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Comic Blog


Dienstag, 07. April 2009

Luuna 5 – Der Spiegelkreis

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:18

Luuna 5 - Der SpiegelkreisLuuna hat den Ort erreicht, der Erlösung verspricht. Die Pyramiden künden vom Glanz eines erfinderischen Volkes. Die Räume sind prachtvoll ausgestattet, die Kleidung wirkt edel und ist bunt und lebhaft. Tchotapak, der Prinz der Smaragdstadt, empfängt die Gäste aus den fernen Gefilden in Frieden. Es wird ein Fest zu Ehren der Fremden gefeiert. Schnell wird klar, dass Tchotapak mehr als nur neugieriges Interesse an Luuna hat. Auch die junge Frau vom Stamm der Paumanok findet Gefallen an dem Prinzen. Gäbe es den Fluch nicht, könnten die beiden leicht zueinander finden. Aber so?

In der Halle der großen Ahnen erwartet Luuna ihr Schicksal. Hier, beim Übergang in eine andere, eine Geisterwelt wird sich endgültig entscheiden, ob sie den Fluch brechen kann. Der Prinz begleitet sie, spendet Mut, doch gleich bei ihrer Ankunft werden sie von feindseligen Jaguarmenschen aufgehalten.

Das Ziel ist gefunden. Didier Crisse, der Autor, beschert Luuna ein spannendes (erstes) Finale, in dem es noch phantastischer als bisher wird. In einem Reich, angelehnt an die großen südamerikanischen Indianerkulturen, deren Pyramiden heute noch zu bewundern sind (Maya, Inka u.a.), erfährt Luuna den Übergang in die Geisterwelt. Eine Ähnlichkeit zu Canari, einer anderen Reihe vor südamerikanischen Hintergrund kann nicht geleugnet werden. Hier wie dort schrieb Didier Crisse das Szenario. Phantastik liegt dem Autor außerordentlich, wie er auch mit Szenarien wie Atalante oder Ishanti beweisen konnte.

Wie in einem Rollenspiel hat Luuna auf ihrer Reise ihre Gefährten gefunden, neue Freunde gewonnen, die zu ihr halten. Nun, auf dem letzen Teilstück, können diese Freunde sie nicht begleiten. Die beiden in ihr streitenden Totems, Gut und Böse, sollen ausgetrieben werden. Der Fluch, der ihr von Unkui auferlegt wurde, soll durch einen Exorzismus gebrochen werden. Didier Crisse arbeitet gerne mit Humor, aber er führt den Leser damit auch auf eine falsche Fährte. Denn Dramatik kann zu jeder Zeit über die Protagonisten hereinbrechen. Der Tod eines der Helden kann ebenso dazu gehören.

Aus Disney-Romantik, phantastischem Abenteuer und indianischer Lebensweise ist eine mitreißende Saga entstanden. Das ist maßgeblich auch dem Zeichner Nicolas Keramidas zu verdanken, der in einer Mischung aus ausladenden kantigen und abgerundeten Formen ein eigenes, aber auch vertraut aussehendes Erscheinungsbild schafft. Hier und da gibt ein Bild einen Ansatzpunkt für diese Vertrautheit. Bei genauem Hinsehen erinnern die Bilder an Wandmalereien und -darstellungen, wie sie der historisch interessierte Leser aus altägyptischen und natürlich südamerikanischen Überlieferungen her kennt.

Gemischt mit einer Spur Disney (daran kommt Keramidas nicht vorbei), einer Prise Don Bluth, auch einer Messerspitze Franquin und der Modernität eines Cartoon Network fällt es schwer, sich der Gesamtwirkung vor dem Ende zu entziehen. Die Farben von Bruno Garcia schaffen eine überwiegend düstere Atmosphäre, die der Geschichte allerdings angemessen ist. Crisse dürfte mit diesem Abschluss die zugleich dunkelste Episode geschaffen haben, die der Hauptfigur nichts schenkt, nicht einmal den wohl verdienten guten Schluss.

Diese Wirkung scheint Crisse sehr wohl geahnt zu haben, weshalb ein Epilog etwas Trost spendet. Die wenigen Seiten, gezeichnet von Fred Besson (Ishanti), wirken verwandt und auch weicher in der Ausführung. Besson ist eher ein Erbe Uderzos mit einem deutlichen Hang zu einer zeichentrickartigen Aufbereitung. Aus diesem Grund fällt die Kolorierung hier außerordentlich aufwendig und perfekt aus und stellt Garcias Arbeit zwar nicht in den Schatten, aber sie begegnet ihr auf Augenhöhe.

Ein toller, aber auch trauriger Abschluss. Das Ende lässt einen weiteren Zyklus zu, anders gelagert sogar als die ersten fünf Bände. Es wäre angesichts der hervorragend ausgearbeiteten Hauptfigur und dem tollen Hintergrund schade, wenn Crisse und Keramidas Luuna nicht mehr weiterverfolgen würden. 🙂

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