Montag, 23. Juni 2008
Der Zaubertrank geht zur Neige! Schuld daran hat mal wieder eine kleine Rauferei der Dörfler aus der kleinen Bastion unbeugsamer Gallier – die allerdings ohne Zaubertrank nicht mehr ganz so unbeugsam sind.
Aber ein großes Problem stellt auch dies nicht dar, schließlich ist Miraculix, der Druide, jederzeit in der Lage, einen neuen Trank zu brauen. Dazu braucht es nur einige Zutaten aus dem Wald und ein wenig frischen Fisch. Für letzteres sollen Asterix und Obelix sorgen.
Während die beiden auf dem Meer sind, braut sich ein Sturm zusammen. Ein echter ebenso wie ein sinnbildlicher. Denn im Wald wird Miraculix gefangen genommen und entführt. Den Druiden zu töten, trauen sich die Römer nicht, aber es gibt auch noch andere Mittel, um den gefährlichen Gallier loszuwerden: Man schmeißt ihn über den Rand der Welt.
So finden sich Asterix und Obelix nicht nur auf einer großen Überfahrt wieder, sondern auch auf einer Verfolgungsjagd, die sie in ein äußerst merkwürdiges Land führt, mit seltsam sprechenden dunkelhäutigen Menschen, komischen Dorfgegenständen wie Marterpfahle und vielem mehr.
Nach Motiven aus dem 22. Asterix-Band Die große Überfahrt kam 1994 Asterix in Amerika auf die Kinoleinwand.
Peer Augustinski, Comedy-Urgestein aus der Zeit der Klimbim-Familie, spricht Asterix. Für Obelix ist Ottfried Fischer zuständig. Fischer, als Synchronstimme eher selten vertreten, spricht einen gemütlichen Obelix und dies ganz ohne bayerischen Dialekt in der Stimme. Augustinski hingegen verkörpert einen ernsthaften Asterix, eben ganz so, wie er sein sollte, denn Asterix ist und bleibt ein richtiger Krieger, ganz gleich wie klein er ist.
Im Gegensatz zur großen Überfahrt ist auch Miraculix mit von der Partie. Im Comic nur am Anfang und Ende zu sehen, gehört der Druide hier zum Trio, das nach Amerika verschlagen wird. Ralf Wolter (der Sam Hawkens aus Winnetou) spricht einen ehrenvollen und furchtlosen Miraculix. Neu in dieser Geschichte sind die römischen Erzfeinde Julius Caesar und Lucullus. Letzterer wird bitterböse von Michael Habeck angelegt. Comic-Fans werden ihn auch als die Stimme des Clowns in Spawn in Erinnerung haben. Ha-Tschi, die Indianerin, der Obelix das Leben vor den Bisons rettet, erhält ihre Stimme durch Kristiane Backer, deren Zeit bei MTV beinahe schon vergessen ist.
Als Erzähler kommt der im Zeichentrickfilm erfahrene Harald Juhnke zum Einsatz.
Stimmlich passt es also und optisch wurden mit diesem Film für Asterix-Filme neue Maßstäbe gesetzt. Gleich zu Beginn befinden wir uns im Anflug auf die Pizza Erde. Einer Scheibe gleich (aber ohne Schildkröte und Elefanten) schwebt sie durch das All, während sich an ihren Rändern die Ozeane ins Nichts ergießen.
Aber entgegen der lucullischen gemeinen Planung fliegt der Druide nicht über den Rand, sondern an Land. Im Comic wie im Film erinnern diese Indianer sehr an die frühen Wildwest-Ausflüge von Uderzo und Goscinny, wie sie uns schon in Umpah-Pah gezeigt wurden. Die gesamte Szenerie macht in Amerika einfach nur Spaß beim Anschauen, während die kleinen Seitenblicke in die Heimat beinahe stören – natürlich nur beinahe, denn den Rest der unbeugsamen Gallier mag man auch nicht missen.
Im bedrohten und von den Römern umzingelten Dorf ist das Szenario viel bekannter, aber auch komisch. Noch haben die Gallier Zaubertrank und die armen Römer, die zum Testen vorgeschickt werden können einem schon Leid tun.
Optisch sind die Übersichten des Dorfes wie auch in Amerika wunderbar gelungen und würden sich bestimmt auch gut als Poster machen. Die große Überfahrt selbst, der große Sturm, wurde per Computer realisiert, eine Neuerung in der Asterix-Reihe, die angesichts der Achterbahnfahrt auch nötig war.
Eine gelungenes Leinwand-Abenteuer, nicht ganz mit dem Charme der Comic-Vorlage behaftet, aber insgesamt eine vergnügliche Umsetzung eines der ungewöhnlichsten Asterix-Abenteuer mit vielen eigenen Einfällen.
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Stichwörter: uderzo, goscinny
Sonntag, 30. März 2008
Telegrafix fliegt dahin, gen Olympia, wo sich die besten Athleten der bekannten Welt versammeln werden. Romantix folgt seiner getreuen Taube nach. Er hat die beschwerliche Reise weniger wegen der Wettkämpfe auf sich genommen, als wegen der Liebe, die sein Herz nicht müde werden lässt. Prinzessin Irina jenseits der Berge und des Meeres lässt ihn nicht mehr los.
Auch Prinzessin Irina hat nur noch Gedanken für den jungen Gallier. Leider hat ihr Vater, König Aderlas, mit seiner Tochter andere Pläne. Er hat die junge Frau bereits einer hochgestellten Persönlichkeit versprochen: Brutus.
Dieser hat nur eines im Sinn: Kaiser werden. Leider erfreut sich Cäsar bester Gesundheit. Mehr noch: Der Imperator lässt sich so leicht nicht aus der Ruhe bringen. Zwar haben viele die Nichtsnutzigkeit des Brutus erkannt (Ägypten hat seine sieben Plagen, Cäsar hat Brutus.), aber irgendwie scheinen die Männer einander verbunden zu sein und wenn auch nur dadurch, dass der eine dem anderen im Weg ist. Als ein weiterer Attentatsversuch von Brutus scheitert konzentriert er sich auf seine ganz persönliche Weise auf die kommenden Olympischen Spiele.
Asterix bei den Olympischen Spielen setzt die Reihe der Realverfilmungen der Comic-Vorlagen fort. Nach Asterix und Obelix gegen Cäsar und Asterix und Obelix: Mission Kleopatra zieht es die beiden unbeugsamen Gallier nun zu den Hellenen. Denn wenn ein Freund Hilfe braucht, stehen Asterix und Obelix ihm ohne Wenn und Aber zur Seite.
Bisher konnten die Fans, die sich für die Realfilme zweifelsfrei gefunden haben, an Christian Clavier in der Rolle des Asterix erfreuen. Sein komödiantisches Talent ist unbestritten. Clavier bewies dies auch in anderen Rollen. Seit seinem Auftritt in der TV-Serie Napoleon ist es allerdings schwierig geworden, ihm eine komische Rolle abzunehmen, geschweige denn einen Asterix. So schlüpfte Clovis Cornillac in die Rolle des kleinen Kriegers. Deutlich jugendlicher als sein Vorgänger streitet er an der Seite von Gerard Depardieu, der sich spielerisch wie auch für diesen Band optisch in die Rolle des Obelix eingefunden hat.
Im Präsenz erzählt, kann der Leser der Filmumsetzung dieses klassischen Abenteuers von Asterix nun folgen. Nachdem die Einleitung die Kenner des Originalstoffs vielleicht etwas verwirrt haben mag, kann der Leser gleich darauf das Zusammentreffen zwischen dem Römer Musculus und den beiden gallischen Freunden leicht wieder erkennen.
So bleibt es auch in den Kernszenen.
In der übrigen Handlung gestaltet sich Asterix bei Olympischen Spielen ganz anders, aber auch immer bemüht, den Witz des Originals in den neuen Szenen rund um die Liebesgeschichte von Romantix und Irina einzufangen.
Garant für diesen Humor ist hier ein tollpatschiger Brutus, eine Art römische Supernase, der hier seinen ganz eigenen Weg wählt, um Sieger bei den Olympischen Spielen zu werden. Der Römer gelangt mittels eines Zauberers an sein ganz eigenes Kraftelixier und lässt einen trainierten Athleten wie Musculus blass aussehen.
Anhand vieler Fotografien aus dem Film kann der Leser die Geschichte mitverfolgen und so in aller Ruhe diese vollkommen andere Handlung genießen.
Die Unterschiede, die hier herausgearbeitet wurden, sind deutlich größer, als es der Fan vielleicht noch von den Zeichentrickfilmen her kennt. Aus dem Rennen zwischen menschlichen Läufern zum guten Schluss der Geschichte wird in der Realfilmumsetzung ein Wagenrennen – welches optisch eine deutliche Hommage an jenes legendäre Rennen in Ben Hur darstellt.
Die Ausstattung ist das große Plus dieser Bilder. Einerseits wird aus dem Vollen geschöpft. Kleidung, Rüstungen, Örtlichkeiten lassen die Comic-Welt der Antike lebendig werden. Andererseits sind die Gesichter und die Farben dieser Bilder so bunt und fröhlich, dass der Leser (wie es auch der Kinozuschauer konnte) auch in Annahme verfallen kann, gleich einen Python um die Ecke kommen zu sehen.
Die Geschichte des Realfilmes zum Asterix-Klassiker getreulich nacherzählt. Durch zahlreiche Filmbilder und einen Anhang, der einen kleinen Einblick in die Hintergrundarbeiten der Produktion gibt, entsteht ein eigenständiges Lesebuch einerseits wie auch ein Nachschlagewerk zum Film andererseits.
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Stichwörter: uderzo, goscinny
Montag, 12. März 2007
Die Franzosen sind gelandet. Auf ihre ganz persönliche forsche Art erobern sie den amerikanischen Kontinent. – Jedenfalls hätten sie das gerne. Aber sie haben nicht mit den Wascha-Wascha gerechnet. Der junge Hubert von Täne geht schließlich alleine auf die Pirsch und wird von dem wackeren Umpah-Pah gefangen genommen.
1958 nahm eine Comic-Figur einen zweiten Anlauf, die heute oft auch Großer Bruder von Asterix genannt wird: Umpah-Pah.
Mit dieser Figur griff das legendäre Duo René Goscinny und Albert Uderzo eine Idee wieder auf, die es bereits 1951 verfolgt hatte. War es zu Beginn der Konzeption ein Indianer, der das moderne Leben der (eingewanderten) Amerikaner kennenlernte und ziemlich auf die Schippe nahm, ist es später ein heroischer Krieger, der in der Zeit, als diverse europäische Staaten Nordamerika unter sich aufzuteilen gedachten, viele Abenteuer erlebt.
Fünf Bände sind über Umpah-Pah erschienen, die alle zusammen eine große Geschichte bilden – also von einem roten Faden durchzogen sind, eine Konzeption, die sich bei Asterix so nicht findet.
Die Freundschaft zwischen Umpah-Pah und Hubert von Täne, dem leicht tollpatschigen französischen Adeligen, entsteht in Umpah-Pah: Die Rothaut. Umpah-Pah verhindert schließlich, dass Doppelskalp, so der Spitzname von Tänes wegen seiner weißen Perücke, gemartet wird.
Im folgenden Band Die Plattfüße greifen an droht den Wascha-Wascha ein Krieg. Friedensverhandlungen mit den Plattfüßen scheitern. Die Wascha-Wascha sind Hunde. - Die Plattfüße auch. So lautet das Ergebnis eines ansonsten dialogarmen Pow Wows.
Umpah-Pah begibt sich bald eneut in Gefahr, denn er muss Doppelskalp aus der Gefangenschaft der Plattfüße retten.
Die Franzosen haben ein eigenartiges Tier nach Amerika mitgebracht: Ein Pferd. Umpah-Pah ist begeistert, das Pferd weniger. Darf es bei den Franzosen langsam traben, wird es von dem Indianer richtig gefordert. Der Entschluss steht schnell fest: Es müssen mehr Pferde für die Wascha-Wascha her. Doch dafür muss man nach Europa. Und dazwischen liegt ein Meer, auf dem Der Schrecken der Meere sein Unwesen treibt.
Von Täne ist über die Heimreise glücklich. Noch glücklicher ist er allerdings, als er von seinem König einen Auftrag erhält. Der junge Mann soll In geheimer Mission eine Nachricht des Königs in die Kolonien überbringen. Aber Spione sind von Täne bereits auf der Spur. Wie gut, dass Umpah-Pah auch in Frankreich nichts von seiner Tatkraft verloren hat.
Zurück in der Heimat erwartet Umpah-Pah eine weitere Neuigkeit. Die Preußen sind da. Es droht ein Krieg zwischen Franzosen und Preußen auf amerikanischem Boden. Die Wascha-Wascha schlagen sich auf die Seite der Franzosen. Unter Häuptling kranke Leber wollen die Blauaugen auf der Seite der Preußen kämpfen. Der Lohn: Feuerstöcke.
Was Umpah-Pah auszeichnet, ist sein Humor. Schnell werden Running Gags installiert. Wenn von Täne mal wieder nicht die Klappe halten kann, wird er mit einem kleinen Schlag auf den Kopf ruhig gestellt (nicht zur Nachahmung empfohlen). Ein einheimisches Gericht verursacht jedem europäischen Magen höchste Übelkeit. Viele Kleinigkeiten reihen sich zusätzlich aneinander. Eigentlich ist Umpah-Pah ein Gag-Feuerwerk in bestem Sinne.
Mein Sohn möge sich dick anmalen, damit er sich nicht erkältet. – Und nach dem Krieg kommst du sofort nach Hause.
Mamah-Pah duldet keinen Widerspruch, wenn es um Alltäglichkeiten geht. Eine Squaw hat im Tipi immer noch die Hosen an.
Die Dialoge sind hinreißend. (Es mag noch andere Übersetzungen geben, doch diese von Eckart Sackmann besticht durch gelungenen Wortwitz.) Selbst wenn kaum ein Dialog stattfindet, was sich besonders in indianischen Treffen äußert, bei denen man sich erst einmal lange anschweigt.
Wortwitz findet sich nicht zuletzt in den Namen (wie der Leser es schon von Asterix her kennt). Dialekte und übertrieben höfliche Umgangsformen, hier von den Franzosen und den Preußen zur Schau gestellt, tragen einen guten Teil zum Humor bei.
Wer Asterix kennt, wird den szenischen Humor sofort wieder erkennen. Die kleinen Forts, die Aufmärsche der verfeindeten Parteien, die grimmigen Gesichter der Indianer, das Auseinanderfliegen der Feinde, wenn die Indianer mit vollem Karacho auf sie treffen.
Mitten drin ist Umpah-Pah, der mit einer großen Portion Mut und Naivität die fremde Welt kennen lernt und seine Welt den Neulingen zeigt.
Das alles ist von Goscinny toll geschrieben und von Uderzo bereits in den späten 50ern wahnsinnig gut gezeichnet. Es gibt nur wenige, die dem Cartoon so sehr ein Gesicht verliehen haben – so dass es derart eindrucksvoll im Gedächtnis blieb.
Die ersten Entwürfe von 1951 und die Entwicklungsgeschichte runden den prallen Band ab, über den man schmunzeln und laut lachen kann. Das ist wirklich gelungene Comic-Kultur in ihrer besten Form.
Spaß, Spaß, Spaß und noch mehr Spaß. Goscinny und Uderzo waren ein Traum-Team, was sie mit diesen gesammelten Abenteuern von Umpah-Pah noch einmal unter Beweis stellen.
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Stichwörter: rene goscinny, albert uderzo, asterix
Samstag, 13. Januar 2007
Die Kinder wollen einfach nicht zur Schule gehen! So fällt Asterix und Obelix wieder einmal die undankbare Aufgabe zu, die Kleinen einzufangen, denn die sträuben sich mit Händen und Füßen gegen die Lernerei. Und wo sie sich nicht überall verstecken! Kein Baum und kein Gebüsch ist vor ihnen sicher. Dabei ist Lernen so wichtig. Miraculix, der Druide, möchte ihnen gerne zeigen, dass auch noch Erwachsene vom Lernen profitieren können. Leider ist Obelix für eine Vorführung kein beispielhaftes Objekt, weshalb er sich wenig später auch schon selbst auf der Schulbank wieder findet.
15 Kurzgeschichten zeigen dem Asterix-Fan einen schönen Querschnitt seines Werdegangs durch die Jahrzehnte.
Wir erleben die Geburt von Asterix und Obelix, im wahrsten Sinne des Wortes, und können einmal einen Blick auf ihre Väter werfen. Im Gegenzug erfahren wir von (unechten) kleinen Experimenten und sehen, wie Asterix hätte sein können – Asterix im Weltraum oder im Stile eines Hägar, vielleicht auch als Flowerpower-Ikone, alles wäre möglich gewesen.
Ich persönlich hätte gerne eine Auseinandersetzung von Obelix mit diesen marsianischen Römern gesehen. Vielleicht waren es auch diese Gedankenspielereien von 1969, die Uderzo dazu inspirierten, einen ähnlichen Plot für Gallien in Gefahr zu entwickeln.
Von den frühen 60er Jahren des letzten Jahrhunderts reicht die Erfolgsgeschichte dieser gallischen Comicfigur, deren Siegeszug niemals abriss und die sich mit den ganz Großen der Comic-Geschichte in einer Reihe aufstellen kann. Sympathisch, humorvoll, draufgängerisch, schlau, so hat sich Asterix durch seine Abenteuer geschlagen (auch hier manchmal im wahrsten Sinne des Wortes), dabei meist an seiner Seite sein starker Freund Obelix (er ist ja nicht dick) und der kleine Hund Idefix.
In all den Jahren sind neben den bekannten großen Abenteuern eine Reihe von Kurzgeschichten entstanden, die Asterix plaudert aus der Schule als 32. Band der Reihe zusammenträgt.
René Goscinny und Albert Uderzo thematisierten den Kuss unter dem Mistelzweig, aber auch die Mode und den Liebreiz der gallischen Frau. Ein Asterix-Comic sollte bei der Bewerbung von Paris für die olympischen Sommerspiele helfen. Der Leser weiß, Lutetia darf nicht Olympiastadt werden, denn Cäsar hat bestimmt, dass Rom die Stadt für Olympia sein soll. Neben kleinen Zielen, wie der erwähnten Olympiabewerbung, beschreiben die beiden Asterix-Erfinder auch die Hilfestellung, die der Frühling in Person von Asterix und Obelix erfährt.
Eine sehr feine Episode gibt es zu lesen, wenn die beiden Autoren einen Nachfahren von Obelix kennen lernen und ihrer Redaktion vorstellen. – In Anbetracht all der Fragen, die sich Goscinny und Uderzo in ihrer Karriere ausgesetzt sahen, müsste man fragen: Warum nur ein Nachfahre von Obelix, der sogar einen Stammbaum erhält. Und nicht von Asterix?
Gleichermaßen liebevoll sind auch die neueren Geschichten aus diesem Jahrtausend, die ohne Goscinny entstanden. So ist die Geschichte um Kokolorix, den gallischen Hahn, ein ganz besonderes Zückerchen, in dem Idefix dem Federvieh unter die Flügel greifen darf. (Diese Geschichte entstand exklusiv für diesen Band.)
Obelix ist der bessere Komödiant des gallischen Duos, soviel kann wohl behauptet werden. Wie komödiantisch er ist, darf er in der Eingangs- und Ausgangsepisode unter Beweis stellen, die ihn beide Male in ein schulisches Abenteuer entführen. Im ersteren Fall wegen besonderer Umstände, im letzteren Fall notgedrungen.
Der Witz und Humor werden in diesem Band groß geschrieben, weshalb die Cover-Illustration Programm ist. Alternativ dazu gibt es eine weitere Cover-Skizze im Innenteil, die jedoch eine genau gegenteilige Atmosphäre bildet. (Die aber auch Uderzos wunderbares Talent für Zeichnungen zeigt.)
Für den Leser ergibt sich hier ein direkter grafischer Vergleich. War Asterix zu Beginn eher ein Gnom, wurde er mit der Zeit gestreckter, immer noch klein, aber von den Proportionen ausgewogener. Selbst Obelix wurde einer Stretch-Kur unterzogen und deutlich größer mit den Jahren.
Ein toller Streifzug durch die Asterix’sche Geschichte, von den frühen Tagen bis heute. Einfach nur herrlich und allen Gallien-Fans ans Herz zu legen.
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Stichwörter: rene goscinny, albert uderzo
Dienstag, 02. Mai 2006
Der Neffe von Majestix, dem Chef des kleinen gallischen Dorfes, welches sich den Expansionsplänen Cäsars widersetzt, soll bei den Unbeugsamen endlich lernen, was einen Mann ausmacht. Grautvornix, so der Name des jungen Mannes, ist ein arroganter Schnösel mit einer vorlauten Klappe, einem ziemlichen Temperament und einem äußerst schlechtem Musikgeschmack. Grautvornix hält nichts von den Erziehungsmethoden der gallischen Krieger Asterix und Obelix, die dem Jungen zeigen sollen, was einen gallischen Krieger ausmacht.
Als sie am Strand in der Ferne ein Drachenboot mit einer Horde Normannen an Bord ausmachen, ändert sich Grautvornix’ Haltung schlagartig. Von da an ist er nur noch hysterisch und von Angst erfüllt, denn die Normannen sind die schrecklichsten Krieger, die die Welt jemals gesehen hat.
Als Obelix erfährt, dass es sich bei diesen blonden Kriegern um blutrünstige Piraten handelt, springt er natürlich sofort ins Wasser, um diese bösen Buben zu vermöbeln. Doch er wird von Asterix zurückgerufen. Schwer enttäuscht folgt er seinem Freund in die Hütte des Häuptlings, wo erst einmal beraten wird, was zu tun ist. Grautvornix kann die Gallier davon überzeugen, ihn nach Lutetia zurückkehren zu lassen.
Leider erfahren normannische Späher auch von Grautvornix großer Angst. Denn einzig die Angst ist der Grund, warum die Normannen nach Gallien aufgebrochen sind. Endlich wollen sie einmal erfahren, wie dieses Gefühl der Angst ist und außerdem: Angst verleiht bekanntlich Flügel und wenn Normannen sonst schon alles können, müssen erst recht die Möglichkeiten des Fluges kennen.
Der arme Grautvornix, der von nun an im Zentrum ihres Interesses steht, erlebt einen Schrecken nach dem anderen. Ausgerechnet er, der vor lauter Angstbibbern nicht mehr weiter weiß, soll diesen hünenhaften Kriegern Angst machen?
Nach einer zünftigen Rauferei naht die Lösung von völlig unerwarteter Seite.
Asterix und die Normannen ist eines jener frühen Abenteuer der beiden so unterschiedlichen Gallier Asterix und Obelix, in denen ausgeklügelter Humor, treffliche Pointen und Klamauk ein richtiges Gagfeuerwerk abbrennen, bei dem auch heute noch kein Auge trocken bleibt.
Ein Witz geht hier zum nächsten über. Das mag das Aufeinandertreffen der Gallier mit den Normannen sein, das mögen die Römer sein, die sich wegen des Ungestüms eines Neulings unbedingt in den Kampf am Strand einmischen müssen oder Obelix, der später unbedingt Troubadix finden und zurückbringen muss, da dieser sich bereits auf dem Weg nach Lutetia befindet, weil er dort eine große Karriere als Musiker beginnen will. Autor René Goscinny zeigt, wie man selbst aus der gruseligen Tatsache, dass die Normannen aus den Schädeln ihrer Besiegten trinken, sich einen Spaß machen kann. Obelix’ Naivität ist ein Genuss. Einerseits nie darum verlegen, einem Gegner eines auf die Glocke zu geben, versagt die Kampfeslust beim Anblick eines traurigen Hündchens oder der Bitte eines Freundes. Zitat: Alle nützen meine Schwachheit aus.
Warum und wieso Goscinny so gut ist, zeigt sich in Vergleichen mit späteren Geschichten, die Uderzo alleine konzipiert, geschrieben und gezeichnet hat.
Selbstverständlich ist des Zeichners Albert Uderzos Talent über jeden Zweifel erhaben. Die Freundlichkeit (und auch Niedlichkeit), die selbst bei den bösesten Bösewichtern der Reihe zum Ausdruck kommt, sucht sicherlich ihresgleichen in artverwandten Comics. Und ohne die zeichnerischen Fähigkeiten wären Asterix und Obelix niemals das geworden, was sie heute sind.
In dieser älteren Variante, denn alle Charaktere haben auch ihre äußerlichen Entwicklungen durchlaufen, gefallen sie mir noch ein bißchen besser als heute, obwohl sie auf den einen oder anderen Betrachter vielleicht auch ein Stück altmodisch wirken. Aber sie waren auch ganz schlicht und einfach knuffig. Ich glaube allerdings, dass knuffig nicht mehr ganz so gefragt ist.
In diesen Tagen ist Asterix und die Normannen als Vorlage für den Zeichentrickfilm Asterix und die Wikinger verwendet worden. Dies ist sicherlich auch ein Beweis dafür, wie zeitlos der Humor von Asterix und Obelix immer noch ist.
Stichwörter: rené goscinny, albert uderzo, asterix
Wir befinden uns im Jahre 50 v. Chr. Ganz Gallien ist besetzt . . . Ganz Gallien? Nein! Natürlich nicht, denn ein kleines Dorf unbeugsamer Gallier wehrt sich tapfer gegen den Übergriff Cäsars und hält den römischen Garnisonen ringsherum wacker stand. Diese Gallier haben nur davor Angst, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt. Hoch oben im Norden allerdings, da gibt es ein Volk, die Wikinger, das hat vor nichts und niemandem Angst. Das gefällt diesen Wikingern, die sich rühmen, sonst alles zu kennen, überhaupt nicht. Also soll eine Expedition diese Wissenslücke schließen.
Und so trifft Asterix auf die Wikinger.
Unter der Führung von Häuptling Maulaf brechen die Wikinger auf. Mit an Bord befinden sich der Seher Cryptograf, sein zwar starker, aber nicht sehr intelligenter Sohn Olaf und ein blinder Passagier: Abba, Maulafs Tochter.
Wie es der Zufall will ist in jenen Tagen ein junger Gallier namens Grautvornix im Dorf von Asterix und Obelix zu Besuch. Hier soll der junge Mann alles lernen, was einen Gallier ausmacht, denn die Zivilisation und die neueren Einflüsse in Lutetia haben Grautvornix allzu sehr verweichlicht. Doch Grautvornix ist nicht besonders lernbegierig. Wildschweine zu jagen ist seine Sache nicht und auch der Umgang mit Hinkelsteinen behagt ihm überhaupt nicht. Die neuesten Tänze sind schon eher nach seinem Geschmack. Die jungen Leute machen halt, was sie wollen.
Ähnliche Erfahrungen muss auch Maulaf machen. Seine Tochter Abba hält es für richtig, dass Frauen ebenso erfahren dürfen, was Angst ist. Wissen darf nicht nur von Männern gesammelt werden.
Unterdessen versagen Asterix und Obelix bei ihrer Wissensvermittlung. Grautvornix gibt den Unterricht auf, wird jedoch, da er sich selbst als der König der Angsthasen bezeichnet, alsbald von den Wikingern entführt, da sie in ihm einen Lehrmeister vermuten, der ihnen alles in Sachen Angst beibringen kann, besonders das Fliegen, denn Angst verleiht bekanntlich Flügel.
Wie sehr sie sich doch irren!
Asterix und Obelix machen sich auf, um den jungen Mann zu befreien, plagt sie doch auch ihr schlechtes Gewissen, da Grautvornix etwas so schlimmes zugestoßen ist. Der junge Mann allerdings trifft inzwischen auf Abba. Und wie das Leben so spielt, wenn zwei junge Leute sich treffen, kann daraus Liebe werden. Beinahe wäre alles bald wieder in bester Ordnung, wenn nicht der Seher Cryptograf noch ganz andere Pläne hätte.
Asterix und die Wikinger ist die filmische Umsetzung des neunten Bandes Asterix und die Normannen. Doch ein Asterix-Film fällt immer etwas anders aus als seine Comic-Vorlage(n), weshalb es hier auch einige neue Details zu entdecken gibt.
Die Vorlage erschien 1967, die deutschsprachige Ausgabe folgte erstmalig 1971. Im Kern blieb die Geschichte erhalten. Wurde auch die eine oder andere Szene an einen anderen Ort verlegt, findet sich vieles wieder, was Goscinny und Uderzo anlegten. Außerdem hielt Uderzo ein Auge auf den Herstellungsprozess des Films, ein Fakt, der ihnen vor Jahrzehnten bei der Verfilmung von Asterix, der Gallier noch verwehrt gewesen war.
Die Ausgabe zum Film erzählt die Handlung in herkömmlicher Form, unterstützt durch sehr viele Filmbilder, die nicht nur für Fans, sondern auch für Zeichentrickinteressierte zeigen, wie viel Arbeit in einem solchen abendfüllenden Zeichentrickfilm steckt. Die altbekannten Charaktere, angefangen bei Asterix, bis über die Nebenfiguren wie Grautvornix wurden von Uderzo persönlich abgesegnet und, falls notwendig, mit Korrekturen versehen. Charakterzeichnungen werden durch sehr schöne Hintergrundbilder ergänzt und erwecken die Welt der Gallier einmal mehr auf tolle Art und Weise um Leben.
Neue Figuren wie Abba, Olaf und Cryptograf modernisieren die Geschichte, geben ihr teilweise andere Richtungen, verlassen aber nie den Hauptpfad, den die Vorlage vorgegeben hat. Schön ist sicherlich, dass das altbekannte Dorf der Unbeugsamen verlassen wird und ein großer Abschnitt der Handlung in das Dorf der Wikinger verlagert wurde. Die Eiswelt einerseits und das große Versammlungshaus andererseits bilden einen feinen Kontrast. Die ausgewählten Bilder sind sehr schön auf den Text abgestimmt.
Wer die beiden Geschichten vergleicht, Filmhandlung und Comic, kann prima Vergleiche anstellen, wie sich eine Geschichte entwickeln kann, wie der zeitliche Blick sie verändern und auch erweitern kann. Neue Gags lösen ältere ab (z. B. eine Taube namens Essemess). Besonders beeindruckend sind die Bilderstudien, Bewegungsstudien und Umgebungsskizzen im Anhang. Hier kann der Leser einen kleinen Teil der umfangreichen Arbeiten am Film ablesen.
Für alle, die Asterix und die Normannen mochten, ist Asterix und die Wikinger eine schöne Ergänzung, die auch für sich alleine stehen kann, ohne dass der Leser das Original kennen muss.
Stichwörter: goscinny, uderzo, m6 studio