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Comic Blog


Freitag, 10. Oktober 2008

Batman – Schwarz-Weiss Collection 2

Filed under: Superhelden — Michael um 14:18

Batman - Schwarz-Weiss Collection 2Die Frau soll ihm nicht entkommen. Das wäre ja auch gelacht. Auf dem Pier haben die Gangster und ihre Anführerin keine Fluchtmöglichkeiten. Aber Madame X will gar nicht entkommen. Ihr Plan ist nicht sehr ausgefeilt. Sie will ledglich ganz Gotham City vergiften. Wenn dabei auch noch Batman eine Dosis abbekommt, umso besser. Eben konnten die Leser noch die neue Spirit-Variante von Darwyn Cooke ins Auge fassen und schon kehrt er unter der Regie von Paul Grist zu seinen Wurzeln zurück. Wie schon in anderen Situationen muss Batman den Einfluss von Drogen auf sein Gehirn bekämpfen.

Gleich in der zweiten Geschichte, Schauermärchen, begegnet der Leser einem Zeichner, der besonders als Zeichner der Fantastischen Vier viel geleistet hat und in der Lage war, sehr sympathische Figuren zu schaffen: Mike Wieringo, leider 2007 viel zu früh verstorben, arbeitet hier mit dem sehr guten Inker Karl Story zusammen. Todd Dezago schrieb eine Geschichte, in der Batman noch eine Legende ist, ein dunkles Schemen, ein Gerücht – und dies auch bleiben will.

Gleich darauf geht Alan Davis, ebenfalls ein Veteran aus dem Marvel-Universum, mit seinen Bildern zu Batman an den Start. Auf das Feinster getuscht von Mark Farmer erleben wir eine alte Geheimidentität von Batman in Aktion. Dies ist ein Batman, der stark an die alten Klassiker von Neal Adams erinnert.
Nach zwei eher mit sehr feinen Linien gezeichneten Geschichten wird auch wieder gröber. Manchmal scheint mit dicken Strichen gearbeitet worden zu sein, unter der Zuhilfenahme von Rasterfolien. Ein anderes Mal, wie im Falle von Denys Cowan, scheint der Leser es mit einer künstlerischen Mischung aus Frank Miller und Eduardo Risso zu tun zu haben.

Teilweise, wie im Falle von Zeichner Danijel Zezelj, sind die Bilder wie in Stein gemeißelt. Auch sind solche Geschichten düsterer und härter. Wenn vor Batman eine skelettierte Hand aus dem Boden ragt und Gotham wie eine verschachtelt wirkende Katakombe von oben betrachtet werden kann, dann kommt hier die Atmosphäre eines Batmans der aktuell letzten beiden Verfilmungen heraus.
Alles ist möglich. So facettenreich wie die erste Sammlung der Schwarzweißgeschichten um Batman präsentiert sich auch der zweite Band. Spätestens bei Bildern von Scott Morse, dessen Grafiken an Gregory erinnern, wird dies allzu deutlich. Brent Anderson erweckt mit seinen Bildern die 50er Jahre zum Leben. Die nostalgischen Gefühle eines Superhelden könnten kaum besser in Szene gesetzt werden.

Die Vielfältigkeit der Geschichten und somit die Vielzahl der Seiten einer einzigen Figur ist erstaunlich. Es ist auch im Verlassen von alten Bahnen begründet, dass diese viele Interpretationen so gut funktionieren und als Detektiv- wie auch Rächergeschichten für jedermann funktionieren – besonders auch für jene, die keinerlei Ahnung von Batman haben. Auf den Einsatz altbekannter Gegner wird weitestgehend verzichtet. Die Auftritte von Riddler, Scarecrow oder Harley Quinn fallen kaum ins Gewicht.

Ein heimlicher Nebendarsteller, ohne den hier nichts geht, ist Gotham City. Wie sehr diese Stadt in den Mittelpunkt rücken kann – ähnlich wie das allseits beliebte Metropolis – zeigt hier die Gotham Sonntagsreportage, die aus illustriertem Text besteht, der wie ein Wegweiser durch Gotham gelesen werden möchte. Wer einmal ganz genau durch den Band blättert und sich die verschiedenen Interpretationen dieser Stadt ansieht, erhält gleichzeitig auch einen guten Eindruck, wie künstlerisch auch ein Mainstream-Comic sein kann.

Ein einziges Mal ist hier Farbe im Spiel. Rot wie Blut natürlich. In der Geschichte Das Gaswerk hat Hellboy-Vater Mike Mignola den Text geschrieben. Troy Nixey imitiert den grafischen Stil des ebenfalls bekannten Grafikers derart, dass man sich als Mignola-Fan direkt zuhause fühlt. Die hier eingeschlagene Horrorlinie wird auch sogleich in der folgenden Geschichte Furcht ist der Schlüssel fortgesetzt, so dass auch dieses Genre abgehandelt wird.

Ein weiterer Querschnitt durch das Batman-Universum – das locker ohne all die anderen Helden bestehen kann – mit vielen Gesichtspunkten, die auch über die Interpretationen des ersten Sammelbandes hinausgehen. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf der Spannungserzeugung. Wer auch einmal lachen möchte, liegt hier falsch. Batman ist ein Detektiv mit zum Teil wahnsinnigen Fällen, wie er hier eindrucksvoll unter Beweis stellt – textlich wie optisch. 🙂

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