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Comic Blog


Sonntag, 05. August 2007

Die blauen Boys haben den Blues

Abgelegt unter: Cartoon — Michael um 19:41

Die blauen Boys ... haben den BluesAbigail hat es sich in ihrem Stuhl gemütlich gemacht. Neben ihr wacht ihr Retter Captain Stark auf seinem Hengst, regungslos wie ein Reiterstandbild. Für ihren Bruder Captain Stilman ist dieses Bild unerträglich. Ein richtiger Mann muss her! Im Hauptquartier von General Grant, wo alle wichtigen Offiziere versammelt sind, wird sich bestimmt der Zukünftige für Abigail finden lassen.
Die blauen Boys, Sergeant Chesterfield und Korporal Blutch, die sich eben noch über die Szene furchtbar amüsiert haben, erhalten den scheinbar einfachen Auftrag, Abigail in das Lager von General Grant zu bringen.
General Grant, der ganz andere Angelegenheiten hat, um die er sich kümmern muss, gerät dennoch in einen Lachanfall, als Chesterfield ihm den Auftrag von Captain Stilman erläutert.

Grants Adjutant erhält den ehrenvollen Auftrag, Abigail die versammelten Offiziere zu zeigen. Es zeigt sich, dass ein Aufenthalt in einem Lager der Nordstaaten auch ohne Feinde sehr gefährlich sein kann. Grant hat seine Führungsoffiziere nicht ohne Grund zusammengerufen. Einige Exemplare dieser Männer richten nämlich mehr Schaden unter seinen Soldaten an als der Feind. Dem gehört ein Riegel vorgeschoben. Entlassungen stehen an.
Das geht leider nicht reibungslos vonstatten. Wie gut, dass Chesterfield und Blutch in der Nähe sind und das Schlimmste verhüten können.

Während der Adjutant sich – nicht ganz uneigennützig – um Abigail kümmert und sie mit seiner Schwester bekannt macht, fällt Chesterfield aus allen Wolken. Denn Amelie, die Schwester des Adjutanten, wird von dem Sergeant auf das Heftigste angehimmelt. Blutch glaubt, eine unglückliche Liebe sei das Schlimmste, was ihnen noch im Camp passieren kann – doch da täuscht er sich gewaltig.

Die blauen Boys … haben den Blues erzählt das 25. Abenteuer. Chesterfield und Blutch werden in dieser Folge zu Mittelsmännern der Liebe – auf Befehl natürlich, beileibe nicht freiwillig. In der ohnehin schon erfolgreichen Reihe um die beiden Soldaten im amerikanischen Bürgerkrieg ist Texter Raoul Cauvin ein weiterer komödiantischer Höhepunkt gelungen. Gleich der Auftakt, von Willy Lambil urkomisch in Szene gesetzt, zieht den Leser trefflich in die Handlung hinein.
Den ersten Satz von Captain Stilman kann der Leser überhaupt nicht unterstreichen.
Abigail, jetzt reicht’s! Diese Komödie dauert schon viel zu lange!
Im Gegenteil dauert diese Komödie leider nicht lange genug!

Meine Herren! Der Mann ist tot!
Wenn die Herren Offiziere durchdrehen, kann das für die Unteroffiziere und die Mannschaften schon für mehr als einen Lacher gut sein – sofern sie nicht selber darunter zu leiden haben. Blutch, der sein Leben zweimal für einen Trick riskiert hat, schüttet sich jedenfalls herzhaft aus vor Lachen. Dieser Heiterkeitsausbruch führt dann auch zur Ermahnung Lieutenant Appletown. Aber Action und eine Prise Galgenhumor ist nur eine Seite der Medaille.

Daneben ist es die Liebe, die im Vordergrund dieser feinen Western-Komödie steht. Der Titel ist etwas irreführend, denn eigentlich hat von den beiden blauen Boys nur einer den Blues. Als er erfährt, dass Appletowns Schwester nach dem Willen ihres Bruders einen Offizier heiraten soll, ist die Stimmung natürlich auf dem Tiefpunkt. Eine solche Ausgangssituation ist perfekt für eine Komödie.
Es ist nichts Neues, dass richtige Mannsbilder im Beisein ihrer Angebeteten zu wahrhaften Tolpatschen werden, die kein vernünftiges Wort mehr herausbekommen. Doch jeder Mann, der in dieser Situation gewesen ist, wird sich köstlich über Chesterfields Gefühlswelt amüsieren.

Hintergrund dieser Komödie ist der amerikanische Bürgerkrieg. Vor dieser Kulisse scheint es sehr schwierig zu sein, eine lustige Geschichte zu inszenieren. Auch geht es hier nicht ohne Tote ab. Es existiert kein Wissen darüber, ob Cauvin sich an klassischen Vorlagen wie Vom Winde verweht oder Fackeln im Sturm) orientiert hat. Ansätze dieser Geschichten, Gesichtspunkte finden sich allerdings hier, denn auch dort ging es nicht ohne Humor, wie auch Freundschaft ein wichtiges Thema war. Einerseits sind die Frotzeleien zwischen Chesterfield und Blutch eine Quelle ständiger kleiner Witze, andererseits sind es die kriegsgeschädigten Offiziere, die hier für so manchen Ulk gut sind. Man muss es als Slapstick auffassen und darf keinesfalls mit einen starken Bierernst an die Geschichte herangehen. Auf diese Art kann man nur Spaß an der Ausgabe haben.

Ungeheuer souverän gezeichnet von Willy Lambil, von Raoul Cauvin locker und mit (z.T. schwarzem) Humor erzählt, so reiht sich in der 25. Ausgabe der blauen Boys Spaß und Abenteuer aneinander. :-D

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Mittwoch, 28. März 2007

Hellblazer - Hölle auf Erden

Abgelegt unter: Mystery — Michael um 22:31

John Constantine Hellblazer - Hölle auf ErdenJohn Constantine ist ein Detektiv der anderen Art. Wer Probleme mit der jenseitigen Welt oder gar der Hölle hat, ruft den abgehalfterten jungen Mann, der nicht ohne Zigaretten auskommt.
Du borgst in der einen Hölle, um die andere zu bezahlen, John Constantine. Der Totengott, der John bereits als Kind erschienen ist, erkennt sehr früh, wie es um John bestellt ist. Zu diesem Zeitpunkt weiß John selbst nicht einmal, was später aus ihm werden wird. Als Kind ist seine Fähigkeit, mit anderen Welten, vornehmlich Höllen und mythischen Sphären, Kontakt aufzunehmen, eher hinderlich. Man könnte auch sagen, dass es die reinste Qual ist.

Sehr viel später wird John mit dieser Fähigkeit und der Respektlosigkeit, mit der er jedem dunklen Wesen begegnet, zu einem Rettungsanker, der letzten Hoffnung, die es in paranormalen Fällen noch gibt.
Ein solcher Fall ist das Koma der kleinen Trish. John nimmt den Ball auf und will seinem Freund Chas, dem Vater der Kleinen, helfen. Die ersten Ergebnisse sind nicht ermutigend. Die Spur führt von London in die Stadt der Engel, nach Los Angeles. Der Dämon, der sich ihnen dort offenbart, wirkt auf John wie ein Haufen Exkremente mit einem gedrungenen Kopf und klebrigen Armen und Beinen. Die Lösung ist einfach. Wenn John dem Dämon einen Gefallen tut und die unirdische Konkurrenz des Dämons aus dem Weg schafft, lässt er den Geist der kleinen Trish wieder frei.

John macht sich an die Arbeit. Aber er weiß um die mangelnde Vertrauenswürdigkeit von Dämonen. Deshalb spielt er sein eigenes Spiel.
Am Ende gerät scheinbar alles außer Kontrolle. John ist derjenige, der die Hölle auf Erden gebracht hat.

John Constantine wurde einer breiteren Zuschauerschar durch die thematische Verfilmung mit Keanu Reeves in der Hauptrolle ein Begriff. Der paranormale Ermittler, der auf ähnlichen Spuren wandelt wie der von Clive Barker erfundene Ermittler Harry D’Amour, füllt eine Lücke in den Horrorgeschichten, in denen ansonsten die Hauptfiguren den Monstern eher ausgeliefert sind.
Constantine ist einer jener Detektive, deren Grundlage sich in den Geschichten von Erzählergrößen wie Dashiel Hammett oder Raymond Chandler findet. Ein einsamer Ermittler, heruntergekommen, mit einem eigenen Ehrbegriff ausgestattet oder einer eigenen Form von Moral. Ein solcher Mann glaubt alles gesehen zu haben – was im Falle von Constantine sogar stimmt. Nichts kann ihn mehr schrecken. Ein solcher Mensch raucht und trinkt zuviel, weil es sowieso keinen Unterschied macht. Im Gegensatz zum normalen Detektiv steigt Constantine noch einige Stufen tiefer in in den Untergrund, dorthin, wo finstere Mächte regieren und den Menschen das Leben schwer machen.

Constantine behandelt diese Dämonen nicht wie Monster, sondern wie Verbrecher. Natürlich wendet er die dazu nötigen Gesetzmäßigkeiten an, aber letztlich bleibt er dabei immer cool. (Auch eine Eigenschaft, die ein solcher Detektiv besitzen muss. Ein lockerer Spruch auf den Lippen muss noch in der verfahrensten Situation kommen.) Seine Vorgehensweise ist beeindruckend erzählt von Mike Carey. Man könnte Constantine auch als abgebrüht bezeichnen. Wie er sich in den verschiedenen Situationen bewährt, ist nicht nur toll geschrieben – es springt auch der Spannungsfunke direkt über.
Constantines erste Begegnung mit dem Totengott ist ungeheuer gelungen – und gruselig.

Leonardo Manco zeichnet sehr detailliert ein Wesen, dessen Knochen der menschlichen Anatomie so ähnlich und doch entsteht durch das folkloristische Äußere ein fremdartiges Wesen, das kaum besser entworfen sein könnte. Diese Gestaltung der Dämonen, bei denen Manco sich sehr viele Freiheiten nimmt und seinen Phantasien freien Lauf lässt, steht im vollkommenen Gegensatz zu der Präzision, die er mit der Zeichnung von Menschen, Fahrzeugen, Raum- und Stadtansichten zeigt. Auf diese Art wird all das Fremdartige exakt mit dem Bekannten verwoben zu einem hervorragenden Gruselerlebnis.

Constantines Hauptgegner ist wie ein Moloch angelegt. Rein äußerlich erinnert er an den Golgataner, wie er in dem Film Dogma zu sehen war. Ein sehr unappetitlicher Anblick, der jedoch mit einigen Überraschungen aufwarten kann, die selbst den sonst so nüchtern agierenden Constantine ein wenig aus der Bahn werfen.
Solche Szenen machen die vorliegende Geschichte mit ihren düsteren Bildern zu einem Fest für alle, die nicht nur Horror- und Gruselcomics mögen, sondern vielleicht auch von der Roman- oder Film-Seite her auf den Comic-Geschmack gebracht werden wollen.
Top! So kann Horror-Action-Grusel sein. Intelligent erzählt, spannend verpackt, perfekt gezeichnet. Mehr davon!

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