Jack ist der coolste Typ überhaupt. Er setzte sich über sämtliche Fable-Regeln hinweg und brachte seine Geschichte an die Öffentlichkeit: In Hollywood. Mit drei Filmen eroberte er den Olymp der Filmemacher und wurde zu einem der einflussreichsten Produzenten. Einem? Ach, was sage ich! Er wurde zu dem mächtigsten und reichsten Filmproduzenten, den dieser Planet jemals gesehen hat. Und nun steht Jack an der Landstraße und alles, was er besitzt, trägt er bei sich. Was ist passiert? Jack hatte die Hartnäckigkeit und Schläue der anderen Fables unterschätzt. Wie hatte er auch glauben können, dass derart bekannte Filme über sein (angebliches) Leben nicht bis zu ihnen vordringen würden?
Aber Jack ist ein Stehaufmännchen. Außerdem besitzt er dieses besondere Quäntchen Glück, das in scheinbar aus jeder ausweglosen Situation wieder herausbringen kann. Doch mit jemandem, der Fables sammelt, um sie in die Vergessenheit zu stürzen, hatte es Jack auch noch nicht zu tun. Der neue Feind ist sehr gewieft. Das Gelände, auf dem Jack und die anderen untergebracht sind, lässt nichts vermissen, außer die Freiheit. Die meisten der anderen sind sogar recht nett. Ja, es wartet sogar die oder andere Überraschung auf Jack.
Da ist sie! Ein Fable erhält seine ganz eigene Serie: Jack. Autor Bill Willingham setzt eine Figur in den Mittelpunkt der Geschichte, die ein durchtriebener Windhund ist. Jack ist eine Mixtur aus J.R. Ewing und Brad Pitt. Er ist Charakter, durch alte Reime ins Leben zurückgerufen werden: Ach, wie muss das fein sein, einmal richtig Schwein sein. Jack lebt dieses Leben. Sorglos, absolut egozentrisch, sexistisch, ausschweifend, großschnäuzig und dabei auch noch gut aussehend. Also erfüllt er die besten Voraussetzungen, um den perfekten Serienhelden abzugeben.
Die Geschichte der Fables ist eine Erfolgsgeschichte. Willingham transportierte die altbekannten Märchenfiguren in die Neuzeit. Auf der Flucht vor einem mächtigen Feind, der Märchenwelt um Märchenwelt eroberte, fanden sie mitten unter den Menschen in Fabletown eine Enklave, in der sie sich ein neues Zuhause schaffen konnten. Nur jene, denen kein menschliches Äußeres gegönnt war, mussten raus auf die Farm vor der Stadt.
Die Vielfalt der Figuren ist einer der Trümpfe dieser Reihe. Aus diesem Grund kann auch Jack in seinem Spin-Off nicht lange alleine bleiben. Humpty Dumpty, ein vermenschlichtes Ei, trifft der Leser hier ebenso wie den Hasen und die Schildkröte, die immer noch nicht von ihrem legendären Wettrennen lassen können. Alice findet nicht mehr zurück ins Wunderland, Dorothy hat ihre Freunde um sich, doch nach Oz kommt auch sie nicht zurück. Mit Wicked John trifft Jack sogar auf eine frühere Version von sich selbst.
Es herrscht also nicht nur Chaos, sondern Wiedersehensfreude, auch heiteres Raten, denn hier wurden noch lange nicht alle Figuren aufgezählt, die Willingham hier versteckt hat. Jack ist als in diesem Gefängnis. Was versuchen Gefangene manchmal? Den Ausbruch! Aber wie brechen Fables aus? Ungewöhnlich! Willingham und Matthew Sturges überlassen nichts dem Zufall. Jede noch so kleine Figur ist an ihren Platz gestellt, so wird auch der Ausbruch zu einem haarfein gesponnenen Vergnügen. Gewalt wird zwar nicht ausgespart (wie auch, in Märchen, Mythen und Legenden wimmelt es davon), aber eine fantastische Erzählung und viel Humor halten alles perfekt in der Balance.
Als Zeichner konnte Tony Akins gewonnen werden. Akins mag das glasklare Bild. Experimente mit großflächigen Schatten gibt es. Die Exaktheit und Geradlinigkeit wirkt einerseits modern, erinnert aber auch an alte Zeiten und an Zeichner wie Jim Aparo, der besonders durch seine Zeichnungen zu Batman aufgefallen ist. Aparo hatte es dabei jedoch nicht mit Gänsen, Hasen, Rindern, Elfen oder Zwergen zu tun. Akins meistert diese wunderbare Welt mit einem Augenzwinkern, wie manche kleine Szenen am Rande zeigen. Eine ebenso spaßige wie gruselige Herausforderung waren die Bagheads, Figuren, die tatsächlich aus einer Tasche erstehen und als Wärter wie auch als Fablejäger dienen.
Jack braucht die anderen Fables, die ihn verstießen, nicht, aber so ganz ohne kommt er dann doch nicht aus. Ein guter Start einer Ablegerserie, mit der Originalität der ursprünglichen Reihe und dem unwiderstehlichen Charme eines Egoisten namens Jack. Spaß und Spannung von Anfang bis Ende. 🙂
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