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Comic Blog


Montag, 21. Juli 2008

Geisha

Abgelegt unter: Cartoon — Michael um 18:21

Geisha Eigentlich wollte Jomi nur ein wenig Geld verdienen, da ihre Kunst eine brotlose ist. Wie gut, dass ihr Vater der Besitzer einer Bodyguard-Agentur ist und ihr eine Stelle geben kann. Doch so richtig glaubt er nicht an ihr Talent als Leibwächter. So müssen ihre Brüder heimlich im Hintergrund auf sie aufpassen. – Um ihr zu Hilfe zu eilen, falls Gefahr droht. Und natürlich, falls sie Mist baut. Auch Väter müssen hin und wieder unternehmerisch denken.

Können Androiden von elektronischen Schafen träumen? Das ist nicht ganz die Frage, die sich hier stellt. Vielmehr stellt sich die Frage, ob ein künstliches Wesen, per Definition ohne Seele, ein eigenständiges Leben führen kann? Noch dazu das eines Künstlers? Kunst ohne Seele? Geht das?
Ja, es funktioniert in dieser Geschichte von Andi Watson, der sich dem Thema auf sehr amüsante und weitaus weniger philosophische Art annimmt, wie mancher Leser zuerst befürchten mag.

Jomi ist es zu Beginn nicht anzumerken, dass es sich bei ihr um eine Androidin handelt. Sie ist eine junge Frau, deren Ziele sich nicht zu erfüllen scheinen, die Talent hat, aber nur wenig Möglichkeiten, um daraus auch ihren Lebensunterhalt zu beziehen. An einem Punkt, an dem sie eine Art von erzwungener Bescheidenheit gelernt hat, nimmt sie einen Job als Leibwächter einer reichen Zicke aus dem Show Business an. Doch die Zicke namens Ms. Hostynek ist gar nicht so zickig. Brant, ein Ex, macht ihr in bester Stalking-Manier das Leben schwer.
Jomi hält die Aufgabe für leicht – ebenso wie der Leser und damit wird die Geschichte gleich zu Beginn an unterschätzt.

Von Kapitel zu Kapitel wird Geisha komplexer. Peck, der Mann, der sie zur Fälschung eines Gemäldes anstiftete, lässt ihren Bruder verprügeln, da er angeblich in Pecks Gebiet dealt. Jomi kann gegenüber ihren Verwandten kaum zugeben, dass sie nur über halbseidene Machenschaften plötzlich an viel Geld gekommen ist. Schlimmer noch, Jomi droht Peck wegen ihres verprügelten Bruders mit Enthüllungen über das Gemälde und plötzlich geht es um Leben um Tod.

Andi Watson spielt in höchstem Maße mit den Erwartungen des Lesers. Er enttäuscht, er veralbert sie, verstärkt sie, nie bleibt er auf der Spur und macht genau das, was eigentlich erwartungsgemäß passieren sollte. Watson kennt diese Erwartungshaltung genau, hat er auch für den Mainstream geschrieben, wie Veröffentlichungen von Buffy, Aliens, X-Men und Hellboy belegen.
Mit Geisha fühlt man sich als Leser zunächst in ein zukünftiges Beverly Hills 90210 versetzt. Keine echten Probleme oder eben nur jene, die Heranwachsende haben, wenn sie ihren Platz im Leben finden. Aber Jomi ist als Charakter vielschichtiger als die Partypüppchen aus der erwähnten Fernsehserie, ihre Geschichte viel interessanter.

In einer Szene, die Watson in ähnlicher Form im Film Bodyguard gesehen haben mag, eskaliert die Situation. Nicht nur Jomi zeigt, was in ihr steckt, sondern auch ihr Bruder. Eine Schießerei entbrennt im Publikum und auf der Bühne, wo Jomi gegen einen Mann im Kampfroboteranzug antreten muss. Am Ende ist es eindeutig: Jomi hat durch ihre neue Aufgabe ihre Berufung gefunden. Ihr Talent als Bodyguard ist größer als das der Malerin in ihr.

Watson illustriert seine Geschichte selber in einem cartoon-artigen Stil, fast ein wenig wie Darwyn Cooke. Auch Watson zeichnet eine Trickfilmserie auf Papier, arbeitet mit einfachen Formen und Gesichtsausdrücken, die einerseits äußerst rudimentär, aber anderseits grundsätzlich aussagekräftig sind. Manchmal ist dieser grafische Stil – obwohl die Geschichte in Zukunft handelt – eine Rückbesinnung auf die absoluten Anfänge der Comic-Zeit als Augen noch Punkte waren und jede Figur einen Kartoffelkopf besaß.
Die Darstellung beschränkt sich auf eine Graustufe als Kontrastfarbe. Das Auge erhält die nötigen Informationen nebst Dialog für ein schnelles Lesen. Watson beherrscht eine gute Tempovorgabe, die man als Leser einfach mitmachen muss, da die Bilder zügig erfasst und inhaltlich ausgewertet sind. Ein zweiter Blick ist nicht erforderlich.

Ein kleines Experiment nahe bei den Wurzeln des Comics, Nostalgie in einer Mixtur aus Soap Opera und Science Fiction. Wer ein schnelles und rundes Lesevergnügen (mit Zugaben nach der Hauptgeschichte) sucht, Spannung und Humor in einem Paket mag, der sollte einen Blick riskieren. :-)

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Freitag, 26. Oktober 2007

Andi ist wieder da!

Abgelegt unter: Meldungen — Michael um 17:15

Nachdem vor rund zwei Jahren die Figur Andi bereits mit einer Comic-Geschichte über die Gefahren des Rechtsextremismus aufklärte, ist nun eine neue Ausgabe erschienen, die sich dem islamischen Extremismus auseinandersetzt. Unter der Schirmherrschaft des Innenministeriums von Nordrhein-Westfalen entstand dieses Projekt. Da das erste Projekt gut angenommen und somit als Erfolg gewertet wurde, setzt man in NRW mit der neuen Geschichte, in der ein Hassprediger als Beispiel dient, auf einen ähnlichen Aufklärungserfolg.

Die zweite Episode von Andi geht mit einer Auflage von ca. 100.000 Exemplaren an den Start. Beide Comics stehen auch als Download bereit.

Unter www.andi.nrw.de erfährt man mehr über die beiden Episoden und ihre Inhalte.

Quelle: andi.nrw.de und WDR2-Nachrichten

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Dienstag, 30. August 2005

Comic gegen Rechts

Abgelegt unter: Meldungen — Michael um 21:07

AndiDer Comic erzählt wie Jugendliche Ausländerfeindlichkeit und dumpfe rechtsextremistische Parolen im Schulalltag erleben. “Die Geschichte von Andi, Ayshe, Ben und den anderen kann jeder Schülerin und jedem Schüler passieren”, sagte der Innenminister. (aus Pressemitteilung Innenministerium NRW)

Da ist er also: der erste offizielle Comic gegen Rechts. Begleitet vom Innenministerium entstand dieser Comic im manga-esken Stil (ein richtiger Manga ist es nicht) durch die Strichführung des Düsseldorfer Cartoonisten Peter Schaaff. Der Illustrator, der bereits mit Arbeiten in XXX Comics vertreten war, hat hier eine nicht unalltägliche Handlung zu Papier gebracht.

“Wir glauben an den Comic als vielversprechendes Medium für Informationen des Verfassungsschutzes. Er weckt das Interesse der Jugendlichen und bringt komplexe Sachverhalte auf den Punkt”, erklärte Wolf. (aus Pressemitteilung Innenministerium NRW)

Irgendwie glaube ich das angesichts der Machart des Comics nicht. Die Absicht ist sicherlich mehr als lobenswert. Und ganz bestimmt wurden Jugendliche befragt, wie sie sich einen solchen Comic wünschten. - Aber ein Manga ist ein Manga und Japan ist nicht NRW. Als Zielgruppe sind 14-18jährige anvisiert. Andi ist gemäß der Aussage der Macher ein Bildungscomic. Laut einem Artikel der Westdeutschen Zeitung (30. August 2005) erscheint der Comic in einer 100.000 Auflage. NRW lässt sich diese Aktion 30.000 Euro kosten. Der Comic veralbert rechtsradikale Codes und klärt über ihre Bedeutung auf. Laut der Initiatoren soll er ein Gegengewicht zu rechtsradikalem Parolenmaterial liefern. Jetzt wartet man beim Innenministerium auf Resonanz aus den Schulen.

Das, was man im Comic sorgsam vermieden hat, eine Textwüste, findet sich auf der vergleichsweise ungelenk aufgemachten Homepage von Andi. Im Rahmen eines Preisausschreibens kann hier die Geschichte von Andi weitererzählt werden. Einsendeschluss ist der 31. Dezember 2005.

Ich bin mir sehr unschlüssig, was ich von dieser Aktion halten soll. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass der Comic tatsächlich die Jugendlichen erreicht, die es angeht. Vergleiche ich die Auszüge mit Beispielen, die in so mancher Buchhandlung ein jugendliches Publikum erreichen, scheint mir die Geschichte nicht ernsthaft genug zu sein.
Die Resonanz aus den Schulen interessiert mich auch. Und sollte die Geschichte ihr Ziel erreichen, kann ich nur sagen: Weiter so!

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