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Comic Blog


Samstag, 02. Februar 2008

Die sieben Zwerge

Abgelegt unter: Klassiker — Michael um 13:32

Die sieben ZwergeSie waren zu jung, ein Auto zu fahren, aber alt genug, einen Bomber zu fliegen. – Wer glaubt, in den Bombern beiderseitig des Kanals saßen immer nur alte erfahrene Piloten, der sieht sich gewaltig getäuscht. Marvano hat sich des Themas angenommen und eine Geschichte rund um ein solches Bomber-Team geschrieben und gezeichnet.
Marvano, mit bürgerlichem Namen Mark van Oppen, bewies bereits mit der Science Fiction Roman-Umsetzung von Joe Haldeman, dass er das Zeug für realistisch anmutende Szenarien hat. Nach einem zukünftigen Krieg setzt er sich nun mit der Vergangenheit auseinander.

Die sieben Zwerge sind die Flugzeugmannschaft eines Bombers, dem sie selber den Namen S-Snowwhite (Schneewittchen) gegeben haben. Die Geschichte beginnt mit einem Angriffsflug über Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Das Ziel ist das Ruhrgebiet. Die Szene ist für die jungen Männer an Bord unwirklich. Die Nacht wird von der deutschen Flugabwehr sporadisch erleuchtet, als der Lancaster-Bomber acht Tonnen seiner tödlichen Fracht aus seinen Abwurfschächten entlässt. Sie wissen nicht, was sie da unten töten oder zerstören, sie sehen lediglich das Flammenmeer nach dem Aufprall ihrer Bomben. Ein Cowboy-Schrei der Freude überlagert die Szene und entlädt die Erleichterung darüber, dass dieser Angriff vorüber ist. Nun kann der Heimflug angetreten werden.
Doch vor einer glücklichen Landung muss das englische Geschwader erst an den deutschen Nachtjägern vorbei.

Man fühlt sich als Leser ein wenig an den Film Memphis Belle erinnert, der ebenfalls die Geschichte einer, allerdings amerikanischen, Bomber-Crew beschreibt. Hier wie dort ist es der Wahnsinn über den Wolken, der sich mit rein menschlichen Aspekten ablöst. Hier ist die Freiheit über den Wolken nicht grenzenlos, sondern ihr wurde die Freiheit genommen, das Wahrhaftige, das Besondere, kurz, sie wurde missbraucht.
Für diese Männer spielt der Krieg eine Rolle, weil sie sich in ihm befinden, nicht, weil sie ihn gewollt haben. Sie zählen die Einsätze, die hinter ihnen liegen und fürchten die, die vor ihnen liegen. 17 haben sie absolviert, 30 müssen sie fliegen. Der Durchschnitt liegt bei 11. Und ein jeder fürchtet ein Ziel: Berlin. Der Anflugkorridor ist eng. Eine Kollision mit einer befreundeten Maschine ist wahrscheinlicher, als von der gegnerischen Flugabwehr oder einer Abfangmaschine getroffen zu werden.
Kein einziges Mal geht es um Politik, oder darum, den Feind zu vernichten. Es geht nur darum, zu gewinnen, damit man nach Hause kann.

Was hast du gegen Idealismus, Aubie? Zum Teufel, ich sterbe lieber für die gute Sache, für ein Ideal.
Ich ziehe es vor, überhaupt nicht zu sterben.
Wie dieses Ideal aussehen mag, bleibt offen. Ideale taugen aber auch nicht dazu, einen Zauber auszuüben, den Mut und die Hoffnung zu schüren. Rituale sind da schon geeigneter. Die Mannschaft der Snowwhite hat es sich angewöhnt, vor jedem Flug gemeinsam auf das Hinterrad ihres Bombers zu urinieren. Wenn man schon angepisst ist, dann kann man es auch selber machen.

Nicht zu früh die Bomben ausklinken, sonst treffen sie Brüssel und nicht Berlin. Und aufpassen, wohin man wirft. Am Ende fliegt die eigenen Leute unter einem und man trifft sie mit den Bomben, die eigentlich für die Deutschen gedacht waren.
Marvano trifft auf jeder Seite mit seinen nüchternen Zeichnungen und seinen Texten die Atmosphäre der Szenerie. Er lässt aus der Sicht eines Piloten erzählen, der um Kühle und Sachlichkeit bemüht ist, aber den Schrecken aus seiner Stimme nicht ganz verbannen kann.
Schließlich lässt Marvano alte Musik spielen, verzichtet auf Erzählung, lässt nur die Bilder sprechen. Mehr braucht es auch nicht. Um Haaresbreite dem Tod entgangen, steigen sie bald wieder auf.

Das Ende muss nicht gezeigt werden. Nach all den Erlebnissen kann sich der Leser ausmalen, dass in einer dieser Situationen das Glück einen anderen Bomber auswählte. Die sieben Zwerge kommen nicht mehr zurück.

Ohne Pathos, beinahe sachlich, berichtet Marvano über das Schicksal dieser Bomber-Crew, die nicht richtig gelebt hatten, als Beispiel für viele andere, die nicht überlebten. Es ist ein Blickwinkel der Sinnlosigkeit all dessen, was sich in einem Krieg abspielt, ohne Tränen erzählt, dafür aber umso trauriger.

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Sonntag, 23. Oktober 2005

Kritische Comics

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 21:11

Homero - Der ewige KriegComics greifen nicht selten soziale Missstände, Krieg und menschliche Katastrophen als Themen auf. In der Science Fiction sind die Umstände zumeist frei erfunden, aber nicht weniger realistisch als zum Beispiel bei historischen Themen.

Homero (Edition Kunst der Comics) befasst sich damit, was geschieht, wenn jegliches soziales Netz der Gesellschaft verloren gegangen ist und die Menschen, die aus den verschiedensten Gründen an den Rand gedrängt wurden, eingepfercht werden.
In der Eiswüste befindet sich ein heruntergekommenes Gefängnis. Hier sind die Freaks untergebracht, die Kranken, die Alten. Die Bewachung ist nicht minder übel dran und will es den Insassen auch nicht leichter machen. Gewalt, Hunger und Drogen bestimmen den Alltag.
Eines Tages tritt eine noch schlimmere Notsituation ein: Die Versorgungstransporte von außerhalb bleiben aus. Zur Eindämmung möglicher Aufstände lässt der Gehilfe des Direktors einen Söldnertrupp einfliegen. Mögliche Rädelsführer sollen ohne Umschweife getötet werden. Homero und seine Leute verrichten den Auftrag ohne Skrupel.
Erst als die Situation sich auch gegen sie richtet – denn ohne Nachschub von außen bleibt auch ihre Bezahlung aus – verhelfen sie einigen wenigen Häftlingen zur Flucht.

Die Autoren Antonio Guiral und Fernando Rubio erzählen ihre Geschichte, ohne allzu tief in die menschliche Psyche vorzudringen – jedenfalls nicht weiter, als die eigene Vorstellungskraft reicht. Ähnliche Szenen kennt der Betrachter bereits aus Gefängnisgeschichten, hier werden sie lediglich noch einmal überspitzt dargestellt.
In der Geschichte regiert der Wahnsinn und – wenn man es so nennen will – das pure Böse. Es ist eine reine Schwarzweißmalerei. Der Wechsel von Homero auf die Seite der Guten erklärt sich aus einer reinen Notwendigkeit heraus. Besser macht ihn das auch nicht.
Bei aller Gewaltdarstellung verzichtet der Comic auf allzu drastische Bilder. Das ist der Geschichte anzurechnen, die Oberflächlichkeit zieht den Band wieder deutlich ins Minus. Natürlich erwartet der Betrachter heutzutage kaum noch neue Erkenntnisse oder revolutionäre Sichtweisen von einer Geschichte, Comic oder nicht. Aber etwas mehr Tiefgang kann nicht schaden. Interessant ist lediglich der Schluss: Die Zurückgebliebenen weigern sich, das Unvermeidliche anzuerkennen. Sie warten weiterhin auf den Nachschubtransport, der niemals eintreffen wird.

Mit Der ewige Krieg (Carlsen) nach einer Vorlage von Joe Haldeman und umgesetzt durch die Federführung von Marvano verhält es sich völlig anders.
Im Weltall herrscht Krieg – es ist eine besondere Art von Krieg, in der für die Truppen im All die Zeit viel langsamer vergeht als auf der Erde. Für die Männer und Frauen an der Front spielt sich ein ganz anderes Zeitalter als Zuhause ab.
Auf der Erde herrscht Notstand, der technische Fortschritt wird vorangetrieben, in Folge der Überbevölkerung wird das Praktizieren von Homosexualität unter den Menschen gefördert. Bildung und Platz bedeuten Luxus.
Die Menschen im All verlieren jeden Bezug zum Ziel des Krieges. Ihre Angehörigen auf der Erde altern viel schneller, Leben der Soldaten werden mit künstlichen Gliedmaßen verlängert.

Ein drastisches Beispiel zeigt die Beziehung eines Soldaten und einer Soldatin zueinander. Eines Tages werden sie so weit voneinander an verschiedene Posten versetzt, dass die Möglichkeit, in Folge der Zeitversetzung sich jemals wieder zu sehen, gleich Null ist.
Der Soldat denkt an Selbstmord. Mein Leben gehörte der Armee. Ich würde ihr nicht auch noch meinen Tod schenken.
Eine realistisch anmutende Geschichte, mit der Joe Haldeman Teile seiner eigenen Kriegserfahrungen in Vietnam verarbeitete. (Auch als Roman erhältlich.) Wenn die Soldaten im All kämpfen und die Generation, die den Krieg begonnen hat, zwischenzeitlich auf der Erde wegen Überalterung stirbt, spätestens dann sollte jeder die Sinnlosigkeit eines kriegerischen Unterfangens erkennen.

Man merkt der Geschichte deutlich an, dass sie auf einer Romanvorlage fußt. Viele Blickwinkel und Details, sehr echt angelegte Akteure machen Der ewige Krieg nach meiner Meinung zu einem echten Klassiker. :-)

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