Sonntag, 20. April 2008
Der Soldat der Zukunft geht oder hüpft auf vier Pfoten. Er ist absolut gehorsam und ist streng auf unterschiedliche Einsatzbereiche gedrillt. Der Soldat der Zukunft ist nicht freiwillig in die Armee eingetreten, aber er versieht seinen Dienst ohne zu fragen. Doch wenn man ihn demobilisieren will, verweigert er den Befehl – aus reinem Überlebensinstinkt.
Nachdem 1, 2 und 3 erfolgreich ihren Kampfwert im Einsatz gegen Westentaschendiktatoren unter Beweis gestellt haben, sollen sie nun in dem Ruhestand überführt werden. Im Klartext heißt das: Getötet.
Die Geschichte von Grant Morrison ist starker Tobak. Möglicherweise inspiriert von allerlei Verschwörungstheorien, die in den USA kursieren wie auch den technischen Entwicklungen und vorausschauenden Ideen, schickt Morrison ein ungewöhnliches Trio auf das Schlachtfeld der Gegenwart und erzählt eine neue Variante von Die Hunde sind los.
Hier wie dort sind Tiere auf der Flucht. Hier wie dort wurden sie benutzt und hier wie dort wollen sie einfach nur nach Hause. Bei Morrison waren sie einmal einfache Haustiere, nun sind sie Killermaschinen, so genannte Biorgs.
Bandit (der Hund), Tinker (die Katze) und Pirate (das Kaninchen) sind entlaufene Tiere. Hierbei handelt es sich wohl um den einzigen Denkfehler, den Morrison begeht. Warum sollte eine streng geheime Forschungseinrichtung entlaufene (oder eingefangene) Tiere zu Versuchszwecken verwenden und damit unnötig Aufmerksamkeit auf sich ziehen, wenn es bei Etats in Millionenhöhe die Tiere speziell züchten könnte?
Allerdings wird dies auch gleichzeitig zum Motivator für die Tiere. Sie hatten ein Heim und wollen es zurück haben, wollen dorthin, wo sie sich einmal wohl fühlten.
Bestürzend, beunruhigend … wird The Atlanta Journal Constitution zitiert. Das lässt sich unterstreichen. Wenn Haustiere zu Waffen werden, wenn aus einem ehemals friedlichen Kaninchen ein Bombenleger wird, dann handelt es sich auch wirklich um eine (Zitat) provokante Erzählung. Aber wie die Los Angeles City Beat zitiert wird: WE3 hat alle Elemente eines Blockbusters. - Blockbuster sind nur ganz selten mit einer Altersfreigabe ab 18 Jahren versehen und angesichts der Brutalität dieser Erzählung würde es darauf hinauslaufen.
Frank Quitely (All Star Superman) zeichnet die Gewalt und ihre Auswüchse, die Experimente, den Auftrag zu Beginn wie auch während der Flucht mit allen notwendigen Details. Das ist manchmal des Guten zuviel und mitunter überflüssig. Ein Kaninchen zur Kampfmaschine zu machen ist Aussage genug. So manche Ansicht von Blutspritzern, -fontänen und Gedärm ist da überflüssig und schmälert die insgesamt verdammt gute Geschichte.
Das Design der Biorgs sieht einmal völlig anders aus als die sonstigen Kampfmaschinen, die einem Leser oder Zuschauer in Science Fiction Thrillern begegnen mögen. Wie aufgeplatzte Eierschalen in beruhigenden Farben wirken die Körperpanzer dieser ehemaligen Haustiere, verniedlichen eher, als bedrohlich zu wirken.
Gegensätzliche Charaktere bei den Forschern werden auf zwei Arten dargestellt. Die Ärztin, die für das Training der Tiere verantwortlich war, lernt der Leser in voller Größe kennen. Der Mann, der die Ratten trainiert, zeigt nie mehr als sein wölfisches Grinsen, ganz besonders dann, wenn irgendeine sadistische Anwandlung ausgelebt werden muss. So gesehen bedient sich die Geschichte auch deutlicher Polarisierungen, das ist aber für eine Geschichte, die nur drei Ausgaben Zeit hatte (hier im Sammelband zusammengefasst), wohl auch notwendig.
Etwas Besseres als den Tod findest du überall.
Es dauert eine ganze Weile, bevor sich das Zitat aus den Bremer Stadtmusikanten auch für die tierischen Helden dieser Geschichte bewahrheiten kann – beinahe jedenfalls. Vorher stehen eine wilde und sehr ungewöhnliche Flucht, einige sehr ungewöhnliche Einfälle, die WE3 zu etwas Neuem machen und grafisch tolle Bilder, nicht zuletzt wegen des für die Farben (und die Reinzeichnung) verantwortlichen Jamie Grant.
Eine immer im perfekten Tempo erzählte Geschichte von Morrison, abgerundet durch tolles Design und sehr aussagekräftige Zeichnungen von Quitely plus einem für Comics ungewöhnlichen Thema lassen WE3 aus der Masse der Veröffentlichungen mehr als nur positiv herausragen.
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Stichwörter: grant morrison, frank quitely, jamie grant
Freitag, 04. April 2008
Die Daltons kommen gerade erst wieder im Gefängnis an. Doch es dauert nicht lange, da fühlen sich Joe Daltons Nerven vom scheinbar ewigen Predigen des falschen Propheten etwas überstrapaziert. Wie es Joes Art ist, lässt ein Wutausbruch nicht lange auf sich warten. Aber Joe ist auch ein gewieftes Kerlchen und bald, sehr bald, nimmt ein neuer Ausbruchsplan Gestalt an.
Zuvor müssen einige Gefängnisinsassen, und die übrigen Dalton-Brüder ganz besonders, zu ihrem Erstaunen feststellen, dass die Worte des Propheten bei einigen auf fruchtbaren Boden zu fallen scheinen. Wenn Averell Dalton nichts mehr essen will, dann ist etwas faul im Knast.
Die Abenteuer mit dem falschen Prediger liegen noch nicht lange hinter Lucky Luke, da hat er bereits wieder eine Begegnung der besonderen Art. Diesmal jedoch lernt er einen Mann kennen, der ganz auf seiner Linie liegt. Frederic Remington ist von Zuhause wieder einmal auf und davon und malt seinen Wilden Westen. Remington, kurz Fred, ist ein Genussmensch. Er liebt seiner Malerei, er liebt eine zünftige Mahlzeit, Whisky und zuweilen auch eine gute Schlägerei.
Während seiner Ausflüge lebt er jedoch alles andere als ungefährlich. Aus diesem Grund stellt man ihm einen Mann zur Seite, der schneller schießen kann als sein Schatten: Lucky Luke.
Damit beginnt für den einsamen Cowboy wohl eines seiner vergnüglichsten Abenteuer.
Der Wilde Westen ist bereits zu seinem eigenen Mythos geworden, als Lucky Luke die Einladung erhält, an einer Wildwestshow unter der Leitung des berühmten William Cody teilzunehmen, der noch berühmter unter dem Namen Buffalo Bill ist. Aber für Luke ist das alles ein riesiger Zirkus, was es in Wahrheit auch größtenteils ist. Und es ist auch das berühmte Showbusiness. Alles ist irgendwie überzogen, Berühmtheiten kommen und vergehen in Windeseile. So werden auch jene verehrt, die in den Knast gehören (wo sie auch gerade sind) – die Daltons nämlich. Denn nachdem vier Doubles ihre Rolle in der Wildwestshow übernommen haben, erhalten die echten Daltons plötzlich eine Anerkennung, die sie nur zu einem nutzen: zur Flucht.
Der Prophet, Der Kunstmaler und Eine Wildwest Legende sind die letzten Abenteuer, an die Morris Hand anlegte, bevor er im Jahre 2001 überraschend starb. Bis ins hohe Alter hat er an seinem Lucky Luke gearbeitet, der inzwischen schon Generationen mit seinem Humor begleitet hat.
Die letzten drei Bände, die in der Gesamtausgabe 1999-2002 versammelt sind, beschäftigen sich mit drei Themen. Ersteres, Der Prophet, hat einen oberflächlichen Humor und zeigt dem Leser einen Prediger, der einen Haufen Unsinn daher redet und dem es tatsächlich gelingt, mit seinem Geschwätz einige leichgläubige Geister zu beeindrucken. Darunter sind auch Averell Dalton und Rantanplan, der Hund, der im Gefängnis … Nun, was er eigentlich im Gefängnis macht, weiß niemand so genau.
Paradise Gulch, in dem sich der Prediger und die Daltons kurzzeitig niederlassen, wirkt sehr unamerikanisch – und auch wieder nicht. Denn nirgends auf Welt gibt es wohl eine derartige Religionsvielfalt mit unzähligen Glaubensnuancen wie in den Vereinigten Staaten. Patrick Nordmann trifft im Szenario dort mit seiner Satire, wo es treffen soll, bei den falschen Heiligen, die schon ein Steve Martin aufs Korn nahm.
Der geläufige Humor bleibt nicht außen vor. Im Gegenteil sind die Daltons sehr zentral in der Geschichte platziert – und auch deplatziert. Denn wie raubt ein ehrenwerter Bandit eine Bank aus, wenn es am Ort keine einzige Bank gibt? Und kein Geld? Allein aus dieser Konstellation scheint die Geschichte ganz automatisch ihren Lauf zu nehmen.
Mit Frederic Remington und Buffalo Bill wurden zwei amerikanische Prominente ausgewählt, die beide auf ihre Art zur Bildung der Legenden über die Romantik des amerikanischen Westens beigetragen haben.
Remingtons Bilder zeigen Szenen des Lebens, des Kampfes, die zeigen Charaktere, die den Weiten des Westens gelebt haben. Er unterschied nicht zwischen den Hautfarben. Seine Bilder werteten nicht. Mit einem lebhaften und das Leben liebenden eigenen Charakter ausgestattet verschwindet Remington zeitweise in der Prärie, bevor wieder in die Zivilisation zurückkehrt.
Bob de Groot beschreibt einen Mann, überzogen zwar, aber einen Künstler, der selber mit seiner Lebensart ins Bild passt und die gängigen Künstlerklischees bedient. Dank dieser Figur entsteht eine tolle Komödie, bevor Patrick Nordmann wieder die Schreibmaschinentastatur übernimmt und die nächste Wildwest Legende in den Mittelpunkt stellt.
Buffalo Bill alias William F. Cody dient zur Skizzierung eines Showbusiness, wie es anscheinend nur Amerikaner erfinden konnten. Laut und grell, mit richtigen Promis oder B- und C-Promis, mit Managern und Agenten und Künstlern, die eigentlich gar nichts können. Dies wird besonders schön persifliert, wenn ein Pferd seinen Kopf von selbst unter das herabfallende Lasso hält, um gefangen zu werden. – Was soll es auch anderes machen, wenn Joe Dalton das Lasso kerzengerade nach oben wirft? Dort sind eben keine Mustangs.
Morris schickt seine vier Banditen ganz in Weiß auf die Bühne, ähnlich wie er es Lucky Luke und dem weißen Reiter tat und entwirft zuletzt noch eine kleine Hommage an das eigene Schaffen. So schließt sich letztlich der Kreis.
Zum guten Schluss von Morris’ Werk noch ein gelungener Blick auf den Wilden Westen, als er so langsam begann, nicht mehr ganz so wild zu sein. Patrick Nordmann und Bob de Groot bieten Humor, Satire und Slapstick – ganz so wie in den guten alten Zeiten von Lucky Luke.
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Stichwörter: morris, patrick nordmann, bob de groot
Donnerstag, 14. Februar 2008
Doc Holiday ist ein Trinker, aber auch ein gewitzter Zahnarzt. Seine Methode zur schmerzlosen Zahnziehung ist unkonventionell, aber wirksam. Lucky Luke macht die Bekanntschaft dieses Arztes, als er zusammen mit seinem Freund Tom Taylor durch das kleine Städtchen Tombstone kommt. Nach einem eher langweiligen Viehtrieb findet sich Lucky plötzlich in einem Wahlkampf wieder. Wyatt Earp, ein aufrechter gesetzestreuer Bürger, kandidiert gegen den alten Clanton, der schon seit Ewigkeiten in Tombstone zu bestimmen scheint, was Recht und Gesetz ist und was nicht. Dank seiner Söhne ist Clanton so mächtig wie nie zuvor.
Aber auch Wyatt Earp ist nicht allein. An seiner Seite versuchen ihm seine Brüder Virgil und Morgan zu helfen. Doch das ist viel leichter gesagt, als getan. Unterdessen hat auch Lucky Luke seine Begegnung mit den Clantons. Wie es die Art des einsamen Cowboys ist, will er sich nichts von diesen Halunken sagen lassen und verteilt Kinnhaken – und schießt auf seine unnachahmliche Weise auch die Pistolen aus den Händen des Gegners. Diese Fingerfertigkeit macht ihn auch nicht beliebter.
So findet er sich bald in einem Bündnis mit den Earps wieder, die es noch nicht aufgegeben haben durch einen ordentlichen Wahlkampf die Wende in Tombstone herbeizuführen.
Es war einmal vor langer Zeit, als ein kleiner Junge zwar noch keinen Colt richtig halten konnte, aber mit der Steinschleuder schon schneller als sein Schatten schoss. Der Ausflug nach Mushroom City könnte für den kleinen Lucky schön werden, gäbe es da nicht eine äußerst lästige Einrichtung namens Schule. Old Timer steckt den Lauser in die Lerneinrichtung, während der alte Mann seiner Leidenschaft für das Kartenspiel im örtlichen Saloon nachgeht.
Zu allem Überfluss ist Lucky auch noch der einzige Schüler, denn die anderen halten ar nichts vom Lernen. Kurz entschlossen macht sich Lucky auf, um die restlichen Kinder von Mushroom City zusammenzutreiben. – Darunter sind leider auch die Daltons. Diese vier Brüder sind bereits richtige Gauner.
Ein ehrbarer Dalton? Ja, das gibt es. Allerdings nur in der Schweiz: Marcel Dalton hat den weiten Weg in die neue Welt gewagt, nur um herauszufinden, dass seine entfernten amerikanischen Verwandten durchtriebene Halunken sind.
Das hätte Lucky Luke ihm auch gleich zu Beginn bescheinigen können, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zum Schluss. Und vielleicht schafft Marcel es doch seine Verwandten auf den Pfad der Tugend zurückzuführen. Wenn sie so gerne Banken ausrauben, könnten sie eigentlich auch eine leiten, oder?
Am O.K. Corral kam es zu einer der bekanntesten Schießereien des Wilden Westens. Grund genug für Xavier Fauche den bekanntesten Cowboy des Wilden Westens in diesen Abschnitt der amerikanischen Geschichte zu schicken. Ein Bösewicht, der eine Ortschaft oder ein bestimmtes Geschäft an sich reißen möchte, ist nichts Neues in der Welt von Lucky Luke, ein Familienclan ist allerdings eher selten – die Daltons zählen hier als Stammbesetzung nicht wirklich.
Familienähnlichkeit ist der gemeinsame Nenner, der die Earps und Clantons verbindet. Sind es bei den Clantons die Bärte, an denen man sie auseinander halten kann, sind es bei den Earps die Kleidungsstücke. Die Clantons treten dank Morris in roter Montur mit Hosenträgern auf, die Earps haben den buschigen Oberlippenbart kultiviert.
Aus historischer Sicht ist der Kampf am O.K. Corral etwas anders verlaufen. Doch Beistand hatte Wyatt Earp, nur nicht von Lucky Luke, und schon gar nicht in jener artistisch anmutenden Form, die einen Lucky Luke nun einmal auszeichnet. Nicht umsonst hat es ihn in der Vergangenheit auch in den Zirkus verschlagen.
In dieser Familienfehde ist Lucky eine Art Richtungsweiser. Er bringt die Situation ins Lot, so dass die Clantons am Ende die Gelackmeierten sind.
Deutlicher im Mittelpunkt der Geschichte ist Lucky Luke in Olahoma Jim, jener Handlung, die den Leser zum zweiten Mal in die Kindheitsjahre des einsamen Helden entführt und ein paar neue Facetten zutage fördert.
Die humoristischen Bomben zünden eine nach der anderen hervorragend – sehr schade, dass diese kleine Reihe innerhalb der Lucky Luke Welt nicht fortgesetzt werden konnte.
Die Lehrerin, bestürzt darüber, dass sie keine Schüler hat, wird später in noch größere Verzweiflung gestürzt, als weder Oklahoma Jim noch sonst irgendjemand sich mit ihr als weibliches Wesen abgeben will. Und obwohl sie geradezu darauf drängt, entehrt zu werden, bleibt sie letztlich unberührt.
Weniger unbescholten bleiben die Daltons, die dank Oklahoma Jim ihre ersten wahrhaftigen Stunden im Fach Raubüberfall haben. Und bereits hier werden sie übers Ohr gehauen. Der Humor ist dank der Zusammenarbeit von Jean Léturgie und Yann Le Pennetier, der hier unter dem Pseudonym Pearce auftritt, nicht nur gelungen, sondern auch sehr ausgewogen. Von spitzfindig, frech bis albern ist alles dabei und unterhält als Komödie einfach prächtig.
Ebenso verhält es sich mit der abschließenden Episode um Marcel Dalton, jenem Verwandten, der seinen amerikanischen Familienzweig auf den rechten Weg bringen will. Das schwarze Schäfli der Familie, Bruder von Ma Dalton, wird denn auch gleich bei der ersten Begegnung von Joe bestohlen – Familie zählt nicht, wenn es um Geld geht. Aber Marcel lässt sich nicht beirren. Wie er sich daran macht, seinen Plan umzusetzen, ist jedenfalls Gold wert. Running Gags um die Gangster, die ständig ihre Hosenträger verlieren, den Killer, der nur grunzen kann oder den ewig hungrigen Averell, sorgen dafür, dass kein Auge trocken bleibt – vor Lachen.
Wieder ein schöner Querschnitt aus den letzten Morris-Lucky-Jahren. Der Endspurt der Gesamtausgabe mit den Arbeiten von Morris ist eingeleitet. Dank guter Texter konnte die Qualität stets, so wie hier, beibehalten werden, hielten immer wieder neue Ideen Einzug, so dass über Lucky Luke stets aufs Neue gelacht werden konnte. Eine perfekte Western-Komödie.
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Stichwörter: morris, xavier fauche, jean leturgie, pearce, bob de groot
Donnerstag, 03. Januar 2008
Man mag es kaum glauben, aber auch Lucky Luke war einmal ein kleiner Lausbub, ein Lucky Kid. An der Seite von Old Timer lernte er den Wilden Westen, die Indianer und auch Jolly Jumper kennen. Aber eines war schon immer so! Bereits als Kind schoß Lucky schneller als sein Schatten – mit einer Steinschleuder.
Old Timer ist ein wenig grantig, aber verträglich. Nicht viel kann ihn aus der Fassung bringen. Außer vielleicht die mangelnde Fähigkeit Gold dort zu finden, wo er gerade sucht. Oder wenn Lucky Old Timers Revolver heimlich für Schießübungen benutzt. Hier kann der Leser sehr schön sehen, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist.
Allerdings ist die Jugend von Lucky Luke nicht weniger spannend und lustig als seine Abenteuer im Erwachsenenalter. Lucky kommt dem Old Timer leider abhanden. Ein Indianer klaut den Jungen, um ihn Fetter Mokassin zu bringen. Die Squaw hat stets einen Bedarf an Kindern, die ihr bei der täglichen Arbeit zur Hand gehen. Dabei wachsen ihr die geraubten Kinder auch ans Herz. Immer wenn die Kavallerie anrückt, heißt es für Fetter Mokassin und die Kinder sich zu verstecken.
Lucky gibt sich alle Mühe. Aber es gelingt ihm einfach nicht, dieser hartnäckigen Frau zu entkommen.
Als es schließlich doch gelingt, kommt er sozusagen vom Regen in die Traufe. Holzfäller, Soldaten, falsche Eltern und ein ziemliches Durcheinander erwarten den kleinen Jungen – aber auch der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.
Er ist zwar ein einsamer Cowboy, trotzdem haben Frauen sein Comic-Leben sehr stark bestimmt. Mit der Gaunerin Belle Starr reiht sich eine weitere Persönlichkeit in all diese starken Frauen ein. Lucky Luke ist gezwungen gewissermaßen Undercover zu operieren, um ihr Gaunernest auszuheben. Kurze Zeit wird er sogar zum Gesetzlosen. – Ein Beweisstück dieser Epsiode wird zu Lukes Glück dann doch vernichtet.
Am Klondike wird es für Lucky Luke nicht einfacher, nur kälter. Der Freund eines Freundes ist in einem Goldsucherstädtchen verschwunden.
Freunde älterer Lucky Luke-Ausgaben werden sich freuen, dass das Greenhorn Waldo Badmington wieder mit von der Partie ist. Sein ehemaliger Butler Jasper ist auf einen Verbrecher hereingefallen. Grund genug für den getreuen Waldo, seinem früheren Diener zur Hilfe zu eilen. Das Leben in der Eiseskälte und im Matsch, fernab jeglicher Zivilisation bietet für die beiden Retter eine sehr große Herausforderung.
Diese drei Geschichten im vorliegenden Sammelband aus den Jahren 1995 und 1996 könnte man unter der Überschrift Nostalgie zusammenfassen.
Es ist nicht nur das Wiedersehen mit alten Bekannten wie Bill the Kid, Jesse James, Ma Dalton oder Waldo Badmington, dem eine größere Rolle zufällt. Es ist die Erzählweise, die irgendwie den Eindruck vermittelt, an alte Erzählungen anknüpfen zu wollen. Zwar ist es zu Unstimmigkeiten gekommen – Morris hielt sich nicht sklavisch an die Vorgaben, die ihm für die Geschichten gemacht wurden – das bleibt für den Leser aber unmerklich, denn die Gags brennen immer noch Seite für Seite ab, reichlich und sehr pointiert.
Die erste Geschichte um das Lucky Kid folgt jenen Gesetzen um die Jugendgeschichten erwachsener Helden, wie der Fan es zum Beispiel von Veröffentlichungen des jungen Spirou her kennt.
Luckys Herkunft bleibt im Dunkeln, kein Wort über seine Eltern – außer, dass er keine hat und sich auch mit Händen und Füßen gegen eine Adoption wehrt. Hier wird ein kleiner Spaß angewendet, als sich ausgerechnet ein Farmer im Aussehen von Morris mit seiner Frau um den kleinen Jungen bemüht. Nur, um ihn schlußendlich in Mädchenkleider zu stecken, weil den Herrschaften ein solches von den Indianern geraubt worden ist. Dies ist für Lucky noch schlimmer, als für einen Indianer gehalten und als solcher aufgezogen zu werden. Der kleine Lucky weiß bereits sehr gut, was das Beste für ihn ist.
Alles in allem ist dieses Jugendabenteuer auf dem gleichen guten Niveau wie alle übrigen Geschichten der Reihe. Dies ist überhaupt ein Phänomen. Über all die vielen Jahre und einer großen Zahl von Erscheinungen (immerhin über 80) hat sich Lucky Luke auf einem sehr hohen Level gehalten. Neue Themen wurden gebracht, inspiriert durch die reale Geschichte des Wilden Westens, jedoch wurde auch immer Rückschau gehalten, wurden bestehende Figuren aufgegriffen und ein regelrechtes Wiedersehen gefeiert. Auch Am Klondike könnte man als eine solche bezeichnen.
Diese Mixtur aus Nostalgie und dem Mut beständig etwas auszuprobieren, mag ein Teil des Erfolgsrezeptes der Serie sein. – Das und der unnachahmliche Humor. Hierbei ist besonders Jolly Jumpers trockener Witz hervorzuheben. Seine Kommentare sind herrlich, so, als habe man ihnen ein besonders Augenmerk gewidmet.
Zur Klondike-Episode wurde schon etwas gesagt. Abschließend mag noch Belle Starr erwähnt werden. Die Daltons haben hier eine kleine Nebenrolle. Es ist sehr schön, wie Lucky die vier Gauner außer Gefecht setzt, ohne auch nur einen Schuss abzugeben – niemand sollte die Macht der Mütter unterschätzen. Belle Starr ist aus vielen scheinbar einzelnen Episoden zusammengesetzt, die sich immer auf etwas Wichtiges oder eine Figur konzentriert.
Ein rundum gelungener Sammelband, der ein Lachen am laufenden Band zu produzieren vermag. Die Mischung sehr unterschiedlich angelegter Handlungen hält für jeden etwas bereit. Top! So lustig war der Wilde Westen. Dieser Reihe kann man nur eine lange Laufzeit wünschen.
Lucky Lucke – Die Gesamtausgabe 1995 – 1996: Bei Amazon bestellen
Stichwörter: morris, jean leturgie, yann
Freitag, 12. Oktober 2007
Ein Phantom treibt sein Unwesen. Genauer gesagt eine Phantomin, wenn man diesen Ausdruck verwenden kann. Ist schon die echte Calamity Jane ehrfurchtgebietend, jagt die gruselige Version den Menschen mehr als nur einen Schauer über den Rücken.
Die echte Calamity Jane will es sich nicht bieten lassen, dass mit ihrem Ruf Schindluder getrieben wird. Außerdem wird dieses Schauergespenst dazu verwendet, um Postkutschen zu überfallen. Für Jane ist es klar: Diese Gauner können sich warm anziehen.
Die Jagd nach dem Phantom muss sie jedoch nicht alleine bestreiten, denn auch Lucky Luke wurde mit der Suche nach einer verschwundenen Kutsche beauftragt. Die nächste Fahrt soll ein Köder sein. Lucky nimmt auf dem Kutschbock Platz, während Calamity eine schlichte Mitreisende mimen soll. Ihr Gewehr wird als Regenschirm getarnt, aber ihr Mundwerk und ihre Manieren lassen sich so leicht verstecken. So wird aus dieser Fahrt ein haarsträubendes Abenteuer mit so mancher Verwicklung, die nicht vorherzusehen war.
Lucky Luke gerade richtig zum High Noon in Hadley City zurück. Die Hochzeit des Sheriffs mit seiner Angebeteten steht bevor. Der Bestattungsunternehmer hat eine sehr schöne Zeremonie vorbereitet – denn einen Hochzeitsunternehmer gibt es nicht in Hadley City. Nur ein Ereignis trübt die Aussicht auf ein schönes Fest: Die Daltons sind erneut ausgebrochen, und haben ein Hühnchen mit dem Sheriff zu rupfen.
Hilfe ist vonnöten. Wie gut, dass Lucky Luke vor Ort ist, denn der Sheriff hat Hilfe bitter nötig. Mit seinen Schießkünsten ist es nämlich nicht mehr weit her. Ebenso schlimm: Niemand sonst im Ort ist bereit, dem alten Gesetzeshüter zu helfen.
Ein wahres Wunderwerk soll Die Brücke am ol’man river werden. Bis es freilich dazu kommen kann, müssen mannigfaltige Schwierigkeiten überwunden werden. Bisher funktionierte der Übergang über den Mississippi per Fähre. Klar, dass der Besitzer des Fährbetriebs alles andere als begeistert über den Bau der Brücke ist. So hagelt es eine Sabotage nach der anderen, und Lucky Luke hat wieder einmal alle Hände voll zu tun.
Im ersten Band dieser Zusammenfassung der Lucky-Luke-Erscheinungen von 1992 bis 1994 erzählt uns Lo Hartog van Banda ein Abenteuer mit einer Figur an Luckys Seite, die sich durch ihre Raubeinigkeit in die Herzen der Lucky-Luke-Leser gealbert hat: Calamity Jane. Dank der bewährten Cartoon-Technik von Morris ist der Auftritt von Jane ein Höhepunkt der Reihe. Lucky Luke ist zwar nett, aber neben dieser sehr ausdrucksstarken Frau (im wahrsten Sinne des Wortes) verblasst er doch sehr – aber ganz Gentleman, wie er nun einmal ist, lässt er ihr diesen Vortritt doch sehr gerne. Jedenfalls hat Van Banda diesen Band ganz auf die Wild-West-Frau zugeschnitten.
Der Humor entsteht natürlich maßgeblich dadurch, dass Jane ihre wahre Natur verschleiern muss, um nicht aufzufallen. Genau dieser Plan geht ziemlich nach hinten los. Trotz aller Tarnung kann Jane nicht aus ihrer Haut heraus. Außerdem fällt sie in der Gegenwart echter Damen sofort auf.
Ebenso ulkig ist der kleine Senator, der stets darauf bedacht ist, die Damen zu beschützen. Tapfer in der vordersten Reihe schießt er leider nicht halb so gut, wie er mutig ist. So erledigen Calamity Jane und Lucky Luke den Rest – schön zu sehen, dass Lucky durch Calamity echte Konkurrenz hat, was die Treffsicherheit anbelangt.
Nicht weniger humorvoll, dafür mit weitaus mehr Anspielungen angereichert ist die nächste Episode aus Lucky Lukes Abenteuern. High Noon in Hadley City ist eine wunderschöne Hommage an den wahrscheinlich klassischsten Western aller Zeiten: High Noon (12 Uhr mittags). Ähnlich wie der Sheriff in Hadley City stand auch Gary Cooper in seiner Rolle kurz vor seiner Hochzeit, dort mit der sehr jungen Grace Kelly. Gleichwohl setzt die Handlung um Samuel, den Sheriff, der auch mal Hilfe braucht ganz auf Komik und lässt das tragische Element außer Acht. Wenn schließlich Lucky Luke erschossen wird und sein Schatten ihm einen Trauerkranz zukommen lässt stellt sich eigentlich nur eine Frage:
Wer kann besser humorvoll erzählen? Lo Hartog van Banda aus der vorhergehenden Geschichte oder die beiden Autoren Xavier Fauche und Jean Léthurgie, die sich der Geschichte um den einsamen Sheriff angenommen haben.
Ich kann ehrlich gesagt keinen Unterschied entdecken. Alle drei Autoren gehen mit dem gleichen Elan zur Sache. Was besser gefällt, ist reine Ansichtssache.
Am ol’man river, dem alten Mann, dem Fluss, der schon Mark Twain begeisterte, spielt das letzte Abenteuer dieses Sammelbandes. Jolly Jumper, das beste Pferd der Welt (vor Fury), lässt es sich auch nicht nehmen, in einer kleinen Pause in Tom Sawyer zu lesen. Außerdem finden sich mit zwei Bootsleuten alte Bekannte aus einem alten Lucky-Abenteuer. (Am Mississippi)
Luckys Gegenspieler, ein Zigarre rauchender gedrungener Geschäftsmann, bietet alle möglichen Ideen auf, um den Bau der Brücke aufzuhalten. Fauche und Léthurgie haben sicherlich nicht jeden Witz selbst erdacht – denn anders kann ich mir die kleine Termite mit der Augenklappe nicht erklären, die Morris so liebevoll mit zwei Kumpanen in einer Schachtel abgebildet hat.
So schön kann der Wilde Westen sein: Mit alten Bekannten, einem Humor, der selbst den ältesten Gaul zum Lachen bringt (herrlich, wenn Jolly Jumper als Postkutschenpferd in die Lehre geht). Fans kommen sowieso nicht an Lucky vorbei, alle anderen, die einen intelligenten wie auch klamaukigen Humor mögen, lesen und einfach mal die Zeit verstreichen lassen.
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Stichwörter: lo hartog van banda, xavier fauche, jean lethurgie, morris
Samstag, 04. August 2007
Lucky Luke hat einen Termin bei Mr. John. Nach einem unendlich erscheinenden Marsch durch das Herrenhaus ist Lucky bei dem reichen Mann angelangt. Die Aufgabe sieht einfach aus: Lucky soll Mr. Johns Stieftochter Gisela dabei helfen, eine starke Amerikanerin und fürsorgliche Mutter zu werden.
Zuerst kann sich der allseits beliebte Cowboy wenig unter der Aufgabe vorstellen. Doch schließlich ist es eindeutig. In Gisela soll der Pioniergeist und die Durchsetzungsfreudigkeit der ersten Siedlerinnen geweckt werden. Eine Reise durch die Prärie soll diese Aufgabenstellung bewältigen. Lucky Luke denkt sich eine Reihe von Situationen aus, wie sie im Wilden Westen üblich sind.
Auf Gisela warten die widrigen Wetterverhältnisse des Westens, Indianer- und Raubüberfälle und Kneipenschlägereien. Lucky Luke ist sehr beeindruckt, dass Gisela in all den Situationen sehr beherzt auftritt und so manchen gestandenen Mann in seine Schranken weist. – Bis es zu einem Zwischenfall kommt.
Nach dem Alibi wartet bald auf Lucky Luke noch ein viel größeres Abenteuer: Der Pony-Express!
Lange Zeit war der Postweg quer durch die Vereinigten Staaten eine äußerst gefährliche und ganz besonders unsichere Angelegenheit. Hühnereier einmal von Küste zu Küste geschickt kamen entweder überhaupt nicht oder bereits als Küken auf der anderen Seite an. Endlich entschließt sich der Senat, etwas gegen zu unternehmen. Die ersten Versuche sind nicht sehr viel versprechend. Ein findiger Geschäftsmann namens W.H. Russel gründet eine Pony-Express-Unternehmung. Entgegen aller Sabotageversuche seitens der Pacific Railway Company wagt er den Postweg quer über den Kontinent. Doch zuvor müssen erst einmal fähige Reiter gefunden werden.
Lucky Luke übernimmt die Auswahl der geeigneten Männer und trainiert sie. Die Vorbereitungen sind schwer, für die Männer wie auch für die Pferde – hier gibt Jolly Jumper seine Erfahrungen weiter. Bald schon ist der große Tag da. Von da an geht leider alles schief.
Wenn ein Verbrecher sich nicht mehr an seine Taten erinnert, kann er dann überhaupt dafür bestraft werden? Die Daltons ersinnen einen genialen Plan. Ein vorgetäuschter Gedächtnisschwund soll ihnen dabei helfen, die vergitterte Luft des Gefängnisses hinter sich zu lassen. Aber vor der Entlassung hat der Gouverneur den Entlassungstest gesetzt. Lucky Luke bekommt einen heiklen Auftrag. Er soll beweisen, dass die Daltons wirklich ihr Gedächtnis verloren haben – ein Umstand, den er einfach nicht glauben will.
Nach einigen kürzeren Episoden wie Das Alibi, Athletic City, Olé Daltonitos und Ein Pferd verschwindet fasst der vorliegende Sammelband noch die beiden Alben Der Pony-Express und Gedächtnisschwund zusammen. In den Jahren 1987 bis 1991 erschienen diese Geschichten, immer noch unter der Federführung von Morris, in denen es einige schöne Begegnungen mit Lucky Luke und den Daltons gibt.
Vielfalt ist das Motto der Geschichten, die unter der Episode Das Alibi in einem Album erschienen. Das Alibi bringt Lucky wieder einmal mit Frauen in Kontakt. Nach seiner Verlobten oder Calamity Jane sollte es sich eigentlich um eine leichte Aufgabe handeln – doch weit gefehlt! Wieder wird es kompliziert, denn aus einer Show wird ein Entführungsfall, für den Lucky seine erprobte Spürnase benötigt.
Claude Guylouis zeigt eine Frau, die weitaus tougher ist, als es die Männer erwarten – und auch vertragen können. Natürlich sind sie im Sinne einer Komödie hinterher richtig stolz auf sie. Wie brav sich ein Indianer verarzten lässt, weil er weweh hat, ist ein echter Brüller.
Nicht weniger heiter sind die Erfahrungen der Daltons in Mexiko. Besser aber noch wird es, wenn sich Lucky Luke auf ein anderes Pferd einstellen soll. Hier muss er sehr schnell feststellen, dass Jolly Jumper nicht das einzige Pferd mit einer Persönlichkeit und außergewöhnlichen Fähigkeiten ist. Nichts jedes Pferd kommt auf Pfiff oder schlägt den einsamen Cowboy beim Schach. Jollys Kollegen machen dem Schimmel mit der gelben Mähne in Sachen Lacher echte Konkurrenz.
Aufwendiger wird das Abenteuer um den legendären Pony-Express. Sehr schön teilen X. Fauche und J. Leturgie die Geschichte in verschiedene Stränge auf.
Die Aufgabenstellung: Schaffung des Pony-Express. Die Lösung: Anwerbung von Reitern und Pferden, anschließend ihr Training. Die Stolpersteine: Die konkurrierende Eisenbahnlinie, aber auch die Reiter und Pferde
Der Start: Als erster reitet Lucky Luke und bald wird klar, dass er alleine die gesamte Strecke bewältigen muss. Hier wird deutlich: Lucky Luke schießt nicht nur schneller als sein Schatten, Jolly Jumper läuft auch schneller als sein Schatten. Der Aufbau der Geschichte, die Witze die wunderbar aufgebaut sind und stets zum richtigen Zeitpunkt angewendet werden, deuten ein richtig tolles erzählerisches Talent an. Fauche und Leturgie zeigen, welcher Kunstfertigkeit es bedarf, einen Leser zum Lachen zu bringen und mit welchen Tricks und Kniffen dies erreicht werden kann.
Abschließend rücken die Daltons noch einmal in den Mittelpunkt. Das Gauner-Quartett leidet plötzlich an Gedächtnisschwund. Das ist immer eine gute Grundlage für eine Komödie, wie bereits das berühmte Mein Herr? aus dem Asterix-Band Kampf der Häuptlinge zeigt. Dort wie hier sind es zuweilen Schläge auf den Kopf, die eine regelrechte Gag-Lawine in Gang setzen. Herzstück dieser Gags ist häufig Averell, der längste und gefräßigste der Brüder.
Über allem arbeitet Morris mit gewohnt leichter Hand. Das ist toll anzuschauen. Stammleser können gar nicht anders, als dank der Fertigkeiten dieses Zeichners ein Lucky Luke Album bereits mit einem Lächeln aufzuschlagen.
Zwei tolle Alben und diverse Kurzgeschichten brennen ein neues Gag-Feuerwerk ab. Ein echter Höhepunkt ist Der Pony-Express, allein dafür lohnt sich schon die Anschaffung dieses schönen Sammelbandes.
Lucky Luke – Die Gesamtausgabe 1987 – 1991: Bei Amazon bestellen
Stichwörter: claude guylouis, x. fauche, j. leturgie, morris
Mittwoch, 13. Juni 2007
Ein neuer Auftrag für Lucky Luke: Wieder einmal muss er einen Treck in den Westen führen. Der einsame Cowboy hat viel Erfahrung darin, die ihm Anvertrauten durch die Prärie zu leiten, doch einen solchen Treck hat er noch nie geführt: Heiratswillige Frauen.
Im Osten gibt es nicht genügend Männer, in den Westen haben sich bisher nicht genügend Frauen gewagt. So sieht es im Westen besonders unordentlich aus. Männer, die sich in der Gegenwart von Frauen nicht benehmen müssen, schlagen häufiger über die Stränge. Was schert es einen Mann, der geteert und gefedert wurde, wenn er sich nach ein paar Tagen immer noch nicht von seinem schmutzigen Äußeren befreit hat – oder den lieben langen Tag nur in langen Unterhosen herumläuft. Wo keine Frau, da kein Richter in Sachen Körperpflege.
Das kann so nicht weitergehen, denkt sich der Bürgermeister von Purgatory und organisiert einen Transport mit Frauen an den kleinen (sehr kleinen) beschaulichen Ort. Gesagt, getan: Jede der Frauen, die sich einen Mann angeln möchte, sucht sich ein Exemplar nach einem Foto aus.
Lucky Luke lässt sich nach anfänglichem Zögern überreden, den Treck zu geleiten. Alles Nötige ist im Gepäck, sogar ein Coiffeur und Damenausstatter ist mit von der Partie. Luckys Bedenken zerstreuen sich zu seiner Freude bald. Selbst eine Begegnung mit feindlich gesinnten Indianern, verläuft zu seiner Überraschung sehr friedlich. Die Indianer lassen sich mit einer kleinen Modenschau milde stimmen. Doch schließlich geschieht etwas, was Lucky Luke immer und zu allen Zeiten abgelehnt hat: Eine Frau wirft sich ihm an den Hals. Sie wird Die Verlobte von Lucky Luke.
Gerade hat er noch diesen Schrecken in den Gliedern, da wird es für Lucky Luke erst richtig gruselig: Die Geisterranch ist ein düsterer Flecken Erde. Aber eine resolute alte Dame will sich nicht von dem Ruf der Ranch abschrecken lassen. Zusammen mit ihren Lieblingen, Bisons, zieht sie auf der Ranch ein. Als es ihr zu unheimlich wird, ist Lucky schnell zur Stelle.
In der Folge muss er sich noch in anderen kleineren Abenteuern behaupten, bis es wieder ein sehr gefährliches Abenteuer zu bestehen gibt. Nitroglyzerin heißt das furchtbare Wort, das gestandenen Kerlen den Angstschweiß auf die Stirn treibt. Die Voraussetzung ist natürlich, dass dieser Kerl auch tatsächlich weiß, was Nitro. Leider besitzen die Daltons dieses Wissen leider nicht. Nitro muss der Ort, wo die Kiste hin soll. Da sie so schwer bewacht ist, kann es sich dabei nur um Gold halten. Fortan muss Lucky nicht nur dafür sorgen, dass das Nitro sein Ziel erreicht, er muss außerdem die Daltons davon abhalten, sich selbst und andere in die Luft zu jagen.
Aus heutiger Sicht sind die Abenteuer-Bände Die Verlobte von Lucky Luke, Die Geisterranch und andere Geschichten und Nitroglyzerin schon klassisch zu nennen. Lucky-Fans finden diese drei Bände in der Gesamtausgabe 1985 – 1987 zusammengefasst. Obwohl über 20 Jahre alt, zieht der Humor aus jenen Tagen immer noch. Angelehnt an die letzte der drei Bände, könnte man sogar sagen, er explodiert immer noch so gut wie eh und je.
Die Thematik der Emanzipation war in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts noch ein viel größeres Thema als es heute noch der Fall ist, wo vieles, was damals noch gefordert wurde, selbstverständlich ist. Autor Guy Vidal nutzt die alten Vorurteile und all die Vorlagen in Western, die das Frauenbild im Wilden Westen geprägt haben. Doch das Vergnügen ist nicht einseitig. Die Männer werden hier ebenso durch den Kakao gezogen. Ein Westmann ist gut als Cowboy, ansonsten ist er nur ein großes Kind geblieben, für das Körperpflege nur ein Thema ist, wenn sich jemand in der Nähe befindet, der sich an mangelnder Pflege stören könnte. – Entsprechend sieht es in einem reinen von Männern bewohnten Ort aus.
Vidal peppt die Geschichte außerdem durch sehr schöne Running Gags auf. Das Irish-Stew, das nach einem langen Tag serviert wird, schmeckt niemandem, schreckt sogar die Indianer ab. Luckys Alpträume sind Verwandlungen unterworfen. Aus springenden Schafen werden Schafe mit Frauenköpfen. Und nicht nur Jolly Jumper muss wiehern, wenn aus dem einsamen Cowboy dank seiner Verlobten ein geschniegelter Städter wird. (In einem rosaroten Anzug und gestreiften Hosen. Zu Hause wird sogar der Stiefel mit dem Pantoffel gewechselt.) Die Verlobte von Lucky Luke ist liebenswerter Ausflug in die kleinen Bissigkeiten, mit denen Mann und Frau sich ein bißchen das Leben schwer machen – natürlich nur in der Komödie, nicht im realen Leben.
Lucky Luke und Asterix waren schon immer für kleine Cameo-Auftritte von Stars gut. – Gezeichnet, versteht sich. In der längeren der Kurzgeschichten mit dem Titel Die Geisterranch finden sich passenderweise Alfred Hitchcock und Christopher Lee. Die Geisterranch selbst erinnert an das finstere Haus von Norman Bates. Hier wird auch deutlich, wo das Publikum von Lucky Luke zu finden ist: Cineasten werden an den kleinen Seitenhieben und Andeutungen ihre helle Freude haben. Die Verfolgungsjagden auf die Bisons besitzen Parallelen zur guten alten Slapstick-Zeit, der sich die Geschichten immer besonders annähern. Diese Spaßtechnik findet sich sehr gut umgesetzt auch in der Geschichte Die Rutsche. Ein Paradebeispiel ist die Hütte des Oldtimers, die solange zur Zielscheibe der Baumstämme wird, bis die Rutsche perfekt eingerichtet ist.
Das Highlight der kleinen Sammlung ist Nitroglyzerin. Es ist herrlich, wie zwei Seeleute zum Landtransport einer Fuhre Nitroglyzerin abgestellt werden. Neben den Daltons, deren Sprüche und Situationskomiken gewohnt gut sind, folgt auch ein Leichenbestatter der Ladung, immer auf der Suche nach neuen Kunden.
Morris ist der Zeichner dieser drei gesammelten Ausgaben. Es ist sehr schön, wie er es schafft, französischen Humor, der universeller nicht sein könnte, zu Papier zu bringen. Es zeigt sich wieder einmal, dass Lucky eine Leitfigur der Serie ist. Der besondere Humor entsteht wie so oft durch die tollen Nebenfiguren, die stets auf besonders feine Art etabliert werden und einem bereits nach wenigen Seiten ans vor Lachen geschüttelte Herz wachsen.
Perfekter Humor aus der Lucky Luke Reihe mit einer guten Mischung aus intelligentem und action-reichen Humor. Eine gute Mischung, die durch die Ansätze verschiedener Autoren in diesem Band entsteht.
Lucky Luke – Die Gesamtausgabe 1985 – 1987: Bei Amazon bestellen
Stichwörter: guy vidal, x. fauche, j. leturgie, lo hartog van banda, morris
Donnerstag, 31. Mai 2007
Lex Luthor befindet sich auf der gleichen Stufe wie die größten Kriegsverbrecher und Tyrannen, die es jemals in der menschlichen Geschichte gegeben hat. So ist jedenfalls die Meinung des Gerichts. Für Luthor klingt das Todesurteil eher wie ein Kompliment. Mehr konnte er sich gar nicht wünschen.
Clark Kent ist über den Interview-Termin mit diesem prominenten Verbrecher in der Todeszelle gar nicht erfreut. Luthor hingegen findet die Situation belustigend. Nicht zuletzt waren es die Beweise, wie er die Artikel nennt, des Daily Planet, die eine Verurteilung Luthors möglich machten. Lex, der sehr viele Freiheiten im Gefängnis genießt und weiter an seinen Gerätschaften basteln darf (immer unter Beobachtung), wird durch Zufall durch Clark vor einem tödlichen Stromschlag bewahrt. – Jeder Leser kann sich denken, dass hier alles andere als Zufall am Werk war.
Das Gespräch verläuft äußerst einseitig. Luthor wähnt sich bereits auf einer höheren Stufe der Evolution, während Clark nur ein Schreiberling ist, dem es gestattet wurde, sich die geistigen Ergüsse eines Luthor anzuhören.
Eines ist vollkommen deutlich: Luthors Selbstwertgefühl ist allein durch die Existenz eines Superman gehörig angeknackst worden. Ein edles Überwesen deklassiert Luthor vollkommen. So ist es kein Wunder, dass Lex regelrecht mit seinem Mordanschlag auf Superman prahlt.
Doch zwischendurch gilt es hinter den Gefängnismauern das eigene Leben zu bewahren. – Und das ist gar nicht so einfach.
Smallville wird wenig später zum Schauplatz einer ungewöhnlichen Begegnung. Für Superman sind Zeitreisen nichts Besonderes. Eine Begegnung mit Mitgliedern der Superman Squad, unterschiedlichsten Nachkommen Supermans aus verschiedenen Epochen, wird für Clark nicht nur ein ungewöhnliches, sondern auch ein schmerzhaftes Ereignis.
Mit All Star Superman 3 geht die etwas andere Erzählung um den Stählernen in die lang erwartete nächste Runde. Frank Quitely, bekannter Zeichner im Marvel-Universum in der New X-Men-Reihe, interpretiert Superman auf eine höchst eigentümliche, aber auch erfrischend neue Art. Aber Quitely kann nicht ganz aus seiner Haut, so erinnert Lex Luthor ein wenig an Professor X. Es mag ihm nachgesehen werden, denn Quitely kann das Mienenspiel eines Charakters vorzüglich auf Papier bannen.
In der ersten Episode Luthor, und wie er die Welt sah können beide Comic-Veteranen, Grant Morrison als Autor und Quitely, aus dem Vollen ihrer humoristischen Ader schöpfen. Clarks Versteckspiel ist je nach Geschichte ein offensichtliches oder unterschwelliges Thema gewesen. Aber ganz selten nur wurde Clarks zur Schau gestellte Tolpatschigkeit auf so treffliche Art erzählt. Sein Gesichtsausdruck, der tatsächlich der eines überraschten Tölpels ist, ist sehr komisch gelungen. Clarks Besuch im Gefängnis hat etwas von einer Sitcom. Witze erfolgen auf Teufel auf komm raus. Dabei ist völlig gleichgültig, ob jeder Witz zündet, ob er gut ist oder nicht. Wer sich einmal an die Achterbahnfahrt der Komik gewöhnt hat, lässt sich einfach treiben – und genießt.
Schließlich versinkt die Episode in einem wohl geordneten Chaos, in dem sich ein merkwürdiger (aber auch glaubwürdiger) Parasit präsentiert. Aber auch der Wahnsinn Luthors ist treffend stilisiert – er ist nicht mehr der Geschäftsmann, der zum Präsidenten aufsteigen könnte, sondern nur noch ein Irrer mit einem wahnsinnig hohen IQ.
Die Episode Begräbnis in Smallville ist alles andere als humorlos, doch Morrison webt zusätzlich eine gründliche Portion Nachdenklichkeit und Traurigkeit mit ein. Jeder Supie-Fan weiß, dass Pa Kent sterben muss. Die Umsetzung in dieser Form ist eindrucksvoll geworden – und kommt, obwohl man vorgewarnt ist, doch überraschend.
Die neue Erzählweise, das Aufrollen der altbekannten Geschichte in einer anderen Form ist nicht der übliche Transport in ein neues Jahrzehnt, vielmehr eine gelungene Mischung aus Altmodigkeit und vielen neuen Ideen.
Stichwörter: grant morrison, frank quitely, jamie grant
Samstag, 05. Mai 2007
Der Joker erhält eine einmalige Chance und nutzt sie. Er tötet Batman! – Das glaubt er wenigstens. Plötzlich zieht Batman eine Pistole und schießt!
Niemand könnte über Batmans Verhalten erstaunter sein als der Joker. (Obwohl er Batman auch schon in einer ähnlichen Verfassung erlebt hat.) Kurz darauf wird er seltsamerweise von Batman gerettet – dem echten Batman. Während Commissioner Gordon von seiner Begegnung mit dem Joker erholt und das Gift abbaut, das ihm ein schiefes Grinsen im Gesicht beschert hat, geht Batman alias Bruce Wayne seiner täglichen Beschäftigung nach.
Diese Beschäftigung hat jedoch rein gar nichts mehr mit dem Auftreten eines nichtsnutzigen Playboys zu tun, der sich die Tage und Nächte mit mehr oder weniger heiratswilligen jungen Frauen um die Ohren schlägt. Selbst Butler Alfred, der auch eine ruhige Phase zu schätzen weiß, kommt nicht umhin, ihn auf dieses doch sehr langweilige Verhalten hinzuweisen. Ob Bruce will oder nicht, er muss an seinem verruchten Image arbeiten. Was liegt näher, als der Besuch bei einer Vernissage, bei der er inmitten von luftig bekleideten Damen Stoff für die Klatschspalten liefern kann.
Allerdings wird Bruce bereits beobachtet. Jemand ist zurückgekehrt, den er lange nicht mehr gesehen hat. Diese Person hat noch jemanden mitgebracht, von dem Bruce nichts weiß. Vorab jedoch muss Bruce das tun, was Batman mitunter am besten kann: Kämpfen.
Was eben noch eine gelungene Party war, wird zu einem Schlachtfeld, auf dem sich Batman gegen einen Man-Bat behaupten muss – und noch einen, und noch einen, und noch einen. Einem Unbekannten ist es gelungen, das Man-Bat-Programm zu perfektionieren, um eine kleine Armee dieser Kreaturen zu züchten. Mit Schwertern ausgerüstet, stürzen sie sich gesammelt auf Batman, der in eine der gefährlichsten Situationen seines Lebens gerät.
Batman 4 läutet einen Zweiteiler ein, der Batman eine ziemliche Nuss zu knacken gibt. Zu einem von Batmans sehr alten Feinden zählt der mysteriöse Ra’s al Ghul. Dieser Feind, der irgendwo zwischen Mogul und Dämon angesiedelt war, hatte eine Tochter, die Bruce Wayne (oder besser dem Detectiv, wie er immer genannt wurde) sehr wohl gesonnen war. Wie es aussieht, hat während eines alten Abenteuers tatsächlich ein Abenteuer stattgefunden, eines von der romantischen Art. Obwohl dieses Abenteuer für den Leser schon länger zurückliegt, hat diese Affäre vor gar nicht langer Zeit Früchte getragen: Batman hat einen Sohn namens Damian.
Dieser von Autor Grant Morrison erdachte Sohn ist dem Verhalten nach eine ähnliche düstere Kreatur wie sein Namensvetter aus der alten Omen-Trilogie (Der vierte Teil zählt nicht.). Die Tochter von Ra’s al Ghul, Thalia, die wahrlich einiges von ihrem Vater gewöhnt ist und so manches drastische Erlebnis mitgemacht hat, kann diesen Sprössling nicht mehr bändigen. Lieber befiehlt sie einer Heerschar von mannsgroßen Fledermäusen, als weiter auf dieses kleine Biest aufzupassen.
Doch zurück zum Anfang. Aus Bruce Wayne ist Langweiler geworden. Der Tagesablauf, den Morrison hier schildert ist sehr durchgeplant und ausgefüllt, aber erfüllend ist er wohl nicht. Bruce lebt und arbeitet konzentriert – konzentriert auf seine zweite Existenz und vernachlässigt dabei total seine Tarnidentität, sofern man sie so nennen will. Immerhin ist Wayne auch der Chef eines Multimillionendollar-Unternehmens. Davon ist aber auch nichts mehr zu merken. Bruce’ wilde Zeit liegt solange zurück, dass Butler Alfred dem ehemaligen Playboy Verhaltensregeln und vorgefertigte Sätze mit auf den Weg geben muss. – Daraus hat Morrison eine sehr schöne Szene gemacht.
Zeichner Andy Kubert ist ein Comic-Talent, wie er mehrmals in größeren Publikationen unter Beweis stellen konnte. Sein Batman ist ebenso versiert, wie es seine Arbeiten in Marvels Ultimativem Universum waren oder auch im Comic-Ereignis 1602. Demzufolge ist es keine Überraschung, dass die vorliegende Batman-Ausgabe perfekte Unterhaltung aus der Welt des dunklen Ritters ist. Dank der Farbgebung von Dave Stewart entsteht eine schöne Plastizität.
Eine feine Idee ist Batmans Kampf in einer Ausstellung, in der sich viele Bilder finden, die ganz offensichtlich auf Comic-Vorlagen basieren. Im Sinne eines Roy Lichtenstein, der den Comic auf die Leinwand bannte, finden sich auch hier Grafiken, die außerdem den Kampf an der einen und anderen Stelle kommentieren.
Wer es noch ausgefallener mag, wird sich auch über die Zusammenarbeit von Batman und Riddler freuen. Der abgeschlossene Kriminalfall in der zweiten Hälfte des Bandes bildet einen guten Kontrast und hat einen eher klassischen Aufbau. - Batman ist wieder da! Sehr gut.
Stichwörter: grant morrison, andy kubert, batman
Samstag, 09. September 2006
Supermans Geschenk an Lois ist ein absoluter Volltreffer. Die Reporterin kann es kaum erwarten, sich wie der Stählerne für einen Tag in die Lüfte zu schwingen.
Gleichwohl muss Lois Lane auch erfahren, dass das Leben einer Superheldin nicht nur aufregend ist, sondern auch voller Überraschungen sein kann. Zunächst ist sie noch damit beschäftigt, ihre neuen Fähigkeiten auszuprobieren, da stellen einige echsenartige Invasoren aus dem Erdinneren ihr neu erworbenes Talent auf die Probe – beinahe jedenfalls. Obwohl Lois voller Elan ans Werk gehen möchte, sind bereits andere Helden dabei das Problem zu lösen.
Doch die Hauptarbeit hat trotzdem Superman.
Nicht nur Lois hautenges Superheldenkostüm ist dafür verantwortlich, dass die klassischen Helden Samson und Atlas, gerade auf Zeitreise, in einen freundschaftlichen Wettstreit mit Superman um die Gunst der attraktiven Reporterin treten wollen. – Nicht zuletzt, weil Samson als Zeitreisender Informationen hat, die in dem berechtigte Hoffnungen wecken. (Informationen übrigens, die der Leser ebenfalls bereits seit Ausgabe 1 hat.)
Superman hat nicht viel Zeit, sich mit diesem Problem auseinander zu setzen. Bald schon wartet eine höchst unangenehme Situation auf ihn – ausgelöst durch schwarzes Kryptonit. Ist er auch inzwischen gegen grünes Kryptonit immun, greift diese Abwehrkraft gegen das schwarze Gestein seiner Heimatwelt noch nicht. Die Auswirkung sind bedrohlich für die ganze Menschheit.
Wie gut, dass Ausnahmereporter und Kolumnist JimmyOlsen der Menschheit den Tag retten kann.
Die zweite Ausgabe von All Star Superman kann mit dem genialen Auftakt der Reihe mehr als nur mithalten. Autor Grant Morrison lässt seiner Phantasie völlig freien Lauf – so mag es jedenfalls für den Leser wirken. Das Ergebnis ist eine vollkommen erfrischend erzählte Superman-Geschichte. Freilich hat er auch den enormen Vorteil, dass er von den Fesseln der bisherigen Handlungsstränge befreit ist, seine eigene Vergangenheit erfindet und so eine völlig neue Gegenwart erschafft.
Superman wähnt sich im Sterben begriffen. Das ist kein Geheimnis, denn genau auf dieser Grundlage fusst auch das Geschehen des vorliegenden Bandes. Dieser Superman macht insgesamt ein ziemlich gelockerten Eindruck. Das Heldentum ist nicht mehr seine vordringlichste Aufgabe. Superman erledigt seine Aufgaben mehr nebenbei und konzentriert sich auf die Abwicklung seiner Angelegenheiten.
Natürlich lässt ihn Grant Morrison dabei nicht so einfach gewähren. Der Auftritt der klassischen, biblisch einerseits, mythisch andererseits, geprägten Giganten Samson und Atlas zeugt von dem Humor, mit dem Morrison diese Erzählung gestaltet. Die beiden mythischen Recken erfüllen so ziemlich jedes sexistische Klischee, geben sich so männlich es eben geht und stehen dabei dem heute männlich korrekten Mann absolut entgegen – herrlich zu lesen und dank Zeichner Frank Quitely auch herrlich anzuschauen.
An dieser Stelle darf auch die hervorragende Arbeit von Jamie Grant nicht unerwähnt bleiben. Sie hat die digitale Tusche und die Kolorierung übernommen. Dank ihr erscheinen die Figuren tatsächlich wie mythische Gestalten – etwas barockig, wenn man es so nennen kann.
Morrisons Spiel mit den Charakteren wird in der zweiten Episode dieser Ausgabe noch amüsanter. Ein Jimmy Olsen, wie ihn die Leser so noch nicht kannten, übernimmt eine überaus ungewöhnlich Aufgabe (nun, die hatte er schon häufig, aber das hier ist wirklich ungewöhnlich). Außerdem gestattet Morrison seinem Olsen ein deutlich forscheres und selbstbewußteres Auftreten, was der Figur sehr gut steht – obwohl sie immer noch mit Supies Signaluhr ausgestattet ist und sich so aus jeder ausweglosen Situation retten kann.
Morrison nimmt Olsen diese letzte Rettungsmöglichkeit und überrascht den Leser so einmal mehr.
Ein sehr schönes Lesevergnügen! Selbst jene Comic-Fans, die ansonsten mit Superhelden nichts anfangen können, werden mit dieser leicht ironischen Variante ihren Spaß haben können.
Stichwörter: grant morrison, frank quitely, jamie grant, superman, jimmy olsen, lois lane, lana lane