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Comic Blog


Dienstag, 11. November 2008

Y – The Last Man 8 – Japanische Nächte

Filed under: SciFi — Michael um 18:40

'Y - The Last Man 8 - Japanische NächteJapan ist anpassungsfähig. Das hat es im Laufe seiner jüngeren Geschichte immer wieder bewiesen, seit es die Zukunft ins Land ließ, seit es beschloss, die Segnungen der westlichen Zivilisation anzunehmen und zu verbessern. Und was der japanische Mann kann, kann die japanische Frau noch besser, wenigstens jetzt, da die Männer nicht mehr da sind, um gegenteiliges zu behaupten. Das organisierte Verbrechen hat auch neue Mittel und Wege gefunden, sich mit der veränderten Situation abzufinden. Selbst für ein Leben ohne Männer haben sich Ideen gefunden.

Yorick und seine Begleiterinnen haben endlich Japan erreicht. Sie wollen unbedingt den entführten Ampersand wieder finden, einen kleinen Kapuzineraffen, der neben Yorick das einzige männliche Exemplar auf dem Planeten Erde ist. Agentin 355, die Yorick zur Seite steht, muss sich sogleich im Kampf bewähren. Ihre Gegnerin wird schnell eine wichtige Verbündete und, vielleicht viel wichtiger, zur Wegweiserin in dieser neuen Szene, die sich in Japan etabliert hat. So haben es Yorick und 355 vergleichsweise einfach. Viel schwieriger wird es für Dr. Allison Mann und ihre Freundin, denn sie stoßen auf eine Spur, die zur Lösung des Rätsels führen könnte, des Rätsels, über das sich viele Menschen den Kopf zerbrechen: Wie konnte es dazu kommen, dass von einem Moment auf den anderen alle Männer starben?

Auf der anderen Seite des Erdballs haben einige Frauen andere, aber nicht unwichtigere Probleme: Israelische Panzer rollen durch Kansas und ihre Besatzungen haben nur eines im Sinn: Sie wollen den letzten Mann auf Erden finden und das schnell!

Mehr Tempo, mehr Hintergrundinformationen, aber wie immer in einer ausgewogenen Mischung aus Erzählung, Charakterzeichnung und Action. Die Gerüchteküche um die Verfilmung brodelt, Namen wie Shia LaBeouf werden in die Runde geworfen – der, sollte er nicht den Yorick spielen (was durchaus gut passen würde), so hoffentlich rechtzeitig mal einen jungen Dave Gahan spielen wird. Aber das nur am Rande.

Es genügt Autor Brian K. Vaughan nicht, ein unglaubliches Rätsel auf die Menschheit loszulassen, mehr noch, er schickt den Leser quer durch die Kulturen auf der ganzen Welt und zeigt Veränderungen, die kurios sind, traurig, wahnsinnig, aber auch hoffnungsvoll. Einige Fäden laufen inzwischen wieder zusammen – es ist immerhin die achte Ausgabe der Reihe. Dennoch haben die Erkenntnisse neue Fragen, äußerst wichtige Fragen aufgeworfen. Langsam ist ersichtlich, dass die Katastrophe auf menschliche Initiative zurückzuführen ist, nur der Grund fehlt bislang. Von anderer Seite, israelischer, türmt sich eine neue Gefahr für Yorick auf, nachdem die japanischen Intrigen vorerst gebannt scheinen.

Das globale Wettrennen mit beschränkten Mitteln, das von Vaughan hier entworfen wird, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Es gibt viele Spezialisten unter den Frauen, sicherlich auch solche, die einen Kampfjet fliegen können, doch in der Masse sind diese Spezialisten viel zu wenige. So wird ein Kampfeinsatz fast zwangsläufig zu einer Art Guerrilla-Kampf. Wenn drei israelische Panzer sich auf amerikanischem Territorium bewegen und dabei mit keinerlei Gegenwehr rechnen müssen, zeigt das in nur einem Bild, die ganze Misere, in der sich die Menschheit im Augenblick – der Handlung – befindet.

Pia Guerra kann sich in ihren Zeichnungen diesmal mit einigen eher wenigen Action-Szenen künstlerisch auseinandersetzen und findet viel Spielraum in Szenen zwischenmenschlicher Natur. Inzwischen hat sie ein Optimum ihrer Bilder erreicht, die einen glasklaren Aufbau und eine ebensolche Optik aufweisen. Keine Experimente, keine unnötigen Linien. Guerras Zeichnungen sind von einem beinahe sterilen Perfektionismus geprägt. Erstaunlicherweise wirken die Bilder nicht kalt – was auch auf die Intensität der Szenen zurückzuführen ist.
Gute Beispiele hierfür sind Szenen zwischen Dr. Mann und ihrer Freundin Rose. In Schlüsselmomenten darf sich Guerra auf einer ganzen Seite ausbreiten. Wenn Dr. Manns Mutter Rose versehentlich, weil in Unkenntnis der Lage, schwer verletzt, dann ist der Blick auf das Geschehen fast schon sezierend.

Gleich auf, genau am Stil von Guerra orientiert, arbeitet Goran Sudzuka, wie es sich in den Schlussepisoden zeigt, in denen der Leser noch mehr aus der Vergangenheit von Nebenfiguren erfährt, die sich gerade für die kommenden Folgen profilieren. Wenn man es nicht weiß, sind Unterschiede in den Bildern auf den ersten Blick nicht (auf den zweiten auch nicht) zu erkennen. Das ist perfektes Teamwork, in dem sich Sudzuka zugunsten einer einheitlichen Optik zurücknimmt.

Hoch spannend, aber auch mit einigen komischen Momenten – dank Yorick – der Leser findet ein dramatisches Finale des Japan-Abschnitts, außerdem den Prolog eines von langer Hand vorbereiteten neuen Handlungsstrangs, in dem eine weitere Bedrohung auf Yorick wartet. Ein rätselhafter Cliffhanger vertröstet den Leser auf die nächste Folge. 🙂

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