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Comic Blog


Sonntag, 13. Dezember 2015

FEUER UND STEIN 4 – PREDATOR

Filed under: SciFi — Michael um 21:09

FEUER UND STEIN 4 - PREDATORGalog dachte, er wäre diesem außerirdischen Jäger gewachsen. Immerhin hat er sich bereits mit seltsamen Viechern angelegt und ist davon gekommen. Aber das waren Herdentiere mit minderer Intelligenz, die wie brachiale riesige Ameisen über ihre Opfer herfielen. Der hier ist mit seinem Killerinstinkt viel menschlicher, schlauer, letztlich wirklich überlegen. Galgo hat Pech. Er wird gefangen genommen. Galgo hat Glück. Er bleibt am Leben, weil der PREDATOR ihn noch braucht. Aber wie lange?

Galgo, der Badass dieser Miniserie, wurde von Patrick Reynolds im Stile eines Tuco (Eli Wallach in Zwei glorreiche Halunken) gestaltet. Christopher Mooneyham übernahm die Vorgaben dieses Westerncharakters und fügte, SciFi-gemäß noch ein wenig Snake Plissken (Die Klapperschlange) hinzu. Und schon war der perfekte Partner für einen PREDATOR fertig. Es ist nicht leicht, einen gleichwertigen menschlichen Partner für einen PREDATOR zu finden. Abgesehen von Machiko Naguchi ist da erst einmal lange niemand in Sicht. Mit Galgo ändert sich das gewaltig.

Christopher Mooneyham zeichnet rasant, kräftig und erinnert mich oft an den starken Tuschestrich eines Frank Miller. Mooneyham arbeitet aber feingliedriger. Das Zusammenspiel der beiden Hauptcharaktere in den ersten drei Vierteln der Handlung, Galgo und Ahab, ist bewusst an ein Westernszenario angelehnt. Galgo, der Mensch, und Ahab, der einäugige PREDATOR, treten zusammen gegen den scheinbar übermächtigen Konstrukteur an.

Natürlich heißt Ahab nicht wirklich Ahab. Die Verständigung zwischen Mensch und Außerirdischem ist seit den Anfangstagen der Zusammenkunft der beiden intelligenten Arten nicht besser geworden. Doch das Auftreten des fremden Jägers hat etwas mit dem menschlichen Kapitän gemein, der wusste, dass die Jagd auf den weißen Wal seinen Untergang bedeuten würde und dennoch ließ er nicht davon ab. Um die Ähnlichkeit im Charakterdesign zu unterstreichen, hat der PREDATOR zahlreiche Blessuren davongetragen. Ein verlorenes Auge ist die auffälligste Vernarbung im Aussehen des außerirdischen Giganten.

Flucht in Ketten. Lang ist es her, dass dieser Film und sein Remake die Leinwände unsicher machten. Das Grundkonzept indes funktioniert immer noch. Fessele zwei völlig gegensätzliche Charaktere, die sich am besten abgrundtief hassen, aneinander. Gebe ihnen auch noch gegensätzliche Ziele. Und dann lasse sie abhängig voneinander sein. Der PREDATOR fesselt Galgo mit einer Energiefessel an sich, einzig zu dem Zweck, damit der Mensch nicht flieht. Bald schon wird diese Fessel aber mehr zu einem Rettungsstrick. Autor Joshua Williamson bringt die beiden in die wahnwitzigsten Gefahrensituationen. Ganz nebenbei rettet Galgo mit seinem unerschütterlichen Humor regelmäßig den Tag.

Blick zurück im Stolz. Oder: Wie ich mein Auge verlor. Ein PREDATOR, der im Kampf mit einem unterlegenen Gegner überlegene Feuerkraft einsetzt, hat oft einen bitteren Nachgeschmack beim Leser hinterlassen. Fairness war bei diesen Wesen von Anfang an ein Fremdwort. Umso überraschender ist die Vorgehensweise von Ahab, der sich auch an seine Beute herantraut. So erfährt der Leser, wie Ahab auf einen fast ebenbürtigen Gegner traf und sich gleichzeitig einen noch mächtigeren Feind aussuchte: Den Konstrukteur.

Im letzten Viertel des abschließenden Bandes von FEUER UND STEIN findet sich das Kapitel OMEGA. Denn ein weiterer Handlungsstrang wartet noch auf seinen Abschluss. Elden war einst ein Android, der mit der Ursuppe des Konstrukteurs in Berührung kam. Seither mutierte er. Der Leser wähnte ihn eigentlich auf der Reise in den tiefen Raum. Seine einzigen verbliebenen Begleiter: ALIENS.

Nun ist Elden wieder da und schließt den Kreis. Agustin Alessio übernimmt den Zeichenstift und die Kolorierung. Könnte man seinen Kollegen Christopher Mooneyham einen künstlerischen Rocker nennen, dann ist Alessio ein Michelangelo, der weder in Form, in Perspektive noch Farbe etwas dem Zufall überlässt. Anders ausgedrückt und in die Machart übersetzt: Mooneyham ist ein Tarantino, Alessio ein Cameron. Mooneyham will Comic sein, Alessio macht Kino auf Papier. Mit seiner Perfektion setzt er einem sehr gelungenen Vierteiler die Krone auf.

Ein würdiger Abschluss, der zwar offene Fragen lässt, die jedoch ein PROMETHEUS auch nicht beantwortete. Grafisch einwandfrei, mit Stilistiken, die für jeden SciFi-Fan etwas zu bieten haben. Der PREDATOR, in der Figur des Ahab, dürfte gerne zurückkehren, da seine Individualität, auch sein Zusammenspiel mit Galgo geradezu zu Fortsetzungen prädestiniert. 🙂

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Links: murderingink.com (Homepage von Patrick Reynolds)

Samstag, 12. Dezember 2015

NUORK 1 – Das schwarze Kind

Filed under: SciFi — Michael um 18:35

NUORK 1 - Das schwarze KindGlasflaschen. Eine alte Kassette. Ein Fahrrad und eine Öllampe. Diese und noch mehr Gegenstände kennt das schwarze Kind nicht, als es in die verlassene Hütte des alten Mannes einbricht, den alle im Stamm nur DER, DER WEISS nennen. Dem schwarzen Kind ist das Sammelsurium in der Hütte einerlei. Der Junge ist auf der Suche nach nützlichen Dingen, Fellen zum Beispiel. Und es gibt nicht viel Zeit zu verschwenden, denn der Alte hat eine boshafte Ankündigung gemacht. Bei seiner Rückkehr soll das schwarze Kind sterben.

Unumwunden zugegeben, ich mag apokalyptische oder postapokalyptische Szenarien sehr. NUORK ist in letztere Kategorie einzuordnen. Alles, was die Zivilisation einmal groß gemacht hat, ist vergangen. Aber es ist noch nicht so lange her, dass es nicht noch Reste von ihr zu sehen oder zu plündern gäbe. Dem Niedergang der Technik folgte der Niedergang der Zivilisation, der Kultur, der Sprache, bisheriger Errungenschaften. Die Menschen sind auf ein steinzeitliches Niveau herabgeklettert. Jäger, Älteste und Schamanen bestimmen das Schicksal eines Stammes. Doch inmitten von Weißen fällt ein schwarzes Kind immer noch wie ein Fremdkörper auf. Es wird drangsaliert, an den Rand der Gemeinschaft gedrängt, gar vom Ältesten für das Ungemach des gesamten Stammes verantwortlich gemacht wird. Das schwarze Kind hat noch einmal einen richtigen Namen.

Das ehemalige Kuba. Das Meer ist zurückgewichen und hat der Welt neues Land geschenkt. Doch zu welchem Preis? In einem Zeitraffer, so würde es im Film genannt werden, erfährt der Leser ein wenig über den Ablauf, das Desaster der menschlichen Geschichte.

Olivier Vatine, über seine Arbeiten am Star-Wars-Universum mit Space Operas vertraut, hat von Science-Fiction-Autor Stefan Wul ein älteres Szenario aufgegriffen und dieses für den Comic adaptiert. In dystopischer Tradition eines Diesseits von Eden (von Harry Harrison), gewürzt mit einer Prise Cthulhu, einer steinzeitlich endzeitlichen Stimmung abgeschmeckt, entwickelt sich eine dichte Atmosphäre, die auf zwei Handlungssträngen reist. Der des schwarzen Kindes und derjenigen des Stammes. Wenn das schwarze Kind in den Überresten einer Shopping Mall nach Nützlichem sucht und inmitten der Schaufensterpuppen umherspaziert, fühlt man sich an die Einsamkeit des Omega-Mannes erinnert.

Endlich einmal wurde ein völlig anderer Erdteil für die Erzählung über den Untergang der Menschheit ausgewählt. In seiner durchweg grazilen Zeichenart beginnt Olivier Vatine auf dem Meer der Gegenwart, ohne den Ort näher zu bestimmen. Angesichts der späteren Ortsbegehung muss es sich aber um ein Seegebiet in der Karibik handeln. Ein Schiff löscht seine Ladung giftiger Chemikalien mitten auf dem Ozean. Doch das Entsorgen bleibt nicht unbemerkt. In der Tiefe des Meeres nehmen sich fremde Kreaturen, an Kraken erinnernd, der schrecklichen Ladung an.

Olivier Vatine lässt den Leser zunächst mit diesem Geheimnis allein und macht einen ordentlichen Zeitsprung. Er skizziert mit sehr feinen Strichen, so dass selbst den ungeschlachten Steinzeitmenschen etwas Fragiles anhaftet. Die ganzseitigen Grafiken zu Beginn eines jeden Kapitels vermitteln hervorragende Eindrücke dieser verlorenen Welt, in der sich jegliches Überbleibsel einer Zivilisation verflüchtigt zu haben scheint (sieht man von einem sehr speziellen Ort ab, der von den Leuten des Stammes aus unbekannten Gründen nicht aufgesucht werden darf oder soll). Der feine Anhang gibt Aufschluss über die Technik von Olivier Vatine und seine Herangehensweise an die jeweilige Szenerie.

Ein sehr eindringliches Science-Fiction-Abenteuer, nah bei seinen Figuren, auf die es großen Wert legt. Effekte sind verhalten, mehr setzt die Geschichte auf Tiefe und Geheimnis sowie die Entwicklung seiner Charaktere. Der Anführer des Stammes, Thoz, und das schwarze Kind sind die Eckpfeiler einer Handlung, die durch die beiden wächst. Beeindruckend sind der Mut und die Unverzagtheit, die das schwarze Kind an den Tag legt. Hier ist bei aller Düsternis des Szenarios der helle Kern der Geschichte. Und dieser hält gleichzeitig die Waage zum seltsamen Volk aus den Tiefen des Meeres, das den Gang an Land über die Jahrhunderte (?) geschafft hat. Top! 🙂

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Mittwoch, 09. Dezember 2015

MOUSE GUARD: BALDUIN DER TAPFERE …

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 17:15

MOUSE GUARD: BALDUIN DER TAPFERE UND ANDERE GESCHICHTENEs war einmal … Bevor Helden zu Helden wurden, waren sie jung und benötigten Inspiration. Das trifft auf Balduin den Tapferen wie auch auf andere Mäuse zu. Geschichten geben aber ebenfalls Hoffnung. Sie bewahren Erinnerungen und sind Gleichnisse, dienen zum rechten Zeitpunkt als Rat für die Tat. Wie also werden Mäuse zu Helden? Auf zweierlei Art. Zuerst brauchen sie die richtige Gesinnung. Und zum Zweiten benötigen sie einen Künstler, der das nötige Fingerspitzengefühl besitzt, um sie als Helden darzustellen: David Petersen. Mit seiner MOUSE GUARD schuf er ein intensives Universum voller eindringlicher Kreaturen, eben Mäusen.

In BALDUIN DER TAPFERE UND ANDERE GESCHICHTEN, einem Ablegerband der Hauptserie, können Stammleser Figuren wiederentdecken und neue Leser gewinnen einen tollen Einblick in diese Geschichten, findet sich hier doch ein toller Querschnitt jener dichten, sehr gefühlvollen Atmosphäre, die sich durch alle Abenteuer der Mäuse zieht.

In der Darstellung liegt die Kraft und die Besonderheit. In einer Mixtur aus Comic und Bilderbuch entfaltet sich Leben und Lieben, Überlebenskampf und Alltag der Mäuse. David Petersen sucht in jeder Erzählung einen anderen Weg zur Präsentation. Er stimmt eine Legende innerhalb einer Geschichte an und wer dazu noch den Subtext entdeckt, die Verträumtheit und den liebevollen Blick des Künstlers auf seine kleinen Wesen mag, findet hier ein Kleinod auf dem Comic-Bilderbuchsektor.

Zur Technik dienen David Peterson klassische Rückblicke, in denen er seine Bilder mit einem ockerfarbenen Schleier belegt und so die Vergangenheit oder die Fremdartigkeit der Situation deutlich macht. Der Leser wirft so ein Auge auf das mäuserische Walhalla, SEYAN gerufen, in dem andere Gesetze zur Aufnahme gelten, als der Mensch mit seinen nordischen Göttern gewöhnt ist. Zur Erzählung bedient sich Peterson aber auch mittelalterlicher Bildsprache, wie sie zur Vervollkommnung von Texten in alten Büchern angewendet wurde. Die Art der Darstellung findet sich mitunter noch auf Kirchenfenstern.

Die schönste Variante jedoch, die hier zur Erzählung eines Abenteuers innerhalb einer Geschichte verwendet wird, ist jene des Marionettenspiels. Das Titelbild gibt einen kleinen Vorgeschmack auf die technische Umsetzung des Ganzen (und offenbart beim genauen Hinsehen Hinweise auf die im Titel angesprochenen ANDEREN GESCHICHTEN). Kein Strich zu viel, keiner zu wenig, meist sehr dünn gezogen, so konturiert David Peterson seine Zeichnung. Leichte Kreuzschraffuren verstärken Schatten, Punktierungen sorgen für Oberflächenstrukturen und Vertiefungen. In der Kolorierung finden feine Füllmuster Verwendung, verstärken die Geradlinigkeit des Designs, erhöhen das Volumen aber nur wenig. Aufteilung, Präzision und Blickwinkel sind David Petersen um so wichtiger.

Besonders deutlich diese Technik in Die Geschichte des Axt-Trios, wenn drei Schwestern gegen eine Ratte antreten. Durch den aufgerissenen Rachen der Bestie geschaut, im Schattenriss entdeckt, in der Großaufnahme begutachtet, so findet der Leser die Szenerie vor, lebhaft und doch wie kleine Statuen abgebildet.

Träumerisch geschildert, mit Geschichten in Geschichten, für Kinder, mit einer Moral für die Mäusekinder dieser Abenteuer, aber vielleicht auch für den Leser. Stilsicher von David Peterson illustriert, mit Sinn für freundliches, märchenhaftes Ambiente und mittelalterliche Dramatik. Fein. 🙂

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Dienstag, 08. Dezember 2015

WAISEN – RINGO 3 – WIE DER REGEN

Filed under: SciFi — Michael um 15:17

WAISEN - RINGO 3 - WIE DER REGENSelbst im Untergang der Welt sind nicht alle Menschen gleich. Im Zeichen des Krieges haben sich die vermögenden Einwohner des Landes in eigene kleine Bastionen zurückgezogen, streng bewacht und gesichert für jene Zeit, wenn es wieder eine Normalität auf der Erdoberfläche vorzufinden gibt. Nachdem Seba, Rosa, Nue, angeführt vom Kriegsveteranen RINGO von Menschen gejagt wurden und sie sich gegen Wesen, halb Mensch, halb Maschine, verteidigen mussten, ist die kleine Ortschaft für die vier Flüchtlinge zunächst sehr verheißungsvoll. Die Gebäude und die Straßen sind intakt. Es könnte ein Zufluchtsort sein, würden die Wachen in irgendeiner Form kompromissbereit sein. Leider gestattet ihnen ihre Programmierung keinerlei Einigung. Eine friedliche schon gar nicht.

Ein langer Weg für die unfreiwilligen Gefährten. Und die Gefahren könnten kaum unterschiedlicher und überraschender sein. Die beiden Handlungsstränge, zusammengefasst im dritten Band zum WAISEN-Spin-off RINGO mit dem Untertitel WIE DER REGEN, halten für den Leser ein paar Überraschungen parat und enthüllen ein gutes Stück mehr, was aus der Welt geworden ist.

Neue Zeichner, neue Perfektion. Generell wird natürlich die Optik beibehalten, aber es gibt Abweichungen in der Gestaltung der Figuren und der Art und Weise, wie die Bilder den Leser in die Handlung hineinziehen. Nahezu identisch zu den Vorgängern bleiben die Hintergründe, die einen Großteil der Atmosphäre ausmachen. Gab es bei James Bond einst den ungewöhnlichen Auftritt einer Ente als Fluchtwagen, findet der Leser hier ein weiteres, für solche Zwecke eher ungeeignetes Fahrzeug vor: einen Fiat 500. Obwohl das auch nicht ganz richtig ist, denn ganz im Sinne von PIMP MY RIDE hält auch dieses Auto ein Special Feature bereit.

Davide Gianfelice, Künstler des ersten Handlungsstrangs, der noch sehr handfest und action-reich daherkommt, arbeitet realistisch, aber er gibt seinen Figuren noch eine verspielte Note mit. Da werden Striche um den Mund zuviel gesetzt, hier ein Kringel im Haar oder am Kinn. Die Augen der einzelnen Helden fallen sehr unterschiedlich aus, Nues Gesicht wirkt wie im klassischen europäischen Comic, während die anderen auch in Mangas auftreten könnten, ohne mit ihrem Design aufzufallen (Stichwort: Akira). Es ist eine Mischung, die sehr gut miteinander korrespondiert. Ein fetter Tuschestrich an den richtigen Stellen sorgt für mehr Volumen und zusätzliche Tiefe innerhalb der jeweiligen Szene. Insgesamt eine tolle Gestaltung.

Gianfelices Nachfolger, der Zeichner Alessio Avallone, besitzt einen amerikanischeren Strich, vergleichbar mit Mike Norton (REVIVAL). Der klaren Vorgabe der Serie folgend schleichen sich aber rundere Züge der Figuren ein. Überhaupt liegt im von Avallone gezeichneten zweite Handlungsstrang ein starker Fokus auf den Gesichtern und ihren Emotionen, geht es doch um innerste Wünsche, Sehnsüchte, um das Pausieren vom Krieg, eine Spur von Glück. Jeder der Helden erlebt dieses Fitzchen auf ganz eigene Weise. Ringo selbst entdeckt sogar seine künstlerische Ader wieder, ein Talent, das lange verschüttet geblieben war.

Im Spiel mit den Gefühlen der vier Reisegefährten wird die Geschichte ruhiger, gefühlvoller, bei weitem aber nicht weniger nervenaufreibend. Denn konnten die Beteiligten zuvor beweisen, wie agil sie in Kampfsituationen sind, allen voran RINGO selbst, ziehen sie in der zweiten Hälfte mit ihren Gefühlen blank. Das Stichwort Seelenstriptease trifft es auf den Punkt.

Science Fiction, die jeden etwas bereit hält: Action wie in einem Kino-Blockbuster, schön ausgearbeitete Charakterisierungen und eine ausgefeilte Weltenbeschreibung, ein tiefsinnig erzählter zweiter Teil. Hier passt alles! 🙂

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Samstag, 05. Dezember 2015

BATMAN – ERDE EINS 2

Filed under: Superhelden — Michael um 18:59

BATMAN - ERDE EINS 2Diese Verfolgung endet auf einem Balkon. Batman liegt bewusstlos und angeschlagen zwischen den Zierpflanzen. Wenig später liegt er in einem Bett, rührend versorgt, den Oberkörper entblößt und verbunden. Die Maske hat man ihm gelassen. Batman wurde von einem Fan gefunden. Die vielen Anfeindungen und der Verdacht, er habe den ehemaligen Bürgermeister der Stadt, Oswald Cobblepot, ermordet, erleichtern Batman seine selbst auferlegte Aufgabe nicht. Dennoch gibt es Menschen in der Stadt, die in ihm ein Symbol der Hoffnung und eine Vertrauensperson sehen. Die ihm entgegen gebrachte Sympathie wiegt schwerer als die zuverlässige Pflege. Etwas gefasster macht sich Batman wieder an die Arbeit.

Inzwischen können die alternativ zur Original-Storyline erzählten Abenteuer bekannter Superhelden kaum noch nachgezählt werden. Ob nun Neubeginn oder auf anderen Erden, diese hier, die zweite Folge um einen Batman, der beginnt, ist hervorragend gelungen. In der ersten Folge wurden einige neue Wege im Leben von Bruce Wayne anskizziert und teilweise schon beschritten. Diese werden nun konsequent fortgeführt. Aber mehr noch: Figuren, die man zu kennen glaubte, weichen von ihren gewohnten Mustern ab und werden neu definiert. Zusammen mit einem Batman, der stellenweise noch unsicher ist, sein Equipment erst nach und nach zusammenstellen muss, entsteht ein Comic-Charakter, der richtig, richtig gut wird!

Eine ultrafeine Charakterisierung ist das Kennzeichen dieser zweite Episode, in der sich viele Figuren vorstellen. Einige treten gleich wieder von der Bühne ab, einige sorgen für Überraschungen, wieder andere legen eine Wandlung hin, die sich gewaschen hat. Fans von Batman dürfen sich auf den Riddler, Killer Croc, auf die Geschwister Dent, einen sympathischen Detective Bullock und einen Alfred Pennyworth freuen, der härter als gewöhnlich ausfällt.

Anklänge dieses Pennyworth fanden sich in der Original-Storyline in Rückblicken auf die Zeit des Zweiten Weltkriegs, als der Butler noch kein Butler war, sondern Angehöriger des Militärs. Dieser Pennyworth ist härter, viel weniger zurückhaltend, ist ein Zyniker, jemand, der sich der Gefahr zugunsten von Schwächeren stellt. Kurzum, er ist das (fast) perfekte Vorbild für Batman. In Sachen Manieren und Alltagstauglichkeit ist er das in jedem Fall für Bruce Wayne. Wie gut er zu Batman passt zeigt eine Schlüsselszene, in der eine Konfrontation unausweichlich ist. Im Vergleich zum originalen Pennyworth ist der Charakter von ERDE EINS wie eine Große-Bruder-Version.

Für den Riddler gilt das nicht. Sein Charakter bleibt im wahrsten Sinne des Wortes zu rätselhaft. Er ist mehr ein Joker, wie ihn Heath Ledger spielte. Dieser Riddler will die Welt einfach nur brennen sehen. Dieser Riddler ist brutal, aber etwas ohne Kontur. Da fällt Killer Croc deutlich besser auf. In filmischem Design angelegt, durchaus mit Parallelen zur kommenden Version im DC-Kinoblockbuster Suicide Squad, gestaltet Gary Frank einen echt aussehenden Croc und führt ihn in einer dialogstarken Szene mit Batman optimal vor.

Der eine ist Staatsanwalt und mit einem brennenden Hass auf Bruce Wayne versehen. Sie ist Bürgermeisterin und Bruce doch sehr zugetan. Hier liegt der Konflikt auf der Hand. Und was zunächst nach einer rein privaten Angelegenheit des Sohnes ermordeter Eltern ausschaut, wird auch zu einer Mission für Batman. In Gotham City erreicht die Kriminalität in diesem Band jedwede gesellschaftliche Schicht.

Dieser Batman kann sich immer besser (durch)schlagen. Das Equipment wird professioneller. Aber mit einem wichtigen Detail hapert es noch. Diese Anmerkung muss sich der maskierte Held seitens seines Kontaktmannes bei der Polizei, Detective Gordon, gefallen lassen. Er ist noch kein guter Detektiv. Aber er ist auf dem besten Wege dahin. Auch andere Personen meinen besser und richtiger über Batman oder Bruce Wayne Bescheid zu wissen. Die einen halten ihn für überheblich, weil er so schutzlos agiert, die anderen denken bei ihm nur an seine familiäre Vergangenheit und scheren ihn mit seiner Abstammung über einen Kamm. Die Vorlage von Geoff Johns wird von Zeichner Geoff Johns optimal ausgebaut. Hier finden sich perfekte Emotionen, tolle Choreografien und packende Action-Sequenzen, deren Auslöser hauptsächlich der Riddler ist.

Eine der besten Alternativerzählungen zu bestehenden Comic-Szenarien. Auch das Team aus Geoff Johns und Gary Frank hat sich gesucht und gefunden und arbeitet mit einer ähnlichen Dynamik wie es z. B. auch ein J. Michael Straczynski und ein John Romita jr. bei Spider-Man taten. Alle Batman-Fans sollten sich diesen Handlungsstrang nicht entgehen lassen. 🙂

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Mittwoch, 02. Dezember 2015

WALLMAN 1

Filed under: Thriller — Michael um 19:12

WALLMAN 1Jiro Sorashima hatte einmal einen anderen Namen, der in bestimmten Kreisen voller Ehrfurcht genannt wurde: Master Kuu. Nachdem einem emotionalen Tiefschlag hat er sich aus dem Geschäft zurückgezogen und lebt nun als Tagträumer bei dem Mangazeichner Takashi Kubota. Um die Haushaltskasse aufzubessern, muss ein weiterer Mitbewohner her. Dieser … genauer gesagt, diese findet sich in der Gestalt der überaus attraktiven Koreanerin Nami. Die junge Frau hat kein Problem damit, mit zwei, ihrer Meinung nach, senilen, alten Männern zusammenzuziehen. Zwar schauen die beiden Mitbewohner ihr regelmäßig auf irgendwelche Körperteile, aber Nami stört es nicht weiter, präsentiert sie sich doch ganz gerne und spielt mit den beiden. Außerdem glaubt sie, die beiden gut in ihre Schranken weisen zu können, immerhin ist sie eine ausgebildete Killerin.

BOICHI hat eine neue Art von Auftragskiller kreiert und zwar den WALLMAN. Wallmen kommen nicht einfach so durch die Tür. Wallmen seilen sich mit Vorliebe aus luftiger Höhe, an Wolkenkratzern ab. Eine eigens dafür erfundene Vorrichtung lässt sie mit der Geschwindigkeit von Bungeejumpern an den Fassaden in die Tiefe rasen, artistisch präzise und jederzeit tödlich. Rasanz ist neben Action, einer Prise Erotik und einer größeren Portion Humor eines der großen Stichwörter dieses Thrillers.

Das Trio der Wohnungsgemeinschaft könnte gleich zu Beginn die Welt aus den Angeln heben, gäbe es nicht ein paar Probleme. Der ehemalige Killer Jiro will nicht mehr in seinen alten Job zurück. Nami ist bei weitem nicht so gut in in ihrem Job, wie sie so vollmundig verkündet hat. Nur Takashi ist zu vertrauen und eine prima Rückendeckung. So durchtrainiert wie auf dem Titelbild ist Jiro zunächst nicht. Und zur Rückkehr in sein früheres Leben zwingen ihn die Umstände. Immerhin, obwohl um die Taille herum deutlich in die Breite gegangen, hat er nichts von seinem Können verlernt.

Stichwort: Rasanz. Autor und Zeichner BOICHI hat nach eigener Aussage in Korea eine Schule für Regisseure und Stuntmen besucht, um für die Action-Sequenzen einen besseren Hintergrund zu haben. Ob ihm das gelungen ist? Und ob! Die erste Szene, die Jiro und Takashi gemeinsam bestreiten, ist bereits ein Kracher, aber nur der Appetizer für die folgende Achterbahnfahrt, die in der zweiten Hälfte unaufhaltsam wird. Dank einiger Schl?sselszenen wird Jiro auf den alten Pfad zurückgeführt. Es ist Namis Selbstüberschätzung, die Jiro zum Eingreifen zwingt und alte Rachegelüste weckt. Die Szenen besitzen die Geschwindigkeit und Wucht der neueren Mission Impossible Blockbuster und hat auch ihre Kameraführung.

Erotik und Humor gehen häufig Hand in Hand. Nami versucht Jiro aus der Reserve zu locken. Jiro widersteht der Versuchung. Takashi muss sich ebenfalls mit Zuschauen begnügen. Letzterer ist eine Art japanischer Cheech Marin (u. a. Machete), immer zu Späßen aufgelegt und in Kämpfen knallhart. Nami verkraftet die zahlreichen Blicke unter ihren Rock, auf den Slip, auf den Hintern tapfer und teilt ebenso hart aus wie die Männer. BOICHI trifft grafisch jeden Charakter mit dem Blick eines Regisseurs und der Meisterschaft des versierten Zeichners. Nach der Einführung der drei Hauptcharaktere können die Gegenspieler, die Gangster-Clans, durch ein besonders fieses Design überzeugen.

Krieger der Großstadt: Die Umgebung spielt keine unbedeutende Rolle. Sieht man einmal von der erschöpfend realistisch gestalteten Umgebung ab, bietet die Einbindung der Helden in diese Kulisse oft optische Knaller. Einer der tollsten (hier ist ein guter Vergleich zu MI zu finden) findet sich im ersten Einsatz der beiden Wallmen, Jiro und Nakami.

Blockbuster-Manga: Anders lässt es sich nicht sagen. Wer hierzulande Kinogranaten aus den Reihen Mission Impossible oder The Fast And The Furious mag, Action wie Machete nicht scheut, perfekt realistische Zeichnungen in Thrillern als Muss ansieht, kann nicht anders, als hier zuzugreifen. 🙂

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Samstag, 28. November 2015

HACK/SLASH 13 – DIE DUNKLE SEITE

Filed under: Horror — Michael um 8:44

HACK/SLASH 13 - DIE DUNKLE SEITEDas ewige Leben kann ein Fluch sein. Das gilt für die jeweilige Person und für jeden, der das Pech hat, mit zusammen zu treffen. Was haben Cassie und Vlad nicht alles getan, um diesen Slasher endlich unter die Erde zu ringen. Meist dauerte es nicht lange. Dann ist dieses Monster wieder unterwegs, um sein Werk fortzusetzen. Die beiden Jäger des Bösen haben schon viele Killer zur Strecke gebracht. Vielleicht zu viele, weil Cassie und Vlad einfach müde sind und freiwillig bereit sind, eine Nacht in einer Zelle des Polizeireviers zu verbringen. Es hätte funktionieren können, hätten die Polizisten ihren Job etwas ernster genommen. Und hätten sie mehr auf die Worte von Cassie Hack vertraut.

SLASHER. Ein irrer Killer, lebender, untoter oder überhaupt kein Mensch, der ohne bedeutsame Motivation Menschen jagt und tötet. Dabei geht er nicht sehr zimperlich mit seinen Opfern um. Bekannte Vertreter dieser Wesen werden häufig beim Vornamen gerufen, wie Jason, Freddy oder Chucky. Aber es gibt eben auch Jäger, die Jäger jagen und dazu gehören Cassie Hack und ihr hoch gewachsener Freund Vlad. Cassies Mutter war ein Slasher. Vlads gesamte Familie gehört dieser merkwürdigen Spezies an, von denen sich nie sagen lässt, in welcher Gestalt sie demnächst umgehen werden.

Wer die Abenteuer der beiden Monsterkiller verfolgt hat, hat auch nach und nach mehr über die Vergangenheit der beiden erfahren. Nach Lektüre der 13. Ausgabe der Reihe, Untertitel: DIE DUNKLE SEITE, hat der Leser einiges mehr über Vlads Verwandtschaft gelernt, die allesamt Kannibalen sind. Man kann sich seine Verwandten eben nicht aussuchen. Mastermind Tim Seeley, Cassies Erfinder, meldet sich in dieser Ausgabe nur mit einer Geschichte zu Wort. Die Erzählung über Vlads furchtbare Geschwister überlässt er Justin Jordan. Zusammen mit Zeichner Daniel Leister treibt er die Konzeption von Vlad, dessen monströses Aussehen Cassie zu Beginn der Reihe noch schockierte, auf die Spitze. Denn Vlads Erscheinungsbild ist gegenüber seiner Verwandtschaft vergleichsweise harmlos und normal zu nennen.

Grafisch sehr schön geworden ist die Episode um den unsterblichen Killer, gezeichnet von Gastkünstler Emilio Laiso. Sein Titelbild zur Folge HACK/SLASH/REPEAT, feiner noch ausgeführt als der Rest des Horrorthrillers, lässt vermuten, was er auf die Beine stellen könnte, hätte er noch mehr Zeit für seine Arbeit. So aber bleibt eine Folge, die ausgezeichnet getuscht und koloriert, ein Höhepunkt des vorliegenden Bandes ist. Geschrieben von Tim Seeley und Michael Moreci wäre es schön, eine Fortsetzung dieses Abenteuers zu sehen. Seeley und Moreci lassen diese Möglichkeit jedenfalls offen. Obwohl ja nahezu jeder Slasher das Auferstehungsgen in sich trägt.

Auftritt: MERCY SPARX. Jung, hübsch, rote Haut, Hörnchen. Die Teufelin ist nicht die erste Braut, die einen Job für die Gegenseite übernehmen. MERCY SPARX sollte für den Himmel einst abtrünnige Engel jagen. Nun ist sie die nächste in einem illustren Reigen der Gastauftritte in HACK/SLASH. Ihrem Aussehen nach stiftet sie zunächst Verwirrung. Für Cassie Hack und Vlad ist sie nichts anderes als ein weiterer Slasher, die sich bislang auch nicht scheuten, besonders schön daher zu kommen. Die attraktivsten Frauen konnten erst recht brutal sein.

Nun stehen zwei Frauen des gleichen Schlages auf derselben Seite und haben einen Gegner vor sich, der wohl die ungewöhnlichste Kleidung in dieser langen Reihe trägt. (Und es waren sehr ungewöhnliche Auftritte hier zu verzeichnen.) Knackig, gerafft erzählt, mit neuem Team-Up, trifft Cassie hier auf ein Hellgirl. Die Episode könnte vor allem Fans der Serie Supernatural gefallen.

Eine rundum gelungene Weiterführung der Serie, wie mit guten Ideen versehen, durchweg unterhaltsam. Grusel und Spannung wechseln sich mit gut einstudiertem Slasher-Thriller-Spaß ab. Für Fans, die schon ein wenig mehr über Cassie und Vlad Bescheid wissen. 🙂

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Link: Emilio Laiso auf Facebook.

Mittwoch, 25. November 2015

WAISEN – RINGO 2 – NUMMER VIER

Filed under: SciFi — Michael um 16:19

WAISEN - RINGO 2 - NUMMER VIERDer Junge ist krank und benötigt Antibiotika. In einem Land, das den Niedergang der Zivilisation erlebt hat und nur noch von seinen Resten lebt, sind Medikamente ohnehin schwer zu finden. Und Antibiotika sind fast eine Unmöglichkeit. Hätte RINGO nicht eine Idee. Diese führt geradewegs in die Höhle des Löwen, nur ist es diesmal nicht er, der diesen letzten Meter zu gehen hat, sondern der andere Junge, Seba, der die Aufgabe erfüllen wird.

Die römische Pietà. Michelangelo schuf dieses Meisterwerk der Bildhauerei, heute im Petersdom in Rom zu bestaunen. Im Schoße Marias liegt der verstorbene Jesus Christus. Illustrator Emiliano Mammucari hat das Motiv und die Haltung dieser Doppelstatue aufgegriffen und hiernach das Titelbild gestaltet. Der bewusstlose RINGO liegt hier in den Armen einer Krähe, die nur darauf wartet, ihm den Todesstoß zu versetzen. Angesichts der Fortsetzungen ist es kein Geheimnis, dass ihr das (vorläufig) nicht gelingen wird.

Nach einem stürmischen Auftakt im ersten Teil hat sich ein Quartett zusammengefunden, wie es nicht so recht zueinander passen will. Aber RINGO hat keine Wahl. Er hat einer Verstorbenen ein Versprechen gegeben. Außerdem besteht die hohe Wahrscheinlichkeit, dass einer von den drei Jugendlichen, die er in Sicherheit bringen will (muss), ein Kind von ihm ist. Damit er sein Versprechen hält, hat seine ehemalige Geliebte ihm verschwiegen, welches Kind seine Gene trägt. Aber, ob nun ein Kind oder drei, es kommt sich fast gleich, denn die Reise sowie die Flucht, die von den Vieren angetreten worden ist, wird durch weniger Personen kaum ungefährlicher.

Zwei Grafikduos teilen sich die Arbeit an der Fortsetzung der Reihe. Diese trägt den irritierenden Untertitel NUMMER VIER. Es ist die Andeutung eines gemeinen, perversen Spiels in der zweiten Hälfte des Science-Fiction-Thrillers. Für mich immer auffallend bei italienischen Comic-Produktion ist der Umstand, wie identisch die Arbeiten von unterschiedlichen Künstlern an einer Reihe ausfallen. Es gibt nur kleine Abweichungen. Hier wird großer Wert auf ein sehr einheitliches Erscheinungsbild gelegt. So ist es beinahe kaum zu bemerken, dass hier unterschiedliche Grafiker am Werk waren.

Die Tuschezeichnungen in der ersten Hälfte, von Carlo Ambrosini und Giovanna Niro (Koloristin), fallen etwas gröber au. Aber der leicht brachialere Strich passt zur Härte der Geschichte, die dadurch noch unterstrichen wird. Und Härte findet sich ausgerechnet da, wo ein heute lebender Leser sie nicht erwarten würde: Rom. Aus der prächtigen Stadt, der ewigen Metropole ist eine untergegangene Stadt geworden. Hier lauert der Tod an jeder Ecke. Hier gibt es nichts umsonst. Hier dient Gewalt dazu, das zu bekommen, was man will. Oder sie macht einigen einfach nur Spaß. Weder Roberto Recchioni, noch Mauro Uzzeo (Autor der zweiten Hälfte) geizen mit entsprechenden Beweissituationen.

Beiden ist zueigen, dass sie mit einem sehr guten Timing erzählen, stets zu überraschen verstehen und es eben doch nicht immer so ist, wie man annehmen könnte. Gerade in der zweiten Hälfte gibt es eine solche Situation, deren Schwenk in eine unerwartete Richtung marschiert, Stichwort NUMMER VIER. Über allem liegt der erzählerische und optisch sehr eindrucksvolle Untergangsgrusel. Wie die beiden Grafikteams dies inszenieren, liegt toll auf der Linie meist verfilmter Szenarien. Kulturelle Überreste liegen herum, vergammeln, werden ausgeschlachtet oder einfach nicht mehr beachtet und gepflegt. Ein schönes Beispiel ist der ehemals hochmoderne Zug, der irgendwo in einem Wald von den Schienen entgleiste und nun liegt und verrottet.

Eine Reise durch ein erkennbares und doch so unterschiedliches Italien. Es ist interessant, den Untergang der Welt einmal auf einem anderen Kontinent zu sehen, als immer nur in den USA. Darüber hinaus sorgen das Szenario und seine Charaktere, auch die Widersacher, für ein ungewöhnliches Spannungsniveau mit teils wuchtiger Dramatik. Tolle Weltuntergangsstimmung! 🙂

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Dienstag, 24. November 2015

CAP HORN 4 – Der Prinz der Seele

Filed under: Abenteuer — Michael um 16:28

CAP HORN 4 - Der Prinz der SeeleIm Sturm entdecken die Männer auf dem Dampfer ein weitaus kleineres in Seenot geratenes Segelboot. Die Überlebenschancen des Skippers und seines Hundes sind bei diesem Seegang verschwindend gering. Der Kapitän des Dampfschiffes hingegen hält die Chancen für groß genug und will das Boot, dessen Mast gebrochen ist, links liegen lassen. Doch er hat die Rechnung ohne einige seiner Passagiere gemacht. Der Skipper wird gerettet, sogar der Hund, dennoch endet die Episode tragisch. Selbst das Nachspiel, obwohl von einer gewissen Schadenfreude getragen, hat einen bitteren Nachgeschmack.

Christian Perrissin und Enea Riboldi haben sich eines ungewöhnlichen Szenarios angenommen, das in jedwedem Medium, ob nun Roman, Film oder Comic sehr stiefmütterlich behandelt wird. Ja, sogar Dokumentationen zu diesem Thema und Flecken auf der Weltkarte sind nicht sehr breit gefächert, wiegt man sie gegen andere, weitaus populärere, fachlich aufbereitete Informationen auf. In Feuerland entwickelte sich eines jener vielen Dramen, mit denen Ureinwohner auf dem ganzen Globus zu kämpfen hatten, wenn der weiße Mann, meist Europäer, sich anschickte, sich auch noch das letzte Stück Ödnis nutzbar zu machen.

Kurz vor dem Ende des 19. Jahrhunderts bietet sich ein merkwürdiger Anblick. Man sucht als Leser nach Vertrautem, aber die Landschaft, vom Ozean einmal abgesehen, wirkt seltsam. Karg einerseits, mit einer Vegetation, die sich irgendwie wehrt andererseits. Für den Helden der Geschichte, Johannes Orth, einem angeblich Schweizer Bürger, birgt sie große Gefahren, in der Vergangenheit ebenso wie in der Gegenwart. Verluste sind vorprogrammiert und es ist nicht abzusehen, ob die Hauptfigur das Ende überhaupt überleben wird. Die Geschichte muss als Drama bezeichnet werden. Sie ist kein rechtes Abenteuer, tendiert oberflächlich in die Richtung jener Geschichten, die ein Jack London schrieb. Ein Held findet sich über die Mühsal des Lebens irgendwann selbst.

Oder er findet überhaupt zu einem Leben, nachdem er sämtliche Brücken hinter sich abgebrochen hat. So wie hier, denn Johannes Orth ist auf der Flucht vor sich selbst, vor angeblichen Freunden, vor Feinden, die ihn nur zu gern für ihre Zwecke benutzen wollen. Mehr darüber zu sagen, hieße nur allzu viel darüber zu verraten. Christian Perrissin erzählt sehr melancholisch. Er berichtet über viele tragische Augenblicke, von Aussichtslosigkeit, von Aufgabe, von Menschenverachtung und in der Tat ist der eingangs geschilderte Untergang und die Dezimierung der Yamana, einer Ureinwohnerzivilisation, sinnbildlich für den menschlichen Wahnsinn. Aus 3000 wurden binnen weniger Jahre 300, getötet von eingeschleppten Krankheiten und Seuchen.

Enea Riboldi (Zeichner) und Helene Lenoble (Farben) zeigen ein fein realistisch lebendiges Bild dieser vergangenen Epoche. Hier wurde sehr viel Wert auf Authentizität gelegt. Majestätische Landschaften im Hintergrund, Schiffe kämpfen mit der Urgewalt des Meeres, prächtige Schiffe liegen vor Anker und dem entgegen gesetzt werfen bei einen grafischen Blick ins alte Argentinien, einer europäisch anmutenden Bastion in Südamerika. Präzise Striche, charakterstarke Figuren werden von einer kräftigen, verträumten Kolorierung ergänzt. Filmisch gesprochen wurde ein schönes Tageslicht eingesetzt. Nächtens bettet ein Blaugrau ein leuchtendes Orange der Flammen ein. Kurz, in der Nacht geht der freundlich ausgeleuchtete Eindruck des Landes komplett verloren.

Ein sehr gelungener Blick in ein völlig anderes Kapitel der zivilisatorischen Vergangenheit. Fern allen Mainstreams erzählen Christian Perrissin und Enea Riboldi von einem Mann, der alles verloren hat und bereit ist, den letzten Ausweg zu nehmen. Doch irgend etwas hält ihn immer wieder davon ab. Toll illustriert! Band 4 schließt die Geschichte von CAP HORN ab. 🙂

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Samstag, 21. November 2015

FRANKA 10 – GANGSTERFILM

Filed under: Thriller — Michael um 11:59

FRANKA 10 - GANGSTERFILMFranka wollte nichts weiter, als einer Freundin einen Gefallen zu tun. Einen Abend lang den Kurierdienst übernehmen. Es hätte eine leichte Aufgabe sein können. Hätte Franka nicht neben diesem rosafarbenen Cadillac gehalten. Hätte Franka nicht das Telefongespräch angenommen. Hätte sie nicht … Aber Franka ist eben Franka. Sie kann einfach nicht anders und hilft, wo Not am Mann ist. Oder besser gesagt, an der Frau. Gloria Gold, der weibliche Star des Films Gangwar 55, ist in großen Schwierigkeiten. Echte Gangster schrecken vor nichts zurück, um ihrer habhaft zu werden. Darüber hinaus wird Frankas Freundin Marilla entführt. Eins führt zum anderen und bald kann Gloria Gold neben Franka beweisen, ob sie die Action auch im richtigen Leben hinbekommt.

Henk Kuijpers, der Meister des Wimmelbildes, begibt sich in die Welt des GANGSTERFILMs. Und Welten gibt es hier wirklich zu entdecken. Die wahre Welt besteht neben den Filmsets, teuren Inneneinrichtungen und miniaturisierten Kulissen. Was es alles auf den Seiten neben der eigentlichen Handlung zu entdecken gibt, ist immer aufs Neue ein Fest. Henk Kuijpers ist ein Garant für fragile Bilder, von einer tollen Fantasie getragen und technisch wie auf das Papier gestanzt. Hier gibt es keinerlei Fehler, keine Hast. In fein angelegten Perspektiven bildet er mit besonderer Leidenschaft Automobile ab, die gerade in einem 50er-Jahre Ambiente für eine schöne Atmosphäre sorgen.

Stilistisch hat Henk Kuijpers seine FRANKA-Optik gleich zu Beginn der Reihe gefunden und konsequent durchgehalten. Die Grafik, angelegt auch für kleinste Bilder, fängt das Auge ein und führt es mit seinen klaren Formen hervorragend durch die Szenen und Sequenzen. Amsterdam ist ein hervorragender Schauplatz mit seinen schmalen Straßen und Gassen, den Kanälen und der nächtlichen Atmosphäre, die von einem im Licht vieler Vergnügungsmöglichkeiten strahlenden Glanz getragen wird.

Die Parodie auf die Filmindustrie im Sinne von Hollywood, bei den Dreharbeiten der Fortsetzung von Gloria Golds Blockbuster, folgerichtig Gangwar 56 genannt, zündet mit der Dichte der Szenerie perfekt. Die demolierten Automobile, Paradebeispiele von amerikanischen Straßenkreuzern der 50er Jahre, würden, wäre es ein tatsächlicher Film, automobilen Enthusiasten Tränen in die Augen treiben. Die Handlung wird sehr flott vorangetrieben. Auch hier passt der Vergleich zum Film wieder, denn ein Zeitaufschub wird nicht geduldet. Wendung jagt auf Wendung. Seitenweise werden stets neue Kulissen präsentiert, schlägt FRANKA Kapriolen, flieht, ist auf der Jagd, prügelt sich und arbeitet detektivisch geschickt.

Die Auflösung des Falles ist logisch und erschöpfend. Weil Henk Kuijpers vielleicht etwas zu schnell war, gibt es anschließend noch eine Kurzgeschichte, Ehrlicher Eddy, kurz, knackig, mitten im Nachtleben, wo Franka sich in dieser Ausgabe am wohlsten zu fühlen scheint.

Eine Abenteuer mit dem besonderen Großstadtflair von Amsterdam und der perfekten Parodie auf die hollywoodsche Traumfabrik. Hier ist FRANKA am besten aufgehoben. Mit der gewohnten Perfektion von Henk Kuijpers zu Papier gebracht. Sehr schön. Empfehlenswert. Neueinsteiger könnten mit dieser Folge für die Serie Feuer fangen. 🙂

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