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Comic Blog


Samstag, 04. April 2009

Der letzte Incal 1 – Die vier John Difool

Filed under: SciFi — Michael um 11:57

Der letzte Incal 1 - Die vier John DifoolJohn Difool fällt. Böse Zungen behaupten, dies sei ein Hobby von ihm geworden. Andere werden neidisch feststellen, dass ein John Difool immer noch aufgefangen wurde. Also was soll das ganze Theater um seine Person? Genau das weiß John Difool leider auch nicht, denn er erinnert sich nicht, obwohl er es sich sehnlichst wünscht. Die Robocops sind ihm bereits auf der Spur. So ist es klar, dass John in der letzten Sekunde vor dem Aufschlag im Säuresee gerettet wird. Weiterhin stellt sich die Frage, zu welchem Zweck das geschehen ist.

Difools Gedächtnis wird durchsucht. Da ist allerdings nichts, nur die Erinnerung an eine Frau. Für die mechanischen Einheiten um ihn herum ist das eine ziemliche Enttäuschung. Ein Angriff versetzt die anwesenden Einheiten in elektronische Panik, sich indes dagegen zur Wehr setzen, vermögen sie nicht. So fällt John Difool schon wieder und mit ihm gleich ein ganzes Luftschiff.

Technisch angesiedelt zwischen Juan Gimenez und Jean Giraud zeichnet sich José Ladrönn in die Welt des John Difool. Diese Welt, die ihren Ausdruck in den Geschichten um den Incal und die Meta-Barone fand, sucht nun in der Geschichte um den letzten Incal eine Neuinszenierung. Ladrönn erweckt das allseits bekannte Chaos jener merkwürdigen mit dem Präsi-Schiff darüber eindrucksvoll, penibel, aber auch mit dem leichten Aquarellfarbauftrag und dem lockeren Tuschestrich.

Ladrönn scheint sich mit einer ziemlichen Wonne auf Ansichten gestürzt zu haben, welche die Größe dieser Umgebung vermitteln. Auch Massenansammlungen von Personen, Handgemenge in Nahaufnahme oder verzwickte Perspektiven der heruntergekommenen Architektur erledigt Ladrönn mit außerordentlicher Perfektion. Linien, außen wie innen, sind stets sehr dünn und zart ausgeführt. Die monströsen Ausgeburten, die durch den Biozeckenvirus 13-X befallen wurden, malt er mit einer Detailfreude, die einem Paolo Serpieri, so wie er sie in Druuna praktizierte, in nichts nachsteht. Alles in allem ist mit Gimenez und Ladrönn das Szenario sehr schwermetallig ausgefallen.

In dieser sehr düsteren Atmosphäre, besonders untermalt durch Farben wie fahles Grün, Grau, Blau oder Braun, nur durchbrochen von roten Explosionen, hellen Blitzen oder giftig grün aufplatzenden Objekten, besticht eine Kreatur wie ein Lichtstrahl: Dipo! Der kleine Betonvogel dürfte neben einem Chewbacca wohl das beste Lebewesen sein, dass sich ein Kind an seiner Seite wünschen kann. So ist die Folterszene geradezu herzerweichend und der erschöpfte Schlummer Dipos von Autor Alexandro Jodorowsky regelrecht gnadenreich.

So ist denn Jodorowsky wieder in seinem Element und heimgekehrt zu einem seiner erfolgreichsten Szenarien. Da ein John Difool, wie er sich hier präsentiert, nicht gerade der sympathischste Zeitgenosse ist, schafft Jodorowsky ein Quartett aus Difools. Es ist sehr humorvoll, wenn ein Difool auf den anderen trifft und sich selbst auch nicht gerade sympathisch findet, aber akzeptieren muss, dass sie durch die Umstände zusammengeschmiedet sind. Diese Konzentration auf die vier Charaktere, die leider erst recht spät erfolgt, ist auch dringend notwendig, denn Jodorowsky verlangt seinen Lesern ein gutes Stück Geduld und auch Aufwand ab.

Diese Welt erschließt sich dem Leser nicht allzu leicht. Sie ist sehr, sehr fremdartig. Nicht nur jene Stadt, über die ein veränderter Präsi die Oberhand gewinnt, auch die Wesenheiten Benthacodon und Elohim sind weit davon entfernt, einen menschlichen Ansatzpunkt zu liefern. Fast könnte man glauben, den phantastischen Auswüchsen eines H.R. Giger zu begegnen. Dessen Ideen versperren auch eher den Zugang und halten den Betrachter auf Abstand.

Fremdartig, mit leicht unterschwelligem Wahnsinn erzählt und wenigstens drei durchgeknallten Difools, einem liebenswerten Dipo, so legt Jodorowsky wieder los. Einmal drin, fällt es schwer, sich zu entziehen. Die Geschichte benötigt von Schritt zu Schritt mehr Raum. Man darf gespannt sein, wie es Jodorowsky schaffen wird, wieder auf ein normales Maß zurückzukehren. 🙂

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