihre Motivation erfährt eine glasklare Begründung – jedenfalls aus einer verzweifelten, verdrehten Sicht heraus.
Denn verzweifelt sind diese Wesen, die sich bemühen, mittels zahlreicher Implantate doch ein Leben zu führen, wenigstens irgendein Leben.

Je mehr die Geschichte ihren Lauf nimmt, desto mehr raubt sie Illusionen über eine gute Wendung. Die Autoren lassen den Leser voll auflaufen. Ungewöhnlich, aber drastisch, realistisch, denn ein möglicherweise zu Herzen gehender Schluss hätte nicht gepasst – obwohl, bei genauer Betrachtung geht auch dieser Schluss zu Herzen, nur eben ganz anders, als man es erwartet hätte.

Die drastische Geschichte bringt hier auch eine drastische Optik mit sich. Téhy, der hier zweigleisig arbeitet, und Vax erschaffen hier zusammen mit dem kolorierenden Team von Oxom FX eine ungeheuer düstere Sicht auf die Handlung. Die Technik, das Design der Anzüge wie auch der Kreaturen könnte den Hirnen der Erfinder der Borg entsprungen sein. Wer sich diese SciFi-Wesen in einer verwahrlosten Zukunft vorstellt, die Star Trek so niemals zeigen würde, kommt der Atmosphäre, die sich bei Lesen einstellt, schon recht nahe.

Yiu ist keine Geschichte für Fans von Hochglanz-Science Fiction. Hier wird geschossen, geschlagen, seziert, zersäbelt, explodiert. Brutalität ist hier ein Abbild des Grundgefühls dieser Welt. Die Wesen des Neo-Mülls sind nichts wert und werden gnadenlos beseitigt. Die bildliche Darstellung fällt entsprechend aus und versteckt nichts.
Nichtsdestotrotz ist der Auftakt von Yiu grafisch höchst beeindruckend und aufwändig gestaltet. Hier werden viele Möglichkeiten der computerunterstützten Kolorierung bis an die Grenze ausgereizt.

Ultra spannend, aber auch ultra brutal, ein sehr genau durchstrukturiertes Szenario mit viel Hintergrundwissen der eigens erfundenen Welt in Szene gesetzt, man nehme zur Sounduntermalung einen fetzigen Heavy Metal Track und tauche ab in absolut düstere SciFi – nichts für schwache Gemüter! :-)

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