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Comic Blog


Freitag, 14. März 2008

Halo Graphic Novel

Filed under: SciFi — Michael um 11:53

Halo Graphic NovelKrieg. Er rückt erst so richtig in das Bewusstsein der Menschen, wenn die ersten Heimkehrer da sind. Wenn der Krieg, die Kampfhandlungen zivile Ziele treffen. Wenn man selbst betroffen ist.
New Mombasa ist eine riesige Stadt auf der Erde. Eigentlich glaubt niemand dort an einen Angriff der Allianz. Trotzdem findet er statt. Und seine Auswirkungen sind verheerend. Als Fotoreporter ist der Mann mit dem Krieg vertraut. Er hat die Bilder lange genug für das Publikum manipuliert. Als die Feinde die Erde angreifen, sieht er dem Grauen endlich von Angesicht zu Angesicht entgegen. Nun lässt sich nichts mehr verheimlichen. Der Krieg ist da.

Es gibt militärische Situationen, da empfiehlt es sich, zuvor einen ausgeklügelten und auch gefährlichen Test zu absolvieren. Ein Absprung aus großer Höhe, aus sehr großer Höhe ist eine enorme Belastung für Mensch und Material.
Kurz darauf muss der so abgeworfene Soldat auch noch in einen simulierten Kampfeinsatz. Für die Superprofis ist das aber gar kein Problem – sehr zum Erstaunen der normalen Soldaten.

Anderswo. Kampftraining unter Außerirdischen. Sie sind die Angriffe von Menschen gewöhnt. Sie wissen wozu Menschen fähig sind. Doch der nächste Einsatz ist anders. Dieser Feind ist anders, barbarischer, grausamer. Und die Kämpfe – sie halten keinen Vergleich mit einem Training stand.

Halo ist mehr als nur ein Phänomen. In Sachen SciFi-Ego-Shooter setzte es neue Maßstäbe, ein Spiel, das bereits mit einer Demoversion die Fans derart anheizen konnte, dass die Veröffentlichung des Spiels sehnsüchtig erwartet wurde.

Lee Hammock ist der Autor der Geschichte Die letzte Reise der Infinte Succor. Diese Kurzgeschichte, die maßgeblich eine Episode aus dem Leben der Außerirdischen schildert, wurde von Simon Bisley gestaltet. Unlängst war Bisley hierzulande mit einer Episode zu Global Frenquenzy zu sehen. Dort entwarf er eine Tuschearbeit, hier geht er in ein farbiges Feuerwerk hinein, eigentlich realistisch anzuschauen, wie immer, aber auch mit der ihm eigenen Portion Abstraktion, die die Bilder irgendwie entrückt.
Bezeichnend für Bisley ist auch eine organische Farbwahl, eine Machart, die ein wenig in Grafiken des Schwermetall-Genres vorherrscht. Dadurch wirken die Bilder poppig, aber auch düster. Schillerndes Grün steht dort schon einmal einem knalligen Rosa gegenüber, durchbrochen von einem unangenehm aussehenden Gelb.
Doch genau diese Farbauswahl lässt ein hohes Maß an Emotion entstehen, mitunter besonders Ekel, denn gerade in dieser außerirdischen Welt sehen die Monstren alles andere als appetitlich aus. Es sind keine geschniegelten und gestylten Kreaturen eines Giger, eine Art außerirdische Domina, sondern Reißzähne und Klauen auf zwei (oder mehr) Beinen, denen buchstäblich nur eines ins Gesicht geschrieben steht: Fressen.

Nicht minder aufregend, aber ganz anders erzählt und gezeichnet, ist Rüstungstest. Ed Lee und Andrew Robinson verarbeiten in ihren Bildern streng geometrisch, vektorisiert aussehende Formen mit texturiert ausschauenden Hintergründen. Durch die Einfügung von offensichtlich gezeichneten Formen in imitiert echte Umgebungen ergibt sich ein Effekt, der sich immer in Trickfilmen findet, der reale Hintergründe für sich nutzt.
Hier stützt die Geschichte ihre Herkunft. Die Bilder wirken wie der Vorspann eines Videogames. Die Licht- und Farbspiele in den Figuren selber sind eher konturiert, sehr stark akzentuiert, ja übertrieben deutlich zu nennen. Direkt nach den ersten Bildern wird einem als Leser deutlich, was hier vermisst wird: Der Ton.

Tsutomu Nihei schreibt und illustriert seine Geschichte Ausbruch aus der Quarantäne in Personalunion. Nihei arbeitet schnell, rasant, auch grob, in einer Technik, die in dieser Form der Geschwindigkeit der Geschichte angemessen ist, aber so auch die Wände eines Museums zieren könnte. Über weite Strecken wäre dieser Stil wahrscheinlich nicht so treffend, aber hier passt es. Niheis Zeichen- und Malart ist beinahe (alp)traumhaft zu nennen.
Bleibt noch zu erwähnen, dass Niheis Geschichte gänzlich ohne Text auskommt und tatsächlich nur die Bilder erzählen lässt.

Über den letzten Zeichner von Zweiter Sonnenaufgang über New Mombasa muss eigentlich gar nichts mehr gesagt werden. Über Jean Giraud, oder auch Moebius und seine Arbeiten lässt es sich viel loben, über seine späteren Arbeiten möglicherweise auch zwiespältig sein.
In dieser Episode, die er zum Halo-Universum gestaltet, wirken seine Bilder noch reduzierter als früher, in Zeiten eines John Difool oder bei den Sternenwanderern.
Die Bilder sind auf ihre Art gut, halten aber keinen Vergleich mehr mit den Bildern aus den Tagen von Blueberry stand. In jedem Fall aber passen sie in ein SciFi-Szenario und unterstreichen die klinisch wirkende Zukunft, den Gegensatz der feudalen Innenstädte gegen die Slums, den sauberen Alltag gegen den einbrechenden Krieg.

Eine großartige Galerie, deren Bilder von verschiedensten Künstler erstellt wurden, rundet den Band ab.

Eine gelungene Comic-Anthologie zu einem Spiel, perfekte Ergänzung, aber auch mit vielen Alleinstellungsmerkmalen dank der versammelten hervorragenden Künstler.

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