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Comic Blog


Freitag, 21. September 2007

Aldebaran 5 - Das Wesen

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 23:02

Aldebaran 5 - Das WesenDas Luftschiff liegt nach einer Bruchlandung mitten im Dschungel. In diesem Teil der Welt kann die Gefahr für Leib und Leben aus jeder Richtung kommen. Die Überlebenden wollen die gefährliche Reise dennoch versuchen – sie haben keine andere Wahl.
Sie klettern durch die Urwaldbäume. Die Äste sind derart dick, dass selbst drei oder vier Männer sie nicht umfassen können. Ihre Reise scheint eine Ewigkeit zu dauern, ohne Nahrung, ohne Wasser. Plötzlich zerreißt ein unheimliches Geräusch die angespannte Stille.

Ausgerechnet Herr Pad, der kleinste und älteste der Gruppe, hat eine waghalsige Idee. Doch kann die Reise auf einem der urweltlichen Wesen, die flussabwärts wandern, gefährlicher sein, als die Kletterpartie? Die Gruppe beschließt, das Risiko einzugehen. Zuvor müssen die Tiere erst einmal erreicht werden. Der letzte Teil des Weges bis zum Fluss wird zur ultimativen Mutprobe. Li ist die erste Leidtragende.
Damit nicht genug: Marc und Kim bleiben zusammen mit Li zurück. Während Li bewusstlos ist, müssen die beiden anderen mit ansehen, wie der Rest der Gruppe auf dem Rücken eines der gigantischen Wesen flussabwärts treibt.

Der Horror geht weiter. Marc und Kim tragen die verletzte Li tapfer weiter. Die Freunde können sich nicht entscheiden, wann das Grauen größer ist, tagsüber oder nachts. In der Zeit der größten Not stößt Alexa zu ihnen. Die lebenserfahrene Frau bringt den nötigen Optimismus mit in die kleine weit abgeschlagene Gruppe und ermöglicht Marc und Kim die nötige Ruhepause.

Der Dschungel ist nicht der einzige Feind. Auch das Militär ist den Flüchtlingen immer noch auf der Spur.

Aldebaran – Das Wesen läutet das Ende des Fünfteilers ein. Autor und Zeichner Leo schickt seine Helden auf einen abschließenden Parcour, der es in sich hat. Beinahe kann der Leser zu dem eigenen Schluss gelangen, dass Leo seine Protagonisten nicht überleben lassen will.

Zum Glück versteht es Leo, seine Leser ein ums andere mal in die Irre zu führen. Im Vergleich zu den vorherigen Folgen ist die Episode, die viele Fragen um die geheimnisvolle Mantrisse beantwortet, sehr stark auf Action ausgelegt. So gesehen entschädigt Leo die Leser, sofern sie Aktion vermisst haben, sehr. Die Reise durch den Dschungel und im späteren Verlauf über den Fluss bietet unterschwelligen Horror, viel Phantasie und eine tolle Darstellung einer fremden Fauna und Flora. Wer Abenteuergeschichten mag, die wirklich fernab jeglicher Zivilisation handeln, kommt hier absolut auf seine Kosten.
Die bereits erwähnte Phantasie von Leo wird schon durch das Titelbild des Bandes deutlich. Die außerirdische Kreatur ist so schlicht wie ein modernes Kunstwerk gestaltet, ist ebenso organisch wie auch überraschend. Die einfachen Konturen erzielen in diesem Zusammenhang eine außerordentliche Wirkung.

Die Bindung zwischen Marc und Kim verstärkt sich durch die neuerlichen Erlebnisse zusehends. Was die beiden durchmachen, stellt alle bisherigen Ereignisse in den Schatten. In einer Kleidung, die einer solchen Tour De Force keinesfalls gewachsen ist, begegnen sie seltsamen Kreaturen, die vielleicht sogar zum Lachen wären. Was ihnen da nachts das Leben schwer macht, wirkt zuerst wie ein Spaß – ein beliebter Trick von Leo, auf den man als Leser jedes Mal hereinfallen kann.

Wo die Phantasie Kapriolen schlägt, hat die Qualität der Bilder ein wenig gelitten. Sie sind bei weitem nicht schlecht – ein Leo, der nicht auf der Höhe ist, ist allemal zehnmal besser als so mancher andere Zeichner. Aber die Bilder wirken ein wenig nachlässiger. Schön zwar, aber Leo kann es noch besser, das hat er bewiesen.

Ein Schluss, der es in sich hat. Leo zeigt mit dieser Science Fiction Saga, dass er als Zeichner wie als Autor ein begnadeter Erzähler ist. Scheinbar mit leichter Hand und doch sehr intelligent geschrieben, bedeutet Das Wesen Spannung und Überraschung von Anfang bis Ende. :-D

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Mittwoch, 19. September 2007

Aldebaran 3 - Das Foto

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 13:02

Aldebaran 3 - Das FotoMarc kann sich an das Leben im Gefängnis nicht gewöhnen. Seit dreieinhalb Jahren sitzt er nun in dieser Zelle, ohne Verurteilung, ohne zu wissen, wie lange dieses Martyrium noch dauern wird. Und die Verzweiflung wächst von Tag zu Tag.
Eines Tages wird Marc zu einer Arbeitsgruppe abbestellt. Der freie Himmel macht die Plackerei erduldbar. Als er mit einigen anderen Gefangenen an einer kleinen Brücke arbeitet, kommt ein Mann des Weges – der alte Herr Pad!

Marc kann seinen Mund nicht halten, ist er doch zu erfreut, ein bekanntes Gesicht zu sehen. Allerdings ist ein Mann, der von einem Gefangenen erkannt wird, immer auch in der Gefahr kontrolliert zu werden. So kommt auch Herr Pad bald keinen Schritt weiter. Die kleine Kiste, die er dabei hat, muss von den Aufsehern näher in Augenschein genommen werden.
Herr Pad kennt die menschliche Psyche, die beinahe krankhafte Neugier. Kaum ist die Kiste geöffnet, erwartet die Wärter eine gefährliche Überraschung. Wenig später befindet sich Marc in Freiheit.

Die große Stadt, die Marc in den letzten Jahren nur von fern durch die Gitter sehen konnte, wird jetzt zum Unterschlupf. In der lichten Metropole Anatolia nahe der Küste wollen Pad und Marc untertauchen. Wie es sich bald zeigt, hat Herr Pad nicht uneigennützig gehandelt. Marc soll ihm einen Gefallen tun.

Nicht nur Marc hat sich eine Unterkunft in Anatolia gesucht. Auch Gwendoline lebt hier, die Reporterin, die seinerzeit miterlebte, wie Marcs Dorf vernichtet wurde. Und die Vergangenheit holt ihn ein, jedoch anders als er es sich gedacht hat.
Nellie sein einstiger Jugendschwarm ist verheiratet und Mutter. Nellies kleine Schwester hingegen ist erwachsen geworden. Kaum sehen die beiden sich wieder, erwacht auch das einstige Band zwischen ihnen wieder.
Herr Pad wirbelt ihrer beider Leben bald gehörig durcheinander.

In der dritten Folge des Science Fiction Comic-Romans Aldebaran mit dem Titel Das Foto wird der Leser zunächst von Autor und Zeichner Leo auf sehr leichte Weise in die Geschichte zurückgebracht. Nichts deutet auf die neuen Erkenntnisse hin, die sich bald abzeichnen werden und entsprechend aufrüttelnd sind.

Das Leben in Anatolia, das Leo schildert, ist halbwegs normal und einer Hafenstadt angepasst. Es ist eine sonnige Küste. Die Liebe zwischen Marc und Kim erblüht langsam, es gibt amouröse Abenteuer und Herr Pad ist sehr undurchsichtig. Über allem gibt es immer wieder Einblicke in die fremde Welt, durch die Vegetation und Tierwelt einerseits und die politische Ordnung andererseits. Wie in einem Überwachungsstadt schwebt ständig ein imaginäres Damoklesschwert über den Akteuren.

Mit dem Einschub um die Forscher Alexa und Driss gelingt Leo eine ganz tolle Passage, die nicht unbedingt Licht in das Dunkel des Geheimnisses um die Mantrisse bringt, sondern das Geheimnis noch vertieft. Als die beiden frustriert warten, sehen sie plötzlich im Meer eine Herde Gregoren, die einem ganz bestimmten Ziel zu folgen scheint.
Wenn Alexa betont, wie schön diese Lebewesen seien, kann man als Leser nur zustimmen. Die einfachen Formen und Farben der Gregoren könnten tatsächlich einer Natur (wenn nicht sogar unserer) entsprungen sein. Die Szene um die schwimmenden, sehr großen Tiere gehört wohl zu einer der schönsten in der fünfteiligen Aldebaran-Reihe.
Nach all dieser Schönheit ist das, was sich in der darauf folgenden Nacht abspielt, wahrhaft schockierend erzählt. Es gehört zu Leos tollem Geschick, auch nur soviel zu zeigen, wie es braucht, um die Phantasie des Lesers anzuheizen.

Mit zwei weiteren einfachen Bildern setzt Leo punktgenaue Akzente und vertieft das Geheimnis um die Mantrisse wie auch um Alexa und Driss.
Dabei ist die Leichtigkeit, wie sehr Leo seinen Lesern die Hauptfiguren ans Herz wachsen lässt, bewundernswert. Hier sind Geschichte und Charaktere sehr gut miteinander verflochten.

Science Fiction muss nicht an allen Ecken und Ende knallen. Leo zeigt, wie ruhig und doch ungeheuer spannend eine Geschichte aufgebaut werden kann, indem sie einem großen Geheimnis folgt. Erste Klasse! :-D

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Freitag, 07. September 2007

Aldebaran - Die Katastrophe

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 14:27

Aldebaran 1 - Die KatastropheEs ist ein ganz normaler Tag auf Aldebaran. Das Wetter ist schön, die Schule macht auf ihre Weise Spaß, das Meer ist blau. Der Tod des Nestor, eines großen Meereslebewesens, das auf den Strand hinaufkriecht, beunruhigt die Bewohner des kleinen Dorfes doch ein wenig.
Die Vorfälle, anfangs als merkwürdig, aber doch eher bedeutungslos eingestuft, mehren sich. Fischer ziehen einen toten Tiefseefisch aus dem Meer. Leider können sie ihren wichtigen Fund nicht mit an Land ziehen. Ein Fremder verunsichert die Menschen im Dorf schließlich, aber sie weigern sich schlichtweg ihm zu glauben.

Die These: Ein großes Lebewesen ist auf dem Weg in ihre einsame Bucht. Bevor es kommt, finden immer Umweltveränderungen statt, die direkte Auswirkungen auf Fauna und Flora haben. Die Probleme der Fischer sind für die Jugendlichen des Dorfes zweitrangig. Marc schlägt sich eher damit herum, dass Nellie seine Einladung zum Tanz nicht annimmt. Die offensichtliche Bewunderung ihrer kleinen Schwester Kim ist ihm keinerlei Trost. Gwendoline, eine Journalistin, aus der weit entfernten Stadt, die wenig später im Dorf erscheint, gefällt ihm schon mehr.

Gwendoline ist nicht zufällig in dieser Gegend. Sie folgt einem Mann, der immer dann erscheint, wenn wenig später eine Katastrophe bevorsteht. Gwens Aussagen scheinen zu stimmen, denn kaum befindet sich Marc mit ihr in einem kleinen Boot auf dem Meer, verfestigt sich das Meer. Gwen und Marc gelingt gerade noch die Flucht, bevor sie eine weitere seltsame Beobachtung machen können.
Als sie kurze Zeit darauf in Begleitung in das Dorf zurückkehren, hat das Schicksal wieder zugeschlagen. Gwen, Marc, Nellie und Kim können nur hilflos mit anschauen, wie Herr Keller, Nellies und Kims Vater, in einer seltsamen sumpfigen Masse zu Tode kommt.

Aldebaran – Die Katastrophe bildet den Auftakt zu einer fast schon episch zu nennenden Science Fiction-Erzählung von Zeichner-As Leo. Das Besondere an der Geschichte ist der einfache Realismus. Fauna und Flora dieses fremden Planeten sind zwar dem der Erde ähnlich und doch finden sich fremdartigen Elemente, die den Leser immer wieder aufs Neue faszinieren können. Leo gestaltet seine Tier- und Pflanzenwelt auf so schlichte Weise, dass sie beinahe existent sein könnten.

Es beginnt mit einem Nestor, einem walähnlichen Wesen mit Armen anstelle von Brustflossen. Jeder, der die Nachrichten in den vergangenen Jahren verfolgt hat, kann die Tragödie eines Meereswesens nachvollziehen, das mehr oder weniger unverschuldet an einem Strand durch sein eigenes Gewicht qualvoll erstickt. Hier ist es der Vorbote einer Tragödie und eines Geheimnisses, das von Geschichte zu Geschichte immer größer wird.

Leo erzählt seine Geschichte anhand des Schicksals von Marc und Kim, zwei Jugendlichen, die sich zuerst nicht so recht ausstehen können (obwohl sich Kim in ihrem kindlichen Gemüt zu Marc hingezogen fühlt). Durch die Augen der beiden lernt der Leser den Planeten und die Kultur der menschlichen Siedler kennen.
Neue Bekanntschaften, einerseits geheimnisvoll, andererseits skurril, tragen zur Atmosphäre bei. Hier sei besonders der alte Herr Pad erwähnt, der wie ein kleiner Gauner ausschaut (der er auch ist), aber trotzdem immer zwischen dem Wunsch Profit zu machen und seiner Gutmütigkeit hin und her gerissen wird. Beeindruckend außerdem, wie er sein gesammeltes Wissen geschickt anzuwenden weiß, um sich so ein ums andere Mal durchzumogeln.

Leo arbeitet hier nicht nur als Erzähler, sondern auch als Zeichner, der noch ganz klassisch mit Bleistift, Tuschen und Malfarben arbeitet. Das Ergebnis ist organisch und doch sehr genau. Leo scheint sich auf alles, was die für Gestaltung einer lebendigen Umgebung wichtig ist, mit einer absoluten Versiertheit zu verstehen. Einzig mag man ihm ankreiden, dass seine schönen Menschen manchmal zu schön sind. Doch dieser Unrealismus sei ihm verziehen im Sinne einer wirklich ungewöhnlichen Geschichte, die sehr sorgfältig und viel Sensibilität für seine Hauptfiguren erzählt wird.

Ein toller Science Fiction Auftakt, ruhig erzählt, durchbrochen von spektakulären Ereignissen und zusammengehalten von einem geheimnisvollen roten Faden, dem der Leser von Seite zu Seite neugieriger folgen kann. :-D

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Sonntag, 05. August 2007

Die blauen Boys haben den Blues

Abgelegt unter: Cartoon — Michael um 19:41

Die blauen Boys ... haben den BluesAbigail hat es sich in ihrem Stuhl gemütlich gemacht. Neben ihr wacht ihr Retter Captain Stark auf seinem Hengst, regungslos wie ein Reiterstandbild. Für ihren Bruder Captain Stilman ist dieses Bild unerträglich. Ein richtiger Mann muss her! Im Hauptquartier von General Grant, wo alle wichtigen Offiziere versammelt sind, wird sich bestimmt der Zukünftige für Abigail finden lassen.
Die blauen Boys, Sergeant Chesterfield und Korporal Blutch, die sich eben noch über die Szene furchtbar amüsiert haben, erhalten den scheinbar einfachen Auftrag, Abigail in das Lager von General Grant zu bringen.
General Grant, der ganz andere Angelegenheiten hat, um die er sich kümmern muss, gerät dennoch in einen Lachanfall, als Chesterfield ihm den Auftrag von Captain Stilman erläutert.

Grants Adjutant erhält den ehrenvollen Auftrag, Abigail die versammelten Offiziere zu zeigen. Es zeigt sich, dass ein Aufenthalt in einem Lager der Nordstaaten auch ohne Feinde sehr gefährlich sein kann. Grant hat seine Führungsoffiziere nicht ohne Grund zusammengerufen. Einige Exemplare dieser Männer richten nämlich mehr Schaden unter seinen Soldaten an als der Feind. Dem gehört ein Riegel vorgeschoben. Entlassungen stehen an.
Das geht leider nicht reibungslos vonstatten. Wie gut, dass Chesterfield und Blutch in der Nähe sind und das Schlimmste verhüten können.

Während der Adjutant sich – nicht ganz uneigennützig – um Abigail kümmert und sie mit seiner Schwester bekannt macht, fällt Chesterfield aus allen Wolken. Denn Amelie, die Schwester des Adjutanten, wird von dem Sergeant auf das Heftigste angehimmelt. Blutch glaubt, eine unglückliche Liebe sei das Schlimmste, was ihnen noch im Camp passieren kann – doch da täuscht er sich gewaltig.

Die blauen Boys … haben den Blues erzählt das 25. Abenteuer. Chesterfield und Blutch werden in dieser Folge zu Mittelsmännern der Liebe – auf Befehl natürlich, beileibe nicht freiwillig. In der ohnehin schon erfolgreichen Reihe um die beiden Soldaten im amerikanischen Bürgerkrieg ist Texter Raoul Cauvin ein weiterer komödiantischer Höhepunkt gelungen. Gleich der Auftakt, von Willy Lambil urkomisch in Szene gesetzt, zieht den Leser trefflich in die Handlung hinein.
Den ersten Satz von Captain Stilman kann der Leser überhaupt nicht unterstreichen.
Abigail, jetzt reicht’s! Diese Komödie dauert schon viel zu lange!
Im Gegenteil dauert diese Komödie leider nicht lange genug!

Meine Herren! Der Mann ist tot!
Wenn die Herren Offiziere durchdrehen, kann das für die Unteroffiziere und die Mannschaften schon für mehr als einen Lacher gut sein – sofern sie nicht selber darunter zu leiden haben. Blutch, der sein Leben zweimal für einen Trick riskiert hat, schüttet sich jedenfalls herzhaft aus vor Lachen. Dieser Heiterkeitsausbruch führt dann auch zur Ermahnung Lieutenant Appletown. Aber Action und eine Prise Galgenhumor ist nur eine Seite der Medaille.

Daneben ist es die Liebe, die im Vordergrund dieser feinen Western-Komödie steht. Der Titel ist etwas irreführend, denn eigentlich hat von den beiden blauen Boys nur einer den Blues. Als er erfährt, dass Appletowns Schwester nach dem Willen ihres Bruders einen Offizier heiraten soll, ist die Stimmung natürlich auf dem Tiefpunkt. Eine solche Ausgangssituation ist perfekt für eine Komödie.
Es ist nichts Neues, dass richtige Mannsbilder im Beisein ihrer Angebeteten zu wahrhaften Tolpatschen werden, die kein vernünftiges Wort mehr herausbekommen. Doch jeder Mann, der in dieser Situation gewesen ist, wird sich köstlich über Chesterfields Gefühlswelt amüsieren.

Hintergrund dieser Komödie ist der amerikanische Bürgerkrieg. Vor dieser Kulisse scheint es sehr schwierig zu sein, eine lustige Geschichte zu inszenieren. Auch geht es hier nicht ohne Tote ab. Es existiert kein Wissen darüber, ob Cauvin sich an klassischen Vorlagen wie Vom Winde verweht oder Fackeln im Sturm) orientiert hat. Ansätze dieser Geschichten, Gesichtspunkte finden sich allerdings hier, denn auch dort ging es nicht ohne Humor, wie auch Freundschaft ein wichtiges Thema war. Einerseits sind die Frotzeleien zwischen Chesterfield und Blutch eine Quelle ständiger kleiner Witze, andererseits sind es die kriegsgeschädigten Offiziere, die hier für so manchen Ulk gut sind. Man muss es als Slapstick auffassen und darf keinesfalls mit einen starken Bierernst an die Geschichte herangehen. Auf diese Art kann man nur Spaß an der Ausgabe haben.

Ungeheuer souverän gezeichnet von Willy Lambil, von Raoul Cauvin locker und mit (z.T. schwarzem) Humor erzählt, so reiht sich in der 25. Ausgabe der blauen Boys Spaß und Abenteuer aneinander. :-D

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Mittwoch, 28. März 2007

Hellblazer - Hölle auf Erden

Abgelegt unter: Mystery — Michael um 22:31

John Constantine Hellblazer - Hölle auf ErdenJohn Constantine ist ein Detektiv der anderen Art. Wer Probleme mit der jenseitigen Welt oder gar der Hölle hat, ruft den abgehalfterten jungen Mann, der nicht ohne Zigaretten auskommt.
Du borgst in der einen Hölle, um die andere zu bezahlen, John Constantine. Der Totengott, der John bereits als Kind erschienen ist, erkennt sehr früh, wie es um John bestellt ist. Zu diesem Zeitpunkt weiß John selbst nicht einmal, was später aus ihm werden wird. Als Kind ist seine Fähigkeit, mit anderen Welten, vornehmlich Höllen und mythischen Sphären, Kontakt aufzunehmen, eher hinderlich. Man könnte auch sagen, dass es die reinste Qual ist.

Sehr viel später wird John mit dieser Fähigkeit und der Respektlosigkeit, mit der er jedem dunklen Wesen begegnet, zu einem Rettungsanker, der letzten Hoffnung, die es in paranormalen Fällen noch gibt.
Ein solcher Fall ist das Koma der kleinen Trish. John nimmt den Ball auf und will seinem Freund Chas, dem Vater der Kleinen, helfen. Die ersten Ergebnisse sind nicht ermutigend. Die Spur führt von London in die Stadt der Engel, nach Los Angeles. Der Dämon, der sich ihnen dort offenbart, wirkt auf John wie ein Haufen Exkremente mit einem gedrungenen Kopf und klebrigen Armen und Beinen. Die Lösung ist einfach. Wenn John dem Dämon einen Gefallen tut und die unirdische Konkurrenz des Dämons aus dem Weg schafft, lässt er den Geist der kleinen Trish wieder frei.

John macht sich an die Arbeit. Aber er weiß um die mangelnde Vertrauenswürdigkeit von Dämonen. Deshalb spielt er sein eigenes Spiel.
Am Ende gerät scheinbar alles außer Kontrolle. John ist derjenige, der die Hölle auf Erden gebracht hat.

John Constantine wurde einer breiteren Zuschauerschar durch die thematische Verfilmung mit Keanu Reeves in der Hauptrolle ein Begriff. Der paranormale Ermittler, der auf ähnlichen Spuren wandelt wie der von Clive Barker erfundene Ermittler Harry D’Amour, füllt eine Lücke in den Horrorgeschichten, in denen ansonsten die Hauptfiguren den Monstern eher ausgeliefert sind.
Constantine ist einer jener Detektive, deren Grundlage sich in den Geschichten von Erzählergrößen wie Dashiel Hammett oder Raymond Chandler findet. Ein einsamer Ermittler, heruntergekommen, mit einem eigenen Ehrbegriff ausgestattet oder einer eigenen Form von Moral. Ein solcher Mann glaubt alles gesehen zu haben – was im Falle von Constantine sogar stimmt. Nichts kann ihn mehr schrecken. Ein solcher Mensch raucht und trinkt zuviel, weil es sowieso keinen Unterschied macht. Im Gegensatz zum normalen Detektiv steigt Constantine noch einige Stufen tiefer in in den Untergrund, dorthin, wo finstere Mächte regieren und den Menschen das Leben schwer machen.

Constantine behandelt diese Dämonen nicht wie Monster, sondern wie Verbrecher. Natürlich wendet er die dazu nötigen Gesetzmäßigkeiten an, aber letztlich bleibt er dabei immer cool. (Auch eine Eigenschaft, die ein solcher Detektiv besitzen muss. Ein lockerer Spruch auf den Lippen muss noch in der verfahrensten Situation kommen.) Seine Vorgehensweise ist beeindruckend erzählt von Mike Carey. Man könnte Constantine auch als abgebrüht bezeichnen. Wie er sich in den verschiedenen Situationen bewährt, ist nicht nur toll geschrieben – es springt auch der Spannungsfunke direkt über.
Constantines erste Begegnung mit dem Totengott ist ungeheuer gelungen – und gruselig.

Leonardo Manco zeichnet sehr detailliert ein Wesen, dessen Knochen der menschlichen Anatomie so ähnlich und doch entsteht durch das folkloristische Äußere ein fremdartiges Wesen, das kaum besser entworfen sein könnte. Diese Gestaltung der Dämonen, bei denen Manco sich sehr viele Freiheiten nimmt und seinen Phantasien freien Lauf lässt, steht im vollkommenen Gegensatz zu der Präzision, die er mit der Zeichnung von Menschen, Fahrzeugen, Raum- und Stadtansichten zeigt. Auf diese Art wird all das Fremdartige exakt mit dem Bekannten verwoben zu einem hervorragenden Gruselerlebnis.

Constantines Hauptgegner ist wie ein Moloch angelegt. Rein äußerlich erinnert er an den Golgataner, wie er in dem Film Dogma zu sehen war. Ein sehr unappetitlicher Anblick, der jedoch mit einigen Überraschungen aufwarten kann, die selbst den sonst so nüchtern agierenden Constantine ein wenig aus der Bahn werfen.
Solche Szenen machen die vorliegende Geschichte mit ihren düsteren Bildern zu einem Fest für alle, die nicht nur Horror- und Gruselcomics mögen, sondern vielleicht auch von der Roman- oder Film-Seite her auf den Comic-Geschmack gebracht werden wollen.
Top! So kann Horror-Action-Grusel sein. Intelligent erzählt, spannend verpackt, perfekt gezeichnet. Mehr davon!

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Dienstag, 13. März 2007

Kenya 3 - Verirrungen

Abgelegt unter: Mystery, Abenteuer — Michael um 20:45

Kenya 3 - VerirrungenKenia 1947. Ein weißhaariger Mann beobachtet einen Stoßtrupp der britischen Armee. Die Soldaten bahnen sich ihren Weg durch die afrikanische Steppe. Amüsiert beobachtet der Mann, wie tollpatschig sich der Stolz Ihrer Majestät in dieser ungewohnten Umgebung verhält.
Viel Zeit für Schmunzeleien bleibt dem Mann allerdings nicht. Plötzlich taucht ein riesiges geflügeltes Wesen vor ihm auf. In nächster Nähe landet es. Zunächst will er es erschießen, doch dann vertreibt er es mit einem Stein. Schnell macht er sich mittels eines Flugzeugs an die Verfolgung. – Niemand hat in den letzten Millionen Jahren ein solches Wesen lebendig gesehen. Dies ist eine Sensation.

Kathy kehrt nach ihrer Reise in das heimatliche England nach Kenia zurück. Freudig wird sie von ihren Freunden empfangen, die sie an der Schule zurückgelassen hat, als sie dort einer vorgetäuschten Tätigkeit nachging, um verdeckt ermitteln zu können. Allerdings sind ihre Freunde nicht die einzigen, die sie erwarten. Auch die Schwester des Agenten, den sie in Notwehr erschossen hat, ist angereist. Die Frau schwört Rache am Mörder ihres Bruders.

Kathy kann sich nicht mit diesem Problem befassen, denn sie hat weitere Nachforschungen im Dienste Englands anzustellen. Und die werden für sie schwierig genug sein.

Inzwischen hat sich der Baron immer noch nicht an seine Gäste, den unwirschen Autoren Remington und seine junge Begleiterin gewöhnt – nun, bei letzterer ist er etwas flexibler. Leichter wird das Zusammenleben nicht durch die merkwürdigen Vorkommnisse. Halluzinationen plagen die drei furchtbar. Tote kehren zurück und Monster greifen an. Als Kathy eintrifft, sind die drei vollkommen verwirrt.
Das hindert Kathy jedoch nicht daran, tiefer ins Landesinnere vorzudringen, um endlich Klarheit über die Vorkommnisse zu erlangen.

Kenya 3 - Verirrungen von Rodolphe und Leo, dem Erfolgsteam, webt die ungewöhnlichen Ereignisse in Kenia fort. Monströsitäten, fremdartige Kreaturen einerseits und Wesen aus dem Erdaltertum andererseits, treiben ihr Unwesen. Als Bindeglied ist eine unbekannte Macht am Werk. Seltsame Lichter, fliegende Untertassen rasen über den Himmel und geben den Beobachtern Rätsel auf.
Willkommen in einer Geschichte, in der sich Motive von Lovecraft, Ufos und Twilight Zone auf geniale Weise miteinander mischen.

Es macht einfach Spaß, die von Leo gestalteten Seiten zu lesen (und anzuschauen), in denen auf einfache, aber höchst effektive Weise eine unheimliche Atmosphäre geschaffen wird. In der Weite der Landschaft haben die urzeitlichen Wesen sehr viel Raum, um sich eindrucksvoll zu präsentieren. Diese äußerst realistischen Gestalten setzen sich sehr ab von den merkwürdigen Wesenheiten, die Leo gar zu gern zu Papier bringt.
Dies konnte er bereits mit den Serien Aldebaran und Betelgeuze unter Beweis stellen.
Leo ist ein Zeichner, der zu diesem Zweck besonders gerne mit Tentakeln und riesigen zahnbewehrten Mäulern arbeitet. Das Ergebnis ist derart gruselig, dass sich Leo mit seiner Phantasie nicht hinter H.R. Giger zu verstecken braucht.

Köstlich ist auch der Humor, den Leo optisch in eine doch reale Gestalt zu legen vermag. Die Briten und der Baron sind beste Beispiele dafür.
Britische Soldaten und britische Lebensart war schon öfters für einen kleinen Seitenhieb gut. Monty Python tat es mit Bravour und selbst Asterix hat die englische Art auf’s Korn genommen.
Auch Rodolphe schreibt Leo einige Szenen, in denen sie im wahrsten Sinne des Wortes über ihre eigene Haltung stolpern.
Der Baron, der bereits in den Vorgängerbänden mit von der Partie war, ist eine sehr gelungene Witzfigur. Einerseits kann man über ihn lachen, wie er sich mit seiner Paradeuniform und seinem Palast im tiefsten Afrika eingerichtet hat. Andererseits kann man aber auch seinen Mut bewundern und letztlich auch ein wenig Mitleid für ihn aufbringen.

Es ist Rodolphes Erzählweise zu verdanken, dass die Figuren alles andere als eindimensional sind. Auch die Briten gelangen schnell zu mehr Präsenz. Remington, die Hassfigur schlechthin, der wegen seiner Großmäuligkeit jeden vor den Kopf stößt, wird hier menschlicher, kleinlauter, weil er sich mit Kathy einer Frau gegenüber sieht, die tough ist - tougher als er. Damit trifft sie einen Kern, der endlich auch Respekt vor einer Frau ins Leben ruft. Eine Einstellung, die Remington sonst fremd ist. Der Schwerenöter hat seine Meisterin gefunden.

Nachdem die Briten die Bedrohung aus Kenia erkannt haben, schalten sich nun auch die Amerikaner ein. Das Phänomen der außerirdischen Bedrohung wird noch globaler und damit noch interessanter.

Mit einer gelungenen Fortsetzung, die viele neue Aspekte in die Geschichte einfließen lässt, erzählen Rodolphe und Leo die Geschichte weiter. Mit Kenya ist eine tolle Mystery-Reihe entstanden, die einen viel besseren Eindruck hinterlässt als zahlreiche Serien, die bisher im TV zu sehen waren. :-D

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Donnerstag, 22. Februar 2007

Batman - Im Zwiespalt

Abgelegt unter: Superhelden — Michael um 20:13

Batman 1 - Im ZwiespaltEin Jahr nach der Infinite Crisis ist Gotham sicher. Nur ist Batman nicht derjenige, der für Ordnung sorgt. Sein Ersatzmann ist nicht sehr zimperlich und räumt ungewöhnlich hart auf. Die Polizei findet eine Leiche, die einmal ein Superganove war und vom Dach gestürzt wurde. War der Ersatzmann der Täter?

Die Frage stellt sich auch Batman, als er Harvey Dent wieder nach Hause entlässt. Ein Jahr nach der Infinite Crisis erwacht wieder die Hoffnung über der Stadt. Am nächtlichen Himmel erstrahlt wieder ein Fledermauszeichen und ruft den Dunklen Ritter herbei. Aber Batman ist nicht allein. Auch Robin hat den Weg zurück gefunden. Und mit seinem Auftauchen kehren auch alte Gegner wieder zurück. Eben noch ragte ein ganz normaler Wolkenkratzer in den Abendhimmel. Im nächsten Augenblick ist seine Spitze von einem Meer aus Schlingpflanzen verhüllt. Poison Ivy ist ebenfalls wieder in Gotham und hat ihren Kampf für Mutter Natur wieder aufgenommen.

Batman und Robin stehen sich ihr auf gewohnt versierte Art. In dem Jahr, in dem sie untergetaucht waren, haben sie nichts verlernt, im Gegenteil. Aber auch Ivy hat an ihrer Trickkiste gearbeitet und wartet den beiden Freunden mit Pflanzenmonstern auf, die es in sich haben.
Während Batman die Verbrechensbekämpfung wieder in die eigene Hand nimmt, hört auch ein anderer dunkler Rächern nicht damit auf, die Gangster auf eigene Faust zu jagen.

Ein Jahr nach der Infinite Crisis, die das gesamte DC Universum umkrempelte, ist Batman zurück und muss sich einem ähnlichen und doch veränderten Gotham stellen.
Gleich mehrere Zeichner stellen sich in der ersten Ausgabe der Herausforderung, dem Dunklen Ritter ein Gesicht zu geben. So entsteht unter der Regie von Autor James Robinson ein neuer Anfang und ein toller Querschnitt von zeichnerischen Stilen.

Die Infinite Crisis ist vorüber und ich gestehe, dass ich stellenweise nicht mehr weiß, wo oben oder unten ist. Als jemand, der in der Vergangenheit lesen durfte, wie Gesandte der Gerechtigkeitsliga von Erde 1 und der Liga für den Frieden von Erde 2 gemeinsam auf New Genesis landeten, hat es mich immer verwirrt, dass diese beiden Heldengruppen plötzlich auf einer Erde vereint waren.
Selbst langjährige und vollkommene Stammleser des DC Universums dürften angesichts der letzten Ereignisse ein ganz klein wenig erstaunt gewesen sein. Nachdem ein Jahr vergangen ist, kehrt nun wieder Ruhe ein? – Nicht ganz, denn die Aufräumarbeiten gehen weiter.
Einige Bösewichte, nicht unbedingt die erste Garde der Feinde, werden von einem Unbekannten sorgfältig verfolgt und erledigt. James Robinson scheint den Neuanfang nutzen zu wollen, um der Legende des Batman noch einige neue und ungewohnte Kapitel hinzufügen zu können. So entsteht anfänglich eine ungewohnte und auch gruselige Atmosphäre, wie sie in Batman – Das 100. Jahr aufkam.

Die Kapitel des vorliegenden Bandes, drei an der Zahl, grenzen sich inhaltlich und grafisch fein voneinander ab. Im ersten Teil, gestaltet von Leonard Kirk und Andy Clarke, ist die Stimmung einerseits außerordentlich düster. Die Schatten wurden wahnsinnig gut gesetzt, Linien und kleine Verläufe sehr gut und fein getuscht.
Besonders eindrucksvoll gelungen ist das Auftauchen des Dynamischen Duos - wenngleich ich mich frage, wie es Batman aushalten kann auf einem Flakscheinwerfer zu sitzen.

Die zweite Episode zeichnet sich im wahrsten Sinne des Wortes wieder einmal durch viel mehr Action aus. Don Kramer erhält die Gelegenheit, die beiden Helden auf unterschiedlichen in das von Ivy besetzte Gebäude hineinzuschicken. Jeder der beiden muss sich auf seine Art den grünen Gegnern stellen. Besonderes Augenmerk liegt hierbei auf den Pflanzen, die mit der nötigen Detailvielfalt zu Papier gebracht wurden.
Erfreulich ist es auch, wie erwachsen James Robinson die Auseinandersetzung zwischen Ivy und Batman präsentiert.

In diesem Sinne geht es weiter, wieder von Leonard Kirk und Andy Clarke arrangiert. Das ist nicht mehr das Gotham, in dem sich die irren Gegner die Klinke in die Hand geben, wie der Leser es ganz besonders anschaulich noch in Hush erleben konnte. In diesem Gotham nistet sich das echte Verbrechen ein, das der alten Garde aus Arkham keine Chance mehr lässt.
Batman kehrt zurück! Ebenfalls verschwunden gewesen ist das Dynamische Duo zurück und nur wenig ist noch so, wie es einmal war. Für Neulinge ein guter Einstieg ins DC Universum. :-)

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Montag, 12. Februar 2007

Kenya 2 - Begegnungen

Abgelegt unter: Mystery, Abenteuer — Michael um 19:50

Kenya 2 - BegegnungenDieses Lebewesen ist größer als eine Giraffe und viel stämmiger als ein Elefant. Trotzdem steht es mit der größten Selbstverständlichkeit neben zwei Giraffen und lässt sich die Spitzen eines Baumes schmecken.
Die kleine Jagdgesellschaft hat noch nie ein solches Tier gesehen. Das hindert John Remington, den Schriftsteller, nicht daran, es sofort erlegen zu wollen. Innerhalb der Gruppe bricht Streit aus. Man einigt sich darauf, das Tier, wenn möglich, lebend zu fangen. Die Jagd beginnt. Aber wie fängt man ein Tier, das so groß wie ein mehrstöckiges Gebäude ist? – Auch wenn es so aussieht, als handele es sich dabei um einen Pflanzenfresser.

Die Expedition rund Kathy hört gebannt von den Erlebnissen des Safari-Helfers. Die Geschehnisse scheinen vollkommen abstrus zu sein. Unheimlich und ganz selbstverständlich unglaubwürdig. Allerdings häufen sich die Indizien, die für die Wahrheit der Erzählung sprechen. So finden sie einen Fußabdruck des riesigen Baluchitherium, einem Vorläufer der heutigen Nashörner. Außerdem sehen Kathy und ihre beiden Begleiter, der französische und der deutsche Lehrerkollege, inmitten einer Elefantenherde ein Geschöpf, das enorme Ähnlichkeit mit einem Mammut besitzt.

Selten war Afrika so unheimlich wie in Kenya. Der Untertitel Begegnungen ist in diesem Fall wörtlich zu nehmen. Jede Figur der Handlung bestreitet ihre ganz persönlichen Begegnungen, von denen viele eine äußerst fatale Richtung nehmen.

Kathy, eigentlich Lehrerin, hat sich in den Busch aufgemacht. Die Berichte über die verschollene Expedition sind sehr beunruhigend. Kurzzeitig sieht es so aus, als könne ihre Reisegruppe eine reine Tatortsuche werden, bis sie schließlich ihre eigenen Begegnungen haben – gänzlich andere als jene der Jagdsafari.
Rodolphe, Autor, und Leo bauen auf sehr unheimliche Weise eine unerträgliche Spannung auf. Aus dem afrikanischen Busch wird ein Lovecraft’sches Szenario. So manches Wesen mag aus dem Biologieunterricht oder der Evolutionsgeschichte her bekannt vorkommen. Andere wiederum wirken, wie aus einer Horrorgeschichte entsprungen, deren Design der Fantasie eines H.R. Giger entstammen könnten. Und schließlich sind da noch die seltsamen Lichter über Kenya.

Ähnlich wie im zweiten Teil derLiga der außergewöhnlichen Gentlemen tut sich was am Himmel. Nichts, was technisch in diesen 30er Jahren existiert, könnte hinter diesen Lichtern stecken. Bislang beschränken sich diese Lichter auf die Auslöschung von Spuren. Und immer noch lassen Rodolphe und Leo den Leser im absoluten Dunkeln tappen – im Gegenteil setzen sie auf die bestehenden, ungelüfteten Rätsel noch mehr auf. Die beiden Erzähler spielen mit Anspielungen.
Auch der Baron hat seine Entdeckungen gemacht (fast eine kleine Verbeugung vor Tommyknockers von Stephen King). Das Ende der Geschichte hat eine Vorankündigung, die einer der besten Cliffhanger seit langem ist. Man muss von jetzt ab einfach wissen, wie es weitergeht. Interessanterweise schwebt über dieser Situation auch noch das Damoklesschwert eines neuen Krieges. Während in Afrika die Spannung steigt, driftet Europa auf die Katastrophe zu.

Rodolphes Charaktere sind keine weichgespülten Helden. Die einen sind skrupellos, andere furchtbar naiv, heldenhaft und lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen, andere sind einfach nur geile Fieslinge. Tatsächlich kann der Leser einige der Charaktere unmöglich leiden können. Aber auch das macht den Reiz von Kenya aus. Vorzeigemodelle dieser mustergültigen miesen Typen sind der Schriftsteller und Großwildjäger Remington sowie der Baron. Während der eine eher poltert, versucht der andere eine charmante Oberfläche zu wahren.
Diese beiden bilden einen guten Gegensatz zur resoluten Kathy, die immer mehr die Initiative an sich reißt und die Männer wie Statisten aussehen lässt.

Das wirklich Schöne an Kenya ist die Tatsache, dass es sich als Geschichte nicht deckeln lässt. Kenya folgt keiner Richtung. Die Details, die Funde wie auch die Charaktere, haben bereits ein solch großes Netz über die Geschichte gespannt, dass spätestens mit dem zweiten Teil ein sehr großes Rätsel entstanden ist – wohl eines der besten Comic-Rätsel.

Mystery, Grusel, Abenteuer, Rodolphe und Leo setzen die unheimliche Erzählung fort und bringen neue Spielarten hinein, die nicht vorherzusehen waren: Genial gut. :-D

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Donnerstag, 21. Dezember 2006

Kenya - Erscheinungen

Abgelegt unter: Mystery, Abenteuer — Michael um 19:01

Kenya 1 - ErscheinungenKenya, 1947. Der afrikanische Kontinent ist immer noch ein geheimnisvoller Anziehungspunkt. – Obwohl vor geraumer Zeit wieder eine Gruppe auf Safari verschwunden ist.
Kathy Austin ist auf dem Weg nach Afrika, um ihre neue Lehrerstelle anzutreten. Vor Ort wird sie bereits sehsüchtig erwartet, nicht nur vom Direktor der Schule, sondern auch von zwei jungen Lehrerkollegen, die sehr schnell für die junge und attraktive Frau entflammen. Aber Kathy Austin ist eine moderne, junge Frau. Sie weiß sich einerseits gegen die Männer zu behaupten, andererseits versteht sie es auch, ihren Spaß zu haben.

Kathys Neugier ist nicht nur auf Männer beschränkt. Als sie erfährt, dass eine Safari verschwunden ist, macht sie sich sogleich daran, mehr darüber in Erfahrung zu bringen. Den Roman, den einer der Verschwundenen geschrieben hat, ist nicht sehr aufschlussreich, zeigt jedoch sehr eindringlich, wie der Autor Remington über Frauen gedacht hat. Eine Einstellung, die Kathy nur belustigt.

Der afrikanische Kontinent ist voller Geheimnisse und Kathy scheint einige dieser Geheimnisse ergründen zu wollen. Einer ihrer Kollegen, der deutsche Lehrer Fuchs, nimmt sie mit auf einen ungewöhnlichen Ausflug in die afrikanische Savanne. Hier warten eine eindrucksvolle Landschaft, der Kilimandscharo, eine wunderbare Tierwelt, ein Palast, Tiere, die seit Millionen von Jahren nicht mehr gesehen wurden und Flugobjekte, die wie Asteroiden aussehen, aber waagerecht über den Himmel schießen.

Kathy, hin und her gerissen von Menschen um sich herum, taucht immer tiefer ein in diese Welt, die so anders als Europa ist, bis die Geheimnisse sie nicht mehr loslassen.

Kenya von dem großartigen Team Rodolphe und Leo beschert dem Leser ein wunderbar mysteriöses Abenteuer.

Leo werden die Fans bereits von den großartigen Science Fiction Serien Aldebaran und Betelgeuze her kennen. Zusammen mit Rodolphe hat er den nicht minder schönen Western Trent verfasst.
Leo steht für Spannung, eine sich stetig aufbauende Handlung mit Suchtfaktor, eine Prise Erotik und unvorhersehbare Wendungen. Die Grundzutaten finden sich auch im Auftakt der Kenya-Serie wieder.

Im Vorfeld dankt das Team diversen Schriftstellern und Schauspielern, die rund um das Thema Kenya, aber auch in mysteriösen Geschichten bekannt wurden: Edgar Rice Burroughs, Sir Arthur Conan Doyle, Ernest Hemingway, Henry Rider Haggard, H.P. Lovecraft, Ray Bradbury und viele mehr. Die Geschichten dieser Männer (Frauen finden sich in der Liste keine) sind bodenständig, schnörkellos, handfeste Abenteuer, gruselig und auch tragisch.
Tragisch ist der Auftakt von Kenya, als die Safari rund um den Schriftsteller Remington verschwindet, ein Charakter, der in einer Mischung aus Hemingway und dem großen weißen Jäger John Huston auftritt. Die einleitende Episode ist wie ein typischer Cliffhanger erzählt, als die Serien noch in Schwarzweiß daher kamen. – Diese Anleihen an frühere Erzählungen geben Kenya einen enormen Charme.
Mit Kathy Austin haben Rodolphe und Leo eine Protagonistin gewählt. Die Männer sind ihr nützlich, helfen ihr, aber Kathy treibt die Geschichte, nicht zuletzt durch ihre unbändige Neugier, voran.

Das Land selbst ist der geheimnisvolle Mittelpunkt. Ein mit Eis bedeckter Gipfel des Kilimandscharo in einer ansonsten glutheißen Savanne, Herden fremder Tiere und eine ungeheure Weite. Und dazwischen? Vielleicht ein Trugschluss, eine Täuschung, ein neues Tier. Weit gefehlt. Kathy und ihre Begleiter finden ein verstorbenes Tier, wie es selbst in Afrika nicht mehr existieren konnte.
Damit hören die Rätsel allerdings nicht auf. Wer hat ein Interesse daran, dass niemand von diesen Tieren erfährt? Was bedeuten die merkwürdigen Lichter am Himmel? Rüstet sich der Baron in seinem Palast wirklich gegen einen möglichen Aufstand oder fürchtet er am Ende noch etwas ganz anderes?
Diese Fragen lassen Leo und Rodolphe im Hintergrund brodeln und schüren damit die Spannung auf angenehme Weise.

Leos Bilder wurden diesmal von Scarlett Smulkowski koloriert, was den Bildern einen moderneren Anstrich gibt als bisher bekannt. Leo arbeitete in Aldebaran und Betelgeuze in althergebrachter wunderbarer Aquarelltechnik.
Da seine Strichführung so toll beibehalten wurde, ist das Ergebnis aber wieder sehr gelungen. Letztlich darf man sich streiten, welche Technik einem besser gefällt.

Ein aufregend mysteriöse Geschichte im Stile von Hemingway, Quatermain und Co. Vor einer grandiosen Kulisse entspinnt sich eine Handlung, die den Leser auf die Spurensuche nach uralten Tieren und Außerirdischen mitnimmt.

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Freitag, 19. Mai 2006

Betelgeuze

Abgelegt unter: SciFi, Mystery — Michael um 17:12

Betelgeuze 1 - Der PlanetDie Wüste. Die kleine Familie haust in einer zerbrechlichen Hütte unter der unbarmherzigen Sonne des Planeten. Ein Warnruf von Tochter Mai Lan ruft Vater und Mutter herbei. Ein Sandwal hält Kurs auf die kleine Behausung. Die Erfahrung hat gezeigt, dass nichts diese riesigen Wesen aufhalten kann. Alle drei retten sich unweit auf einen Felsen. Wenig erfreut sehen sie mit an, wie der Sandwal glücklicherweise nur einen Teil der Hütte auf seiner Wanderung einreißt. Glück im Unglück, wie es zunächst scheint.
Eine größere Gefahr geht jedoch von anderen Menschen aus. Abseits in den grünen Schluchten des Planeten existieren schlichte Siedlungen. Ihr Überleben ist davon abhängig, ob es Nachwuchs gibt. Mai Lan kommt nun in ein Alter, in dem sie nicht nur eine Schule besuchen müsste, sondern sie soll auch zu einer Mutter erzogen werden. Als man sie den Eltern wegnehmen will, wehren sich diese, jedoch erfolglos.

Für Mai Lan beginnt ein vollkommen neuer Lebensabschnitt. Obwohl sie entkommen kann, ist eine Rückkehr zu ihren Eltern unmöglich. Aber Mai Lan hat eine besondere Fähigkeit, die sie mit den Wesen des Planeten verbindet, besonders sie zu den Iums, halbintelligenten humanoiden Wesen, die in den bewaldeten Schluchten leben, pflegt sie ein beinahe freundschaftliches Verhältnis.

Im Orbit. In einem riesigen Raumschiff erwachen eine junge Frau und ein Mann aus dem Kälteschlaf. Voller Schrecken müssen sie feststellen, dass sie an Bord die einzigen Überlebenden sind. Sie sind vollkommen auf sich allein gestellt. Eine Kommunikation mit dem Planeten unter ihnen oder gar mit der Erde ist vollkommen unmöglich.

ALDEBARAN. Die Forschungen an der Mantrisse, einem riesigen im Ozean lebenden Wesen, sind weiter fortgeschritten. Es muss eine Verbindung zu Betelgeuze bestehen und die Forscher sind gewillt, dieser Verbindung auf den Grund zu gehen. Alsbald macht sich eine Expedition in die Weiten des Raums auf.

Atmosphärisch dicht präsentiert sich der Auftakt zur Science Fiction Reihe BETELGEUZE, einem Ableger der Reihe ALDEBARAN. So einfach die Grafik (wie auch die Geschichte selbst) auf den ersten Blick erscheinen mag, so präzise ist sie auch. Was zu Beginn wie eine andere Erde aussieht, entpuppt sich nach und nach als fremdartiger als so manche andere Planetenfiktion.

Wer den Auftakt von BETELGEUZE liest, wird sich ein wenig an Frank Herberts Wüstenplaneten erinnert fühlen. (Jedes Wüstenszenario erinnert den Genre-Fan mittlerweile wohl daran.) Das Raumschiff im Orbit birgt Anleihen an 2001 und die Szenerie auf ALDEBARAN mag den Betrachter ein bißchen auf die Fährte von Star Trek IV oder Abyss führen. Das schmälert das Lesevergnügen keineswegs. Was anfangs recht unspektakulär daher kommt, ist eine sorgsam aufgebaute Weltenbeschreibung einerseits und eine unglaublich feine Charakterzeichnung der verschiedenen Figuren andererseits. Nach vielen doch sehr actionlastigen Szenarien hat mich BETELGEUZE mit seiner ruhigen Erzählweise sehr beeindruckt. Obwohl es ein so genanntes Spin-Off ist, sind Kenntnisse der Mutterserie absolut nicht notwendig, ein weiteres Plus für den vorliegenden Band.

Grafisch ist die Einfachheit der Zeichnungen sehr gelungen. Trotz dieser Einfachheit bilden sie die Welt rund um Mai Lan, später um Inge, wie auch um Kim, exakt und mit der so gerade benötigten Detailfreude ab. Nichts lenkt den Betrachter von der Geschichte ab, so dass sich der Band wie ein Kinofilm liest. Anders kann ich es nicht ausdrücken.
Gemeinerweise schließt BETELGEUZE mit einem Cliffhanger. Ich kann nur sagen, ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzung und die neuerlichen Ideen, die sich Autor und Zeichner LEO einfallen lässt. :-)

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