Sonntag, 30. März 2008
Ist der kleine Spirou frühreif? Tatsache ist, dass der kleine Page durchaus Mittel und Wege gefunden hat, bei jungen Damen zu einer Leibesvisitation zu kommen – beinahe wenigstens. Der Trick mit dem Kaninchen auf dem Regal eröffnet schon eher die erhofften Aussichten – schade nur, dass daraufhin die gesamte Rasselbande, die männliche Hälfte davon, in Ohnmacht fällt.
Zu den besten Witzen dürften jene gehören, die ohne Worte sind und allein über das Bild oder die Situation funktionieren.
Wenn diese Witze außerdem länder- und nationalitätenübergreifend zünden, dann sind sie ein Paradebeispiel für einen Humor, der die Menschen verbindet. Was gibt es schöneres als ein heiteres Lachen? Tome und Jamry verstehen das Kunststück, mit entweder sehr kurzen Geschichten oder zumeist Einseitern ein Lachen, ein Schmunzeln oder einen Brüller bei ihren Lesern zu produzieren.
Wie der Humor funktioniert offenbart im vorliegenden Fall sogar schon das Titelbild. Der kleine Spirou schaut verblüfft unter die Bettdecke, während ein höhnisch grinsender Geist auf seinen Kopf deutet, über den er eine Unterhose gezogen hat.
Den Auftakt des vorliegenden 13. Bandes des kleinen Spirou mit dem Titel Träum schön! macht eine kurze Geschichte mit Spirous heiß geliebter Oma. Oma hat Probleme mit ihrem Gedächtnis.
Bei genauer Betrachtung hat Oma überhaupt keine Probleme. Als ältere Dame steht sie voll im Leben, ist manchmal etwas ruppig und sehr schlagfertig – in jeder Beziehung.
Der Humor in dieser Episode zeigt, dass die Gesellschaft weniger Probleme mit ihren alten Menschen hat, als vielmehr mit dem System, das an allen Ecken und Ende mit aller Macht nach Problemen sucht. So ist auch der Arzt mit seiner merkwürdigen Aufgabenstellung hier die Lachnummer und nicht Omas Gedächtnis.
Ein anderer ruppiger Zeitgenosse, der hier im Zentrum des Interesses steht, ist Spirous allseits (un)beliebter Turnlehrer namens Jahn. Namensähnlichkeiten mit dem bekannten Turnvater sind wohl eher zufällig und nicht beabsichtigt.
Denn Jahn ist nicht nur ein vollkommenes Ekelpaket, er ist außerdem sehr weit vom Bild eines Athleten entfernt. Allerdings – wer sich anschaut, wie er seinen Schülern die in Frankreich sehr bekannte Straßensportart Parcour nahe bringt, wird vielleicht anderer Meinung sein. Andererseits gibt es Menschen, die Unglaubliches für eine Flasche Bier vollbringen. Jahns kontrollierter Absturz zwischen den Hochhäusern ist jedenfalls sehenswert.
Zwei Vorlieben hat ein Mann. Bier und …
Frauen! Diese sind für Jahn ein ganz besonderes Problem. Sei es am Strand oder hoch vornehmer Runde. Immer gelingt es dem mit der Tür ins Haus fallenden Mann irgendwie anzuecken. Manchmal steckt Spirou dahinter, aber meistens schafft es Jahn auch ganz alleine, sich ins Fettnäpfchen zu setzen.
Das Schöne, warum man als Leser eigentlich nie genug von diesem Ulk bekommen kann, ist nicht nur der Humor, sondern liegt auch in den Zeichnungen versteckt.
Tome wandelt auf den Pfaden eines André Franquin. Die leichte Anarchie in der Zeichentechnik, der Tuschestrich, das leicht Verwackelte und Ausgefranste, die Falten, die wildesten Gesichtsausdrücke, die man nicht für möglich und machbar hält - Tome ist es zu verdanken, dass dieser Humor ähnlich wie bei Franquin auch ohne Worte funktionieren kann.
Humor zwischen purem Klamauk, tollem Bilderwitz und stets fein gesetzten Pointen, um die Tome und Janry jeder Comedy-Autor beneiden sollte. Wer lachen will, dem kann nur geraten werden, die Abenteuer des kleinen Spirou mit all seinen gleichaltrigen und erwachsenen Zeitgenossen zu entdecken.
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Stichwörter: tome, janry, spirou
Freitag, 07. September 2007
Am Montag, den 17. September startet RTL II die Trickfilmserie “Spirou + Fantasio” in deutscher Erstausstrahlung. 26 Episoden lang - immer montags bis freitags um 14:45 Uhr - werden die beiden belgischen Helden auf dem Bildschirm zu sehen sein und in gewohnter Manier jede Menge Abenteuer erleben.
Unter http://www.pokito.tv/10769.html werden Charaktere, Inhalte, Bilder und Episoden vorgestellt. Die Qualität der Serie scheint sehr gut zu sein.
Ich bin gespannt, ob die Serie den Humor der Comicvorlage einfangen kann.
Quelle: Carlsen Comics, RTL II
Stichwörter: spirou, fantasio
Samstag, 07. April 2007
Die Zeichentrickserie “Spirou und Fantasio” wurde unter der Feder des Belgiers André Franquin bekannt. Die Abenteuer von Spirou und Fantasio sind von einer Reihe liebenswerter Nebenfiguren bevölkert: zum Beispiel dem Grafen von Rummelsdorf und dem berühmten gelben Fabelwesen mit schwarzen Punkten, dem Marsupilami. ARTE zeigt die Sendung auf Französisch mit deutschen Untertiteln.
Gesendet werden die Episoden Virus, Marylin ist nicht zu stoppen und Penelope spielt verrückt.
Die Termine:
Sonntag, 8. April 2007 um 08.25 Uhr (Wiederholungen : 11.04.2007 um 09:15, 12.04.2007 um 10:35) - Link zur Beschreibung
Sonntag, 15. April 2007 um 08.25 Uhr (Wiederholungen : 18.04.2007 um 09:15, 19.04.2007 um 10:35) - Link zur Beschreibung
Sonntag, 22. April 2007 um 08.25 Uhr (Wiederholungen : 25.04.2007 um 09:15, 26.04.2007 um 10:35) - Link zur Beschreibung
Danke für den Tipp an Martin und Markus.
Stichwörter: spirou, fantasio
Dienstag, 03. Januar 2006
Ein kleines Büro. Hier wird der Alltag zum täglichen Wahnsinn. Fantasio, ein dünner Mann, um Ruhe bemüht und doch in Hektik verfallend, mit gelben Haaren, versucht seine Arbeit zu bewältigen. Das wäre eine Leichtigkeit, gäbe es da nicht einen anderen dünnen Mann, vielleicht etwas jünger, aber in jedem Fall nicht so verantwortungsbewusst wie sein Vorgesetzter Fantasio.
Der Name dieses jungen Mannes, der immer einen grünen Rollkragenpullover, eine Jeans und ausgelatschte Schuhe trägt, lautet: Gaston.
Gaston könnte übersetzt heißen: Nervensäge, nutzloser Unhold oder der helle Wahnsinn. Ähnlich lautende Antworten sollte der Leser von Fantasio erhalten – wenn Fantasio leben würde und antworten könnte.
Was Fantasio so alles mitmacht, ist auch kaum zu ertragen. Eine Arbeit ist verrichtet: Gaston wird sie zunichte machen. Fantasio ist ausgeglichen und heiter: Gaston wird ihn zu Tode erschrecken. Ein Geschäft befindet sich endlich vor dem Abschluss: Gaston sei Dank, es wird nicht vollendet werden. Und sollte das alles noch nicht genug Chaos verursacht haben, bringt Gaston eben eine Kuh oder einen Igel ins Büro.
Nebenrollen wie Spirou und Herr Bruchmüller sorgen für zusätzliche Erheiterung oder auch Running Gags. (Im Falle von Spirou ist es eigentlich jemand, bei dem sich Fantasio endlich einmal über Gaston ausweinen kann.)
Umgesetzt hat Gaston der legendäre Zeichner André Franquin, der sich auch für die Serie Spirou und Fantasio verantwortlich zeichnet.
Die Zusammenstellung in der vorliegenden 18. Ausgabe ist fast schon ein kleines Denkmal für Franquin, dessen Ende eher tragisch und weit vom Humor dieses Mannes entfernt war. Die Episoden mögen einzeln betrachtet nicht so viel hergeben. Ihr Humor ist nett, spaßig mit ein wenig Slapstick. Doch zusammengenommen, in dieser Fülle, ergibt sich daraus ein Feuerwerk.
Eine einzelne Episode ist ein Witz, aber in dieser Sammlung ergibt sich sogar eine Art Handlung. Ob dieses Gesamtbild beabsichtigt war, lässt sich nicht sagen. Höchstwahrscheinlich hat es sich wohl eher zufällig ergeben.
Gaston, der hier in Deutschland auch in alter Zeit als Jojo unterwegs war, ist in bester frankobelgischer Cartoon-Manier gezeichnet, in jener klassischen Form, die diese Art von Humor berühmt gemacht hat.
Sehr schön zu sehen an dieser Sammlung ist auch die Veränderung, die mit Gaston vor sich geht. Lange Zeit ist die Darstellung einheitlich, später kommt es zu minimalen Veränderungen am Kopf und an den Haaren. Gegen Ende sind die Veränderungen und der viel schneller ausgeführte Zeichenstil deutlicher. In dieser Phase erhält das Büro Verstärkung und Gaston bekommt neue Zielscheiben, denen er das Leben schwer machen kann.
Franquins Einfallsreichtum bleibt während jeder Phase seines Schaffens ungeheuer gut. (Mag es durch seine gesundheitliche Angeschlagenheit auch zu Einbrüchen gekommen sein, in der Gesamtheit ist dies nicht zu erkennen. Ich glaube nicht, dass jemand Unterschiede in der Humorqualität erkennt, denn jeder fasst Spaß sowieso anders auf.)
In dieser ausgewählten Reihe der FAZ Klassiker der Comic-Literatur ist Gaston für mich ein absolutes Highlight. (Vor allem, weil hier ein Lacher auf den nächsten folgt, fast ein bißchen wie eine persönliche Sitcom.
)
Stichwörter: andré franquin, gaston, spirou, fanatasio
Dienstag, 06. September 2005
Der vorliegende Sammelband vereinigt drei Geschichten rund um Spirou, Fantasio, Pips und das Marsupilami.
Das Nest im Urwald
Im Straßenverkehr wundern sich Spirou und Fantasio über das rüde Verhalten einer Frau auf einem Motorroller. Die beiden wollen die junge Frau aufhalten und müssen erstaunt feststellen, dass sie zu ihnen unterwegs ist. Steffani hat eine Überraschung. Sie lädt die beiden zu einem Vortrag ein.
Spirou und Fantasio sind überrascht, denn der Vortrag zeigt einigartige Bilder über frei im Urwald lebende Marsupilami.
Steffani berichtet über die Werbung zwischen Männchen und Weibchen, das Jagdverhalten, den Nestbau und natürlich die Aufzucht der Jungen. Das Leben der Marsupilami ist gefährlich, aber stets sind sie ihren Verfolgern um eine Nasenspitze, oder besser, Schwanzspitze voraus.
Der Plan des Zykloptrop
Eine heimtückische Strahlung setzt Fantasio außer Gefecht und zwingt ihn dazu, in ein fremdes Auto einzusteigen. Dieses setzt sich denn auch gleich in Bewegung: ohne Fahrer. Zykloptrop hat es sich zum Ziel gesetzt, die Intelligenzen dieser Welt unter seinem Genie zu vereinen. Dazu hat er bereits überall auf der Welt Stützpunkte angelegt und Soldaten mittels seines Energiestrahls rekrutiert.
Auch Graf von Rummelsdorf, der Wissenschaftler, soll sich Zyklotrop anschließen. Aber dieser weigert sich schlichtweg, das Genie des einstigen studentischen Versagers anzuerkennen. Was Zyklotrop an Wissen fehlt, gleicht er durch Hartnäckigkeit wieder aus. Als er das Labor von Rummelsdorf verwüstet und Fantasio entführt, sehen von Rummelsdorf und Spirou ein, dass sie schnellstens etwas unternehmen müssen.
QRN ruft Bretzelburg
Der Hobbyfunker Bruno Ukaweh hat von König Ladislaus erfahren, dass dessen Land Bretzelburg in großen Schwierigkeiten steckt. Als Fantasio, von Bretzelburger Agenten fälschlicherweise für Ukaweh gehalten, in das ferne Land entführt wird, bleibt Spirou keine Wahl. Zusammen mit dem ängstlichen Ukaweh macht er sich auf, um Fantasio zu befreien.
Bretzelburg wird vom Militär beherrscht. Schon der Weg über die Grenze ist schwierig. Das Volk lebt in Armut. Kleidung wird sogar aus Papier gemacht. Die beiden Eindringlinge schlagen sich durch, denn die Zeit drängt. Fantasio wird bereits von Dr. Kilikil gefoltert.
Hilfe kommt von unerwarteter Seite. Das Marsupilami hat sich ganz allein nach Bretzelburg durchgeschlagen. Ihm gelingt es, Fantasio aus dem Kerker zu holen.
Ein Ausflug in die Kindheit
Andre Franquin soll zum Schluss an Depressionen gelitten haben. Ob er gewusst hat, wie viel Freude er seinen Lesern mit diesen Abenteuern gemacht hat? Als ich mit dem Lesen dieses Bandes begann, dachte ich: Das kennst du doch!
Dabei war ich sicher gewesen, dass mir nie ein Band von Spirou und Fantasio in die Finger gekommen war. Trotzdem konnte ich mit dem Nest im Urwald sofort etwas anfangen. Ebenso ging es mir mit Zyklotrop.
Der Comic ist nicht nur ein Ausflug in die Kindheit für mich gewesen, sondern er ist auch ein Ausflug in eine andere Ideenwelt, vielleicht sogar eine andere Mentalität. Schaut man sich als Leser die Geschichte um Zyklotrop an, werde ich unwillkürlich an die Fantomas-Filme mit Louis de Funes erinnert. Ähnlich überzogen, herrlich albern und abenteuerlich, das macht einfach Spaß und steht im besten Sinne für französisches Komödientalent.
Fantasio, der sich in Zyklotrops Organisation einschleicht, reicht zwar nicht an Jean Marais heran, der Fantomas hinterher spioniert, aber es ist komischer. Fantasios Haare, die sonst störrisch sind, weichen hier einer Glatze.
Die Gerätschaften Zyklotrops sind phantasievoll. Sie erinnern an tatsächliche Zukunftsvisionen der 50er und 60er Jahre, als tatsächlich geglaubt wurde, man werde in 50 Jahren den alltäglichen Verkehr in die Luft verlagern.
Die Geschichte um Bretzelburg hat aus heutiger Sicht von ihrem Hintergrund her eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Film Top Secret. Fast meinte ich, die Soldaten mit sächsischem Dialekt babbeln zu hören. Der Grundtenor, eine gewisse satirische Kritik, kann nicht geleugnet werden. Das Wettrüsten, die Gier der Waffenhändler, verhindert hier ein vernünftiges Leben der Einwohner.
Ein rundum gelungener Sammelband. Wer einen Einstieg in die Serie und seine Figuren finden möchte, kann hier getrost (und besonders zu diesem Preis) zugreifen.
Stichwörter: franquin, greg, spirou, fantasio
Montag, 01. August 2005
Die große Comic-Offensive startet zu Beginn dieses Monats mit der Comic-Bibliothek aus dem Hause BILD: Wer hätte das gedacht?
Bislang wussten wir, dass Buchklassiker und auch Filmklassiker zu solch einer Bibliothek herhalten können. Aber Comics? Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Na, werden jetzt einige Unbelehrbare sagen, Comics passen halt zu BILD. Kennt man doch von den Mädels auf der berühmten Seite 3.
HAH! Wie kommt es dann, dass die FAZ (ja, genau die Frankfurter Allgemeine Zeitung) ebenfalls auf den Zug aufspringt?
Die BILD-Comic-Bibliothek startet mit einem Asterix-Band, der die Geschichten Asterix der Gallier, Der große Graben und Asterix plaudert aus der Schule in sich vereinigt.
Weitere Bänder folgen mit Lucky Luke, Spirou & Fantasio, Donald Duck, Micky Maus und Detektiv Conan. Ferner folgen Nick Knatterton, Phantomias, Fix und Foxi, Tim und Struppi, Werner und Popeye.
Ab September erscheinen dann die Bände der FAZ mit Superman, Peanuts, Prinz Eisenherz, Die Fantastischen Vier, Donald Duck, Strizz (bekannt aus FAZ), Batman, Tarzan, Blueberry, Hägar, Corto Maltese und Die Simpsons.
Da kommt ein regelrechtes Feuerwerk auf uns zu. Zwar hätte ich mir gewünscht, dass noch mehr Klassiker wie Corto Maltese, Tim und Struppi oder Prinz Eisenherz dabei sind. Doch als Comic-Fan nimmt auch gerne, was kommt.
Stichwörter: asterix, comic bibliothek, lucky luke, spirou, fantasio